Stürzen uns die Noten­banken in die Rezession?

Am 8. Mai 2022 geht es – erneut – um die Geldpolitik in meinem Podcast. Zu Gast ist Professor Ottmar Issing, der erste Chefvolkswirt der EZB und ein wirklicher Kenner der Materie. 

Zur Einstimmung einige Beiträge. So heute Ambroise Evans-Pritchard, der im Telegraph sehr schön erklärt, wieso die Notenbanken Gefahr laufen, ihren Fehler durch einen noch größeren Fehler zu korrigieren:

  • The cause of the current inflation spike is the one-off expansion of the money supply (40pc in US) during the course of the pandemic, used to finance unfunded budget deficits of New Deal proportions. This is feeding through with the typical time-lag of 18 months or so.“ – bto: Es war also ein einmaliger monetärer Schock und da der ohnehin abnimmt, besteht keine Notwendigkeit, etwas zu tun. Dies unterstreicht auch diese Abbildung:

Quelle: The Telegraph

Das entspricht genau dem, was Tim Congdon in meinem Podcast vor einigen Monaten erzählt hat:

Droht die Rückkehr der Inflation?

  • Jetzt also nimmt das Geldmengenwachstum ab: „That monetary surge is already fading. Simon Ward from Janus Henderson says the growth rate of broad money in the G7 as a whole has fallen to 4pc over the last three months (annualised), down from an annual peak of 17.3pc in February 2021. Inflation may keep rising for a few more months as a legacy effect but the underlying problem is already solving itself.“ – bto: was dafürspräche, eben nichts zu tun gegen die Inflation.
  • Budget policy has turned contractionary across the West as pandemic support fades. The Fiscal Impact Measure at the Brookings Institution suggests that the fiscal squeeze by federal and state governments will be running at a pace of 3.5pc of GDP this quarter, and 3.2pc next quarter.“ – bto: “Fiscal squeeze” bedeutet weniger schnell mehr Schulden, aber weiterhin mehr Schulden.
  • Federal Reserve rate-setters have swung wildly from ultra-loose money to ultra-tight money after it is already clear that the cycle has turned. They are doing so as the IMF and World Bank slash their global growth forecasts, and as China’s ‘dynamic zero-Covid’ hits an economic brick wall. This has an uncanny echo of early 2008 when the Fed was spooked by surging oil prices. It talked up the futures curve by, yes, a full percentage point, misjudging how fast the US economy was already slowing.“ – bto: also das klare Risiko, dass hier in eine sich abzeichnende Rezession hinein gebremst wird. Man kann natürlich anders argumentieren und auf die Gefahr steigender Inflationserwartungen verweisen. Dies wird aber ebenfalls nicht mehr so gesehen, verharrt doch die Inflationserwartung auf tiefem Niveau.
  • The combined effect of ending QE and raising rates amounts to 13 synthetic rate rises so far under the Atlanta Fed’s Wu Xia “shadow rate”. A market variant of the shadow rate implies at least 25 rate rises by the end of the year, from cycle trough to peak.“ – bto: Angesichts der Verschuldung und der Vermögensblasen halte ich das für weitgehend ausgeschlossen.
  • The tightening so far has already pushed the US dollar index (DXY) to a 19-year high, an ordeal by fire for offshore borrowers with $12 trillion of US-denominated debt, much of it in emerging markets. It is dislocating large parts of the international financial system, still priced off three-month, one year, and five-year US dollar lending rates.“ – bto: Und es erhöht den inflationären Druck in der Eurozone, da der Euro so massiv schwächer wurde, während die Energierechnung in US-Dollar zu bezahlen ist.
  • “Bill Dudley, the former head of the New York Fed, says his old colleagues have fallen so far behind the curve that they will have to keep raising rates until something breaks; or as he puts it, until the market ‘co-operates’ – presumably by means of an equity crash that does the job of cooling the economy. He said a recession was now unavoidable. My presumption is that this outlook – which I consider misguided – reflects broad thinking in Fed circles.”
  • This really is like 2008, when the ECB overreacted to a temporary oil shock and raised rates after Germany and Italy had already slipped into recession. As it happens, the Economic Cycle Research Institute has just issued a client note warning that Germany and Italy are today on the cusp of recession. Bank of America says its European Credit Macro Indicator is flashing a red alert.“ – bto: Wir können nicht ausschließen, dass wir es mit einer Stagflation zu tun bekommen.
  • In one sense, it is absurd that the eurozone still has rates of minus 0.5pc and is still doing QE at a time when inflation is 7.6pc in Germany, 9.8pc in Spain, and 11.8pc in Holland. But such is the absurd situation that the eurozone has got itself into under the structure of monetary union. The system may require negative rates in perpetuity.“ – bto: Japan oder Stagflation ist dann die Frage.
  • There will be a time for a post-mortem on the pandemic policies of the central banks. They should not be faulted for taking out an insurance policy against the tail risk of economic and financial meltdown at the onset of Covid. The error was to persist too long with extreme QE once the V-shaped rebound was underway.They got into trouble because they stopped paying attention to monetary data under their New Keynesian staff models. These staff models have not been revised and are now causing them to make the opposite mistake.“ – bto: Sie erkennen also nicht die dämpfende Wirkung ihrer Maßnahmen? Ich denke nicht, dass sie das nicht wissen. Sie überschätzen die Kraft des Aufschwungs.
  • „(…) QE has worked exactly as you would expect under the quantity theory of money. (This) implies that the abrupt switch from QE to QT is going to lead to a drastic slowdown in the broad money supply. This will set off an asset crash this year followed by economic mayhem next year if central banks do not back off in time.“ – bto: Auch ich sehe diese Gefahr, ich sehe aber ebenfalls die strukturellen Risiken für eine nachhaltig höhere Inflation.

telegraph.co.uk (Anmeldung erforderlich): „Central banks risk crashing us into recession”, 27. April 2022

Kommentare (44) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. komol
    komol sagte:

    Man sollte – auch im Vergleich mit den 1970ern – bedenken, dass ein Anstieg des Leitzinses um 0,5 % Punkte bei einer Inflationsrate der Verbraucherpreise von 7 bis (ich würde sagen) 12 % aktuell eigentlich ein Witz ist. Es zeigt einmal mehr nur, dass das Gelddrucken aus politökonomischen Gründen (bislang noch vorgeschoben begründet mit dem Argument, dass sich öffentliche Schulden so etwas gleichverteilter abbauen lassen) nie wieder aufhören wird – zumindest nicht bis zur notwendigen Währungsreform – wo dann alle richtig am Wohlstandsverlust beteiligt werden (auch über Goldverbot; Zwangshypotheken usw.). Stichwort: QE till infinity. Die versunken Kosten, welche sich im Zuge der evolutionären Suchkosten für appropiate Internettechnologien (v.a. zwischen 1995 und 2008) ergaben und von den USA über einen Leverage-Kanal (GB;IB;SB) in alle Welt verteilt wurden, müssen bezahlt werden.

    Das ist es, was uns der Quatsch mit der MT gebracht hat – weil man in den WiWi nicht ganzheitlich denken kann, nie wollte und nie wird.

