Ending Britain’s debt culture without investment is a recipe for permanent recession

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Schon der Titel ist eine Offenbarung und man weiß sofort, dass es nicht das Zitat eines Politikers ist. Es ist die Feststellung eines englischen Ökonomen, der unter anderem mit seinem Team den Wolfson-Preis gewonnen hat (mit der Antwort auf die Frage, wie man den Euro wieder abschaffen könnte) und für Holland den (erheblichen) Nutzen eines Euroaustritts vorgerechnet hat. Hier nun die Feststellung, dass aller Politikpropaganda zum Trotz auch die USA und UK nicht so richtig aus der Krise raus sind; sie sind nur relativ besser als die darbende Eurozone. Und erkauft wurde die Erholung durch wieder steigende Konsumentenschulden, was den Autor zur Frage führt: Warum müssen wir Leute, die eigentlich keine (zusätzlichen) Schulden machen sollten, dennoch dazu animieren und schaffen es nicht, dass jene, die Geld haben und wenige Schulden, mehr ausgeben? Drei Gründe führt er an:

  1. In Europa konsumieren die Deutschen zu wenig. In den letzten 18 Jahren sind die Konsumausgaben der Deutschen um 18 Prozent gewachsen, die der Engländer um 53 Prozent. Folge: ein erheblicher Außenhandelsüberschuss von 7,5 Prozent des BIP (bto: den wir noch dazu schlecht anlegen!). Er erklärt dies nicht tiefer, was vermutlich daran liegt, dass er es für deutschen Masochismus hält. Die Konsumschwäche in anderen Ländern wäre die Folge der hohen Arbeitslosigkeit wegen verkrusteter Arbeitsmärkte.
  2. Der deflationäre Druck (bto: wegen zu geringer Nachfrage und Ersparnisüberhang – siehe Larry`s „säkulare Stagnation) wird global durch die zu geringe Nachfrage der Ölexporteure und der aufstrebenden Wirtschaften Asiens verursacht.
  3. Die Unterinvestitionen in den Industrieländern.

Auf Punkt drei geht er vertieft ein und fasst nochmals die Gründe zusammen, die ich auch schon auf diesen Seiten diskutiert habe:

  • Die Renditeerwartungen der Firmen liegen immer noch bei zehn bis 15 Prozent, was angesichts der tiefen Nominalzinsen von einem Prozent immer schwerer zu erwirtschaften ist.
  • Ursache dafür sind das schlecht funktionierende Finanzsystem und die Management-Teams, die nicht richtig entscheiden. (bto: Dazu hatte ich vor kurzem einen interessanten Beitrag.)
  • Die hohen Verzinsungsanforderungen sollen auch das Risiko abdecken. Sicherlich sind erhebliche Unsicherheiten in den Märkten. Aber zugleich sind die Management-Teams immer risikoaverser geworden, zum Teil durch die Regulierung (bto: und weil es viel einfacher ist, etwas Bestehendes zu bewahren und auf Effizienz zu trimmen, als neue Geschäfte zu entwickeln).
  • Zunehmend kurzfristige Anreizsysteme für Manager, was gegen langfristige Entscheidungen spricht.

Es wäre aber viel besser, die Nachfrage über Investitionen und damit produktive Schulden zu stärken. Deshalb hat die BIZ recht, wenn sie ein Ende der schuldenfinanzierten Politik fordert. Doch wenn Staaten und Private sparen, müssen die Unternehmen mehr ausgeben. Sonst drohen Rezession und Deflation.

Das gilt natürlich nicht nur in England – aber vermutlich wurde das „Britain“ von den Lektoren vom Telegraph in den Titel geschmuggelt.

The Telegraph: Ending Britain’s debt culture without investment is a recipe for permanent recession, 6. Juli 2014

1 Antwort
  1. Dieter Krause says:

    Einer Ihrer besten Beiträge, Herr Stelter! Da zeigen Sie wirklich, dass Sie sehr gut selber denken können und nicht nur irgendwelche Finanzmarkt- oder Managementgurus nachplappern! Und die komplexen Zusammenhänge nicht nur der Wirtschaftskrise sehr gut verstanden haben. – Aber WOHER kommt die große Risikoaversion der Manager? Oder besser: WOHER die überhohen Renditeerwartungen? – Vielleicht sollte man die Cashbestände der Unternehmen einfach stärker wegbesteuern. Geht aber wohl leider nur global oder? Sonst werden die Gewinne nur in irgendwelchen Finanzoasen gebunkert – siehe Google, siehe Apple, siehe Microsoft!

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