Rechnen ist eine Kern­kom­petenz für Wohl­stand

Mehrfach war der Niedergang des deutschen Bildungswesens Thema bei bto:

→ Berliner Bildungspolitik als Menetekel für den Niedergang des Standorts

→ Zum Niedergang des Bildungswesens

→ Der Verfall des deutschen Bildungswesens in Zahlen

→ Demografie, Bildung und gescheiterte Zuwanderung ruinieren Deutschland und Europa

Heute zur Erinnerung eine kleine Notiz zum Thema „rechnen können“ ein Interview mit dem Mathematikprofessor Oliver Ernst, Leiter des Arbeitskreises Schulmathematik der sächsischen Unis:

  • „An den Hochschulen beobachten wir schon länger, dass die mathematischen Fähigkeiten der Abiturienten abnehmen. (…) Und das gilt nicht nur für das Mathematikstudium, das uns besonders am Herzen liegt, sondern für alle Studienfächer, die auf Mathematik aufbauen. Das Kind ist also längst in den Brunnen gefallen. Und es gibt keine schöne Lösung. Klar, die Schüler freuen sich über die Verbesserung ihrer Noten. Aber dem voraus gingen eine Reihe von Fehlentwicklungen.“ – bto: Es ist halt das Senken von Standards, um Menge zu schaffen.
  • „Insbesondere die Gestaltung der Abituraufgaben macht uns zunehmend Sorgen. (…) Da liegt seit einigen Jahren etwas im Trend, das wir Scheinmodellierung nennen. Modellierung bedeutet die Anwendung mathematischer Techniken in der Welt. Bei der Scheinmodellierung wird das umgedreht. Man nimmt ein mathematisches Problem und konstruiert darum herum eine erfundene Anwendung, die von der eigentlichen Mathematik wegführt. (…) Wir plädieren dafür, dass in der Mathematik Aufgaben im Mittelpunkt stehen, die den kreativen, analytischen Verstand schärfen.“ – bto: Das leuchtet ein. Denn letztlich geht es um das analytische Denken, das geschult werden sollte.
  • „Die Anwendung der Taschenrechner. Die Schulen entscheiden, welche verwendet werden: grafische Taschenrechner (GTR) oder Computer-Algebra-Systeme (CAS), die Formeln umrechnen und Terme umformen können. Letztere verhindern, dass sich Schüler essenzielle mathematische Fähigkeiten aneignen. Noch wichtiger: Die Existenz zweier Systeme macht es extrem schwierig, für beide Schülergruppen faire Abituraufgaben zu gestalten.“ – bto: Und das muss man sich vorstellen. Wir reden hier von Sachsen, dem Land mit den höchsten Standards in Deutschland.
  • „Wir hören ja immer, dass Sachsen bei den Vergleichstests so glänzend dasteht. Das mag sein. Es mag auch sein, dass es anderswo noch schlimmer ist. Wir erkennen aber deutliche Probleme auch bei sächsischen Absolventen. Und dabei leben wir im Hochtechnologieland Deutschland davon, dass die Schulbildung zu einem Studium befähigt.“ – bto: So ist es. Und zwar zu einem relevanten Studium, also was Nutzbringendes.
  • „In anderen Ländern ist das auch nicht so negativ wie bei uns, etwa in Großbritannien. Da brüstet sich aber auch kein Politiker damit, in Mathe schlecht gewesen zu sein. Das ist eine Kultur, die überwunden werden muss. Wir müssen unbedingt zu einem positiven und entkrampften Verhältnis zur Mathematik zurückfinden. (…) Und wir wären schon froh, wenn wir bei den Absolventen den Stand von vor zehn Jahren hätten.“ – bto: Oh man, klarer kann man nicht zeigen, wie grundlegend es bei uns falsch läuft.

→ freiepresse.de: „Mathematische Fähigkeiten nehmen immer mehr ab“, 29. Juni 2013

Kommentare (71) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Carsten Pabst sagte:

    @Axel
    Es liegt mir weißgott fern, Sie in eine ausländerfeindliche Ecke zu drücken. Das war nicht meine Absicht und das werden Sie auch bestimmt nicht sein. Auch ich sehe die zunehmende Islamisierung kritisch.
    Nur leider bekomme ich es ja jeden Tag in unserem Ausbildungszentrum mit. Egal welcher Religion jemand angehört oder Hautfarbe von Natur aus besitzt: Wenn der Wille und der Einsatz da ist, kann eine Person sehr vieles in seinem Leben erreichen.
    Und da muss Schulbildung für alle Menschen in Deutschland auf einem gleich HOHEN Niveau angesetzt sein/ werden. Die von Ihnen angesprochenen Probleme, die Sie zurecht ansprechen und mich auch beschäftigen, sind mir bewusst.
    Aber wenn ich das Problem jetzt einmal auf ein einfaches Niveau runterbreche ist und bleibt für mich die Erkenntnis generell bestehen und ist wesentlich: Wir benötigen kleine Klassengrößen mit maximal 15 Schülern/ Lehrkraft + einen Sozialpädagoge für die Härtnerfälle, um einen einwandfreien Schulablauf für die restlichen Schüler zu garantieren (Ich rede nicht von den Lernschwachen, für die muss es massive Aufbauhilfen geben). Ich würde mir meine Schülergemeinschaft nicht durch auffällige Schüler aufmischen lassen. Das setzt KONSEQUENZ voraus. Wir als Handwerksmeister haben da noch Handlungsspielraum und können sanktionieren, bzw. Lehrlinge auch bei andauernd bewußt schlechten Leistungen ausschließen.
    Lehrkräfte an Schulen haben es da bedeutend schwerer. Denen sitzt das Schulamt und die Elternschaft im Nacken, da wird nicht nach Fehlverhalten von Schülern Ausschau gehalten, sondern der Lehrer ganz schnell in den Senkel gestellt. Da werden Lehrer schnell zu Duckmäusertum erzogen. Reden Sie mit Lehrern. Die trauen sich nichts mehr und werden mit Verwaltungsaufgaben zugemüllt. Und sind uns als Gesellschaft anscheinend nichts wert. Anerkennung haben die selten, Häme ist ihnen Gewiss. Halten Sie mal Unterricht ab und es ist nur ein Querulant in der Klasse. Viel Spaß. Ich weiß, von was ich rede. Und da rede ich nicht von Klassen in Brennpunktbezirken. Da hat die Politik wohl schon lang die Segel gestrichen.
    Deshalb kleine Klassengrößen und konzentrieren auf das Wesentliche in Deutsch und den MINT- Fächern.
    Da sollten wir wieder hinkommen in Deutschland. Das müssen wir unseren Politikern von den Kommunen aufwärts ins Hausaufgabenheft schreiben. Und dann können wir uns über Tabletklassen und sonstige wohlklingende Schulprojekte unterhalten, die unseren Politikern so leicht über die Zunge kommen.
    Freundliche Grüße
    Carsten Pabst

    Antworten
    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Herr Pabst

      „Nur leider bekomme ich es ja jeden Tag in unserem Ausbildungszentrum mit. Egal welcher Religion jemand angehört oder Hautfarbe von Natur aus besitzt: Wenn der Wille und der Einsatz da ist, kann eine Person sehr vieles in seinem Leben erreichen.“

      Frage an den Praktiker: Was sollten Ihrer Meinung nach wir mit denjenigen Jugendlichen machen, die unwillig sind?

      Antworten
      • Avatar
        Carsten Pabst sagte:

        Hallo Herr Ott,
        soweit soll es ja gar nicht erst kommen. Deshalb beantworte ich Ihre Frage mit meinen Ansichten, wie dies zu verhindern wäre.
        Für mich elementar wichtig neben einer tiefsitzenden und guten Schulbildung und kleinen Klasseneinheiten:

        – in der Schule die Schüler viel früher nach Ihren Begabungen und Stärken unterscheiden und zielgerichtet in die jeweiligen Berufsfelder, bzw. Fachrichtung lenken (nach einer guten Grundausbildung)
        – den Schulstoff entrümpeln
        – mehr Zeit für Praktika in Betrieben, Hochschulen und Universitäten
        – externe Mitarbeiter (Unternehmer, Selbstständige) in den Unterricht mit einbinden, damit die Schüler lernen, wir als Bevölkerung sind ein Teil der Wirtschaft
        – in jeder Schule einen Debattierclub einführen
        – gezielte Persönlichkeitsbildung durch Externe Mitarbeiter (Selbstachtung lernen, Selbstverantwortlich arbeiten, Knigge für Schüler, Teamwork, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit, Kreativität und Soziabilität )
        – Den Schülern/innen eine räumliche Infrastruktur schaffen, die einer „Industrienation“ würdig ist (Gastronomiebetriebe hätten den Laden schon längst geschlossen bekommen, wenn die Toiletten so aussehen würden wie in vielen Schulen, einfach eine Frechheit unseren Kindern gegenüber!)
        – Schüleraustausche innerhalb der Schulen in Europa ermöglichen
        – Handwerken und Haushalten lernen, lernen sich helfen zu wissen
        – Ganztagsschulen einführen

        Das ist mein wunschdenken, bestimmt auch noch nicht vollständig und streitbar. Das Problem ist vielschichtig. Aber rumspinnen und träumen darf ich ja. Und meine Steuergelder sehe ich so sehr gut angelegt und bezahle sie gerne.
        Und dann haben wir keine Unwilligen mehr. Zumindest meine Meinung.
        Freundliche Grüße
        Carsten Pabst

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Pabst

        Danke für Ihre Antwort – aber mich interessieren Ihre Ideen zu genau der Gruppe, deren Entstehung Sie mit Ihrem „Präventionsansatz“ zu vermeiden versuchen:

        Was machen wir mit denjenigen, die unmotiviert oder unwillig sind, aber im Alter von so zwischen 15 und 25 Jahren das Schul- oder das Ausbildungssystem schon durchlaufen haben – beziehungsweise (bei Migranten) die nie in Deutschland zur Schule gegangen sind?

        Das ist viel schwieriger als wenn Sie bei 5-jährigen anfangen können, ich weiß. Aber eine Zeitmaschine haben wir leider nicht.

      • Avatar
        Carsten Pabst sagte:

        Hallo Herr Ott,
        das war mir bewußt, dass Sie nach meiner ersten Antwort nachhaken.
        Um es kurz zu machen. Wenn wir von UNWILLIGEN Personen reden (Meine Definition: Personen, die eine Ausbildung in einem Beruf gelernt haben, der auf dem Arbeitsmarkt gesucht wird) helfen in meinen Augen nur Einschnitte und massive Kürzungen im Bezug von Sozialleistungen.
        Aber der Drops ist gelutscht, da wird in dieser Richtung nichts passieren, ansonsten würde nicht nur die Hauptstadt Berlin brennen.
        Einschnitte gingen nur in kleinen Dosen über einen langen Zeitraum. Wir sollten in diesem Fall von Junker lernen:
        „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“
        Hat ja in anderen Bereichen auch sehr gut funktioniert :-)
        Freundliche Grüße
        Carsten Pabst

    • Avatar
      Axel sagte:

      @Carsten Pabst

      Alles richtig, was Sie sagen, obwohl ich der Meinung bin, daß Härtefälle aus dem regulären Schulbetrieb ausgegliedert werden und wieder speziellen Förderschulen zugeführt werden müßen.

