Buchhinweis: „Wettkampf um die Klugen“

Gunnar Heinsohn wird auf bto immer wieder zitiert. Seine Überlegungen zur Bedeutung von Demografie, Migration und Bildung sind entscheidende Grundlagen, wenn es um das Beurteilen der wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Aussichten geht. Nun hat der emeritierte Professor ein neues Buch verfasst, Wettkampf um die Klugen“ erschienen im Orell Füssli Verlag. Ich habe es gelesen und möchte an dieser Stelle einige Highlights des sehr lesenswerten Buches hervorheben:

Gleich zur Einführung stellt Heinsohn lapidar fest: „Gehirn schlägt Religion, ‘Rasse’, Klasse, und jugendliche Masse. Kommen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein Patente noch von gut Begabten, braucht es für Innovationen in Gegenwart und Zukunft Teams von Hochbegabten. Sie gehören zu den Schülern, die es bei den Mathematik-Olympiaden (TIMSS) in die Gruppe der Besten (»advanced«) schaffen. In Ostasien sind das pro Jahrgang dreißig bis fünfzig Prozent. Sie übertreffen Osteuropäer und die meisten englisch-sprachigen Länder um das Zwei- bis Dreifache. Die Westeuropäer werden – von wenigen Ausnahmen abgesehen – um mindestens das Sechsfache (Deutschland) bis Zwölffache (Frankreich) abgehängt. Die gut 170 verbleibenden Nationen liegen zwischen null und ein Prozent fast aussichtlos zurück.“ – bto: Was bei uns immer wieder vergessen wird ist, dass selbst Großbritannien rund viermal so viele Top-Leister in Mathematik hervorbringt als Deutschland. Wir sind nach den jüngsten Zahlen der OECD ohnehin schon verloren und die wenigen, die noch rechnen können, gehen dorthin, wo ihnen nach einfacher Subtraktion wenigstens was bleibt. Allein schon die Einführung zum Buch wäre eine Pflichtlektüre für unsere Politiker!

  • „Da es nicht für alle reicht, betreiben diese Länder die gegenseitige Abwerbung ihrer besten fünf Prozent. Wer pro Jahrgang nur ein bis fünf Prozent Mathe-Asse zur Verfügung hat, rutscht bei dieser gegenseitigen Kannibalisierung schnell unter die kritische Masse für ein Verbleiben im Spitzenfeld.“ – bto: Er meint damit natürlich Deutschland. Und die Art der Zuwanderung drückt unser Leistungsniveau weiter.
  • „Auch ein hohes Durchschnittsalter wird erst dann zu einem Problem, wenn es mit fallender Kompetenz einhergeht. Dass Japan von 150 Hundertjährigen im Jahr 1963 auf 70000 im Jahr 2018 springt, wird in Europa als erschreckender Beweis für seinen unaufhaltsamen Abstieg hingestellt. Hingegen wird gern übergangen, dass die unstrittige Führungsnation beim Vergreisen pro Jahrgang aber immer noch sechsmal so viele mathematisch begabte Kinder aufzieht wie Deutschland (…).“ – bto: Auch ich sehe Japan als ein Erfolgsmodell, das sich in die Zukunft wird retten können. Das BIP pro Erwerbstätigen wächst deutlich schneller als bei uns und das ist der Indikator für die kommende Leistungsfähigkeit auch zur Versorgung der alternden Gesellschaft. Bildung, Innovation, Technologieoffenheit. Damit bewahrt man Wohlstand für Generationen, während bei uns abgewirtschaftet wird.
  • „Der eigene Kognitionsverlust wird im Westen bis heute kaum zum Thema. So beschreibt eine Untersuchung von ‘BNP Parisbas’ aus dem Frühjahr 2019 eine ‘Japanisation’ der EU ausdrücklich als Schreckgespenst. Man nimmt die vergangenen dreißig Jahre Japans (1989–2019) als Folie für die eigene Zukunft, betrachtet aber nur finanzielle und quantitativ-demografische Faktoren. Warum die EU heute schon technologisch hinter dem Inselstaat rangiert, wird nicht einmal gefragt. Kognitive Differenzen bleiben vollkommen ausgeblendet.“ – bto: Auch bei bto war die „Japanisierung“ und die vordergründig ökonomischen Gesichtspunkte immer wieder ein Thema. Richtig ist natürlich, dass in der Tat die Innovationsfähigkeit der EU gegenüber Japan deutlich abfällt.
  • „Bei den besonders streng gesiebten Patentanmeldungen nach dem Patent Cooperation Treaty (PCT) kommen 2018 fast 50000 Erfindungen aus Japan, aber nur knapp 20000 aus Deutschland. Bei zwei Dritteln der japanischen Bevölkerung (82 zu 126 Millionen) hätten die Deutschen für einen Gleichstand aber 33000 Anmeldungen benötigt. (…) Zu den fünfzig patentstärksten Einzelfirmen des Jahres 2018 gehören sechzehn japanische, aber nur fünf deutsche, die fürs Gleichziehen mit Japan jedoch zwei Drittel davon bzw. zehn bis elf benötigen würden.“ – bto: Und im Rest der EU sieht es nicht besser aus.

Ausführlich diskutiert Heinsohn die Bedeutung der Mathematikleistungen als Frühindikator für die Innovationsfähigkeit von Nationen. Dazu gehört dann die Berechnung der Anzahl der „Mathe-Asse“ nach Nationen. Japan hat demnach 1,8 Millionen. Polen, Deutschland, Italien, Frankreich, Spanien, Ungarn, Portugal, Irland, Dänemark, Niederlande, Schweden und Finnland (also die EU ohne UK) kommen auf 988.000, also nur auf 55 Prozent des Niveaus von Japan. Damit ist wohl alles gesagt. Es zeigt übrigens auch, wie groß der Verlust von Großbritannien für die EU ist und weshalb das Land mit 570.000 Top-Leistern deutlich bessere Aussichten hat als die EU (von Deutschland nicht zu reden!).

 

Quelle: „Wettkampf um die Klugen“, Gunnar Heinsohn

  • „Regelmäßig versprechen etwa deutsche Ökonomen, dass die Bundesrepublik technologisch wieder nach vorne kommen werde, wenn es nur mehr Geld nicht nur in die marode Infrastruktur, sondern auch in die Bildung stecke. Solche Behauptungen wären leicht zu überprüfen. So gibt Deutschland rund 50 Prozent mehr pro Kind aus als Ungarn. Gleichwohl sind – bei TIMSS 2015 – unter 1000 ungarischen Kindern 126 in der mathematischen Spitzengruppe, in Deutschland aber nur 53.“ – bto: Das führt zu der politisch heiklen Erkenntnis – und wird von Heinsohn auch entsprechend offen diskutiert –, dass Intelligenz eben doch von Faktoren abhängt, die der Staat mit noch so vielen Mitteln nicht kompensieren kann.
  • „Schon 2012 gibt es bei PISA eine Sonderauswertung für den altdeutschen Nachwuchs und für den mit Migrationshintergrund. Bei den Migranten gibt es unter 1000 Kindern 13 Mathe-Asse. 63 finden sich bei den Altdeutschen. Beide Spitzensegmente können es mit den Besten der Welt aufnehmen. Dreißig Prozent der Altdeutschen schneiden in Mathematik allerdings mangelhaft, ungenügend oder schlechter ab. Bei den Migrantenkindern der zweiten Generation sind es sogar 51 Prozent (…) Mittlerweile kommen aus diesem Bevölkerungssegment fast 40 Prozent der Neugeborenen. Nichts spricht mithin für ein Überwinden des Bildungsfiaskos, vielmehr alles für seine Ausweitung.“ – bto: was an der Art der Zuwanderung liegt, und zwar nicht an Religion, Hautfarbe etc. wie Heinsohn begründet, sondern am intellektuellen Niveau.
  • „Der stetige Abstieg von 2007 bis 2015 bei der Mathe-Olympiade TIMSS ist also kein Problem, dass auf muslimische Neuzugänge ab 2015 zurückgeführt werden könnte. Zu ihm tragen Nachkommen christlicher Gastarbeiter von Portugal bis Griechenland schon viel länger bei. Italienische Kinder und Enkel schneiden schulisch nämlich nicht besser ab als etwa türkische. Schließlich hat keines dieser Länder seine heimischen Eliten in deutsche Bergwerke und Stahlhütten geschickt. Eine Ausnahme bilden lediglich Kinder vietnamesischer Arbeiter, die in der DDR eingesetzt wurden. Obwohl sie aus ihrer heimischen Unterschicht stammen, deklassieren sie nicht nur alle anderen Migrantenkinder, sondern auch den altdeutschen Nachwuchs.“ – bto: Wenn die Eliten nicht kommen, ist es schwer. Noch schwerer wiegt, wenn unsere Eliten auswandern. Und das tun sie, wie Heinsohn eindrücklich darlegt. Gute Sprachkenntnisse haben sie, was soll sie halten in einem Land, das immer mehr auf Genderlehrstühle (Heinsohn) und Umverteilung setzt, dessen Kinder sich immer weniger für MINT-Fächer und Wirtschaft interessieren?
  • „Niemals zuvor war die Nachfrage nach Talenten größer als heute und sie wird morgen noch weit höher liegen, (…) Wer in diesem Umfeld Leistungssenker bevorzugt, (…) stiftet Schaden, weil seine Helferkapazitäten schwinden, während die Hilfsbedürftigen im eigenen Land ihren Anteil erhöhen.“ – bto: eine Einschätzung, die der Studie zur Zuwanderung nach Deutschland aus dem Jahr 2014 entspricht. Umso unverständlicher, dass diese Politik in Deutschland fortgesetzt wird und jede Kritik daran sofort mit erheblichem Druck begegnet wird. Es müsste doch einleuchten, dass es niemandem dient, wenn wir unser Land überfordern.
  • Wie man es besser macht zeigt „(…) Singapur. Mit aktuell nur 0,83 Kindern pro Frauenleben wäre der Stadtstaat ohne Einwanderung zum Aussterben verurteilt. Realiter aber steigt die Bevölkerung zwischen 1968 und 2019 von gut 2 auf knapp 6 Millionen. 44 Prozent der Einwohner sind Einwanderer oder ausländische Beschäftigte. Ihre Kompetenz von CA106 (CA = Cognitive Ability) ist für Migranten die höchste weltweit. Selbst die Einheimischen Singapurs schaffen nur CA105, was für sie allerdings ebenfalls die Weltspitze markiert.“ – bto: Bildung wird dort großgeschrieben und ist ein allgegenwärtiges Thema. Ich werde nie vergessen, wie der Taxifahrer gleich auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt die wichtigsten Fakten abgefragt hat und meinte, man müssen sich entsprechend vorbereiten, sonst würde das nichts.

