Emotion statt Mathe

Gestern Abend habe ich den Fehler gemacht, mir die Talkshow „maybrit illner“ anzusehen. Im Brennglas bekam ich dort erneut präsentiert, woran es bei uns mangelt. Beim Thema „Europas Zukunft unbezahlbar?“ zeigten deutsche Politiker und das johlende Publikum erneut, was zählt: Emotionen. Mathematik spielt keine Rolle.

Die Akteure im Ranking ihrer Substanz (aufsteigend):

  • Marie Rosenkranz, „Europawissenschaftlerin“ beim „European Democracy Lab“ durfte in einer Nebenrolle emotionsbeladen daran appellieren „Europa für die nächste Generation“ zu erhalten. Es war ein Statement, welches zu 100 Prozent aus Emotion und zu null Prozent aus Inhalt bestand. Damit fasste die „Wissenschaftlerin“ die Lage im Land zusammen. 
  • Katarina Barley, SPD und Justizministerin hat hart mit Rosenkranz um den letzten Platz im Inhaltsranking gekämpft. Kam bei Inhalten so ins Schleudern, dass sie stammelte. Auch für sie geht es nicht um die harten Zahlen und Fakten, sondern „um Europa“. Weshalb es einen Widerspruch gibt zwischen „Europa“ und einer sachlichen Lösung der Eurokrise, hat sich nicht erklärt. Dass die Deutschen viel ärmer sind, als jene, die wir retten sollen, wurde auch nicht erwähnt. Dabei ist die SPD doch sonst gegen die Umverteilung von unten nach oben? Emotion: 95 Prozent. Da sie ein „Profi“ ist, ist das eigentlich der letzte Platz.
  • Das Studiopublikum, war ganz auf der emotionalen Seite. Wer will denn nicht Frieden, Verständigung und gute Exporte? Emotion: 80 Prozent.
  • Markus Söder von der CSU und Ministerpräsident Bayerns kann das Spiel natürlich. Er brachte ein paar Fakten, setzte aber mehr auf die Rolle als jener, der sicherstellt, dass die Deutschen nicht für alle bezahlen. Außerdem brachte er das Thema der Zuwanderung und der Ereignisse in Ellwangen, die vermutlich die Zuschauer gestern Abend mehr interessiert hätten. Emotion: 70 Prozent.
  • Thomas Fricke, bekannt von SPIEGEL ONLINE, hat natürlich  mehr die Rolle des Faktenmannes inne, dabei aber mit Bildern von Finanzkrisen gespielt, die nur durch deutsche Solidarität zu verhindern seien. Auch hat er die Idee des „Eurogewinners“ Deutschland weiter bedient und wider besseren Wissens behauptet, wir sollten wie die USA einen Transfermechanismus etablieren. Er kennt doch die IWF-Studien, die zeigen, dass es eben nicht geht! Emotion 50 Prozent.
  • Otto Fricke, Haushaltsexperte der FDP gab sich reichlich Mühe, die Fakten zu erklären. Und bewies damit, weshalb es bei uns nicht geht! Selbst als er auf die Tatsache verwies, dass die Griechen sich selbst ein Rentenniveau von 30 Prozent über dem unsrigen genehmigten und nun wollen, dass wir es bezahlen, gab es erheblichen Gegenwind. Leicht konnten die anderen ihn in die Ecke des kaltherzigen Europagegners stellen. Gerade Barley wirkte immer so, als wäre sie den Tränen nahe. Emotion 20 Prozent.
  • Anne-Marie Descotes, französische Botschafterin mit perfektem Deutsch, saß da und freute sich. Live und in Farbe bekam sie erneut die Mittelmäßigkeit der deutschen Politik vorgeführt. Kühl und strategisch konnte sie damit die französische Linie vertreten und sicherlich mit Freude erkennen, wie die emotionale Kampagne ihres Chefs aufgeht. Emotion fünf Prozent.  Sie schaffte es, ein freundliches Pokergesicht zu bewahren!

