Die Symbiose zwischen den USA und China ist am Ende

Lange Zeit gab es eine wirtschaftliche Symbiose zwischen den USA und China. Die Chinesen durften viel nach Amerika exportieren und haben ihre Währung gedrückt und dafür US-Dollar und US-Staatsanleihen gekauft. Damit trugen sie zu tiefen Zinsen in den USA bei und finanzierten ihren Hauptkunden  so wie auch wir unsere Kunden mitfinanzieren. Nun kommt diese Symbiose, an den Märkten „Chimerica“ genannt zum Ende. Die FT zitiert Analysten der Deutschen Bank:

  • Chimerica — the positive symbiotic relationship between the US and China — may be coming to an end. This is the take of Deutsche’s Alan Ruskin: Historically when the USD was weak, Asian central banks limited their currency appreciation, by buying the USD, and the bond purchases indirectly protected the USD’s downside with US fixed income purchases. (…) In the ’new anti-intervention world‘, when the USD is weak, it will be prone to be associated with T. bond market weakness. (…) This is leading to a profound shift in Treasury supply & demand dynamics.“  bto: was eine sehr spannende Frage ist. Denn dann führen die gestiegenen Zinsen eventuell doch nicht zu einer Dollar-Rallye wie einige  auch ich  erwarten.
  • „The global implications of this divorce are huge. Imagine a new Cold War, but one in which the two superpowers are economically the same size. Or, if you prefer an older analogy, imagine a rerun of the Anglo-German antagonism of the early 1900s, with America in the role of Britain, and China in the role of imperial Germany. This is a better analogy because it captures the fact that a high level of economic integration does not necessarily prevent the growth of strategic rivalry and, ultimately, conflict.“ bto: was aber kein gutes Investitionsumfeld ist.
  • „We are a very long way from outright warfare, of course. The tectonic plates of geopolitics don’t move that fast. But the danger signs are there. In a succession of official and semi-official statements, Chinese spokesmen have signalled their interest in a substitute for the dollar in the form of International Monetary Fund Special Drawing Rights, or even gold. At the very least, a gradual increase in the share of euros and yen in Chinese reserves must surely be in the cards. But they could go further than that. It’s not impossible that, at some point within the next five to 10 years, the Chinese will feel ready to remove their capital controls and allow their own currency, the renminbi, to develop as a freely convertible international currency. At that point, the Chimerican marriage will be over.“  bto: Die Chinesen bereiten das doch schon vor. Öl wird in Renminbi gehandelt, die Goldreserven Chinas steigen, die Hongkonger Börse handelt demnächst im großen Stil Gold, welches den Ländern, die Öl nach China verkaufen, erlaubt, die Erlöse in Gold anzulegen. Da denke ich gerade auch an Russland. Der Währungsumbruch hat das Zeug, die Weltwirtschaft im Kern zu erschüttern.

ft.com: „Authers’ Note: The Chimerican Chimera“, 9. April 2018

Kommentare (8) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Aghdam's Themenabend sagte:

    Ich finde es wirklich interessant, welches Land oder Region in den nächsten 10 Jahren „das Rennen“ macht! Das Thema USA VS CHINA (als gäbe es keine anderen Länder)
    Was an China schlecht ist: Die demografische Entwicklung (alternde Bevölkerung) außerdem wird China durch den Klimawandel mehr als jedes andere Land Mitleidenschaft gezogen. Außerdem ist es eine korrupte Diktatur, was es für Menschen und Kapital uninteressant macht.
    Was an China gut ist: Die Masse an Menschen die auch noch klug und fleißig sind. Elektroautos werden den Smog reduzieren. Keine moralischen Hemmungen bei Stammzellforschung. Die Regierung arbeitet zielgerichtet auf Basis ökonomischer Interessen und ohne Schwenk (Irrungen) und die Regierung leitet an strategisch wissen im Ausland aufzukaufen oder zu klauen, wodurch sie schneller einholen.
    Was an USA schlecht ist: So viel fällt mir da nicht ein. Fest steht aber, dass China aufgeholt hat, und die USA nichts dagegen machen können. Was Spitzenleistungen im Silicon Valley angeht, liegen die USA aber noch vorne. Das kann sich ändern, wenn es so weiter geht. Gut ist, dass Menschen dort hin wollen, sich nach den USA sehnen. Damit kommen die Klügsten und Besten nach Amerika. Einwanderer sind bekanntlich besonders fleißig weil sie bei null anfangen müssen.

    Wie dem auch sei, wir leben alle auf einer Erde. Das ökonomische Zentrum verlagert sich vielleicht nach China. Das heißt aber nicht, dass Amerikaner und Europäer dadurch zwangsläufig arm werden müssen, oder?
    Und stimmt es was bto schreibt, dann steht uns ja sowieso die Krise bevor. Vielleicht kann man in der Krise besser erkennen, welches Land auf dem guten Weg ist.

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    Bernd-Uwe Stucken sagte:

    China wird aber auch überschätzt. Sicherlich gibt es klare expansive geostrategische Pläne; übersehen werden aber die Schwächen: eine gewaltige innere Verschuldung, konzentrierter, aber verschwenderischer Ressourceneinsatz, Abhängigkeit von ausländischer Technologie, erdrückender unproduktiver Staatssektor, etc. Ich hätte weniger Sorgen vor den chinesischen Ambitionen, aber umso mehr vor einem möglichen Schwächeanfall unseres wohl wichtigsten Handelspartners.