Was mir angesichts der Zahlen nicht einleuchtet, ist, weshalb unsere Politik nicht drastisch und radikal umsteuert. Es ist nicht schwer zu verstehen und man muss schon verbohrt sein, um nicht zu erkennen, dass, egal, was man politisch gern möchte, die Voraussetzung für alles eine ausreichende wirtschaftliche Ertragskraft des Landes ist. Nur ein wirklich reiches Land kann helfen. Deshalb muss die Zuwanderung auf Qualifizierte fokussieren, wie das andere Nationen vormachen. Wie schon 2014 von Professor Bonin in einer Studie für die Bertelsmann Stiftung gefordert (und danach von dieser mit einem ganz anderen Spin verkauft). Das Problem ist allerdings, dass diese Qualifizierten sich eher in Länder orientieren, die eine geringere Abgabenlast haben.

In seinem Buch beleuchtet Professor Heinsohn den Niedergang Westeuropas, den Aufstieg Südkoreas, die Chancen der USA, ihren Vorsprung zu erhalten und die wesentlichen Gründe, weshalb China entgegen der Unkenrufe der Alterung dennoch deutlich aufholen dürfte, getragen von den erheblichen kognitiven Fähigkeiten der Bevölkerung. Letztlich ist es ein Szenario, das für Westeuropa wenig Hoffnung macht und anregt, über die Konsequenzen für sich und die eigene Familie nachzudenken. Vorbereitung auf Auswanderung ist die einzige logische Schlussfolgerung, was vor allem bedeutet: Bildung.

Zum Schluss entwirft Heinsohn noch das Szenario einer Kompetenzfestung entlang der Achse Washington – Moskau – Peking, was eine Region umfassen würde, in der im Jahre 2050 ein Viertel der Weltbevölkerung lebt. Diese Region müsste sich vom Rest der Welt konsequent abschirmen (Klartext: Zuwanderung steuern bzw. verhindern) und hätte „(…) nur als konservativer eine Zukunft, (müsste) also das Dreieck aus Leben, Eigentum und Freiheit immer im Zielhorizont halten. Es geht um die welthistorisch einzigartige Verbindung aus der Lebensheiligkeit des jüdischen Monotheismus mit der Eigentumszivilisation der griechisch-römischen Welt.“ So Heinsohn. Westeuropa wäre da wohl nicht mehr dabei. Außer, es gelänge, in großem Stil qualifizierte Zuwanderer aus den anderen Kompetenzfestungen anzuziehen. Doch danach sieht es nicht aus.

Ein sehr gutes Buch. Faktenreich, argumentationsstark, flüssig zu lesen. Leider nicht aufmunternd. Gerade deshalb wäre es Pflichtlektüre für unsere politische Führung, so diese überhaupt das Interesse hat, etwas im Interesse des Landes zu tun.

Kommentare (57) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Uwe Gent sagte:

    Allzu oft wird Hochbegabung mit hochtrainiert verwechselt. Chinesische Studenten lernen das, was das chinesische Bildungssystem nicht zustande bringt, meistens erst in europäischen Universitäten: kreatives Denken. Erst in Kombination mit dem ihnen andressierten exorbitanten Fleiß sind sie fast unschlagbar – wenn sie diese Bereitschaft zum Fleiß in Europa nicht wieder verlieren sollten.
    Zudem sollte man nie vergessen, dass bei all diesen Tests inkl. Pisa in so manchem Land manipuliert wird bei Vorbereitung der Schüler und Auswahl der Schulen/ Schüler.

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    Martin Duchscherer sagte:

    Hallo Herr Stelter,

    Sie schreiben: „bto: was an der Art der Zuwanderung liegt, und zwar nicht an Religion, Hautfarbe etc. wie Heinsohn begründet, sondern am intellektuellen Niveau.“

    Ist das so zu verstehen, dass Sie „intellektuelles Niveau“ als unabhängig von Religion und Hautfarbe bzw. ethnischer Herkunft sehen?

    Beste Grüße und vielen Dank für Ihre Arbeit!

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    weico sagte:

    Fazit dieses Buches:

    Grosse (Wirtschafts)Gewinner werden langfristig schlicht jene Länder sein, die auf Bildung setzen und geziehlt ihre Migration/Einwanderung zu steuern wissen ( eine Talentzuwanderung/“Braingain“ betreiben)…….bzw. „kluge Leute“ die schlicht „mit den Füssen abstimmen“ (Auswandern) und dann ihn ihrem „Wunschland“ eine neue Heimat finden (können).

    Rezipok:
    Da auch jeder „Bildungsferne“ sich ein gutes Leben wünscht und (s)ein „Wunschland“ hat und „mit den Füssen abstimmen „kann , wird eine ungeziehlte Immigrationspolitik schlicht zu einem schleichenden Niedergang einer Nation führen .

    weico

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    Alexander sagte:

    Gleichheit, auch wenn es den Untergang bedeutet.

    Gleichheit nicht nur NETTO nach Um-fair-teilung/Kollektivierung der Einnahmen, sondern Gleichheit der Potentiale vom ersten Schultag an. Das dreigliedrige Schulsystem wurde über Jahrzehnte zerlöchert um möglichst viel Gleichheit zu garantieren, man zähle das an den 1er Abituren…. Gleichheit auch bei den Berufsabschlüssen, damit die Diskriminierung in der Rente nicht dem Hilfsarbeiter wiederfährt.

    Bei sinkender Kompetenz einem steigenden Globalisierungsdruck ausgeliefert, sollen die Beitragszahler heute ungesetzliche Zuwanderung finanzieren und mit ansehen, wie die Gleichheit verlangt, dass rein z.B. arabisch sprechende Flüchtlingskinder den Unterricht für ALLE natürlich so verlangsamen, dass altersgemäße Förderung von vornherein ausgeschlossen ist.

    Mittlerweile ist es verpönnt Elite zu sein, viel lieber sammelt man social points beim Engagement für Behinderte, Ehrenamt, Elternzeit, Migrationsarbeit…..nicht nur in Schweden, BRD sondern auch in den USA….beliebt bei Hochschulabgängern.

    Die Politik der Gleichheit steht außer Zweifel und bedeutet in einem Wort: Sozialdemokratismus.

    So allmählich haben wir DEUTSCHEN das Eigenkapital unserer Generationenbillanz verfressen und sehen weiter ungerührt zu, wie uns die Konkurrenz abhängt. Gerne verkaufen wir Wissen/Patente um dem Käufer bis zur Werksschließung unsere Vorstellung von Arbeitnehmerrechten zu lehren….

    Gleichheit durch Mittelmaß, nicht nur in der ganz hohen Politik- sondern überall.

    Keine demokratische Wahl ändert das mehr, so wenig wie man faule Kredite weginflationiert oder Blinde sehend macht.

    #es ist vollbracht

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    Thomas M. sagte:

    Mathe, Mathe, Mathe… ich hab das Buch nicht gelesen, daher folgendes nicht als Kritik, sondern als Denkanstoß.

    Mathe-Fähigkeiten dürften die bequem und leicht zu messende Variable für eine ganze Reihe von latenten und nicht direkt beobachtbaren Variablen sein. Spontan fallen mir ein: Leistungsmotivation der Kinder und späteren Erwachsenen, kognitive Leistungsfähigkeit (Gedächtnis, Intelligenz, Konzentrationsfähigkeit) und Bildungsumfeld und somit Zugang zu Bildung. Ich vermute einmal, dass in den Klassen mit den Mathe-Assen auch viele Fitte in anderen Fächern sind.

    Ist ja schön, wenn die Mathe-Asse tollen Code programmieren, aber für den Content und die Vermarktung und Unternehmensführung braucht es dann wohl doch noch ein paar andere Skills. Es gibt nicht umsonst Arbeitsteilung in Startups / Unternehmen, wo sich die Nerds im stillen Kämmerlein einbuddeln, während andere z.B. durch die Gegend touren, netzwerken, überzeugen, organisieren, konzipieren etc. pp. und mit Mathe so gar nix am Hut haben.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Thomas M.

      Ganz sicher braucht es auch andere Fähigkeiten als logisches Denken, wenn es um den unternehmerischen Erfolg geht.

      Am Ende braucht es aber IMMER auch logisches Denken, insbesondere dann, wenn auf Algorithmen basierende Roboter und Apps immer mehr die Produkte sind, die unser Leben bestimmen und damit auch, was wir unter Wohlstand verstehen.

      In diesem Denken ertüchtigt man sich nun mal am besten mit Mathematik.

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        Richard Ott sagte:

        @Thomas M.

        „Ist ja schön, wenn die Mathe-Asse tollen Code programmieren, aber für den Content und die Vermarktung und Unternehmensführung braucht es dann wohl doch noch ein paar andere Skills. Es gibt nicht umsonst Arbeitsteilung in Startups / Unternehmen“

        Ohne Coder wird es aber schwierig für die Marketing-Abteilung im IT-Unternehmen, die hat dann nämlich kein Produkt, das sie verkaufen könnte. Nur Human Resources würde es in so einer Situation wahrscheinlich schaffen, sich den ganzen Tag mit sich selbst zu beschäftigen, im Zweifelsfall organisiert man halt eine „Diversity Week“…

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        Thomas M. sagte:

        @Hr. Ott: Ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dieses Thema ganzheitlich zu betrachten. Der Coder kann nicht ohne Kapital, Organisation, Marketing etc. pp. und letztere können nicht ohne Coder.

        Die beste Arbeitsbeschaffungsmaßnahme bleibt m.E. die Bürokratie, insbesondere in Form von Dokumentationen, die nie wieder gelesen werden und von denen keiner ein Jahr später – nach der nächsten Umstrukturierung – weiß, dass es sie gibt. Daher lohnt sich auch zu dokumentieren, dass dokumentiert wird. ;)

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        Richard Ott sagte:

        @Thomas M.

        Bei den Programmierern wird man auch genügend Leute finden, die verkaufen oder führen können, die mit rhetorischem Talent halten Ihnen dann sogar ganze Vorträge über „ganzheitliche Betrachtungsweisen“ im Management. Andersrum ist das schon schwieriger, wenn Sie arbeitslosen Absolventen der modernen Geschwätzwissenschaften „Learn to code“ vorschlagen, bekommen die ja schon Schreikrämpfe weil das angeblich „Hatespeech“ ist.

        Das sind die gleichen Typen, die gerade irgendwelche neomarxistische grüne Gesellschaftsutopien erfinden, die nur mit völlig neuen Technologien funktionieren könnten, und dann fordern, dass die Ingenieure die benötigten Technologien doch gefälligst entwickeln sollen.

