Die Flucht aus dem Euro – US-Regierung erwartet Zusammenbruch

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Schon im Juni letzten Jahres habe ich an dieser Stelle gezeigt, dass die These von Wolfgang Schäuble, wonach der Euro die unangefochtene Weltreservewährung Nummer zwei und stabil sei, ziemlich übertrieben ist. In Wirklichkeit verliert der Euro immer mehr an Bedeutung. Aus einem Beitrag zitierte ich wie folgt:

  • The latest ECB figures show the euro is now declining as a reserve currency. Soon after the currency was launched in 1999, it accounted for 20pc of global reserves. By 2003/4, it was getting up close to 25pc.
  • Since then however it has stalled and then gone into reverse. By last year, the euro accounted for just 19.9pc of global reserves, the lowest level since launch.
  • And here is an extraordinary fact. According to Bundesbank data, if you go back to 1990 and 1991, the Deutschmark by itself accounted for 19pc of global reserves.
  • Even the French franc accounted for 2.4pc of global reserves in the 1990s.  It is as if the French franc, Italian lira and Spanish peseta never existed.
  • Its share of global international payments has dropped from 33pc to 31pc, reflecting the decline of Europe’s economy. Foreign demand for eurozone securities also declined in 2015, according to the ECB, and so did the use of the currency in global debt and loan markets.

Who wants to hold a reserve asset that might not be around in a decade? The whole point is to own something rock solid that will be there when you need it. The Chinese yuan, Bitcoin, and even sterling all look a better bet right now.

Starker Tobak.

Doch leider bleibt es nicht dabei. Die Flucht aus dem Euro geht weiter wie der Telegraph zusammenfasst:

  • Figures from the Bank of International Settlements, sometimes referred to as the central bank for central banks, show that the euro is being used less in international banking, while the US dollar continues to grow in importance.“ bto: Klarer kann man es nicht verdeutlichen. Die Märkte stimmen mit echtem Geld ab, nicht mit warmen Versprechungen von Politikern.
  • „At the end of September, the BIS figures show, outstanding cross-border business in US dollars amounted to $13.9 trillion (£11.1 trillion), a rise of almost $60bn over previous three months. By contrast, outstanding cross-border claims in euros fell by almost $160bn to a total of $8.1 trillion.“ bto: Gegeben den Zustand der Eurozone ist das noch super.
  • Overall claims globally amount to $28.2 trillion, meaning the US dollar accounts for almost 50pc of the total. The euro is next with 29pc, while the yen is in third place its $1.7 trillion of claims is 6pc of the total. Sterling is fourth at $1.3 trillion, or a 5pc share.  bto: Und dabei war der Euro angetreten, dem US-Dollar die Führung streitig zu machen.
  • „Around half of the decline in recent years is due to the euro’s fall in value relative to the dollar, making the euro transactions appear smaller when they are compared in a common currency. But the other half is made up in large part by the eurozone’s own problems.“ bto: Und die sind a) bekannt, doch b) nicht absehbar zu lösen.
  • The most fundamental is the fear that the currency area will be stuck in permanent low growth, making investments risky.“ bto: Das japanische Szenario für Europa ist mehr als realistisch!
  • Die Gründe außerdem: a) die ungelöste (Staats-)Schuldenkrise, b) die zunehmende Unterstützung für eurokritische Parteien, c) der geringere Anteil der Eurozone am Welt-BIP, d) das kranke Bankensystem. Und bei allen diesen Themen ist keine Besserung in Sicht.

Derweil warnt Moody`s vor „years of stagnation and crises as members drift apart“. Die US-Ratingagentur wird im Telegraph so zitiert:

  • „Plans to reform weak economies have largely ground to a halt, Moody’s fears, while debt levels are not falling as hoped, leaving the countries vulnerable to economic shocks.“ bto: Schulden steigen eher weiter relativ zum BIP.
  • Und weiter: “Europe, which was meant to be a project of convergence of ideas, of policy approach, of economic strength, and of income is not delivery. What we see is divergence across Europe.” bto: Ohne Wohlstandszuwachs haben wir keine Basis für Zusammenhalt in der EU.

