IWF führt soziale Unterschiede auf Exporte zurück – nicht auf Geldpolitik

Schon lange kritisiere ich die deutschen Exportüberschüsse, weil sie zu einem Export unserer Ersparnisse ins Ausland führen, wo wir sie schlecht anlegen. Besser wäre es, hierzulande mehr zu investieren:

→ „Deutschland wirtschaftet wie die Eichhörnchen“

Wie schlecht wir unser Geld anlegen, habe ich erst diese Woche diskutiert:

→ Deutschland verschleudert seine Ersparnisse im Ausland

Nun kommt die SZ mit einem neuen Bericht des IWF, der einen Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Exportüberschüssen herstellt und dann erneut fordert, etwas gegen die Überschüsse zu tun. Dabei übersehen die Experten des IWF, dass wir gerade drauf und dran sind unsere industrielle Basis deutlich zu schwächen (Auto, Klimakrise Bekämpfung im Alleingang). Sobald das wirkt, dürfte die Ungleichheit wieder abnehmen und auch dazu führen, dass wir alle noch ärmer sind. Auf tieferem Niveau werden wir dann alle „gleicher“ sein. Schöne Aussichten? Ich bezweifle das.

Doch nun zur Studie:

  • „Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht (…) eine negative Entwicklung in Deutschland selbst: Mit den Überschüssen vergrößern sich die sozialen Unterschiede, (…) Millionen Deutsche haben wenig vom Boom.“ – bto: Das wirft aber die Fragen auf: Liegt das an den Exportüberschüssen? Haben wir nicht mehr Menschen in Arbeit dank der Exporterfolge? Ist es nicht auch eine Wirkung des Niedriglohnsektors, dass wir statt Arbeitslosigkeit Beschäftigung haben? Ist es nicht auch eine Folge zu hoher Abgabenlast, dass uns wenig vom Boom bleibt?
  • „Zur Jahrtausendwende dümpelte die Leistungsbilanz bei plus minus null. Seitdem ging es steil nach oben: Der Überschuss kletterte auf acht Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. (…) ‘Die anschwellenden deutschen Überschüsse in den vergangenen zwei Jahrzehnten wurden von einer starken Zunahme der Ungleichheit der Top-Einkommen begleitet’, schreibt der IWF.“ – bto: Der Anstieg der Überschüsse hat mehrere Gründe: Lohnzurückhaltung wegen Hartz IV zur Reduktion der Arbeitslosigkeit (gut!), schwacher Euro (schlecht), tiefe Zinsen, die unseren schon hoch verschuldeten Kunden weitere Schulden ermöglichen (sehr schlecht), ein Boom der Weltwirtschaft (gut), der allerdings auch auf einer zunehmenden Verschuldung basiert (sehr schlecht).
  • „In der Tat wirken die Parallelen verblüffend: Während die Überschüsse um neun Prozentpunkte anschwollen, schnellte der Anteil jener Einkommen hoch, der auf das obere Zehntel der Topverdiener entfällt: von unter 25 auf über 30Prozent.“ – bto: Eine Korrelation ist noch keine Kausalität, lernt man schon im Grundstudium!