        Und was mit einer Volkswirtschaft passiert, wenn man MINT vernachlässigt und die Universitäten mit Pseudowissenschaften wie Gender Sciences oder Feminist Studies intensivverblödet, können Sie ja gerade in Deutschland beobachten. Den gleichen Trend gibt es auch in den USA, aber einer Ihrer Standortvorteile ist, dass Sie sich in nahezu unbegrenzter Menge Absolventen mit wirklich nützlichen Fähigkeiten aus dem Ausland holen können, und die sind dann auch noch deutlich günstiger als Einheimische, weil sie in ihren Herkunftsländern meistens viel niedrigere Studienkosten hatten als in den USA und daher niedrigere Gehälter akzeptieren können als hochverschuldete amerikanische Absolventen.

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        Thomas M. sagte:

        @Hr. Ott: Zum Thema Gender Sciences und „Intensivverblödung“. Das Fach – so es überhaupt als eigene Fach angeboten wird – spielt mit wenigen Promille in Relation zu allen anderen Fächern keine praktische Rolle an der Uni. Auch sind die Anteile in den Fachgruppen keinen größeren Änderungen unterworfen.

        Ich roll bei dem Thema die Augen, weil ich das Gefühl hab, dass sich die Unis zig Jahrzehnte zu spät des Themas annehmen und jetzt ein Hype draus wird und man sich progressiv gibt – während die Feministen vor rund einem Jahrhundert gegen echte Unterdrückung gekämpft hatten und ich z.B. noch in den 90ern fast 0 Berührungspunkte mit Geschlechtereffekten in der Forschung hatte und das damals befremdlich fand.

        Insofern für mich eher ein Testat, wie verkrustet die Unis und die Forschung waren – und jetzt wird überkompensiert, um sich progressiv zu geben… (und die Fördermittel zu bekommen)

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        Richard Ott sagte:

        @Thomas M.

        „Das Fach – so es überhaupt als eigene Fach angeboten wird – spielt mit wenigen Promille in Relation zu allen anderen Fächern keine praktische Rolle an der Uni.“

        Auf diese Art und Weise könnten Sie auch die Einrichtung einer „Professur“ für Homöopathie oder Transzendentalreisen oder irgendwelchen anderen Esoterik-Quatsch rechtfertigen.

        Das grundlegende Problem ist, dass die Fachrichtung kompletter Blödsinn ist. Das ist genau so wenig „progressiv“ wie Marxismus-Leninismus eine „wissenschaftliche Weltanschauung“ ist, wie es in der DDR so oft staatlicherseits hieß.

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        Alex Schmitt sagte:

        @Thomas M.:
        Die Frage ist, welche Gründe / Ursachen eine gute Leistung in Mathematik hat. Mögliche dafür sind der Wille ein Problem zu lösen, die Geduld sich damit auseinanderzusetzen und die Frustrationstoleranz, zu Scheitern. Alle führen zu mehr Erfolg im Beruf, unabhängig von der Aufgabe. (Die Zeit, sich mit einer für ein bestimmtes Alter „unlösbaren“ Aufgabe zu beschäftigen ist in Asien signifikant höher als in westlichen Ländern, spiegelt sich in den Mathematik-Ergebnissen wieder.)
        Ein Programmierer dagegen muss häufig nicht mehr denken, sondern nur noch umsetzen. Lösungen gibt es alle bei Google, Lösungskompetenz dagegen eher an anderer Stelle.

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    Tobias W. sagte:

    Ich muss sagen, dass ich etwas überrascht bin, wie verächtlich teilweise über das Thema Inklusion gesprochen wird.

    Hier mal ein Beispiel zum Nachdenken.

    Mein Arbeitgeber in den USA ist eines der wertvollsten (IT) Unternehmen der Welt, mit einem Year to Date Return von mehr als 47% und führend in vielen Schlüsseltechnologien, sowie mit einer wachsenden, dominanten Marktstellung als Plattformanbieter für öffentliche Cloud Dienste und damit verbundenen Technologien. Mit Blick auf ethnische Minderheiten setzt sich die Mitarbeiterschaft in den technischen Berufsgruppen in den USA zu 3,3% aus Afro-Amerikanern/Schwarzen, 0,6% amerikanischen Ureinwohnern, 40,1% Asiaten, 4,9% Latinos, 2% gemischt, 0,1% Pazifische Ureinwohner zusammen. In den technischen Berufsgruppen machen die so genannten Minderheiten bereits 50,9% der Mitarbeiter aus. Der Frauenanteil in technischen Rollen liegt bei etwa 21%. Mein Arbeitgeber zieht die besten der Branche aus aller Welt an.

    In anderen Worten: innerhalb der Gruppe, die durch ihr technisches Wissen und ihre Fähigkeiten das Unternehmen mit neuen, innovativen Produkten und Diensten und Technologien nach vorne bringen, herrscht eine große Vielfalt an Ethnien, Sprachen, Religionen und Kulturen. Die produktive Zusammenarbeit in diesem Umfeld funktioniert nur mit einer aktiv gestalteten Firmenkultur der Inklusion. Und die aktive Gestaltung dieser Firmenkultur ist auch genau die ursächliche Errungenschaft der Firmenleitung und des Erfolgs der Firma, die vor noch weniger als 7 Jahren bereits als Dinosaurier abgeschrieben wurde.

    Und meinen Sie, Deutschland wird es gelingen sich am weltweiten Wettbewerb um die Weltbesten erfolgreich zu beteiligen, wenn es in Deutschland nicht ebenfalls ein Bewusstsein für Inklusion gibt? Mit Integrationspflicht und deutschen Leitkultur Vorgaben wird man in Deutschland den Wettbewerb um die besten Zuwanderer nicht gewinnen können. Es ist dann auch egal, wie hoch oder niedrig die Steuern und Abgaben in Deutschland sind…

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      Markus sagte:

      @Tobias W.:
      Ich denke, mit Inklusion ist die Unterrichtung von Menschen mit Behinderung in normalen Klassen gemeint. Ich sehe bei Ihrer Aufzählung keine Inklusion.

      Zu dem Artikel: Auch wenn ich glaube, dass dieser TIMMS-Test sicher tendenziell richtig liegt, so kommen mir die genannten Zahlen schon sehr extrem vor. Jeder zweite Einwohner aus Singapur ist ein Matheass und 4 von 10 zehn Einwohnern in Südkorea gegenüber 2,5% in Frankreich… Ich habe sowohl in F ans auch in Südkorea gelebt und diese Diskrepanz ist mir nicht aufgefallen.

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      Elektroheini sagte:

      „… herrscht eine große Vielfalt an Ethnien, Sprachen, Religionen und Kulturen“

      Ich interpretiere die genannten Zahlen ganz anders, „technisches Wissen und … Fähigkeiten“ in dem US-Unternehmen beruhen zu 90% auf Ostasiaten (und den nicht genannten ?Weißen? ?). Das ist alles andere als eine repräsentative Vielfalt der Ethnien…
      eher ein Zeichen, dass man selbst mit entsprechendem Anspruch und Willen (wurde ja explizid erwähnt) nur das inkludieren kann was auch inkludierbar ist.
      M.E. bestätigt das Unternehmen genau den Tenor von Heinsohn.
      Es ist keine Einschränkung, dass Heinsohn Länder/Volkswirtschaften betrachtet und wir gerade die große Lupe in der Hand halten und auf eine einzelne Firma schauen.
      Wir sehen den gleichen Schlamassel.

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        Tobias W. sagte:

        Wo haben Sie die 90% her? 40,1% sind Asiaten, nicht 90%. Und diese 40,1% sind auch extrem divers – viele Inder, viele Chinesen, aber eben auch andere Asiaten. Und alleine die Gruppe der Inder ist wiederum extrem divers was Sprache, Religion und Kultur angeht. Man kann diese 40,1% Asiaten nicht als homogene Gruppe gleicher betrachten.

        Der Grund warum ich dieses Beispiel gebracht habe: ich habe lange in Europa in gearbeitet, bevor ich in die USA gegangen bin. Nirgends in Europa gibt es Belegschaften in Firmen, die so divers und unterschiedlich sind wie in den großen US Techfirmen. Und ohne diese Vielfalt gibt es weder auf gesellschaftlicher, noch auf unternehmerischer Ebene Erfahrungen mit der Inklusion derart unterschiedlicher Belegschaften.

        Warum ist das wichtig? Weil man als Gesellschaft und Arbeitgeber nur die besten der Welt anlocken kann, wenn man ein Umfeld schafft, das Inklusion fördert. Ein Grund warum Deutschland nur den Bodensatz der globalen Migration anlockt, hängt auch stark damit zusammen, dass Deutschland kein attraktives Land für hochbegabte Ausländer ist. Der Blick auf monetäre Anreize ist wichtig, aber ob und wie sich Ausländer in Betrieben wohl fühlen, ob und wie sich ihre Familien in der Gesellschaft wohl fühlen, ist ebenso wichtig. Zuwanderer entscheiden nicht nur nach monetären Aspekten, sondern vor allem auch nach familiären Aspekten.

        Nur mal so am Rande: wenn sich Jens Spahn darüber beschwert, dass in Berlin Kellner Gäste in Englisch bedienen und nicht in Deutsch, dann ist das der Sache nicht unbedingt förderlich.

      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter sagte:

        Sehr geehrter Tobias, ich denke es geht immer nur um Bildung dabei. Ich habe wie Sie mit Menschen aller Religionen, Hautfarben, sexueller Orientierung,…..sehr sehr gut jahrelang zusammengearbeitet und das war nicht nur produktiv, sondern auch persönlich super. Ich genieße es immer wieder erneut in diesem Umfeld zu sein. Was das mit dem Bildungsniveau zu tun hat, hat Heinsohn in einem anderen Artikel den wir auch bei bto besprochen haben, schön erklärt: https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/was-die-bevoelkerungen-verstehen-und-die-eliten-leugnen/

        Liebe Grüße

        DSt

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Tobias W. , Dr. Stelter

        Sie legen dar, dass Inklusion eine maßgebliche Determinante ist, weil sie eine Gesellschaft öffnet, für viele Unternehmen als unverzichtbarer Erfolgsfaktor im internationalen Wettbewerb gilt und darüber hinaus vor allem im Beruf persönlich bereichernde Erfahrungen vermittelt.

        Ich kann das aus eigenem Erleben unterschreiben und stimme zu, dass Bildung die dafür unabdingbare Voraussetzung ist.

        Das ist die WIN-WIN-WIN-Betrachtung.

        Sie muss ergänzt werden durch den Verweis auf einen weiteren Aspekt, wenn das Gewinner-Szenario in UMFASSENDEM GELINGEN aufgehen soll.

        Der Verweis betrifft Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen mit Inklusion nicht nur nichts anfangen können, sondern mehr noch: sie als BEDROHUNG ihrer IDENTITÄT empfinden.