    The eurozone's economies are growing at wildly different rates

    Quelle: MOODY’S/The Telegraph 

  • Moody`s: We have severe concerns for the eurozone in the medium- to long-term – it is an unfinished project, and there is a lot of divergence and no convergence, which could prove to be a huge political challenge.” bto: Wer hat diese Sorgen nicht?

Kein Wunder, dass die Zweifel an der Zukunft des Euro zunehmen. Wenige sprechen es so aus wie der vermutliche nächste Botschafter der USA bei der EU. Bei der BBC sagte er, the single currency could collapse in the next 18 months. bto: was natürlich immer gefährlich ist in Bezug auf das Timing. Er ging sogar soweit zu sagen, dass er den Euro „shorten“, also leer verkaufen würde: „Professor Ted Malloch said he would „short the euro taking a market position which bets on the value of the currency falling.“ Das ist für mich ein klares Kaufsignal für den Euro und stimmt mich für 2017 optimistisch. Habe ich ja auch an anderer Stelle schon mal geschrieben.

Darüber hinaus macht Malloch, der neben Trump auch den Brexit unterstützt hat, klar, dass er mit England eine rasche Einigung auf ein Handelsabkommen anstrebt: „Mr Malloch said despite the obstacles, Britain would gain a free trade deal well ahead of the rest of the EU and the elections in the Netherlands, France and Germany could lead to a fundamental shake-up of the union. I personally am not certain that there will be a European Union with which to have [free trade] negotiations, he said.“

Und seine Sicht und die von Trump auf die EU ist wiederum geprägt vom Briefing durch Nigel  Farage: „It seems to me as well that Trump believes that the European Union has in recent decades been tilted strongly and most favourably towards Germany. Da braut sich was zusammen! Und unsere Politiker erzählen auch noch den gleichen Blödsinn!

→ The Telegraph: „Global markets turn back on euro as economic woes reinforce dollar as the currency of choice“, 23. Januar 2017

→ The Telegraph: „Eurozone set for years of stagnation and crises as members drift apart, Moody’s fears“, 25. Januar 2017

→ BBC: „Euro ‚could fail‘, says man tipped as US ambassador to EU“, 25. Januar 2017

15 Antworten
  1. Dietmar Tischer says:

    o.k., o.k., aber nicht so hastig.

    Was die US-Regierung erwartet, weiß kein Mensch.

    Man weiß ja nicht, wer zu was in der US-Regierung die Meinung vertritt, die maßgeblich ist – und ob diejenige, die heute maßgeblich ist, es auch morgen noch ist.

    Außerdem ist „could collapse“ etwas anderes als der in der Überschrift unterstellte erwartete Zusammenbruch.

    Richtig ist aber, dass ein Währungsraum, der stagniert oder lediglich unterdurchschnittlich wächst und zudem noch von existenzbedrohenden politischen und wirtschaftlichen Divergenzen gekennzeichnet ist, über keine Währung verfügt, die für andere sonderlich attraktiv ist.

    Der Anteil des Euro an den global gehaltenen Reserven ist jedenfalls ein signifikanter Indikator dafür, wie die Welt die Entwicklung der Eurozone relativ zu anderen Wirtschafträumen einschätzt. Wenn die Veränderung wie festgestellt NEGATIV ist, sollten die Warnlampen blinken.

    Es mag freilich schon zu spät sein, um dadurch etwas grundlegend Positives zu bewirken, wenn von „sind auf einem guten Wege“ längst keine Rede mehr ist und man sich von Wahl zu Wahl zittert.

