Europa auf dem Weg nach Japan – nur schlimmer

Europa ist fest auf dem Weg in ein japanisches Szenario. Aus mehreren Gründen wird es bei uns allerdings nicht so kommod ablaufen:

  • Die EZB wird anders als die Bank of Japan später handeln und damit die Flughöhe der Japaner nicht erreichen.
  • Die Produktivität pro Kopf wächst hier deutlich schlechter, was mit fehlenden Investitionen und abnehmender Bildungsqualität zu tun hat.
  • Die Bevölkerung ist aufgrund der Zuwanderung der letzten Jahrzehnte nicht so homogen und deshalb vermutlich weniger bereit als die Japaner, Einschränkungen hinzunehmen.
  • Die Eurozone ist nicht ein Land, sondern eine Ansammlung mehrerer Länder, die eigene Interessen in den Vordergrund stellen werden, was die Spannungen verschärft.

Die Märkte signalisieren zumindest, dass wir ökonomisch auf dem Weg sind:

  • „Europe’s bond volatility is grinding to a halt, leading investors including Pimco to fear the region’s economy and markets are spiraling toward their own version of Japan’s lost decade. There’s a strong probability that what happened in Japan two decades ago is currently unfolding in the euro zone right now,’ said Andrew Bosomworth, a money manager at Pacific Investment Management Co. ‘It probably means the Japanification of capital markets – lower yields for a longer time. Maybe forever.’“ – bto: was ein entsprechendes realwirtschaftliches Szenario bedeutet.
  • „Price swings in the European sovereign debt market are the most depressed in history, (…) That has already helped push benchmark German Bund yields to the lowest in two years and spurred record demand for the higher returns from riskier peripheral debt.“ – bto: Das ist nicht so riskant, weil es klar ist, dass im Zweifel die EZB alle raushaut.

Quelle: Bloomberg

  • „That leaves investors doubting the European Central Bank will be able to extricate itself from a negative interest-rate policy, mirroring Japan’s struggle to revive its economy from years of flat-lining growth. The Asian nation became the first to cut borrowing costs to zero 20 years ago, eroding debt-price swings and trading volumes. The low volatility trend was exacerbated by the country’s central bank implementing a bond curve control policy in 2016, limiting the range that 10-year yields could go either side of zero percent.“ – bto: Das bekommen wir alles, wenngleich es bei der EZB wegen des Streits mit den Nordländern dauert. Deutschland hat hier ohnehin schon resigniert.
  • „(…) parallels between the euro zone and Japan’s experience on the time it’s taking to clean up non-performing loans in the banking sector and on ageing populations, an ‘elephant in the room’ that is leading to lower structural inflation. That is likely to mean central banks keep rates low for decades (…).“ – bto: Das ist nur vordergründig eine gute Nachricht, weil die Europäer, anders als die Japaner, nicht so leidensfähig sind.

 

Quelle: Bloomberg

  • „The collapse of bond volatility and convergence of European core bond yields to Japanese government bonds is a sign Europe is facing the risk of structural low inflation, (…) Traders betting on ‘lower-for-longer’ are flattening both nominal and inflation-linked yield curves in Europe, while bonds of historically riskier nations, such as Spain and Portugal, have rallied. Those bonds offer some of the highest ‘carry,’ or larger coupon payments, that are a worthy investment should volatility stay low and political turbulence muted.“ – bto: und mit der Versicherung der EZB.
  • „It’s also why the rally in Bunds may not be done yet. The securities provided one of the few sources of returns for investors last year as the Federal Reserve hiked and the bull run in equities drew to an end.“ – bto: Es zeigt, wie krank das System mittlerweile ist. Ja, es hat viel mit Demografie zu tun. Aber eben auch mit den ungelösten Problemen bei Schulden und Produktivität.

→ bloomberg.com: „Death of Bond Volatility Has Pimco Fearing for Europe’s Future“, 6. März 2019

29 Kommentare
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    ikkyu sagte:

    @ W. Selig

    Da haben Sie wahrscheinlich recht.

    Authentische Politiker, die für ihre Prinzipien auch bei Gegenwind einstehen, gibt es so gut wie nicht mehr. Die „Showman“ haben sich überall durchgesetzt.