 Oh man. Wenn wir nicht endlich Politiker bekommen, die auch rechnen können, statt Emotionen zu schüren und zu bedienen, muss dieses Land vor die Wand fahren.

zdf.de: maybrit illner zu „Macrons Traum, Merkels Albtraum – Europas Zukunft unbezahlbar?“, 3. Mai 2018

30 Kommentare
  1. Bateman sagte:

    Das mit den Emotionen beim Publikum überrascht nicht. Weiß doch jeder, der sich ein bisschen mit TV auskennt, dass hier nur bestellte Claqueure sitzen, die durch sog. „warm-upper“ aufs Klatschen auf Befehl eingenorded werden. Der treudoofe Michel vor der Glotze gehorcht dann dem inneren Herdentrieb und denkt, dass er genauso reagieren muss. Abgesehen davon, dass man den meisten davon die einfachste Arithmetik sowieso schon abtrainiert hat, geschweige dessen, ihre ureigensten Selbstinteressen wahrzunehmen.

    Und der ganze Zirkus bezahlt durch eine Zwangsabgabe; die, ganz nebenbei, am 7. Mai durch die nächste Abgleichrunde mit den Einwohnermeldeämtern geht (soviel zum Thema Datenschutz) und deren fleischgewordener institutioneller Vorsitz sich dazu äußert „das Spannende sei, zu sehen ob Wohnungen zu unrecht noch keinen Beitrag gezahlt haben“ (sic!) – wer solche Stasimentalitäten nach oben lässt, dessen Land ist bereits vor die Wand gefahren…

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  2. Wolfgang Selig sagte:

    Widerspruch, Herr Dr. Stelter! Wir bekommen nur Politiker, die rechnen können, wenn wir Wähler haben, die wenigstens rechnen wollen. Sie haben ja selbst den emotionalen Anteil des Studiopublikums geschätzt. Schlimmer ist, dass eine solche Sendung auch noch eine relevante Einschaltquote hat…

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  3. SB sagte:

    „Gestern Abend habe ich den Fehler gemacht, mir eine Talk Show anzusehen.“

    Ja, es ist ein Fehler, sich solche Sendungen (weiterhin) anzusehen, denn sie verführen zum unbändigen Schimpfen und Fluchen und steigern den Blutdruck enorm, was ungesund ist. Es bringt auch überhaupt keine neuen Erkenntnisse mehr. Vielmehr bestätigt es immer wieder aufs Neue die bereits vorhandene Erkenntnis, dass linksgrüne Macht aus dem Bauch heraus, also von Emotionen gesteuert ist (Trigger-Begriffe: soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Teilhabe – alles international und grenzenlos). Deshalb ist linksgrüne Politik zum größten Teil, wenn nicht sogar komplett unvernünftig, denn die Konsequenzen dieser Politik werden nicht vom Ende her gedacht, was vernünftig wäre. Da ein Großteil der Bevölkerung auch nur noch in der Lage ist, mit dem Bauch zu „denken“, bleibt auch den Politikern, die mit dem Kopf denken, also vernünftig agieren wollten, nichts anderes übrig, Politik aus dem Bauch heraus zu betreiben, wenn sie an der Macht bleiben wollen. Kommt jemand mit vernünftigen Argumenten, so wie Herr Fricke, wird er vom emotionsgesteuerten, linken Getöse plattgemacht. Es ist aber ohnehin festzuhalten, dass der mit-dem-Kopf-denken-Ansatz nur noch wenige Politiker betrifft. Der Großteil dieser Spezies denkt schon von sich aus nur mit dem Bauch. Unter diesen Voraussetzungen haben es Politiker anderer Ländern, die deren Interessen vertreten, was vernünftig ist, leichtes Spiel mit den deutschen Kollegen, die nicht nur mittelmäßig, sondern stark unterbelichtet sind.

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  4. Michael sagte:

    Lieber Herr Dr. Stelter,

    diesen Fehler machen ich konsequent seit 2 Jahren NICHT mehr!!! Ich verweigere mich den ganzen Hart aber Fair`s, Illners etc. Bereits beim Einspieler dieser Sendungen war die Halsschlagader kurz vor platzen….. und für null, wirklich null Inhalt strapaziere ich nicht meine Gesundheit!

    Muss ich im übrigen auch nicht mehr. Vor 3 Jahren habe ich u.a. bto entdeckt und fühle mich hier bestens aufgehoben und gut informiert.

    Hierfür einmal ein DANKE von mir an Sie, aber auch die Kommentatoren welche mir viele brauchbare Denkanstöße geben.

