Der Boom ist das Problem, nicht der Bust

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Die WirtschaftsWoche hat in ihrer letzten Ausgabe ein Interview mit William White gebracht. Für Leser von bto ist der ehemalige Chefvolkswirt der BIZ ein guter Bekannter. Er warnt seit Jahren vor den Folgen einer völlig fehlgeleiteten Politik. Immer noch und immer wieder lesenswert:

→ Ultra Easy Monetary Policy and the Law of Unintended Consequences

→ „Europa hat nichts gelernt“ – Warum uns eine noch schlimmere Finanzkrise droht

→ Monetarisierung: Rettung oder Desaster?

→ „Helicopter Money is a highly risky and perhaps even terminally risky policy“

Doch nun zu den Highlights des Interviews, welches die WirtschaftsWoche dankenswerterweise online gestellt hat:

  • Was halten Sie von der These, diese seien die Folge eines globalen Überangebots an Ersparnissen? William White: Schauen Sie sich einfach die Zahlen an. Da sieht man, dass sich die globalen Sparquoten nicht erhöht haben. Hingegen sind die Investitionsquoten in fast allen Ländern gesunken. Wir haben es also nicht mit einer Sparschwemme zu tun – sondern mit einer Investitionsschwäche!“ bto: Ich bleibe dabei, es ist eine Schuldenschwemme!
  • Die jahrzehntelange Politik des billigen Geldes hat die Menschen in die Verschuldung getrieben. Die privaten Haushalte müssen ihre Bilanzen bereinigen und ihren Konsum künftig zurückfahren. Das schmälert die Absatzaussichten der Unternehmen und bremst ihre Investitionsbereitschaft.“
  • Auf jede Krise in den vergangenen Jahrzehnten haben die Notenbanken mit niedrigen Zinsen und noch mehr Liquidität geantwortet. Die Verschuldung ist mittlerweile so hoch, dass die Politik des billigen Geldes ins Leere läuft.“
  • Als Ende der Achtzigerjahre das hohe Produktivitätswachstum die Preise global unter Abwärtsdruck setzte, hielten die Zentralbanken mit lockerer Geldpolitik dagegen. Dabei handelte es sich damals um eine gute – durch den technischen Fortschritt ausgelöste – Deflation. (…)  Es wäre besser gewesen, eine strukturelle Bereinigung in der Wirtschaft zuzulassen.“
  • Bereinigungsprozesse sind etwas Gutes, denn mit schöpferischer Zerstörung lenken sie die im Boom fehlgeleiteten Ressourcen in neue Verwendungen – wo sie mehr Wachstum erzeugen. Ist die Geldpolitik erst einmal auf dem falschen Pfad und stemmt sich gegen die Bereinigungskrisen, werden die Ungleichgewichte immer größer. Kommt es dann zum Crash, ist er nicht mehr kontrollierbar. Nicht die Zentralbanken, sondern die Regierungen müssen jetzt handeln.“ bto: aber nicht mit mehr Schulden, sondern mit Bereinigen!
  • Die Staaten stehen weltweit vor Solvenzproblemen. Die Gläubiger müssen auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Je eher ein Schuldenschnitt kommt, desto besser.“ – bto: !!!!!
  • „Die globalen Kreditexzesse sind so weit fortgeschritten, dass es keine einfachen Lösungen mehr gibt. Wenn die Zentralbanken weiter Staatsschulden mit der Notenpresse finanzieren, droht früher oder später eine Hyperinflation.“
  • „(…) kommt plötzlich der Punkt, an dem die Kreditvergabe anspringt und das Geld in die Realwirtschaft fließt. Nutzen die Regierungen die niedrigen Zinsen, um sich weiter zu verschulden, und stecken das Geld in den Konsum statt in Investitionen, stehen den Schulden keine Sicherheiten gegenüber. Die Menschen verlieren dann das Vertrauen in das Geld und fliehen in Sachwerte.“ – bto: Ich denke, die Kreditvergabe springt an, weil die Menschen erkennen, dass sie sich für etwas Wertloses (Geld) etwas Wertbeständiges kaufen können. 
  • Der Druck der Regierungen auf die Zentralbanken, die Staatsschulden komplett mit der Notenpresse zu finanzieren, nimmt zu. Der Versuch, die Geldpolitik zu straffen, droht zu scheitern.“ – bto: Japan macht es vor!

bto: Dem ist nichts hinzuzufügen. Es ist nur eine Frage der Zeit.

