„Brexit or not, the pound will crash“

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Eine kritische Sicht auf unser Ponzi-Schema mit Fokus auf Großbritannien:

  • The global elite managed to resurrect a dying system in the 1970s by giving its people something for nothing. Debt accumulation collateralized by rising asset values became a substitute for productivity and wage increases.“ bto: genau der Punkt, den ich in meiner Piketty-Kritik auch mache. Das Leverage führt zu steigenden Assetpreisen, die dann wiederum höhere Verschuldung ermöglichen. 
  • „While people could no longer afford to pay for their health care, education, house or car through savings they kept on voting for the incumbents (no, there is no difference between center left and right) since friendly bankers were more than willing to make up the difference.“  bto: gut gesagt. Das war in den USA so, bei uns war es schuldenfinanzierter Sozialstaat.
  • „(…) the massive misallocation and consumption of capital such a perverted system enables will eventually collapse on itself. Debt used to be productive, id est. self-liquidating, but now it is used for consumption backed by future income projections based on historical experience.“  bto: Und diese werden zwangsläufig enttäuscht werden.
  • „(…) one should not extrapolate future income streams from a historical regime when the new one is fundamentally different. The promised incomes obviously never materialized and the world reached peak debt. The credit Ponzi is dead.“  bto:  Also, mit „peak“ bin ich mir nicht sicher, die Führung wird das noch sehr viel weiter treiben. Siehe Japan. Bis wir alle japanisch sind, vergeht noch einiges an Zeit …
  • Consider the following chart that depicts decennial change in average real earnings for the UK worker. It shows an unprecedented development. Not since the 1860s have the UK worker experienced falling real earnings over a ten-year period.“  bto: Das ist natürlich ein Hammer.

Decennial Change UK average real earnings

Quelle: BAWERK

  • People no longer believe in a brighter future and there is nothing more detrimental to a human being than that. No longer vested in the status quo, people opt for radical change, hence; Brexit, Trump, Le Pen, Lega Nord, 5MS. Old rules does not apply anymore.“  bto: Ja, genau diesen Punkt macht auch Martin Wolf in der FT. 
  • „Productively invested capital and high savings are the indispensable ingredients in rising labour productivity. Consume your seed corn and productivity growth falls or even turns negative. (…) Bottom line, the west is in a structural downturn, caused by decades of economic mismanagement and there is nothing our money masters can do to rectify it; they will only make the problem worse by postponing the inevitable.“  bto: wie ich intensiv bei bto diskutiert habe. Labour Prod in UK 1850 to presentQuelle: BAWERK
  • Dann spezifisch zu Großbritannien: „Their current account deficit at 6 per cent of GDP is reminiscent of countries heading into depressions. (…) The pound got a pounding on the Brexit vote, but it was destined to fall anyways. The adjustment needed to correct this imbalance is not over and we should all expect a far weaker pound in the months and years ahead. Brexit only triggered what was already baked into the cake in the first place.“  bto: Das fand ich ganz interessant.UK current account simple

Quelle: BAWERK

  • The immediate withdrawal form UK real estate funds, which has since been gated, is the dying canary signalling what will come; the current account deficit will no longer be funded by complacent foreigners. The pound will collapse thus forcing the long overdue correction the UK economy desperately need for long-term sustainable prosperity.“  bto: in der Tat, eine hohe Abhängigkeit von ausländischem Kapital.UK BoP

Quelle: BAWERK

  • „When it does GDP follows suit as it have one ever since the UK became a fully financialized economy. From the 1990s whenever the current account deficit went through three per cent of GDP, growth collapsed shortly after as the economy went through necessary adjustments. Today’s gap is at record level and it is thus logical that the coming adjustment will be even more gut wrenching that it has ever been.“  bto:  Es wird spannend sein, dies zu beobachten. Generell muss ein schwaches Pfund nicht schlecht sein. GDP vs CA UK

Quelle: BAWERK

bto:  Großbritannien ist nur ein Beispiel. Das Ponzi-Schema ist im ganzen Westen gelaufen und wir haben weite Teile der Welt mit angesteckt.

