Hans-Werner Sinn ist ja auch ein Perma-Bär

Im Interview mit Capital äußert sich der ehemalige Chef des Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn und erinnert schmerzlich daran, wie farblos und flexibel sich der Nachfolger zeigt:

  • Zum Handelsstreit: „Das ist gefährlich für die Weltwirtschaft. Man kann Trumps Maßnahmen aber auch so interpretieren, dass er Europa und China vorwirft, selbst keinen freien Handel zuzulassen. Wir Europäer haben uns zunächst einmal an die eigene Nase zu fassen. Amerikanische Autos werden in Europa mit 10-prozentigen Zöllen belastet. Europäische Autos in Amerika nur mit 2,5 Prozent. Eine zweite Branche, in der Europa Protektionismus betreibt, ist der Agrarsektor. Die Liste der Agrarimporte, die mit happigen Zöllen belastet werden, ist lang. Milchprodukte werden im Durchschnitt mit 35 Prozent belastet, Fleischprodukte im Durchschnitt mit 17 Prozent. Rindfleisch gar mit über 60 Prozent.“ – bto: Gern mit zweierlei Maß zu messen, ist aber wieder typisch für die EU und die Politiker.
  • Zu Trumps Steuersenkung und Investitionsprogramm: „Das erinnert mich an Reagans Wirtschaftspolitik. Ein riesiges Keynesianisches Konjunkturprogramm, das den ohnehin schon stattfindenden Aufschwung weiter anheizt und die Zinsen erhöht, was selbst wiederum eine Dollar-Aufwertung induzierte. Unter Reagan geriet Mexiko zwei Jahre nach seiner Wahl in eine verheerende Schuldenkrise. Der deutsche Immobilienboom brach ab und es kam zu einer großen Krise der Entwicklungsländer. Ich kann nur jedem raten, für die nächsten zwei, drei Jahre auf der Hut zu sein.“ – bto: Und dann kommt ja noch die ungelöste Eurokrise hinzu!
  • „Es ist ein Strohfeuer, ein reines Schuldenprogramm. Dennoch hat diese Strohfeuer die Kraft, die Welt in Unordnung zu bringen.“ – bto: Aber Trump könnte Glück haben und es kommt genau in den Abschwung hinein, dann gälte er als Genie.
  • Zu Griechenland: „Griechenland ist nach wie vor von einer gesunden Wettbewerbsfähigkeit weit entfernt. Die Produktion ist trotz einer gewissen Preiszurückhaltung in den letzten Jahren noch immer viel zu teuer. Die Löhne, die vor der Lehmann-Pleite aufgeblasen wurden, sind nach wie vor viel höher, als es mit der Produktivität kompatibel ist. Sie verhindern, dass Griechenland zu einem attraktiven Standort für Industrieansiedlungen werden kann. Der Plan der Griechen, eine Dienstleistungswirtschaft aufzubauen, die durch stets wieder neue Kredite aus dem Ausland am Leben gehalten wird, kann auf Dauer nicht funktionieren.“ – bto: Allerdings dürfte das Land auch nie einem exportorientierten deutschen Modell entsprechen.
  • „Griechenland müsste um 30 Prozent gegenüber 2007 real abwerten, also durch Senkung seiner relativen Produktpreise. 11 Prozent sind tatsächlich passiert. Je mehr Rettungskredite kommen, desto länger dauert die Kur.“ – bto: Es ist doch auch schöner, „gerettet“ zu werden. Es ist ein Fass ohne Boden.