    Vor dem Endspiel, d. h. bevor der Markt – wie soll man es sagen? – “selbst” merkt, dass er “schlauer” ist als die ZBs, sie also vor sich her treiben wird – es sei denn, dass der Produktivitätsboost, den die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien am Ende versprechen, doch schon in den nächsten 5-10 Jahren messbar einzusetzen beginnt (nur mal so ein Vergleich: beim Buchdruck dauerte es bekanntlich 300 Jahre, bis aus der Neuzeit die Moderne wurde) -, versucht die FED jetzt volle Bulle auf Konstruktion durch Kommunikation zu setzen. Wie will sie denn ihre Billionenbilanz abbauen? Das so überhaupt zu sagen, wird durch den Markt nun sicherlich recht schnell als Verzweiflung gedeutet werden dürfen – und damit war es das! Nix von wegen “Zentralbankkapitalismus” .. Ich würde nun bald lieber einmal schauen, welche Reaktionsempfehlungen bspw. das Aladin-System von Black Rock dazu ausspucken wird :-)

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    • oliver komorek
      oliver komorek sagte:

      Die Bilanzschrumpfung soll laut FED vorrangig durch eine Nicht-Ersetzung auslaufender Anleihen bewerkstelligt werden. In einem reinen Modell, d. h. erstens ohne Bundesstaaten; zweitens unter der Annahme, dass die FED auf der Aktivaseite alle existierenden Bundesanleihen besäße; drittens bei vollkommenen Märkten und vollständiger Information; und viertens keiner Unabhängigkeit der FED (was ja politökonomisch gesehen auch der Fall ist) sowie Nicht-Ausgabe neuer Anleihen durch den Staat und Nicht-Berücksichtigung anderer Aktiva, würde das doch eigentlich bedeuten, dass der Wert der dann zu jedem beliebigen Zeitpunkt in der Sequenz noch gehaltenen Anleihen immer gerade so stark ansteigen würde, wie durch die auslaufenden Anleihen verloren geht!? Ist das die Denke und der kommunikative Trick dahinter? Leider gibt es zu diesem Sachverhalt m. E. keine Modelle, empirische Erfahrungen oder Sonstiges. Der Unterschied in der Bilanzsumme würde nur von einem Faktor abhängen: den Inflationserwartungen. Will man sich hier also wie Münchhausen an den eigenen Haaren aus dem Sunmpf ziehen?? Wenn das die Märkte frühzeitig antizipieren, erreicht man genau das Gegenteil, und dann wird aus dem Versuch der selbsterfüllenden Prophezeihung schnell eine VOLLSTÄNDIG selbstzerstörende Strategie (die Zerstörung des Einzigen, was die FED noch hat, nämlich kommunikative Konstruktionsgewalt).

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  2. Stoertebekker
    Stoertebekker sagte:

    Für mich passt das so nicht zusammen.

    1.) Wer in der Wirtschaft unterwegs ist (ich Chemie), sieht massive Supply-Probleme, die lt Angebot/Nachfrage-Logik zu höheren Preisen führen müssen. Das hat nix mit zu viel Geld zu tun, sondern mit Preissetzungsmacht und -willen der Unternehmen. Es FEHLT Produkt. Immer noch China, mittlerweile aber auch wegen zu hoher Energiekosten Fabriken geschlossen.

    2.) QE ist zu Ende, QT läuft. Dh es ist der größte Nachfrager nach US Treasuries raus. Und was passiert – der USD STEIGT. Und zwar massiv. Bei drohender Rezession.

    Jeff Snider: everything as predicted. 🤷‍♂️

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    • troodon
      troodon sagte:

      @Stoertebekker
      “der USD STEIGT”
      Vor dem Ukraine Krieg war der $ zum Euro auf dem gleichen Level, wie im Februar 1999.
      Europa ist stärker vom Krieg negativ tangiert. USA profitiert eher sogar. Für mich somit kein Wunder, dass der $ beschleunigt stärker wurde in den letzten 2 Monaten.

      Zu ihren H2 Post in einem anderen Thread… erst jetzt gelesen…
      D benötigt m.W. rd 60-70 GW Elektrolyseure bis 2045. RWE alleine hat zumindest schon einmal das Ziel 2 GW bis 2030 zu erreichen.
      60-70 GW ist sicher ein sehr hohes Ziel und unwahrscheinlich, dass es komplett erreicht wird bis 2045. Komplett ausschließen würde ich es aber nicht. Verschiebung der Produktion auf die iberische Halbinsel wäre zudem durchaus möglich, wenn die Ausbauziele der EE in D nicht erreicht werden, was ich erwarte. Und dann Import von dort…
      Wenn das auch nicht klappt, wandert die D Industrie teilweise dahin ab, wo es genügend H2 gibt. Pech gehabt D…
      Hat den Vorteil, dass wir dann weniger Transfers nach Südeuropa zahlen müssen. Sarkasmus off…

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      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @troodon

        Zum USD: der steigt aber schon seit Anfang 2021 (hab vorm Krieg schon Gewinne realisiert; wieder mal nicht optimales Timing…)
        Zudem wird hier ja dauernd von der WIRKUNG der FED-Aktionen (QE/QT/…) gesprochen. Die sehe ich nicht.

        Zum H2. Meine Angaben waren für die Welt. Die deutschen Zahlen sind deshalb so klein, weil die Wasserstoffwirtschaft davon ausgeht, dass wir 80% (!!!) des Wasserstoffs importieren (müssen). Steht selbst bei agora Energiewende drin, allerdings immer und überall im Kleingedruckten.

        Und selbst wenn das funktionieren würde, wären wir wieder in voller Abhängigkeit von unsicheren Kantonisten (sie Mengen schafft auch Iberia nicht – zudem stellen ja ALLE Länder um und brauchen dann H2. Habeck hat in Katar aber schon vorgearbeitet.)

      • troodon
        troodon sagte:

        @Stoertebekker
        Nur kurz:
        Beim US$ ging es mir nur um die Beschleunigung der Bewegung in den letzten 2 Monaten, die sicher nur untergeordnet mit QE/QT zu tun hat. Längerfristige Devisenprognosen habe ich mir zudem schon lange abgewöhnt… ;)

        Die langfristige Importquote von H2 wird maßgeblich vom Ausbau der EE abhängen. Langfristszenarien. de gehen von 65% Import für D aus, wenn EE Ausbau maximal umgesetzt wird. Die Importe könnten nach deren Meinung komplett aus Europa erfolgen.
        Wie hoch wurde denn der H2 Bedarf für D im Webinar gesehen? Gibt ja komplett unterschiedliche Modelle…
        Von 260 TWh Nachfrage für D und 92 TWh Erzeugung geht man bei den Langfrisszenarien aus (Seite 40 werden beide Zahlen aufgeführt). Sind noch die Zahlen für 2050, an den neuen für 2045 wird dort gearbeitet.
        https://www.langfristszenarien.de/enertile-explorer-wAssets/docs/LFS3_Webinar_TN-Strom_Varianten_final.pdf

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @troodon

        Der globale Bedarf wird mit 212mt (2030) und 660mt (2050) angegeben. Studie vom hydrogen council (?)

        Da es um die Zulieferer fürs Wasserstoffhochfahren geht und das als globaler Markt gesehen wird, haben die das nicht weiter runtergebrochen. War in der Konferenz nur eine “Rahmensetzung”.

        Parallel versuche ich gerade rauszufinden, wieviel qm man braucht, um die nötige Energie für 1MW/1GW Wasserstoffelektrolyseur zu erzeugen. Dann könnte man mal einen Realtitätscheck versuchen.

    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Stoertebekker

      Was soll da angeblich nicht zusammenpassen?

      “Das hat nix mit zu viel Geld zu tun, sondern mit Preissetzungsmacht und -willen der Unternehmen. Es FEHLT Produkt.”

      Und warum fehlen Produkte und Rohstoffe? Könnte das vielleicht damit zu tun haben, dass die EU und die USA großen Teilen ihrer Bevölkerung auch schon vor der “Putin”-Aktion 2 Jahre lang viel frisch geschöpftes Kreditgeld fürs Nichtstun überwiesen haben, was wir “Corona-Hilfspaket”, “Stimmie-Check”, und so weiter nannten?

      “QE ist zu Ende, QT läuft.”

      Nicht so schnell. Selbst in den USA noch nicht. Losgehen mit QT soll es dort ab 01. Juni 2022 in homöopathischen Dosen:

      “Beginning on June 1, principal payments from securities held in the SOMA will be reinvested to the extent that they exceed monthly caps.

      For Treasury securities, the cap will initially be set at $30 billion per month and after three months will increase to $60 billion per month. The decline in holdings of Treasury securities under this monthly cap will include Treasury coupon securities and, to the extent that coupon maturities are less than the monthly cap, Treasury bills.