Quelle: SZ

  • „Seit sich die Wirtschaft durchgreifend internationalisierte, stiegen Gewinne und Spitzengehälter stark. Währenddessen registrieren viele Gering- und Normalverdiener stagnierende oder gar schrumpfende reale Einkommen.“ – bto: Umgekehrt kamen in den Schwellenländern Hunderte Millionen Menschen aus der Armut heraus. Das wird gern vergessen bei der Kritik. Was wäre denn zu tun gewesen? Nun, schon seit Jahrzehnten hätte die Politik auf Bildung, Investitionen und Innovation setzen müssen. Stattdessen wurde umverteilt und auf Pump gelebt. Folge: Die Mittelschicht wurde nicht nur nicht befähigt, die Umstellung zu meistern, sondern zusätzlich mit erheblichen Abgaben belastet. Richtig wäre, sie zu entlasten. Die Migrationspolitik hat das Problem noch verschärft.
  • „Was sind die Mechanismen? ‘Steigende Gewinne, verstärkt in Firmen angespart, die den Reichsten gehören, unterstützten den Anstieg der Ungleichheit’, schreibt der lange als marktliberal geltende IWF. Der Firmenbesitz sei in der Bundesrepublik sehr stark in den wohlhabendsten Haushalten konzentriert. ‘Den zehn Prozent Reichsten gehört 60 Prozent des Nettovermögens in Deutschland – das ist der höchste Wert in der Euro-Zone’. So vergrößerten die sprudelnden Firmengewinne und ihr Einbehalten die Einkommen und Vermögen der Reichen überproportional. Damit lasse sich die Hälfte des Anstiegs der Einkommensungleichheit seit der Jahrtausendwende erklären.“ – bto: Die andere Hälfte dürfte auf den Wertzuwachs von Immobilien entfallen. Doch was ist daraus zu schließen? Wir müssen anders sparen: mehr Immobilien, mehr Aktien, mehr Firmenbeteiligungen. Wir müssen auch, wie vorgestern gesehen, unser Geld im Ausland besser anlegen.
  • „‘Die deutschen Firmen sind sehr profitabel. Auch die Konzentration des Firmenbesitzes bei den Reichen ist ein typisch deutsches Phänomen’, bestätigt Moritz Schularick von der Uni Bonn, der sich seit Langem mit der Globalisierung beschäftigt. Er sorgte kürzlich mit einer Studie für Aufsehen, wonach der deutsche Immobilienboom der vergangenen Jahre das private Vermögen um drei Billionen Euro erhöhte – wovon mehr als die Hälfte in den Taschen der reichsten zehn Prozent landete.“ – bto: Und diesen Boom haben wir vor allem deshalb, weil die EZB zur „Rettung“ des Euro die Zinsen nach unten prügelt. Das sagt wiederum keiner.
  • „Der IWF diskutiert seit Längerem intern, wie sich die Früchte des Booms in Deutschland stärker verteilen ließen, (…) Eine Überlegung: ein höheres Wachstum der Löhne. Und niedrigere Steuern für Gering- und Normalverdiener, damit die mehr von ihrem Lohn übrig behalten. Um die fehlenden Einnahmen für den Staat auszugleichen, ließen sich die Steuern auf Immobilien und Erbschaften erhöhen.“ – bto: Auch ich schlage in meinem Buch einen Umbau in diese Richtung vor. Allerdings wäre es doch konsequenter, alle Steuern zu senken und bei der Erbschaftssteuer die Ausnahmen wegzulassen und dafür die Sätze zu senken. Außerdem sollte der Staat endlich Schulden machen und dafür die verdeckten Verbindlichkeiten reduzieren.
  • „Moritz Schularick (…): ‘Und tendenziell ist die Besteuerung von Immobilienvermögen, das nicht weglaufen kann, eine gute Idee’.“ – bto: Die Folge ist ja klar, der Wert der Immobilien wird sinken, wie in den 1920er-Jahren. Geholfen wird niemandem, aber man ist schön populär …
  • „Um Ungleichgewichte zwischen den Euro-Mitgliedsländern zu vermeiden, sollten deutsche Unternehmen und Bürger mehr im Inland investieren. Dazu solle der Staat mehr Investitionsanreize für Unternehmen schaffen – und auch selbst mehr investieren. Ob in Verkehrswege, Wohnungen oder ein schnelles Internet.“ – bto: Höhere Steuern auf Unternehmen und Immobilien und die Überlegungen zur Enteignung machen das auch wirklich sehr attraktiv …

→ sueddeutsche.de: „Export-Boom verschärft soziale Unterschiede“, 10. Juli 2019

Kommentare (47) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Tobias W. sagte:

    Millionen Deutsche haben wenig vom Boom.“ – bto: Das wirft aber die Fragen auf: Liegt das an den Exportüberschüssen?