      Die mediale Dauerbeschallung wie an anderer Stelle moniert sehe ich auch kritisch, man muß aber bedenken, daß diese auch in Ländern, wo es hervorragende Ergebnisse in den MINT Fächern gibt, genauso stattfindet.

      Was mir in der Diskussion allerdings fehlt, sind nicht Vorschläge, was wir noch alles mehr tun müßen, um die Bildungsverweigerer abzuholen, sondern welche Anforderungen wir an die Bürger stellen dürfen und wie wir erbrachte oder verweigerte Leistungen mit welcher Konsequenz sanktionieren werden.
      Das deutsche Rechtssystem beispielsweise ist auf die deutsche Gehorsamsmentalität abgestimmt.
      Für Menschen aus totalitären Gesellschaftsformen oder Kriegsgebieten ist unsere Rechtssprechung mit „auf Bewährung“ und „Sozialstunden im Tierpark“ Pille Palle und Flower Power.
      Wenn nach spektakulären Entgleisungen die „gesamte Härte des Rechtstaates“ gefordert wird, jedes Urteil aber zigfach eingeklagt und abgemildert wird, machen wir uns auf breiter Front zur Lachnummer. Die Rechtsprechung muß der veränderten Gesellschaftszusammensetzung angepaßt werden, um Anpaßungsdruck an unsere Gesellschaftsform zu erzeugen.

      Auch hängen die Früchte für Leistungsverweigerer viel zu niedrig. Wenn es für jeden Schulabbrecher „Free Lunch“, also Grundeinkommen, Wohngeld und Komplettmöbilierung gibt, ist der Druck, sich am eigenen Schopf zu packen und Eigenverantwortung für sein Leben zu übernehmen äußerst überschaubar.

      Aber vielleicht wird der Nachgang der Coronakrise die Karten ja neu verteilen…

      Antworten
  2. Avatar
    Hansjörg Pfister sagte:

    Ich habe im Beruf (Softwareentwicklung) viel mit jüngeren Leuten zu tun und kann den Tenor des Artikels und der Forenbeiträge nicht bestätigen. Die Jüngeren sind in der Regel fachlich gut, allerdings ist ihre Allgemeinbildung fast immer unterirdisch. Wissen wird nur als Mittel zum Zweck gesehen, z.B. um im Job gut zu sein und nicht als Wert an sich, wie das zu meiner Zeit noch der Fall war.

    Antworten
  3. Avatar
    Uwe Wenzel sagte:

    Das gute Abschneiden Sachsens geht nicht nur auf das sächsische Bildungssystem zurück. Das ist nicht viel anders als anderswo. Es ist der immer noch geringe Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund, deren Familien der Bildung ihrer Kinder nicht den erforderlichen Stellenwert einräumen, wie auch die Kinder der „Abgehangenen“.

    Antworten
  4. Avatar
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    Wer braucht schon höhere Mathematik, wenn er nur die „Quote“ in seinem Beruf oder bei seinem Arbeitgeber ausrechnen muss? Ein simpler Dreisatz genügt in der künftigen Republik für alle Posten…

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      Die Richtung stimmt, aber ganz so einfach ist es nun doch nicht.

      Entscheidend ist – durchweg bei allen Problemen – den KLEINSTEN gemeinsamen Nenner zu finden.

      Dazu braucht man auch keine höhere Mathematik, das sollte der Taschenrechner schon können.

      Das ist das richtige Verfahren, es geht um BRUCHRECHNUNG.

      Denn da will man ja letztlich hin – zum ZUSAMMENBRUCH des Ganzen.

      Wir schaffen das, je einfacher desto besser ;).

      Antworten
      • Avatar
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Dietmar Tischer:

        Hier möchte ich Ihnen widersprechen. Den Zusammenbruch wollen diese Leute nicht, denn es sind keine vorsätzlich Zerstörungswütigen, sondern Gläubige. Leider glauben Sie an Dinge, die sich ähnlich wie das geozentrische Weltbild als falsch herausstellen werden. Aber ich bin mir sicher, dass die deutschen Bildungspolitiker von ihrem Tun überzeugt sind:

        „Gut, dass wir darüber geredet haben!“

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        „Den Zusammenbruch wollen diese Leute nicht, denn es sind keine vorsätzlich Zerstörungswütigen“

        Doch, echte Marxisten wollen das schon. Es ist quasi Teil ihrer Religion, falls Sie linksextreme Ansichten als Religionsersatz deuten wollen. Kennen Sie den Schluss vom „Kommunistischen Manifest“ gar nicht?

        „Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie
        erklären es offen, dass ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen
        Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer
        kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als
        ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.
        Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“
        Marx/Engels: „Manifest der Kommunistischen Partei“, Kapitel IV

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Susanne Finke-Röpke

        >Den Zusammenbruch wollen diese Leute nicht, denn es sind keine vorsätzlich Zerstörungswütigen, sondern Gläubige.>

        Sie haben vollkommen Recht, ein finales Wollen aus dem Rechenverfahren abzuleiten, ist falsch.

        Ich hätten nicht „da will man hin“ sagen sollen.

        Sondern:

        „Damit erreicht man den Zusammenbruch des Ganzen“ oder „das führt zum Zusammenbruch des Ganzen“ (auch wenn man das nicht will).

        Die Begründung dafür ist, dass man beim Lösen der Probleme, i. e. Rechnen eben nicht über die Suche des kleinsten gemeinsamen Nenners hinauskommt und damit die Probleme nicht wirklich löst.

        >Leider glauben Sie an Dinge, die sich ähnlich wie das geozentrische Weltbild als falsch herausstellen werden.>

        Das müssten Sie mir bitte erklären – auch beispielhaft –, denn ich will nicht an ein geozentrische Weltbild glauben.

  5. Avatar
    Tobias W. sagte:

    Naja, es ist ja schon mal problematisch, wenn man Mathematik mit „Rechnen“ gleichsetzt. Der Begriff ist sehr unglücklich gewählt.

    Antworten
  6. Avatar
    JürgenP sagte:

    Frage: „nur“ rechnen – oder auch schätzen?

    Zweifellos gehört das Rechnen in einer technik- und wissenschaftsgetriebenen Gesellschaft zu den Kernkompetenzen. Den Niedergang dieser Kompetenz mit dem Einsatz von Taschenrechnern zu erklären und vieler anderer, für sich genommen wichtiger Einflüsse, zu erklären führt sicherlich zum richtigen Schluss, dass etwas grundsätzlich falsch läuft, wenn konventionelle mathematische Fähigkeiten abnehmen.

    Was aber auch abgenommen hat, ist der erfahrbare Sinnzusammenhang zwischen mathematischen Aufgaben und den Anstrengungen des Lernens zur Lösung derselben. Das ist das eine Problem, zumeist von 12 – 16 jährigen Jugendlichen, die schlicht andere interessante Alternativen zur Mühsal der Mathematik haben.

    Ein anderes Problem ist, dass der Sinn der Mathematik gerade für Schüler und Studenten immer weniger vermittelbar ist. Denn selbst wenn verstanden wird, wie die mathematische Aufgabe zu lösen wäre, so wird jeden Tag in den Medien gezeigt, dass mit grob jonglierten Bazooka – Zahlen viel mehr zu erreichen zu sein scheint, als mit handfester, logischer Mathematik.

    Hinzu kommt, dass immer mehr komplizierte Anforderungen immer weniger mit der reinen Lehre der Mathematik, der Berechenbarkeit und scharfen Analyse, lösbar sind. Lösungen (unter Komplexitätsbedingungen) entstehen durch Schätzungen, unscharfe Betrachtungen und methodisch durch „probieren“ statt durch mathematisch präzise „Analyse“.

    Wozu also der ganze Stress? Braucht man das noch?

    Allerdings, zur Kernkompetenz in einer modernen „Wissensgesellschaft“ gehört sehr wohl die präzise, logische Mathematik für eine bestimmte Art von Problemen – eben die, die durch Analyse lösbar sind.

    Für die unscharfen Probleme in der „Informationsgesellschaft“ bedarf es dazu noch einer weiteren Kernkompetenz: Grenzen von Logik, Mathematik und Informationsverarbeitung richtig einzuschätzen – um Probleme zu lösen, die der Analyse nicht mehr folgen.

    Antworten
    • Avatar
      markus sagte:

      Ich denke, es hat multiple Gründe:
      – es ist weniger „nötig“ etwas händisch auszurechnen (Taschenrechner, Computeralgebrasysteme wie Mathematica oder Maple). Analog zur Rechtschreibkorrektur in Word.
      – die Anforderungen ändern sich (es geht z.B. mehr um das Trainieren von Deep Neural Networks aka „Artificial intelligence“)
      – die Geschwindigkeit ändert sich (wenn man schnell Resultate braucht, kann man nicht alles tief verstehen und Durchrechnen)
      – es gibt mehr Ablenkung (Computerspiele, E-Mail, Websurfen)
      – Lern-Anstrengungen wird finanziell nicht belohnt. Dafür aber familiäre Bande (Erben), Networking Skills und Personalfuehrungsskills

      Antworten
    • Avatar
      jobi sagte:

      @JürgenP

      Sie treffen eine wichtige Unterscheidung zu der ART von Problemen, mit denen wir uns konfrontiert sehen.

      Die Befähigung zu kritischem und exaktem Denken wäre allein schon deshalb so wichtig, um zwischen Schätzungen aus Modellrechnungen und gesicherten Zahlen unterscheiden zu können.

      Nur mit Hilfe dieser Befähigung ließe sich
      letztlich verhindern, dass die Kompetenz zur Definition von „Desinformation“ an übergeordnete Instanzen abgetreten wird.

