„Der Brexit ist die Folge der deutschen Krisenpolitik“

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Dieser Kommentar erschien bei Cicero.de:

Deutschland hat mit seiner Krisenpolitik erhebliche wirtschaftliche Ungleichgewichte ausgelöst, die auch die Briten verunsichert haben. Ändert die Bundesregierung nicht schnell den Kurs, werden auch andere Staaten aus der EU austreten.

Was hat man den Engländern nicht gedroht! Erhebliche negative wirtschaftliche Konsequenzen würde ein Brexit haben. Europa könne leicht ohne die Engländer, England jedoch nicht ohne Europa. Niemand, der vernünftig sei, könne ernsthaft einen Brexit befürworten. Gerade die Kommentatoren aus Deutschland bemühten sich redlich, nur kein Verständnis für die abwegige Idee aufzubringen. Die Engländer offensichtlich schon. Eine Mehrheit bevorzugt es, außerhalb der EU weiter zu machen.

In der Tat haben die Kapitalmärkte am Freitagmorgen weltweit heftig reagiert. Nicht vergessen darf man dabei allerdings, dass die Märkte davor bereits deutlich gestiegen waren. So mag das Pfund zwar in der ersten Reaktion 10 Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren haben, nachdem es allerdings zuvor den höchsten Stand des Jahres erreicht hat. Vieles, was an den Kapitalmärkten geschieht, hat mehr mit den Interessen der Banken an guten Umsätzen denn mit einer wirklichen Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu tun. Denn es ist nicht ausgemacht, dass der Brexit wirklich so schädlich ist für Großbritannien.

Brexit nicht schlecht für England

Michael Cembalest, der Chefstratege von JP Morgan, hat schon vor der Abstimmung viele der Argumente der Brexit-Gegner als Angstmache definiert:

  • Die Schätzungen für die Wirkung auf das britische Bruttoinlandsprodukt schwanken zwischen minus 0,8 und plus 0,6 Prozent im Jahre 2030, also Werte, die im Rahmen der normalen Streuung liegen und keineswegs ein wirtschaftliches Desaster verkünden.
  • Die Exporte von England müssen auch nicht sinken, wie man am Beispiel von Norwegen, Island und der Schweiz sieht. Diese Länder exportieren so viel in die EU wie EU-Länder, ohne Mitglied zu sein. Hinzu kommt, dass England ein wichtiger Absatzmarkt ist, den man sicherlich gerade in Deutschland nicht verlieren will.
  • Das englische Pfund könnte sich abschwächen – was es ja auch getan hat. Doch eine solche Abwertung ist gerade in einem weltweiten Umfeld schwachen Wachstums ein Konjunkturprogramm. Der Brexit und ein schwaches Pfund würden die englische Wirtschaft gar beleben.
  • Die EU bindet Großbritannien an Länder, die längst nicht die gleiche Wettbewerbsfähigkeit haben. Deutschland, Holland, Schweden und Irland fallen in dieselbe Kategorie wie England. Frankreich, Italien, Spanien und Portugal eindeutig nicht. Deshalb ist es für England gut, nicht mehr in diesem Klub dabei zu sein.

Das Fazit von Cembalist: Aus der Sicht Großbritanniens würde eine politische Union mit Kanada, Norwegen, Schweden und den USA weitaus mehr Sinn machen.

Natürlich hat Brüssel jetzt Angst vor den Folgen des Brexit. Die Franzosen wollen ein Exempel statuieren, damit andere Länder vor einer ähnlichen Entscheidung abgehalten werden. Ich bezweifle, dass dies funktionieren wird. Zu groß ist das wirtschaftliche Interesse an einer guten Kooperation mit Großbritannien.

Andere Länder werden folgen. In Schweden ist die Stimmung schon angespannt, ebenfalls in Holland. Umfragen zeigen, dass in Frankreich und Italien die Unzufriedenheit hoch ist. Könnten sie abstimmen, würden mehr als 40 Prozent der Franzosen und fast 50 Prozent der Italiener für einen Austritt votieren.

Massives Versagen der deutschen Politik

Schuld an dieser Entwicklung hat maßgeblich die Politik der deutschen Bundesregierung: das Versagen im Zuge der als „Flüchtlingskrise“ falsch beschriebenen Migrationskrise aus Afrika und dem Nahen Osten, die Verweigerung einer Lösung für die Eurokrise und die einseitige Ausrichtung der deutschen Wirtschaft auf den Export.

Die Stärke der deutschen Wirtschaft hat in der Brexit-Diskussion eine hierzulande völlig unterschätze Rolle gespielt. In vielfältigen Kommentaren wurde die deutsche Exportmaschinerie als ein Instrument verurteilt, anderen Ländern Kaufkraft zu entziehen und damit zu der Dauerkrise in diesen Ländern beizutragen. Deutschland würde von einer schwachen Währung profitieren – dem Euro – der nur noch existieren würde, weil Deutschland in der Währung dabei ist.

Wer sich vor dieser deutschen Wirtschaftsmacht schützen wolle, müsse für den Brexit stimmen. Fällt nun das Pfund weiter, hätte sich diese Erwartung an die Folge des Brexit übrigens schon erfüllt.

