Eurokrise nicht verstanden – Lösung unmöglich

In den vergangenen Wochen habe ich immer wieder kritisiert, dass es viele Vorschläge zur Rettung des Euro gibt, die alle mehr oder weniger am Kern des Problems vorbeigehen. So vor allem das Papier der deutschen und französischen Ökonomen:

Ökonomenvorschlag zur „Rettung“ des Euros: von der Lösung eines Problems, ohne das Problem zu lösen

Meine Kritik war eindeutig: Es wird über Lösungen fabuliert, wobei man das eigentliche Problem erst mal wegdefiniert. Dachte ich bisher, dass es eine Kombination aus politischer Agenda und Unfähigkeit ist, die zu solchen Papieren führt, so kommt nun ein weiterer Aspekt hinzu: die Erzählung der Medien und der Politik zur Krise im jeweiligen Land. Hierzu gibt es eine nette Studie von Brügel, an der auch der von mir hoch geschätzte Henrik Müller mitgearbeitet hat.

Zunächst fasse ich die Lage mit Hilfe des Telegraph nochmals zusammen, danach schaue ich detaillierter auf die Ergebnisse der Studie:

  • „There are almost as many ideas out there for fixing the eurozone as there are members of the single currency. There is a problem with all of them, however. The eurozone can’t fix its problems until it agrees on what went wrong in the first place. (…) But, until there is some form of consensus on what went wrong inside the eurozone, no one will be able to agree on how to fix it – and that means when the crisis returns, as it surely will one day, it will be even worse.“ bto: einverstanden. Wobei ich vermute, dass selbst, wenn alle endlich zur richtigen Erkenntnis kämen (und ja, da bin ich der Meinung, dass man zu dieser bei Lektüre von bto kommen kann), es keinen einheitlichen Lösungsansatz geben würde, weil dieser zwangsläufig mit erheblichen Verlusten und Schmerzen verbunden wäre, die keiner tragen möchte.
  • „The trouble is, none of the fault-lines that almost tore the currency apart between 2011 and 2013 have been fixed. True, lots of ideas have been put forward to try to make it work better. France’s president Macron has, with his proposals for a eurozone finance ministry with powers to tax and spend right across the continent, backed up by a parliament for the members of the single currency to give it some legitimacy. Jean-Claude Juncker has come up with his own proposals, which funnily enough seem to involve handing over a lot more power to him and his fellow bureaucrats in Brussels. Christine Lagarde is proposing a European Monetary Fund, built on the existing bailout mechanism, which rather like the IMF would have the power to move in with emergency assistance next time there was a crisis in Greece, Portugal or elsewhere.“ bto: Man darf getrost davon ausgehen, dass auch Frau Lagarde an erster Stelle französische Interessen hat.
  • „The Brussels-based Bruegel Institute this month published a fascinating analysis of how the crisis was portrayed in the different national media of the main countries involved. It analysed the main papers in each country, such as Le Monde in France or Germany’s Süddeutsche Zeitung, looking at how they portrayed the crisis as it unfolded. The coverage was so different, they could have been reporting on completely different events.“ bto: weil sie auch andere Interessen haben!
  • „That matters. Each country has its own explanation, and therefore its own preferred solution. The Germans think the zone just needs more discipline, the French that it needs fundamental reform with more power for Brussels, the Italians that everyone should be a bit kinder to them, and the Spanish that it needs greater restraint at home. Those are wildly different fixes. And it seems inevitable that the zone’s leaders are not going to make any serious reforms until they can come up with a single explanation – and then address those issues.“ bto: was nicht gehen kann, wegen der Schadensverteilung.
  • „Right now the crisis appears to have gone away. But it has mainly been masked by an avalanche of printed money from the ECB and a cyclical economic upturn. When you drive interest rates down to close to zero, and chuck €1.2 trillion (£1.06 trillion) of freshly minted money, it is not that surprising if you get 2.7pc growth. It would be more worrying if you didn’t. And yet once the economy turns down, the crisis will be back with a vengeance. Unless some consensus can be formed soon, none of the problems will have been fixed – which means the crisis will be much worse next time around.“ bto: Und das wird sie!