    Ich vermute, dass sich ein Franz Josef Strauß nicht so verbogen hätte, nur um in der Öffentlichkeit für kurze Zeit „gut“ dazustehen.

    Letztendlich liegt es am Wähler.

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    ikkyu sagte:

    Ein wesentlicher Unterschied zu Japan, der die wirtschaftliche Lage in Deutschland (und Europa) massiv verschlechtern wird, ist der Umstand, dass sämtliche Altparteien in Deutschland und die Mehrheit der Bevölkerung Ökosozialisten sind, was sich auch in einer allgemein vorherrschenden Technikfeindlichkeit (gegen Gentechnik, gegen Kerntechnik, gegen Alles) zeigt.

    Sogar der Herr Söder von der CSU will den Klimaschutz in die Bayerische Verfassung schreiben.

    Was daraus folgt, kann man an den erfolgreichen Klagen der DUH für Fahrverbote in deutschen Städten sehen.
    Den überzogenen NO2-Grenzwerten haben damals auch alle Altparteien in der EU zugestimmt und nicht damit gerechnet, dass irgendwann geklagt wird.

    Steht der Klimaschutz erst einmal in der Verfassung, kann man damit ganz einfach z.B. die massive Erhöhung von Energiesteuern legitimieren oder für die Einführung von Klimaschutzmaßnahmen klagen. Da findet sich dann schon eine von der Regierung mit Mio. Steuergeldern finanzierte Organisation wie die DUH.

    Falls es keine politische oder wirtschaftliche Disruption gibt, wird sich Deutschland nach meiner Meinung deswegen eher in Richtung einer ökosozialistischen Planwirtschaft mit dauerhafter Stagflation (Energiepreise + Gelddrucken) entwickeln.

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      Wolfgang Selig sagte:

      @ikkyu:

      Herr Söder WILL nicht den Klimaschutz in die Verfassung schreiben, er MUSS angesichts der Wahlergebnisse auf den Zuwachs der Grünen reagieren, wenn die CSU Volkspartei und er deren Vorsitzender bleiben will. Bei einem Wahlergebnis der Grünen unter 10 % bei der letzten bayerischen Landtagswahl hätte Herr Söder nicht im Traum daran gedacht. Außerdem hat die bayerischen Verfassung für Herrn Söder einen Riesenvorteil: sie ist technologieoffen, nicht wirklich einklagbar, zeitlich problemlos streckbar und von hoher Symbolkraft. Daher machen ja die Grünen bei der Verfassungsänderung nicht mit…

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    MFK sagte:

    Es ist immer schwierig auf komplexe Lagen mit einem einfachen und notgedrungen kurzen Kommentar zu antworten. Um Japan zu verstehen, muss man Richard Koo lesen, Stichwort Bilanzrezession, Immobilienblase und deren längerfristigen Auswirkungen. Ich bin mir nicht sicher, ob man das auf Europa übertragen kann, neige eher dazu dass das nicht der Fall ist.

    Negativzinsen sind m.E. eine zusätzliche (Vermögens-) steuer. Ob sie darüber hinaus Wirkung entfaltet, nämlich dass sie zu nennenswertem zusätzlichen Konsum führt, wage ich zu bezweifeln. Erstens ist diese Steuer dazu zu gering, zweitens wie soll dieser Konsum bei der Masse aussehen?

    Unabhängig davon ob der Nullzins wirklich der Marktzins ist, hat er erhebliche Nebenwirkungen, Stichwort Bankenpleiten, Zombieunternehmen, Asset Blase mit den einhergehenden sozialen Folgen (Mieten), private Altersvorsorge etc. Letztendlich besteht auch die Gefahr dass die Politiker es bei der Wählergewinnung übertreiben und das Maß verlieren, insbesondere wenn noch eine Rezession zur derzeitigen Lage hinzukommt.

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    Eva Maria Palmer sagte:

    @Herr Troodon

    „Nehmen Sie Prognosen von Dr.Krall nicht immer für bare Münze….“

    Da ich selbst großen Wert darauf lege, daß meine Klienten meine Prognosen ernst nehmen, gestehe ich auch anderen Leuten zu, daß ihre Prognosen ernst zu nehmen sind.