Das Problem an dieser Argumentation ist – wie so oft bei populistischen Aussagen – dass sie durchaus einen Kern Wahrheit haben. In der Tat haben wir in den vergangenen Jahren vom schwachen Euro profitiert und uns darauf verlassen, billiger statt besser zu sein. So ist die Produktivität pro Kopf in den Jahren seit der Euroeinführung nur noch schwach gewachsen.

Deutsches Exportmodell verschärft Spannungen

Schon in der Vergangenheit hat eine sehr unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung zu politischen Spannungen und gar Kriegen geführt. So hat die deutsche Wirtschaft sowohl vor dem deutsch-französischen Krieg 1870, und vor den beiden Weltkriegen eine deutlich bessere Entwicklung verzeichnet als jene von Frankreich und England. Auch heute stehen wir viel besser da als unsere Partner in der Eurozone. Und mit Großbritannien haben wir einen ansehnlichen Handelsüberschuss.

Angesichts dieser Entwicklung ist es kein Wunder, dass die Bevölkerungen mit der relativen Entwicklung in Europa unzufrieden sind. Erst vor ein paar Monaten konnte die Eurozone wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Italien und Spanien sind davon noch weit entfernt, Frankreich bleibt in der Dauerrezession gefangen. Das zeigt sich auch an der Haltung zu Europa.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Genesung der Eurozone und damit Europas ist ein Abbau der internen Ungleichgewichte. Dabei geht es vor allem darum, die Handelsdefizite und -überschüsse zu reduzieren. Zwar kam es in den vergangenen Jahren zu Fortschritten auf diesem Gebiet, jedoch vor allem durch einen Rückgang der Importe, weniger durch mehr Exporte aus den Krisenländern. Deutschland hat unterdessen den Handelsüberschuss mit den Euroländern reduziert, insgesamt jedoch deutlich ausgeweitet.

Unsere einseitige Fokussierung auf den Export führt zunehmend zu Spannungen in Europa und der Welt. Sich dabei nur auf die Stärke der deutschen Industrie zu berufen, ist bequem und falsch. Natürlich profitiert gerade die deutsche Industrie von der Globalisierung und Industrialisierung. Doch ohne den schwachen Euro und die zunehmende Verschuldung unserer Kunden wäre dieser Exporterfolg gar nicht möglich.

Mit den Exportüberschüssen entziehen wir anderen Ländern Kaufkraft und Nachfrage. Die einheimische Industrie in diesen Ländern verliert immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit, während wir zugleich nicht ausreichend importieren, um der Welt andere Waren abzunehmen. Damit fehlt der Welt Nachfrage und es ist angesichts der schwachen weltwirtschaftlichen Entwicklung nicht verwunderlich, dass die Spannungen zunehmen. Es wäre auch in unserem Interesse, den Handelsüberschuss zurückzuführen.

Hinzu kommt, dass wir die Erlöse aus dem Export im Ausland anlegen. Handelsüberschüsse gehen nämlich zwangsläufig mit einem entsprechenden Exportüberschuss von Kapital einher. Alleine im Jahr 2015 haben wir Kapital im Volumen von 8,6 Prozent des BIP ins Ausland exportiert. Überwiegend in Form von Krediten. Nun ist es aber nicht sonderlich schlau, sein Geld Schuldnern zu leihen, die schon heute zu viele Schulden haben. Bereits in der Vergangenheit haben wir unser im Export verdientes Geld äußerst schlecht angelegt, wie zum Beispiel in US-Subprime-Krediten, womit wir nach Berechnungen des DIW immerhin 400 Milliarden Euro verloren haben. Da wäre es allemal besser, das Geld im Inland auszugeben.

Versagen in der Eurokrise

Wie an dieser Stelle immer wieder erläutert, braucht Europa einen geordneten Prozess, um aus der Überschuldungssituation von Staaten und Privaten herauszufinden. Dazu müssen Gläubiger, also vor allem Deutschland, und Schuldner sich zu einer Kombination aus Schuldenerlass, Schuldensozialisierung und Schuldenstreckung unter Teilnahme der EZB durchringen. Ohne eine solche Bereinigung der faulen Schulden bleibt die Eurozone im japanischen Szenario gefangen. Die Weigerung der deutschen Politik, dies anzuerkennen und entsprechend zu handeln, vergrößert den finanziellen, wirtschaftlichen und politischen Schaden mit jedem Tag. Das Beharren auf einer Sparpolitik und Reformen ist vordergründig richtig, im Zustand der Überschuldung jedoch kontraproduktiv. Die deutsche Europolitik ist krachend gescheitert. Das Brexit-Votum und die zunehmende Anti-Euro-Stimmung in den anderen Ländern sind der deutliche Beweis dafür.