Doch nun noch, für jene, die sich für die mediale Positionierung in den einzelnen Ländern interessieren, das Fazit der Studie:

  • „Süddeutsche Zeitung blames everyone else but Germany, the chief suspects being Greece and the ECB; it stresses the need to get back to a perceived status quo of stability and fairness.“ bto: weil man die Folgen der Handelsüberschüsse nicht versteht und zusätzlich nicht sieht, dass man einem Schuldenschnitt (und zwar weit über Griechenland hinaus!) zustimmen müsste, um die Eurokrise zu reduzieren. Hinzu kommt, dass nicht alle Länder im Euro bleiben können.
  • „Le Monde blames everyone including the French political class, but largely refrains from criticism of European institutions such as the European Commission and the ECB.“ bto: was nicht überrascht. Die Franzosen sehen in Brüssel einen engen Verbündeten für die eigene Agenda und die EZB als die Bank, die letztlich alles finanzieren wird. Das passt in das französische Szenario.
  • „La Stampa sees Italy as the victim of unfortunate circumstances, including the EU austerity measures promoted by Germany, and Italy’s own politicians.“ bto: wie bei den anderen Zeitungen ist es ein gemäßigtes Blatt. Dennoch wird hier klar, weshalb es eben doch zu einer Überraschung am kommenden Sonntag kommen kann.
  • „El País primarily blames Spain for misconduct during the boom years preceding the crisis.“ bto: was die einzige ehrliche und richtige Analyse ist und vielleicht auch erklärt, weshalb gerade die Spanier relativ besser mit der Krise umgegangen sind.

Was die Autoren dann zu folgendem Schluss führt:

  • „(…) it is unsurprising that we find different reporting patterns in the four papers. National problems and solutions took centre-stage in national discourses leaving systemic euro-area issues largely unmentioned. Where these issues were raised, they were dealt with from a distinctly national point of view. (…) A transnational consensus view on the causes and consequences of the euro-area crisis – in other words, a common economic narrative on the risks faced by the euro area – is missing. This impedes the emergence of a common body of public opinion as the basis for a debate around the reform agenda for the euro area as a whole.“ bto: was natürlich eine Lösung erschwert, die aber ohnehin nur sehr schwer wenn überhaupt zu erzielen wäre.
  • „Germany’s insistence on fiscal prudence, its tough stance on Greece and its (initial) opposition to accommodating ECB policies are in line with the discourses we found in the data. (…) The French government’s passive role during the euro crisis was mirrored in the self-perception in Le Monde of secular decline and weakness. Italy’s reluctance to reform can be associated with the apparent belief in being victimised. Spain, in contrast, drew hard lessons from rigorous self-analysis, which led it to pursue tough structural reforms, such as cleaning up the banking sector and liberalising the labour market, while paying little attention to the requirements of, say, EU deficit rules.“ bto: Die Spanier sind die Einzigen, die die richtigen Schlussfolgerungen gezogen haben.

Es ist folgende Reihenfolge meines Erachtens: Man will die Krise nicht richtig verstehen, weil man die Folgen nicht tragen kann. Hinzu kommt der Wunsch, anderen die Schuld zu geben. Das führt zu entsprechend medialer Verbreitung und damit zu einer Selbsttäuschung. Man glaubt, was man sagt. Damit ist der Blick auf die Realität endgültig versperrt. Dieser prägt dann die Ökonomen, die entweder mit Absicht oder wegen Überforderung ebenfalls beginnen, sich mit den als Ablenkung definierten Problemen zu befassen. Und so sind wir alle gemeinsam auf dem Weg in den Abgrund. Well done!

The Telegraph: „Eurozone all at sea over root causes of downturn“, 19. Februar 2018

Bruegel: „Tales from a crisis: diverging narratives of the euro area“, 15. Februar 2018

23 Kommentare
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    Dietmar Tischer sagte:

    >Man will die Krise nicht richtig verstehen, weil man die Folgen nicht tragen kann.>

    Anders:

    Man will die Krise nicht richtig verstehen, weil die Kosten der Krisenbeseitigung untragbar hoch sind.

    Heißt:

    Die Konvergenz, die Voraussetzung für eine funktionierende Eurozone ist, kann in den Nationalstaaten der Eurozone demokratisch nicht erreicht werden, etwa:

    Angleichung der Inflationsraten (erforderlich für eine Geldpolitik, die allen Staaten angemessen ist; Begrenzung der Staatsdefizite und Staatsverschuldung, Strukturreformen in den Arbeitsmärkten, im Rechtswesen etc.