    Das hat aus meiner Sicht nicht direkt mit Importen oder Exporten zu tun, sondern einfach mit der Tatsache, dass diese Millionen Deutschen zu einem Lohnniveau arbeiten, das unter der Produktivität bepreist ist (im Vergleich zu anderen Ländern) und dass diese Millionen Deutschen zwar vielleicht als Arbeitskräfte in den Boom eingebunden sind, aber nicht als Anteilseigner mit Anrecht auf Dividenden, Gewinnausschüttungen und Wertsteigerungen der Unternehmen – und damit geht der Boom an ihnen vorbei.

    Wer sich seine Arbeitskraft unter Wert verkauft und dazu nicht als Investor sondern nur als Produktionsfaktor eingebunden ist, darf sich nicht über eine mangelnde Rendite am Boom wundern…

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      Helge sagte:

      „Wer sich seine Arbeitskraft unter Wert verkauft und dazu nicht als Investor sondern nur als Produktionsfaktor eingebunden ist, darf sich nicht über eine mangelnde Rendite am Boom wundern…“

      Dann sagen wir jetzt den 25% der Deutschen im Niedriglohnsektor mal, daß sie jetzt endlich zu ihren Chefs gehen und einen höheren Lohn einfordern sollen. Außerdem sollen sie vom nicht zum Leben notwendigen Teil ihres Niedriglohnes Aktien kaufen, dann sind sie nicht nur Produktivitätsfaktor.

      Ernsthaft: manches ist weltfremd.

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        troodon sagte:

        @ Helge
        Selbstverständlich ist es so, dass leider nicht jeder in aktienorientierte Anlagen investieren kann, da das Einkommen dafür objektiv nicht reicht. Es könnten aber auch mehr „normale“ AN investieren, als es tatsächlich machen.

        Grundsätzlich bleibt aber in D ein Thema, dass das vorhandene liquide Vermögen zu renditearm investiert wird. Deshalb hier erneut der Hinweis, 1% mehr Rendite auf das Geldvermögen entspricht deutschlandweit >60 Mrd € p.a.. Selbst bei 25% Steuer hätte somit auch der Staat ~15 Mrd. Mehreinnahmen pro Jahr. Damit könnte man dann z.B. wiederum geringe Einkommen entlasten. Es fehlt dafür leider an Aufklärung und Überzeugungskraft. Die großen Erträge machen ausländische Investoren. Das ist ein Armutszeugnis für D.
        Wenn der FINANZminister Scholz sein komplettes Kapital auf dem Sparbuch hat, ist das leider sehr vielsagend. Desaströs.

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        Helge sagte:

        @troodon
        Die nächste Umverteilung von unten nach oben. Wer erwirtschaftet die 60 Mrd. Mehreinnahmen? Wahrscheinlich wieder die große Masse der Mittel- und Unterschicht mit Lohnverzicht oder erhöhter Arbeitsdichte oder längerer Arbeitszeit. Und wer bekommt sie? Die Oberschicht, die Geldvermögen haben und in Aktien anlegen können. Und der Staat vielleicht 15 Mrd. Und wenn der Aufschrei „Investitionen statt Konsum“ nicht allzu groß ist, findet vielleicht ein bisschen sekundäre Umverteilung wieder nach unten statt.

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        troodon sagte:

        @ Helge
        Die 60 Mrd € sind doch bereits „da“ (z.B. Gewinne der Unternehmen), sie fließen in die Taschen der ausländischen Investoren, die eine andere, mehr auf Sachwerte abgestellte, Vermögensstruktur haben.

        Gleichzeitig muss es aber definitiv eine Senkung der Abgabenlast für geringe und mittlere Einkommen geben, da diese viel zu hoch ist. Hier im Blog auch besprochen. Aber selbst danach wird es immer Menschen geben, die objektiv gesehen nicht sparen können, da das Einkommen nicht reicht. Es gilt diese Gruppe so klein wie möglich zu machen.