  • Lösung: „Ganz klar mit der Schäuble-Papandreou- Varoufakis-Lösung: Griechenland tritt aus der Währungsunion aus, und die Drachme wertet ab. Nur so kann Griechenland wieder wettbewerbsfähig werden.“ – bto: Ich glaube, das können wir vergessen. Sie müssen austreten, denn sonst liegen sie uns immer auf der Tasche.
  • Zum Euro: „Wir erleben eine Scheinblüte, die auf die EZB-Politik der Nullzinsen und das Staatsanleihenkaufprogramm zurückgeht. Das versetzt die Staaten in die Lage, am Markt keine höherverzinslichen Papiere anbieten zu müssen. Das ist eine Bonanza, ein rein keynesianisches Strohfeuer. Der staatliche Nachfrageboom überdeckt die nach wie vor bestehenden Probleme bei der Wettbewerbsfähigkeit.“ – bto: und der Überschuldung!
  • Zum Bankensektor: „Viele faule Kredite sind noch gar nicht ausgewiesen, weil die EZB die Schuldner der Banken mit neuen Krediten die alten Kredite bedienen lässt. Dennoch sind die bereits jetzt ausgewiesenen faulen Kredite riesengroß.“ – bto: darum auch die Idee mit der Bankenunion.
  • Zur EU: „Ich finde, wir sollten unser Augenmerk eher auf eine politische Union für die gesamte EU legen. Das umspannt in meiner Vorstellung eine gemeinsame Außenpolitik, einen gemeinsamen Grenzschutz, eine europäische Armee und eine Harmonisierung der Rechtssysteme. Dazu kommen dann grenzüberschreitende Projekte, die regional durchgeführt werden sollten und andere Formen der Zusammenarbeit.“ – bto: Das kann man sich wünschen, ist aber in der aktuellen Lage meines Erachtens völlig illusorisch.
  • „(…) eine Transferunion, wie sie sich Macron vorstellt, wird eine solche Union scheitern lassen. Die Franzosen wollen nämlich gar keine Verteidigungsunion, sie wollen ihre Force de Frappe (Atomstreitmacht) für sich behalten und sie nicht einer europäischen Institution überlassen. Wenn Deutschland einer Fiskalunion zustimmt, fehlt jeder Grund, warum die Franzosen dann noch Zugeständnisse bei der Verteidigungsunion machen sollten.“ – bto: Es geht ohnehin nur um Frankreich, nicht so sehr um Europa.
  • Sollten sich die jetzigen Vorzeichen irgendwann einmal drehen und Deutschland finanzielle Mittel benötigen, wird die Transferunion sowieso beendet. Die Vorstellung einer Risikoteilung mit Geben und Nehmen und einem Ausgleich über die Zeit ist nach aller Erfahrung, die wir mit dem vielfältigen Bruch der Verträge der Europäischen Union haben, naiv.“ – bto: Das war genau meine Argumentation bei manager magazin online vor einigen Monaten. Frankreich würde niemals für uns bezahlen.
  • Richtig Bewegung kriegt man allerdings erst rein, wenn man das Volk direkt anspricht. Wir haben ein Volk von mündigen Bürgern, die in der Lage sind, sich selbst ein Bild zu machen. Mit Argumenten, die das Volk überzeugen, kann man die Politik über den indirekten Weg, der nicht über die Verhandlungszimmer führt, beeinflussen. Das ist meine Idealvorstellung: Mit mündigen Bürgern Ideen reifen und eine Diskussion im öffentlichen Raum stattfinden zu lassen.“ – bto: wenn das keine gute Begründung auch für diese Seiten ist!

