Im System gefangen – Kommentare zur EZB

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Wie erwartet, ist das Echo der angelsächsischen Medien negativ. Die EZB hat demnach die Chance verpasst, durch massives Quantitative Easing ein japanisches Szenario abzuwenden. Dahinter stecken natürlich die Deutschen, die wenig von Ökonomie verstehen und unnötige Inflationsfurcht haben. Beim letzten Punkt würde ich gar nicht widersprechen.

Mich fasziniert mit welcher Selbstverständlichkeit die Kommentatoren davon ausgehen, dass man einfach nur mit mehr Geld alle Probleme lösen könnte. Ben Bernanke ist da schon weiter, soll der 60-Jährige doch gesagt haben, in seinem Leben würde er keine höheren Zinsen mehr erwarten. Ist das ein Zeichen für den Erfolg der Geldpolitik? Die Wirtschaft ewig am Tropf?

Natürlich wird es nicht funktionieren. Doch es kann noch lange Zeit laufen. Der Knall wird dann umso größer. Zur Erinnerung: Die Schulden wachsen immer weiter an.

Roger Bootle erkennt zwar die Probleme: Wirtschaftsleistung weiter unter 2008, Rekordarbeitslosigkeit, Euro, Schulden wachsen weiter an. Er sagt aber nicht, dass die Schulden irgendwie aus der Welt geschafft werden müssen, sondern bleibt bei der Hoffnung, billiges Geld würde es schon richten:

The Telegraph: Germany’s fear of QE is what’s stopping us from cracking open the Cava, 8. Juni 2014

Martin Wolf ist nicht ganz so negativ und findet, die EZB hat schon eine Menge gemacht. Und mit der von ihm erwarteten strafferen Geldpolitik in den USA sollte es sogar den Euro schwächen. Und die EZB könne noch mehr tun. Nur leider wäre es bisher nicht gelungen, die schwache Nachfrage in Europa zu beleben. Wie auch? Wer schon zu hohe Schulden hat, macht idealerweise keine weiteren:

FT (Anmeldung erforderlich): Draghi has pulled another rabbit out of his hat, 6. Juni 2014

Was uns zu Wolfgang Münchau führt: Nachdem wir in Deutschland viel weniger Schulden haben als die anderen (er übersieht dabei die erheblichen ungedeckten Verbindlichkeiten des Staats von 400+ Prozent des BIP), sollten wir doch richtig konsumieren und investieren. Damit würden wir den Krisenländern helfen. Temporär mag dies stimmen. Doch ob unsere Zusatznachfrage wirklich in die Krisenländer fließt? Und was machen wir, wenn unsere Schulden die der anderen Länder eingeholt haben? Was wir brauchen sind neue Ansätze der Wirtschaftspolitik. Das bisherige Instrumentarium ist gescheitert.

SPIEGEL ONLINE: So viel Geld – und alles für die Katz, 9. Juni 2014

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