      For agency debt and agency mortgage-backed securities, the cap will initially be set at $17.5 billion per month and after three months will increase to $35 billion per month.”
      https://www.federalreserve.gov/newsevents/pressreleases/monetary20220504b.htm

      Das sind insgesamt ungefähr 500 Milliarden US-Dollar Bilanzsummenabbau bis Jahresende 2022, sowas hat die US-Zentralbank im März/April 2020 innerhalb von 2 Wochen frisch gedruckt…

      “Und was passiert – der USD STEIGT. Und zwar massiv. Bei drohender Rezession.”

      Gegenüber dem Euro, ja. USD ist wie die am wenigsten versiffte Unterhose in einem Haufen stinkender Wäsche (EUR, JPY).

      Gegenüber Sachwerten, nehmen wir als Beispiel mal Exxon-Aktien, wertet auch der USD stetig ab, mittlerweile müsste ich ungefähr doppelt so viele auf den Tisch legen um einen weiteren Anteil dieses Unternehmens zu kaufen wie noch Mitte 2020 nötig gewesen wären.

      PS: Würden Sie auch rosa Elefanten “sehen”, wenn Snider Ihnen “zeigen” würde, wo überall welche herumlaufen? ;)

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      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @R. Ott

        Wohin soll die abgebrochene logische Kette eigentlich führen, die Sie lostreten mit

        „ Und warum fehlen Produkte und Rohstoffe? Könnte das vielleicht damit zu tun haben, dass die EU und die USA großen Teilen ihrer Bevölkerung auch schon vor der “Putin”-Aktion 2 Jahre lang viel frisch geschöpftes Kreditgeld fürs Nichtstun überwiesen haben, was wir “Corona-Hilfspaket”, “Stimmie-Check”, und so weiter nannten?“

        ?

        Es fehlen Rohstoffe und Produkte, weil sie entweder in Corona nicht hergestellt werden konnten oder nicht transportiert werden konnten (wodurch sie dann in Folge gar nicht mehr hergestellt wurden). Und jetzt fehlen sie, weil Produktion und Lieferketten nicht gleich schnell mit der Nachfrage „aufwachen“.

        So weit, so richtig.

        Und jetzt implizieren Sie, dass diese Situation nicht entstanden wäre, wenn man kein „Coronageld“ gezahlt hätte und die ZBenkeine Anleihen gekauft hätten?

        Weil das WIE genau gewirkt hätte?

        Wenn Ihre Begründung sein sollte, Arbeitslosigkeit und Pleiten in einem solchen Umfang zuzulassen, dass das durch die Reaktionen auf Corona verknappte Angebot auf eine gleichfalls eingebrochene Nachfrage trifft, damit es DADURCH weniger bis keine Teuerung gibt: Sagen Sie es doch genau so.

        Oder was ist die Idee hier?

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        >Oder was ist die Idee hier?>

        Wenn zu viel Geld “gedruckt” wird, fehlen anderswo die Arbeitskräfte, um Güter herzustellen, selbstverständlich auch dann, wenn diese im Ausland hergestellt werden.

        Bei R. Ott ist die Idee IMMER:

        “Gelddrucken” ist das Übel, das allen anderen Übeln zugrunde liegt.

    • Stoertebekker
      Stoertebekker sagte:

      @R Ott

      “Und warum fehlen Produkte und Rohstoffe?”

      Moin Herr Ott. Wenn wir sowas ernsthaft diskutieren wollen, müssten Sie Ihre populistische Bürgerbrille absetzen. Ich kann nur für die Chemieindustrie sprechen. Da gibt es einige Gründe.

      a) Die Corona-Pandemie mit den anschließenden Supply-Chain-Verwerfungen, u.a.

      a1) Container mit Produkt warten in den chinesischen Häfen, um nach D zu kommen.
      a2) Es fehlen Container auf der Europa-Asien/retour-Strecke, die in anderen Häfen feststecken (weil Corona-Material dorthin geliefert wurde, es aber keine Rücktouren gab).
      a3) Teilweise wurde wegen der Lockdowns in Betrieben nicht gearbeitet. Bei einer globalen und einigermaßen Supply/Demand-ausgeglichenen Industrie führt das sofort zu Produktengpässen.

      b) Die gestiegenen Energiekosten.

      b1) bei bestimmten commodities (zB Düngervorprodukte) ist die Marge so gering, dass es bei derart hohen Energiepreisen nicht lohnt, die Anlagen laufen zu lassen. Höhere Preise könnte man versuchen, es wird in den allermeisten Fällen aber zum Versuch des Aussitzens kommen (ein Jahr schaffen wir schon) oder der Düngung mit Gülle (was wieder ein anderes Thema ist, hier aber zu weit führt)
      b2) Die Transportkosten sind so weit gestiegen, dass ein Transport von Commodities (=Produkte mit geringen Margen) keinen Sinn mehr macht. Dazu kommen dann manchmal noch leichte Corona-“Beiwirkungen”.

      3.) Für die Chemieindustrie gibt es Ereignisse, die der populistische Weltengucker gar nicht als solche wahrnimmt. Die Kältewelle in Texas vor nem Jahr hat zu massiven Anlagenausfällen geführt, weil die Anlagen nicht für diese Temperaturen konstruiert waren. Die Hersteller erklären dann “Force majeure”, was rechtliche Implikationen für die Vertragsverpflichtung hat. Und wenn Sie sich anschauen, wo in den USA die Chemieindustrie konzentriert ist, bekommen Sie eine Vorstellung vom Ausmaß des Desasters. Konsequenz: Produkt fehlt Und zwar GLOBAL.

      Fazit I: da ist ne Menge zusammengekommen. Es fehlt ne Menge Produkt. Und die Chemieunternehmen machen aktuell ne Menge GEWINN (schauen Sie sich die Dividendenzahlungen für 2021 an und die Quartalsberichterstattung QI/22). Das ändert sich, hat aber mit Geldmengen genau NULL zu tun. Und da die Chemie am Beginn nahezu aller Wertschöpfungsketten steht bzw. in fast alle zuliefert (auch in abwegig scheinende wie Gesundheit, Tourismus,…) ist die Welt jetzt wie sie ist.

      Fazit II: Diese Entkopplung der Diskussion um Geldthemen von der Realwirtschaft nervt. Eigentlich sollten wir IMMER mit dem REALEN starten (und das ganze irrsinnige Finanzübergebäude sowieso weglassen). Aber es ist so viel einfacher, n bisschen VWL-theroretisch zu parlieren…

      Antworten
    • Stoertebekker
      Stoertebekker sagte:

      @R Ott

      “‘QE ist zu Ende/QT..’ Nicht so schnell. Losgehen soll es mit QT ab 01. Juli 2022.”

      Wieder mal typisch @R Ott. Der erste Halbsatz (QE) ist der Einstieg in meine Argumentation. Die Nachfrage ist ausgefallen. Die letzte QE-Welle lief von März 2020 bis März 2022. In dieser Zeit ist der USD erst gefallen (bis Ende 2020), dann gestiegen. Meine Aussage ist nur: die Wirkung ist in der REALITÄT nicht zu sehen.

      Zum USD.

      Na, das ist ja ein hübscher Versuch.

      1.) Der Euro ist nach dem USD die zweitwichtigste Währung im globalen Handel (jeweils knapp unter 40%). Insofern halte ich die Bewegung gegenüber anderen Währungen über bilaterale Einflussfaktoren erklärbar (direkter Handel), die Wirkung auf den Euro aber für über die Euro-Grenzen hinausgehend. Ist MEIN Maßstab.

      2.) @Exxon. Nun wird’s aber spökenkiekerig. Wenn ich mir beliebige Aktien rausgreife und die als Anker/Bezugsgröße für Währungsschwankungen definiere, bekomme ich immer, was ich will. Warum nehmen Sie nicht Boeing oder Hertz oder Gamestop? Den Kursbewegungen scheinen irgendwie andere Fundamentaldaten zugrundezuliegen – werden aber alle in USD notiert.

      PS @R Ott – wenn Sie doch alles so gut wissen und ein allumfassendes Weltverständnis haben, warum arbeiten Sie dann noch? Müssten doch längst die Ernte eingefahren haben.