    Zum Glück haben wir einen Herrn Dr.Stelter, der mit seinen Prognosen eigentlich einem Leistungsträger die Auswanderung in ein Land empfiehlt, in dem aufgrund seiner Ausbildung bessere Chancen zu erwarten sind und weiterhin empfiehlt er, nicht in Europa zu investieren.

    Für mich, der auch die Bücher von Dr.Stelter gelesen hat, wäre es also naheliegend, sofort auszuwandern, wenn ich 30-40 Jahre jünger wäre.

    Wenn also der Mann, der die Systeme für die Risiko-Tragfähigkeit der Banken fast alleine entwickelt hat, von Herrn Stöcker als unfähig betrachtet wird, qualifizierte Aussagen zum Finanz- und Bankensystem zu machen, nur weil er ein Neoliberaler ist und genau ich, Gold liebt, dann halte von den herabwürdigenden Aussagen gegen diesen Mann überhaupt nichts.

    Der Mann schreibt am laufenden Band Besteller mit bis zu 8 Auflagen, wird von vielen ernstzunehmenden Kollegen gelobt und zitiert.

    Warum sollte ich diesem Mann und nicht den hanebüchenen Vertretern der EZB und ihren „neuen Produkten“, an Glaubwürdigkeit und größerem Expertenwissen mehr Vertrauen entgegenbringen, als den Fiat-Gelddruckern.

    Wenn die Testate der „Fachleute“ der EZB z.B. nach Prüfung des notleidenden italienischen Banken-Marktes zum Schluß kommen, in Italien gäbe es trotz 450 Milliarden großen Ausfall-Risiken keine Probleme, dann würde ich die Qualität der Testate in die gleiche Rubrik einordnen, in der sich auch die kriminellen US-Ratingagenturen befinden.

    Soviel zu der Arbeit der EZB.

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      troodon sagte:

      @ EMP
      Sie scheinen so sehr von ihrer Sichtweise überzeugt zu sein, dass sich jede weitere Anmerkung eigentlich erübrigt, da Sie keine größere Bereitschaft zeigen die eigene Sichtweise bzw. die von Herrn Krall zu hinterfragen.

      Letzte kurze Anmerkungen,
      Sie schreiben in Bezug auf Dr.Krall “ von Herrn Stöcker als unfähig betrachtet wird, qualifizierte Aussagen zum Finanz- und Bankensystem zu machen, “
      MS schrieb:
      „Und dumm ist Markus Krall keinesfalls und er kritisiert ja auch viele Dinge völlig zu recht. Er operiert mAn allerdings mit falschen geldpolitischen Theorien und kommt somit zu völlig falschen Schlüssen (Stichwort Währungswettbewerb sowie Goldstandard).“
      Ihre Aussage passt aus meiner Sicht nicht zu der von MS.

      Und Ausfall-Risiken im Bankensystem waren IMMER vorhanden, sind aktuell vorhanden und werden auch immer vorhanden sein. Sie gehören zum Business dazu. Die Frage ist immer, wie wahrscheinlich ist es, dass die Risiken auch tatsächlich zu entsprechend hohen Ausfällen führen.

      Sie kommen doch ZU RECHT auch nicht auf Idee kein Gold zu haben, nur weil das Risiko besteht, dass privater Goldbesitz verboten wird und Sie enteignet werden. Sie werden auch abwägen, für wie hoch Sie dieses Risiko erachten und dann handeln.
      Und nichts anderes sollte man mit allen Prognosen machen… Egal ob die von Dr.Krall, MS , Dr. Stelter oder wem auch immer kommen.

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    Thierry sagte:

    Der Vergleich hinkt! Deutschland, bzw. die Eurozone sind nicht Japan und werden daher die Biege nicht so elegant hinkriegen.

    Der Unterschied ist die Insellage Japans, nicht nur geografisch, sondern auch hinsichtlich Migration und am wichtigsten, in der Streuung der Staatsschulden. Der japanische Staat hat seine Gläubiger ganz überwiegend im Inland, und damit unter Kontrolle. Das trifft übrigens auch auf China zu (zusätzlich zur staatlichen Wirtschaftssteuerung), weshalb man sich dort nicht so viele Sorgen machen muss (müsste?). Deutschland ist nicht Herr seiner Währung und hat damit bereits den wichtigsten Teil seiner Souveränität verloren, nachdem Krieg spielen vorläufig nicht mehr zeitgemäss ist und die Grenzsicherung bereits freiwillig aufgegeben wurde. Und in der Eurozone, bzw. EU sieht es nicht besser aus.