      Antworten
    • Avatar
      ruby sagte:

      @ Herrn Stöcker
      Im Dritten Teil, S. 6, schätzt Professor Heinsohn, daß nicht noch einmal 8,9 Billionen $ aufgebracht werden würden.
      So schnell haben die Notenbanken die Zukunft zur nicht abgezinsten Realität gemacht.
      „Für eine Belastung à la Italien gibt es keine politischen Heftpflaster mehr und die
      Geheimnistuerei der EZB bei der Marktpreisverhinderung durch Ankauf italienischer
      Papiere hat etwas Anrührendes. Auch nur die Ankündigung einer Italienrettung triebe
      die Staatschulden der es garantierenden Länder wie Deutschland und Niederlande
      ebenfalls in Negativterrain. Einen Kaufkraftverstärker in Höhe von 8,9 Billionen Dol-
      lar, den Regierungen der Industriestaaten seit 2009 über Haushaltsdefizite in die
      Märkte drücken, kann es mithin nicht noch einmal geben.“

      Anbei etwas für die Taschenrechnerverzichterversteher:
      https://excelhero.de/excel-funktionen/

      Antworten
  7. Avatar
    Johann Schwarting sagte:

    @ Dr. Stelter

    Der Satz

    „Mehrfach war der Niedergang des deutschen Bildungswesens Thema bei bto: …“

    und die Kommentare beschreiben nachdrücklich inhaltlich weitere Beispiele für die unvermeidlichen Dysfunktionalitäten und systemimmanenten Verwerfungen, die das Ende eines zyklisch debitistischen Durchganges prägen. Ausgangspunkt des Verstehens der heutigen weltweit zu bestaunenden Zuständen sind die auf ‚formloser Gewalt‘ bestehenden Stammesgemeinschaften unterhalb der Dunbar’schen Zahl mit maximal/optimal 150 Menschen. Oberhalb dieser Zahl beginnt, um die Desintegration des Stammes zu verhindern, die Installation von Zentralmachtsystemen auf der Grundlage der rechtlich ‚formellen Herrschaft‘, die mit Paul C. Martins ‚Debitismus / Machttheorie‘ voll im Einklang steht, wie der Rechtswissenschaftler und Rechtshistoriker Uwe Wesel in ‚Zur Entstehung von Recht in frühen Gesellschaften‘ darlegt.

    https://www.jstor.org/stable/23995409?seq=1

    „… 300 bis 500 von 1.000 Kindern gehören in die höchste mathematische Leistungsgruppe. … “

    heißt es sehr richtig und erstrebenswert im obigen 4. Link in Bezug auf unser aller Vorbild Südkorea, das gegenwärtig, wie https://de.wikipedia.org/wiki/Demografie_von_S%C3%BCdkorea schreibt, die alles überragende Verwerfung aller Zeiten, die medial kein Thema ist und dissimuliert wird, erlebt: „Tatsächlich ist die Alterungsgeschwindigkeit in Korea in der Geschichte der Menschheit beispiellos und übertrifft sogar die Japans.“

    https://www.spiegel.de/politik/ausland/suedkorea-und-die-niedrige-geburtenrate-warum-viele-koreanerinnen-keine-kinder-moechten-a-40617d97-7761-43f0-ac63-4d63f3433a17

    10 Koreanerinnen haben heute durchschnittlich über die Zeit noch 6 Töchter, in den 1950er-Jahren waren es noch 30. Ist es denkbar, dass der Geburtenrückgang nicht das Ergebnis individueller Entscheidungen der Frauen ist, sondern dass er der debitistischen Logik folgt? Es ja bekannt, dass z. B. Kaiser Augustus‘ Ehe- und Sittengesetzgebung vollständig gescheitert sind. Welche Antworten haben die entwickelten asiatischen Staaten auf der Grundlage ihrer Traditionen auf diese Herausforderungen (Hikikomori)? Was bedeutet diese Implosion für die ökonomische / gesellschaftliche Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten – von Generationen ganz zu schweigen? Interessant werden die Ausgestaltungen der ‚formlosen Gewalten‘ sein, denen wir gegenüberstehen und die wir zukünftig mehr denn je zu ertragen haben. Aus dem KGS wird vielleicht als Übergang zwecks Gewinnung von Zeit ein SKS – ein chinesisches ‚Sozialkredit-System‘.

    Wir wissen ja aus dem Link vom 3.7.2020, 07:54: „Jedes debitistische System, welches sich der Zeit bedient, aber nie eine Erfüllung der Schulden ermöglicht, hat früher oder später dieselbe Zukunft vor sich. … Wir werden die Zeit nicht zurückdrehen, werden es alle soweit hinauszögern, bis die Verwerfungen so starke, globale Krisen nach sich ziehen, dass weitreichende psychologische Umprogrammierungen möglich werden und wir in Schockstarren ohne Widerstandsfähigkeit die nicht mehr weiter staatlich finanzierbaren Rechte samt aller Vermögen für den letzten Hoffnungsschimmer aufgeben werden.“

    Antworten
  8. Avatar
    Dr. Lucie Fischer sagte:

    Die Fähigkeit zu mathematisch- abstraktem Denken setzt Angstlosigkeit voraus : den Kontakt zu direkt-sinnlichem Erleben zu verlieren.
    Diese Fähigkeit kann sich u.A. während der ersten, prägenden Lebensmonate und-Jahre entwickeln durch die langsame Entwöhnung einer symbiotischen Beziehung zur Mutter. ( Primärer Bezugsperson).
    Jedes Neugeborene kommt als “ psychologische Frühgeburt “ zur Welt, braucht zur Entwicklung kognitiver Strukturen die emphatische Mutter, die nonverbale Kommunkation versteht und entsprechend der Reife des Kindes phasengerecht fördert und langsamen Verzicht unmittelbarer Triebbedürfnisse ermöglicht.
    Leider werden die entwicklungspsychologischen Studien ( Bowlby, Winnicott, Piaget) nicht mehr berücksichtigt, Folge: dass Kinder unter 3 Jahren fremdbetreut in “ Kitas“ oder Krippen untergebracht werden: aus kinderpsychiatrischer Sicht ein Skandal, entspricht frühkindlicher Traumatisierung und kognitiver Deprivation. Entwicklung eines “ falschen Selbst“. Abstraktes Denken ist von solchen Kindern nicht zu erwarten, die lebenslange Angst überwiegt.
    ( ebenso wie Identitäts- Unsicherheit und -Diffusion, daher m.E. die Gender-Tendenz und Debatte).
    Dass die “ Diagnose“ ADHS zwischen 2006 und 2011 um 42 Prozent häufiger gestellt und die Kinder entsprechend mit Ritalin behandelt wurden, weist auf die Unkenntnis der frühkindlichen Störungen hin:
    Hyperaktivität entspricht in den meisten Fällen einer somatisierten Angststörung, bedingt u.a. durch frühe Deprivation . Auch in der Kinderpsychiatrie hat die Pharmaindustrie ( die Fortbildungen organisiert und bezahlt) wissenschaftliche Forschung und Therapie weitgehend ersetzt.

    Antworten
    • Avatar
      Felix sagte:

      @ Dr. Luc.Fischer

      Immerhin leiden die meisten jungen Menschen heute nicht mehr unter den Unsinnigkeiten der Welt. Sie genießen einen gewissen Luxus und sind zufrieden mit dem Angebot. Der Ehrgeiz erstreckt sich mehr auf möglichst frühe Brustvergrößerungen und ähnliches. Läuft doch. Wieso was ändern? Bis es zur Katastrophe kommt, „sind wir alle reich gestorben“.

      Tja, da ändert sich gerade was. Haben Sie mal David Sinclair gelesen? Es sieht so aus, als ob die Reichen und Mächtigen demnächst alle ewig in der von ihnen geschaffenen Dystopie leben müßten.

      Antworten
  9. Avatar
    Carsten Pabst sagte:

    Sehr geehrter Herr Tischer,
    ich bin bei Ihnen. Der Leidensdruck ist definitiv noch nicht groß genug in unserer Gesellschaft.
    Und ja, noch will die Gesellschaft diese Kraftanstregung nicht auf sich nehmen.
    Ich bin mir auch nicht sicher, woher der Leidensdruck für die benötigte Kraftanstrengung kommen kann;
    hohe Arbeitslosigkeit aufgrund einer großer Anzahl Pleiten im Herbst, ansteigende Inflationsraten,
    einbrechende Wirtschaft und damit verbunden ein Kollaps der Sozialkassen…
    Ich habe keine Ahnung, was kommt und ob ich mich darüber freuen sollte.
    Nur wenn es schlimm kommt, dann bitte schnell und unmittelbar. Wenn schon Schmerzen, dann bitte kurz und fest.
    Ein blauer Daumen vom Hammer ist mir bedeutend lieber als ein schleichender Bandscheibenvorfall.
    Ein farbenfroher Daumen tut verdammt weh, aber ich kann mich schnell wieder auf das Wesentliche konzentrieren.
    Der Bandscheibenvorfall beschränkt die Agilität langfristig ein und lässt einen vorsichtig agieren. Vielleicht ist die Bandscheibe der Gesellschaft schon hinüber, ich hoffe es nicht. Evtl. ist Corona ja disruptiv und es ändert sich etwas.
    Spätestens hoffentlich dann, wenn es aufgrund einbrechender Wirtschaft sehr schlecht wird im Herbst.
    Dann aber bitte richtig. Vielleicht ist der Hammer schon unterwegs zum Daumen.
    Bleiben Sie gesund
    Freundliche Grüße
    Carsten Pabst

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Carsten Pabst

      Auch Ihnen, wie allen anderen, gute Gesundheit.

      Ich bin auch sehr gespannt darauf, was wir im Herbst und Winter erleben werden.

      Bezüglich unseres Themas:

      Die Soloselbständigen, insbesondere die ohne Rücklagen, werden wohl am kreativsten sein und am meisten wagen. Denn sie müssen es auch, weil sie nicht zum relativ gut abgesicherten Mainstream der Gesellschaft gehören und keine starke Lobby haben.

      Wer allerdings SYSTEMRELEVANT ist oder sich so darstellen kann, wobei auch die Mehrheitsverhältnisse bei den nächsten Wahlen in den Blick rücken, drückt auf die Tasten in Berlin. Da geht dann schon etwas.

      Was, ohne an unserer Grundbefindlichkeit zu rütteln, einmal mehr zeigt:

      Unsere Gesellschaft ist gespalten, wenn auch auf einem relativ hohen Wohlstandsniveau.

      Antworten
  10. Avatar
    MFK sagte:

    Naja da gibt es ja auch einige Corona Helden, die behaupten, durch die Senkung der MWSt von 19 auf 16% würde der Kunde 3% sparen (unterstellt der Händler gibt die Senkung der MWSt an den Kunden weiter.

    Antworten
  11. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >Und dabei leben wir im Hochtechnologieland Deutschland davon, dass die Schulbildung zu einem Studium befähigt.“>

    Das war schon 2013 eine Illusion, als es gesagt wurde und ist ganz sicher auch heute eine.

    Befähigung war vorgestern.

    Wir leben längst davon, dass die Schulbildung, was immer sie leistet, den EINKLAGBAREN Anspruch einschließt, ein Studium zu absolvieren.

    Wenn das so ist, kann auch egal sein, was Schulbildung leistet.

    Das Studium pass sich dann schon an – ablesbar an den Positionen, die deutsche Universitäten in den internationalen Rankings einnehmen.

    Das und vieles, vieles mehr basiert auf der „Umwertung aller Werte“.

    Anders als von Nietzsche als Befreiungskonzept für den „Übermenschen“ erdacht, begegnen wir einem gesellschaftlichen Nivellierungsprozess, der durch die Verrechtlichung nahezu aller Lebensbereiche die GLEICHBERECHTIGUNG als Maßstab für mehr oder weniger alles durchsetzt.

    Wenn alle das GLEICHE Recht haben, was macht dann DIFFERENZIERUNG noch für einen Sinn?

    Letztlich keinen.

    Frauenquoten werden gefordert, angeordnet und durchgesetzt statt dass Frauen BEFÄHIGUNG erwerben und Männer diese, wenn sie erworben worden ist, auch vorurteilslos ANERKENNEN müssen.

    Wenn die Gesellschaft Nivellierung will, dann haben wir eben eine und sollten eigentlich gut mit diesem selbst bestimmten Wollen leben können, wäre da nicht ein ganz kleines Problem:

    Die ANSPRÜCHE an Wohlstand werden selbstverständlich NICHT nivelliert.

    Die ERFAHRUNG, dass Nivellierung und Anspruchsdenken nicht zusammenpassen, wird keine angenehme sein, weil praktisch niemand darauf vorbereitet sein wird, wenn er sie machen MUSS.