BWERK.NET: „Brexit or not, the pound will crash“, 15. Juli 2016

9 Kommentare
  1. SMS says:

    Sehr geehrter Herr Stelter,

    in Ihrem Beitrag zum Brexit vom 24.6. (http://think-beyondtheobvious.com/stelter-in-den-medien/zum-paukenschlag-was-tun-heute/) empfehlen Sie unter anderem „eine Position in Pfund aufbauen, im Falle eines Einbruchs des Pfunds nach der Abstimmung weitere Pfund hinzukaufen“. Beißt sich das nicht etwas mit der Aussage „The pound got a pounding on the Brexit vote, but it was destined to fall anyways. The adjustment needed to correct this imbalance is not over and we should all expect a far weaker pound in the months and years ahead“?

    Schöne Grüße
    SMS

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Aufmerksam gelesen! Ja, in der Tat habe ich das geschrieben, allerdings eher als „trading“, nicht als Strategie. UK Aktien sind ja entsprechend hoch gegangen, das Pfund gefallen. Es gab nach dem Fall des Pfunds eine Rallye. Die meinte ich. Strukturell dürfte das Pfund unter Druck bleiben, allerdings ist das Schicksal des Euro mehr als offen….Deshalb könnte das Pfund wieder interessant werden. Der Punkt den Bawerk hier macht, geht außerdem über das Pfund hinaus. Sie beschreiben, wie unser Ponzi-Schema das Endspiel erreicht….nicht nur in UK!

      Liebe Grüße,

      DSt

      Antworten
  2. Dietmar Tischer says:

    >„While people could no longer afford to pay for their health care, education, house or car through savings they kept on voting for the incumbents (no, there is no difference between center left and right) since friendly bankers were more than willing to make up the difference.“>

    Richtig muss es heißen:

    Da viele Menschen aufgrund STAGNIERENDER und z. T. fallender EINKOMMEN und damit nicht zunehmender Ersparnisse sich den gewohnten oder antizipierten Lebensstandard nicht leisten konnten, wurden sie dazu verleitet, dieses Defizit mit STEIGENDER VERSCHULDUNG zu kompensieren – bis hin zum Vermögensaufbau „aus dem Nichts“ (Subprime Krise).

    Die freundlichen Banker waren nur Teil des Verblendungszusammenhangs, wenn auch als „Vermittler“ ein sehr aktiver und erfolgreicher (was DIESES Geschehen betrifft).

    >„one should not extrapolate future income streams from a historical regime when the new one is fundamentally different.>

    Genau das ist meine Rede seit ’33.

    Wenn sich die realen Megatrends so geändert haben – FUNDAMENTAL und UNUMKEHRBAR, kann die Einkommensentwicklung der Vergangenheit mit (nur) mehr Nachfrage nicht wieder hergestellt werden. Sie wird SO nie wieder hergestellt werden können. Es wird andere Einkommensentwicklungen geben MÜSSEN.

    >„Productively invested capital and high savings are the indispensable ingredients in rising labour productivity. Consume your seed corn and productivity growth falls or even turns negative.(…) Bottom line, the west is in a structural downturn, caused by decades of economic mismanagement>

    Bestand das ökonomische Mismanagement wirklich darin, dass die Arbeitsproduktivität nicht genug erhöht wurde, d. h. nicht hinreichend in produktives Kapital investiert wurde?

    Ich bezweifle dies.

    Mein These:

    Die Arbeitsproduktivität hat sich in den entwickelten Volkswirtschaften sehr wohl erhöht. In USA z. B. hat das produzierende Gewerbe seit 1989 die Wertschöpfung inflationsbereinigt um 69% erhöht – und das mit 32% weniger Beschäftigten.

    Die Zunahme fällt immer geringer aus. M. A. n. liegt das daran, dass die Kosten sie weiter zu steigern zu hoch sind im Vergleich damit, die produktiven Investitionen in Billiglohnländer zu verlagern. Vor einigen Jahren, 2008, gab es das große Thema der Verlagerung der Nokia-Handy-Produktion von Bochum nach Rumänien. Das dortige Werk wurde schon 2011 wieder geschlossen. Man ging nach China. Alles kein Problem. Wenn die Produktionsstätten vollautomatisiert sind, spielt die Kompetenz der Beschäftigten praktisch keine Rolle – man könnte auch im Amazonasbecken Automobile produzieren.