      PS2 Nicht für Sie, aber vielleicht liest ja noch jemand mit. J Snider hat für mich genau deswegen Wert, weil er die REAL BEOBACHTBAREN Phänomene seinen Erklärungsansätzen zugrunde legt. Keine ex-post-Interpretationen von FED-Aktionen, die in den Protokollen der ex-ante FOMC-Sitzungen überhaupt keine Rolle gespielt haben. Nochmal die für mich wesentlichen Erkenntnisse:

      a) wir haben seit mehreren Jahren ein tendenziell depressives Wirtschaftsszenario,
      b) die aktuellen Preissteigerungen sind keine (monetäre) Inflation, sondern Preisanpassungen aufgrund aus den Fugen geratener Supply/Demand-Verhältnisse und
      c) der USD ist knapp, die unangefochtene #1 und wird in kritischen Phasen immer wieder massiv aufwerten (nicht dauerhaft, sondern bei potenziell für die globale Liquiditätsversorgung [!] disruptiven Ereignissen). [Deshalb kaufe ich jetzt immer mal bei über 1,20 und verkaufe ab ca. 1,12.]
      d) Zentralbankaktionen sind praktisch wirkungslos. Zentralbankankündigungen wirken – allerdings nur am kurzen Ende und dort, wo sie überhaupt nicht wirken sollen – am Kapitalmarkt.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        >Diese Entkopplung der Diskussion um Geldthemen von der Realwirtschaft nervt. Eigentlich sollten wir IMMER mit dem REALEN starten (und das ganze irrsinnige Finanzübergebäude sowieso weglassen).>

        Beim ersten Satz bin ich GANZ bei Ihnen.

        Bei zweiten würde ich zustimmen, was das „GANZE irrsinnige Finanzübergebäude“ anlangt, aber nicht ausblenden, dass die Verschuldung, insbesondere auch der Staaten, zur NACHFRAGE beiträgt, die EINE Determinante der Inflation ist.

        Übrigens:

        Welche Meinung hat denn J. Snider bezüglich der Inflation zu den von Ihnen RICHTIG benannten und einbezogenen Supply-Chain-Verwerfungen, gestiegenen Energiekosten etc.?

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer

        zu J Snider und Inflation

        Er hat IMMER gesagt “Geld [=USD] ist knapp”. Dann kann es aus seiner Sicht auch keine Inflation geben. Seine Betonung lag im Gegenteil ja schon viele Monate darauf, dass alle Indikatoren für ein rezessives und damit tendenziell deflationäres Szenario sprechen. (daher keine Überraschung bei ihm bzgl. der aktuellen US-Zahlen zum Wachstum). Die gegenwärtigen Preissteigerungen erklärt er genau so, wie ich sie in der Chemieindustrie auch erlebe. Verwerfungen in Supply/Demand-balances.

        zum Finanzübergebäude

        Damit habe ich den gesamten Spekulationsblock der Finanzwirtschaft gemeint. Nicht die “ordentliche” Schuldenaufnahme von Staaten/Unternehmen/Privatpersonen für nicht-spekulative Zwecke. Dh Konsum wäre bei mir mit drin, weil er in der REALwirtschaft Wirkung zeigt.

        PS Nachfrage ist zunächst einmal eine Determinante für die Preisbildung. Höhere Preise laufen zwar volkstümlich unter Inflation, das stimmt aber nur dann, wenn Supply/Demand sich nicht verändert haben. Was mich dabei ärgert – als der Liter Diesel von 1,50€ auf 1,00€ gefallen ist, gab es keine Diskussion um Deflation. Nicht ansatzweise.

        Das zeigt den oberflächlichen Charakter dieser ganzen öffentlichen Meinungsäußerungen (auch hier am Blog). Preise gehören als Indikator für Knappheit zum Leben. Knappheit – hoher Preis, Überfluss – niedriger Preis. NULL Geldwirkung. Die kommt erst, wenn … na, hab ich oben ja schon geschrieben.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        >zu J Snider und Inflation
        Er hat IMMER gesagt “Geld [=USD] ist knapp”.

        Dann kann es aus seiner Sicht auch keine Inflation geben.>

        Das ist SCHLÜSSIG „aus seiner Sicht“.

        Die Schlussfolgerung ist aber faktisch FALSCH.

        Denn es GIBT Inflation.

        Die Erklärung, warum es sie auch bei „immer knappen Geld“ geben kann, ist folgende:

        Beim Thema Inflation geht es nicht darum, was „immer“ ist, sondern was sich auf der Nachfrage- und Angebotsseite VERÄNDERT.

        Bezüglich der Angebotsseite mag er ja so richtig wie Sie und ich liegen.

        Aber er liegt – zumindest für die USA − FALSCH auf der Nachfrageseite.

        Denn die Corona-Hilfen der US-Regierung haben eine ENORME Summe Geldes in die Hände der US-Haushalte gespült und dieses hat die Nachfrage ERHÖHT.

        Das ist unstrittig.

        Wenn J. Snider das ausblendet, ist er auf einem Auge blind.

        Zum Finanzübergebäude grundsätzlich kein Disput.

        Aber:

        >Höhere Preise laufen zwar volkstümlich unter Inflation, das stimmt aber nur dann, wenn Supply/Demand sich nicht verändert haben.>

        Denken Sie über diesen Satz noch einmal nach.

        Wenn Supply/Demand sich NICHT verändert haben, dann − bei c. p., also u. a. auch keinen Änderungen bei den Steuern – GIBT es KEINE höheren Preise, weder „volkstümlich“ angenommene, noch gemessene, wie etwa anhand des statistischen Warenkorbs.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer

        Zum letzten Satz.

        Doch. Wenn tatsächlich Geld gedruckt wird, sich aber weder die Nachfrage- noch die Angebotsmenge (und meinetwegen die Steuern) verändern, dann gibt es höhere Preise. Oder was meinen Sie, was hinter den hochinflationären Entwicklungen in Venezuela, afrikanischen Ländern, … steht.

        Und wenn Putin jetzt den Rentnern/Müttern/… mehr Geld dekretiert, wird es – auch bei unterstellt gleichbleibendem BSP – zu einer inflationären Entwicklung kommen. Die kann man mit Staats-Preisen optisch auffangen, aber dann bildet sich ein Schwarzmarkt mit realen Preisen.

        Zum Helikoptergeld.

        Ja, natürlich ist das gedrucktes Geld. Und das ist auch ne ganz ordentliche Menge. ABER das ist vom US-Kongress genehmigt, über Staatsanleihen eingeworben und über die Käufer von Staatsanleihen in die ganze Welt gepumpt worden. Also im Prinzip behandelt wie jede andere Verschuldung der USA auch. Die praktische Auswirkung? Ein leicht fallender Dollar. Und wieder eine USD-Knapp(!!)heit, die von der FED mit Erweiterung der Swap-lines (2020/21) beantwortet wurde.

        Genau das ist doch die Frage – was passiert in der REALITÄT? USD sind knapp UND die Preise steigen. Das KANN keine Inflation sein. (KEIN monetäres Phänomen.)

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        >Wenn tatsächlich Geld gedruckt wird, sich aber weder die Nachfrage- noch die Angebotsmenge (und meinetwegen die Steuern) verändern, dann gibt es höhere Preise.>

        WIE denn?

        Wenn Geld gedruckt wird, entsteht Geld – und weiter erst einmal NICHTS.

        Geld per se, d. h. seine EXISTENZ in Form von MEHR, bewirkt NCIHTS.

        Denn an die Menschen verteilt, kann dieses Geld GEHORTET werden.

        Die Inflation mit der Geldmenge zu ERKLÄREN, aber dabei die auf ihr beruhende NACHFRAGE auszublenden, WIDERSPRICHT der REALITÄT und JEDER wissenschaftlichen Erkenntnis.

        Höhere Preise aufgrund der Geldmengenänderung gibt es NUR, wenn die Änderung zu einer HÖHEREN Nachfrage führt, alles andere c. p.