Der Brexit ist erst der Anfang

Das Votum der Briten ist aus deutscher Sicht ein Desaster. Wir verlieren einen Partner der wirtschaftlichen Vernunft in Europa. Die Probleme der EU und vor allem der Eurozone wachsen derweil weiter an. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in einem Euroland eine Partei mit dem Wahlversprechen an die Macht kommt, alle Probleme des Landes mit einem Austritt aus Euro und EU zu lösen. Mein Hauptkandidat ist und bleibt Italien. Die dortige Rezession dauert schon länger an als jene der 1930er-Jahre. Die Wirtschaftsleistung liegt noch immer deutlich unter dem schon nicht begeisternden Niveau von 2008. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Staatsverschuldung außer Kontrolle. Eine Schließung des auf 30 Prozent geschätzten Lohnstückkostennachteils gegenüber Deutschland auf dem Wege der „internen Abwertung“, also der Kürzung von Löhnen, völlig illusorisch. Noch könnte Italien durch einen Austritt aus der Eurozone Teile seiner industriellen Basis retten. Mit einer abgewerteten Lira wäre das Land über Nacht wettbewerbsfähig.

Aber auch in anderen Ländern gärt es. Die Schweden denken ähnlich wie die Engländer. In Finnland gab es eine Volksinitiative, die einen Euroaustritt fordert – angesichts der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung gerade auch zum boomenden Schweden nicht verwunderlich. In Holland gibt es zunehmend Zulauf für eurokritische Parteien. Ein Referendum ließe sich dort relativ leicht organisieren. In Frankreich ist es bisher nur der rechte Front National, der in die gleiche Richtung denkt, während die Elite an der EU und an dem – vor allem von Frankreich vorangetriebenen – Euro festhält.

Andere Politik nötig

Will die deutsche Regierung nach dem Brexit weitere Euroaustritte verhindern, sollte sie dringend das Steuer herumreißen, und mehr Geld im Inland ausgeben, Innovation, Bildung und Infrastruktur verbessern und mit Reformen den langfristigen Wohlstand sichern. Statt das Geld ins Ausland zu exportieren, würden wir es im eigenen Land verwenden. Das wäre allemal besser als die heutige Politik, die unseren Wohlstand verschleudert.

Danach sieht es jedoch nicht aus. Lieber verweisen deutsche Politiker und Volkswirte auf die Mängel und den Reformbedarf in anderen Ländern. Ebenso geschlossen steht die Front gegen eine Bereinigung der faulen Schulden, eine Monetarisierung der Schulden über die EZB-Bilanz und eine Neuordnung der Eurozone. Damit bleibt Europa in der Rezession gefangen und der Druck im Kessel nimmt immer weiter zu.

Kann gut sein, dass wir 2030 neidisch auf die Briten schauen, die rechtzeitig die Notbremse gezogen haben.

Cicero.de:  „Der Brexit ist die Folge der deutschen Krisenpolitik“, 25. Juni 2016

23 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    „Kann gut sein, dass wir 2030 neidisch auf die Briten schauen, die rechtzeitig die Notbremse gezogen haben.“

    Kann gut sein, dass wir 2030 alle in den Abgrund schauen. Meine schlimmsten Befürchtungen von vor über zwei Jahren werden durch die aktuellen Ereignisse leider immer wahrscheinlicher: https://zinsfehler.wordpress.com/2014/05/16/studentenaufruf-vom-16-05-2014/. Wo bleibt die Stimme der Vernunft?
    https://www.project-syndicate.org/commentary/brexit-political-suicide-by-chris-patten-2016-06/german
    http://norberthaering.de/de/27-german/news/645-brexit-jugend

    LG Michael Stöcker

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  2. Karl says:

    Sehr optimistisch hier, der Ausblick für die Briten. Dabei haben sie schon heute das größte Leistungsbilanzdefizit aller EU-Mitglieder, einschließlich Griechenland.
    Na ja, was hätte den Briten in der EU viel passieren können? Sie hatten – und das war das Wichtigste – ihre eigene Währung und einen (bis letzten Freitag) sehr bedeutenden Finanzplatz. Ginge die EU den Bach runter, dann wären die Briten weiterhin massiv betroffen. „Cameron has kicked the British economy down the stairs …“, auch eine mögliche, britische Sicht der Dinge, kürzlich gelesen.

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  3. Katalin says:

    Hallo,

    In keinem anderem westl. Land steht die Elite so zusammen wie in der BRD.
    In allen Politikbereichen angefangen bei der Innenpolitik über die wirtschaftl. Ausrichtung bis hin zu der Aussenpolitik (Maßgeblich gesteuert durch das AA im Auftrag des BDI) stehen die oberen 10% fest zusammen auch zum Nachteil der Mehrheit der dt. Bevölkerung. Warum dies so nur in der BRD möglich ist, frage ich Sie.

