Die Nachfrage nach „Safe Assets“ drückt das Zinsniveau

Das Thema der „Safe Assets“ ist gerade mit Blick auf Europa wichtig. Immer wieder weisen Experten darauf hin, dass es in Europa eine Knappheit an diesen „Safe Assets“ gibt und fordern deshalb Eurobonds, um damit das Problem zu lösen:

Vom Blödsinn der European Safe Bonds
So wird es kommen: radical Risk-sharing
Was der Euro wirklich zur Rettung braucht

Doch es ist nicht nur in Europa ein Thema, wie John Authers in seinem Newsletter vor einigen Wochen erklärt hat. In Folge der Finanzkrise, der strengeren Bankenregulierung und der immer schlechteren Qualität der meisten Schuldner und zugleich immer höherer Verschuldung sind „sichere Assets“ zweifellos Mangelware:

  • „Safety is valuable, and people will pay for it. However, another lasting effect of the financial crisis and its immediate aftermath in Europe was to reduce the supply of safe assets. That in turn implies a one-off secular increase in their price and reduction in yield.“ – bto: ein weiterer Grund für die tiefen Zinsen.
  • „With the crisis came the virtual extinction of the AAA-rated corporate bond. A range of peripheral eurozone sovereign bonds came under so much pressure that they are no longer regarded as safe, while arguably the stress put on the implicit government guarantees behind the big U.S. mortgage agencies led them to lose safe asset status as well. The following chart, from Oxford Economics, show the effect on the global supply of safe assets.“ – bto: Wenn das System immer höher geleveraged ist, muss das so sein.

Quelle: Bloomberg

  • „Tighter supply means higher prices. (…) In the last decade, a pick-up in demand by Asia’s newly industrialized economies — South Korea, Hong Kong, Singapore and Taiwan — has more than compensated for (drop in demand from China and Japan).“ – bto: Das ist auch darauf zurückzuführen, dass diese Länder keine Wiederholung einer Krise wie Ende der 1990er-Jahre erleben wollen.

Quelle: Bloomberg

  • Demand for safe assets also comes from banks, which have been subjected to tighter capital adequacy regulations since the crisis. (…) banks’ demand for safe assets has increased significantly.“ – bto: Das ist nachvollziehbar.

Quelle: Bloomberg

  • „A final significant source of demand comes from pension funds. (…) If we look at the demographic trend, in terms of the U.S. proportion of the population aged over 65, we see again reason to believe that growing demand for safe assets is a fact of life for years to come.“ – bto: und damit anhaltend tiefe Zinsen?

Quelle: Bloomberg

Natürlich kann man auch so argumentieren, dass die Zinsen dauerhaft tief bleiben müssen. Andererseits bleiben die Gefahren, die sich aus einer koordinierten Fiskal- und Geldpolitik ergeben.

Kommentare (2) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    ikkyu sagte:

    Die QE-Programme der Notenbanken -also der Elephant im Raum- wird als wesentlicher Treiber der Knappheit gar nicht genannt.

    https://www.ft.com/content/d1c10904-e91c-11e9-85f4-d00e5018f061

    Zitat:
    „The BIS, the central bank for central banks, said on Monday that, while the immediate impact had eased the severe market strains created by the 2008 financial crisis, there had been several negative side-effects. These included a scarcity of bonds available for investors to purchase, squeezed liquidity in some markets, higher levels of bank reserves and fewer market operators actively trading in some areas.“

    Antworten
  2. Avatar
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    Wie sagen die Systemkritiker dazu? Wir ersetzen in der neuen geldpolitischen Welt den risikolosen Zins durch das zinslose Risiko. Es gibt m.E. in einer überschuldeten Welt keine assets, die wirklich „safe“ sind, wenn man nicht in Nominalwerten, sondern in Kaufkraftparitäten denkt. Dr. Markus Krall spricht hier zurecht von den „einäugigen“ Währungen unter den „blinden“. Man könnte den Begriff „Währung“ durch „Rechtsordnung“, „Nation“, „Staatshaushalt“ oder „Notenbank“ austauschen, es wäre ziemlich ähnlich. Denn entscheidend ist, dass das Recht auf Privateigentum gefährdet ist. Denn nur das versteht man unter „safe“.

    Es könnte leicht sein, dass ein Bauernhof inkl. Wald in einem klimabegünstigten und republikanisch regierten Bundesstaat in den USA in Verbindung mit ein paar Waffen und guten Nachbarn im Vergleich zu Treasuries rückblickend das sicherere asset gewesen sein wird. Oder der Goldbarren in der Schweiz. Oder die einzigartige Pharmaaktie im Vereinigten Königreich. Ich weiß es nicht.

    Das entscheidende ist, dass die Politik in einer überschuldeten Welt irgendwann Gegenmaßnahmen ergreifen muss, die sich beim Sparer bedienen müssen und man eine Prognose auf die voraussichtliche Substanzbesteuerung bzw. Beschlagnahmungsmaßnahmen der Zukunft erstellen muss. Ob das dann ein Lastenausgleich, eine Hypothekengewinnabgabe, ein Goldverbot (d.h. ein Zwangsverkauf an die Regierung zum festgelegten Preis), eine Vermögensteuer, Zölle, Beschlagnahmungen oder eine Kombination oder etwas anderes sein wird, weiß aktuell für sein eigenes Land keiner. Nur eines ist m.E. sicher: „safe“ im Sinne der 1980er-Jahre gibt es nicht mehr. Denn selbst Bargeld kann ich durch massives Drucken von neuem Geld faktisch enteignen. Und der Anfang dafür ist ja an vielen Orten schon gemacht, wie das Beispiel Japan zeigt.

    Antworten

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.