    Japan kann sein Modell nochmal eine Generation lang weiterfahren, Deutschland keinesfalls.

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    HM sagte:

    Ich halte auch das japanische Szenario für den Euro Raum für das Wahrscheinlichste. Ich glaube sogar, dass die EZB und die machthabenden Politiker aktiv auf dieses Ziel hinarbeiten.
    Auch weil mögliche andere „Lösungen“ für den gescheiterten Euro sehr gefährlich werden könnten für die Verantwortlichen dieses Desasters.

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      Alexander sagte:

      @ Michael Stöcker

      Die Industrialisierungen 1 (Dampfmaschine) und 2 (Eletrifizierung) erfolgten unter Goldstandards und ermöglichten staatlichen Missbrauch von industriellem Potential in den Kriegen (Krimkrieg, WKI) deren Finanzierung durch magic money bestimmte Kreise sehr reich machten.
      vgl. Kurt Tucholsky – Der Mensch
      http://www.glanzundelend.de/konstanteseiten/tucholskyuebersicht.htm

      Das englische Rüstungspotential, welches nach dem Krieg keinen Absatz mehr fand, lastete Keynes durch seine Konjunkturprogramme aus – zur Freude der Barone und Arbeiter – bei inflationierter Kaufkraft.

      Die Verschuldung des deutschen Reiches zur Wiedergutmachung der WK I Kriegsschuld wurde durch US Kredite geschaffen, mit allen Auswirkungen des vielen Luftgeldes auf Spekulationsblasen und deren platzen = große Depression.

      Die große Depression endete im Massenschlachten des WKII den alle Nationen aus Luftgeld vorfinanzierten , dt. Reich Mefo Wechsel…

      Die Industrialisierung 3 war die Einfühurng von elektronischer Datenverarbeitung, nicht nur in Büros sondern auch in Regelkreisen der Industrie. Produktivität und Wertschöpfung explodierten und sorgten zusammen für Schuldenabbau (!!!!!) in den 1980er Jahren (vgl. BIZ) in einem Schuldgeldsystem (!!!!!)

      Die Grundlage für die Industrie 3.0 war das duale Zahlensystem, welches aus dem 3 Jhd. v. Chr. stammt…

      …vergessen sie es einfach.

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        Alexander sagte:

        @ Michael Stöcker

        Mein Zitat:
        Die Industrialisierungen 1-3 kamen ohne magic money zurecht

        Ihr Zitat:
        Da unterliegen Sie aber einem riesigen Irrtum. Hören Sie einfach mal bei Paul Samuelson rein

        Mit meinem Schnellgang durch die Industrialisierungschritte habe ich versucht darzustellen, dass Geldpolitik die Ursache für die Großkatatstrophen den 20. Jahrhunderts war.

        Bei Samuelson habe ich rein gehört und nichts neues venommen, nur die Widerholung der ewig alten Mythen um eine gescheiterte Geldpolitik mit Goldverbot und verbrannten Ernten auf den Felder der Bauern – dem Büro für Preiskontrolle gedankt. https://en.wikipedia.org/wiki/Office_of_Price_Administration

        Meine Recherche zum New Deal fand vor Jahren statt und die Quellenarbeit ist abgeschlossen. Was zählt ist Tatsachenwahrheit, wie der Umstand das wall street money einer NSDAP zum Aufstieg verhalf
        https://www.geolitico.de/2015/05/01/das-geld-das-hitler-ermoeglichte/

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        „Meine Recherche zum New Deal fand vor Jahren statt und die Quellenarbeit ist abgeschlossen.“

        Das ist Ihr gutes Recht, sich so zu verhalten. Ihre bisherige Argumentation geht aber auch weiterhin vollkommen am Thema vorbei.

        Nochmals: Es geht um die Wirkungen des New Deal in Kooperation mit der Fed in den USA via Helicopter-Money bzw. MMT und NICHT um die Finanzierung der NSDAP, OPA und sonstige Ablenkungsmanöver.