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  2. Wolfgang Selig says:

    Bei aller berechtigten Kritik: Ist es so erstrebenswert, Resevewährungsraum zu sein? Was hat der normale Bürger ohne großes Geldvermögen davon, dass die Währung anderer Nationen so unattraktiv ist, dass Geld im großen Stil hereinfliesst ? Der Wechselkurs steigt höher als es die Produktivität eigentlich hergibt und die Arbeitnehmer mit niedrigen Qualifikationen bekommen Probleme. Siehe den berühmten rust belt in den USA. Brauchen wir das für unser Ego oder unsere Arbeitsmärkte im Euroraum gerade? Ich meine nein. Außerdem wäre ich bzgl. des Dollar ganz entspannt. Vier Jahre volkswirtschaftliche Führung der USA durch Herrn Trump könnten schneller als gedacht dazu führen, dass China und andere ganz schnell ihre Währungsreserven umschichten wollen, wenn bei militärischen Spannungen gedroht wird, Gelder einzufrieren. Was bleibt ihnen dann außer dem Euro?

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    • Michael Stöcker says:

      Die Vorteile einer Reservewährung sind erheblich. Zum einen die Seigniorage (LB-Defizite werden über die Notenpresse finanziert) und zum anderen das Privileg, in eigener Währung zu fakturieren. Damit entfallen die Kurssicherungskosten im internationalen Handel. Wer allerdings die Geschichte mit den Leistungsbilanzungleichgewichten nicht verstanden hat und das protestantische Arbeitsethos als allein glückselig machende kollektive Lebensgestaltungsmaxime hochhält, der verzichtet auf das Seigniorage-Privileg und lässt seine Bürger für das Ausland schuften; eine weitere Form der Pervertierung des berühmten Satzes des deutschen Ökonomen Heinrich Beta, der dann durch die Nazis missbraucht wurde: „Nicht der Glaube macht selig, nicht der Glaube an egoistische Pfaffen- und Adelzwecke, sondern die Arbeit macht selig, denn die Arbeit macht frei.“ Nicht jede Arbeit macht selig, aber jede bezahlte Arbeit macht frei; denn Geld ist auch geprägte Freiheit.

      Der USD ist letztlich das moderne Instrument zur Fortführung der Sklaverei mit anderen Mitteln. Man sollte dabei allerdings nicht vergessen, für die Verlierer im eigenen Land einen entsprechenden Ausgleich zu schaffen. Aber die 1 % haben sich schon immer erst dann für die 99 % interessiert, wenn die Guillotine drohte. Manche scheinen das in Ansätzen begriffen zu haben: https://www.welt.de/wirtschaft/article121913417/Die-globale-Elite-fuerchtet-den-Aufstand-der-Massen.html. Trump gehört keinesfalls dazu; ansonsten würde er sich mehr im Tittytainment engagieren.

      Die Guillotine wurde übrigens in Frankreich bis 1977 eingesetzt und kam auch in den fünfziger und sechziger Jahren noch des Öfteren zur Anwendung: http://www.zeit.de/1972/49/die-guillotine-im-hof-der-sante/komplettansicht.

      LG Michael Stöcker

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      • Wolfgang Selig says:

        Tja, Herr Stöcker, bei derart verschiedenen Wertvorstellungen kommen wir nicht zusammen. Meiner Meinung nach hat gerade der Status des Dollar als Reservewährung das dringend nötige und in den 1950ern noch vorhandene Arbeits- und Bildungsethos dort verkümmern lassen, weil man andere Länder für sich hat arbeiten lassen. Aber wenn man für eine Reservewährung in einem Land irgendwann nur noch wenig brauchbares kaufen kann, fangen die Anleger an, etwas anderes als Reservewährung zu wählen, vielleicht in 20 Jahren den Renminbi. Von der Analogie mit der Sklaverei halte ich nicht viel, umso mehr vom Ziel des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts nach dem über 40 Jahre alten Stabilitäts- und Wachstumsgesetz.