    Das ist in keinem Land zu schaffen, auch in Deutschland nicht – wir hätten in der Vergangenheit schon eine etwas höhere Inflationsrate haben müssen, die Peripherie-Länder dagegen eine deutlich geringere.

    Jede Regierung würde sofort abgewählt werden, wenn sie ernsthaft versuchte, das mit Blick auf das Notwendige zu tun. Die Bevölkerungen würden die Maßnahmen nicht akzeptieren, z. B. keine Eingriffe in die Tarifhoheit hinnehmen.

    Das meine ich mit die Kosten der Beseitigung sind zu hoch.

    In Griechenland geht das ansatzweise und langwierig nur mit der Diktatur des Rettungsschirms und durch die Angst vor einem erzwungen Austritt, aber nicht durch die freiwillige Bereitschaft der Menschen, sich anzupassen.

    Es gibt auch keine legitimierten supranationalen Institutionen, die den Job der nationalen Regierungen übernehmen könnten. Die Nationalstaaten haben dafür nicht die entscheidenden Souveränitätsrechte abgetreten, etwa das Recht über das Haushaltdefizit selbst zu entscheiden. Sie können es auch nicht, weil ihre Bürger auf die Barrikaden gingen.

    Da eine supranationale Euro-Diktatur nicht möglich ist (außer durch die EZB, die aber nur den Zerfall verhindern kann), hat man die Verträge von Maastricht geschlossen und sich der Illusion hingegeben, dass mit Verträgen gegen die erklärten Interessen der Menschen Politik betrieben werden könne.

    Wenn das so richtig ist, entsteht mit dem nächsten Gedanken ein anderes Problem, das ebenso untragbar kostspielig ist:

    Aufgabe der Eurozone und wieder zurück zu eigenen Währungen, um darüber den Anpassungsmechanismus zu schaffen.

    Leider auch extrem teuer …

    Daher:

    Weiter so.

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      Johannes sagte:

      „Da eine supranationale Euro-Diktatur nicht möglich ist (außer durch die EZB, die aber nur den Zerfall verhindern kann), hat man die Verträge von Maastricht geschlossen und sich der Illusion hingegeben, dass mit Verträgen gegen die erklärten Interessen der Menschen Politik betrieben werden könne. “

      Diese „supranationale Euro-Diktatur“ pirscht sich aber m.E. mit leisen Schritten und scheinbar unaufhaltsam an (siehe meinen ersten Post weiter oben). Es war sicher nicht das Ziel, die EZB in diese Rolle zu bringen, die für mich eine Art Vorstufe dieser „Diktatur“ darstellt. Weitere Elemente dieser „Diktatur“ wäre der direkte Steuereinzug der EU, ein „Eurofinanzminister“ mit weitreichenden Kompetenzen usw.. Und ich erwarte, dass die Politik diese Rolle der EZB, die in der Tat nur den Zerfall verlangsamen kann (verhindern wird sie dies eher nicht können), ganz pragmatisch weiter hinnehmen wird. Auch ein gehandelter Herr Weidmann, als Nachfolger von Herrn Drahgi wird daran nichts wesentliches ändern können/wollen??.

      Und ja: ein weiter so, wird wie eine Aufgabe der Eurozone extrem teuer. Entscheidend wird vielleicht die Frage sein, welcher Weg zu weniger sozialen Spannungen innerhalb und zwischen den europäischen Ländern (mit Euro als Währung) führt (selbst wenn dieser Weg der teurere wäre).

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        SB sagte:

        @Johannes: Wir haben nicht nur eine Euro-Diktatur durch den Euro an sich und die zu seinem Erhalt betriebene EZB-Politik. Wir haben auch bereits eine EU-Diktatur. Dazu muss man nur einmal schauen, wie viele der in nationales Recht umgesetzten Gesetze und Verordnungen umgesetztes EU-Recht sind. Von Subsidiarität ist das schon lange keine Rede mehr. Und von der EU kommt der größte Unfug, der im nationalen Rahmen gar nicht durchzusetzen wäre. Zum Beispiel auch die willkürlich von der EU festgesetzten Grenzwerte für NO2, die nun zu Diesel-Fahrverboten führen werden. Siehe dazu hier: https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/mobilitaet/fahrverbote-dieselgrenzwert-bundesverwaltungsgericht/