        Wenn Sie also glauben, Samuelson/MMT/Helicopter-Money in Bezug auf den New Deal widerlegen zu können, nur zu. Aber bitte zielführend und nicht mit solch durchsichtigen Ablenkungsmanövern.

        LG Michael Stöcker

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        Alexander sagte:

        @ Michael Stöcker

        Ich ziehe Textquellen wegen der unmissverständlichen Kontrollmöglichkeit den Erinnerungen aus dem Mund eines sehr alten Mannes, Samuelson, vor.

        Ihr 4 Minutenvideolink widerlegt nicht die geschichtliche Tatsache, dass magic money nicht für die Industrialisierung nötig war. Ihr Provokations-Stöckchen können sie behalten.

        Hätte Hilter sein magic money nicht in die Rüstung gesteckt, sondern in die Entwicklung von Mähdreschern/allgmeiner Maschinenbau – hätte er seinen bullshit mit Arbeitssklaven und Lebensraum im Osten auch nicht ausprobieren müssen. Wie immer sind es staatliche Großentscheidungen, die Großkatastrophen nach sich ziehen.

        Aber anstelle mit Tatsachen beschäftigen Sie sich lieber mit Greta und den Versprechen an Dumme über Geldgeschenke.

        Sie glauben immer noch in diesem Blog für diesen Schmarrn Anhänger zu akquirieren?

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    troodon sagte:

    Auch Nullzinsen können Marktentwicklungen nicht auf ewig aufhalten.
    Auch wenn es deutsche Standorte bis 2025 nicht betrifft, sind 15% Stellenabbau schon eine echte Hausnummer.
    „Audi will weltweit 15 Prozent der Stellen streichen“
    https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/sparprogramm-audi-will-weltweit-15-prozent-der-stellen-streichen/24103544.html?ticket=ST-219751-2VSJnKTBA4lKS0G2dVT9-ap6

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      Eva Maria Palmer sagte:

      Der auch hier vielgeschmähte Dr.Krall sagt innerhalb der nächsten Jahre den Konkurs von Hunderttausenden Zombie-Unternehmen voraus, die nur aufgrund der Null-Zins-Politik unserer fantastischen EZB noch am Leben sind.

      Er hat dies in seinem neuen Buch „Wenn Schwarze Schwäne Junge bekommen“ mit eindrucksvollen Statistiken glaubhaft unterlegt.

      Natürlich glaubt ihm keiner von der alten Zunft und betitelt ihn verächtlich als „Hayek-Schranze“ oder eben als den dummen Österreicher.

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        Michael Stöcker sagte:

        „Natürlich glaubt ihm keiner von der alten Zunft und betitelt ihn verächtlich als „Hayek-Schranze“ oder eben als den dummen Österreicher.“

        Wer ist denn für Sie die alte Zunft, Frau Palmer? Die Neoliberalen (Krall ist bekennender Neoliberaler) oder die Postkeynesianer?

        Und dumm ist Markus Krall keinesfalls und er kritisiert ja auch viele Dinge völlig zu recht. Er operiert mAn allerdings mit falschen geldpolitischen Theorien und kommt somit zu völlig falschen Schlüssen (Stichwort Währungswettbewerb sowie Goldstandard).

        LG Michael Stöcker

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        troodon sagte:

        @ EMP
        Nehmen Sie die Prognosen von Dr.Krall nicht immer für bare Münze. Er kocht (wie wir alle) auch nur mit Wasser.

        Zum Thema Bankenpleiten w/wegbrechenden Zinsüberschuss hatte ich letztens schon etwas geschrieben. Die deutsche VR Banken hatten am 12.3. dann noch gemeldet, dass sie in 2018 ggü. 2017 ihren Zinsüberschuss sogar (leicht) gesteigert haben. Das hätte nach Dr. Krall eigentlich gar nicht sein können.