        Es wird aber auch immer Menschen geben, die nicht sparen, auch wenn sie es objektiv vom Einkommen her könnten, weil ihnen JETZT die ein oder andere Konsumausgabe wichtiger ist als die Rücklage für das Alter oder die Immobilie oder xy .

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        Helge sagte:

        @troodon
        Sind die Gewinne wirklich bereits da? Sagen die ausländischen Investoren jetzt, nein lasst mal die Deutschen verdienen und ziehen ihr Kapital ab? Ich glaube eher, das zusätzliche Kapital muß seine Rendite selbst verdienen.

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        troodon sagte:

        @ Helge
        Die Unternehmensgewinne ändern sich doch nicht, weil deutsche Anleger mehr oder weniger Anteile an den entsprechenden Unternehmen besitzen.

        Man kann selbstverständlich darüber diskutieren, ob eine höhere Nachfrage deutscher Anleger z.B. nach Aktien dazu führt, dass aufgrund der höheren Nachfrage die Preise/Aktienkurse steigen, somit die zukünftige Rendite für ALLE niedriger ist, als ohne die zusätzliche Nachfrage.

        Niedriger als bei „Null“ wird sie LANGFRISTIG , bei vernünftiger Streuung, trotzdem nicht sein, wenn man insgesamt von einem weltweiten Wirtschaftswachstum ausgeht. Es wird aber selbstverständlich – auch mehrjährige- Phasen geben, wo aufgrund von Kursverlusten an den Aktienmärkten es besser gewesen wäre, sich sogar mit einer kleinen Negativverzinsung auf dem Konto/mit der Staatsanleihe abzufinden.

        Für die, die bereits eine gewisse Summe angespart haben, ist deshalb die Streuung, so wie auch Dr.Stelter immer wieder empfiehlt, so sinnvoll.

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        Helge sagte:

        @troodon
        „Die Unternehmensgewinne ändern sich doch nicht, weil deutsche Anleger mehr oder weniger Anteile an den entsprechenden Unternehmen besitzen.“

        Aber das ist ja, was ich meine, gleichbleibende Gewinne bei mehr Eigentümern führen zu sinkenden Renditen. Solange die Renditeerwartungen bei den Anlegern erfüllbar scheinen , steigen die Kurse, vielleicht sogar bis zu einer „Blase“. Steigen die Gewinne nicht, können die Renditeerwartungen nicht erfüllt werden und die Kurse fallen. Über einen statistisch ausreichend langen Zeitraum spiegeln die Aktienrenditen ja auch genau dies wieder. Will man bei einer zunehmenden Anzahl an Eigentümern die Renditeerwartungen langfristig erfüllen, müssen die Gewinne steigen. Und was sind die heutigen Konzepte für steigende Gewinne? Lohndrückerei und/Arbeitsverdichtung bei den Schwächeren, also bei der Mittel- und Unterschicht. Und die von Mittel- und Obeschicht somit erarbeiteten Gewinne landen wieder vermehrt bei der Oberschicht, weil diese immer mehr Anteile am Unternehmen haben wird als die ärmeren. Für mich ist das Umverteilung von unten nach oben.

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        troodon sagte:

        @ Helge
        Das sind doch zwei verschiedene Ebenen: Unternehmen – Anleger

        Ein Aktienanleger benötigt grundsätzlich keine steigende Gewinnquote (Gewinn/Umsatz) beim Unternehmen, um mehr Rendite zu erhalten als „Null“.