    Kurzum:

    Das Mismanagement besteht insbesondere darin, keine angebotsorientierten Anpassungen zugelassen zu haben. Es ist politisches Mismanagement – aus nachvollziehbaren Gründen.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >LOL!>

      Das akzeptiere ich.

      Denn es ist richtig, dass die Politik angebotsorientierte Anpassungen zugelassen hat,

      Ich korrigiere mich:

      Sie hat angebotsorientierte Anpassungen nicht in dem Ausmaß zugelassen, das die heutige Verschuldungskrise verhindert hätte.

      Und füge hinzu:

      Hätte sie diese in einem Ausmaß zugelassen, das die Verschuldungskrise verhindert haben würde, wäre sie mit anderen Krisen konfrontiert worden.

      Es gibt keinen Kapitalismus ohne Krisen.

      Krisen sind der Preis für Systemveränderungen.

      Antworten
      • Andreas Müller says:

        Ich bin nicht überzeugt aus folgendem Grund:
        Der Textbeitrag oben beschreibt doch ganz gut, dass die Masseneinkommen gefallen sind und durch Kredit ersetzt wurden, teilweise durch private und teilweise durch staatliche Kreditaufnahme. Das ist die Kernursache der Verschuldung. Hätte es diese Verschuldung nicht gegeben, hätte der Konsum und damit unweigerlich auch das Güterangebot schon vor Jahrzehnten zu sinken begonnen. Die Verschuldung hat die Anpassung aufgeschoben und verschärft sie jetzt. In dieser Situation kann ich überhaupt nicht erkennen, was eine verschärfte Angebotspolitik (ohne Verschuldung) hätte erreichen können.
        Letztlich ist die Krise gerade dadurch entstanden, dass die Arbeitskosten (und damit die Arbeitseinkommen) durch Offshoring gesenkt wurden. Ohne Verschuldung hätte das in kürzester Zeit zu einer globalen Nachfragekrise geführt. Ergo: die Verschuldung ist auch Folge einer einseitig angebotsorientierten Politik. Es ist gerade das Wesen der Globalisierung, dass sie Arbeitseinkommen in jedem einzelnen Land ausschließlich als Kosten sieht, nicht als Voraussetzung für Nachfrage. Das führt auch aggregiert über die ganze Welt zu einem Nachfragemangel, der eine ganze Weile durch Verschuldung kaschiert werden kann. Die USA sind der Prototyp einer Volkswirtschaft, die seit Jahrzehnten in diesem Modus operiert: der sogenannte Motor der Weltwirtschaft, der ein reiner Schuldenmotor ist.

  3. Dietmar Tischer says:

    @ Andreas Müller

    „Der Textbeitrag oben beschreibt doch gut …Die Verschuldung hat die Anpassung aufgeschoben und verschärft sie jetzt“

    Alles richtig.

    „Letztlich ist die Krise gerade dadurch entstanden, dass die Arbeitskosten (und damit die Arbeitseinkommen) durch Offshoring gesenkt wurden. Ohne Verschuldung hätte das in kürzester Zeit zu einer globalen Nachfragekrise geführt.“

    Es ist nicht nur das Offshoring, sondern auch die Alterung der Gesellschaft in den entwickelten Volkswirtschaften, die ohne Verschuldung zu einer Nachfragekrise zumindest in diesen Volkswirtschaften geführt hätte.

    Abseits solcher Qualifizierung: auch richtig, was Sie sagen.

    Bis zu diesem Punkt sind wir d’accord.

    Denn auch ich sage immer wieder, dass der Verschuldungsaufbau insofern erfolgreich war, als er eine Nachfragekrise verhindert hat. Und weil er diesbezüglich erfolgreich war, hat der Mainstream praktisch nichts an ihm zu kritisieren gehabt.

    >Ergo: die Verschuldung ist auch Folge einer einseitig angebotsorientierten Politik.>

    Ja, die Verschuldung ist auch die Folge einer angebotsorientierten Politik, nämlich der aus China und anderen Entwicklungsländern.