        Sie verbinden damit nicht Bereicherung, sondern Verlust.

        Das ist als Sachverhalt einfach zur Kenntnis zu nehmen – das Warum und Wieso ändert erst einmal nichts daran.

        Damit wird bedeutsam, dass die Gesellschaft gespalten ist und eben nicht (nur) in Spaltung geredet wird.

        Es geht um eine fundamentale Konfliktsituation, die m. A. n. wie folgt richtig beschrieben wird:

        „Etwas vereinfacht und klischeehaft: Dem IT-Spezialisten eines grossen Softwareunternehmens sind seine Kollegen aus Spanien, Indien und Uruguay gegebenenfalls näher als das kleinbürgerliche Vorstadtmilieu, dem er entstammt. Der Identifikationsraum kippt vom Räumlichen und Diachronen ins Synchrone der jeweiligen Gewohnheiten und Präferenzen. Der Habitus dieser Elite wird nicht bestimmt durch die Traditionen ihrer Heimat und Herkunft, sondern durch die Regeln, die Moden, die Denkungsart und den Lifestyle ihrer global präsenten Klasse.

        Das führt zwangsläufig zu Konflikten mit jenen Menschen, die in der diachron und räumlich verorteten Welt leben. Denn hier werden nicht einfach nur andere Werte gelebt. Der Dissens besteht schon hinsichtlich der Grundlage der jeweiligen Werte, Ideale und Ziele … also das Pochen auf grundlegende Traditionen, die nicht oder zumindest nicht grundlegend infrage gestellt werden und sich aus lokalen Ressourcen speisen.“

        Wird das anerkannt, ist auch einzusehen, dass es nicht mehr um ein WINNER-Szenario geht, sondern um gesellschaftliche STABILITÄT, ohne die es für niemanden ein Gewinnen gibt.

        Wie gehen wir damit um, vor allem WIR, die wir über BILDUNG verfügen und damit die Befähigung, die eigene Sichtweise kritisch zu hinterfragen, um vor einem scheinbar unantastbaren Wahrheitsanspruch gefeit zu sein?

        Ein Vorschlag:

        „Es ist … unwahrscheinlich, dass sich die Risse, die sich in den westlichen Gesellschaften zeigen, tatsächlich schnell kitten lassen, eben weil es im Kern um einander ausschliessende Lebensentwürfe und Kulturkonzepte geht. Man muss sich daher wohl von der Illusion verabschieden, es gebe so etwas wie einen Grundkonsens, und vielmehr lernen, den Dissens politisch zu organisieren.“

        Es ist – leider – ein Dissens, der sich durch extensive Inklusion verschärft.

        Aus meiner Sicht ist dem Zitat hinzuzufügen:

        Wenn wir die politische Organisation konstruktiv schaffen wollen, sollten wir die ANDEREN mitdenken und die anderen UNS, sobald einer von sich und für sich spricht.

        Meine Bemerkungen und die Zitate stellen Ihre Auffassungen nicht ins Abseits, sondern sollen lediglich ein Anstoß sein, sie gesamtgesellschaftlich einzuordnen.

        Ich empfehle, den Aufsatz in der NZZ, dem die Zitate entnommen sind, zu lesen. Er wirft einen erhellenden und m. A. n. zutreffenden Blick auf die gesamtgesellschaftliche Befindlichkeit der westlichen Welt. Sie ist so etwas wie der eingefärbte Hintergrund für alles, was wir am Blog konkret mit Daten und Fakten zu belegen suchen.

        Hier:

        https://www.nzz.ch/feuilleton/die-neuen-globalen-eliten-wie-sie-ticken-ld.1521130

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        Ulrich Remmlinger sagte:

        @ D. Tischer
        „Dem IT-Spezialisten eines grossen Softwareunternehmens sind seine Kollegen aus Spanien, Indien und Uruguay gegebenenfalls näher als das kleinbürgerliche Vorstadtmilieu, dem er entstammt.“

        Herr Tischer, es ärgert mich maßlos, wenn jeder, der diese Art der Inklusion ablehnt, als Kleinbürger aus der Vorstadt abqualifiziert wird. Ich habe 3 Jahre lang in führender Position in der Entwicklungsabteilung von General Motors in Detroit gearbeitet. Ich habe diese angeordnete Diversity und die Stellenbesetzung nach Quote hautnah erlebt. Das war keinesfalls eine Win-Win-Situation. In Bezug auf Effizienz und Produktqualität war es eine Katastrophe. Ständig haben sich die verschiedenen Ethnien belauert, ob auch alle „gerecht“ behandelt werden. Ein Algerier in meiner Abteilung fühlte sich bei jeder meiner Anweisungen in seiner Macho-Ehre gekränkt. Ich habe später ein gleiches Produkt in einem deutschen Unternehmen mit einheimischen Mitarbeitern mit 2/3 der Personalstärke in wesentlich besserer Qualität entwickelt. In D konnte man sich auf Zuruf verständigen. Wenn ein Mitarbeiter den Dipl.-Ing. an einer deutschen Universität erworben hatte, dann wußte ich, was der kann und konnte mich auf ihn verlassen. In USA habe ich dagegen beim Wissensstand der Mitarbeiter die schlimmsten Überraschungen erlebt.
        Diese Forderung nach Diversity ist reine Ideologie. Wie bereits gesagt, ist der wirtschaftliche Nutzen bisher in keiner wissenschaftlichen Studie belegt worden.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Ulrich Remmlinger

        Wir müssen unterscheiden, sonst lassen sich die Dinge nicht klären.

        Einige m. A. n. generell richtige Aussagen, die unterscheiden:

        a) Diversity ist UABDINGBAR für unternehmerischen Erfolg, wenn er auf globaler Ebene erreicht werden muss. Ich brauche keine wissenschaftlichen Studien, um aus Erfahrung einzusehen, dass ein deutsches Unternehmen in Japan oder China ohne Deutsche UND Japaner oder Chinesen und ohne den einen oder anderen Polen oder Inder anderswo nicht erfolgreich sein kann.

        b) Diversity ist meiner Erfahrung nach prinzipiell kein Problem für die Unternehmen und seine Mitarbeiter, wenn sie FREIWILLIG und bezogen auf die UNTERNEHMENSZIELE, d. h. ohne regulative Eingriffe durch den Staat und Gewerkschaften etc. erfolgt.

        Heißt:

        Der Algerier in Ihrer Abteilung bei GM in Detroit hätte nicht eingestellt werden dürfen. Man hätte jemanden einstellen müssen, evtl. einen anderen Algerier, der z. B. an einer US-Uni das LEISTUNGSVERHALTEN so verinnerlicht hätte, dass er sein kulturelles Algeriersein im JOB als irrelevant erachtet haben würde. Im Job, außerhalb keineswegs.

        c) Die Menschen, die derartige unternehmensbezogene Diversity BEWUSST akzeptieren und sie beruflich PRAKTIZIEREN, disqualifizieren in aller Regel denjenigen, die diese oder auch Diversity/Inklusion generell ablehnen, NICHT als Kleinbürger aus der Vorstadt ab.

        Vielmehr:

        Sie beachten sie kaum, weil sie in ihrem Arbeits- und Privatleben kaum in Erscheinung treten, und wenn doch, tolerieren sie Kleinbürger als andere, denen sie mitunter zu Recht IGNORANZ unterstellen mit Bezug auf unternehmerische Anforderungen gerade auch bezüglich der Mitarbeiter-Diversity.

        Das zu dem, was Sie aus Ihrer beruflichen Erfahrung berichten.

        Ich vermute, dass es zu Ihrer Zeit bei GM in Detroit REGULATIVE Bedingungen für Diversity gab, die heute zumindest für Unternehmen wie Amazon/Seattle nicht gelten, ja da nicht einmal mehr denkbar sind

        Darüber hinaus mein Verweis in dem Kommentar zu Tobias W. und Dr. Stelter:

        d) Diversity ist über die engeren Unternehmenswelten für Gesellschaften vorteilhaft – bis zu der Grenze, ab der sie KONFLIKTE schafft.

        Denn Menschen arbeiten nicht nur in einem Umfeld, das für sie und die Unternehmen vorteilhaft ist, sondern sie LEBEN oftmals auch in einem Umfeld, das in aller Regel zumindest teilweise völlig andere Werte hat, andere Ziele verfolgt und auf anderen Lebensweisen als sie besteht.

        In einem noch weiteren Umfeld, insbesondere im ländlichen Raum, ist das Andere noch viel stärker, auch wenn hier die Betroffenheit vielfach nur eine indirekte ist, die gleichwohl eine wirksame ist.

        und

        e) Diese Menschen, nennen wir sie ruhig prototypisch Kleinbürger aus der Vorstadt, habe ein originäres Recht, ihre Lebensweise und ihre Interessen gewahrt zu sehen. Es sind NICHT ewig Gestrige, die sich überleben werden, sondern Mitbürger, die HEUTE berechtigte Ansprüche gelten machen können.

        Es mag ja sein, dass sie mancherorts schon in der Minderheit sind oder zukünftig zu einer derartigen werden.

        Selbst dann gibt es für sie MINDERHEITENRECHTE, die eben nicht „Artenschutz“ sind.

        Die Befürworter von Diversity haben das zu beachten, damit die Gesellschaft stabil bleibt.

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      Martin S. sagte:

      @Tobias W. „….wenn es in Deutschland nicht ebenfalls ein Bewusstsein für Inklusion gibt? “

      Das verstehe ich nicht. Wo sollte dieses Bewusstsein fehlen, vor allem bei vergleichbaren deutschen Weltkonzernen? Die Zusammensetzung Nichtdeutscher ist in Deutschland anders. Es gibt weniger Asiaten, Latinos oder Schwarze. Der größte Anteil Nichtdeutscher sind Türken, ansonsten gibt es viele aus Osteuropäischen Ländern / Balkanstaaten. Wo diese entsprechende Qualifikation haben ist Inklusion in das entsprechende Umfeld kein Thema.

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      • Avatar
        Tobias W. sagte:

        „Wo diese entsprechende Qualifikation haben ist Inklusion in das entsprechende Umfeld kein Thema.“

        Dass Inklusion auf diese Art ein Selbststarter ist, kann ich nicht bestätigen.

        Und die Art und Weise, wie Sie den Satz formulieren, zeigt auch schon das typische deutsche Problem mit dem Begriff Inklusion. Sie verwechseln Inklusion mit Integration. Ihr Satz ist semantisch nicht korrekt mit dem Wort Inklusion, aber er wird sofort korrekt, wenn man das Inklusion durch Integration ersetzt. Wo ist der Unterschied? „In ein Umfeld“ integriert man sich. Inklusion geht von einem Umfeld aus, nicht in das Umfeld ein. Ein inklusives Umfeld ist durchlässig für vielfältige Teilnehmer und bewahrt die Vielfalt. Eine integrierte Gesellschaft ist per Definition weniger vielfältig. Es ist aber genau dieser Wunsch und diese Forderung nach Integration und der Ablehnung von Vielfalt, die die politische und gesellschaftliche Diskussion um Zuwanderung antreibt – nicht nur bei der AfD, auch bei Union und SPD.

