Die nächste Finanzkrise vor der Tür: Darum rettet der Staat wieder Banken

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Nicht alles, was George Soros sagt, muss eintreten. Berühmt geworden durch seine Wette gegen das Pfund, hat er seither mehr Krisen vorhergesagt, als tatsächlich eingetreten sind. Nicht, dass er damit alleine wäre. Oft ist es nämlich so, dass sie einfach nur länger brauchen. So steht China noch recht gut da, obwohl er dort die Krise schon im Februar beschwor. Auch der Euro existiert (noch).

Nun meldet sich Soros erneut zu Wort und warnt vor einer neuen Finanzkrise. Dies dürfte Leser von bto nicht wundern, sind doch die grundlegenden Probleme seitdem nur aufgeschoben und vergrößert worden. Immerhin durfte der Milliardär vor dem europäischen Parlament sprechen. Bloomberg berichtet:

  • Britain’s decision to leave the European Union has unleashed a crisis in financial markets similar to the global financial crisis of 2007 and 2008, George Soros told the European Parliament in Brussels.
  • This has been unfolding in slow motion, but Brexit will accelerate it. It is likely to reinforce the deflationary trends that were already prevalent‘, the billionaire investor said. bto: genau die hier vertretenen Argumentation.
  • Continental Europe’s banking system hasn’t recovered from the financial crisis and will now be severely tested, Soros said. We know what needs to be done. Unfortunately, political and ideological disagreements within the euro zone have stood in the way. bto: Die Bankenkrise dauert ja bereits länger an, wie hier diskutiert und die Deutsche Bank steht im Zentrum:

Und hier der Zero-Hedge-Vergleich mit Lehman:

 

Und das Schaubild des IWF, der vor der systemischen Rolle der Deutschen Bank warnt was übrigens meiner Meinung nach einer Verkaufsempfehlung für die Bank entspricht, und damit einen Lehman-Fall wahrscheinlicher macht. Ob der IWF das beabsichtigt?

Quelle: IWF, Zero Hedge

Doch zurück zu Soros:

  • „‚The U.K.’s decision meant the hypothetical became very real, Soros said on Thursday. Sterling plunged, Scotland threatened to break away, and some of the working people who supported the ‘Leave’ campaign have started to realize the bleak future that both the country and they personally face. Even the champions of Leave are retracting their dishonest pre-referendum claims about Brexit.’” bto: Klingt da auch die Hoffnung durch, die Briten könnten nochmals abstimmen?
  • The euro region has lagged behind other regions in the global recovery, following the last financial crisis, because of restrictive fiscal policies; now it has to contend with an impending slowdown,” Soros said. The orthodoxy of German policy makers stands in the way of the only effective response: having a euro-zone budget that could adopt counter-cyclical policies.’” bto: Bekanntlich bin ich von dieser Sicht nicht so entfernt. Ich denke aber, nur mehr Schulden sind nicht die Antwort! Schuldenrestrukturierung ist die Antwort. 
  • Here you are caught in this unfortunate misconception about government debt’, he said. You need growth and then everything falls into place.’” bto: Sorry, Mr. Soros, but debt does not work anymore in buying growth. By the way: Which government in Europe is saving”? Even Germany only benefits from lower rates!
  • Europe sollte den European Stability Mechanism as a backstop’ nutzen. btoalso über den ESM Schulden machen und Konjunkturprogramme finanzieren. Am besten über die EZB finanziert, würde ich da sagen.

Will disaffected voters in France, Germany, Sweden, Italy, Poland and everywhere else see the EU benefiting their lives?’ Soros asked. If the answer is yes, the EU will emerge stronger. If the answer is no, it will eventually blow apart.’”

Deshalb hat die EU auch nachgegeben. Eigentlich sollten die Bankeigentümer und Gläubiger für die Schieflagen bezahlen. Geht aber nicht. Denn dann haben wir einen Banken Run aller erster Güte und eine große Depression über Nacht.