        Und in Bezug auf Konkurse in D darf man sich zumindest die langfristige Statistik auch einmal ansehen. Die Anzahl der Konkurse wird im Abschwung wieder steigen, aber so hoch wie Dr.Krall es erwartet, weil in den letzten Jahren so viele Konkurse ausgeblieben sind? Oder war die Anzahl der Konkurse nach der Wiedervereinigung evtl. unnatürlich hoch bis knapp nach der Jahrtausendwende? Ich weiß es nicht, es schadet aber nicht, Prognosen zu hinterfragen.
        https://www.trading-treff.de/wirtschaft/unternehmensinsolvenzen-deutschland-1980-2017

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        troodon sagte:

        @ W.S.
        Da es in Deutschland bis 2025 keine Kündigungen geben soll/wird, ist es erst einmal In D keine Thema. Jüngere Menschen sollten aber nicht zu sehr auf eine Anstellung bei Audi in D hoffen, aber Pakete sortieren für Amazon ist doch auch ganz nett…
        Denn leider haben wir in Europa den technologischen Anschluss zu häufig verpasst und müssen uns vielfach später mit den einfacheren Jobs begnügen Hier nochmal die Grafik : https://twitter.com/IlvesToomas/status/1105002988358164481

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig, troodon

        Ja, es wird spannend, sehr spannend.

        Anfang der 90er Jahre, als Piech VW sanierte, gab es Produktivitäts- und Kostenprobleme, die u. a. mit Arbeitszeitmaßnahmen entschärft wurden.

        Jetzt erleben wir den Beginn eines fundamentalen Strukturwandels.

        Ja, auch Kosten spielen eine Rolle, aber die Umstellung auf IT ist das entscheidende Thema bei VW und im Bankensektor – Abbau von Arbeitsplätzen in fünfstelliger Höhe, wenn DB und Commerzbank fusionieren.

        Vermutlich ist das eher der Anfang als das Ende, andere Branchen werden denselben Weg gehen (müssen).

        Ich weiß auch nicht, zu was das alles führen wird, deshalb nur einige greifbarere Aspekte:

        Es geht um hochbezahlte Arbeitsplätze, in der Automobilindustrie generiert einer durchschnittlich mehr als EUR 60.000,- Jahreseinkommen. Das ist fast das Doppelte des durchschnittlichen Arbeitseinkommens in Deutschland.

        Wenn die Restrukturierung ohne Kündigungen über die Bühne geht, belastet es die sozialen Sicherungssysteme wohl nur in einem noch erträglichen Maße.

        Aber die Finanzierung wird zum Problem:

        Denn Steuereinnahmen und Abgaben werden tendenziell deutlich sinken während gleichzeitig die Ausgaben steigen, auch bedingt durch die Demografie, für die Pflege z. B.

        Auf der politischen Ebene wird zwischen den Bundesländern mit härteren Bandagen gestritten werden, z. B. beim Länderfinanzausgleich. Bayern und Baden-Württemberg werden als Hauptbetroffene sehr viel hartleibiger reagieren. Beim Bund rückt die Mehrverschuldung ins Blickfeld – wir haben ja Spielraum. Das Geld wird vorrangig in den Konsum fließen.

        Für die EU wird damit die Luft noch dünner, bei CDU, CSU, FDP und AfD sowieso macht Macron schon heute keinen wirklich entscheidenden Stich in Richtung Dauertransfers.

        Die Reaktion der Menschen ist für mich die große Unbekannte.

        Im Augenblick glaube ich nicht, dass es zu einer Linkswende kommen wird. Dafür sind SPD und DIE LINKE zu schwach und die Grünen sind letztlich gespalten. Ich traue CDU/CSU/FDP & AfD einen spürbaren Reformwillen zu, wenn es ernst wird. Ob es dafür eine politische Gestaltungsmehrheit geben würde, ist fraglich, aber nicht ausgeschlossen.

  8. Avatar
    Michael Stöcker sagte:

    Simon Wren-Lewis bringt es auf den Punkt:

    „As investment is less painful to cut than current spending (or raising taxes), rules for the total deficit often lead to under investment, and we can see this in Germany. That only hurts future generations.

    This is not about Anglo-Saxon economists telling Germany what to do. There are plenty of German economists who also see that the German debt brake makes no sense, and anyway economics is universal. The debt brake is a bad fiscal rule. It is doing the German people harm. It needs to change.“ https://mainlymacro.blogspot.com/2019/03/is-german-debt-brake-worst-fiscal-rule.html

    LG Michael Stöcker

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