    DANKE

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  5. Azius sagte:

    Was tut man seiner Seele und seinem Geist an, wenn man eigentlich schon vorher weiß, wie es ausgeht?
    Eine persönliche Meditation hätte hier mehr gebracht, Herr Dr. Selter.
    Vor allem Kraft für den Blog und einen ruhigen Schlaf.

    Was will die Masse mit Mathe, wenn sie das Schreiben verlernt.
    Selbständiges Denken, Kontakt mit der Natur, gesunde Ernährung und Fortpflanzung,
    Bewegung im Rhythmus unsere evolutionären Biologie, alles Dinge für einen gesunden Geist und Körper, werden zunehmend nur noch als synthetischer Ersatz konsumiert.

    Diese Entwicklung steht der menschlichen Natur entgegen.
    Ende offen, aber die chronischen Multisystemerkrankungen lassen Prognosen zu.

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  6. Johannes sagte:

    EIn AfD Vertreter hätte m.E. der Runde noch gut getan (der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Bundestags z.B.). Viele Fakten und Zahlen wären da auf den Tisch gelegt worden. Aber das wäre wohl zu spannend und faktenreich geworden und hätte auch sonst wohl unbeabsichtigte Nebenwirkungen gehabt. Z.B. dass das Publikum erkennt, dass die AfD mit Experten aufwarten kann.

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  7. Axel sagte:

    Diskussionssendungen dienen ja auch nicht der Informationsvermehrung der Zuschauer, sondern mit seinen gecasteten Claqueren, die auf Zeichen klatschen und so an den Gruppenzugehörigkeitstrieb der Zuschauer appellieren, der Meinungsmache. In den Fernsehräten sitzen Politiker, die darauf achten, daß sich die Experten der jeweiligen Parteien zum angebotenen Thema Gehör verschaffen. Somit sind die Talkshows keineswegs Wissensvermittlung, sondern nichts weiter als gratis Dauerwerbesendungen der Parteien, finanziert vom Steuerzahler.
    Und jeder ausgebildete Politiker weiß natürlich, daß man die Zuschauer mit Wertegeschwurbel und Emotionen eher auf seine Seite zieht, als mit kalten, komplizierten Fakten. Das lernen sie von Pike auf in ihren Rhetorikkursen.

    Einzig auf Phoenix gibt’s zu später Stunde (Mo-Do 22:15 und 23:00) noch mehr oder weniger sachliche und fundierte Analysen und Hintergrundinformationen.

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  8. Carsten Pabst sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,
    sollten Ihnen auch einmal die Fans (Foristen) ausgehen, was ich nicht annehme, vielleicht hilft Ihnen dieser Dienstleister dann weiter:
    https://www.rent-a-fan.de/
    Ob die gekauften Fans dann das Niveau heben, ist stark zu bezweifeln. Aber vielleicht nimmt man die Scheinwelt irgendwann als real wahr. Bei manchen Politikern scheint es zu funktionieren :-)
    Freundliche Grüße
    Carsten Pabst

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  9. Dietmar Tischer sagte:

    „maybrit illner“ anzusehen, ist kein Fehler, es ist vielmehr ein MUSS.

    Denn diese wie auch andere Sendungen zeigen, wie Politik agiert, wie das Publikum reagiert – immer wieder: mehrheitlich Beifall zu WIDERSPRÜCHLICHEN Positionen – und wie von Interessen geleitet, die Realität auch von „Sachverständigen“ ausgeblendet und beschönigt wird.

    Man muss schon zur Kenntnis nehmen, was unser Selbstverständnis und unsere Befindlichkeit ist.

    Nur beispielhalft:

    Barley sagte, sie könne „über die Verhältnisse leben“ nicht mehr hören.

    Soll sie doch einmal erklären, wie etwa Griechenland mit einem Haushaltsdefizit in der Spitze von mehr als 30% – Verschuldung, mit denen Leistungen für die Bevölkerung finanziert wurden, auch ein Renteneintrittsalter von deutlich unter 60 Jahren – auf Dauer zurecht kommen soll.

    Man kann nicht damit zurechtkommen und muss den Gürtel eben enger schnallen – oder sich einen Onkel suchen, der dauerhaft alimentiert.

    Derartige Einsichten basieren auf ÖKONOMIE.