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      Dietmar Tischer sagte:

      Ob überschätzt oder unterschätzt:

      Ja, es hat auch Schwächen und wird in erhebliche Probleme laufen.

      Aber einzigartig:

      China kann bei relativer Armut einer riesigen Bevölkerung auf der Basis vorhandenen Know hows und der kritischen Masse an Infrastruktur ein kontinuierlich überdurchschnittliches WACHSTUM realisieren.

      Damit ist dieses Land ein Magnet für Investitionen, der den Rest der Welt bis auf weiteres aussticht.

      Das kann sich natürlich ändern.

      Aber die Parteidiktatur kann sehr schnell und sehr effektiv reagieren.

      Sie wird mit aller Macht einen Schwächeanfall zu verhindern suchen.

      Gibt es allerdings einen, trifft er die Welt hart.

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    jobi sagte:

    „Der Währungsumbruch hat das Zeug, die Weltwirtschaft im Kern zu erschüttern“

    .. und er ist unabwendbar, wenn man sieht, mit welch atemberaubender Geschwindigkeit sich das geografische Zentrum der Weltwirtschaft nach Osten verschiebt.
    Am beunruhigendsten in diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, welche Mittel die USA einsetzen werden, um ihr Dollar-Privileg zu verteidigen.

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    Azius sagte:

    Alles was die USA zurzeit außenpolitisch unternehmen, dient dem Ziel,
    den Kollaps des Petro-Dollars zu verzögern, abzuschwächen oder zu gar verhindern.
    Das betrifft die Iranpolitik, die Sanktionen speziell gegen Russland und natürlich die Zölle
    gegen China.
    Bei Russland muss man sich nur anschauen, welche Unternehmer von welchen Rohstoffunternehmen betroffen sind.
    Wird aber wenig helfen.
    Wenn Syrien seine Ölquellen wieder unter Kontrolle hat, wird der Dollar sicherlich als Handels-Währung auch hier ausfallen.
    Fällt der Dollar fällt Israel.
    Deshalb auch Netanjahus Rhetorik gegen über den Iran und der USA.

    Eine weitere Schwächung des Dollars kommt auch aus dem inneren der USA, der Kampf des Deep State gegen Veränderungen und Neuorientierung.
    Der Kampf um den Status Quo lässt den Sumpf richtig riechen und leuchten.

    Die US-Politik hat keine Freunde mehr, sondern nur noch abhängige, geschliffene Vasallen.
    Und was abhängige Vasallen in Krisenzeiten taugen, dokumentieren die Protokolle der Geschichte.
    Mit dem Fall des Petrodollar, fällt auch die wirtschaftliche Existenz der USA.

    Mit der Ölbörse hat China ein mächtiges Instrument installiert, welches international immer klangvoller werden wird.
    Die US-Politik und die Inselheringe springen nur noch tollwütig umher, weil sie mit den langfristigen, strategischen Denkmustern und Planungen der Russen und Chinesen überfordert sind.

    Militärisch kann die USA nur noch sticheln, denn es wurde durch das rusissche Militär paralysiert.

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    D.H. Bauer sagte:

    Niemand hat bemerkt, dass seit dem 1. Oktober 2016 die Sonderziehungsrechte (SDR) in einem festen Verhältnis zum Gold stehen, nämlich 907 SDR für eine Unze Gold (plus/minus einer kleinen Marge). Das kann der IMF nicht wollen, denn es beraubt ihn seiner Unabhängigkeit.

    Da der Dollar in einem geregelten Verhältnis zu den SDR steht, hängt er indirekt auch an der Kette.

    Wer da dahintersteckt? China natürlich, denn sie sind die einzigen die genügend Gold, Dollar und Yuan haben, um dieses Spiel zu wagen und durchzuhalten.

    In der Währungspolitik hat eine neue ära begonnen.

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      Wolfgang Selig sagte:

      @Hr. Bauer: Könnten Sie das von Ihnen genannte fixe Verhältnis SDR zu Gold und den Stichtag 1.10.2016 noch etwas näher erläutern? Meine Recherchen dazu heute sind nicht besonders aussagekräftig. Warum sollten die anderen Nationen da mitmachen? China dominiert doch nicht die SDR, oder? Die haben doch im IMF gar nicht die Mehrheit.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Überlegungen dazu, wie sich die Finanzmärkte ändern werden, wenn die Chinesen nicht mehr wie in der Vergangenheit US Anleihen kaufen, sind legitim und bedeutsam.

    Was hier unter den Tisch fällt, ist ein anderer Aspekt:

    China will die ATTRAKTIVITÄT seiner Märkte für DIREKTINVESTITIONEN steigern.

    So sind ausländische Unternehmen, die Firmen in China gründen, nicht mehr an die Beteiligungspflicht gebunden, d. h. sie müssen chinesische Unternehmen nicht mehr als Partner aufnehmen.

    Das macht Chinas riesige Wachstumsmärkte noch anziehender, u. a. glaube ich, auch für den deutschen Mittelstand.

    Jedenfalls ist dieser Schritt der Chinesen eher negativ als positiv für die USA und Europa zu sein, wenn die Entscheidung fällt, wo investiert werden soll.

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