        Zum Helikoptergeld/USA:

        >Genau das ist doch die Frage – was passiert in der REALITÄT? USD sind knapp UND die Preise steigen.>

        Das ist FAKTISCH falsch.

        In der REALITÄT der USA ist passiert, dass USD (u. a. als Helikoptergeld) in die Hände von Konsumenten in USA gelangten, die es in spürbarer Menge für NACHFRAGE eingesetzt haben.

        Nicht nur, aber vor allem DESHALB sind die Preise in USA so gestiegen,
        dass zurecht von Inflation die Rede ist.

        Von USD knapp kann KEINE Rede sein.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer

        Mir ist ja klar, dass es schwer ist, in die Gedankenlogik von J Snider einzutauchen. Versuchen Sie einfach mal, von der REALITÄT zu starten und dann Theorien zu suchen.

        a) Inflation: Venezuela druckt Geld, um den Arbeitern eine Prämie zu zahlen, Russland druckt Geld, um den Rentnern im Donbass mehr Rente zu zahlen, Russland druckt Geld, um den Müttern der toten Soldaten 100k€ (oder so) Tod-für-Vaterland-Entschädigung zu zahlen, usw. Dieses Geld (=Nachfrage) trifft auf ein gleichbleibendes Güterangebot. Sparen können weder die Rentner in Russland noch die Menschen in Venezuela. Konsequenz? Regale leer. Marktwirtschaft – Preise steigen WEGEN mehr Geld. Planwirtschaft: Regale bleiben leer. Preise steigen auf dem Schwarzmarkt.

        b) In den USA hat es mehr Nachfrage gegeben. Klar. Aber es hat eben AUCH geringere Produktion gegeben (Texas – Ausfall riesieger Chemiekapazitäten als Beginn der Wertschöpfungsketten, teilweise sogar Energieketten), Lieferprobleme aus China, Produktionsprobleme wegen Quarantäne in aller Welt. GLEICHZEITIG!!!!

        Wieso ordnen Sie dann steigende Preise dem vergleichsweise geringen Effekt von 300Mrd USD (Zahlungen an die Haushalte, mit denen Schuldendeckung, Aktien-/Cryptospekulationen, Sparen und auch Konsum betrieben wurden) VOLLSTÄNDIG zu?

        Für mich ist das zunächst einmal NUR eine PREISERHÖHUNG. Deren Ursache liegt irgendwo in dem angegebenen Strauß. Und dann schaue ich nach weiteren REALphänomenen, die mir Hinweise liefern können. Und eines ist – der Dollar ist KNAPP. Inflation unwahrscheinlich. Das nächste ist – die Chemie- und Folgeindustrien haben Probleme, Rohstoffe zu beschaffen. Weil es sie NICHT GIBT. Könnte eine Erklärung sein, hat mit Inflation nichts zu tun.

        Besser kann ich’s nicht erklären… Dieses monokausale Denken macht’s Leben gefühlt leichter. Aber die Konmplexität zu erkennen und vielleicht in Teilen zu durchdringen, DAS macht Spaß.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer

        Nachtrag:
        Der USD ist knapp, wenn der Kurs steigt!
        Der USD ist knapp, wenn die FED anderen Zentralbanken SWAP-Linien über das übliche Maß hinaus einräumt!
        Der USD ist knapp, wenn die Liquidität am Eurodollarmarkt versiegt!

        Was immer der Kongress an Schulden bewilligt und die FED oder irgendein anderer Käufer dann erwirbt, sagt überhaupt NICHTS über die Knappheit aus. Falls US-Treasuries nicht verkauft werden können, DANN gibt es ein Überangebot (zu den geforderten Konditionen). Im Moment nix davon zu sehen.

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @Stoertebekker @DT

        Die Gleichung, die Geldmenge und Preise verknüpft, enthält ja auch noch die Umlaufgeschwindigkeit als Variable.

        Dietmar Tischer hat insofern Recht mit seinem, dass diese Gleichung wertlos ist, weil man nur so messen kann, das man immer mit einer Gleichgung aber zwei Unbekannten endet – bringt nix.

        Wer also relevant argumentieren will, muss Nachfrage synonym zur Umlaufgeschwindigkeit mitdenken und kann sich nicht alleine auf Geldmengen kaprizieren.
        Sie können als Gegenbeispiel ja auch Inflation erhalten, wenn die Konsumenten Sparquoten hinunterfahren bei gleichbleibender Geldmenge.

        Eine Erklärung von Teuerungen über Geldmengen ist also immer eine Halbwahrheit die recht gefährlich für praktische Politik ist.

      • jobi
        jobi sagte:

        @USD-Stärke

        Hauptgrund für den knappen USD sind steigende Zinsen. Nicht nur das Ausmaß sondern vor allem die Rekordgeschwindigkeit, mit der das gerade passiert, ist entscheidend.

        Dadurch kommen nun weltweit Investments in Schwierigkeiten, die mit USD-Krediten gehebelt wurden.

        Rückzahlung oder Default sind immer öfter die einzigen Alternativen, was zu einer doom-loop aus weiterer Verknappung und USD-Aufwertung führt.

        Und das ganze im Umfeld geopolitischer Unsicherheit, Eintrübung der Frühindikatoren und einer Fed, die nun wirklich keinen Zweifel daran lässt, dass sie die Inflation über das Abwürgen der Nachfrage bekämpfen wird.

        Nur der Aktienmarkt scheint es noch nicht so richtig wahrhaben zu wollen.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @Ch Anders

        Was GILT denn als GELD im Eurodollarmarkt? Der ist aber entscheidend für die internationale Abwicklung des Handels.

        Wenn wir nicht wissen, WAS alles Geld ist, können wir weder die Menge bestimmen noch Aussagen wie zu viel, zu wenig usw treffen.

        Die Theorie ist auch da immer noch NATIONALökonomie statt INTERNATIONALökonomie.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker, @ Christian Anders, @ jobi

        @ Stoertebekker

        Sie argumentieren zweifach am Thema vorbei.

        a) Es geht zuletzt nicht um die Gedanken von J. Snider, sondern um IHRE Aussage, nämlich die:

        >Wenn tatsächlich Geld gedruckt wird, sich aber weder die Nachfrage- noch die Angebotsmenge (und meinetwegen die Steuern) verändern, dann gibt es höhere Preise.>

        Ich habe gefragt: WIE denn?

        Und ich habe Ihnen entgegnet:

        >Die Inflation mit der Geldmenge zu ERKLÄREN, aber dabei die auf ihr beruhende NACHFRAGE auszublenden, WIDERSPRICHT der REALITÄT und JEDER wissenschaftlichen Erkenntnis.

        Höhere Preise aufgrund der Geldmengenänderung gibt es NUR, wenn die Änderung zu einer HÖHEREN Nachfrage führt, alles andere c. p.>

        Zeigen Sie auf, dass es auch anders geht und widerlegen Sie mich.

        Offensichtlich können Sie es nicht.

        Daher ist die Annahme berechtigt, dass ich richtig und Sie falsch liegen.

        b) Sie sagen:

        >In den USA hat es mehr Nachfrage gegeben. Klar. Aber es hat eben AUCH geringere Produktion gegeben. Wieso ordnen Sie dann steigende Preise dem vergleichsweise geringen Effekt von 300Mrd USD… VOLLSTÄNDIG zu?

        Dazu:

        Erstens geht es zuletzt NUR um die sich ändernde Geldmenge. Daher habe ich darauf verwiesen, dass entgegen Ihrer Behauptung die USD in USA nicht knapp waren als die Preise stiegen.

        Zweitens habe ich gesagt:

        >Nicht nur, aber vor allem DESHALB sind die Preise in USA so gestiegen,
        dass zurecht von Inflation die Rede ist.>

        „Nicht nur“ heißt, dass die Inflation NICHT vollständig der zugenommenen Geldmenge und damit – von Ihnen eingeräumt auch der NACHFRAGE geschuldet ist – sondern auch anderem, u. a. gewiss auch der Angebotsseite.