→ WirtschaftsWoche: „Kommt es zum Crash, ist er unkontrollierbar“, 4. Juli 2016

15 Kommentare
  1. Dietmar Tischer says:

    W. White sieht wohin die Reise geht und deutet mit schonungsloser Klarheit auf die möglichen bzw. wahrscheinlichen Konsequenzen.

    Zu den Ursachen:

    >Hingegen sind die Investitionsquoten in fast allen Ländern gesunken. Wir haben es also nicht mit einer Sparschwemme zu tun – sondern mit einer Investitionsschwäche!“ >

    Ist SO undifferenziert gesagt nicht hinreichend erklärend.

    Hier z. B. die m. A. n. tiefergreifende Ursache:

    http://finance.yahoo.com/news/robots-paved-way-donald-trump-000000661.html

    Daraus (beispielhaft für die entwickelten Volkswirtschaften):

    „US manufacturing output is close to a record high, even when adjusted for inflation. The reason that sounds surprising is manufacturing jobs have been disappearing since the late 1980s, and now that number is just 12.3 million. Since 1989, manufacturing output has surged 69% while employment has fallen by 32%.”

    Und hier auch gleich noch, warum das so ist:

    „Manufacturers are doing more with less because of technology: computerized machines, streamlined processes, and on just about any factory floor that’s been built or revamped during the last 20 years, robots. “Automation is eating jobs from the inside out,” says Moshe Vardi, a professor of computational engineering at Rice University in Houston. “It’s the major cause of job losses in manufacturing.”

    Heißt:

    Saldiert Jobverluste in einem Sektor mit HOHEN Einkommen bedeutet Einkommensverluste und weiter einen Nachfragerückgang (auch bei Vollbeschäftigung durch neue Jobs in den schlechter bezahlten Dienstleistungsbranchen!) – und das bei WACHSENDEM Output.

    Neben dem Globalisierungsdruck DESHALB die Niedrigzinspolitik der Notenbanken und Aufbau der SCHULDENSCHWEMME – an diesem Punkt, Dr. Stelter kommen Sie URSÄCHLICH ins Spiel. Und jetzt, ganz klar, ist das Spiel nicht mehr effektiv, bewirkt nur noch das Steigen von Assetpreisen.

    Ich stimme W. White uneingeschränkt zu, wenn er sagt:

    >Dabei handelte es sich damals um eine gute – durch den technischen Fortschritt ausgelöste – Deflation. (…) Es wäre besser gewesen, eine strukturelle Bereinigung in der Wirtschaft zuzulassen …“Bereinigungsprozesse sind etwas Gutes, denn mit schöpferischer Zerstörung lenken sie die im Boom fehlgeleiteten Ressourcen in neue Verwendungen – wo sie mehr Wachstum erzeugen.>

    Dazu, zu „DAMALS“:

    Das Gute ist allerdings des SCHLECHTEREN Feind, wenn die KOSTENE der strukturellen Bereinigung als NICHT AKZEPTABEL angesehen werden – und seien sie im Vergleich mit den zukünftigen Kosten späterer Bereinigung noch so gering.

    Die Politik (und die Gesellschaft im unausgesprochenen Konsens) schaut NUR auf die GEGENWÄRTIGEN Kosten, zukünftige sind ZUKÜNFTIG Gegenwärtige.

    >bto: Ich denke, die Kreditvergabe springt an, weil die Menschen erkennen, dass sie sich für etwas Wertloses (Geld) etwas Wertbeständiges kaufen können. >

    IRGENDWANN schon, denke ich auch.

