«Wir steuern direkt auf die nächste Krise zu»

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O. k., reißerischer Titel. Dennoch gutes Interview in der FINANZ und WIRTSCHAFT. Klarer Fokus auf die USA und starke Kritik an der Politik der US-Notenbank:

  • „Die Finanzkrise von 2008/09 war natürlich viel grösser. Sonst spielte sich aber fast genau dieselbe Dynamik ab wie beim Konkurs von LTCM. In beiden Fällen haben sich Banken und Regulatoren auf die falschen Risiko-Modelle verlassen. Dadurch wurden Gefahren unterschätzt und die Verschuldung der Banken stieg immer weiter an. Das machte das Finanzsystem extrem anfällig für einen rapiden Kollaps. Trotzdem werden die gleichen Risiko-Modelle heute weiterhin verwendet. Bis der nächste Crash kommt, ist es deshalb nur eine Frage der Zeit.“
  • „Das Fed wird QE3 zwar im Oktober stoppen. Bis Ende des Jahres wird sich die Konjunkturlage dann aber stark eintrüben. Anfang 2015, womöglich im März, wird das Fed daher mit QE4 ein neues Stimulusprogramm starten müssen – mehr oder weniger um die Zeit, zu der die Märkte heute mit der ersten Zinserhöhung rechnen. Das Fed setzt damit weiterhin auf die falsche Behandlung, druckt noch mehr Geld und vergrössert die Gefahr einer Krise.“
  • „Das Fed kann so viel Geld drucken wie es will: Solange es nicht in Umlauf kommt, gibt es keine Inflation – und solange gibt es auch kein nominales Wirtschaftswachstum, das die hohe Verschuldung tragbar macht.Wenn sich das Verhalten verändert, kann das sehr schnell passieren, was ebenso schwierig wieder rückgängig zu machen ist. Gut denkbar ist, dass die Inflation zunächst auf 3 bis 3,5% anzieht, worauf das  Fed versuchen wird, sie wieder  zu bremsen. Ist der Geist aber einmal aus der Flasche, kann man ihn kaum so rasch wieder einfangen. Es würde also nicht überraschen, wenn die Teuerungsrate plötzlich auf 9% springt, wie das in den Siebzigerjahren der Fall war. So oder so gibt es für das Fed damit keinen leichten Ausweg: Ohne Inflation kommt es zum Desaster wegen der hohen Schulden. Ändert sich jedoch die Psychologie der Märkte, droht eine Inflationskrise.“

Schon mehrmals habe ich darauf hingewiesen, dass der Aufschwung in England und den USA ungesund ist, basiert er doch auf einer Fortsetzung der Schuldenpolitik.

Übrigens: Mit der Warnung steht Jim Rickards nicht alleine. Ehemalige Volkswirte der Bank of England warnen vor einem Schuldenschock.

FuW: «Wir steuern direkt auf die nächste Krise zu», 19. August 2014

Bevor wir uns in Europa zu sehr freuen, dass es auch in den USA nicht vorbei ist mit der Krise, die Erinnerung in der FT: Die Investmentprofis holen wieder ihre Eurostrategien von vor drei Jahren heraus: „… short the euro, short the periphery, long Germany …“. Gleiches gilt für gut geführte Unternehmen. Diese haben das Haus in den letzten Jahren wetterfest gemacht. Jene, die es noch nicht getan haben, sollten es jetzt schleunigst tun.

FT (Anmeldung erforderlich): Time to dust off old euro crisis strategies, 20. August 2014

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