    Antworten
    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Das war schon 2013 eine Illusion, als es gesagt wurde“

      Das Interview ist tatsächlich aus dem Juni 2020 und nimmt Bezug auf die aktuellen Ereignisse in Sachsen, aber die Datumsangabe in dem bto-Linktext falsch.

      Antworten
  12. Avatar
    Christian Anders sagte:

    Aus den von Dr Stelter kommentierten Punkten stechen mir zwei besonders ins Auge, die mir bei Lehrtätigkeiten immer wieder auffallen:

    „Letztere verhindern, dass sich Schüler essenzielle mathematische Fähigkeiten aneignen.“
    (bezogen auf Taschenrechner)

    Nun gibt es keinen Sachgrund, warum man in der Schule überhaupt dauernd Taschenrechner verwenden muss. Bis auf wenige Themen, die meist nur LK-Stoff sind, sind Taschenrechner überflüssig, wenn die Zahlen in den Aufgaben klug gesetzt werden. Taschenrechner bis auf eben diese Ausnahmen NICHT für den Mathematikunterricht zuzulassen, wäre ein wichtiger Schritt. Alle Mathelehrer, mit denen ich das besprechen konnte, sehen das genau so. Die Politik drückt die Rechner aber möglichst früh in den Unterricht, damit die Schüler „den Umgang“ mit dem Gerät lernen. Das ist als Bildungsansatz komplett Banane, ist aber gelebte Realität.

    In der Lehre in höherer Mathematik oder Naturwissenschaften äußert sich das in Studenten, die einem Differentiale höherer Ordnung formal lösen können, aber bei überschlägiger Prozentrechnung oder einfach nur Bruchrechnung auf dem Stand von Klasse 6 (!!!) ohne Taschenrechner dennoch überfordert sind.Oder bei einfachen Kopfrechenhilfen wie Kommaverschiebung beim multiplizieren/teilen durch Zehnerpotenzen. Das muss man selbst gesehen haben, sonst glaubt man es nicht. Und es ist ein Massenphänomen!

    „Wir plädieren dafür, dass in der Mathematik Aufgaben im Mittelpunkt stehen, die den kreativen, analytischen Verstand schärfen.“

    Das muss so sein, hier gibt es aber noch ein Problem, dass nicht unmittelbar der Mathematik entspringt: Das Textverständnis, das hierzu notwendig ist, hat enorm nachgelassen. Und das liegt v. a. daran, dass Lesen an sich zu Hause vermindert/gar nicht mehr praktiziert wird. Und mit Lesen sind eben längere Texte gemeint, die Zusammenhänge darstellen. Dies muss ob des nötigen Umfangs aber auch ZU HAUSE passieren, das können Schulen nicht leisten.

    Wieder ist es etwas, was man selbst sehen muss, um es zu glauben: Wie junge Menschen Anfang 20 mit Abitur vor Textaufgaben sitzen, alles Wichtige und auch Unwichtige mit verschiedenen Farben anmarkern, beides nicht unterscheiden können und die für eine Aufgabe relevanten gesuchten und gegebenen Größen nicht aus einem Fließtext destillieren können, weil sie ihn einfach nicht verstehen.

    (Übrigens verfügen viele aus demselben Grund über keine nennenswerte Rechtschreibung mehr. Das hat mit unserem hier besprochenen Problem mittelbar zu tun.)

    Antworten
    • Avatar
      der Kater sagte:

      „Das ist (…) komplett Banane, ist aber gelebte Realität.“

      Herrlich!

      Kann man Deutschland treffender zusammen fassen? Wohl kaum.

      Antworten
    • Avatar
      markus sagte:

      @ Christian Anders:
      „Das muss man selbst gesehen haben, sonst glaubt man es nicht. Und es ist ein Massenphänomen!“
      Man kann es (zum Teil) auch so sehen: wenn man das Können von Physikstudenten heutzutage und vor etwas über 100 Jahren vergleicht, dann wird man feststellen, dass damalige Studenten um Vielfaches besser in theoretischer Mechanik waren. Das wird zum Teil daran liegen, dass damals viel weniger studiert haben und daher die Studenten klüger waren im Schnitt. Es wird aber auch daran liegen, dass damals keine Quantenmechanik gelehrt wurde.

      Ich will damit Ihre Aussage allerdings nicht als falsch hinstellen, da ich ihrer Meinung bin, sondern nur ergänzen.

      Antworten
      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @markus

        Eine auserlesenere Studentenschaft hatte in der selben Zeit deutlich weniger Stoff zu bewältigen. Klar war die tiefe Fähigkeit dann größer.

        Wenn ich abprüfe, gehe ich gar nicht so sehr auf die Stoffmenge und Formeln um zu gucken, wie viel Masse die Studis auf Anfrage wieder auskotzen können. Das können die, die gelernt haben, alle.

        Wenn ich nach Zusammenhängen frage und die mir gerne auch mal skizzieren lasse, brechen die zusammen. Die können die Formel xyz aus dem Kopf reproduzieren. In eigenen Worten beschreiben, was sie denn bedeutet, oder es alternativ aufmalen, können nicht viele. Die, die es können, sind zu 100% kompetent im Fach, immer.

        Da trennt sich dann „Rechnen“ von „Mathematik“. Vielen ist nicht klar, dass „Mathematik“ das Geforderte der Zukunft ist. „Rechnen“ kann jedes Handy besser und schneller als die besten menschlichen Rechenknechte.

  13. Avatar
    Klausi sagte:

    „Da brüstet sich aber auch kein Politiker damit, in Mathe schlecht gewesen zu sein. “
    Weis jemand auf welchen Politker hier angespielt wird?

    Antworten
  14. Avatar
    Axel sagte:

    Das ist doch nur die Spitze des Eisberges. Im Gespräch sagte mir neulich eine Lehrerin, bei ihr in der Hauptschule (NRW) geht überhaupt nichts mehr. Man könne es mittlerweile schon als Erfolg bezeichnen, wenn 5 Schüler überhaupt noch irgendetwas machen und nicht stören.
    Wer durch die Großstädte läuft (speziell Abends), der weiß, daß Deutschland mittlerweile komplett den Kompaß verloren hat. Wenn es das Programm der Regierung war, ein Nationalgefühl zu zerstören, weil es per se den Keim des Nationalsozialismus in sich trägt oder auch nur antieuropäisch ist, kann man nur gratulieren und sagen: Mission completet.

    In der Geschichte sind immer wieder Nationen zu Größe angewachsen und wieder geschrumpft oder zerfallen (Rom, Venedig, Spanien, Holland, usw. )
    Das aber ein Land seinen eigenen Niedergang beklatscht und auch noch finanziert, ist meines Wißens ein singuläres historisches Ereignis.

    Das die Feigheit und Bequemlichkeit, seine Kultur und Werte zu schützen als Toleranz verkauft und die Rückabwicklung unserer zivilsatorischer Errungenschaften als Verteidigung abendländischer und europäischer humanitärer Werte umgededeutet wird, gereicht zwar den Wording- und Nudgingexperten zu Ruhm und Ehre, wird aber zukünftige Generationen vor die Frage stellen: Wie konnte das Geschehen, wie kontet ihr das erodieren unseres gesellschaftlichen Korsettes zulassen?
    Warum habt ihr nichts aus der Geschichte gelernt und Euch wieder von Worthülsen einlullen und erpressen lassen?
    Warum habt ihr nicht gesehen, wie es den Bach runter geht und den Politikern ihre Lügen und Phrasen um die Ohren gehauen?

    Ich denke da halt immer an das Wort von Lao Tse: Schöne Worte sind nicht wahr. Wahre Worte sind nicht schön.

    Meine traurige Erkentniss ist, daß der Großteil der Menschen nicht mehr willens oder in der Lage ist, einen ungetrübten Blik auf die Realität zu entwickeln, der sich hinter den Schleiern der Ideologien verbirgt.

    Das die deutschen mal als das Volk der Dichter und Denker bezeichnet wurde, wird als Treppenwitz der Geschichte in die Annalen eingehen…

    Antworten
      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        Nicht so polemisch, die Zerstörung der Mathematikdidaktik ist tatsächlich ein Kernprojekt der Linksradikalen, auch der Black-Lives-Matter-Mob mischt schon dabei mit.

        Wussten Sie zum Beispiel, dass „2+2=4“ eine vom westlichen Imperialismus geprägte Idee ist? Ethnische und kulturelle Minderheiten haben vielleicht ganz andere Vorstellungen davon, was „2+2“ ist und eine dekolonialisierte Mathematik sollte auch diese Ergebnisse sichtbar machen und gleichstellen. Vielfalt ist unsere Stärke, auch bei Rechenergebnissen!

        „Nope the idea of 2 + 2 equaling 4 is cultural and because of western imperialism/colonization, we think of it as the only way of knowing.“
        https://www.zerohedge.com/political/blm-teacher-says-22-only-4-because-western-imperialism

        Und die Motivation dafür ist auch offensichtlich: Erstens wählen Doofe viel eher eine linke Partei und sind für Umverteilung und empfänglich für emotionale Propaganda anstatt von Argumenten mit Zahlen (bääh!), und zweitens macht eine vollverblödete Bevölkerung ohne Mathematikkenntnisse den Zusammenbruch des verhassten kapitalistischen Systems viel wahrscheinlicher, woraufhin der Weg frei ist für die kommunistische Revolution. So sagt es die „wissenschaftliche Theorie“ vom Marxismus-Leninismus.

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        Sie beantworten meine Frage nicht (die ernst gemeint war) und erheben statt dessen eine irrelevante Meinung in den Status eines Kernprojekts.

        Ich hoffe nicht , dass DAS die Bildung ist, die Sie von Linken abgrenzt.

        Mathematik ist eine Sprache, um logische Zusammenhänge formal darzustellen. Und damit alle mitreden können, ist sie eine Sprache mit universaler Grammatik.
        Wer das ändern will, muss entweder eine universale Änderung für alle anstreben oder sich selbst mit einer individuellen Mathematik aus der Sprachgemeinschaft der Mathematiknutzer kegeln.

        Aber das ist uns z. B. aus dem Klimawandeldiskurs ja bekannt, wo gewisse Protagonisten eine individuelle Physik nutzen und sich über den daraus folgenden Ausschluss aus dem wissenschaftlichen Diskurs beschweren, ;-).
        Also kein linksradikales Konzept, dieser Angriff auf die universale Grammatik logischer Zusammenhänge. Die vielen anderen Beispiele verlinken Sie hier auch?

        Fazit: Dumme Leute gibt es überall. Wer hätte das gedacht.

      • Avatar
        Horst sagte:

        „Und die Motivation dafür ist auch offensichtlich: Erstens wählen Doofe viel eher eine linke Partei…“

        Wählen Doofe nicht eher Parteien des rechten Spektrums?

        Wie z.B. diese äußerst homogene, charmante Gruppe:
        https://www.google.com/searchq=aufmarsch+neonazi&client=opera&hs=QBB&sxsrf=ALeKk01Pc94htcevZCwFEbHjtudEdnb0lw:1594205841261&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=2ahUKEwi00_fGv73qAhX9ysQBHfjzCPoQ_AUoAnoECAwQBA&biw=2432&bih=1303#imgrc=QVtueJJHWjHmVM

        Sind die nicht auch empfänglich für emotionale Propaganda? Sind die nicht auch für Umverteilung, nur in die andere Richtung?