    Der Grund ist einfach: BRD Eliten sind der Meinung, dass sie zur Weltmacht durch die EU aufsteigen können. Seit dem Zerfall des dt. Reiches wird der Kampf um die Beherrschung Europas zwischen FR und BRD geführt. Hier ist es wichtig zu wissen, dass die Großmächte FR + GB + RU die dt. Einigung (Großdeutsche Lösung) immer wieder erfolgreich verhindert haben. Auch der 1. Weltkrieg ist im Prinzip wegen der Blockbildung und Marktanteile ausgebrochen. Das dt. Reich ging davon aus, dass es gegen die Britten nicht bestehen kann ohne das es selber Kolonien und damit priviligierten Zugang zu Märkten und Rohstoffen hat.
    Deshalb der Griff nach Osteuropa.
    Nach den 2 Weltkriegen wurde den FR klar, dass sie alleine nie gegen die BRD bestehen könnnen, deshalb gingen sie auf das Angebot einer EU ein und glaubten wirklich an eine Führung auf Augenhöhe. Die gab es auch bis 1990. Mit der Öffnung Osteuropas war es mit dieser Partnerschaft vorbei. Mit der wirtschaftlichen und damit auch der politischen Kontrolle über seinen „Hinterhof“, d.h. billige Arbeitskräfte, Marktanteile bei nicht vorhandener Konkurenz, (warum wollte BRD und hier insbesondere der BDI vor ca. 10 Jahren Osteuropa in der EU haben, gegen die Mehrheit der dt. Bevölkerung und anderer EU Staaten – insbesondere FR) ist BRD die Führungsmacht in Europa und FR nur Juniorpartner.
    Osteuropa so in das kalte Wasser zu werfen, d.h. ohne jeglichen Schutz der eigenen nicht wettsbewerbsfähigen Industrie gegen die dt. konkurieren zu lassen hat dazu geführt, dass es keine Industrie in Osteropa mehr gibt – wenn wir die Zuliefererbetriebe für die dt. Konzerne ausnehmen (wo die Führung meistens dt. ist und das Gehalt nie über 500 Euro steigt)

    Hinweis: Herr Dr. Stelter Sie behaupten immer die DAX Firmen sind Mehrheitlich in ausl. Hand. Das mag stimmen, nur ist Osteuropa ganz in ausl. Hand, meistens in DE.

    Wenn man das alles weiß, kann man die Unterschiede der DE und GB Eliten verstehen. Im Gegensatz zu den DE Eliten (Hardcore EU Unterstützer) sind die GB Eliten mehrheitlich gegen die EU. Der Grund ist einfach, da Nettozahler nicht bedeutet das man auch immer zahlt.

    GB: Zahlt aber bekommt dafür relativ wenig oder kaufen Sie irgendwelche GB Produkte.
    GB hat nun mal nichts mehr anzubieten, da es früh der Angebotstheorie anhängend die Märkte geöffnet hat, während DE und FR die Märkte relative später (erst nach 1990) mit der Öffnung begannen und Ihre Industrien zum Teil immer noch schützen, siehe VW und die Maßstäbe und Regeln in der EU maßgeblich bestimmen, siehe hier;

    http://www.welt.de/wirtschaft/article136848502/Staubsauger-Koenig-fuerchtet-Schikanen-der-Deutschen.html

    BRD und FR spielen unfair und sind deshalb die Gewinner.

    DE: Zahlt und hat dadurch nur Vorteile. (die Industrie versteht sich, nicht aber die Mehrheit der dt. AN) Dt. Industrie in Verbindung mit den konkurenzlosen Märkten und billigen Zulifereren in Osteuropa und den schawchen Euro (dank dem Süden) bietet einen unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis und hat Europa mit seinen Produkten überschwemmt.
    Die Zahlungen die es an Süd- und Osteuropa leistet bekommt die Industrie (nicht der dt. AN) vielfach zurück. Meistens werden dies Gelder für Infrastruktur eingesetzt, die wiederrum von dt. Unternehmen ausgeführt werden und das Restgeld das die Regierung und oder die AN bekommen werden für dt. Produkte ausgegeben.

    Man kann es in einem Satz zusammen fassen: Das dt. Großkapital hat nur Vorteile von der EU, ist dafür aber nicht bereit der EU etwas zurück zu geben. Und da die EU Führung Merkel, Juncker, Schulz, Draghi vor allem die Interessen der EU Konzerne vertreten (die Mehrheit dieser Konzerne befindet sich aber in dt. Hand) ist Europa in diese Krise geraten.
    Ist aber nichts neues: Die USA bestanden nach dem 2.-ten Weltkrieg bis in die 1960-er Jahre auch auf Ihren Überschüssen und verteidigten sie mit allen Mitteln.

    Für GB spielt es keine Rolle ob sie in der EU sind oder nicht, da es, laut der Angebotstheorie keine Rolle spielt, ob man groß oder klein ist, sondern nur auf die komp. Kostenvorteile ankommt. Dies stimmt auch wenn man sich viele andere Länder ansieht (CH, DT, NO) usw.
    (wenn man von der politischen Motivation der dt. Eliten absieht – Weltmacht)

    Das Problem ist, GB hat nichts mehr anzubieten.

    Gruß

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    • Karl says:

      Interessante Analyse. Na gut, ein Teil der dt. AN profitiert schon auch, z. B. Festangestellte in der westdeutschen Metallindustrie. Im krassen Gegensatz dazu viele AN, die in Ostdeutschland ohne Tarifbindung Löhne bekommen, die nicht mehr höher sind als in Shanghai.
      In gewisser Weise verhält sich Dtld. wohl wirklich äußerst egoistisch, mit dem Niedrigstlohnsektor (refugees welcome!) und dem Festhalten an der „schwarzen Null“, anstatt jetzt selber mal bereit zu sein, trotz sehr guter Situation ordentlich Geld in die Hand zu nehmen.
      Ich traue es Merkel & Co. tatsächlich zu, dass sie GB jetzt so gut aussteigen lassen, dass die restlichen 27 (außer Dtld. natürlich) wirklich die Deppen sind!