    Die betriebene Politik ist allerdings keine EINSEITIG angebotsorientierte Politik, auch wenn sie als solche wahrgenommen wird. Denn sie generiert auch Nachfrage a) nach Investitionsgütern, die nach Lage der Dinge vor allem aus den entwickelten Volkswirtschaften kommen und b) in diesen Ländern durch die erzielten Einkommen in diesen Ländern (Generierung von Binnennachfrage).

    Es ist daher nicht richtig, was Sie sagen:

    >Es ist gerade das Wesen der Globalisierung, dass sie Arbeitseinkommen in jedem einzelnen Land ausschließlich als Kosten sieht, nicht als Voraussetzung für Nachfrage. Das führt auch aggregiert über die ganze Welt zu einem Nachfragemangel, der eine ganze Weile durch Verschuldung kaschiert werden kann.>

    Die Arbeitseinkommen werden nirgends AUSSCHLIESSLICH als Kosten gesehen. Keine Frage, sie sind Kosten, aber eben – wie Sie selbst sagen – auch Einkommen, die Nachfrage erzeugen. Sie haben allerdings recht aus dem Blickwinkel der Mikroökonomie: In unserer hochproduktiven Güterwelt ist der Renditewettbewerb ein Kostenwettbewerb.

    Mein Punkt ist aber ein ganz anderer:

    Nehmen wir an, Sie hätten recht, dass die Verweigerung von Verschuldung nicht nur in den entwickelten Volkswirtschaften, sondern aggregiert über die ganze Welt zu einem Nachfragemangel geführt hätte.

    Was heißt dann Anpassung?

    Es heißt: weniger Konsum, weil weniger Nachfrage, und in der Konsequenz weniger Arbeit, aggregiert über die ganze Welt.

    Natürlich kann man jetzt über wer, wo und wieviel diskutieren.

    Ich sage dazu: Das ist wichtig. Denn es würde für eine riesige Zahl von Menschen eine extreme Veränderung ihrer Lebensbedingungen und -weisen bedeuten – was auch eine Krise ist.

    ABER:

    Weniger zu konsumieren und zu arbeiten – was ist daran verwerflich?

    NICHTS.

    Man will verständlicherweise nicht die extremen Beschwernisse eines VERZICHTS auf sich nehmen. Und das nicht nur in den entwickelten Volkswirtschaften mit einem Verzicht von „noch mehr“, sondern auch in den sich entwickelnden Volkswirtschaften mit einem Verzicht auf „endlich genug“.

    Daher auch der einfache und – auf Zeit – erfolgreiche Weg, sie durch Verschuldung zu vermeiden.

    Nur:

    Das hat nichts damit zu tun, dass es durchaus sinnvoll, ja erstrebenswert sein kann, weniger zu konsumieren und zu arbeiten als es bei gegebener Arbeitsproduktivität die Ausschöpfung des Ressourcenpotenzials verlangt.

    Diese Zielerreichung meine ich speziell mit Blick auf entwickelte Volkswirtschaften wie unsere, wenn ich sage, dass die Politik und letztlich wir alle nicht hinreichend angebotsorientierte Anpassung zugelassen haben.

    Antworten
    • Andreas Müller says:

      „Weniger zu konsumieren und zu arbeiten – was ist daran verwerflich?“
      An sich nichts. Die Schwierigkeit ist aber, dass die Arbeit in der Regel ungleichmäßig reduziert wird: Einer verliert seine Arbeit komplett und die anderen hauen weiter ran. Dem einen reicht es dann gar nicht mehr zum Leben. Das kann man seit Jahrzehnten beobachten und es führt zu Problemen, u.a. Verschuldung.

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Reduktion der Arbeit – und damit nicht mehr Erreichbarkeit als wünschenswert angesehener verinnerlichter Ziele.

        Und ungleichmäßige Reduktion der Arbeit – und damit auch noch Verletzung unserer Gerechtigkeitsvorstellungen.

        So wäre es gewesen, wenn ….

        So ist es heute, wenn auch auf andere Weise, nämlich mit übermäßiger Verschuldung zustande gekommen.

        Es ist nichts dagegen zu sagen, Defizite und Ungleichgewichte zu verhindern und abzubauen.

        Dafür braucht man eine Vorstellung des WÜNSCHENSWERTEN.

        Es ist eine Illusion zu glauben, dass man diese im Kapitalismus realisieren könne.

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