        Man kann aber nicht beides haben – keine Vielfalt, dafür glückselige deutsche Leitkultur und gleichzeitig die besten der Welt anlocken. Das war mein eigentlicher Punkt. Ein Inder will auch in allen Aspekten ein Inder bleiben, wenn er nach Deutschland zum Arbeiten kommt. Das trifft auf die meisten hochbegabten Migranten zu.

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      troodon sagte:

      @ Tobias W
      „Ich muss sagen, dass ich etwas überrascht bin, wie verächtlich teilweise über das Thema Inklusion gesprochen wird.“

      Ist dies eine ganz allgemeine Aussage von Ihnen oder beziehen Sie sich auf konkrete Äußerungen hier im Thread bzw. Blog ? Wenn es Letzteres ist, welche Äußerungen meinen Sie konkret ?

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Tobias W.

      Ich beziehe Ihren Beitrag auf mich, weil ich AUSDRÜCKLICH von Inklusion gesprochen habe und antworte Ihnen daher.

      Erstens:

      Ich habe Inklusion nicht verächtlich gemacht, sondern aufgezeigt, dass sie m. A. h. in Deutschland als mehrheitlich gewollte bzw. nicht widersprochene Zielsetzung das Bildungssystem dominiert.

      Als Beleg dafür wäre der prominente CDU-Politiker Linnemann zu nennen, der diese Zielsetzung kürzlich als nicht dienlich für ein besseres Bildungssystem kritisiert hatte, wenn der deutschen Sprache nicht mächtige junge Menschen zusammen mit denen unterrichtet werden, die sie zumindest auf einem für Lernerfolge erforderlichen Kompetenzniveau beherrschen. Er wurde daraufhin von seiner Partei totgeschwiegen und löste erst recht keinen Widerhall in der Öffentlichkeit aus.

      Meine Auffassung kann selbstverständlich als nicht zutreffend erörtert und beurteilt werden, aber mir stattdessen Verächtlichmachung zu unterstellen (wenn das von Ihnen so gemeint sein sollte), ist leider ein Beispiel dafür, woran unsere Debattenkultur krankt.

      Zweitens:

      Was Sie über Ihr Unternehmen schreiben, ist die Inklusion von technischen Mitarbeitern in USA.

      Ihre Aussage

      >Die produktive Zusammenarbeit in diesem Umfeld funktioniert nur mit einer aktiv gestalteten Firmenkultur der Inklusion>

      ist zwar so richtig wie sie für ALLE Unternehmen richtig ist, die mit einer Vielfalt von Ethnien international erfolgreich tätig sind, aber IRREFÜHREND mit Bezug auf die Thematik, um die es hier geht.

      Wollten Sie relevant argumentieren, müssten ergänzen, dass sich die technischen Mitarbeiter, die Amazon in und von USA aus zu einer DOMINANTEN Marktstellung verholfen haben, mit inklusiver Bildung wie sie in Deutschland verstanden wird, d. h. mit INEFFIZIENTEM Lernen die Voraussetzungen erworben haben, um die Jobs auszuüben, die sie innehaben.

      Im einen oder anderen Fall mag das durchaus so erfolgt sein, aber ist es DURCHÄNGIG so?

      Ich kenne Amazon inside nicht, würde aber aufgrund meiner langjährigen Erfahrung als Beschäftigter und Berater technisch weltweit erfolgreicher Unternehmen sagen:

      Es ist nicht so.

      Drittens:

      >Und meinen Sie, Deutschland wird es gelingen sich am weltweiten Wettbewerb um die Weltbesten erfolgreich zu beteiligen, wenn es in Deutschland nicht ebenfalls ein Bewusstsein für Inklusion gibt?>

      Das BEWUSSTSEIN gibt es doch – im Bildungsbereich z. B. und nicht nur dort.

      Es gibt dieses Bewusstsein u. a. im Gesundheits- und Pflegebereich, in denen Menschen von außerhalb (Kosovo, Vietnam und demnächst wohl auch Mexiko) inkludiert und integriert werden.

      Ihre Frage geht daher am Problem vorbei.

      Sie müsste lauten:

      GENERIEREN wir hierzulande mit schulischer Inklusion hinreichend die FÄHIGKEITEN, die Deutschland zukünftig im weltweiten Wettbewerb bestehen lassen?

      Offensichtlich nicht entsprechend der Datenlage, ist die Antwort.

      Wenn wir uns daraufhin durch EINWANDERUNG diese Fähigkeiten beschaffen, wie etwa Ihr Unternehmen AMAZON es tut – wofür Sie ein Beleg sind –, und SO Inklusion betreiben sollten, kann ich nur antworten:

      Wir bekommen sie nicht und daher stellt sich die Frage auch nicht.

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        Thomas M. sagte:

        Nur eine persönliche Anmerkung; Zahlen habe ich keine: In Düsseldorf und Peripherie kann ich nicht feststellen, dass sich Deutschland der Inklusion „aktiv widersetzt“. Wir haben hier z.B. in unserer relativen Nachbarschaft zwei HiTech-Mittelständler, wo genügend Inder (?) und Asiaten arbeiten. Und andere europäisch Aussehende sprechen auch oft genug Englisch, teilweise mit Akzent. Bei internationalen Konzernen gibt es auch jede Menge anderer Nationalitäten. Ganze Teile von DDorf könnten auch sonst wo auf dem Planeten sein – wenn es nur nach den Nationalitäten der Passanten und gesprochenen Sprachen geht.

        Wenn wir in absoluten Zahlen weniger hochqualifizierte Einwanderer haben, liegt das wohl seltener an *allgemeiner* Deutschtümelei – zumindest in unseren Metropolen – sondern eher an der Anzahl für HiTech-Immigranten relevanter Arbeitgeber und Verdienstmöglichkeiten in Deutschland.

        Mein Eindruck ist, dass die Medien hierzu verzerrte Bilder entwerfen, weil es so schön ins Narrativ passt. Ist schon klar, dass man auf dem Ländle homogener ist. Aber in den deutschen Metropolen ist Inklusion wohl kaum ein Problem. Also letztlich auch nicht viel anders als in den USA.

        Davon gedanklich sauber zu trennen – wie Herr Tischer und Herr Remmliger es ansprechen – ist schulische Inklusion. Da geht es wohl weniger um Ethnien als vielmehr unterschiedliche Leistungsniveaus. Ich finde eine gesellschaftliche Separierung basierend auf schulischer Leistungsfähigkeit zunächst einmal höchst problematisch, aber wenn man motivierte und Top-Gebildete möchte, geht das nur in einem entsprechenden Leistungsumfeld. Ob nun Gesamtschulen mit speziellen Leistungskursen für Begabte einen guten Kompromiss darstellen? Ich weiß es nicht…

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      Ulrich Remmlinger sagte:

      Meines Wissens gibt es nirgendwo eine wissenschaftliche Untersuchung, die nachweist, daß ein Unternehmen, das Inklusion oder Quoten bei der Stellenbesetzung zur Unternehmensleitlinie gemacht hat, wirtschaftlich besser abschneidet, als Unternehmen mit ethnisch homogenen Belegschaften. Falls jemand jetzt anekdotische Beispiele bringt, die für Inklusion sprechen sollen, dann kann ich mit gegenteiligen Erfahrungen in Firmen in USA und D dagegenhalten. Anekdotische Beispiele sind also kein Beweis.
      Falls es tatsächlish eine wissenschaftliche Untersuchung zum Thema gibt, revidiere ich gerne meine Meinung.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Ulrich Remmlinger

        Völlig klar, dass anekdotische Beispiele keine Beweiskraft haben.

        Aber es geht nicht um ein Unternehmen im Sinn von „Unternehmen allgemein“.

        Der Schreinermeister in Deutschland mit 5 deutschstämmigen Beschäftigten, alle davon handwerklich gut und darüber hinaus fähig, mit den Kunden auch über spezielle fachliche Aspekte lösungsorientiert kommunizieren zu können, dürfte vermutlich wirtschaftlich erfolgreicher sein, als einer mit ethnisch nicht homogener Belegschaft, die nicht hinreichend verstehen und erklären kann.

        Insofern haben Sie Recht:

        Ein solches Unternehmen kann auf Inklusion verzichten und dabei sogar erfolgreicher sein als mit Inklusion.

        Tobias W. hat jedoch den Rahmen für international tätige Unternehmen gesteckt.

        Diese können nicht auf eine ethnisch inhomogene Belegschaft verzichten.

        Die Frage ist daher, welche VORAUSSETZUNGEN deren Mitarbeiter*innen mitbringen müssen und unter welchen BEDINGUNGEN in der Schule – Inklusion oder nicht Inklusion weniger Kompetenter – sie diese Voraussetzungen erwerben können.

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        Tobias W. sagte:

        Herr Tischer,

        in erster Linie ging es mir nicht darum aufzuzeigen, was die Mitarbeiter mitbringen müssen, sondern welches Umfeld die Unternehmen (und die Gesellschaft) bieten muss, um im Wettkampf um die Klugen zu gewinnen. Die Klügsten können sich nämlich aussuchen, für wen und wo sie arbeiten. Und da die Klügsten eine extrem diverse Gruppe sind, muss eine Gesellschaft und eine Volkswirtschaft, welche die klügsten aus aller Welt anlocken will, auch dafür sorgen, dass die Voraussetzungen dafür stimmen – und das fängt mit dem Umfeld an, nicht den Migranten.

        Beste Grüsse,

        Tobias W.

      • Avatar
        Ulrich Remmlinger sagte:

        @ Herrn Tischer
        Herr Tischer, ich glaube, Sie verstehen Inklusion anders als Tobias W. und ich es verstehen. Sie schauen sehr stark auf die Schule. Tobias W. und ich verstehen darunter ein Umfeld im Unternehmen, das sich an die verschiedenen Ethnien so anpaßt, daß die Migranten ihr gewohntes Leben weiterführen können, ohne sich (so wie man es in D nennt) „integrieren“ zu müssen. Die USA wollen heute nicht mehr der melting-pot von früher sein, sondern eine salad-bowl.