        Die nationalen Regierungen und Parlamente, insbesondere aber die deutschen Institutionen, missachten permanent das Subsidiaritätsprinzip und helfen so der EU-Diktatur erst zur vollen Wirkung. Gerade auch in der NO2-Geschichte stellt sich doch die Frage, wozu es überhaupt einer EU-Regelung bedarf. Es handelt sich doch ganz klar um einen Sachverhalt, der im nationalen Rahmen geregelt werden kann und deshalb auch soll. Oder betreffen die in D zulässigen NO2-Werte irgendeinen anderen EU-Staat und umgekehrt? Man erkennt an diesem Beispiel sehr gut, dass der europäische Zentralismus von deutscher Seite aus (damit meine ich die linksgrüne Mainstream-Politik) gewollt ist. Nur auf diesem (Um-) Weg lassen sich nämlich weitreichende Freiheitseinschränkungen durchsetzen, die nicht sachlich, sondern allein ideologisch und damit politisch motiviert sind.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Johannes

        Der Zerfall durch die EZB wird so lange verhindert werden wie es möglich ist, vermutlich auch mit Helikoptergeld, d. h. einem Paradigmenwechsel des Geldsystems.

        Denn dies ist, gemessen an der Alternative zu jedem Zeitpunkt, die BILLIGERE Lösung.

        Ich bin aber auch der Meinung, dass der Zerfall nicht ewig durch die EZB verhindert werden kann, weil die EZB nicht direkt in den politischen Prozess eingreifen kann.

        Wir sind bereits auf dem Weg trotz EZB.

        Keine Einigung wie EUR 10 bis 12 Mrd. im EU-Haushalt, die aufgrund des Brexit fehlen, ausgegli-chen werden.

        Werden sie nicht ausgeglichen, dann muss entweder die Staatsverschuldung einzelner National-staaten steigen oder die Mangelerscheinungen in diesen Ländern nehmen zu – mit der Folge sozi-aler und politischer Stabilisierung.

        In Italien haben bereits vermutliche Wahlgewinner angekündigt:

        EU-Verträge neue verhandeln oder Kürzungen bei der Finanzierung des EU-Haushalts.

        Kurzum:

        Die „Wertegemeinschaft“ EU/Eurozone als Sanktionsgemeinschaft auf dem Weg des politischen Zerfalls.

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    Michael sagte:

    Sehr gute Analyse! Die Frage lautet jetzt, wie kommt Deutschland am besten aus dem Dilemma heraus, so dass die Schmerzen am geringsten sind und wir vielleicht am Ende sogar doch noch vom Euro profitieren?

    Wie schon mehrfach geschrieben, sollten wir uns ein Beispiel nehmen an Norwegen, der Schweiz, Russland und China, die anstatt wertloser Target 2 Forderungen, mit dem gedruckten Geld ihre Infrastruktur erneuern, Aktien an werthaltigen Unternehmen erwerben, Rohstoffe wie Gold anhäufen und in ihre Zukunft investieren. Die Verräter der Altparteien in Deutschland machen genau das Gegenteil; Zeit für die AFD!

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    Mr. Dave sagte:

    Empfehlenswert ist diesbezüglich auch das Kapitel 5 „Euro Crisis – Facts and Resolution“ aus Richard Koo’s Buch „The Excape from Balance Sheet Recession and the QE Trap: A Hazardous Road for the World Economy“. Richard Koo scheint keine nationalen Interessen einer europäischen Nation zu haben, und kann daher als Aussenstehender eine neutralere Meinung abgeben, und gewisse Sichtweisen öffnen, die mit europäischer Literatur eventuell nicht möglich gewesen wären. Es lohnt sich definitiv das Buch zu kaufen, auch wenn man nur Kapitel 1 über die Theorie der Balance Sheet Recession und Kapitel 5 über den Euro lesen sollte.