        Da Sie nicht dumm sind, sondern am Blog konstruktive Beiträge liefern, sollten Sie so fair sein, eine auf Behauptungen und Sachverhalten beruhende Diskussion auch dann argumentativ „sauber“ zu führen, wenn Ihre Auffassungen derart infrage gestellt werden, dass sie zu einer Herausforderung für Sie werden.

        @ Christian Anders

        >Wer also relevant argumentieren will, muss Nachfrage synonym zur Umlaufgeschwindigkeit mitdenken und kann sich nicht alleine auf Geldmengen kaprizieren.>

        Es ist völlig richtig, auch die Umlaufgeschwindigkeit mit einzubeziehen.

        Ich habe dies bewusst nicht getan, um die Diskussion nicht mit einer zusätzlichen Variablen zu beschweren.

        Ich habe aber c. p. geschrieben, damit die Diskussion korrekterweise und klärungsorientiert bei der Geldmenge bleiben kann, ohne die Umlaufgeschwindigkeit EXPLIZIT mit einzubeziehen zu müssen.

        @ jobi

        >Hauptgrund für den knappen USD sind steigende Zinsen.>

        Sie beziehen sich darauf, dass in USA die Zinsen steigen und damit in USA Anlagen attraktiver werden, so dass NICHTBESITZER von USD mit ihren Währungen USD kaufen, um damit US-Assets zu kaufen.

        Das ist dann richtig, wenn man mit „knapper“ nicht die Menge von USD meint, sondern die wie dargelegt wachsende Nachfrage nach USD.

        Die Folge, die Sie benennen ist richtig und ein großes Problem für Entwicklungsländer und damit natürlich auch die Weltwirtschaft:

        >Dadurch kommen nun weltweit Investments in Schwierigkeiten, die mit USD-Krediten gehebelt wurden.>

        Das ist aber nicht das Thema meiner Diskussion mit Stoertebekker.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer

        ad a) Sie haben insoweit recht, als dass an einer Stelle im System durch Verschiebung die Nachfrage für eine Preiserhöhung steigen muss. Allerdings nicht für das Gesamtsystem.

        Also, 10 Bäcker haben 10 Kunden, die immer 10 Brötchen kaufen. Wenn jetzt ein Kunde zu einem anderen Bäcker wechselt (Nachfrage Bäcker A steigt, Nachfrage Bäcker B sinkt), ist das der Impuls für A, die Preise um 10% zu erhöhen. Das machen ALLE Kunden mit, weil sie mehr Rente bekommen haben und sie an anderer Stelle nicht verzichten müssen.

        (Wäre die Rente gleich geblieben, würde beim teureren Bäcker ein Teil der Nachfrage ausfallen, zu den anderen Bäckern verlagert, dort für mehr Nachfrage sorgen und dort für eine Preiserhöhung sorgen. Allerdings langsamer, da die gleich reichen/armen Kunden voraussichtlich mehrere Schleifen über die verschiedenen Bäcker drehen und Preise vergleichen.)

        Und da die Bäcker untereinander die Preise beobachten (analog Tankstellen), ziehen die anderen Bäcker nach. Im SYSTEM gibt es weder mehr Angebot noch mehr Nachfrage, beim einzelnen Bäcker aber schon.

        ad Geldmenge

        Da kommen wir nicht weiter. Ich komme von den realen Phänomenen und beobachte die Situation vor und nach der Verteilung von Helikoptergeld, vor und nach Erhöhung der Energiekosten, vor und nach Maßnahmen der FED, vor und nach Produktionsproblemen. Mir ist egal, was die FED erzählt und was die Akademia verlautbart.

        Und dann schätze ich die aus meiner Sicht plausibelste Variante für die Ursache der Preissteigerungen ab.

        (Die Verteilung von Helikoptergeld ist genau so eine zusätzliche Staatsverschuldung wie jede andere auch. Das ist nicht neu, das ist nicht anders, da gibt’s keine neuen Mechanismen, das ist ein ganz normaler Prozess wie seit Dekaden. Warum um alles in der Welt soll die Verwendung DIESER Verschuldung eine andere Wirkung haben als die Verschuldung für Rüstung, Infrastrukturausgaben, Sozialsysteme usw. JEDE Verschuldung erhöht die Nachfrage an irgendeiner Stelle im System.)

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        > Ich komme von den realen Phänomenen und beobachte die Situation vor und nach der Verteilung von Helikoptergeld, vor und nach Erhöhung der Energiekosten, vor und nach Maßnahmen der FED, vor und nach Produktionsproblemen.>

        Genau das mache ich doch auch – da sind wir doch gar nicht auseinander.

        WEIL ich die Dinge so angehe, muss ich es mir untersagen und anderen verweigern, MONOKAUSALE Erklärungen für z. B. Inflation zu akzeptieren.

        >Und dann schätze ich die aus meiner Sicht plausibelste Variante für die Ursache der Preissteigerungen ab.>

        Anders:

        Hinsichtlich eines erklärenden Wirkmechanismus beziehe ich ALLE für die Betrachtung eines Phänomens relevanten VERÄNDERUNGEN ein.

        Natürlich ist Helikoptergeld nicht neu, aber Helikoptergeld KANN einen signifikanten Beitrag zu einer Erklärung leisten, wenn es ein Teil des Geschehens, das es vorher nicht war, geworden IST.

        So wie mit Produktionsausfällen, abnehmenden Angebot an Getreide etc. etc. …

    • jobi
      jobi sagte:

      @Stoertebekker

      “Das hat nix mit zu viel Geld zu tun”

      5 Bio US-Dollar sollen keine Wirkung haben ??
      Die Inflation ist Ergebnis von beidem, Angebot und Nachfrage.
      Und “Preissetzungsmacht” der Anbieter ?
      Wohl eher die Tatsache, dass sich Rohstoffe und Energie nicht “drucken” lassen.

      Zum US-Dollar siehe auch Milkshake Theory von Brent Johnson:
      https://youtu.be/_UHPth1xd0A

      Antworten
      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @jobi

        Jeder hat seine Erklärung.

        ICH sehe, dass der USD knapp ist (messbar s.o.), ich sehe, dass die ZB Aktionen wirkungslos sind (gibt mittlerweile auch Studien – von den ZBs selbst), ich weiß, dass Supply/Demand in der Chemie MASSIV aus dem Gleichgewicht sind (Corona, Energie, Force majeure).

        Und MEIN Verständnis der Situation ist, dass es sich um Preisanpassungen aufgrund realwirtschaftlicher Verwerfungen handelt.

        Bei Geld/Geldmenge ist es so, dass wir gar nicht wissen, was als Geld(äquivalent) in der internationalen Abwicklung zwischen den Banken akzeptiert wird. Wenn wir nicht wissen, WAS Geld ist, können wir nicht wissen, wie viel da ist und auch nicht, ob 5 bn viel, wenig, zu viel, zu wenig sind. 🤷‍♂️

      • jobi
        jobi sagte:

        @ Stoertebecker

        “Und MEIN Verständnis der Situation ist, dass es sich um Preisanpassungen aufgrund realwirtschaftlicher Verwerfungen handelt.”

        Da bin ich ja weitgehend bei Ihnen, mich stört nur die Behauptung, dass das Gelddrucken keinen Einfluss auf die Preissteigerungen gehabt hätte.

        Allein das letzte der drei US-Hilfspakete vom März 2021 in Höhe von 9% des BIP hat die Inflation angeheizt, als die Wirtschaft schon wieder auf Erholungskurs war.

        Anderenorts waren Regierungen kaum weniger “großzügig”.

        Neben Angebot und Nachfrage gibt es aber auch strukturelle Ursachen für die Inflation.

        So hat sich der Konsum während der Coronazeit verschoben: Weniger Dienstleitungen und Reisen, dafür mehr Zeugs von amazon, bedeutet mehr Nachfrage nach Rohstoffen.

        Die Auswirkungen einer verfehlten Energie- und Rohstoffpolitik der letzten zehn Jahre, insbesondere in Europa, zählen sicher zu den diesen Ursachen, die wohl stark unterschätzt werden und die auch nicht so schnell wieder verschwinden dürften.