      • Michael Stöcker says:

        Es sind immer die gesellschaftlichen Ungleichgewichte, die bei zu großen Divergenzen zu sozialen und politischen Spannungen führen. Auf internationaler Ebene sind es vor allem die Leistungsbilanzungleichgewichte und auf nationaler Ebene die Einkommens- und Vermögensungleichgewichte. Hierzu gab es bereits vor einiger Zeit eine längeren Diskussion mit Dietmar Tischer et. al.: http://blog.zeit.de/herdentrieb/2014/06/14/bundesbank-und-ezb-ueberschaetzen-inflation_7467/comment-page-20?sort=asc&comments_page=18#comment-123495

        LG Michael Stöcker

  3. Bagehot says:

    Ted Malloch, den Sie hier zitieren, ist keineswegs Mitglied der amerikanischen Regierung. Er ist vielmehr im Gespräch als Botschafter der USA bei der EU. Und auch hierfür gibt es bislang nur eine unbestätigte Meldung der Nachríchtenagentur Bloomberg.

    Vielleicht wird Malloch ja mal Botschafter. Derzeit aber ist er es definitiv nicht. Und erst recht nicht Kabinettsmitglied der Trump Administration. .

    Obendrein sagt Malloch „The Euro COULD collapse“. Er spricht also von einer Möglichkeit, nicht von einem künftigen Ereignis, dessen Eintreten als relativ sicher angesehen wird.

    Ihre Überschrift ist also in gleich zwei entscheidenden Punkten falsch. Die zitierte Meldung der BBC hat die völlig korrekte Headline „Euro „could fail“, says man to be tipped as US ambassador to the EU“.

    Sie haben an dieser Stelle vor wenigen Tagen „Spiegel Online“ vorgeworfen, Sachverhalte zu manipulieren. Was bitte haben Sie denn hier gemacht?

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Tja, wohl das hier etwas zu sehr betont: Aus dem BBC Interview: „I think Donald Trump is very opposed to supranational organisations, he believes in nation states, in bilateral relations and I think that he thinks the EU has overshot its mark.
      „It seems to me as well that Trump believes that the European Union has in recent decades been tilted strongly and most favourably towards Germany.“
      Mr Malloch said that the present free trade negotiation between the US and the EU – called the Transatlantic Trade and Investment Partnership – was „dead“.
      He also questioned the future of the single currency.
      „The one thing I would do in 2017 is short the euro,“ Mr Malloch said.
      „I think it is a currency that is not only in demise but has a real problem and could in fact collapse in the coming year, year and a half.
      „I am not the only person or economist of that point of view.
      „Someone as acclaimed as Joseph Stiglitz – the famous World Bank economist – has written an entire book on this subject.“

      Richtig: er sagt „Trump sei der Meinung…“ aber nicht bezüglich des Euro. Da haben Sie einen Punkt, wobei ich bezweifle, dass Trump das anders sieht.

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  4. Michael Stöcker says:

    Geld ist eine primär politische Institution und hängt somit insbesondere an der politischen Stabilität des Währungsraums. Insofern kann man beim Bitcoin auch nicht von einer Währung sprechen. Dafür fehlt die politische Dimension. Ein politisch stabiler Rahmen ist zugleich notwendige Voraussetzung für wirtschaftliche Prosperität, die sich wiederum auf die Stabilität der Währung auswirkt.

    Der politische Ausgang des Euro ist höchst ungewiss. Da sich vor allem das größte und ökonomisch bedeutendste Land nicht an die impliziten Regeln gehalten hat (produktivitätsorientierte Lohnpolitik zzgl. Inflationsziel), sondern insbesondere mit der Agenda 2010 den Sprengsatz an den gemeinsamen Währungsraum gelegt hat, ist der Anteil des Euro als Reservewährung rückläufig. Dies liegt allerdings nicht nur an den massiven Ungleichgewichten in Euroland, sondern auch am Yuan, der 2015 offiziell den Status als Reservewährung erhielt; damit müssen die relativen Anteile der vier weiteren Reservewährungen automatisch sinken. Dass der Euro hiervon stärker betroffen war, ist angesichts der politischen Entwicklungen wenig verwunderlich: https://zinsfehler.com/2015/07/02/schaxit-oder-exit/.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  5. Bakwahn says:

    Zum Außenwert des Euro; ein aktueller Erfahrungsbericht.
    Ich bin in Laos unterwegs. Fast jeden Tag an den Wechselschaltern sind fallende Kurse für den Euro festzustellen. Es gibt im Moment ca. 8.600 laotische Kip für einen Euro. Das Urlauben bringt keinen Spaß mehr.
    !!! In seiner Anfangsphase gab es mal über 12.000 Kip für den Euro !!!

    Aber bitte, der deutsche Wähler will das ja so. Er setzt sein Kreuz mit selbstzerstörerischer Lust immer wieder bei den Parteien, die für den Verfall der Währung verantwortlich sind.

    Hätten wir einen Nordeuro mit Holland, Österreich, den Finnen und den Iren, dann gäbe es jetzt garantiert 14.000 Kip und entsprechend 55 thailändische Baht oder sogar mehr (und nicht wie jetzt 36 Baht pro Euro). Jaja, da kommt Freude auf. Wir retten den Euro, wir retten Griechenland, die südeuropäischen Banken und demnächst auch die Grande Nation. Der deutsche Wähler fühlt sich dabei großartig. Jubelt den Altparteien zu, Merkel, Schäuble, Schulz und Gabriel.

    Enough for one go.
    Stay tuned. Stay on the ball. There is more to come.

    Live aus Vientiane, Hauptstadt von Laos – 30.1.2017 – 10.20 Ortszeit
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf

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  6. Bakwahn says:

    Sehr geehrter Herr Stelter und liebe BWLer, VWLer, Mikro-, Makro- und Miniökonomen; z.B. Tischer, Stöcker. Sie können tolle Aufsätze, Kommentare mit klug durchdachter Kritik und Überlegungen schreiben, durch Theorie auch gut abgesichert.. Allein es gilt, und ich mag mich hier wiederholen:
    Zur Euro- und Griechenlandkrise ist in den vergangenen 5 – 6 Jahren alles gedacht, geschrieben und gesagt worden. Es gibt dutzende von Büchern zum Thema, Studien, Gutachten, Abhandlungen, Aufsätze, Diskussionsbeiträge. 90 bis 95 % aller Ökonomen, Finanzexperten, Wirtschaftsjournalisten sind sich in ihrer Kritik an der Eurozone und der „Griechenlandrettung“ einig. Vom Grexit bis zur Rückkehr zu nationalen Währungen: alle diese Fachleute machen sehr vernünftige und ökonomisch sowie finanztechnisch gut begründete Vorschläge.
    Jedoch:
    Jegliche noch so sachlich fundierte und ökonomisch berechtigte Kritik gegen den Eurorettungswahnsinn wirkt hinfällig, machtlos, vergebens. Der Euro ist kein ökonomisches, sondern ein politisches Projekt. Der Euro soll „unumkehrbar“ sein. Das alleine ist die einzige Richtschnur des Handelns der europäischen Nomenklatura; einschließlich der EZB-Gouverneure und der Richter des EuGH.
    Die deutsche und die europäische Politik ist fest entschlossen und gewillt, nicht nur den Euro zu bewahren, sondern auch alle im Euro zu halten, auch Pleitestaaten und ihre bankrotten Banken. Sie wird dafür alles opfern, alles. Ein Bankrott Griechenlands und sein Ausscheiden aus der Eurozone käme einem Scheitern der Währungsunion gleich, was die europäische Nomenklatura um jeden Preis vermeiden möchte. Solange die Altparteien mit Merkel an der Spitze diese positive Zustimmung der deutschen Mainstreammedien und damit auch der deutschen Bevölkerung genießen, wird sich in der Eurorettung nichts ändern.
    Aktuell – 30. Januar 2017: Ich lese gerade irgendwo, daß ca. 80 % der deutschen Wähler der Politik von Merkel wie auch von Schulz zustimmen und zujubeln.
    Die EZB hat spätestens 2012 die Hauptrolle bei der Eurorettung übernommen. Sie betreibt eine indirekte Staatsfinanzierung und Entschuldungspolitik der Staaten und Pleite-Banken durch eine Geldschöpfung ex nihilo sowie durch ihre Niedrigzinspolitik. Sie wird diese Geldpolitik auf sehr viele Jahre nicht ändern können noch wollen. Sie hat sich zum Gefangenen der europäischen Politik machen lassen, ja, sie ist ihr sogar willig gefolgt, denn im EZB-Rat haben die Weichwährungs- und Schuldenländer eine strukturelle Mehrheit. Die Politik der Krisenstaaten hat sich längst aus der Verantwortung geschlichen. In Frankreich und in Italien werden ganz offensichtlich wirklich durchgreifende Strukturreformen nicht durchgeführt. Das zwingt die EZB, einen wahren Liquiditätszauber zu entfachen, der Staaten und Banken weiterhin Kontoüberziehungen ohne limit ermöglicht.
    Außerdem wird die EZB auch weiterhin verhindern, daß gigantische Schuldensummen direkt auf deutsche Staatsschuldenkonten landen und damit sofort und !!! unmittelbar finanzwirksam !!! spürbar werden. Das gilt natürlich auch für die anderen Länder, die mit Krediten und Bürgschaften “mit drinhängen”.
    Der deutsche Michel revoltiert erst dann, wenn Schulden anderer Staaten für ihn direkt spürbar werden, z.B in Form eines “Eurosoli” für überschuldetete Staaten. Solange die Politik und die EZB durch Geldschöpfungsaktionen und Billigstzinen das gigantische Ausmaß der Krise verschleiern und verstecken können, wird es immer wieder zu Kollapsverzögerungen kommen. Die geldpolitischen Manöver und Zaubertricks sind: Aufkäufe sämtlicher Schuldentitel, Laufzeitverlängerungen, Verlängerung der zins- und tilgungsfreien Phasen, Billigstzinsen.
    Ich bin als Geldlaie nicht kompetent genug, um weitere Möglichkeiten der EZB aufzulisten. Aber wir können davon ausgehen, dass die EZB zusammen mit der europäischen Politik auch weiterhin in dieser Hinsicht eine äußerst trickreiche und hochinnovative Produktivität gebären wird.
    Statt Kollaps langsames Siechtum, auch bei uns in Deutschland.

    Live aus aus Vientiane, Hauptstadt von Laos – 30.1.2017 – 10.45 Ortszeit
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf

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  7. Bakwahn says:

    Ein Nachtrag; ich weiß, ich werde off-topic:
    Der Euro sollte den Staaten Stabilität und Wohlstand bringen. In Wirklichkeit ist er eine Wohlstandsvernichtungsmaschine. Der schwache Euro ist Gift für die deutsche Wirtschaft. Sie wird allmählich ihre Innovationskraft, Anpassungs- und Wettbewerbsfähigkeit verlieren; langsam, schleichend, unmerklich aber unaufhaltsam. Meine Tochter – jetzt 30 –, meine Enkel und die anderen Kinder unserer Familie werden im Schnitt nicht mehr die Einkommen erreichen, die ihre Großeltern und Eltern noch erzielt haben, trotz z.T. besserer Ausbildung. Sie werden außerdem mit den Problemen konfrontiert sein, die durch eine völlig verfehlte Einwanderungspolitik verursacht worden sind. Es werden harte Kämpfe, Streitereien, Auseinandersetzungen in der dann multiethnischen, multireligiösen, multikulturellen Gesellschaft stattfinden, deren wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unaufhörlich gesunken ist.