capital.de: „Ich kann nur jedem raten, die nächsten Jahre auf der Hut zu sein“, 30. April 2018

24 Kommentare
  1. troodon sagte:

    1) „Ich kann nur jedem raten, für die nächsten zwei, drei Jahre auf der Hut zu sein.“
    Das sollte man immer sein…

    2) „Wir haben ein Volk von mündigen Bürgern, die in der Lage sind, sich selbst ein Bild zu machen. Mit Argumenten, die das Volk überzeugen, kann man die Politik über den indirekten Weg, der nicht über die Verhandlungszimmer führt, beeinflussen. Das ist meine Idealvorstellung: Mit mündigen Bürgern Ideen reifen und eine Diskussion im öffentlichen Raum stattfinden zu lassen.“

    Professorales Wunschdenken… Viele Bürger wollen „nur“ gut regiert werden, haben an echten Diskussionen/Veränderungen wenig Interesse…Veränderungen bergen auch immer die Gefahr, dass es schlechter wird für einige/viele… Es wird sich mal aufgeregt, mehr aber auch nicht…Deshalb geht es weiter so mit dem Durchwursteln, die Mehrheit scheut das Risiko der Veränderung … In der nächsten Krise wird es dann heiß, weil ja irgendwie „alle“ wussten, dass es so nicht ewig weitergehen kann…

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    • SB sagte:

      @troodon: Man muss Ihre zutreffende Einschätzung zusätzlich noch mit Blick auf die Altersstruktur „der schon länger hier Lebenden“ sehen: Ein Großteil der Wählerschaft will nur noch sein Auskommen für den Lebensabend gesichert sehen. Alles andere interessiert diese Gruppe nicht mehr und für mehr als Durchwursteln haben die auch keine Kraft mehr. Die wählen aus Gewohnheit einfach, was sie schon immer gewählt haben und sei es inzwischen auch das genaue Gegenteil von dem, was es einmal war. Unter diesen Umständen ist eine Veränderung schon von vornherein aussichtslos. Und das wirklich Negative der aktuellen Entwicklung wird sie gar nicht mehr treffen.

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    • Der Analyst sagte:

      @troodon

      „Professorales Wunschdenken… Viele Bürger wollen „nur“ gut regiert werden, haben an echten Diskussionen/Veränderungen wenig Interesse…Veränderungen bergen auch immer die Gefahr, dass es schlechter wird für einige/viele… Es wird sich mal aufgeregt, mehr aber auch nicht…Deshalb geht es weiter so mit dem Durchwursteln, die Mehrheit scheut das Risiko der Veränderung … In der nächsten Krise wird es dann heiß, weil ja irgendwie „alle“ wussten, dass es so nicht ewig weitergehen kann…“

      Das sehe ich zu 100 Prozent genauso.
      Alle Reden immer von Veränderungen und Anpassungen. Was man an sich selbst ändern will, was man an Dingen, Abläufen, etc. ändern will. Alles soll anders werden. Und? In der Regel passiert ja doch nichts.

      Wir Deutschen sind besonders gut darin, immer nur zu meckern und uns zu beschweren. Aber mal etwas zu ändern fällt niemandem ein. Selbst Einstein sagte schon „Nothing happens until something moves“.

      Jeder sitzt in seinem eigenen Hamsterrad und versucht dieses am Laufen zu halten. Die Leiter immer höher klettern. Und am Ende fällt uns auf, dass es doch keine Leiter war. Wenn man immer nur auf die nächste Sprosse schaut, sieht auch ein Hamsterrad aus wie eine Leiter.

      Die EZB versucht auf Biegen und Brechen den Euro am Leben zu halten. Solange die Zombies (Zombiefirmen) zumindest noch zucken, ist alles in Ordnung.

      Dem Kabinett Merkel IV geht es nur noch um Machterhalt. So schreibt es auch der Cicero: „Statt um eine gute Politik geht es nur noch um den Machterhalt der Kanzlerin.“ https://www.cicero.de/innenpolitik/koalitionsvertrag-grosse-koalition-groko-union-konservative

      Alle Tanzen, solange die Musik spielt. In der nächsten Krise/Rezession wird uns weltweit schon vieles um die Ohren fliegen. Doch spätestens wenn Anfang der 2030er alle Babyboomer in Rente gegangen sind, haben wir in Deutschland ein gehöriges Problem. Doch bis dahin kann man ja noch einige Runden im Karussel fahren.

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    • Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon

      >Professorales Wunschdenken… Viele Bürger wollen „nur“ gut regiert werden, haben an echten Diskussionen/Veränderungen wenig Interesse…>

      Ja, es ist professorales Wunschdenken.

      Aber man darf es nicht nur, sondern sollte es auch haben, allerdings wie Prof. Sinn mit der Überschrift „meine Idealvorstellung“ versehen.