    Denn wenn das Geld seinen Wert im VERHÄLTNIS zu dem hat, was damit gekauft werden kann, dann verliert es bei Fortführung der Geldpolitik der Notenbanken seinen Wert:

    MEHR Geld bei gleichbleibendem oder nur geringerem Warenangebot macht Geld zum „Wertverlierer“.

    Irgendwann startet der Herdentrieb, bei dem Geld BESCHLEUNIGT in Sachwertet getauscht wird, so dass Inflation sehr schnell in Hyperinflation umschlagen kann.

    An DIESEM Punkt helfen höhere Zinsen auch nicht mehr – sie beschleunigen das Ende, den Sachwerteverfall und damit die ULTIMATIVE Entschuldung.

    Die Notenbanken bestimmen unser Schicksal mehr als die Politik, die zunehmend hilfloser agiert.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Hyperinflation wird erst dann zu einem realen Phänomen, wenn wir zuvor den deflationären Schock zulassen, mit dem Unsinn des totalitären „schöpferischen“ Destruktionsprozesses. Die ökonomischen Folgen sind ähnlich gravierend wie ein Flächenbombardement. Hier irrte Schumpeter kolossal und wurde in ideologischer Verblendung nur noch durch die Österreichische Schule übertroffen: https://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise#Joseph_Schumpeter

      Schöpferische Zerstörung ist an sich gut und gewollt; aber bitte nicht in diesem Umfeld am ZLB. Hier werden nämlich zugleich viele intakte Strukturen zerstört mit destruktiven Hystereseeffekten; und das ist nicht schöpferisch sondern destruktiv.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Schon wieder die Kausalität durcheinander gebracht.

        So ist kommt es zu Hyperinflation:

        Hyperinflation wird dann zu einem realen Phänomen, wenn man die STRUKTURELLE BEREINIGUNG der Wirtschaft trotz vergleichsweise geringer „Zerstörungs“-Kosten durch Verschuldung für einen Nachfrageüberhang hintertreibt, das kontinuierlich so macht und damit eine WACHSENDE VERSCHULDUNGSLAWINE lostritt (so geschehen die letzten 30 bis 40 Jahren), damit zu FALLENDER INFLATION kommt, weil Verschuldung bei zu hoher Verschuldung nicht mehr nachfragesteigernd wirkt, d. h. das Schuldenwachstum über dem Wachstum der Realwirtschaft liegt, den dann eintretenden DEFLATIONÄREN SCHOCK mit überakkommodierender NOTENBANK-LIQUIDITÄT stabilisiert, die nichts „destruktiv zerstört“, sondern zu WACHSENDER VERSCHULDUNG bei vergleichsweise stagnierendem Güterangebot führt (heute der Fall), was die ASSETPREISE in die Höhe treibt und so Inflation herbeiführt, wenn auch keine der Verbraucherpreise (heute schon auf gutem Wege, siehe Anleihen-, Aktien- und Immobilienpreise), sowie schließlich aufgrund von negativen Zinsen und Bestrafung von Guthabenhaltung durch Herdentrieb in die Assets zu HYPERINFLATION führt, insbesondere, wenn erst dann die Notenbanken die Zinsen für den FINALEN KOLLAPS erhöhen (irgendwann in diesem Theater).

        Was bewirkt bei diesem Mechanismus „unbegrenztes Helikoptergeld“ zur Staatssanierung nach dem prognostiziertem Schema des Zusammenspiels japanischer Staat/BoJ?

        VERSTÄRKUNG des Nachfrageüberhangs durch „aktive Fiskalpolitik“ und damit ungebremst VERSTÄRKTE Hintertreibung der strukturellen Anpassung und somit letztlich Herdentrieb zum finalen Kollaps.

        Die ILLUSION der Helikoptergeld-Krieger:

        MEHR Nachfrage, auch mehr verschuldungsfreie Nachfrage könne verhindern, dass strukturelle Bereinigungen in der Realwirtschaft erforderlich sind.

        Sie sind NOTWENDIG und UNVERMEIDBAR, wenn sich die BEDARFE und/oder die ANGEBOTE in der Realwirtschaft ändern, z. B. durch Demografie, Globalisierung und Automatisierung.