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        Die „2+2=4“-Frau ist schon außergewöhnlich doof, nicht wahr? (Vorsicht, was Sie jetzt antworten, wenn Sie ein alter weißer Mann im Wissenschaftsbetrieb sind, könnte es schnell Ärger mit dem Black-Lives-Matter-Mob geben…)

        Hier ist noch eine für Sie, falls Sie lieber Latinx mögen – und die ist sogar so relevant, dass sie Professorin der Erziehungswissenschaften (hihi) geworden ist:

        https://www.youtube.com/watch?v=D266LYIigS0
        Rochelle Gutiérrez: „Rehumanizing Mathematics: A Vision for the Future“
        Latinx in the Mathematical Sciences Conference 2018
        Institute for Pure and Applied Mathematics, UCLA
        March 10, 2018

        ABSTRACT: For far too long, we have embraced an „equity“ standpoint that has been poorly defined (Gutiérrez, 2002) or constantly shifting (NCTM, 2008). It has been difficult to assess progress beyond closing the achievement gap or recruiting more diverse students into the mathematical sciences. Instead, we should rehumanize mathematics, which considers not just access and achievement, but the politics in teaching and mathematics. This approach begins with 1) acknowledging some of the dehumanizing experiences in mathematics for students and teachers and 2) how students could be provided with windows and mirrors onto the world and ways of relating to each other with dignity. As such, we can begin to think differently about student misconceptions, teachers as identity workers, and why it is not just that diverse people need mathematics but mathematics needs diverse people (Gutiérrez, 2002; 2012). In this talk, I focus on two areas for rehumanization: 1) teaching/learning and 2) scholars and everyday citizens.

        With respect to teaching and learning, I present eight dimensions of a rehumanized mathematics classroom: participation/positioning; cultures/histories; windows/mirrors; living practice; broadening maths; creation; body/emotions; and ownership. Then, I offer ways for mathematicians and mathematics educators to take risks in ensuring those dimensions happens in small and large ways. In addition, with the recent national attacks on mathematics education scholars who address social justice and whiteness, I explain a bit about my case and then offer ways to rehumanize our field to affect scholars and everyday citizens. In particular, I highlight how understanding our history (e.g., how scientists in the 1970s stood for political and social action) as well as creating greater alliances between mathematicians and mathematics education scholars might allow us to take greater risks in our everyday work.

        Sie haben noch nicht begriffen, dass es sich hier um Kulturrevolutionäre handelt, die ideologisch motiviert sind und sich für Ihre Ausführungen über Mathematik als Sprache mit universeller Grammatik überhaupt nicht interessieren. Unsere Muttersprache, also „Deutsch“, wird von Spachpanscher:innen und Volkserzieher*innen doch auch schon seit längerem „politisch korrekt“ dekonstruiert, neuerdings sogar im per Haushaltsabgabe zwangsfinanzierten Staatsrundfunk. Wieso ist es so abwegig für Sie, sich vorzustellen, dass eben die gleichen Linksverwirrten den selben Plan für die Mathematik haben?

        „[Sie] erheben statt dessen eine irrelevante Meinung in den Status eines Kernprojekts.“

        Wissen Sie, an wen Sie mich erinnern? An einen chinesischen Pianisten, der sich auch nicht vorstellen kann, dass Maos Rote Garden ihm wirklich die Finger brechen könnten weil es ja ungerecht ist dass er Klavier spielen kann und manche anderen Leute nicht und man diese Ungleichheit irgendwie beseitigen muss. Und dann spürt er das Bersten seiner eigenen Knochen. Dann ist die Erkenntnis plötzlich da, aber für Gegenmaßnahmen ist es zu spät.

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @Ott

        Der Unterschied zwischen einer Landessprache und Mathematik ist, dass Sie die Landessprache modifizieren können in Grammatik und Wortschatz, und dennoch Sätze bilden können, die wahre Aussagen machen können.

        Mit Mathematik geht das: Nicht!

        Dass jemand, der das nicht versteht eine Agenda verfolgen kann, die überhaupt nur möglich ist, weil er nichts versteht: Ja. Und?
        Sehen Sie ein echtes Risiko, dass sich das durchsetzt, in unserer Welt, die global mit all ihren Vernetzungen, von denen so viele Mächtige profitieren, darauf angewiesen ist, dass es sich gerade NICHT durchsetzt? (das ist übrigens der Unterschied zum Maoismus).

        Sie nehmen die Welt extrem selektiv wahr. Das, was hier an Kultur-/Bildungsrevulotion imaginiert wird, stellen sich auch Rechte vor (nur mit anderen Inhalten), die gesamte Science-Denialism-Szene (eine recht große Gemeinde, von der die Klimawandelleugner nur eine Untereinheit sind), Marxisten, Paläo-Libertäre, etc. pp.

        Die haben alle mittlerweile weltweit vernetzte Institute, Konferenzen, Journale, veröffentlichen, werden gehört, ihnen wird geglaubt, usw.

        Von alldem sehen sie die (einzige? größte?) Gefahr wirklich bei dem, was Sie mir hier vorlegen? Weil… ja, WARUM eigentlich?

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        „Der Unterschied zwischen einer Landessprache und Mathematik ist, dass Sie die Landessprache modifizieren können in Grammatik und Wortschatz, und dennoch Sätze bilden können, die wahre Aussagen machen können.“

        Sie meinen sowas wie „Auch Männer können schwanger werden“? ;)

        „Mit Mathematik geht das: Nicht!“

        Versuchen werden die Linksbizarren das: Trotzdem! Und warum? Weil es Ideologen sind, die sich nicht für Aussagenlogik interessieren.

        „Sehen Sie ein echtes Risiko, dass sich das durchsetzt, in unserer Welt, die global mit all ihren Vernetzungen, von denen so viele Mächtige profitieren, darauf angewiesen ist, dass es sich gerade NICHT durchsetzt? (das ist übrigens der Unterschied zum Maoismus).“

        Ja klar, sonst würde ich es hier nicht schreiben. Glauben Sie, Maos China hat als Land von der Kulturrevolution profitiert, mit all ihren Massakern, politischen Säuberungen und dem Kaltstellen von etlichen Intellektuellen? Durchgezogen wurde sie trotzdem. Und warum? Weil es in erster Linie nicht um Profit ging, nicht im engeren wirtschaftlichen Sinn und auch nicht im weiteren Sinn von „wirtschaftlicher Entwicklung“, sondern um die Stabilisierung einer wackelnden Machtbasis, die von den jeweils Mächtigen als die Voraussetzung dafür angesehen wird, um weiter im jeweiligen Systemzuammenhang als Elite „profitieren“ zu können.

        „Sie nehmen die Welt extrem selektiv wahr. Das, was hier an Kultur-/Bildungsrevulotion imaginiert wird, stellen sich auch Rechte vor (nur mit anderen Inhalten), die gesamte Science-Denialism-Szene (eine recht große Gemeinde, von der die Klimawandelleugner nur eine Untereinheit sind), ***MARXISTEN***, Paläo-Libertäre, etc. pp.“

        Sagen Sie mal, begreifen Sie überhaupt, wovon ich hier in etlichen Kommentare schreibe, oder halten Sie nur dagegen, weil ich aus Ihrer Sicht irgendwie „gegen links“ bin?

        Die Black-Lives-Matter-„Aktivisten“ und auch die selbsternannten „Mathematik-Dekolonisierer“ sind Marxisten! Das ist die Grundlage ihrer Ideologie! Was dachten Sie denn die ganze Zeit, was die wären? Elefanten vielleicht? Oder irgendwie unpolitisch? Oder „Party- und Eventszene“?

        Sie erzählen es sogar selbst, Sie müssen bloß zuhören: https://www.youtube.com/watch?v=Pyhy4IvkENg&feature=youtu.be

        „Von alldem sehen sie die (einzige? größte?) Gefahr wirklich bei dem, was Sie mir hier vorlegen? Weil… ja, WARUM eigentlich?“

        Weil diese durchgeknallten Marxisten im Mainstream angekommen sind und massiv gepusht werden, die anderen von Ihnen aufgeführen Gruppen nicht. Oder haben Sie schonmal eine Flacherde-Konferenz gesehen, die von der UCLA ausgerichtet und von Facebook gesponsert wird? Und wie oft werden Paläo-Libertäre bei Anne Will eingeladen? Wie oft drucken sich Fußballvereine „in Solidarität“ die Slogans von „rechten“ Kampagnen auf die Trikots, so wie das bei „Black Lives Matter“ im vergangenen Monat üblich war?

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @R. Ott

        „Weil es in erster Linie […] um die Stabilisierung einer wackelnden Machtbasis [ging], die von den jeweils Mächtigen als die Voraussetzung dafür angesehen wird, um weiter im jeweiligen Systemzuammenhang als Elite „profitieren“ zu können.“

        Und genau das wird eine Kulturrevolution, wie Sie sie als Gefahr sehen, heute nicht leisten. Das macht sie unwahrscheinlich.

        Glauben Sie eigentlich, der „Mainstream“ ist die Hauptinformationsquelle für die Menschen heutzutage? (Ich hab da keine tiefer gehenden Erkenntnisse zu, nur eine Ahnung. Ernst gemeinte Frage).

        Zumindest für alle, die sich neben dem Mainstream noch woanders informieren, sind ALLE von mir benannten Bewegungen sichtbar, laut, gesponsort, ernst genommene Gesprächspartner, etc., befruchten sich gegenseitig, aritkulieren Umsturzvorstellungen.

        Aus meiner persönlichen Sicht – die hier fehlerhaft sein kann – qualifiziert die Oberfläche, die der mediale Mainstream heute nur noch abbildet, nicht für Tiefenwirkung.
        Um Ihre Frage zu beantworten: Nein, ich wüsste spontan nicht, dass Nazis und Paläo-Libertäre im Mainstream auftauchen. Mit Klimawandelleugnern tut der Mainstream sich leichter, die haben offensichtlich ganze Arbeit geleistet. Ökonomen mit Quatschtheorien, deren Anwendung schonmal ganze Länder verwüstet hat, sind gern gesehene Gäste hingegen – immernoch.

        Ich kann bei der hohen Frequenz an Idiotie, mit der man vom Mainstream und vom Nichtmainstream gleichermaßen berieselt wird, nur schwer Ihre Gewichtung an Gefährlichkeit nachvollziehen – schon da den realen Schaden der letzten Jahre keine Black-Lifes-Matters Aktivisten verursacht haben (und Greta und ihr Verein übrigens auch nicht).

        Nun, die haben ja eine Chance für die Zukunft *zynismusoff*

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Sagen Sie mal, begreifen Sie überhaupt, wovon ich hier in etlichen Kommentare schreibe, oder halten Sie nur dagegen, weil ich aus Ihrer Sicht irgendwie „gegen links“ bin?