      Sich immer bewusst zu sein, dass es eine ist, sollte man sich sehr wohl um ernsthafte Diskussionen im öffentlichen Raum bemühen.

      Damit ist vielleicht nur Hoffnung verbunden, die aber immerhin.

      Meine Wahrnehmung ist, dass der Bloginhaber und einige Diskutanten hier engagiert bei der Sache sind.

      Ansonsten gehe ich noch weiter als Sie, leider:

      Viele Bürger haben noch nicht einmal ein Interesse daran, dass das Bestehende, insbesondere die Regeln eingehalten werden.

      Sie begreifen nicht, dass die Einhaltung von Regeln sie vor Willkür SCHÜTZT.

      Dafür braucht’s keinen Lindner und die Bäckerei, sondern nur die Beobachtung des unmittelbaren Umfelds.

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      • Wolfgang Selig sagte:

        @Hr. Tischer: Sie treffen den Nagel bzgl. der Bürger und den Regeln auf den Kopf. Und da halte ich es in diesem Falle ausnahmsweise mit Guido Westerwelle, der das prägnant auf den Punkt gebracht hat: „spätrömische Dekadenz“. Mehr ist zu dieser an echter Politik in Wirklichkeit desinteressierten Gesellschaft, vor allem zum jüngeren Teil, seriös nicht mehr zu sagen.
        Oder flapsig formuliert: Hauptsache, DSDS und Champions League sind im Fernsehen und mein Handy hat Netz. Dann werden die Masse der Leute in diesem Land es halt bei der nächsten Krise auf die harte Tour lernen müssen; anders geht es anscheinend nicht. Schade.

      • troodon sagte:

        @ DT
        „Meine Wahrnehmung ist, dass der Bloginhaber und einige Diskutanten hier engagiert bei der Sache sind.“
        Das sehe ich absolut genauso. Es ist und bleibt aber ein kleiner Teil der Bevölkerung. Hr.Stelter und den Diskutanten hier im Blog bin ich auch sehr dankbar für den Meinungsaustausch und die zahlreichen Anregungen. „Idealvorstellungen“ gehören auch dazu, auch wenn sie mir zu unrealistisch und theoretisch daherkommen.
        @ Wolfgang Selig
        Hauptsache ich hab Netz trifft es wirklich gut. Was wäre das für ein Aufschrei, bei zwei Woche ohne Netz.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig, troodon

        Wir sind uns einig – leider, muss man wohl bei diesem Thema sagen.

        Was ich nicht fassen kann:

        Wir haben eine jüngste Geschichte, aus der man wirklich etwas lernen könnte.

        Welchen Anschauungsunterrichts bedarf es denn noch, um zur Besinnung zu kommen?

        Und wir haben zumindest einzigartige materielle Voraussetzungen, um uns auch einmal besinnen zu können statt blindlings wie die Kleinkinder nach allem Bunten zu grapschen.

        Nein, nichts, vergebens.

        Die Dinge nehmen ihren Lauf wie in einem griechisches Drama.

        Nur noch schlimmer:

        Es werden nicht nur jene leiden, die es sich eingebrockt haben, sondern – so fürchte ich – auch diejenigen, die sich um Einsichten bemüht haben, werden teuer bezahlen.

        Damit meine ich nicht mich.

        Denn mich wird es vermutlich nicht mehr treffen.

    • globalvoterorg sagte:

      Eklatant ist die Tatsache, die Ursache der Abwärtsspirale, im System, wird nicht angesprochen. Was hilft Volkswirtschaft, ohne ein Volk, daß auf Augenhöhe mit den Grundzusammenhängen zurecht kommt! Die „quantitative“ Demokratie ist gescheitert, damit mußte auch die EU scheitern, Es fehlt an politischer Qualität an allen Enden! 50% + 1 Stimme ist die Entscheidungsmasse, die die Abwärtsspirale ausmacht! Keiner will das wahrhaben, weshalb es eher zum Crash kommt, als zum präventiven Krisenmanagement. Die Regierungen sind ein Abbild der obigen Mittelmäßigkeit. What else!? Die EU Komission/Brüssel ist ein Krebsgeschwür, ohne Gleichen, diw Quintessenz der Fehlendscheidungen. „One man, One vote“ ist eine Hoax der Dominanten. Diese Demokratie sollte nicht funktionieren. Wann geht das endlich in die Köpfe der Linken/Gutmenschen und beamtenten Schwätzer ein!? 85% der Menschheit sind Mitläufer. Deshalb müssen die 15% der Wähler anders gewichtet sein. Diese Zielgruppe soll 80% der Stimmen haben. Schluß mit der Farce der Finanzeliten, die die Menschheit nach Strich und Faden verarschen!
      Don´t make a mistake! 15% der Wähler in D, 9x Millionen Mitbürger, wären mir lieber als die Dominanz/Diktatur von 0,001% der Finanzeliten. Wie weit müssen wir es treiben!? Bis zum WW III und möglicher Vernichtung, um ein wenig Selbstkritik und Demut zu generieren. Mit einem Bürger von miserabler politischer Bildung und einem IQ von unter 90 läßt sich keine Zukunft bewerkstelligen! Wir brauchen Qualität, zuerst bei den bestimmenden Bürgern und zwar von unten nach oben und nicht umgekehrt! Die Aufwärtsspirale geht NUR durch Qualifikation! Auch und besonders bei einer Neuen Demokratie in der Gemeinwohlwirtschaft!

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      • Nicht so klug sagte:

        @globalvoterorg

        „Mit einem Bürger von miserabler politischer Bildung und einem IQ von unter 90 läßt sich keine Zukunft bewerkstelligen!“

        Ich habe laut IQ-Test einen IQ von 89. Ich verbitte mir diese Verachtung von Menschen mit einem niedrigen Intelligenzquotienten. Auch wir „nicht so klugen“ Menschen sind ganz normal und ein Teil unserer Gesellschaft.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Nicht so klug

        Sie sind nicht nur ganz normal und ein Teil der Gesellschaft.

        Wenn Sie sich mit Einsicht und gutem Willen für die Gesellschaft engagieren, sind Sie ein größerer Gewinn für alle als diejenigen, die mit abgehobenen IQ nur für sich selbst da sind.

  2. Ondoron sagte:

    Die politischen Forderungen, die sich aus dieser Analyse ergeben, erhebt nur die AfD. Ist Ihnen das hier eigentlich klar? Europa der Vaterländer, Kooperation, Wettbewerb. Und da schwadroniert die Hochleistungspresse immer von den neuen NationalSOZIALISTEN in der AfD, die als einzige im Bundestag Namen wie Erhard, Röpke und ähnliche buchstabieren können.
    Die CDU ist zu einer weiteren sozialistischen Partei mit der Agiationsdame geworden; die FDP unter Lindner muss den Euro als Großideologie verteidigen und ist darüber internationalSOZIALISTISCH geworden mit vernachlässigenswerten Einsprengseln freiheitlicher Vorstellungen.

    Es geht auf in die EUSSR, solange Deutschland zahlt. Mit den zu versorgenden Migranten in Deutschland wird dieses Land kollabieren. Und wird dann allein stehen.
    Wenn man zu diesen Überlegungen Vorstellungen anglo-amerikanischer Thinktanks stellt, dann kann einem schon übel werden. Wie gut, dass die Hochleistungspresse darüber nicht berichtet. Social Engineering funktioniert wunderbar.

    Antworten
  3. Johannes sagte:

    Respekt an Sinn auch für das öffentliche Eingestehen seiner Fehleinschätzung:

    „Gibt es ein Thema bei dem Sie mit ihrer Einschätzung komplett daneben lagen?