      Antworten
  4. Felix Kurt says:

    Sie schreiben:
    „ . . . einen Kern Wahrheit haben. In der Tat haben wir in den vergangenen Jahren vom schwachen Euro profitiert und uns darauf verlassen, billiger statt besser zu sein. So ist die Produktivität pro Kopf in den Jahren seit der Euroeinführung nur noch schwach gewachsen.“

    Wenn ein Land über längere Zeiträume eine bessere wirtschaftliche Entwicklung macht als andere, stellen Sie also die Frage: Warum hat das erfolgreiche Land es falsch gemacht, und warum haben die nicht erfolgreichen es richtig gemacht?

    „ . . . billiger statt besser . . .“ trifft es doch nicht.
    Wenn die in/von Deutschland hergestellten Produkte wettbewerbsfähige Eigenschaften haben, also der Preis AUS SICHT DER KÄUFER in einer vernünftigen/attraktiven Relation zu den Produkteigenschaften und der Qualität steht, darf man unterstellen, dass der/die Käufer eine bewusste, rationale Entscheidung treffen. Denn niemand muss bei/von uns einkaufen!!

    Warum soll DE denn in erster Linie billiger (anstatt besser) sein, wenn die Produktivität pro Kopf nur noch schwach gewachsen ist – im Vergleich zu den Wettbewerbsländern?

    „ . . . Handelsdefizite.. „ und „ . . . weniger durch Exporte aus den Krisenländern . . „ Genau das ist das Problem, dass DE nicht alleine lösen kann und auch nicht sollte! Warum kopieren denn die weniger erfolgreichen (weniger einfallsreichen) Länder nicht die Erfolgsprodukte der erfolgreichen Länder – anstatt zu jammern, in der Hoffnung, dass eine Art andere Macht diesen Zustand ändern möge?
    Positive Beispiele sind doch Japan, Südkorea oder China (Kameras, Autos, Computer, Unterhaltungselektronik, Textilien, Werftindustrie, Maschinenbau, usw.. Die USA erfinden sich auch immer wieder neu: bspw. Silicon Valley, Elektroautos a la Tesla, in den letzten Jahren die Solarindustrie.
    DE ist auch einem permanenten Wettbewerbsdruck und Strukturwandel unterzogen. (Kohle, Stahl, Billigautos, selbst erzwungene Energiewende mit hohen Kosten, …)

    Der angesprochene Lohnstückkostennachteil am Bsp. Italien besteht ja nicht nur im Vergleich mit DE, sondern ebenso im Vergleich mit der Welt außerhalb Europas! Dieses Produktivitätsproblem ließe sich nur durch eine Kombination aus Einfallsreichtum und sinnvollen Investitionen einerseits und Lohnzurückhaltung andererseits (langsam) lösen. Aber nicht der Status quo beschreibt die Ursache, sondern man muss die langjährige Entwicklung betrachten. Es kam nicht über Nacht, sondern es hat sich so entwickelt, weil sich die Italiener, wie andere auch, vor dem Euro durch Abwertungen immer wieder bequem und ohne Strukturanpassungen/Innovationen die preisliche Wettbewerbsfähigkeit zurückholen konnten, und nur diese!! Allerdings auf Kosten von Inflation, was den Menschen am Ende dann doch keinen Kaufkraftgewinn/höheren Konsum gebracht hat. Fazit: kein Erfolgsmodell, kein Lösungsansatz, bestenfalls kurzfristige Erleichterung. Kann sich die Mentalität – und dies ist eigenverantwortlich in jedem Land zu klären – wirklich ändern, wenn man in die alten und schwachen, nicht nahhaltig erfolgsträchtigen Abwertungsmechanismen zurückfällt? NEIN!

    Sie schreiben, dass „ … die Bevölkerungen mit der relativen Entwicklung in Europa unzufrieden sind.“
    Wäre es denn besser, wenn sich die europäischen Länder an den schwächsten und langsamsten in puncto (permanentem) Strukturwandel und Anpassung orientieren sollten, damit der Abstand nicht zu groß wird. Dann hätten alle gleichmäßiger weniger statt mehr. Und es würde der Abstand zu den Wirtschaftsräumen in Asien und Nordamerika immer größer, weil die sich mit der Malaise der Fußkranken unter den europäischen Ländern nicht auseinandersetzen und schon gar keine Transfer- und Hilfsleistungen anbieten. Das „Ungerechtigkeitsempfinden“ wäre aber nicht beseitigt, es verlagert sich dann auf die erfolgreichen wohlstandsmehrenden Länder außerhalb Europas. Neid und Missgunst (Futterneid) bleibt ein natürlicher, auch menschlicher Instinkt.

    Als Folge wäre Europa komplett auf der Verliererseite und abgehängt. Es könnte sich dann vor allem auf romantische, verklärte Kulturgeschichte konzentrieren und vielleicht über internationalen Tourismus als Industriemuseum ein Almosen verdienen.