        Erkennbar z.B. am historisch niedrigen Investitionsniveau in diesem Sektor. Anstatt ihre Produktionskapazitäten zu erweitern, kaufen Minengesellschaften lieber eigene Aktien zurück, trotz hoher Rohstoffpreise.

        Von einer USD-Schwemme kann allerdings keine Rede sein, sondern das Gegenteil ist der Fall, worauf Jeff Snider ja immer wieder hinweist und was die Fed bis heute nicht auf die Reihe bekommt.

        Und das ist besonders tragisch im gegenwärtigen Umfeld !

  3. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    >Inflation may keep rising for a few more months as a legacy effect but the underlying problem is already solving itself.“>

    Das ist soweit ersichtlich FALSCH.

    Richtig ist, dass sich das Pandemieproblem auflöst hat bis zum Herbst jedenfalls, aber ANDERE Sachverhalte ERSETZEN das Pandemieproblem als INFLATIONSTREIBER.

    Ob die Notenbanken in der Vergangenheit etwas falsch gemacht haben, etwa derart:
    >The error was to persist too long with extreme QE once the V-shaped rebound was underway.>
    ist Schnee von gestern.

    Was sollten sie HEUTE tun?

    Die Fed wird heute verkünden, dass sie den Leitzins um erwartete 0,50 Prozentpunkte hochsetzt.

    Dies ist angesichts der Situation in USA sehr gut BEGRÜNDBAR.

    Hier Zahlen dazu:

    https://www.reuters.com/world/us/us-job-openings-hit-record-high-115-million-march-2022-05-03/

    • Job openings increase 205,000 to 11.5 million in March (HÖCHSTES Niveau offener Stellen seit 2000)

    • Hiring falls 95,000 to 6.7 million (LEICHTER Rückgang der Einstellungen auf HOHEM Einstellungsniveau)

    • Quits rise 152,000 to record 4.5 million (FREIWILLIGE Aufgabe der Arbeitsstelle)

    Eine Rezession ist nach DIESEN Zahlen nicht absehbar, wohl aber eine Preis-/Lohn-/Preisspirale, die in USA bereits in Gang ist und die die Fed unter Kontrolle bekommen will.

    Auf den ARBEITSMÄRKTEN sind die Zahlen in der Eurozone/EU sind andere.

    Die EZB will lt. Frau Schnabel eine Preis-/Lohn-/Preisspirale nicht erst in Gang kommen lassen und deutete eine mögliche Leitzinserhöhung im Juni an.

    Das ist jedenfalls die Begründung.

    Man kann darüber spekulieren, ob dies der WAHRE oder EINZIGE Grund ist.

    Wird die EZB die Leitzinsen in naher Zukunft nicht erhöhen, wir er Euro weiter abwerten und damit die Inflation in der EU treiben ZUSÄTZLICH zu den anderen, von ihr NICHT beeinflussbaren Inflationstreibern (Energie- und Nahrungsmittelpreise sowie Angebotsausfälle durch Lieferkettenprobleme).

    Das ist die kurzfristige konjunkturelle Situation.

    Das Szenario, dass die Arbeitskosten sogar bei einer Rezession STEIGEN könnten, weil das ANGEBOT nicht an Arbeitsuchenden, sondern an geeigneten Arbeitsuchenden (FACHKRÄFTEN) zu gering ist, verweist auf ein STRUKTURELLES Problem, das keine Notenbank der Welt in den Griff bekommen kann.

    Antworten
    • Susanne Finke-Röpke
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Richard Ott:

      Stimmt. Und die wesentlich gemäßigter Entwicklung in der Schweiz mit einem Bruchteil der Inflation verschweigen wir dezent…^^

      Man könnte ja auf die Idee kommen, dass der Euro falsch konstruiert ist…

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Susanne Finke-Röpke

        >Man könnte ja auf die Idee kommen, dass der Euro falsch konstruiert ist…>

        Die ERKLÄRUNG für monetäre Phänomen wäre natürlich eine andere.

        Was würde die Erkenntnis, dass der Euro falsch konstruiert ist, für das HANDELN der Institutionen, hier de EZB heißen?

        Nichts.

        Denn IHR Handeln muss sich auf die SITUATION und die absehbare Entwicklung beziehen.

        Dass die Situation und die absehbare Entwicklung die FOLGEN falscher Konstruktion sind, ändert nichts daran.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Was würde die Erkenntnis, dass der Euro falsch konstruiert ist, für das HANDELN der Institutionen, hier der EZB heißen? Nichts.”

        Natürlich nicht. Haben Sie schonmal einen Frosch gesehen, der freiwillig den Sumpf trocken legt, in dem er selbst lebt?

        Das müssen schon diejenigen machen, die über die Ausgestaltung der EU-Verträge entscheiden, also letztendlich die Völker (völkisch! völkisch!) der EU Mitgliedsstaaten als jeweilige Souveräne. In vielen dieser Staaten gibt es ja sogar Volksabstimmungen, wenn die EU-Verträge geändert werden sollen, wir können in Deutschland immerhin andere Repräsentanten in die Parlamente wählen, wo die das dann entscheiden.

        Das ist schon richtig so, dass Frau Finke-Röpke das Thema hier zur Diskussion bringt.

  4. troodon
    troodon sagte:

    Die NB sind weit “behind the curve”, was schon länger absehbar war. Die Erhöhung des EZB Inflationsziels auf quasi durchschnittlich 2% im Juli 2021 war ein Fehler. Zu dem Zeitpunkt hätte man stattdessen schon die Zinswende und das Ende der Anleihekäufe einleiten müssen. Nun kommt man an einer Normalisierung der Geldpolitik, in einen Wirtschaftsabschwung hinein, nicht mehr vorbei, wenn man noch ein wenig ernst genommen werden möchte bzgl. Geldwertstabilität.
    Und Frau Schnabel gibt sich nun hawkish… von gestern “ECB’S SCHNABEL: THE ECB MUST ACT ON INFLATION, NOT JUST TALK ABOUT IT.”

    Gab da mal den Spruch: “Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.” Nur werden die Notenbanker von der Strafe nichts abbekommen. Und Frau Schnabel hat schließlich ihre eigenen Aktienbestände deutlich reduziert. Spricht also nichts dagegen nun die Zinsen stärker zu erhöhen ;)

    Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon

      >Zu dem Zeitpunkt hätte man stattdessen schon die Zinswende und das Ende der Anleihekäufe einleiten müssen.>

      Nehmen wir einmal an, dass dies richtig ist und die EZB hätte die Zinswende eingeleitet.

      Was wäre erreicht worden DERART, dass wir HEUTE sagen können, wir stehen BESSER da?

      Selbst wenn wir den Ukraine-Krieg wegdenken, glaube ich nicht, dass wir WESENTLICH besser dastehen würden.

      Denn wir hätten trotzdem die oder nahezu die INFLATION, die wir haben.

      Die wesentlichen jetzt wirkenden Inflationstreiber kann die EZB nicht bekämpfen.

      Dies betrifft auch die Fiskalpolitik, die aus sozialen Gründen EXPANSIV ist, d. h. durch Transfers die NACHFRAGE hochhält.

      Dies verteuert zwar die Verschuldung der Staaten, siehe Anleihen für Deutschland, deren Verzinsung seigt.

      Dies ist aber nicht hinreichend, denn die Staaten werden sich durch die Verschuldung der EU und deren Transfers sehr günstig refinanzieren können.

      Die EU hat noch ENORMES Verschuldungspotenzial, das die Anleger gern nutzen werden.

      Ich sehe nicht, dass die EZB dies aushebeln kann, selbst wenn sie es wollte (was sie natürlich nicht will).

      Antworten
      • troodon
        troodon sagte:

        @Dietmar Tischer
        “Was wäre erreicht worden DERART, dass wir HEUTE sagen können, wir stehen BESSER da?”
        1.Das Vertrauen in die EZB wäre jetzt größer.
        2. Sie hätte einen längeren, damit sanfteren Übergang bei den Zinsen schaffen können

        Klar ist natürlich, dass wir ” nahezu die INFLATION, die wir haben.” auch dann gehabt hätten.