        Stark vereinfacht, ohne auf die Probleme mit einer Bewertung anhand eines KGV’s einzugehen:
        Bei einem theoretischen KGV von 20 stehen (100/KGV=5) grundsätzlich dem Anleger als Rendite zur Verfügung. Diese 5% stehen als Ausschüttung/Dividende als Eigenkapitalerhöhung oder einer Kombination aus beidem zur Verfügung.
        Stark vereinfacht, wie geschrieben…

        Ob diese beispielhaften 5% ein deutscher Anleger bekommt oder ein amerikanischer macht für die Angestellten der Unternehmen keinen Unterschied.
        Sollte durch die höhere Nachfrage nach Aktien die Aktienkurse um 10% steigen und dadurch die (theoretische) zukünftige Rendite der Anleger sinken, wird das Unternehmen keine Entlassungen tätigen.

        Diese wird sie dann z.B. vornehmen, wenn die Rendite INNERHALB des Unternehmens zu stark rückläufig ist.

        Nur weil deutsche Anleger Aktien kaufen, droht
        somit in den entsprechenden Unternehmen keine Entlassungswelle.

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        Tobias W. sagte:

        Der gesetzliche Mindestlohn muss deutlich angehoben werden. Das ist eine sinnvolle, politische Notwendigkeit. Im internationalen Vergleich ist der deutsche Mindestlohn sehr niedrig. Selbst in den USA ist er höher, in einigen Bundesstaaten deutlich höher als in Deutschland (obwohl dort wahrscheinlich die pro Kopf Produktivität niedriger ist).

        Ein höherer Mindestlohn hätte auch eine heilende Wirkung auf die deutsche Wirtschaft, denn Unternehmensmodelle, die sich quasi erst auf Basis der Subventionierung ihrer Produktionsfaktoren durch Sozialtransfers wie Wohngeld, Aufstockung und andere vergleichbare Transferleistungen für Niedriglöhner rentieren würden damit aussterben – Mittel und Kapital wären damit einem höheren Innovationsdruck ausgesetzt, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft würde steigen. Unternehmensmodelle, die vom Billiglohn als Produktionsfaktor abhängig sind, werden in Deutschland nämlich in Wahrheit vom Steuer- und Beitragszahler subventioniert, aus deren Steuern und Beiträgen die Transferleistungen gezahlt werden, die es Niedriglöhnern ermöglichen sich so unter Wert zu verkaufen. DAS ist die perfide Umverteilung vom Steuer- und Beitragszahler an Unternehmer, die man beseitigen müsste. Dieser Umstand wird viel zu selten thematisiert weil „sozial ist, was Arbeit schafft“ – egal wie niedrig die Arbeit bezahlt wird – ein so toller, dummer Spruch ist, mit dem man jede Kritik an dieser perfiden Umverteilung erschlägt.

        Und in Sachen Rendite, Sparen und Geldanlage: es ist vollkommen egal wieviel verfügbare Mittel ein Arbeitnehmer zum Sparen hat – solange er welche hat. Auch wer monatlich nur fünf EUR in einen Aktiensparplan steckt, macht mehr Rendite als jemand der die fünf EUR unters Kopfkissen legt oder auf ein Tagesgeldkonto oder Sparkonto schiebt. Es geht hier nicht darum wieviel mal investiert – sondern WIE man es investiert. Und beim WIE sind die Deutschen in Summe einfach nur dumm. Wer am Erfolg der Unternehmen Teil haben will, muss sich an den Unternehmen beteiligen.

        Damit wäre aber auch ein weiterer Punkt genannt: der größte Teil der Unternehmen in Deutschland ist nicht öffentlich. Im Land der „Hidden Champions“ wirtschaften die meisten Unternehmen in privater Hand – ohne dass man den Mitarbeitern eine Chance gibt, sich mit eigenem Kapital am Unternehmen zu beteiligen. Ein perfides Erbschafts- und Schenkungsrecht schützt dieses Wirtschaftsmodell erfolgreich – für Familien geführte Unternehmen gibt es keinen Anreiz sich zu öffnen. Damit bekommt das „Hidden“ in „Hidden Champions“ eine weiter Bedeutung.