        >Schöpferische Zerstörung ist an sich gut und gewollt; aber bitte nicht in diesem Umfeld am ZLB.>

        Sie war NIE gewollt und ist am ZLB schon sehr, sehr teuer.

        Danach ist sie allerdings noch TEURER.

      • Michael Stöcker says:

        „So ist kommt es zu Hyperinflation:“

        So ein Kokolores.

        Was Sie hier beschreiben kann durchaus zu Inflation führen, keinesfalls aber zu Hyperinflation. Von Hyperinflation spricht man gewöhnlich ab Inflationsraten von 50 % pro Monat. Aber in Ihrem Kommentar weiter unten haben Sie Ihr unrealistisches Hyperinflationsszenario ja bereits wieder relativiert.

        „Das ist der Schlüssel zum Verständnis, weil dies REVOLUTIONÄR ist.“

        Dies ist weder revolutionär noch evolutionär, sonder langjährige erprobte Praxis vieler Zentralbanken. Und auch die Folgen sind bekannt: schleichende bis galoppierende Inflation.

        „Die ILLUSION der Helikoptergeld-Krieger:“

        Statt Sachargumenten nun also verbale Aufrüstung.

        Ich bin der Letzte, der gegen strukturelle Anpassungen argumentiert. Bevor wir allerdings anderen schlaue Ratschläge geben, sollten wir bei uns selber beginnen und unseren überdimensionierten Exportsektor zu Gunsten von Bildung und Infrastruktur restrukturieren. Etwas höhere Inflationsraten – induziert nicht nur durch QE4P sondern durchaus auch durch etwas höhere Lohnforderungen – sind hierbei durchaus förderlich und helfen zugleich die eurointernen Wettbewerbsdisparitäten zu reduzieren.

        „Sie war NIE gewollt und ist am ZLB schon sehr, sehr teuer.

        Sie war bei großen Unternehmen selten gewollt und fand dann doch früher oder später statt. Schon unseren Genossen der Bosse vergessen? http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/13-jahre-nach-insolvenz-holzmann-pleite-wird-abgeschlossen-13922646.html

        LG Michael Stöcker

  2. Ralph Klages says:

    >bto: Ich denke, die Kreditvergabe springt an, weil die Menschen erkennen, dass sie sich für etwas Wertloses (Geld) etwas Wertbeständiges kaufen können. > Setzt voraus, dass sie Zugang zu Krediten haben. Hier teilt sich -beinahe messerscharf- die Nachfrage auf: Die Einen, die mit Krediten die Assetpreise nur so in die Höhe treiben und die Anderen, die keine Kredite (mehr) bekommen oder wollen, weil sie mit den Schulden genug zu tun haben. „Gute“ Investitionen mit Wachstumspotential bleiben dann natürlich aus. „MEHR Geld bei gleichbleibendem oder nur geringerem Warenangebot macht Geld zum „Wertverlierer“.“ (D. Tischer) Ergänzend: Insbesondere dann, wenn das Angebot auch stetig billiger wird > Technisierung. Soweit der Stand der Dinge. Plausibel.
    Allerdings versuche ich das diese Woche zitierte „Schuldenbeaming“ (BoJ) mit einzubauen: Wenn es dem Staat gelingt per Federstrich Schulden mit der Notenbank aufzurechnen, hat er sich zunächst entlastet. Strategisch könnte er nun neue Schulden machen (wahrscheinlich). Oder die Finger davon lassen (unwahrscheinlich). Beides führt für sich genommen aber nicht zwangsläufig zu einer neuerlichen Inflationsgefahr. Die käme erst, wenn ein massenhafter und öffentlicher Vertrauensverlust in breiten Teilen der Bevölkerung einsetzt, einen bank-run z.B. eingeschlossen. Selbst wenn der Staat dieses beam- Spielchen wiederholt, muss das aber nicht zwangsläufig zu breitem Vertrauensverlust führen – es sei denn, es gäbe ein Interesse an einer Inflation (hatten wir schon mal) z. B. der Vermögenspreisgewinner, die Geldwertverluste anschüren. Aber das erscheint auf den ersten Blick unwahrscheinlich. Zudem kommt ja auch die jeweilige (zeitende)Beurteilung der Geschehnisse durch die Subjekte: Wenn die Güterpreise trotz der Staatskapriolen nicht anziehen, eben weil der Output sogar weiter steigt (>Technisierung) und die Verfügbarkeit somit auch in Zukunft stabil bleibt, warum soll man dann sein Geld in Sachwerte (Ausnahme Renditeabsichten) anlegen ?
    Natürlich droht eine Inflation, wenn zuviel Geld gedruckt wird. Aber die Staatsschulden kann man auch anders loswerden. Siehe BoJ. Für mich stellt sich vermehrt die Frage: Was ist Geld ? LG

