Olivier Blanchard: „Ugly Endgame“ für Japan

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Bekanntlich ist Japan das „Vorbild“ für die kommende Entwicklung auch bei uns. Es zeigt uns, wie auch bei uns das Ponzi-Schema enden wird. Umso bemerkenswerter, dass nun auch einer der prominentesten Vertreter der heutigen Wirtschaftspolitik – billiges Geld, mehr Schulden und die Hoffnung auf Inflation – der ehemalige Chefökonom des IWF, Olivier Blanchard, sich kritisch zur Entwicklung in Japan äußert. Auch ihm dämmert es nun – nach Jahren! – dass das mit der keynesianischen Stimulierung irgendwie nicht funktionieren kann. Anderen, wie Adair Turner, ist schon lange klar, dass es in Japan auf eine Monetarisierung der Schulden hinaus laufen muss. In der Tat spricht viel dafür, dass schon heute die Geldpolitik nicht die Wirtschaft beleben soll, sondern den Staat finanzieren und den großen Schnitt vorbereiten.

Das verdeutlichen auch die Abbildungen, die der Telegraph dem Artikel beifügt:
Japan

Quelle: The Telegraph

Noch finanzieren die japanischen Sparer diese Schuldenlast (bto: eigentlich eher die Notenbank). Sobald Japan auf ausländische Geldgeber angewiesen ist, dürften die Zinsen steigen, meint Blanchard. Ich denke, soweit wird es nicht kommen. Die japanische Notenbank wird die Staatsfinanzierung sichern. Blanchard kommt dann auch zu diesem Schluss: „One day the BoJ may well get a call from the finance ministry saying please think about us – it is a life or death question – and keep rates at zero for a bit longer.

Schon heute kauft die BoJ genug, um das laufende Defizit zu decken. Schon bald dürfte die BoJ 50 Prozent der japanischen Staatsschulden halten:
Japan

Quelle: The Telegraph

Das liegt daran, dass die japanischen Versicherungen und Pensionskassen ihre Bestände verkaufen. Bekanntlich halte ich das für eine geniale Strategie! Kommt es zur Hyperinflation, wird so Vermögen gerettet. Gelingt das Wunder der schmerzfreien Entschuldung, geht es der Wirtschaft besser und die Assets gewinnen an Wert!

Mit Blick auf die Eurozone hält Blanchard fest: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine „populistische“ Regierung ins Amt kommt und es zu einer Staatsschuldenkrise kommt. Die EZB dürfe dann nicht helfen (bto: was sie dennoch nicht hindern dürfte) und es könnte zu Pleiten und dann einer Krisenwelle kommen.

Fazit: Es wird immer mehr „Mainstream“, die kommende Welle an Pleiten offen zu diskutieren.

The Telegraph:„Olivier Blanchard eyes ugly ‚end game‘ for Japan on debt spiral“, 11. April 2016

4 Kommentare
    • Felix Kurt says:

      Danke für die Mühe und die Link-Liste !!!

      Damit alle wissen, was meine Fragen sind, hier nochmal eine Übersicht: (vgl. u.a. auch Blog vom 23.3.16)

      Die Befürworter der „Heli-Money Theorie für Inflation“ müssten folgende FRAGEN konkret beantworten können:

      1. Was genau sind die Annahmen und Wirkungsmechanismen, also z. B. die Reaktionsfunktion der Wirtschaftssubjekte? Kennen Sie die?
      2. Wie lange würde es denn dauern bis eine hinreichende Entschuldung durch Inflationierung erreicht ist?
      3. Bei welcher Inflationshöhe?
      4. Bei welchem Schuldenstand (je Land)?
      5. Wie geht man mit der MORAL HAZARD-Problematik um? Zumindest dauerhaftes Heli-Money verdirbt die Moral und der Bezug zu selbst erschaffenen Werten/Einkommen (Lohn = Anreiz) und ggf. zu allgemeinen Wertvorstellungen geht verloren bzw. wird zumindest erheblich gefährdet. (Hängematte – Geldgeschenke kommen ja.)
      6. Könnte Europa das isoliert angehen? (Was passiert wenn ein wichtiges Land, bspw. USA oder China, ausschert?)
      7. Wie sähe ggf. die internationale Koordination aus? Überlässt man das nur den Wechselkursen?
      8. Und in der Abwägung mit Alternativen: Was sind die Opportunitätskosten, die Kollateralschäden?
      9. Last but not least: Wie soll das in der Umsetzung funktionieren? Welcher Aufwand ist im Detail notwendig, um alle Menschen gleichermaßen zu behandeln und zu erreichen?

      Konjunkturzyklen und damit Investitions- und Kapazitätszyklen (Über-/Unterproduktion, etc.) wird es trotzdem geben und die Experimentphase überlagern.

      Die Sparer und die Altersvorsorgesysteme wären bankrott, weil die verbliebenen nominalen Vermögen keine ausreichende Kaufkraft mehr hätten? Oder doch – wie? Die Aussichten für den Konsum und Wachstum (Inflation) in der Zukunft wären ausgesprochen mager! (Dann kommt die Deflation eben später.)

      Also, anschließende dauerhafte Kaufkraft (=Konsum) o h n e etwas Produktives/Sinnvolles zu tun kann nicht ernsthaft Bestandteil einer lösungsfähigen Theorie sein. (Manna vom Himmel?)
      Bei allem theoretischen Anspruch in der Diskussion: Mir fehlen die konkreten Anhaltspunkte, warum die Notenbanken, und am Ende das Heli-Money der Notenbanken, in der Lage sein sollten, über eine – wie auch immer geartete Geldpolitik (mit dem simplen Verteilen von Geld hört’s ja nicht auf) – eine hinreichende Feinsteuerung des wirtschaftlichen (rationalen) Handelns zu erreichen, und mit Genauigkeit das Schuldenproblem zu lösen. Ich halte das für eine KONTROLLILLUSION!

      Danke und Gruß

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  1. Johannes says:

    „Mit Blick auf die Eurozone hält Blanchard fest: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine „populistische“ Regierung ins Amt kommt und es zu einer Staatsschuldenkrise kommt.“

    Dazu (Staatsschuldenkrise) bedarf es gewiss keiner „populistischen“ Regierung – dass schaffen die derzeitigen Regierungen locker ganz allein, wie aktuell zu sehen ist.

    Aber auf jeden Fall schon mal den „Schuldigen“ gefunden zu haben – das ist wichtig….

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  2. Paul Bäumer says:

    Wenn der BOJ die Staatspapiere zum kaufen ausgehen, ist das dann nicht eher ein gutes als ein schlechtes Zeichen? Es ist doch das Gegenteil der Situation, in der die Schulden nicht zu kontrollieren sind. Es würde zeigen, dass das ganze Geld was zur Monetarisierung der Staatsschulden geschaffen werden muss immerhin schonmal in Umlauf ist – bei Deflation. Mit jeder Anleihe die die BOJ hält, sinkt doch das Potiential für eine Krise am Bondmarkt.
    Falls ich was übersehe, bin ich dankbar für Hinweise.

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