        Sanftere Übergänge sind aber in einer hochgehebelten Wirtschaft aus meiner Sicht insgesamt deutlich besser,
        da sich ungewünschte Nebenwirkungen langsamer entwickeln können, Märkte und Firmen können sich langsamer darauf einstellen. Nun muss man entsprechend stärker bremsen, erhöht dadurch die Unsicherheit.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Einverstanden.

        Ich verteidige nicht die Geldpolitik der EZB und bin der Meinung, dass es ihr SCHADET, wenn sie wie in der Vergangenheit mit unglaubwürdigen Verbalmanövern, wie „vorübergehende Inflation“ oder der Neuinterpretation des Inflationsziels ENTSCHEIGUNGEN vor sicher herschiebt.

        Auch die EZB lebt von ihrem Kapital und das ist VERTRAUEN.

        Andererseits muss man auch sehen, dass nach Lage der Dinge JEDE ihrer Entscheidungen auch spürbare Nachteile hat.

        Immer nur „falsche Geldpolitik“ festzustellen, ist mir daher zu billig.

        Mich interessiert mehr, was die FOLGEN ihrer Geldpolitik sind.

      • troodon
        troodon sagte:

        @Dietmar Tischer
        “Immer nur „falsche Geldpolitik“ festzustellen, ist mir daher zu billig.”
        Ja, einverstanden.

        Mich stört die Hybris der EZB. Inflationsprognosen auf die Nachkommastelle auf Sicht von mehr als zwei Jahren.
        Die WISSEN nichts in dieser Beziehung. Riesige Bürokratie, die immer noch größer wird. Verschwendete geistige Ressourcen, die an anderer Stelle besser eingesetzt werden könnten.

        Die europäische Politik muss viel stärker gefordert werden zu handeln. Kein Wegschieben von Verantwortung auf die EZB.
        Aber das ist natürlich zu viel verlangt. Und bei dem vorhandenen Personal auch eine Unmöglichkeit… Vielfach völlige Überforderung.
        Wir gehen den vorgezeichneten Weg weiter. Langsam, aber stetig bergab. Mindestens weiter relativ (inzwischen schließe ich aus das ABSOLUT gemessen am BIP pro Kopf nicht mehr gänzlich aus) im Vergleich zu USA und Asien.
        Und eventuell kommt der große Knall in der Eurozone doch, was ich bisher nicht erwartet habe. Die Spreads bei den Anleihen weiten sich jedenfalls bedenklich aus.
        Wenn das Vertrauen in Politik und EZB weiter schwindet , kann es am Ende ganz schnell gehen.
        Schade, Europa hätte mehr verdient.
        Zu den Spreads: https://twitter.com/RobinBrooksIIF/status/1521489922846334976

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Ich kann Ihnen wiederum nur zustimmen.

        Es ist wirklich schlimm:

        Die Politik ist eine GERIEBENE und die EZB ist es auch.

        Wenn ich z. B. lese, wer in die EU aufgenommen werden soll, wird mir übel.

        https://www.welt.de/politik/ausland/article238558801/Scholz-fordert-EU-Mitgliedschaft-der-Westbalkan-Staaten.html

        Daraus:

        >„Der Westbalkan gehört zu Europa. Alle seine Länder müssen künftig auch zur Europäischen Union gehören“, sagte Scholz am Mittwoch nach einem Treffen mit dem Ministerpräsidenten des Kosovo, Albin Kurti.>

        Wieso „müssen“?

        Natürlich nicht der Landkarte wegen, sondern weil sie sich sonst von China finanzieren lassen.

        >Er setze sich dafür ein, dass die Länder „dies sehr bald schaffen“, sagte Scholz weiter.>

        Ich dachte immer, dass es Kriterien für den Beitritt gibt, die diese Länder SELBST erfüllen müssen.

        Falsch gedacht.

        Scholz wird mit anderen dafür sorgen, dass sie als erfüllt angesehen werden, auch wenn sie es nicht sind.

        Fazit:

        Wir Europäer sind als Bevölkerungen so schwach, dass wir uns in Friedenszeiten praktisch nichts mehr zumuten können.

        Und wenn Krieg ist, dann muten wir uns über das Machbare hinaus viel zu viel zu – siehe obige Versprechen, die uns später auf die Füße fallen werden.

        Ich kann dazu nur sagen:

        Schwache pfeifen im Walde und rotten sich aus Unvermögen zusammen.

        Dann wird verkündet:

        Die Masse machts.

        Und die Masse glaubt’s.

      • troodon
        troodon sagte:

        @Dietmar Tischer

        Habe köstlich gelacht über “Die Politik ist eine GERIEBENE”. Die besten Gags entstehen unabsichtlich ;)
        Oder war das Absicht ? Würde auch gut passen, nur war mir die Anwendung bisher unbekannt. Nehme ich auf jeden Fall gleich in meinen beschränkten Sprachschatz mit auf. :)

        Ansonsten nur wieder Zustimmung, aber ich möchte mir das Lächeln behalten anstatt weiter einzustimmen…

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Ich meinte Getriebene – ist halt meine altersschwache Motorik (wenn ich mild mit mir bin) oder meine mangelhafte Konzentration (wenn ich ehrlich sein soll).

        Egal, wer mich verstehen WILL, der kann es jedenfalls.

        Da wir uns die Bälle schon mal zuspielen, schlage ich vor:

        Die Politik ist eine GETRIEBENE und daraufhin eine GERIEBENE.

        Finde ich passend und Sie können weiter lächeln 😉

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        Ach, sowas ist heutzutage nicht mehr schlimm. Frau Baerbock, vielleicht auch bloß eine GERIEBENE, wer weiß das schon so genau, ist selbst mit Verbalaussetzern dieser Art bis zur Außenministerin aufgestiegen, was lustigerweise eine der Positionen ist, wo man mit ihnen den meisten Schaden anrichten kann :

        “Lasst uns dieses Europa gemeinsam verenden”
        https://youtu.be/yhzrRf4wzc8?t=49

  5. @foxxly
    @foxxly sagte:

    grundsätzlich ist es ein fehler, erkannte fehlentwicklungen nicht zu korrigieren!

    in der tendenz der führungseliten und der bürger, will keiner die folgen und schmerzen einer korrektur haben.
    dies verleitet zum festhalten an der weiteren fehlentwicklung: massenhaftes gelddrucken.

    wenn man den finanziellen und wirtschaftlichen zusammenbruch (noch- ) nicht will,
    dann bleibt den notenbanken nichts anderes übrig, als weiter zu drucken.
    bzw. den zins unten zu halten, damit reichlich geld über die kreditierungen in den umlauf fließt.

    das vertrauen in das geld geht zunehmend flöten, weil immer mehr geld gedruckt wird, als das BIP zu steigen vermag, sprich: die wirtschaftsleistung wird im verhältnis zum gelddruck, immer weniger schafft.

    diese mechanik ist nicht alleine, aber auch unvermeidlich dem schuldgeldsystem geschuldet.
    dieser anteil beinhaltet also auch eine systemische inflation.

    die gesamtheit der entwicklung, geldsystem, und die rahmenbedingungen für die wirtschaft und gesellschaft, lassen keinen anderen weg zu, als den weg in die rezession und in den kollaps.
    rezessionen gabs schon, aber irgendwann reichen die mittel nicht mehr aus um aus dieser selbsgewählten systemischen falle heil davon zu kommen.

    die wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass wir in kurzer zeit,-in wenigen jahren,- diesen kollaps erleiden werden.
    die wahrscheinlichkeit ist daher auch sehr groß, dass die ausweitung des ukraine-konfliktes, ein weltweiter konflikt wird in dessen als, oder mit den folgen die ganze gesellschaft kollabiert.
    damit würde wieder einmal das geldsystem nicht als ursache des zusammenbruchs herhalten müssen.

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