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Was die japanischen Staatsschulden und die BoJ betrifft, muss man – glaube ich – die monetäre Ebene zwar konsequent zu Ende denken, sie dann aber auch verlassen und die Wirkungen in der REALWIRTSCHAFT betrachten.

      Habe ich hier versucht (Antwort gestern 23:20 auf M. Stöcker):

      http://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/japan-offers-a-glimpse-into-the-future/ – comment-18751

      Was ich sagen will:

      Der Staat gerät bei “perfekten Zusammenspiel” mit der BoJ, derart außer Rand und Band,
      dass er als de facto IMMER unverschuldeter Akteur UNBEGRENZT Nachfrage generieren kann und somit durch immer neue Nachfrage die notwendigen KORREKTUREN auf der Angebotsseite hintertreiben würde.

      Es geschähe genau dies, was hier W. White zu Recht bemängelt als Hintertreibung der strukturellen Bereinigung in der Wirtschaft.

      DAS würde letztlich zu einem Vertrauensverlust in der Bevölkerung führen.

      Denn es macht selbstverständlich einen Unterschied, ob der Staat die Leute durch Subventionen, Steuervergünstigungen etc. dazu animiert das vierte und fünfte Automobil zu kaufen – gern auch auf das E-Mobil umzusteigen – NUR um Arbeitsplätze zu sichern,

      ODER

      ob der Staat zulässt, dass arbeitslose Automobilarbeiter und in der Automobilindustrie nicht mehr aufgenommene Menschen sich z. B. der Altenpflege zuwenden, wenn für die ein WACHSENDER Bedarf vorliegt (was der Fall ist und noch mehr der Fall sein wird angesichts der demografischen Entwicklung).

      M. Stöcker und andere bestreiten, dass dieser realwirtschaftliche Effekt NOTWENDIGERWEISE mit Helikoptergeld verbunden ist.

      Er ist es notwendigerweise dann, wenn es für die ENTSCHULDUNG des Staates durch die BoJ keine BEGRENZUNG gibt.

      Die gibt es NICHT notwendigerweise – und deshalb muss man dieses realwirtschaftliche Effekt-Szenario MITDENKEN, zumal es für die Politik ein höchst KONFORTABLES Szenario ist, auf Zeit wenigstens.

      Antworten
      • Ralph Klages says:

        Vielen Dank für Ihre Rückmeldung, die ich nun scheibchenweise goutiere. Zusammengefasst: Staat tritt nach vorherigem Schuldenbeaming (BoJ) erneut als Schuldner auf, setzt diese in -staatliche- Nachfrage um, das realwirtschaftlich auf ein begrenztes Angebot trifft. Und damit angebotsseitig höhere Preise durchsetzt, sprich Inflation befördern wird. Für die Politik jedenfalls sehr komfortabel. Geschieht das dauerhaft, könnte die Angebotsseite gierig werden und die Politik sich veranlasst sehen, dem zu folgen, was Hyperinflation bewirken könnte, gleichermaßen aber auch über die Notenbank Zinsfesseln anzulegen. Von hier ab wird es diffus….. Aber vielen Dank, sehe jetzt klarer. LG.

  3. Dietmar Tischer says:

    @ Ralph Klages

    Sie sind auf dem Weg, den Mechanismus zu verstehen, aber (noch) nicht bei dem Verständnis, das ich für richtig halte.