        Die Black-Lives-Matter-„Aktivisten“ und auch die selbsternannten „Mathematik-Dekolonisierer“ sind Marxisten!>

        Lassen wir mal dahingestellt, wer wirklich als Marxist gelten kann, richtig ist aber schon:

        Es gibt unter den amerikanischen Black-Lives-Matter-Aktivisten AUCH welche, die das System umstürzen wollen, weil sie nicht an seine Reformierbarkeit glauben.

        Es gibt AUCH unter den amerikanischen Polizisten ganz sicher welche, die zu vorherigen Zuständen zurück wollen, weil sie glauben, dass das System sich in die falsche Richtung entwickelt. Dazu kann man problemlos auch Trump zählen.

        Bei uns gibt es die beiden Lager sicher auch, aber sehr viel weniger.

        Es geht bei uns jedenfalls nicht um REVOLUTION.

        Es geht vielmehr um eine durch mehrheitlichen KONSENS getriebene Gesellschaftsveränderung.

        Die kann mit Blick auf das, was dabei am ENDE zu erwarten ist, durchaus mit einer Revolution zu vergleichen sein – und daher auch vehement abgelehnt werden.

        Aber bei der Ablehnung IMMER nur Marxisten und Revolution oder „links“ und „grün“ zu rufen, ist so unglaubwürdig, wie auf der anderen Seite rechts immer nur Hetzer und Rassisten auszumachen.

        Es ist unglaubwürdig, weil unsere Gesellschaftsveränderung anders als Revolutionen eben im mehrheitlichen Konsens erfolgt.

        Es ist darüber hinaus auch nicht effektiv, weil das durchweg nur Bestätigung bewirkt.

        Man muss vielmehr den vielen subtilen Einflussnahmen, Verschiebungen, Täuschungen und die Widersprüche zwischen Botschaft und Realität zur Sache machen, wie z. B. die Aussagen von Politikern im Podcast mit der Lage der Dinge in Verbindung zu bringen.

        Das öffnet die Augen, da werden manche dann doch nachdenklich.

        Das ist natürlich NICHT spektakulär, motiviert nicht das eigene Lager, kann aber vielleicht doch den einen oder anderen Nachdenklichen bewegen, die Dinge differenzierter und besorgter zu bewerten.

      • Avatar
        Axel sagte:

        @Christian Anders

        Naja, es geht mir mehr um Bildung im Allgemeinen.
        Nicht nur um Mathematik, sondern auch um das Erlernen eines offenen politischen Diskurses.
        In der Schule (bzw. Medien) werden eben beispielsweise die Methoden der Populisten und der Boulevardpresse besprochen, nicht aber die psychologischen Methoden der Massenbeeinflußung. Wie kann es aufgeklärte Staatsbürger und nicht nur folgsame Lämmer geben, wenn die Lehrpläne solches nicht vorsehen?
        Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

        Inwieweit Mathematik noch im banalen Altag wichtig ist, weiß ich nicht. Ich bin mir aber sicher, daß, bei entsprechender Intelligenz und Neigung, etliches wieder im (Eigen-) Studium aufgeholt werden kann.
        Auch wenn der Verlust an Allgemeinbildung zu bedauern ist, so gibt es doch sicherlich auch viele Cracks, die ihren Verstand und ihre logischen-analytischen Fähigkeiten am PC schleifen (programmieren, Algos entwickeln, etc.), ohne daß sie Allround Mathe Genies sein müßen.
        In den für Innovationen wichtigen Ingenieurfächern geht es dann sicherlich nicht mehr ohne fundierte mathematische Kenntnisse.
        Ich sehe aber für eine gesellschaftliche Entwicklung, die nicht fremdbestimmt leben möchte, die Förderung eines kritisch hinterfragenden Geistes als mindestens ebenbürtig der Entwickelung mathematischer Skills an!

        Warum kamen alle (?) entscheidenden Erfindunger der letzten x hundert Jahre aus bestimmten Kulturkreisen? Nicht, weil dort die Menschen klüger wären, sondern weil woanders kritisches Denken als Blasphemie gescholten wurde.

        Das abnehmende Bildungsniveau ist nicht losgelöst von der Migrationsfrage zu diskutieren.
        Ich wollte nicht den Status Quo befeuern, sondern die Diskussion auf die Hintergründe lenken.
        Die Menschen sind ja in den letzten 50 Jahren nicht dümmer geworden. Woran liegt es also, daß wir bei Pisa immer weiter abrutschen?
        Das würde mich interessieren! Liegt es an der Links-Grünen Bildungspolitik oder anderen Faktoren?

        Gerne laß ich meinen Horizont erweitern!!!

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @Axel

        Zwischen Punkten, die Sie ansprechen, gibt es Zusammenhänge.

        a) Eigenstudium ist nur möglich, wenn dafür Eignung besteht: Konzentrationsfähigkeit in Zeitfenstern von Stundengröße, Selbstdisziplin, Eigenmotivation

        b) Eigenmotivation entspringt ausschließlich daraus, dass man einen eigenen, originären Plan hat, was man erreichen möchte. Der Plan kann Mist sein, dennoch braucht es einen, OHNE geht es nicht.

        c) Ein eigener Plan entspringt nur einem Umfeld, in dem es für Kinder/Jugendliche Vorbilder gibt (Menschen mit eigenständigen Ideen, die an deren Verwirklichung arbeiten).

        d) Ein solches Umfeld kann eben keines sein, in dem alle in die Wohlfühlblase der sozialen Medien abtauchen und ihren Selbstwert aus der Menge der erhaltenen/verteilten „Likes“ beziehen, oder vor dem TV dahinvegetieren (neudeutsch: chillen).

        e) Sowohl soziale Medien als auch TV SIND wesentliche Instrumente der Massenbeeinflussung. Platt gesagt sind es die Spiele aus „Brot und Spiele“. Sie müssen da nur keinen Masterplan irgendeiner fernen Elite hinter vermuten.

        f) Der Zustand aus d) ist auch im bürgerlichen Milieu angekommen, sponsored by parents.

        g) Überhaupt sind Eltern, deren vorgelebter eigener Lebenssinn sich darin erschöpft, ihre Kinder durch’s Leben zu schieben, für eben jene Kinder keine Vorbilder im Sinne von c). Sie erzeugen eher f).

        h) Gespeist wird g) aus der Angst, dass der Nachwuchs materiell nicht mehr erreichen können wird, als man selbst erreicht hat (denen soll es mal besser gehen) Etwas völlig Unwichtiges wird hier zum Zentrum einer ganzen Lebensplanung, entsprechend bekloppt wird das Ergebnis.

        ————

        Was Sie verlangen, nämlich Wehrhaftigkeit gegen diese Beeinflussungen an Schulen zu vermitteln, wird niemals funktionieren. Es ist Kernleistung der Erziehungsverpflichteten, sowas zu erbringen. Die Lehrenden haben bereits einen A**** voll Arbeit, mit den Defiziten, die Schüler/Studenten haben und die den o. g. Punkten entspringen, so zu arbeiten, dass irgendwas Fachliches hängen bleibt.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        Ich bin von a) bis h) voll bei Ihnen.

        Die Kernleistung von Erziehungsverpflichteten wird heute nicht mehr hinreichend erbracht, wenn man sie der Kita überantwortet und danach den „social media“.

        >g) Überhaupt sind Eltern, deren vorgelebter eigener Lebenssinn sich darin erschöpft, ihre Kinder durch’s Leben zu schieben, für eben jene Kinder keine Vorbilder>

        Ich will dieses g mit einem g‘ ergänzen, das es auch gibt:

        Überhaupt sind Eltern, deren vorgelebter eigener Lebenssinn darin besteht, den sozialen und materiellen AUFSTIEG durch LEISTUNG zu schaffen, keine Vorbilder für ihre Kinder im Sinne von c), wenn Sie diese NUR zu Leistung hin erziehen bzw. auf Leistung konditionieren.

        Das ist insbesondere dann der Fall, wenn diese Kinder durch Überforderung kein Selbstwertgefühl entwickeln können und sich daher eine Verlierermentalität zulegen.

        Diese Kinder sind Geschädigte, die ohne Selbstwertgefühl nicht auf Entdeckungsreise im Leben gehen.

        Aber freilich:

        Selbstwertgefühl hauptsächlich oder überwiegend an der Spielkonsole zu entwickeln, ist auch der falsche Weg.

    • Avatar
      Bauer sagte:

      @ Axel

      >> „Warum habt ihr nichts aus der Geschichte gelernt und Euch wieder von Worthülsen einlullen und erpressen lassen?
      Warum habt ihr nicht gesehen, wie es den Bach runter geht und den Politikern ihre Lügen und Phrasen um die Ohren gehauen?“

      Wer sich mit diesen Fragen näher befassen will, sei folgende Literatur empfohlen:

      >> Edward Gibbon, History of the Decline and Fall of the Roman Empire

      >> Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes

      Gibbon hat vor 200 Jahren geschrieben, Spengler vor 110 Jahren. Beide Werke sind respekteinflößend umfangreich, es gibt jedoch zeitgemäß gekürzte Fassungen (von Gibbon auch deutsch?), die das Wesentliche vermitteln und überraschend gut lesbar sind, immer natürlich mit Rücksicht auf den Zeitabstand. Aber dort findet man die Schlüssel zum Verständnis, dass eine Hochkultur auch untergehen und Jahrhunderte der Finsternis zurücklassen kann, was eher die Regel statt die Ausnahme ist..

      Ägypten hat auch heute nach über 2000 Jahren den Anschluss nicht wieder gefunden. Es endete in Despotie über ein Volk von Fellachen (Spengler). Wir sind nahe davor.

      Die Errungenschaften des Römischen Reiches gingen auf über 1000 Jahre verloren, bis die Aufklärung Europa vor dem Schicksal der Ägypter bewahrte, und wir jetzt den Rückfall erleben müssen.