    N.B.: Der oft zitierte Hinweis, dass die DAX-Konzerne (aber nicht nur die!) zu ca. 55% in ausländischem Besitz sind, sollte noch ergänzt werden um die jüngsten Aufkäufe deutscher Unternehmen und Technologieträger, wie alleine in den letzten Wochen MANZ AG und KUKA durch Chinesen. Und Amerikaner: GEHE an McKesson (USA), ANZAG an Boots (UK) und die wiederum an Walgreens (USA), Kaufhof an Hudsons Bay Co. (Kanada), usw., usw. usw. …. Ferner sind die Minderheitsbeteiligungen und teilweise Sperrminoritäten an mittelständischen deutschen Firmen bereits in den vergangen 10 Jahren deutlich angestiegen. Der Welt außerhalb Europas ist auch nicht blöd.

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Passt doch nicht alles in einen Artikel! Natürlich gibt es auch andere Faktoren. Ich empfehle unter anderem „Wie wir unseren Wohlstand verschleudern“ und viele weitere Beiträge bei bto. LG DSt

      Antworten
  5. Katalin says:

    Hallo,

    das die dt. Eliten solche eine Ungehorsamkeit nicht gewohnt sind und auch nie vor hatten diesen Volkeswillen zu respektieren, kann man hier nachlesen;

    http://www.welt.de/politik/ausland/article156407529/Beim-Brexit-duerfte-das-Parlament-das-Volk-ignorieren.html

    und wenn man bedenkt, dass der Springer Konzern einer der größten Medienkonzerne der Welt ist und zu den Gewinnern des Euro und der EU gehört (im Inland aber zahlreiche AN mit befristeten Veträgen oder auf Selbständiger Basis beschäftigt) weiß man auch warum.

    Antworten
  6. Bakwahn says:

    Ich habe eine Reihe von KATALINs Kommentaren noch einmal gelesen.
    Es drängt sich mir der Verdacht auf, daß er ein Verschwörungstheoretiker ist; zumindest jedoch jemand, der über eine ausgeprägte Zuneigung zu Konspirationen, Komplotten, Geheimbündeleien aller Art hegt; z.B. dieses hier:
    „In allen Politikbereichen angefangen bei der Innenpolitik über die wirtschaftl. Ausrichtung bis hin zu der Aussenpolitik (Maßgeblich gesteuert durch das AA im Auftrag des BDI) stehen die oberen 10% fest zusammen auch zum Nachteil der Mehrheit der dt. Bevölkerung“

    Live aus der Düsseldorfer Universitätsbibliothek (eines meiner Wohnsitze)
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf

    Antworten
  7. Bakwahn says:

    Nur einige kurze Anmerkungen:

    Ich hoffe inständig, daß Stelter mit seinen optimistischen Aussagen zur wirtschaftlichen Entwicklung in GB (oder demnächst Klein-B???) recht behält.

    Jedoch, ich habe Zweifel. Es scheinen eine Reihe von Voraussetzungen zu fehlen; z.B. fehlt es vielen Briten an (Schul-)Bildung und vor allen Dingen an beruflicher Ausbildung und beruflichen Qualifikationen ; vielleicht auch an einem entsprechenden Arbeitsethos und Bereitschaft zur Mobilität. Viele Briten sind befangen in einer glorreichen Vergangenheit und wähnen sich immer noch als (vermeintliche) Herren der Welt (Britannia rules) und als !!!alleinige!!! Bezwinger der Deutschen in zwei Kriegen. Dieser spezielle britische Geist, dieses ganz eigene historisch-kulturelle Gedächtnis besonders der Engländer könnte sich nachteilig auswirken. Sie und möglicherweise auch Stelter überschätzen ihre Fähigkeiten.

    Meine Annahmen werden indirekt bestätigt durch folgende Aussage:
    „Die allermeisten Osteuropäer auf der Insel sind keine schmarotzenden Sozialtouristen, sondern hart arbeitende Leistungsträger der Gesellschaft. Statistiken zeigen, dass EU-Einwanderer in Großbritannien besser qualifiziert sind und häufiger erwerbstätig als Einheimische. Sie haben oft mehr Arbeitsethos und Befähigung als Briten. Wer schon einmal die Dienste eines polnischen Klempners und die eines englischen in Anspruch genommen hat, der kennt den Unterschied.“

    Das schreibt der Britain-Korrespondent Marcus Theurer der FAZ heute – 27.6.2016.

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    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Stimme dem zu, was Sie aus der FAZ zitieren. Und zwar aus eigener Erfahrung, allerdings habe ich die nicht in GB gemacht.

      Nur:

      Diese Leute wollen auch irgendwo wohnen. Wenn sie als besser Qualifizierte und dadurch besser Verdienende sich eine bessere Wohnung leisten wollen als die Einheimischen, dann ist der Ärger da.

      Und wir sind wieder beim Thema Wettbewerb, diesmal ausgelöst durch Einkommen.