    Noch nicht einmal explizit ausgesprochen, werden uns derartige Einsichten vom deutschen Qualitätsjournalismus sogleich als Oberlehrerhaftigkeit und deutsche Selbstgefälligkeit verkauft, beispielsweise von dem famosen Herrn H. Hütt in FAZ.net:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik-maybrit-illner-macron-und-europa-15573213-p2.html

    Nur weiter so.

    Jeden Tag das Geschwätz, der Beifall und die Kommentare.

    Die REALITÄT, ob Globalisierung, demografische Entwicklung oder Migrationskosten … kümmert es nicht.

    Sie ENTWICKELT sich weiter.

    ¬¬¬¬¬¬

    Antworten
  10. R aus S sagte:

    Diese Sendungen braucht man sich wirklich nicht antun. Es reicht in aller Regel, sich die Teilnehmerliste anzuschauen, um zu wissen, was bei der „Diskussion“ herauskommt/welches Narrativ in die Köpfe der Zuschauer transportiert werden soll. Bei Teilnehmern, die man nicht gleich kennt bzw. zuordnen kann, sollte man sich deren Mitgliedschaft in einer oder mehreren NGOs anschauen (Bertelsmann Stiftung, ESI, Deutsche Gesellschaft für auswärtige Politik, Atlantikbrücke etc pp) anschauen. Spätestens dann weiß man, wie der Hase in der Sendung laufen wird. Letztendlich geht es darum, Propaganda unters Volk zu bringen, und das geht mit Emotionen natürlich am besten. Ich möchte in dem Zusammenhang einen intensiveren Blick auf die website von Swiss Propaganda research (swprs.org)empfehlen:
    https://swprs.org/
    https://swprs.org/netzwerk-medien-deutschland/
    https://swprs.org/die-propaganda-matrix/
    https://swprs.org/der-propaganda-multiplikator/
    Wer eine lustige Einführung sehen will, schaue sich den Auszug aus „Die Anstalt“ an, welche m.W. Herr Joffe (Die Zeit) zu verbieten versucht hat, aus verständlichen Gründen.
    https://www.youtube.com/watch?v=orfI7beLHJo
    War es nicht schon früher so, daß die „Narren bei Hofe“ wenigstens manchmal die Warheit sagen durften, ohne gleich dafür bestraft zu werden?

    Antworten
  11. RW sagte:

    Warum sich diesen Murks ansehen, wenn man in der gleichen Zeit Kohle machen kann. Mit dieser kann man nämlich billig einsammeln, was unsere Politiker in ihrer Großmannsucht gegen die Wand haben fahren lassen. Macron, der neue Bonaparte Europas. Austerlitz und Jena/Auerstedt lassen schon grüßen. Tage, an denen das Preußen des Alten Fritz zur Geschichte wurde.

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  12. Gibson sagte:

    Politik funktioniert über Emotionen und nicht mittels Mathematik. Eine Talkshow ist ein politisches Forum, kein wissenschaftliches Seminar. Für das Lesen dieses Blogs braucht man übrigens auch nicht mehr als Grundschularithmetik. Wer ernsthaft Interesse an Mathe hat, sollte vielleicht eher auf Publikationen in einschlägigen VWL-Journals zurückgreifen.

    Dass man mit kühler Logik keine Wahlen gewinnt, hat die AfD vor 2015 ja eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Wir haben nun mal nur die Wahl zwischen einer abstrakten Anti-EU-Stimmung und einem proeuropäischen Zeitgeist. Ersteres ist langfristig brandgefährlich, letzteres kostet eine Menge Geld. Sachliche Lösung in der Mitte werden nicht gewählt. Das ist bei Weitem kein rein deutsches Problem.

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  13. ok berlin sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Steller,

    Sie müssen leider akzeptieren, dass Sie zwar eine fundierte, aber kein Mehrheitsmeinung darstellen. Und Demokratien machen nun mal Politik für Mehrheiten.

    Als bisheriger Leistungsträger dieser Gesellschaft überlege ich ernsthaft eine Auswanderung.

    Beste Grüße,
    ok berlin

    Antworten
  14. Johann Schwarting sagte:

    Das

    „Gestern Abend habe ich den Fehler gemacht, mir die Talkshow „maybrit illner“ anzusehen.“

    muss kein Fehler sein, wenn es auch um die Bewusstwerdung dessen geht, welche Aufgaben und Funktionen die Medien – vor allem das Fernsehen – insgesamt haben.