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    foxxly sagte:

    man darf die Machthaber, eliten und andere profiteure nie unterschätzen. sie wissen in der regel sehr genau was läuft. dass der euro europa spaltet und kein friedensprojekt ist etc. dieses asoziale pack profitiert davon, und da ist nahezu jedes mittel recht, dieses fort- bzw. umzusetzen. genau von diesen pack werden auch alle mittel der desinformation benutzt um ihre sache weiterzuführen um gewinne zu machen und macht halten und auszubauen.
    schlimm sind die nichtwähler und die leichtgläubigen gutmenschen. sie verstärken die fehlentwicklung

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    Hugo C. Meier sagte:

    Wenn wir es nicht schaffen die EU auf das Notwendige zu reduzieren und der Fresssucht der EU Einhalt zu gebieten, werden wir ein Riesenprobleme bekommen, in dem wir alle Verlierer sein werden. Dazu gehört auch eine Korrektur der Fehler des Euro-Konstruktes und der Euro-Einführung. Ich sehe nur zwei Möglichkeiten, die Euro Auflösung oder aber den Euro als Oberwährung zu nationalen Währungen, die Währungsschwankungen unterworfen sind, auch wenn damit ein wichtiger Teil des Euros verloren ging.

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    SB sagte:

    „Es ist folgende Reihenfolge meines Erachtens: Man will die Krise nicht richtig verstehen, weil man die Folgen nicht tragen kann.“

    Meines Erachtens läuft es so: Man will die Euro-Krise (und versteht sie dementsprechend auch), um als Lösung eine politische Agenda um- und durchzusetzen. Diese Agenda heißt: Errichtung eines europäischen Zentralstaats.

    Schäuble am 18.11.2011 in der New York Times: „Wir können eine politische Union nur erreichen, wenn wir eine Krise haben.“ – http://www.nytimes.com/2011/11/19/world/europe/for-wolfgang-schauble-seeing-opportunity-in-europes-crisis.html (letzter Absatz)

    Aber wahrscheinlich ist das eine Verschwörungstheorie und wir leiden nur unter unfähigen Politikern. ;-)

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      FX sagte:

      Die vielbeschworene, angeblich zu niedrige (Konsumentenpreis-) Teuerung in Europa ist nur das äußere, für jedermann jenseits seines Lohnzettels sichtbare Anzeichen, daß es hier insgesamt gesehen wirtschaftlich den Bach hinunter geht.

      Schlimm ist zudem, daß aktuell eine junge Generation heranwächst, die gar nichts anderes mehr kennt.

      Also sich – wie ich – an Zeiten erinnern kann, in denen dies völlig anders war.

      Daß die Einheitswährung eines solchen Staatenbundes nicht zu dauerhaften Wertaufbewahrung taugt, wird verständlicheweise nicht an den Schulen gelehrt.

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      Johannes sagte:

      „Aber wahrscheinlich ist das eine Verschwörungstheorie…“

      Also, ich sehe das differenziert: Ich denke nicht, dass es ein großer Plan ist, der bereits vor WKII erdacht und nach demselben im Verborgenen zielstrebig durchgezogen wird. Ich bin allerdings überzeugt, dass es schon immer Politiker in Europa gab und gibt, die die Bildung der Vereinigten Staaten (VSE) von Europa aktiv oder durch Unterlassen betrieben haben und noch betreiben. Und dabei reaktionsschnell „gute“ Gelegenheiten nutzen. Wie z.B. die Wiedervereinigung Deutschland; im Zuge der Gespräche trozte Frankreich Deutschland die Aufgabe der DM ab (natürlich mit der Hoffnung, so die wirtschaftliche Dominanz in Europa zu erlangen). Dieses Ereignis konnte niemand planen, sowenig wie jemand im damaligen Westen den Aufstieg Gorbatschows „planen“ konnte. Dieser Aufstieg war die historische Voraussetzung für die spätere Wiedervereinigung.

      Oder Ihr Zitat von Herrn Schäuble, dass mir auch bekannt ist. Klar: Krisen bieten Politikern immer „Chancen“. Oder das inzwischen legendär gewordene Zitat von Herrn Juncker: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

      https://de.wikiquote.org/wiki/Jean-Claude_Juncker

      So „funktioniert“ Politik: eine Mischung aus Planung (Juncker) und Reaktion (Frankreich). Dafür gibt es viele Beisspiele und manches erscheint in der Rückschau als „Plan“.

      Die Zielsetzung, die VSE via gemeinsamer Währung, namens Euro zu schaffen, ist auch noch nicht passe´; dafür sind die politischen Beharrungskräfte zu stark. Und es sind ja auch schon recht „beachtliche“ wirtschaftliche Fakten geschaffen worden. Diese lassen sich beim besten Willen nicht mehr ignorieren. Die Eurokrise wird – so denke ich inzwischen – nicht mehr gelöst werden müssen: sie ist für viele inzwischen zum neuen „Normalzustand“ geworden…. Für mehr ordnungspolitisch denkende Menschen ist sie selbstredend nicht gelöst (wozu ich mich zähle). Nur: wir sind in der Minderheit.