      Antworten
    • Avatar
      Carsten Pabst sagte:

      @Axel
      „Das die deutschen mal als das Volk der Dichter und Denker bezeichnet wurde, wird als Treppenwitz der Geschichte in die Annalen eingehen…“
      Hier geht es doch gar nicht um Deutsch, hier sollte es um gut ausgebildete junge Menschen gehen, egal welcher Nation sie entspringen.
      Dazu bedarf es einer enormen Kraftanstrengung seitens der Politik und der Gesellschaft. Junge Menschen haben meiner Meinung nach das Recht auf eine sehr gute Ausbildung in unserem Land. Da ist die Herkunft aber sowas von egal.
      Die Deutschen sind das Volk der fleißigen Handwerker! Wird ja auch gern behauptet. Nur wo sind sie denn, die fleißigen Deutschen? Bequem geworden sind DIE DEUTSCHEN, dass Kind soll es ja mal besser haben, dass geht doch nicht auf den Bau!! Handwerk, oh Nein, mein Kind ist für höheres bestimmt. Da wird auch schonmal das Lehrpersonal beim staatlichen Schulamt angeschwärzt, wenn es mit den Noten nicht klappt.
      Selbstgefällig und satt sind die hier schon länger Lebenden. So satt, dass sie gegen alles aufmarschieren: Gentechnik, Landwirtschaft, Atomkraft, NOT IN MY BACKYARD!
      Ich habe letzte Woche 7 Maurer- und Betonbauer verabschiedet. Diese haben Ihre Prüfung erfolgreich bestanden. Alles super Jungs, dass haben die sich redlich verdient, der Afghane, der Eriträer, die 2 Türken, der Libanese und der Deutsche. Die werden Ihren Weg gehen. Und gutes Geld verdienen.
      Ich habe es im Forum schon einmal erwähnt. Ich lache mich immer kaputt, wenn die Politik den großen Infrastrukturstau der letzten Jahre aufholen will. Neben den fehlenden Planungsbüros ist das größte Problem der Nachwuchsmangel. Und hätten wir nicht Handwerker mit Migrationshintergrund auf deutschen Baustellen, es wäre längst wortwörtlich zappenduster in diesem Land.
      Das muss man auch mal Laut ansprechen.
      Also lassen Sie uns dafür in unserer Gesellschaft kämpfen, dass junge Menschen eine sehr gute Bildung erhalten. Das fängt mit genug Lehrpersonal an, sodaß wir maximale Klassengrößen von 15 Schüler/innen pro Lehrpersonal in den nächsten Jahren erreichen. Entbinden wir die Lehrer von unnötigen Verwaltungsaufgaben und lassen Sie das machen, wofür sie normalerweise bezahlt werden: LEHREN.
      Und erklären unserem Umfeld mal wieder, das Erziehung Sache der ERZIEHUNGSberechtigten ist. Nicht der Lehrer.
      Entrümpeln mal die Schulbücher. Aufgrund einer 15jährigen Tochter auf dem Gymnasium kenne ich Schulbücher. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, die Dicke dieser Bücher steht im krassen Gegensatz zu dem vermittelten Wissen. Weniger und vertiefender ist manchmal mehr.
      Über marode Schulgebäude lass ich mich mal nicht aus. Da wären wir ja auch ganz schnell wieder bei dem Problem weiter oben!
      Aber, da bin ich bei Ihnen, falsch verstandene Toleranz dulde ich nicht. Die deutsche Landessprache ist Grundvoraussetzung zum Besuch einer Schule. Wer Defizite hat, bitte nachholen. Also mehr Personal, sonst wird das nichts werden. Und auf allen Ämtern Dokumente nur in deutscher und englischer Sprache.
      Also schreiben Sie Ihren Bundestagsabgeordneten an, eröffnen eine Petition, engagieren Sie sich für gute Bildung in Deutschland. Für alle hier lebenden junge Menschen.
      Die haben das verdient.
      Freundliche Grüße
      Carsten Pabst

      Antworten
      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Carsten Pabst

        Ich bin gelernter Handwerker und kann sehr gut nachvollziehen, was Sie sagen.

        >Junge Menschen haben meiner Meinung nach das Recht auf eine sehr gute Ausbildung in unserem Land.>

        Das RECHT haben sie.

        Aber NICHT die Möglichkeit auf „sehr gut“ nach internationalen Maßstäben – Ausnahmen bestätigen die Regel und ich sage auch ausdrücklich, dass man etwas lernen kann an deutschen Hochschulen.

        Die Musik spielt aber woanders.

        Und das Problem ist ein anderes.

        Sie sagen:

        >Dazu bedarf es einer enormen Kraftanstrengung seitens der Politik und der Gesellschaft.>

        Bedürfte es, aber man WILL diese Kraftanstrengung nicht auf sich nehmen.

        Warum sollte man es, wenn es recht komfortabel auch ohne individuelle und gesellschaftliche Kraftanstrengung geht?

        Es ist nun mal so aller Erfahrung nach:

        Man muss ganz weit unten stehen, am besten am Abgrund UND eine Perspektiv haben, durch EIGENE Anstrengungen in eine bessere Position zu gelangen.

        Das war die Situation nach dem verlorenen WK II in (West)-Deutschland.

        Es war auch die Situation nach dem Desaster des Maoismus in China.

        In beiden Fällen:

        Die Menschen, die viel Leid erlebt hatten, MUSSTEN sich anstrengen, HABEN sich angestrengt und sich mit Wohlstand BELOHNT.

        Bei uns:

        Andere Welt heute, nicht einmal mehr vorstellbar.

      • Avatar
        Horst sagte:

        „Es ist nun mal so aller Erfahrung nach:

        Man muss ganz weit unten stehen, am besten am Abgrund UND eine Perspektiv haben, durch EIGENE Anstrengungen in eine bessere Position zu gelangen.“

        Erzählen Sie doch auch diese Story dem Prekariat, vorzugsweise dem afrikanischen. Ich bin sicher, jeder strengt sich an, eine Perspektive haben die meisten dennoch nicht – hier und dort.

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @Horst

        Widerspruch: Die Perspektivlosigkeit wird vermittelt und lähmt damit jede Initiative. Oder platt gesagt: Es wird sich eben NICHT angestrengt, weil man „je eh“ WEIß, dass es nichts bringt.

        Dass dieses Wissen falsch sein kann/wird, könnte nur durch Vorbilder, vornehmlich im engen Umfeld vermittelt werden. Nicht durch Gesagtes, sondern durch Vorgelebtes. Das fehlt.

        Dass es die Perspektiven gar nicht gäbe, mag im Kongo stimmen, in Deutschland eher nicht.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Sie sind auch an diesem Thread ein ganz schlauer Besserwisser.

        Dies, obwohl sie offensichtlich nicht verstanden haben, was Sie SELBST gesagt haben:

        >… vorzugsweise dem afrikanischen … jeder strengt sich an, eine Perspektive haben die meisten dennoch nicht >

        Eben, weil viele Menschen dort kaum Perspektiven haben, kommen sie nicht zu Wohlstand, obwohl sie sich anstrengen.

        „Perspektive haben, zu einer besseren Position zu gelangen“ setzt nämlich u. a. voraus:

        Persönliche Sicherheit, Eigentumsgarantie, keine Korruption, verlässliche Verfahrensregeln (Rechtssicherheit), erträgliche Besteuerung …

        Da fehlt es eben in großen Teilen Afrikas.

      • Avatar
        Horst sagte:

        Das verstehe ich nicht, Herr Tischer: Zuerst kommt die (generelle) Perspektive und dann die individuelle Anstrengung?

        Meine Sicht: Zuerst die individuelle Anstrengung, auf deren Basis sich Perspektiven erarbeitet werden können.

        „Persönliche Sicherheit, Eigentumsgarantie, keine Korruption, verlässliche Verfahrensregeln (Rechtssicherheit), erträgliche Besteuerung …“

        Die von Ihnen als pars pro toto aufgezählten fünf Elemente gelten so z.B. nicht umfänglich für den afrikanischen Kontinent (auch nach WK II in Deutschland ohne etablierten Rechtsstaat waren diese nicht unbedingt gegeben, große Anstrengungen haben die Menschen dennoch auf sich genommen, z.B. die Trümmerfrauen), dennoch, auch hier (Afrika als pars pro toto) soll es Gruppen geben, die für sich Perspektiven geschaffen haben, trotz Nicht- oder nur Teilweise-Vorhandensein dieser Elemente.

        „Widerspruch: Die Perspektivlosigkeit wird vermittelt und lähmt damit jede Initiative. Oder platt gesagt: Es wird sich eben NICHT angestrengt, weil man „je eh“ WEIß, dass es nichts bringt.“

        Die Vermittlung der Perspektivlosigkeit als Instrument, durch wen/was, wer vermittelt diese? Ausschließlich der Familien- oder Bekanntenkreis? Wann hat es begonnen? Wer gab den Startschuss der Vermittlung der Perspektivlosigkeit? Oder war schon immer ein gewisser Teil ein jeden Bevölkerung perspektivlos, der diese an die nächste Generation übergab?

        Cui bono, Herr Anders? Braucht der Kapitalismus perspektivlose Menschen, die sich nicht anstrengen? Oder handelt es sich um flächendeckendes Staatsversagen?

        Der erste Absatz Ihrer Ausführung steht im Widerspruch zu dem letzten. Wofür entscheiden Sie sich nun?

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        >Das verstehe ich nicht, Herr Tischer: Zuerst kommt die (generelle) Perspektive und dann die individuelle Anstrengung?

        Meine Sicht: Zuerst die individuelle Anstrengung, auf deren Basis sich Perspektiven erarbeitet werden können.>

        Es geht nicht um ein ZUERST, oder um das Henne-Ei-Problem.

        Es geht um die die Makro-Bedingungen, unter denen etwas erfolgen kann oder nicht, hier: eine Entwicklung in Richtung Wohlstand.

        Die fallen natürlich nicht vom Himmel, sondern sind durch das zustande gekommen, was vorher geschah – durch Individuen natürlich, manchmal werden sie auch von außen gesetzt.

        Vorteilhafte Bedingungen gibt es auch in Afrika.

        Ein eindrucksvolles Beispiel:

        In Uganda wurden 1994 bei den Auseinandersetzungen zwischen Hutu und Tutzi bis zu 1 Mio. Menschen ermordet.

        Es gelang danach, das Land zu stabilisieren und wenigstens ein einigermaßen tolerierendes Miteinander zu gewährleisten.

        Dies wurde mit harter Hand und Maßnahmen zwischen autoritär bis diktatorisch erreicht, was aufgrund des Traumas vorangegangener Gewalt wohl nicht anders möglich war.

        Das Land ist vergleichsweise sicher, weist wirtschaftliches Wachstum auf und gibt für Bildung mehr Geld relativ zum BIP als Deutschland aus.

        Das sind Voraussetzungen, die Perspektiven bieten, um mit individuellen Anstrengungen zu wenigstens bescheidenem Wohlstand zu kommen.

        Aus UNSERER Sicht ist das natürlich nichts zum Schönreden, aber auch nichts, das Verdammung verdient, wie sie hier – möglicherweise mit Bezug auf die Pandemie nicht völlig unberechtigt – ausgesprochen wird.

        https://www.spiegel.de/politik/ausland/polizeigewalt-und-hunger-in-uganda-menschenrechtlerin-spricht-ueber-lage-im-land-a-b533f699-e0b2-4f0a-94d4-5cfa20321408

        Die Aktivistin hat u. a. am University College in London studiert und verfügt daher über die „passenden“ Maßstäbe, um Demokratie in ihrem Land einzufordern – mit welchen Folgen DORT, wenn es denn ein gäbe?

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @Horst

        „Die Vermittlung der Perspektivlosigkeit als Instrument, […]“

        „Instrument“ impliziert Absicht, diese erkenne ich nicht.

        „[…] durch wen/was, wer vermittelt diese? Ausschließlich der Familien- oder Bekanntenkreis?“

        HAUPTSÄCHLICH das Umfeld, also Familie/Peer-Group/etc.

        „Wann hat es begonnen? Wer gab den Startschuss der Vermittlung der Perspektivlosigkeit? Oder war schon immer ein gewisser Teil ein jeden Bevölkerung perspektivlos, der diese an die nächste Generation übergab?“

        Es gab schon immer einen Teil, der es weitergereicht hat, ja. Dass weitergereicht wird, ist nicht neu. Wie viele es erfasst, das schon.
        Schwer zu sagen, wann „es“ begann. Als Massenphänomen in D evtl. mit dem Auftreten der Massenarbeitslosigkeit im Zuge der 1. Ölpreiskrise.