    Deshalb ergänzend:

    Die Schulden konsequent STERILISIERENDE Finanzierung durch die Notenbank, beispielsweise die BoJ, ermöglicht es dem Staat, UNBEGRENZT Nachfrage zu generieren.

    Das ist der Schlüssel zum Verständnis, weil dies REVOLUTIONÄR ist.

    Denn das ist im Kapitalismus SYSTEMWIDRIG, d. h. dies ist in diesem System KEINEM Wirtschaftssubjekt bzw. keinen Sektor möglich (aus gutem Grund). Wenn es dies nun geben sollte, muss man sich die – ebenfalls noch nie dagewesenen KONSEQUENZEN – vergegenwärtigen.

    WELCHE Nachfrage wird der Staat generieren?

    Zuerst und vor allem:

    Er wird dafür sorgen, dass es nicht zu sozialer bzw. wirtschaftliche Instabilität kommt.

    Prototypisch: Haben vergleichsweise hochbezahlte Beschäftigte in der Automobilindustrie in großem Umfang Hypotheken auf ihren Immobilien (was der Fall ist), dann wird er dafür sorgen, dass diese kontinuierlich bedient werden können, um zu vermeiden, dass diese Menschen und ihre Banken in Schwierigkeiten kommen (was der Fall sein würde, wenn es zu Massenentlassungen in der Automobilindustrie käme). Er sorgt daher dafür, dass die Nachfrage nach Automobilen hoch bleibt, am besten durch Subventionen oder Steuererleichterungen für die Branche. Wenn die Automobile mangels Nachfrage nicht in Deutschland abgesetzt werden können, dann werden sie – durch den Staat ermöglicht – zu niedrigeren Preisen exportiert. Deshalb, nur nebenbei, wird auch das E-Automobil bei uns SUBVENTIONIERT. Unser Staat kann sich dafür allerdings nicht beliebig verschulden. Ein Staat, der keine Finanzierungsgrenzen hat, kann dies hemmungslos und daher unbegrenzt.

    Aber auch das:

    Die Menschen, vor allem mehr älter werdende Menschen brauchen nicht mehr Automobile, sondern mehr Betreuungsleistungen (Gesundheits- und Pflegeleistungen).

    Er wird auch dafür sorgen wollen, dass DIESE Nachfrage erfüllt wird. Schließlich sind die betroffenen Menschen auch Wähler und aufgrund der demografischen Entwicklung sind sie eine WACHSENDE Anzahl von Wählern.

    Die Konsequenz aus all dem:

    Wenn der Staat so VIEL Nachfrage generiert, dass BEIDES, nämlich bestehende Angebotsstrukturen praktisch mit UNVERÄNDERTEM Ressourcenbedarf und neue Angebotsstrukturen mit ERHÖHTEM Ressourcenbedarf um die Ressourcen konkurrieren, entsteht Inflation.

    Wenn der Staat und die Notenbank dem nicht gegensteuern – was Konjunktureinbrüche mit destabilisierender Wirkung zur Folge hätte –, dann wird es letztendlich zu starker Inflation und irgendwann vermutlich auch zu Hyperinflation kommen. Das ist so, wenn immer mehr Nachfrage generierendes Geld auf ein begrenztes Güterangebot stößt.

    Das ist der Mechanismus, den ich erkennen kann.

    Wie gesagt:

    Helikoptergeld ist NICHT notwendigerweise mit der kontinuierlich vollständigen Sterilisierung von Staatschulden verbunden.

    WEIL es aber, wie Sie richtig feststellen, ein sehr komfortabler, d. h. erst einmal konfliktfreier Weg ist, um Destabilisierung zu verhindern, ist – zumindest bei der Beurteilung von konzeptionell damit verbundener MÖGLICHKEITEN – dies mitzudenken.

    Ich sage nicht, dass es so kommen muss.

    Ich sage nur:

    Der BEKANNTE und über Jahrzehnte erfolgreich ERPOBTE politische Mechanismus, Konflikte zu „lösen“, spricht dafür, dass nicht auszuschließen ist, es könnte so kommen.