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        SB sagte:

        @Johannes:

        Aber der Martin (Schulz) hat das mit den VSE bis 2025 doch auch ganz offen gesagt und damit der – wie so oft schweigenden – Mutti aus dem Herzen geredet. ;-) Und Gabriel hat diesen Vorstoß ebenfalls begrüßt. Das ist mir alles ein bisschen zu viel, um nur von Zufall oder gar einer Verschwörungstheorie auszugehen.

        http://www.spiegel.de/politik/deutschland/vereinigten-staaten-von-europa-sigmar-gabriel-stuetzt-martin-schulz-a-1182648.html

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        Johannes sagte:

        @SB: hinsichtlich der Frage, OB die VSE angestrebt werden, liegen wir beieinander: ja, diese werden angestrebt (vielleicht kam das in meinem ersten Beitrag nicht so deutlich heraus).

        Bei der Frage, WIE dies erreicht werden soll, sehe ich dies etwas anders Sie. Und ja: es ist für mich weder Zufall noch ein Verschwörungstheorie, sondern so wie ich es weiter oben geschrieben habe, eine Mischung aus geplantem Vorgehen und dem Ergreifen historischer Gelegenheiten.

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        SB sagte:

        @Johannes:

        O.k., dann sind wir weitgehend d’accord. Bleibt nur noch die Frage, ob der Euro als „historische Gelegenheit“ zu diesem Zwecke bewusst installiert wurde, oder die Euro-Krise ein reiner Unfall war und damit ein Zufall, der nun zum Erzwingen der VSE genutzt werden soll.

        Sehr viel spricht für das bewusste Herbeiführen dieser „historischen Gelegenheit“ durch die Politik. Es gab nämlich bereits vor der Einführung des Euro massiv Warnungen von (echten) Experten, die explizit vor dem ab 2006 / 2007 eingetretenen Szenario gewarnt haben. Die Politiker können sich also nicht damit herausreden, dass sie dies alles nicht hätten wissen können und gutmeinend in die falsche Richtung marschiert sind. Der Euro wurde trotz dieser massiven Bedenken eingeführt! Es ist allgemein bekannt, dass der Euro ein politisches Projekt war und ist. Politische Projekte haben immer ein Ziel, womit bewusstes Handeln der verantwortlichen Politiker verbunden ist. Die Indizien sprechen dafür, dass hier planvolles Handeln vorliegt, mit den bekannten, bewusst in Kauf genommenen negativen Folgen für D.

  7. Avatar
    eurosklerose sagte:

    Die Einheitswährung Euro ist völlig gescheitert.

    Siehe die gigantischen Wohlstandsverluste in Europa, vor allen Dingen im Süden.

    Andere Kontinente haben während der Geltungsdauer des Euros den Sprung vom Entwicklungsland zum Schwellenland bzw. zur Industrienation vollzogen.

    In China ist das durchschnittliche Einkommen während der vergangenen 20 Jahre um das zehnfache und mehr angestiegen (klick).

    Vergleichbar wie in Japan rückwärtsgerichtete Greise regieren, die den wirtschaftlichen Wandel in der Welt nicht begreifen und den Wohlstand ihrer Generation über die Notenpresse zu erhalten suchen sind auch in Europa genügend Wirrköpfe am Ruder, die Armut, Sparen, Überregulierung und Mittelmaß als moralische Überlegenheit und „Wert an sich“ (zur eigenen Selbstbeweihräucherung) zu verkaufen suchen.

    Deshalb Rückabwicklung des Hemmschuhs Euro noch heute in wirtschaftlich guten Zeiten!

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      www.eurospethmann.de sagte:

      In spätestens 10 bis 15 Jahren gibt es auch in Europa ein immerwährendes Anleihenkaufprogramm durch die EZB vergleichbar wie aktuell die Bank of Japan, wenn es bei der Fehlsteuerung Euro bleibt.

      Wahrscheinlich bin ich auch hier wieder zu optimistisch und zukunftsfroh.

      Entsprechend den durchwegs negativen Erfahrungen in der Vergangenheit mit durch Politiker verbreiteten Unwahrheiten und begangenen Regelbrüche wird alles noch viel schneller viel schlimmer kommen…

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