      Antworten
    • Contumax says:

      Zustimmung zu Ihren Anmerkungen. Ich habe im weiteren Verwandtenkreis positive Beispiele für zupackende EU-Einwanderer. Für UK zweifellos ein Gewinn. Und der spezielle britische Geist (Britannia rules) neigt mitunter zu einer störrischen Kompromisslosigkeit. Aber Frau Thatchers Falklandkrieg endete bereits im Juni 1982. Und der sprichwörtliche letzte Affe hat dem Felsen von Gibraltar auch noch nicht den Rücken gekehrt.
      Thatchers „I want my money back“ empfand mancher aber auch als kompromisslos.

      Antworten
  8. Dietmar Tischer says:

    Am 25. Juni war es „Brexit: Folge der deutschen Wirtschaftspoliik“, heute ist es „Der Brexit ist die Folge der deutschen Krisenpolitik“.

    Und heute sind es die gleichen Thesen wie vor zwei Tagen. Sie sind in Teilen so fragwürdig wie vor zwei Tagen. Es ist müßig, die Kritik im Einzelnen zu wiederholen.

    Nur so viel dazu:

    >Unsere einseitige Fokussierung auf den Export führt zunehmend zu Spannungen in Europa und der Welt.>

    Das ist richtig.

    >Natürlich profitiert gerade die deutsche Industrie von der Globalisierung und Industrialisierung. Doch ohne den schwachen Euro und die zunehmende Verschuldung unserer Kunden wäre dieser Exporterfolg gar nicht möglich.>

    Der erste Satz ist uneingeschränkt richtig, der zweite nur bedingt.

    Wir hätten auch ohne den schwachen Euro und ohne die Verschuldung unserer Kunden große Exporterfolge, allerdings wären sie nicht so groß. Felix Kurt hat dazu Richtiges gesagt.

    Abgesehen davon verschulden sich nicht alle unsere Kunden und mit den Investitionsgütern, die wir exportieren, können sie Schulden abbauen bzw. Gewinne erwirtschaften, um noch mehr von uns und anderen zu kaufen.

    Grundsätzlich zum Verständnis:

    Wenn das Spiel „Angebot und Nachfrage“ heißt, da muss ich mich doch nicht anklagen, wenn ich etwas anbiete, das andere haben wollen. Wenn das andere in Europa nicht oder nicht so wie wir können, dann ist das zumindest NICHT unser ALLEINIGES Problem.

    >Ohne eine solche Bereinigung der faulen Schulden bleibt die Eurozone im japanischen Szenario gefangen. Die Weigerung der deutschen Politik, dies anzuerkennen und entsprechend zu handeln, vergrößert den finanziellen, wirtschaftlichen und politischen Schaden mit jedem Tag. Das Beharren auf einer Sparpolitik und Reformen ist vordergründig richtig, im Zustand der Überschuldung jedoch kontraproduktiv.>

    Alles richtig.

    >Die deutsche Europolitik ist krachend gescheitert.>

    Ich wiederhole: Es ist irreführend, das zu sagen. Die von Deutschland und anderen Eurostaaten SYSTEMSTABILISIEREND betriebene Politik, die Schuldenbereinigung zu verweigern, ist kontraproduktiv.

    Wenn JEDE politische Lösung der Schuldenbereinigung SYSTEMGEFÄHRDEND ist, dann
    – ganz richtig – ist das die Lösung:

    >Noch könnte Italien durch einen Austritt aus der Eurozone Teile seiner industriellen Basis retten. Mit einer abgewerteten Lira wäre das Land über Nacht wettbewerbsfähig.>

    Warum geht Italien nicht diesen Weg, warum nicht andere hochverschuldete Staaten?

    Die Frage liegt doch nahe, warum wird dazu nichts gesagt?

    >Will die deutsche Regierung nach dem Brexit weitere Euroaustritte verhindern, sollte sie dringend das Steuer herumreißen, und mehr Geld im Inland ausgeben, Innovation, Bildung und Infrastruktur verbessern und mit Reformen den langfristigen Wohlstand sichern. >

    Ich bin dabei, dass mehr Geld für Investitionen und Reformen im Inland ausgeben wird.

    Nur:

    Das verhindert keine Euroaustritte (weitere schon gar nicht, weil der Brexit keiner ist). Der Effekt bezogen auf die Eurozone wäre viel zu gering.

    Und außerdem geht das an einer ganz WESENTLICHEN Ursache der EU-Krise vorbei. Die Armutsmigration INNERHLALB der EU-Staaten (Kriegsflüchtlinge sind ein anderes Thema), die für das Votum in GB eine große Rolle gespielt hat, wird durch innerstaatliche deutsche Maßnahmen überhaupt nicht tangiert.

    Wenn die Armutsmigration mit URSÄCHLICH für Exit-Tendenzen ist, dann ist das der jetzigen EU-Konzeption, d. h. einer uneingeschränkten Freizügigkeit geschuldet. Will man dieses Problem lösen, dann muss man die jetzige Konzeption der EU mit Migrationsbeschränkungen ändern.

    DARÜBER redet niemand, weil damit das heilige Projekt infrage gestellt würde.

