«Das Fed sollte am besten nichts mehr tun»

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Stephen Roach, ein weiterer Experte für die Weltwirtschaft im Interview mit der FINANZ und WIRTSCHAFT.

  • Zur Notenbankpolitik: „Vor der Finanzkrise, vor allem zwischen 2002 und 2007, betrieb die US-Notenbank eine zu lasche Geldpolitik. Das führte zu einer kolossalen Blase, die im Jahr 2008 platzte. Um diesen Schock zu bekämpfen, musste das Fed drastische Massnahmen beschließen und die geldpolitischen Schleusen aufreißen. Das war während der Krise die richtige Strategie. Bloß hätten die Notenbanker einsehen sollen, dass die Instrumente zur Krisenbekämpfung nicht mehr tauglich sind, um die Erholung der Wirtschaft zu begünstigen.“ – Genau der Tenor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.
  • Zum Fortschritt bei der Entschuldung: „Im langfristigen Vergleich sind die Haushalte in den USA immer noch überdurchschnittlich hoch verschuldet. Das Verhältnis von Schulden zu Einkommen verharrt auf hohem Niveau, die private Sparquote bleibt abnormal niedrig. Der Schuldenabbau sollte noch weitergehen.“
  • Zur Wirkung der Politik: „Das Problem der USA ist, dass in Washington jegliches  strategische Denken fehlt. Der private Schuldenüberhang ist kein geld-, sondern ein fiskalpolitisches Problem. Die Hyperaktivität des Fed ist schädlich, weil die Politiker im Kongress sich einreden können, dass die Notenbank es schon richten wird.“ – Identisch dasselbe müssen wir für Europa feststellen.
  • Zu China ist er optimistisch: „Das ist völlig übertrieben. Es stimmt, das Kreditvolumen ist deutlich gestiegen, von 150 Prozent des BIP im Jahr 2008 auf aktuell 235 Prozent des BIP. Aber das bedeutet nicht, dass China ein Kartenhaus ist, das bald zusammenstürzt. Die hohe inländische Sparquote sowie die Tatsache, dass Chinas Zentralbank die größten Devisenreserven aller Zeiten angehäuft hat, wirken als effektiver Sicherheitspuffer.“
  • Zu den Risiken der Weltwirtschaft: „Die Spannungen zwischen China und den USA steigen, sei es in Handels-, Sicherheits- oder Territorialfragen. Wer weiß, was geschieht, wenn die Demokraten im Herbst ihre Mehrheit im Senat verlieren? Es kann jederzeit geschehen, dass der Kongress eine Art Kriegserklärung gegen China deklariert und Importrestriktionen verhängt. Das wäre ein Desaster. Der Smoot-Hawley Act von 1930 zeigt, wie dumm Politiker agieren können, wenn es um Handel geht.“

FuW: «Das Fed sollte am besten nichts mehr tun», 7. Juli 2014

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