    Ich setzte Scholl-Latour dagegen:
    „Wer halb Kalkutta aufnimmt hilft nicht etwa Kalkutta, sondern wird selbst zu Kalkutta!“

    Wir nehmen nicht nur „halb Kalkutta“ auf, sondern unausgebildete, bildungsferne Menschen aus der islamischen Welt und aus Schwarzafrika. Eine hochexplosive Mischung.
    Der Einwanderungsdruck ist enorm und er wird bleiben. Eine alternde, schwache Gesellschaft wird sich gefügig in Demut ergeben (siehe Heinsohn).
    Die tonangebenden politischen und medialen „Eliten“ geben jegliche deutschen Werte auf – die deutsche Sprache, das Christentum, unsere eigene Geschichte und Kultur – und entwerfen am Reißbrett eine politisch korrekte, rationalistische und universalistische Identität. Man verabschiedet das Eigene, das genuin Deutsche, das doch so erfolgreich war und noch ist, und schwärmt von den Segnungen der liberalen, globalisierten, multiethnischen und multikulturellen Gesellschaft.
    Diese brandgefährlichen Illusionisten werden nicht im Multikulti-Paradies, sondern in Kalkutta, Aleppo, Maputo oder sonstwo landen.

    Live aus aus Vientiane, Hauptstadt von Laos – 30.1.2017 – 11.15 Ortszeit
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf

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    • Johannes says:

      Ich bin auf dem ökonomischen Gebiet wie Sie ein Laie. Ihren Ausführungen kann ich nur zustimmen. Das POLITISCHE PROJEKT names Euro wird nicht aufgegeben werden. Es sei denn, in Europa gewinnen politische Kräfte an Zulauf, die diese „Eurotrunkenheit“ stoppen. Das kann dann aber wiederum zu unerwünschten Nebeneffekten führen und hiermit meine ich nicht den beschworenen „Rechtsruck“ in all seinen historischen Ausprägungen (wie von den Medien und der Mehrheit der Politik mit Kassandrarufen beklagt). Ich meine Nebenwirkungen, die auf die politische Unerfahrenheit der dann gewählten Akteure zurück zu führen ist. Ein erstes Beispiel für das was ich meine, ist gerade in Amerika zu sehen.

      Aber letztlich muss man einen „Tod sterben“: langes und offenkundig in Kauf genommenes Siechtum wie von Ihnen beschrieben, oder einen sprunghaften Wechsel, mit allen Risiken und Nebenwirkungen.

      Antworten
  8. Bakwahn says:

    Johannes,
    ihr Stichwort „Unerfahrenheit“ und die daraus resultierenden „Nebenwirkungen“.
    Meine Prognose: Trump wird die erste Amtsperiode nicht überstehen. Er wird nach einer Reihe weiterer katastrophalen Entscheidungen zurücktreten oder man wird ihn zwingen, sein Amt aufzugeben. Ihm fehlt die Geschmeidigkeit, die Fähigkeit des Abwägens, das Einbeziehen der Nebenwirkungen und so etwas wie Kompromißfähigkeit.

    Zurück zum Thema; z.B. „das kranke Bankensystem. Und bei allen diesen Themen ist keine Besserung in Sicht.“ wie Stelter schreibt.
    An folgendem Beispiel kann man sehen, wie die EZB zusammen mit der europäischen Politik auch weiterhin eine äußerst trickreiche und hochinnovative Produktivität gebiert. So soll die Bankenkrise gelöst werden. Was ich schon lange vermute, vereinfacht zwar, aber dennoch nicht falsch: die EZB schöpft das Geld für die Bankenrettung und schenkt es ihnen dann im Nachhinein.

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/faule-kredite-eu-bankenaufseher-fordert-bad-bank-fuer-europa-14799747.html

    Live aus aus Vientiane – 31.1.2017 – 11.45 Ortszeit
    Bakwahn
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