Das Wall Street Journal berichtet:

  • The European Commission on Sunday authorized Italy to use government guarantees to provide liquidity support to its banks.” bto: Das ist nicht nach den offiziellen” Regeln. a) natürlich richtig, b) kauft Zeit, löst Problem nicht, c) zeigt, was noch alles an Kosten auf Deutschland zukommen wird
  • The June 23 referendum (…) exacerbated already existing troubles in the Italian banking sector, which is suffering from high levels of bad loans and poor profitability amid super-low interest rates.”
  • The Italian liquidity-support program includes up to EUR150 billion in government guarantees (…) The guarantees, which could be used to guarantee debt issued by banks, are separate from an Italian government blueprint to recapitalize weak lenders. Italian officials have said that the government hopes to inject up to EUR40 billion in fresh capital into domestic banks.” bto: finanziert durch Null-Zins-Anleihen, gekauft von der EZB.
  • Italian banks have lost more than half of their market capitalization since the beginning of the year, as investors fret about some EUR360 billion in bad loans still logged on their balance sheets. That drop in market value compares to an average decline of less than one third for European lenders.”

  • „(…) the cabinet of Prime Minister Matteo Renzi hoped to use a liquidity backstop to contain investor panic, which could result in a run on deposit and affect banks’ liquidity.” bto: Liebe Leser, Geld auf dem Bankkonto ist eine Forderung gegen die Bank. Also hoch riskant.

The liquidity support provides a temporary cushion for Italian banks. But it doesn’t solve the broader issue of how to raise sufficient capital to sustain writedowns of loan portfolios gone bad.” bto: Ach Quatsch, das wird dann still und heimlich über die EZB gelöst. 25 Prozent ist unser Anteil. 

Wer sind die Gläubiger in der Eurozone?

TARGET2 Balance Updated June 2016

Wir.

→ Bloomberg: Soros Says Brexit Has ‘Unleashed’ a Financial-Markets Crisis, 30. Juni 2016

→ Wall Street Journal: European Commission Authorized Italian Government to Support Banks, 30. Juni 2016

10 Kommentare
  1. Katalin says:

    Hallo,

    ich möchte hier nochmals daran errinern, dass am Anfang der Finanzkrise reihenweise dekomkratisch gewählte Regierungen in Südeuropa über Nacht durch Technokraten (d.h. zum Großteil im Auftrag der Gläubigerstaaten handelnde Beamte) ersetzt worden sind, wenn das kein Kolonialismus ist, dann ist Nordkorea keine Diktatur.

    Was einige, der Elite zuzurechnende Personen in der BRD von der Demokratie halten, wenn sie nicht im ihren Sinne ist, kann man hier nachlesen;

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/eurokrise/griechenland/griechische-schuldenkrise-dieter-nuhr-hat-recht-13697691.html

    Kann mir bitte jemand sagen, warum sich dieser Vorgang, d.h. undemokratische und am Volkes Willen getroffene Enscheidungen, getroffen in kleinem Kreis inkl. deren Durchsetzung zum Nachteil der EU Bevölkerung und zum Vorteil einer kleinen Elite, nicht wiederholen soll.

    Der einzige Weg, wie man die Krise lösen kann steht hier;
    Wem mit Grundkentnissen der VWL weiß das auch, Herr Dr. Stelter sowieso und die Leute im Bundesfinanzmin. auch.

    http://www.zeit.de/2015/26/thomas-piketty-schulden-griechenland

    „Die Geschichte lehrt uns zwei Möglichkeiten für einen hoch verschuldeten Staat, seine Rückstände zu begleichen“

    1. Sparen

    2. „Denn die zweite Methode geht viel schneller. Deutschland hat sie im 20. Jahrhundert erprobt. Im Wesentlichen besteht sie aus drei Komponenten: Inflation, einer Sondersteuer auf Privatvermögen und Schuldenschnitte.“

    Herr Dr. Stelter:

    „Schuldenrestrukturierung ist die Antwort.“

    und zwar die Einzige.