    Antworten
  4. Ralph Klages says:

    @ D. Tischer: Nachfolgendes mit meinem Kommentar in
    Sie sind auf dem Weg, den Mechanismus zu verstehen, aber (noch) nicht bei dem Verständnis, das ich für richtig halte.
    Deshalb ergänzend:

    Die Schulden konsequent STERILISIERENDE Finanzierung durch die Notenbank, beispielsweise die BoJ, ermöglicht es dem Staat, UNBEGRENZT Nachfrage zu generieren.

    Das ist der Schlüssel zum Verständnis, weil dies REVOLUTIONÄR ist.

    Denn das ist im Kapitalismus SYSTEMWIDRIG , d. h. dies ist in diesem System KEINEM Wirtschaftssubjekt bzw. keinen Sektor möglich (aus gutem Grund). Wenn es dies nun geben sollte, muss man sich die – ebenfalls noch nie dagewesenen KONSEQUENZEN – vergegenwärtigen.

    WELCHE Nachfrage wird der Staat generieren?

    Zuerst und vor allem:

    Er wird dafür sorgen, dass es nicht zu sozialer bzw. wirtschaftliche Instabilität kommt.

    Prototypisch: Haben vergleichsweise hochbezahlte Beschäftigte in der Automobilindustrie in großem Umfang Hypotheken auf ihren Immobilien (was der Fall ist), dann wird er dafür sorgen, dass diese kontinuierlich bedient werden können, um zu vermeiden, dass diese Menschen und ihre Banken in Schwierigkeiten kommen (was der Fall sein würde, wenn es zu Massenentlassungen in der Automobilindustrie käme). Er sorgt daher dafür, dass die Nachfrage nach Automobilen hoch bleibt, am besten durch Subventionen oder Steuererleichterungen für die Branche. Wenn die Automobile mangels Nachfrage nicht in Deutschland abgesetzt werden können, dann werden sie – durch den Staat ermöglicht – zu niedrigeren Preisen exportiert. Deshalb, nur nebenbei, wird auch das E-Automobil bei uns SUBVENTIONIERT. Unser Staat kann sich dafür allerdings nicht beliebig verschulden. Ein Staat, der keine Finanzierungsgrenzen hat, kann dies hemmungslos und daher unbegrenzt. >Zu Beginn wird der Staat, respektive seine Institutionen staunen, was alles möglich ist und natürlich aus ausprobieren, wo vielleicht doch Grenzen sind. Und damit immer mehr Nachfrage generieren – bei strukturell beinahe gleichem Angebot. Und da sehe ich das Problem: Denn auch die Angebotsseite lernt hinzu und taxiert ihren Wert neu.>

    Aber auch das:

    Die Menschen, vor allem mehr älter werdende Menschen brauchen nicht mehr Automobile, sondern mehr Betreuungsleistungen (Gesundheits- und Pflegeleistungen).

    Er wird auch dafür sorgen wollen > So, das ist der Punkt: WILL DER STAAT DAS WIRKLICH? Hier melde ich Skepsis an.> , dass DIESE Nachfrage erfüllt wird. Schließlich sind die betroffenen Menschen auch Wähler und aufgrund der demografischen Entwicklung sind sie eine WACHSENDE Anzahl von Wählern. >Stimmt. Aber die Angebotsseite, in diesem Fall die Medizin, die Therapie und die Pflege wird sicherlich höhere Löhne durchsetzen. Geht ja auch. Staat hat Geld. Und gibt.>

    Die Konsequenz aus all dem:

    Wenn der Staat so VIEL Nachfrage generiert, dass BEIDES, nämlich bestehende Angebotsstrukturen praktisch mit UNVERÄNDERTEM Ressourcenbedarf und neue Angebotsstrukturen mit ERHÖHTEM Ressourcenbedarf um die Ressourcen konkurrieren, entsteht Inflation.

    Wenn der Staat und die Notenbank dem nicht gegensteuern – was Konjunktureinbrüche mit destabilisierender Wirkung zur Folge hätte –, dann wird es letztendlich zu starker Inflation und irgendwann vermutlich auch zu Hyperinflation kommen. Das ist so, wenn immer mehr Nachfrage generierendes Geld auf ein begrenztes Güterangebot stößt.