    Für Baudrillard ist die Kommunikation ein Tauschverhältnis – ein symbolischer Tausch – in dem Sinne, dass sie durch „Reziprozität als die Form einer wechselseitigen, nicht vermittelten Beziehung des Einen auf den Anderen, die sich am gleichen Ort und zu gleicher Zeit vollzieht „zu verstehen ist. Medien als zwischengeschaltete Mittler sind vor allem ein Kommunikationshindernis, da sie einen Rhythmus – ein notwendiges Zeitmaß – verhindern, dass etwas wechselseitig in der gleichen Bewegung und im gleichen Rhythmus zurückgegeben werden kann. Allein durch ihre Anwesenheit sind Massenmedien für ihn „die Gewissheit, dass die Leute nicht mehr miteinander reden, dass sie angesichts einer ‚Rede ohne Antwort‘ isoliert sind“ (S.95).

    Alle Medien sind eine ‚Nicht-Kommunikation‘ – vorausgesetzt, man definiert Kommunikation als Austausch im reziproken Raum von Rede und Antwort: Die Informationen, Botschaften und Zeichen verlaufen immer von oben nach unten. Es gibt eine nicht lösbare fundamentale Einseitigkeit der Medien im Geben und Nehmen – im Reden und Antworten. Die Massenmedien, die ‚objektivierende Träger von Botschaften ohne Antwort‘ sind, dienen ausschließlich der System-Stabilität – sie stehen egal für wen immer im Dienste des Machterhalts. Die Medien führen eine ‚Rede ohne Antwort‘, einen Monolog der Macht, der den Empfängern jede Möglichkeit des eigenen Handelns und der eigenen Stellungnahme verweigert angesichts der Informationen, mit denen sie zugeschüttet werden. Sie sind eben Teil der Macht, die ja „demjenigen gehört, der zu geben vermag und dem nicht zurückgegeben werden kann“ (S.91). Sie dienen dazu, die Politik massenmedial zu simulieren, sie sind das alles entscheidende Element des Herrschaftsapparates zur psychologischen Kontrolle der Massen – sie sind eine massenmediale ‚Zwangsvergesellschaftung als System der sozialen Kontrolle.‘

    Gerade die Fernsehzuschauer stehen, wenn sie die Inhalte anders beurteilen und erklären, unter einem enormen physischen Druck, weil sie nicht reziprok antworten können. Das Wissen um diese Zusammenhänge erzeugt bei mir eine große Ruhe und Gelassenheit.

    Jean Baudrillard: Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen, Seite 90 bis 95

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  15. Thomas sagte:

    Bzgl. der einschaltquote ist maybrit ähnlich wie germany’s topmodell aufgestellt.

    Die Erregung des Zuschauers durch Konflikte treibt die Quote in beiden Formaten. Im einen Falle garniert mit Kurven, im anderen mit Positionen.

    Beides sind oberflächliche Unterhaltungsformate.

    Man erhofft sich von den Talkshows mehr, als sie liefern können und wollen. Mehr als bestehende Positionen emotional zu verfestigen und den Blutdruck zu steigern, ist selten drin.

    Wenn die wirklich Fakten bringen und sachlich diskutieren würden, läge die quote vermutlich bei 500.000 ;)

    Alternativ könnten sie sich auch Mal was trauen und z.b. 4 afd Politiker auf einen anderen talker loslassen. Das würde vermutlich die Einschaltquote treiben. Aber es ist halt örr.

    Antworten
  16. Dietmar Tischer sagte:

    Nachtrag:

    >Marie Rosenkranz, „Europawissenschaftlerin“ beim „European Democracy Lab“ durfte in einer Nebenrolle emotionsbeladen daran appellieren „Europa für die nächste Generation“ zu erhalten.
    Es war ein Statement, welches zu 100 Prozent aus Emotion und zu null Prozent aus Inhalt bestand. Damit fasste die „Wissenschaftlerin“ die Lage im Land zusammen.>

    Nicht nur das, sondern sie zeigte auch auf beeindruckende Weise, wie „wissenschaftlich“ diese Jugend ihre Zukunft einschätzt.