    Auch wenn man Sie hier im Forum zum Teil dafür heftig kritisiert,
    „Tut mir leid, Dr. Stelter, aber ich muss Ihnen sagen, dass Sie Stimmung gegen unsere Regierung machen, d. h. Tendenzjournalismus betreiben. “ möchte ich Sie loben. Wenn man wirtschaftlich richtig (siehe Ihre Erklärungen zu den LB-Überschüssen) Realistisch und im Sinne der Allgemeinheit argumentiert, wird einem Tendenzjournalismus vorgeworfen. Unglaublich.

    Nur wenn man Ihre Vorschläge umsetzt und alle an den Kosten der Krise beteiligt, haben wir alle geminsam (BRD, EU und damit auch die ganze Welt) eine Chance aus dem Schlamassel herauszukommen.

    Stelter for President.

    Gruß

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  2. David Winter says:

    Eine Anmerkung was Zerohedge angeht, nachdem sich die Zitate hier bei BTO häufen: Ivandjiiski und seine Leute handeln/traden selber nicht (das wurde ihm durch die SEC verboten), sondern machen ihr Geld mit Werbung und Clicks. Und er hat sehr schnell gelernt, dass es um so mehr Clicks gibt, um so reißerischer die Headline ist. Jetzt bringt er seit Monaten diesen Lehman/Deutsche Bank Performancechart. Genauso wie er 2011 den „S&P 500 in Gold“ Chart wöchentlich gebracht hat. Nur dann ging es mit Gold den Bach herunter und ganz schnell verwand der Chart in der Schublade. Weil er nicht mehr ins Bild passte und keine Clicks mehr brachte.

    Ich habe (immer noch) den Eindruck, das BTO weniger reißerisch und einseitig in der Meinungsbildung ist als Zerohedge. Deswegen bitte ich um weniger Zitate aus Zerohedge, die übrigens auch nur Dritte zitieren und keine eigenen Primärinhalte bringen. Bitte mehr Bloomberg/Handelsblatt/FT oder FAZ. Und wenn es schon Undergroundmeinungen sein müssen, dann doch bitte eher Steve Keen oder Richard Koo, bitte nicht Ivandjiiski — der weder ausgebildeter Journalist, noch erfolgreicher Spekulant, noch Wissenschaftler ist. Sondern ein einfacher Geschäftsmann, der mit der Angst der Leute sein Geld verdient und mit Webtraffic spielt wie Huffingtonpost oder Businessinsider auch.

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      • Stefan Bohle says:

        nun ja, man mag über die echte oder scheinbare Korrelation der Kursverläufe von Lehman und Deutsche Bank diskutieren. Aber das ist doch nicht der Kern der Diskussion.
        Im Kern geht es um die Frage, ob es aus deutscher Sicht sinnhaft ist, immer neue uneinbringliche Forderungen aufzubauen und somit die Illusion aufrechtzuerhalten, dass die bestehenden faktisch uneinbringbaren Forderungen doch irgendwie werthaltig sind. Uneinbringliche Forderungen aufbauen ist aber nur ein anderer Begriff für bedingungslose Transfers. Ob das nun über Target2 Salden, oder direkt über die EZB läuft, ist letztlich zweitrangig.
        Ein Euro-Ausstieg wird hierzulande gewaltige Kosten verursachen, in wirtschaftlicher, politischer und kultureller Hinsicht. Ob am Ende 50% GDP ausreichen, erscheint mir spekulativ. Dazu kommen noch massive Umverteilungseffekte auch im Inland. Nur: im Euro bleiben wird noch teurer, inkl. Bankenrettung in Italien auf Kosten der deutschen Geldvermögen – garantiert!

    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Lieber Herr Winter, ich teile Ihre Einschätzung zu Zero Hedge. Manchmal haben die allerdings Studien, die ich nicht bekomme. Deshalb taucht ZH als Quelle auf, wenn ich z. B. JPM mit Blick auf den Brexit zitiere. Solange ich die Studien nicht direkt bekomme, muss ich mich leider auf eine Sekundärquelle beziehen. Das mache ich sehr ungern, erinnere ich mich doch noch gut an meine Dissertation.