        Meine Zweifel an der Diversity, wenn sie als Ideologie gefordert wird, bezog sich auch auf international agierende Unternehmen. Versuchen Sie einmal in Japan oder China eine Niederlassung zu gründen und besetzen Sie diese mit Mitarbeitern aus aller Herren Länder. Sie werden scheitern. Meine Firma hatte in Tokio nur 3 oder 4 Deutsche platziert, der Rest waren ausschließlich Japaner. Umgekehrt gab es hier im Stammwerk in D fast ausschließlich Eingeborene. Wenn Sie ideologisch vorgehen und sich nicht an örtliche Anforderungen anpassen können Sie nur scheitern.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Tobias W. + Ulrich Remmlinger

        Es ist richtig, dass es auf das Umfeld ankommt, auf Offenheit, Toleranz und Akzeptanz von Anderssein – also so etwas wie die „Mentalität“ der Gesellschaft.

        Ich glaube, dass da die USA, Kanada, Australien und sicher auch noch ein paar andere Länder uns voraus sind.

        Bei den international tätigen deutschen Unternehmen gibt es daher sicher noch Verbesserungsbedarf, aber auf den obersten Managementebenen sehe ich kaum Vorbehalte. Sie treffen jedoch auf Restriktionen, weil die deutsche Gesellschaft nicht so offen ist, wie sie es sich mitunter wünschen.

        Das hat sich aber mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz in die richtige Richtung geändert, da die Politik den Handlungsbedarf erkannt hat.

        Dass es national ÜBERALL Beschränkungen gibt, die den Inklusions- bzw. Diversifikationsbemühungen internationaler Unternehmen zuwiderlaufen, ist natürlich richtig.

        Es gibt tief liegende Gründe dafür.

        Ein Beispiel:

        Mir wurde über chinesische Mitarbeiter ohne Auslandserfahrung im Gesundheitsmanagement eines in China ansässigen deutschen Unternehmens berichtet, dass sie zwar Zielvereinbarungen und deren Erreichung als Leistungskriterium akzeptieren würden (weil sie es müssen), aber eine BEWERTUNG ihrer Leistung entsprechend der Abarbeitung von Check-Listen erwarten und dabei die Zielerreichung als unbeachtlich ansehen.

        Soweit, denke ich, haben wir keinen grundsätzlichen Disput.

        Es geht aber auch darum, WER in einem wie auch immer inkludierenden Umfeld, in dem der Wettbewerb von Kompetenzen SELEKTIERT, eine Chance hat.

        Die Klügsten haben sie praktisch überall, keine Frage.

        Der große Rest muss möglichst kompetent sein und da ist eben die Frage, ob er das bei der hierzulande herrschenden gesellschaftlichen Vorstellung, dass Inklusion in der SCHULE vorrangig sei, in hinreichendem Maß werden kann.

        Darum geht es mir mit Blick auf die Frage, die sich Dr. Stelter gestellt hat.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        Inklusion an deutschen Schulen bedeutet ganz konkret, dass sonderpädagogische Schulen aufgelöst werden und diese Kinder, Lehrer und Betreuer auf normale Schulen verteilt werden: https://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/zukunft-bildung/213296/inklusion-worum-es-geht?p=all

        Wie nicht anders zu erwarten wäre, ist das viel ineffizienter als wenn Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf dafür spezialisierten Schulen unterrichtet werden, letztendlich wird die Qualität der Bildung durch diese Maßnahme für alle Kinder, Behinderte und Nichtbehinderte, schlechter.

        Das ganze entsteht mal wieder aus der typisch deutschen Krankheit heraus, von der UN geprägte Rechtsnormen, in diesem Falle die UN-Behindertenrechtskonvention, besonders allumfassend umsetzen zu wollen. Das lässt Übles für die Umsetzung des 2018 unterzeichneten „UN-Migrationspaktes“ ahnen.

      • Avatar
        Thierry sagte:

        @ D. Tischer

        >> „Ich glaube, dass da die USA, Kanada, Australien und sicher auch noch ein paar andere Länder uns voraus sind.“

        Ist zwar anekdotisch, aber treffend: Ein Kanadier erklärte mir einmal anlässlich einer ähnlichen Diskussion (in Kanada): „Ist doch kein Problem. Wir sind alle Einwanderer hier.“

        Das trifft sicherlich für alle drei genannten Länder (USA, Kanada, Australien) und einige mehr zu. Ob sie uns damit „voraus“ sind? Vielleicht, wenn man die globalisierte Welt als riesige Waschtrommel versteht. Aber warum soll ein alteingesessenes Volk dafür seine Traditionen und seine Kohäsion freiwillig aufgeben? In Europa ist da in allen Völkern Widerstand, freundlich ausgedrückt Beharrungsvermögen, zu erwarten.

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        Thierry sagte:

        @ D.Tischer

        Und hier das Gegenbeispiel:
        Ein guter Freund, aus Jahrhunderte altem eingesessenem Geschlecht, geboren in einer französischen Olympiastadt, freiberuflich niedergelassen, hat vor 20 Jahren ein kleines Gut in der Nachbargemeinde erworben, um seinen landwirtschaftlichen Neigungen nachzugehen und seinen Alterssitz vorzubereiten. Heute, nach 20 Jahren, wird er in dieser Gemeinde immer noch und wohl auch für immer als „l’étranger“ (der Ausländer) apostrophiert. Integriert ist er ja wohl ausreichend, keine 10 km von seinem Geburtsort entfernt, aber inkludiert?

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thierry

        Wenn ALLE Einwanderer sind, dann haben die Menschen dieses Landes eine völlig andere ERFAHRUNG und folglich ein anderes Verständnis von Inklusion als z. B. die Menschen in irgendeinem kontinentaleuropäischen Land.

        Daher werden sie im öffentlichen Diskurs auch ANDERS und OFFENER, aber keineswegs blauäugig z. B. darüber diskutieren, in welcher Zahl man Kriegsflüchtlinge aus diesem oder jenem Land aufnimmt und wie man mit den Aufgenommenen umgeht.

        Das meine ich mit „voraus sein“.

        Das heißt überhaupt nicht, dass ein alteingesessenes Volk seine Traditionen „verwässern“ lassen und damit möglicherweise die Stabilität aufgeben sollte – und FREIWILLIG schon mal gar nicht.

        Mir geht es darum, dass wir um die PROBLEMATIK wissend ohne gegenseitige Beschuldigungen einen offenen Diskurs führen sollten mit Blick darauf, was wir unter gegebenen Umständen GEMEINSAM an Zuwanderung/Inklusion und in der Folge mit welchen Integrationsleistungen als noch bzw. nicht mehr VERTRÄEGLICH mit einer stabilen Gesellschaft ansehen, um daraufhin entscheiden zu können, wenn wir – was der Fall ist – mit dem Problem konfrontiert werden.

        Ihr Gegenbeispiel:

        Ich würde sagen er ist in die Gemeinde inkludiert, weil er dazugezählt wird und somit dazugehört. Aber er ist offensichtlich nicht sonderlich gut integriert, wenn er „neben“ den Gemeindemitgliedern einher lebt.

        Ohne es an den Begriffen festzumachen:

        Ja, warum nicht, die Spielarten sind vielfältig.

        Es kommt letztlich darauf an, OB und WIE jeweils die gegenseitigen Einwirkungen verkraftbar sind.

        In homogenen Gesellschaften wirkt derart nichts ein, weil entweder ERLERNTE Sitten und Gebräuche („Stammesgesellschaften“) oder BEACHTETE Regeln (klassische Einwanderungsländer) verkraftbares Verhalten generieren.

        Hierzulande und anderswo glaubte man bis jüngst sich nicht sonderlich Gedanken darüber machen zu müssen. Und einige meinen immer noch, dass Zuzug – auch ungeregelter Zuzug – grundsätzlich kein Problem, sondern eine Aufgabe sei.

        Die Quittung dafür wird jeden Tag aufs Neue ausgestellt.

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        Thierry sagte:

        @ D. Tischer

        >> „Mir geht es darum, dass wir um die PROBLEMATIK wissend ohne gegenseitige Beschuldigungen einen offenen Diskurs führen sollten …“. Ob Sie da nicht doch „blauäugig“ sind, wenn Sie DAS erwarten?

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thierry

        Ich erwarte nicht, dass es diesen Diskurs geben wird – ich habe von „sollte“ gesprochen – und bin daher nicht blauäugig.

        Mir geht es generell darum, für mich und evtl. auch andere mit deren Hilfe zu KLÄREN, was die Probleme sind und wenn es geklärt ist, ein VERFAHREN zu finden, das sie lösen könnte.

        Hier ist das Verfahren ein offener Diskurs, der zwar auch Partikularinteressen beinhaltet, aber nicht bei ihnen stehen bleibt, weil er auf ein verträgliches Ganzes zielt.

        Er wäre zwar möglich, wird aber nicht stattfinden.

        Denn menschliches Handeln wird durchweg von Interessen und nicht durch Vernunft bestimmt.

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      Heinz sagte:

      Toll;-) Mal ehrlich, an wie vielen internationalen Meetings haben sie teilgenommen, in denen Mandarin, Hindi, Japanisch, Kantonesisch, Suaheli oder Deutsch gesprochen wurde? Wahrscheinlich, genauso wie ich, an keinem. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob das, was die Inder als Englisch bezeichnen, wirklich etwas mit dem zu tun hat, was an englischen Schulen als Englisch gelehrt wird. Aber zur Not, kann man sich ja schriftlich verständigen. Ihr Inklusion ist eine gänzlich aufgesetzte. Fragen sie mal nach, ob sie frei bekommen, wenn ein wichtiger Kirchgang bevorsteht, aber sie noch einen „wichtigen“ Bericht ausarbeiten müssen. All die Vielfalt wird nur akzeptiert, wenn sie auf dem Niveau einer Folklore verharrt. Sobald einer mit seiner Kultur ernst macht, wird er ausgemendelt. Die Sprache ist Englisch und alles unterliegt dem Diktat und dem Rotstift der Kostenrechner.
      Das Problem Deutschlands ist, dass sie eine Menge Leute ins Land geholt haben, die nicht mal ihre Muttersprache auf B1 Niveau beherrschen.

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        Michael Genniges sagte:

        Ich bin etwas verblüfft, wie hier in Bezug auf Migrantion, auf Diversity, auf Inklusion in Weltfirmen im Vergleich z.B. Düsseldorfs und der angeblich rückständigen Provinz geschrieben wird.

        Ich bin gebütig und aufgewachsen in Köln und lebe heute viel lieber in der bayerischen Provinz. Die Segregation in den Großstädten mit all ihren negativen Folgen ist nach meiner Lebenserfahrung dort eben erheblich größer als in der Provinz. Die Menschen der Provinz sind „dem Fremden“ gegenüber letztlich aufgeschlossener, freundlicher, neugieriger. Sie bemühen sich weit mehr um Integration/Inklusion als die Städter. Womöglich hängt das mit Selbstsicherheit, Selbstbewusstsein zusammen, welches ebenfalls in der Provinz ausgeprägter ist als in den Städten, wo Psychiater reich werden.