    Das ist der Mechanismus, den ich erkennen kann.

    Wie gesagt:

    Helikoptergeld ist NICHT notwendigerweise mit der kontinuierlich vollständigen Sterilisierung von Staatschulden verbunden. > Nee. Bestimmt NICHT!>

    WEIL es aber, wie Sie richtig feststellen, ein sehr komfortabler, d. h. erst einmal konfliktfreier Weg ist, um Destabilisierung zu verhindern, ist – zumindest bei der Beurteilung von konzeptionell damit verbundener MÖGLICHKEITEN – dies mitzudenken.

    Ich sage nicht, dass es so kommen muss.

    Ich sage nur:

    Der BEKANNTE und über Jahrzehnte erfolgreich ERPROBTE politische Mechanismus, Konflikte zu „lösen“, spricht dafür, dass nicht auszuschließen ist, es könnte so kommen. >Zumindest @ Stelter: Keine Eiszeit mehr !
    Ich danke Ihnen vielmals für Ihre Geduld und Ihre Mühe mit mir ! :-) und LG

    Antworten
  5. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    >So kommt es zu Hyperinflation“

    So ein Kokolores>

    Da hofft man, korrigiert zu werden – und dann, was kommt dann?

    Eine Behauptung:

    >Was Sie hier beschreiben kann durchaus zu Inflation führen, keinesfalls aber zu Hyperinflation.>

    Gut, dann sagen Sie, WARUM das so ist.

    Was kommt dann?

    Eine Behauptung:

    >Von Hyperinflation spricht man gewöhnlich ab Inflationsraten von 50 % pro Monat.>

    Gut, dann sagen Sie, WARUM der Mechanismus, den ich dargelegt habe, nicht zu einer Inflationsrate von 50% pro Monat führen kann.

    Was kommt dann?

    Eine Behauptung:

    Dass mein Hyperinflationsszenario unrealistisch sei und ich es relativiert habe.

    Gut, dann sagen Sie, WARUM es unrealistisch ist.

    Was kommt dann?

    Nichts weiter dazu.

    Sie merken nicht einmal, dass Sie eine Aufgabe zu LÖSEN haben, wenn Sie ihre Behauptung „Kokolores“ ernst nehmen würden:

    Sie müssten den Mechanismus, den ich dargelegt habe, zerstören indem Sie wenigstens ein Glied in der Abfolge der Sachverhalte als nicht aus dem vorherigen folgend nachweisen.

    >„Das ist der Schlüssel zum Verständnis, weil dies REVOLUTIONÄR ist.“,

    Dies ist weder revolutionär noch evolutionär, sonder langjährige erprobte Praxis vieler Zentralbanken.>

    Was ich darlege, ist Staatsfinanzierung OHNE Staatsverschuldung und damit die Möglichkeit, UNBEGRENZT Nachfrage durch den Staat zu generieren (hypothetisch durch das Zusammenspiel von japanischen Staat und BoJ). Das ist zumindest für entwickelnde Volkswirtschaften nicht die langjährig erfolgte Praxis vieler Zentralbanken.

    >Schöpferische Zerstörung ist an sich gut und gewollt; aber bitte nicht in diesem Umfeld am ZLB.>
    „Sie war NIE gewollt und ist am ZLB schon sehr, sehr teuer“.
    Sie war bei großen Unternehmen selten gewollt und fand dann doch früher oder später statt.>

    Niemand, der vernünftig ist, will etwas WILLENTLICH zerstören – Ihre ursprüngliche Aussage ist falsch, auch wenn Sie jetzt zurückrudern. Obwohl nicht gewollt, findet gleichwohl Zerstörung statt als FOLGE von Handeln, das mehr Rendite erzielen will (und kann) bzw. durch die Politik, wenn sie Interessen verfolgt, beispielsweise Atomkraftwerke abschaltet und dadurch möglicherweise an sich gesunde Unternehmen in den Ruin treibt.

    Antworten

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