    Wenn man den Lebenslauf dieser Frau 15 bis 20 Jahre hochrechnet und ihm die statistische Normalität anhängt, dann hat sie ab diesen Jahren u. a. Folgendes zu leisten:

    Sich selbst und 1 bis 2 Kinder zu ernähren, die Investitionen für deren Ausbildung sowie die übrige Infrastruktur durch Steuern zu finanzieren, durch Abgaben die soziale Stabilität inkl. der Kosten der Integration von Zugewanderten zu sichern, sowie – ebenfalls durch Abgaben bzw. Einzahlungen – Anwartschaften für ihre Altersversorgung zu erwerben.

    Das hat sie zu leisten im KONFLIKT mit einer Alterskohorte, die der abnehmenden Zahl ihresgleichen gegenüber immer länger und immer mehr Ansprüche an das BIP hat hinsichtlich Alterssicherung, Gesundheit und Pflege – und dies, ohne zum BIP beizutragen.

    Selbst wenn der M. Rosenkranz in familiärere Bindung und Verpflichtung ein arbeitender Mann zur Seite stehen würde und das gesamte Beschäftigungsniveau vor allen in den Bereichen hoher Wertschöpfung, insbesondere in den Exportbranchen, kontinuierlich hoch bliebe, wäre sie einer Situation ausgesetzt, in der hohe und sogar STEIGENDE TRANSFERS in die EU ihre Generation vor eine ZERREISSPROBE stellen würden.

    Das nicht mit einzubeziehen im Halleluja für das Europa der nächsten Generation ist schlichtweg NAIV, im vorliegenden Fall bezeichnenderweise: wissenschaftlich naiv.

    Und dass Illner und ihr „wissenschaftlicher Stab“ im Hintergrund diese UNVERMEIDBARE Problematik im blauäugigen Gespräch mit der Jungeuropäerin und dem Rest der Runde völlig ausgeblendet hat, ist UNVERANTWORTLICH.

    Man darf sich daher auch nicht über den Bewusstseinszustand der deutschen Bevölkerung wundern.

    Er kann gar NICHT anders sein als er sich in der repräsentativen Umfrage des Politbarometers vom 27.04.2018 darstellt:

    88% der Bevölkerung sind für eine engere Zusammenarbeit in der EU, 10% dagegen.

    62% der Bevölkerung sind für eine ENGERE Zusammenarbeit in der FINANZPOLITIK in der EU, 32% dagegen.

    So sieht es aus – heute.

    Die Zahlen werden nicht so bleiben.

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      • Christian Maler sagte:

        Nur schade, dass die älteren (in der entsprechenden Position) genau das Gegenteil getan haben bzw. gerade machen. Wenn also die jungen zu naiv und bereits zu sehr in die falsche Richtung geprägt sind und den älteren die Einsicht fehlt, etwas zu ändern, wer bleibt dann noch? Der „Mittelbau“ strampelt zu sehr im Hamsterrad, hat zu wenig Zeit, Geld und Kapazität, um das Ausmaß (für sich selbst) zu erkennen.

  17. R asu S sagte:

    @“Marie Rosenkranz, „Europawissenschaftlerin“ beim „European Democracy Lab“ durfte in einer Nebenrolle emotionsbeladen daran appellieren „Europa für die nächste Generation“ zu erhalten.“

    Ich hatte ja oben/unten schon einen einen Kommentar geschrieben zum Thema Talkshows, NGOs, Propaganda. Das o.g. „European Democracy Lab“ (EDL) wurde von Ulrike Guerot gegründet. Sie fordert, daß die Europäischen Nationalstaaten abgeschafft werden. Wen es interessiert, sollte dieses kurzvideo anschauen:
    https://www.db.com/newsroom/de/videos.htm?textsearch=ulrike%20guerot#preview-media-1479569

    Antworten
  18. Ondoron sagte:

    Illner ist keine Talkshow sondern political und social engineering von der übelsten Sorte. Goebbels hätte es nicht besser gekonnt.
    Und dann hier die Nebelkerzenwerfer im Forum, die meinen, anstelle von Herrn Dr. Stelter, kompetente Antworten zum Erhalt der Eurozone geben zu können. So viel Selbstüberschätzung ist stark verhaltensauffällig. Einfach nur entsetzlich!