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      Michael Kohlhaas sagte:

      Rund 50% Mehrheitsbevölkerung, 40% (Ost-?)Asiaten und 11% Vielfalt (?) in einer Branche, in der gut verdient wird, sind statistisch kein Argument für Ihre Aussage,sondern bestätigen nur den Text.

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    Richard Ott sagte:

    bto: „Was mir angesichts der Zahlen nicht einleuchtet, ist, weshalb unsere Politik nicht drastisch und radikal umsteuert.“

    Das hat der Kabarettist Georg Schramm schon vor über 10 Jahren einleuchtend erklärt: „Wir brauchen Idioten, sonst frisst keiner Gammelfleisch!“
    https://www.youtube.com/watch?v=vx9gFhSQasU

    Und natürlich schlucken eben diese auch die Propaganda der Regierung viel bereitwilliger als es intelligentere Einwohner täten. Langfristig zerstört diese Strategie die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft, aber kurzfristig ist sie sehr profitabel für Konsumgüterhersteller und dazu noch bequem für die Politik.

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    Dietmar Tischer sagte:

    >Was mir angesichts der Zahlen nicht einleuchtet, ist, weshalb unsere Politik nicht drastisch und radikal umsteuert.>

    In Ergänzung zu dem, was Wolfgang Selig gesagt hat:

    Die Politik kennt die Zahlen natürlich auch.

    Ich glaube, dass anhand dieser Zahlen der eine oder andere in der Politik ein Umsteuern für angebracht hält. Man sollte es jedenfalls nicht ausschließen.

    DIE Politik kann aber nicht umsteuern und drastisch und radikal schon gar nicht, wenn der MAINSTREAM im Land der Meinung ist, dass das Bildungsziel in den Schulen INKLUSION sein muss und nicht AKTIVIERUNG des Potenzials individueller kognitiver Fähigkeiten.

    Die Folgen dieser Einstellung und ihrer Umsetzung sind EFFIZIENZVERLUSTE in den öffentlichen Schulen und des Weiteren die SPALTUNG der Gesellschaft, weil Privatschulen für Wohlhabende es ermöglichen, diesem Bildungsziel auszuweichen.

    >Es ist nicht schwer zu verstehen und man muss schon verbohrt sein, um nicht zu erkennen, dass, egal, was man politisch gern möchte, die Voraussetzung für alles eine ausreichende wirtschaftliche Ertragskraft des Landes ist.>

    Das ist ein falsches Verständnis der Funktionsgrundlage unserer Gesellschaft gerade im Bildungswesen:

    So gut wie niemand unter vernünftigen Menschen ist VERBOHRT, d. h. weist in ERKENNTNIS der Dinge zurück, was für eine ausreichende wirtschaftliche Ertragskraft des Landes erforderlich wäre.

    Derartige Verbohrtheit würde sich in einer ÖFFENTLICHEN Debatte zeigen.

    Es gibt sie nicht, Verbohrtheit ist daher nicht festzustellen und taugt deshalb auch nicht als Erklärung für fehlendes politisches Umsteuern.

    Vielmehr:

    Die vorherrschende GESINNUNGSETHIK nach Gleichheit BLENDET AUS, was für eine ausreichende wirtschaftliche Ertragskraft des Landes erforderlich wäre.

    Das Erforderliche wird nicht erkannt, weil es NICHT erkennbar ist aufgrund der für die Bildung maßgebenden Gesinnungsethik.

    Banaler ausgedrückt und von jedem selbst nachzuvollziehen durch Änderung der Blickrichtung:

    Man hat eine PERSPEKTIVE – hier eine gesellschaftliche –, die ERMÖGLICHT, dies oder das zu erkennen, z. B. Ungleichheit, es aber NICHT ERMÖGLICHT, anderes zu erkennen, z. B. erodierende Wohlstandsbedingungen.

    Kurzum:

    Was man nicht sieht, weil man nur Bestimmtes sehen will und demzufolge sehen kann, gibt es nicht als ERKENNTNIS.

    > Nur ein wirklich reiches Land kann helfen.>

    Vom Mainstream SO als richtig verstanden:

    WEIL wir reich SIND, können wir helfen, ohne uns in einen „Wettkampf um die Klugen“ einlassen zu müssen.

    Antworten
  9. Avatar
    Ulrich Remmlinger sagte:

    bto: „Das führt zu der politisch heiklen Erkenntnis, dass Intelligenz eben doch von Faktoren abhängt, die der Staat mit noch so vielen Mitteln nicht kompensieren kann.“
    Die Verteilung von intelligenten Menschen ist bei uns und in Ostasien ähnlich. Von Prof. Heinsohn gibt es dazu Zahlen zum mittleren IQ je Land, die das belegen. Es ist z.B. nicht anzunehmen, daß die Kinder in der Schweiz (25% advanced) 5 mal intelligenter sind als in D (5,3% advanced). Viel entscheidender scheint mir die Einstellung zur Arbeit, wie ich im vorhergehenden Beitrag beschrieben habe:
    https://think-beyondtheobvious.com/stelters-mailbox-investitieren-wir-zuwenig-und-wo-bleibt-das-geld-aus-den-exporten/#comment-96602
    Diese Einstellung hängt von der Erziehung durch die Eltern ab und da liegt es wohl bei uns im Argen.

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      Dieter Krause sagte:

      @Ulrich Remmlimger
      Diese Einstellung hängt von der Erziehung durch die Eltern ab und da liegt es wohl bei uns im Argen.

      Konfuzianische Leistungseliten in China, Japan, Südkorea und Vietnam sind eben etwas anderes als linksgrüne Gammeleliten oder, Herr Remmlinger?

      Ein Witz ging zuletzt in den sozialen Medien in China herum, er geht so: Die chinesische Regierung möchte binnen drei Monaten Astronauten zum Mond schicken, aber das Ministerium für Luftfahrtindustrie hat noch Probleme mit der Technologie. Das Bildungsministerium erklärt sich bereit, die Aufgabe zu übernehmen. Es lässt die Probleme zur Lösung als Hausaufgabe an alle chinesischen Schulen verteilen. Drei Monate später fliegen tausend chinesische Eltern zum Mond.
      https://www.zeit.de/kultur/2019-08/china-bildung-schulsystem-erfolg-eltern-leistungsdruck

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    Aegnor sagte:

    Was ich bei dem Angaben vermisse ist eine Einschätzung, wie groß jeweils der Einfluss korrekter Bildungspolitik und genetischer Faktoren ist. Das wäre ja entscheidend um zu wissen, ob eher Einwanderung oder das hiesige Schulsystem geändert werden muss. Die USA z.B. haben meiner persönlichen Erfahrung nach alles Andere als ein überlegenes Bildungssystem bei Mathematik (das Mathe-Niveau des durchschnittlichen High School Absolventen ist gruslig) und die genetischen Voraussetzungen sollten sich jetzt nicht so stark von Westeuropa (minus der Migranten natürlich) unterscheiden. Deren Exzellenz-Unis ziehen halt sehr viele begabte Ausländer an, vor allem Chinesen, was die Defizite der heimischen Studenten etwas verschleiert. Auch zweifle ich die Resultate der Türkei an. Die Reislamisierung der Schulen hat dort zu einem PISA-Absturz von einem ohnehin niedrigen Niveau geführt.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Aegnor

      Es gibt keine „korrekte Bildungspolitik“ und eine Diskussion über genetische Faktoren verschleiern die Problematik, um die es HIER vor ALLEM anderen geht.

      Darüber zu diskutieren, sind bestenfalls abgeleitete Betrachtungen.

      Denn entscheidend ist nicht wie Sie glauben, zu wissen, ob eher Einwanderung oder das hiesige Schulsystem geändert werde muss.

      ENTSCHEIDEND ist vielmehr, zu wissen, WARUM in dieser Gesellschaft Erkennbares und Erkanntes NICHT öffentlich THEMATISIERT wird und somit nicht in die GESTALTUNG von Politik einfließt.

      Es mag ja sein, dass die Antwort darauf eine andere Politik als illusorisch erscheinen lässt.

      In einer DISKUSSION über die URSACHEN unserer Misere ist sie jedoch unverzichtbar.

      Unabhängig davon kann und wird kreuz und quer in der Medienlandschaft dies oder das als „entscheidend“ oder gar „Lösung“ publiziert oder ausgestrahlt werden.

      Das Buch von G. Heinsohn und dieser Beitrag von Dr. Stelter sind Beispiele dafür.

      Veröffentlichte Meinungen zum Bildungsthema bewirken sicher auch Veränderungen in der „Meinungssuppe“ und daraufhin auch in der Politik.

      Diese so mitbestimmte Politik ist damit aber nicht durch ERKENNTNIS gesteuert, sondern durch WAHRNEHMUNG im Wellenschlag des Mainstreams.

      Wahrnehmung und Erkenntnis sind etwas völlig Unterschiedliches.

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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Was mir angesichts der Zahlen nicht einleuchtet, ist, weshalb unsere Politik nicht drastisch und radikal umsteuert.“

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,

    das ist doch offensichtlich. Weil das als nationalistischer Egoismus gegenüber den anderen Nationen interpretiert werden würde, wo man doch intensiv darum bemüht ist, Deutschland in der EU aufgehen zu lassen. Hinzu kommt der Hang zum gleichmachenden Sozialismus in weiten Teilen der Politik; die Sozialisten haben ein grundsätzliches Problem mit Wettbewerb jeglicher Art, abgesehen vom Sport gegen Nicht-Sozialisten.

    Darum gehe ich davon aus, dass dieses Buch und Ihre Unterstützung des Buchs als „rechts“, „AFD-nah“, „elitär“, „unsozial“ oder ähnliches qualifiziert werden wird. Und in dem Weltbild des Mainstreams ist das ja auch nur folgerichtig.

    Richtig spannend finde ich hierzu nur die Einstellung anderer Nationen im Vergleich zu Deutschland. Offenbar teilen viele westliche und auch östliche Länder die deutsche Einstellung nicht. Das wird – wie Sie richtig ausführen – Konsequenzen weitreichendster Art haben. Leider sind diese aufgrund der Trägheit des Systems, der laxen Auslegung des Grundgesetzes und der geldpolitisch befeuerten Konjunktur gerade für die Masse und deren Politiker nicht gut erkennbar. Doch diese Konsequenzen kommen dem Wunsch der meisten jungen Leute nach ausgewogener work-life-balance sehr entgegen.

    Wenn Sie das Ganze ändern wollen, dürfen Sie nicht in der Politik ansetzen. Sie müssen in der Gesellschaft einen Wunsch nach Veränderung hervorrufen. Die politische Anpassung an den Wählerwillen kommt in der Folge von ganz alleine.