      Antworten
  3. Ondoron says:

    Ich denke nur daran, dass Dr. Stelter den Deutschen empfohlen hat, die Eurozone zu verlassen. Das wäre der einzig richtige Weg. Wird aber nicht passieren. Wie Soros an anderer Stelle schließlich schon vor ein paar Jahren ausführte, werden die 5 Billionen € Ersparnisse der Deutschen im Euro-Feuer verglühen. Und wer verdient daran? Da schließt sich der Kreis!

    Antworten
  4. Ondoron says:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,
    das werden Sie auch gelesen haben, und paßt als Ergänzung zu Ihrem Beitrag:
    http://www.zerohedge.com/news/2016-06-30/european-commission-grants-italy-crisis-%E2%82%AC150bn-bank-bailout-program-prevent-run-depo

    Bedeutet das, Merkel und Schäuble wissen um den Zustand der Deutschen Bank? Und wissen auch, dass es bald Aufgabe der EZB sein wird, hier tätig zu werden?

    Im übrigen finde ich hervorragend, dass Sie sich auch Informationen von ZH bedienen; das Handelsblatt, Bloomberg, etc. taugen nicht für den weiten Blick; da gibt es zu viel instrumentalisierende Propaganda.

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Ich habe festgestellt, dass auch Handelsblatt und selbst die FT ZH folgen, allerdings meist mit einiger Verzögerung. Oft werden Themen von dort aufgegriffen, OHNE zu erwähnen, woher die Inspiration stammt. Dennoch sind Originalquellen besser. Von der Qualität her sind das für mich FT, FuW, NZZ, F.A.Z. HB finde ich nicht so gut, weil die Artikel oft zu sehr Blabla sind und die Fakten nicht immer präzise.

      Antworten
      • Ondoron says:

        Bei der Medienauswahl stimme ich Ihnen zu! Wobei bei der FAZ sicherlich autorenabhängig. Aber auf Thomas Mayers Analysen lege ich sicherlich auch wert.
        Es ist immer schön zu sehen, welche wissenschaftstheoretischen Bezüge die Analysen haben. Ob es Österreicher sind, Keynesianer oder Eklektiker, die alles zusammenwürfeln.

  5. Dietmar Tischer says:

    Soros blickt nicht durch, wenn er sagt:

    >The orthodoxy of German policy makers stands in the way of the only effective response: having a euro-zone budget that could adopt counter-cyclical policies.’>

    Ein Eurozonen-Budget , mit dem antizyklisch gehandelt werden könnte, beruht auf dem FALSCHEN Verständnis, dass das Problem ein zyklisches ist, entsprechend etwa dem von Konjunkturzyklen.

    Wenn von Zyklus die Rede sein kann, dann nur, wenn man einen säkularen Kreditzyklus meint, etwa wie ihn die BIZ versteht. Dagegen helfen keine Budgets, sondern nur Entschuldungsprogramme, letztlich Schuldenschnitte bei der Dimension, um die es geht. Dass die deutschen und andere Politiker nicht darauf hin arbeiten, wäre ein berechtigter Vorwurf.

    >‚Will disaffected voters in France, Germany, Sweden, Italy, Poland and everywhere else see the EU benefiting their lives?’ Soros asked. ‚If the answer is yes, the EU will emerge stronger. If the answer is no, it will eventually blow apart.’>

    Die Frage beantwortet sich von selbst.

    Die Antwort ist nein und damit eben das Auseinanderfallen. Das ist so, weil führende Politiker wie Juncker und Merkel mit der EU ungehinderten Verkehr von Gütern, Dienstleistungen, Menschen und Kapital verstehen. Heißt: Die Armutsimmigration innerhalb der EU wird sich fortsetzen, bis die unteren Schichten in den wohlhabenderen Nationen genug haben. Das abschreckende Polit-Chaos in GB schreckt nur temporär ab.

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