    Ja, beim Euro. Als er damals eingeführt wurde war ich zu naiv und habe die Gefahren durch
    die Vergemeinschaftung von Schulden, die andere Kollegen bereits vorausgesagt hatten,
    unterschätzt. Ich habe mich auf den Vertrag von Maastricht verlassen und dachte, dass ein
    solches Szenarium ausgeschlossen ist. Aber wie wir mittlerweile wissen, wurde der Vertrag
    nicht eingehalten.“

    Antworten
    • Wolfgang Selig sagte:

      Und daran kann man erkennen, warum der Nachfolger Herr Prof. Fuest so gründlich ausgewählt wurde. Es war für die Politik und die Mainstreammedien unerträglich, dass ein selbstständig denkender unabhängiger Kopf wie Sinn auf einer so derart prominenten Stelle sitzt. Dieses Problem ist jetzt aus Sicht der Politik auch gelöst. Wenn Herr Sinn irgendwann aufgrund von Alter oder Gesundheit in ein paar Jahren nicht mehr aktiv an der Debatte mitwirken kann, wird das letzte allgemein bekannte kritische Gesicht mit Fachkompetenz verschwunden sein.

      Antworten
  4. Dietmar Tischer sagte:

    >Sollten sich die jetzigen Vorzeichen irgendwann einmal drehen und Deutschland finanzielle Mittel benötigen, wird die Transferunion sowieso beendet.>

    Sie wird schon VORHER beendet.

    Dann nämlich, wenn die finanziellen Mittel, die Deutschland benötigt, IN Deutschland bleiben und nicht mehr in die Union transferiert werden.

    Sinn hat einmal gefragt:

    Energiewende, demografisch bedingte Umverteilung, Integration der Zugewanderten und Transfers in die Union – schaffen wir das?

    Eines der Projekte schaffen wir, aber nicht alle – das hat er sinngemäß gesagt.

    Der Mann kann rechnen – man sollte ihm glauben.

    >… äußert sich der ehemalige Chef des Ifo-Instituts Hans-Werner Sinn und erinnert schmerzlich daran, wie farblos und flexibel sich der Nachfolger zeigt:>

    Das ist auch mein Eindruck von C. Fuest.

    Antworten
  5. prestele sagte:

    In jeder, der in Bewunderung von HWS zu erstarren droht, möge sich seines Buches“Ist Deutschland noch zu retten“ aus dem Jahre 2003 erinnern, in der er die Wirtschaftpolitik Englands und Irlands als Vorbild für die deutsche Wirtschaftspolitik pries. Die wirtschaftlich und sozialpolitische Entwicklung dieser beiden Länder, nicht zuletzt in deren Finanzsektor,der letzten 15 Jahren bietet wahrlich keinen Beleg für das ökonomische Augenmaß von HWS

    Antworten
  6. Carsten Pabst sagte:

    Sehr geehrter Herr Selig,
    ihre Aussage: „Mehr ist zu dieser an echter Politik in Wirklichkeit desinteressierten Gesellschaft, vor allem zum jüngeren Teil, seriös nicht mehr zu sagen“, möchte ich teilweise widersprechen. Natürlich kann bei aller medialen Beschallung, denen jungen Menschen heute dauerhaft ausgesetzt sind, der Eindruck entstehen, diese würden sich nicht für Politik interessieren. Aber aus täglichen Gesprächen mit meinen Lehrlingen kann ich Ihnen versichern, das viele politisch interessiert sind und auch das Weltgeschehen verfolgen. Also nehmen wir mal die Generation Y (Geburtsjahre 1985-2000). Sie haben unmittelbar eine Kette von Ereignissen miterlebt und sind mit Ihnen aufgewachsen:
    11. September, der beinahe Zusammenbruch des Finanzsystems nach der Lehman- Pleite, Fukushima, eine Klimakatastrophe nach der Anderen, geopolitisch verschiedenste Krisenherde, Globalisierung, Digitalisierung, Wandel der Arbeitswelt
    Das spüren/ spürten auch meine Handwerkslehrlinge und haben daraus gelernt: Nichts ist mehr sicher. Sie blicken optimistisch in die Zukunft (was Sie auch können) und haben einen sehr großen Vorteil: Wenn es hart auf hart kommt, wird es auch Sie treffen. Wie nannte es Felix Zulauf: „Nass werden wir bei dem Gebirgsgewitter alle. Man sollte sich nur nicht vom Blitz oder einem Erdrutsch erwischen lassen“
    Aber die jungen Menschen haben die Zeit, wieder trocken zu werden. Auch durch Abwanderung (leider und dann wahrscheinlich) in gemäßigtere Zonen.
    Und deshalb widerspreche ich auch @SB: Kommt der große Knall, wird es genau jene treffen, die Ihren Lebensabend gesichert sehen woll(t)en. Die jetzigen Rentner und Pensionäre, die zum Teil durch ihr jahrzehntelanges Wahlverhalten evtl. nicht ganz unschuldig an dieser Situation sind. Was jetzt an jungen Menschen nachkommt (Geburtsjahr ab 2000), kann ich auch nur als positiv bewerten. Auch hier mag es verschiedene Defizite im Bereich Bildung geben, ausdrücklich unserem staatlich vermurksten Bildungssystem geschuldet, aber die jungen Menschen leben nicht nur von Fernsehen und Handy (Mir ist Ihre Formulierung flapsig bewußt). Sie sind besser als allgemein oftmals wahrgenommen. Und um sie politisch abzuholen: Lasst sie an Wahlprozessen teilhaben und mit 16 wählen. Und BTO wird zum Pflichtblog im politischen Unterricht der allgemeinbildenden Schulen :-)
    Freundliche Grüße
    Carsten Pabst
    Carsten Pabst

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Carsten Pabst

      Jeder hat seine Beispiele, kann anekdotisch auf dies und das verweisen.

      Ich will es lassen, es bringt nicht viel.

      Als Bemerkung nur so viel:

      Wenn Sie bei „gelernt“ auf „Nichts ist mehr sicher“ verweisen, haben Sie vermutlich recht.

      Es stimmt ja auch.

      Aber das ist BEFINDLICHKEIT – durchaus erforderlich und eigentlich auch produktiv umsetzbar.

      Mein Eindruck ist, dass sie nur zu oft in Umverteilung und Forderungen an andere mündet.

      Um was es geht:

      Gerade die jüngeren Menschen müssten sich ein GRUNDVERSTÄNDNIS bestimmter wirtschaftlicher, sozialer und politischer Zusammenhänge und Entwicklungen aneignen. Das muss nicht gleich wissenschaftlich sein, aber so etwas wie Orientierung verleihen.

      Das fehlt.

      Und wie wir hier festgestellt haben:

      Es fehlt schon an den ANREIZEN dafür, sich darum zu bemühen.

      An diesem Punkt kann man natürlich streiten:

      Liegt es daran, dass alles zu UNSICHER ist, oder geht es auch den jüngeren Leuten heute so GUT, dass Sie glauben, sich nicht um die Zukunft sorgen zu müssen?

      Ich will die Frage nicht beantworten, sondern lediglich feststellen:

      Egal, was die Antwort ist, sie ändert nichts an dem, was wir zur Kenntnis nehmen müssen.

      Antworten
      • Carsten Pabst sagte:

        Sehr geehrter Herr Tischer, vielen Dank für Ihre Antwort. Ihrer Feststellung: -Gerade die jüngeren Menschen müssten sich ein GRUNDVERSTÄNDNIS bestimmter wirtschaftlicher, sozialer und politischer Zusammenhänge und Entwicklungen aneignen. Das muss nicht gleich wissenschaftlich sein, aber so etwas wie Orientierung verleihen-
        stimme ich ja ausdrücklich zu. Nur wo soll denn bitte schön die Orientierung in diesen Fragen herkommen? Und kann man die im Alter von 15- 18 (Lehrzeit) überhaupt schon erreicht haben? Dieses Grundverständnis muß reifen, das bekommt man als junger Mensch nicht von heute auf morgen. Vieles ist abhängig vom Elternhaus und wie sie es in Ihrem Umfeld vorgelebt bekommen. Und das ist heute meistens das Problem. Sie glauben gar nicht, wieviel junge Menschen ich hier ausbilde, deren Eltern staatlich alimentiert werden, somit einen geringen Anreiz verspüren, einer geregelten Arbeit nachzugehen. Und trotzdem sind viele Willens, eine Ausbildung mit einem guten Abschluß zu machen. Und das verdient in meinen Augen Respekt. Wichtig für diese junge Menschen sind in diesem Lebensabschnitt Menschen, an denen sie sich orientieren können. Und daran hapert es massiv. Ich denke, wenn Sie sich mit einem Kaffee in eine Fußgängerzone setzen und manche Menschen beobachten, werden sie wissen was ich meine. Und ja, Sie haben vollkommen Recht mit den fehlenden Anreizen. Wir leben in Zeiten des Pumps auf Teufel komm raus: „Lebe heute, bezahle morgen“, war der Slogan der Kreissparkassen. Leider kommt morgen viel früher als der Konsument denkt. Und wenn dann das Elternhaus schon alles least, wo bitte soll das Grundverständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge kommen (Im Kontext WIRTSCHAFTEN)? Also sind meiner Meinung nach die jungen Menschen ein gutes Abbild der Gesellschaft. Das zumindest nehme ich zu Kenntnis und versuche in manchen Bereichen gegenzusteuern und sie zu unterstützen. Und ja, es wir hart, wenn das Funknetz ausfällt. Aber dann wird sich auch der ein oder andere Erwachsene verlaufen :-)
        Freundliche Grüße
        Carsten Pabst

    • Wolfgang Selig sagte:

      Sehr geehrter Herr Papst,

      vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Nur eins vorab: Von Handwerkslehrlingen habe ich in politischen Fragen eine deutlich höhere Meinung als von Studenten insbesondere geisteswissenschaftlicher Studiengänge.

      Ich schlage Ihnen vor, etwas zu machen , was einer meiner Lehrer vor Jahren vorgemacht hat: eine fiktive anonyme Wahl mit dieser Lehrlingsgruppe ( muss natürlich groß genug sein, damit der einzelne in seinem Wahlverhalten anonym bleibt). Wenn Sie vom Ergebnis dieser Wahl nicht überrascht sind, haben Sie und Ihre Lehrlinge meine allerhöchste Anerkennung verdient. Ich habe bei so etwas hinterher zwei Mal sehr viel frische Luft benötigt. Ein anderer hätte wohl an meiner Stelle damals ein starkes Getränk zu sich genommen…

      Antworten
  7. globalvoterorg sagte:

    @ nicht so klug
    Wir gehen auf eine gewaltige Krise zu. Vielleicht die größte Herausforderung, überhaupt, der Menschheitsgeschichte. Eben, mit Ihrer Einstellung/Blindheit werden wir nie zu Potte kommen. Rette sich wer kann.
    Die Menschen sind gleich, aber unschiedlich. Am besten läßt sich das, u.a., am Gehalt ablesen. Ich, persönlich, verzeihe Ihnen die Mittelmäßigkeit, aber die Geschichte wird es nicht! Man könnte Ihnen, vermutlich, eher chinesisch beibringen, als, daß Sie die Realität der Weltordnung und Ihre eigene Beziehung (Mittäterschaft) dazu erkennen. Gewollt oder ungewollt.
    Jeder Torjäger, beim Fußball, darf viel verdienen, kein Problem, weil, selbst, der „Prollo“ ihn als Leistungsträger einstuft. Wieviele Tore hat Merkel geschossen? Fortlaufend Eigentore !! Ist Ihnen das, z.B., aufgefallen. Vermutlich nur beim Spielende. Wenn alles vorbei ist! Die Spreu trennt sich vom Weizen. Ein Naturgesetz. Viel Glück! In der Tat, haben Sie viel mehr gleichgesinnte Leidensgenossen, als ich. Es muß, einmal, jemand gesagt haben. Sorry!

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