    Tut mir leid, Dr. Stelter, aber ich muss Ihnen sagen, dass Sie Stimmung gegen unsere Regierung machen, d. h. Tendenzjournalismus betreiben. Man kann und muss sie kritisieren – vieles von dem, was sie tut, ist m. A. n. fatal –, man kann sie aber nicht für das verantwortlich machen, was nicht oder nicht allein in ihrer Hand liegt.

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Lieber Herr Tischer, ja, ist ähnlich! War der Tatsache geschuldet, es via Cicero anderen Lesern zugänglich zu machen und es war nicht mehr möglich den Text nach dem Input von Ihnen und anderen Lesern noch anzupassen. Weitere kommen aber nicht!

      Also können Sie ab morgen wieder andere Themen kommentieren. Einverstanden?

      Liebe Grüße

      Dst

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Werde mich bemühen. Will auch nicht als permanent rechthaberisch erscheinen.

  9. mg says:

    Sehr geehrter Herr Stelter, diesmal kann ich Ihnen so gar nicht zustimmen. Eigenverantwortlichkeit und Engagement müssen nicht bedeuten, dass man nur den eigenen Vorteil im Auge hat. Aus der Spieltheorie wissen wir, dass Kooperation bessere Ergebnisse hervorbringt als das gegenseitige Augenausgekratze. Es reicht aber, wenn Einzelne aus der Kooperation ausscheren. Ok, das wissen wir nicht nur aus der Spieltheorie.

    Die Briten waren sehr häufig nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Also sollten wir sie jetzt in Ruhe ziehen lassen.

    Ob sie 2030 besser dastehen? Vielleicht. Falls ja, dann aber nicht wegen dem EU-Austritt, sondern weil sie eine eigene Währung besitzen.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Die eigene Währung entscheidet nicht darüber, ob sie 2030 besser dastehen werden.

      Die eigene Währung hilft dann nicht, wenn sie permanent abwertet wegen zu hoher Importe und geringer Exporte. Diese Gefahr besteht und führt zu Verschuldung und Abhängigkeit, wenn die Handelsbilanzdefizite von Ausländern finanziert werden.

      Es ist jedenfalls nicht ausgeschlossen, dass in 2030 die Abhängigkeit GRÖSSER ist als heute. Die Staatsverschuldung hat sich jedenfalls dramatisch erhöht von 975 Milliarden Pfund in 2009 auf 1.664 Milliarden Pfund in 2015. Damit sind sie auch schon bei 90% des BIP.

      http://de.statista.com/statistik/daten/studie/167311/umfrage/staatsverschuldung-von-grossbritannien/

      Antworten
      • mg says:

        Lieber Herr Tischler, wie Herr Stelter häufig betont ist eins der wichtigsten Komponenten des wirtschaftlichen Erfolges die Innovationskraft der in einem Land ansässigen Unternehmen z.B. gemessen in Patenten/MioEinwohner.

        Was die Verschuldung angeht stimme ich Ihnen gerne zu. Die eigene Währung (der Briten, Dänen, Schweizer, usw.) hat m.E. jedoch deutliche Vorteile. Deutschland wird dank der dysfunktionalen Währungsunion deutlich draufzahlen. Es wurden und werden die falschen Anreize gesetzt und ich glaube, der deutsche Michel wird das ausbaden dürfen. Die Briten, Dänen und Schweizer haben auch ihre Probleme, müssen aber nicht noch die Probleme der Anderen lösen (was eh nicht funktioniert). Über die Unsummen, die da auf dem Spieltisch liegen, will ich gar nicht nachdenken. Einen schönen Abend…

  10. Dietmar Tischer says:

    @ mg

    Ist schon klar, dass der wirtschaftliche Erfolg auf Innovationskraft beruht.

    Ich widerspreche Ihnen nicht.

    Für den wirtschaftlichen Erfolg muss man INVESTIEREN in Bildung, Forschung und Entwicklung.

    Die Krux dabei, abgesehen davon, dass man dazu die richtige Einstellung haben muss:

    Das bedeutet weniger Konsum.

    Das muss kein Drama sein, wenn sich das in einer wachsenden Wirtschaft ereignet.

    Denn da kann man die Investitionen aus dem Wachstum finanzieren.

    Wenn die Wirtschaft nicht mehr wächst, gehen Investitionen notwendigerweise zu Lasten des Konsums.

    Damit sind wir in einem Verteilungskonflikt zwischen Konsum und Investitionen.

    Aufgrund von Megatrends (Demografie, Globalisierung) sind wir in genau dieser Situation.

    Wenn dann noch die Alten in der Überzahl sind und die Jungen zu faul oder doof, wählen zu gehen bzw. ihre Stimmen in Einzelparteien vertrödeln, ist klar, wie dieser Konflikt ausgeht: zu Lasten der Investitionen.

    Deshalb sehe ich weder für GB noch für andere Länder der entwickelten Volkswirtschaften große wirtschaftliche Erfolge (Wachstum) in der Zukunft.

    >Deutschland wird dank der dysfunktionalen Währungsunion deutlich draufzahlen.>

    So wird es sein.

    Wir sind keine Opfer (zur falschen Zeit am falschen Ort), sondern AKTIV Beteiligte, für die es heißt:

    mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen.

    Antworten

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