        Heute verschärft ein unglaubliches Mehr an Möglichkeiten (paradox) und eine Kultur, in der innere Welt durch äußere Reize ersetzt werden kann und wird, Perspektivlosigkeit.

        Unter uns: Ich kenne sehr viele Studenten. Diese sind nicht ungebildet. Gefühlt würde ich 20% als vollständig ideenlos ihre Zukunft betreffend beschreiben. Wären sie nicht Bildungsfamilien entsprungen, wären sie den Weg in H4 mit hoher Wahrscheinlichkeit gegangen, ohne größere Gegenwehr. So sind sie einen anderen Weg gegangen WORDEN.
        Wo man herkommt, hat noch mehr Gewicht bekommen.

        „Cui bono, Herr Anders? Braucht der Kapitalismus perspektivlose Menschen, die sich nicht anstrengen? Oder handelt es sich um flächendeckendes Staatsversagen?“

        Die Frage nach „cui bono“ macht nur bei funktionierenden Plänen Sinn. Die Wirtschaft hätte gerne kluge Mitarbeiter und dumme Kunden. Da blöderweise beide Gruppen eine große Schnittmenge haben, geht das nicht. Sollte es jemals einen Masterplan gegeben haben, ist er gescheitert.

        Der Staat hat versagt, weil recht klar, wie man Bildung verbessern könnte und wie man die verstärkenden Faktoren für die latent eh vorhandene Perspektivlosigkeit einiger runterregelt. Da das aber teuer und nichtkonform mit der Vorstellung „wichtiger“ Lobbygruppen ist…

        In länger nützt das überhaupt keinem. So langfristige Gedanken SOLLTE sich der Staat machen, tut er nicht, handelt nicht entsprechend, versagt also.

      • Avatar
        Axel sagte:

        @Carsten Pabst

        Ich bin ganz Accord mit Ihnen. Bitte verstehen Sie mich nicht als Ausländerfeindlich!
        Mir ist es völlig Wurscht, wo jemand herkommt und welche Hautfarbe er hat (Die zunehmende Islamisierung sehe ich kritisch!).
        Tüchtige und nette Menschen werden hier immer gebraucht!
        Ein befreundeter Bauingenieur hat mir schon vor 2015 gesagt, daß sich auf dem Bau kein Deutscher mehr die Hände schmutzig macht. Die Deutschen seien satt, die Bulgaren und Rumänen hätten noch Hunger…

        Aber auch hier ist die Diskussion größer. Was auf Individueller Ebene noch klappen kann, sieht auf gesamtgesellschaftlicher Ebene wieder ganz anders aus und wird destabilisierende Konsequenzen haben. Die Art der Einwanderungspolitik wirft leider ein Schatten auf die, die unsere Gesellschaft wirklich bereichern können. Und DAS werfe ich der Regierung vor…

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer, Herr Pabst

        „>Dazu bedarf es einer enormen Kraftanstrengung seitens der Politik und der Gesellschaft.>
        Bedürfte es, aber man WILL diese Kraftanstrengung nicht auf sich nehmen.“

        Richtig, es liegt am fehlenden Willen. Die Ressourcen für diese Kraftanstrengung ließen sich mobilisieren, aber stattdessen „investieren“ wir lieber in extrem teure grüne „Transformations“-Fantasien und in „Corona-Wiederaufbauprogramme“, die größtenteils als Konsum in den Südländern enden werden.

        Eine schlechte Strategie, denn mit einer Bevölkerung mit besserem Bildungsniveau ließen sich die beiden letztgenannten Projekte sogar viel besser und günstiger umsetzen, wenn man die denn später unbedingt umsetzen wöllte.

        @Christian Anders

        „Cui bono, Herr Anders? Braucht der Kapitalismus perspektivlose Menschen, die sich nicht anstrengen? Oder handelt es sich um flächendeckendes Staatsversagen?“

        Auf Deutschland bezogen: „Der Kapitalismus“ braucht sie nicht, außer vielleicht als Konsumenten, sofern sie vom Staat ohne Anstrengung mit Sozialleistungen oder gar einem „bedingungslosen Grundeinkommen“ versorgt werden. Das ist für die Gesellschaft als ganzes ein Verlustgeschäft, kann für bestimmte Firmen oder Sektoren aber sehr profitabel sein – denken Sie nur an die Konsumgüterindustrie, Amazon oder die Unterhaltungselektronik-Branche.

        Für die Sozialindustrie hingegen sind solche Perspektivlosen sehr wichtig. Je mehr es von denen gibt und je hilfloser die sind, umso besser. Das maximiert den Umsatz und verschafft das gute Gefühl, „geholfen“ zu haben, am besten ein ganzes Perspektivlosen-Leben lang.

      • Avatar
        Horst sagte:

        „Die Frage nach „cui bono“ macht nur bei funktionierenden Plänen Sinn. Die Wirtschaft hätte gerne kluge Mitarbeiter und dumme Kunden. Da blöderweise beide Gruppen eine große Schnittmenge haben, geht das nicht. Sollte es jemals einen Masterplan gegeben haben, ist er gescheitert.“

        Braucht die Wirtschaft heute noch so viele kluge Mitarbeiter wie bspw. vor 50 Jahren (AI, Robotorisierung etc.)?
        Ich denke, die Wirtschaft braucht diese nicht mehr in dem Umfang, wie sie diese einst gebraucht hat.

        Sie bemängeln – m.A.n. zurecht – den „Niedergang“ des Bildungssystems, der sich in vielen Facetten darstellt.

        Besteht hier eine Korrelation?

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @Horst

        MEHR. Viel(!) mehr.

        AI und Robotorisierungen verdrängen doch genau die Jobs, die mit wenig Bildung zu erledigen waren.

        Neue Jobs gibt es – für Qualifizierte und Hochqualifizierte. Für Menschen die gute Handwerker sind oder gut im Umgang mit alten und/oder jungen Menschen.

        All diese Jobs erfordern Qualitäten, die Arbeiter, die jetzt schrittweise durch KI/Autmomatisierung/Digitalisierung ersetzt werden, nicht haben und auch kaum nachschulen können.

        Zusätzlich fallen hochbezahlte Spezialistenjobs z. B. im Verischerungswesen/Bankbranche weg. Diese Fachidioten kriegt man auch schwer umgeschult.

        Wie Sie am Wort „Fachidiot“ sehen, mache ich es überspitzt, um in kurzen Worten verstanden zu werden:

        KI/Automatisierung ersetzt Jobs von
        a) Doofen
        b) Inselbegabten

        Und wir als Gesellschaft haben keine (naja doch schon, nur keine gute) Idee, was wir mit denen machen können. Zuallererst müsste man unten ansetzen, und das Nachwachsen der „Doofen“ durch eine absolute Bildungsoffensive zu minimieren. Schon das klappt nicht.

      • Avatar
        ruby sagte:

        @ Meine Herren Horst und Anders

        Sie schwingen sich auf zu den Herrschern über „Fachidioten“ und „Überflüssigen“!
        Dieses elitere Sektierertum der wahren Gläubigen ist in der Welt immer gescheitert und entspricht auch nicht der Natur des Lebens von Evolutionen.
        Die Antwort meiner Naturheilkundelehrerin ist, daß sich die Menschheit in zwei Stämme teilen wird, die artifiziellen Aussterbenden und die Überlebenden, die sich von diesen Mutationen trennen werden und in den Naturräumen fortbestehen.
        Ein Blick auf die Herkunftslinien des Ursprungs der Gattung Mensch hilft vielleicht weiter, aus obigen Selbstautomatismus herauszukommen.
        Viel Glück und Freude jenseits der eingetretenen Pfade.

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @ruby

        Sie haben das Wort „überspitzt“ überlesen. Ich habe Umgangssprache benutzt, um auf den Punkt zu kommen (ich weiß, das ist für Sie nicht unbedingt vergnügunssteuerpflichtig).

        Ich kenne keinen objektiven Begriff, der die verschiedenen Arten der zukünftig abgehängten klassifiziert. Das heißt nicht, dass es sie nicht geben wird.

      • Avatar
        ruby sagte:

        @ Herr Anders
        Habe Sie völlig „überspitzt“ verstanden deshalb auch so geschrieben – no personal & contentual dissent.
        Das Ergebnis positiv zu verändern zu versuchen ist unser.
        Leider sieht der Blick in die Ferne wegen der Kurzsichtigkeit sehr verschwommen aus.
        Danke den vielen tollen Gedanken und Ideen, es sind immer neue Chancen 🤗

      • Avatar
        ruby sagte:

        PS
        Vergnügungssteuererhebung ist oft ein sehr rotlichtieges Geschäft, selten vergnüglich, sagte mein Kollege…

  15. Avatar
    Richard Ott sagte:

    Auch in Sachsen sind die Anzeichen des Verfalls leider mittlerweile unübersehbar, aber wenn man einfach die Standards senkt, merkt man es bei den Ergebnissen erstmal nicht, das ist modern und clever:

    „Bei den diesjährigen Abiturprüfungen im Fach Mathematik werden die Noten um einen Punkt angehoben [das sind also „0,33“ wenn in Schulnoten von 1-6 ausgedrückt]. Das hat Kultusminister Christian Piwarz nach Auswertung einer repräsentativen Erhebung unter den Gymnasien entschieden. Klagen über ein zu schweres Abitur gibt es in jedem Jahr. Meist fokussiert sich der Protest auf die Prüfungen im Mathe-Abitur, weniger auf andere Fächer. Doch in diesem Jahr hatten die Hinweise eine andere Qualität. (…) Daraufhin erhob das Kultusministerium eine repräsentative Stichprobe unter den Gymnasien. Danach ist der erreichte Notendurchschnitt im Mathe-Abi tatsächlich schlechter ausgefallen als im Vorjahr. So lag der Notendurchschnitt im Leistungskurs mit 3,1 deutlich schlechter als im Vorjahr (2,5). Es ist zudem das schlechteste Ergebnis seit 2013. Im Grundkurs war es mit 3,3 das zweitschlechteste Ergebnis“

    https://www.bildung.sachsen.de/blog/index.php/2020/06/24/mathe-abi-noten-werden-leicht-angehoben/

    Seit die Grünen in Dresden mit in der Landesregierung sitzen, nimmt die Geschwindigkeit der Zersetzung in Justiz und Bildungssystem deutlich zu. Sehr besorgniserregend.

    Antworten
  16. Avatar
    Richard Ott sagte:

    Dazu passend eine aktuelle progressive Forderung der Grünen Jugend in Österreich:

    Spannende Forderung der „Grünen Jugend“ auf Facebook: Dort fordern sie eine Abschaffung der für sie „unnötigen Pflichtfächer“ wie Mathematik. Pikant: Weil die Junggrünen für ihre Forderung mit einem Bild eines afrikanischen Mädchens werben, hagelt es heftige Kritik.
    https://www.wochenblick.at/wirbel-im-netz-gruene-wollen-mathematik-als-pflichtfach-abschaffen/

    (Das Mädchen auf dem Werbebild der Grünen muss sich aber keine Sorgen zu machen, als Quotenfrau mit Migrationshintergrund braucht sie später sowieso keine Mathematik-Kenntnisse – im Zweifelsfall einfach nach Deutschland zur SPD wechseln und sicherheitshalber noch zum Islam konvertieren…)

    Antworten

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.