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    einkritischerblick sagte:

    Eine interessante Frage in diesem Zusammenhang ist:

    Ist diese Entwicklung einfach nur Zufall, die dem Zeitgeist geschuldet ist und an der man nichts machen kann, oder unterliegt diese Entwicklung einem Plan, der von irgendwelchen Seiten verfolgt wird, und das möglicherweise schon seit Jahrzehnten?

    Hatte nicht der Seehofer einmal gesagt, dass in der Politik nichts geschieht, was nicht auch genau so geplant wurde, wie es dann umgesetzt wird?

    Das müsste dann ja auch für Deutschland gelten.

    Wenn es also hier einen Plan gibt, dann sind logischerweise die nächsten Fragen: Wer hat den Plan gemacht? Wer verfolgt den Plan und setzt ihn um? Und, ganz wichtig: Was ist denn das eigentliche Ziel der Planung?

    Sagen wir salopp: wenn Deutschland immer dümmer wird, und das ganze von der eigenen Politik gefördert wird, wohin soll das denn führen? Was ist das Ziel? In 5, 10, 20 oder 50 Jahren?

    Und wenn es nun Leute gibt, denen das nicht gefällt, was sollen die machen? Müssen die Zwangsläufig auswandern, weil es ja eine demokratische Entscheidung war, dass es eben so kommt?

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ einkritischerblick

      Ihre Eingangsfrage lässt sich beantworten, wenn man „Plan“ im KONTEXT erörtert.

      Wenn man einen Plan erkennen will, der „von irgendwelchen Seiten verfolgt wird, und das möglicherweise schon seit Jahrzehnten“, dann muss man auch die PLANER kennen und zwar als solche, die an den FUNKTIONALEN Stellschrauben drehen und DADURCH eine BESTIMMTE Entwicklung ZIELORIENTIERT anstreben.

      Wenn es diese Planer in Deutschland (Westen) jemals gegeben haben sollte, dann allenfalls in den 60er und 70er Jahren (SPIEGEL, STERN, DIE ZEIT).

      Sie waren sehr einflussreich, ich bezweifle aber, dass sie einen PLAN gehabt haben.

      Unterstellt man das aber dennoch, muss man auch SPRINGER mit BILD und WELT als Planer ansehen, so dass man schwerlich von EINEM maßgeblichen Plan sprechen kann.

      Heute sehe ich weder die Figuren, noch den Plan, so dass ZEITGEIST die treffende Antwort ist.

      Wenn die Politik bei der UMSETZUNG ihrer Beschlüsse von PLÄNEN redet, ist der Kontext ein ganz anderer.

      Es ist Planung auf der Ebene darunter und weiteren Ebenen darunter.

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    Peter sagte:

    Ich würde allerdings hier auch keine Panik verbreiten. In der KI sind zum Beispiel viele Grundanwendungen von holländischen Entwickler entwickelt worden, obwohl sie in den oberen Mathestatistiken offenbar nicht so gut abschneiden. Singapur setzt stark aufs Pauken. Ich denke nicht, dass diese Methode erfolgreich ist. Höhere Mathematik setzt Kreativität voraus und nicht stures pauken von einmaleins Tabellen. Mir ist keine größere KI Anwendung bekannt, die in Singapur entwickelt wurde. Trotz der super Tests in Mathe. Wie gesagt sind da Niederlande stärker vertreten. Auch afrikanische Entwickler holen langsam auf. Dort spielt auch Unterernährung eine starke Rolle. Darüber hat Esther Duflo in Poor Economics geschrieben. Unterernährung zieht sich leider über Generationen.

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    Thomas sagte:

    Ein weiterer Boom kommt wenn Korea wiedervereinigt wird. Auf die high IQ Bevölkerung dort wird ein riesiger Geldregen von Investitionen prasseln. Ausserdem hat Nordkorea eine Ressource, die jetzt noch kaum beachtet wird, aber eine der Wichtigsten sein wird in Zukunft: einen Überschuss an jungen (gebärfähigen Frauen).
    Wir sind raus, da kann man nichts mehr machen. Wir können nur hoffen das der Abstieg gnädig und möglichst langsam vonstatten geht.

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    Richard Ott sagte:

    bto: „Sie gehören zu den Schülern, die es bei den Mathematik-Olympiaden (TIMSS) in die Gruppe der Besten (»advanced«) schaffen. In Ostasien sind das pro Jahrgang dreißig bis fünfzig Prozent.“

    Hier ist eine kleine Korrektur nötig. TIMSS ist eine internationale Schulleistungsuntersuchung im Bereich Mathemathik mit breitem Querschnitt, ungefähr vergleichbar mit der berühmten PISA-Studie. Unter den „Mathematik-Olympiaden“ versteht man normalerweise die verschiedenen Runden eines Mathematik-Schülerwettbewerbs (in Deutschland gibt es 4, von der Schulebene über Regionen und Bundesländer bis zur bundesweiten Runde, zumindest war das zu meiner Schulzeit noch so), mit einer jährlichen internationalen Endrunde, der „Internationalen Mathematik-Olympaide“. Das Niveau bei der Endrunde ist so hoch, dass da auch im Mathe-leistungsstarken Ostasien keine 30 bis 50 Prozent eines Jahrgangs mithalten könnten, sondern höchstens ein paar hundert Schüler pro Jahrgang.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_Mathematik-Olympiade

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      Dieter Krause sagte:

      Eine mathematischer High-Level-Indikator ist sicherlich die Fields-Medaille – für die beste mathematische Leistung unter 40! Hier dominieren aber nicht die Asiaten sondern Franzosen, Amerikaner, Briten und vor allem die Russen! Zwei Deutsche sind aber auch mit darunter. Einer davon – Peter Scholze aus Dresden (heute Professor in Bonn) – ist das Ergebnis einer exzellenten alten DDR-Schule namens Hertz-Gymnasium in Berlin-Friedrichshain! Solche hochkarätigen Mathematiker sind aber ganz klar Sonderbegabun-gen. Im Kern macht es aber hier die Masse guter Mathematiker in der neuen digitalen Arbeitswelt! Im übrigen klagen heute auch schon die Israelis, dass sie zu wenig gute Informatiker hätten.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Fields-Medaille

      Peter Scholze wurde am 11. Dezember 1987 in Dresden geboren. Sein Vater ist Physiker, seine Mutter Informatikerin. Er wuchs in Berlin auf und besuchte das durch ein mathematisches Profil geprägte Heinrich-Hertz-Gymnasium in Berlin-Friedrichshain. Bei Internationalen Mathematik-Olympiaden gewann er dreimal Gold und einmal Silber. Von seinem sechzehnten Lebensjahr an wurde er durch Professor Klaus Altmann an der Freien Universität Berlin gefördert. Nach kurzer Zeit nahm er auch an Mathematikseminaren der Universität teil. Von seinem achtzehnten Lebensjahr an wurde er durch Michael Rapoport, Professor für arithmetische algebraische Geometrie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, gefördert. Nach seinem Abitur im Jahr 2007 studierte er als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes Mathematik an der Universität Bonn, wo er das Bachelor-Studium in drei Semestern und das Master-Studium in zwei Semestern absolvierte und 2012 mit einer Dissertation unter dem Titel Perfectoid Spaces bei Michael Rapoport promoviert wurde. Von Juli 2011 bis Ende Juni 2016 war er fünf Jahre lang Fellow des Clay Mathematics Institute in Cambridge (Massachusetts). Zum Wintersemester 2012/2013 wurde Scholze auf eine der Hausdorff-Mathematik-Professuren beim Exzellenzcluster in Bonn berufen. Sein Fachgebiet ist die arithmetisch-algebraische Geometrie im Rahmen des Langlands-Programms. Aufgrund seiner außerordentlichen Leistungen in der Master- und in der Doktorarbeit wurde auf ein Habilitationsverfahren verzichtet. Seine Antrittsvorlesung war über Zahlen und Geometrie. Scholze lieferte als 22-jähriger Student einen neuen Beweis der lokalen Langlands-Korrespondenz, die zuerst im Jahr 2000 von Guy Henniart, Michael Harris und Richard Taylor bewiesen wurde. Er konnte diesen komplexen und umfangreichen Beweis erheblich vereinfachen. In seiner Dissertation führte er die neue Technik der perfektoiden Räume ein, die es erlaubt, bei zahlentheoretischen Fragen zwischen Körpern gemischter Charakteristik und solchen positiver Charakteristik zu wechseln. Die Technik verallgemeinert einen Satz von Jean-Pierre Wintenberger und Jean-Marc Fontaine (1979) und benutzt die Konstruktion adischer Räume nach Roland Huber. Eine Anwendung ist eine allgemeinere Formulierung des Almost-Purity-Theorems von Gerd Faltings in der p-adischen Hodge-Theorie. Des Weiteren ermöglicht diese Technik bei anderen Problemen, zum Beispiel bei Shimura-Varietäten und Rapoport-Zink-Räumen, eine geometrische Interpretation. Michael Harris, der an der Columbia-Universität lehrt und ein Experte in der arithmetischen Geometrie ist, beurteilte Scholzes Begriffsbildung der perfektoiden Räume wie folgt: „In der zeitgenössischen Mathematik gibt es selten ein so klares Beispiel für eine neue Begriffsbildung.“

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      Michael Genniges sagte:

      Ich kenne mich mit TIMSS nicht aus, doch scheint mir die Formulierung im Text „advanced“ doch auf eine Stufe der nationalen Entscheidungen hinzuweisen.

      „Obwohl die IMO ein Einzelwettbewerb ist, gibt es inoffiziell auch Ranglisten der Länder. Hier belegen üblicherweise China, Russland, die USA und Südkorea die ersten Plätze. Deutschland belegte in den meisten Jahren einen Platz zwischen 10 und 20, Österreich ist meist rund um den 50. Platz klassiert, ebenso die Schweiz. Deutschen Mannschaften gelang es bisher dreimal, den Wettbewerb zu gewinnen: 1968 die DDR, 1982 und 1983 die Bundesrepublik Deutschland.

      2019 belegten China und die USA punktgleich den ersten Platz, Südkorea den dritten. Deutschland erreichte Platz 32, Österreich Platz 61, die Schweiz Platz 58.“

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        Richard Ott sagte:

        @Michael Genniges

        Der Punkt ist: IMO und TIMSS haben nichts miteinander zu tun (und sind erst recht keine Synonyme füreinander); die einzige Gemeinsamkeit ist, dass es im weitesten Sinne beides „Tests“ von Mathematikfähigkeiten sind. IMO allerdings für eine sehr kleine Gruppe der jährlich allerbesten Schüler aus jedem Land, TIMSS als Querschnittsprüfung für die ganze Alterskohorte.

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