    Antworten
    • Johann Schwarting sagte:

      @Ondoron

      Ihre Ausführungen

      „Illner ist keine Talkshow sondern political und social engineering von der übelsten Sorte.“

      sind richtig, wie ich in den Betrachtungen über die Medien- und Simulationstheorie von Jean Baudrillard gezeigt habe. Soweit

      „Goebbels hätte es nicht besser gekonnt.“

      würde ich auf gar keinen Fall gehen.

      „Und dann hier die Nebelkerzenwerfer im Forum, die meinen, anstelle von Herrn Dr. Stelter, kompetente Antworten zum Erhalt der Eurozone geben zu können.“

      Herr Dr. Stelter hat sich als Anhänger des Debitismus, der eine „reine Beschreibung [ist], was sich ergibt, sofern Schulden existieren.“, erklärt.

      Am Beginn der europäischen nationalstaatlichen Zyklen – vor allem in den 60. bis 80. Jahre des letzten Jahrhunderts – erzeugte die wachsende Verschuldung auch zusätzliche Besicherungen für weitere Verschuldungen, was sich in den hohen Inflationsraten spiegelte. Danach wird alles deflationär bis zur Überschuldung, weil die Nachschuldnersuche zur Rettung der Altschuldner immer weniger gelingt. Das zeigt der ‚The most important Chart of the century‘

      http://economicedge.blogspot.de/2010/03/most-important-chart-of-century.html

      Aus debitistischen Gründen müssen deshalb die Haftungsräume erweitert werden, wie @Alexander mit seinem Satz: „Haftung ist das Maß der Dinge.“ schon sehr richtig erkannt hatte. In dem Faden

      https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/die-notwendigkeit-von-schulden/#comment-34947

      hatte ich deshalb geschrieben:

      „Die Schulden der Stadt Göttingen wurden vor vielen Jahren teilweise vom Land Niedersachsen als höherer Systemebene übernommen. Ähnliches gilt für die Länder Bremen und Saarland, die teilweise von der nächsthöheren Systemebene Bund ‚entschuldet‘ wurden – die Schulden wurden hochgebucht. Für die Schulden der Euro-Länder bedeutet das ebenfalls, dass durch die politische EU eine neue Systemebene als gemeinsamer Haftungsraum aller EU-Mitgliedstaaten entsteht.“

      Es führt kein Weg an der Schaffung einer EU-Systemebene als gemeinsamer Haftungsraum vorbei.

      „So viel Selbstüberschätzung ist stark verhaltensauffällig. Einfach nur entsetzlich!“

      Nicht entsetzlich – gerade in diesen Zeiten der Orientierungslosigkeit ist die intellektuelle Ehrlichkeit von großer Wichtigkeit.

      Antworten
      • Ondoron sagte:

        @Johann Schwarting

        „Es führt kein Weg an der Schaffung einer EU-Systemebene als gemeinsamer Haftungsraum vorbei.“ Was für ein überheblicher Schwachsinn. Lesen Sie mal dringend Popper zum Historizismus.

        Nein, es wird die Weltregierung nicht geben, auch wenn Sie sich als Anhänger totalitärer Entwicklung outen; allerdings in wohlgesetzten Worten.

        Intellektuelle Ehrlichkeit sieht anders aus. Aber so etwas haben wir regelmässig hier im Forum, da wird immer ganz genau erklärt, warum und weshalb. Allerdings immer vor dem Hintergrund einer politischen Agenda. Das genau sind die Nebelkerzen. Da mögen sich die Wenigen, die jenseits getrommelter Narrative selbständig denken können, selbst einen Reim drauf machen.

        Im übrigen frage ich Sie, ob Ihnen der Begriff des Konstruktivismus bekannt ist. Vor allem der politische Konstruktivismus. Herr Dr. Stelter führt sehr häufig Argumente an, warum beispielsweise der Euro keine Zukunft haben wird. Darauf kommt dann Ihr konstruktivistischer Vorschlag, einen gemeinsamen Handlungsraum einzuführen. Die Kennzeichnung bloß konstruktivistischer Argumente als logische Linie ist alles andere als intellektuell redlich. Sagen Sie doch lieber, dass auch Sie keine Ahnung haben, was passieren wird.

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