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      Christian Anders sagte:

      @Tobias W
      Normlerweise führt das Lohnniveau eines Landes zu Auf- oder Abwertungen, je nachdem, wie es sich verglichen mit der Produktivität dieses Landes und dann verglichen mit anderen Ländern entwickelt (Vergleich der Lohnstückkosten).

      Das ist für Deutschland aufgrund des Euro nicht gegeben. Natürlich hat es also mit den Im- und Exporten zu tun: Löhne induzieren sowohl Massenkaufkraft und können so Importe ziehen, gleichzeitig verteuern sie Exporte – sie sind also sicher ein absolut wesentlicher Faktor für Handelsüberschüsse- oder Defizite.

      Sie haben mit der Dividende also recht: Eine solche bekommen die Arbeiter unzureichend im internationalen Vergleich. Aber wieso über Aktien? Wenn das Unternehmen Gewinne eh „ausschütten“ muss oder sollte, wieso diese Ausschüttung nicht auch über die Lohnschiene?

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        troodon sagte:

        @ Christian Anders
        Wie wäre es mit beiden „Schienen“ anstatt nur über die Löhne?

        Nur auf höhere Löhne zu setzen, erachte ich für sehr gefährlich, denn damit kann schnell Schluss sein, wenn man entlassen wurde, wenn der Gewinn des Unternehmens nicht mehr hoch genug ist. Es gilt eine vernünftige Balance zu finden. Und bei den großen deutschen börsennotierten Unternehmen dürften die Löhne schon überdurchschnittlich hoch sein.

        Über 6 Bio Geldvermögen sind in D vorhanden. Dies im Schnitt so unrentabel, so wenig aktienorientiert zu investieren ist eine Verschwendung, ein Desaster.

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        Helge sagte:

        @troodon
        „Und bei den großen deutschen börsennotierten Unternehmen dürften die Löhne schon überdurchschnittlich hoch sein.“
        Aber auch nur da, gesamtwirtschaftlich gesehen sind die Löhne in Deutschland zu niedrig, sonst wären wir ja nicht darauf angewiesen netto einen Teil unserer Produktivität ins Ausland zu verkaufen. Der Effekt einer höheren Beteiligung der Arbeitnehmer an der Produktivität ist die Nachfragesteigerung, v.a. wenn die Löhne im Niedriglohnsektor angehoben werden, da dies in Konsum und nicht in gesamtwirtschaftlich gesehen nicht benötigte Ersparnisse wandert.

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        troodon sagte:

        @ Helge
        Ich habe überhaupt nichts gegen gesamtwirtschaftlich langsam steigende Löhne, gerade im Niedriglohnsektor von EZB Zielinflation+ Produktivitätswachstum. Man muss ich dann aber auch im Klaren sein, dass es einen Punkt geben wird, an dem Jobs wegrationalisiert werden.

        Wichtiger wäre Aufgabe der schwarzen Null für Investitionen im Inland, um hier die Nachfrage anzukurbeln.
        Die hochbezahlten Jobs in der Export/Automobilindustrie werden in dem Ausmaß wie aktuell noch, mittelfristig sowieso nicht mehr bestehen.

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        Tobias W. sagte:

        Gewinne werden bei vielen Unternehmen – beispielsweise in meiner Wahlheimat USA – über die Löhne ausgeschüttet: Mitarbeiteraktienprogramme, Aktienboni/Optionen usw.

        Nur: das klappt eben nur dort, wo Unternehmen ihren Mitarbeitern auch die Chance geben, sich am Unternehmen zu beteiligen. Ich bin mir sicher, dass aktiennotierte Firmen wie BMW das nicht anders machen. Aber bei den sogenannten „Hidden Champions“ stehen Sie als Mitarbeiter in Deutschland ziemlich dumm da, denn Sie sind auf die Gnade der Eigentümer angewiesen – oft haben Sie selbst als Mitarbeiter wenig Transparenz über die Bilanz und die Gewinne Ihres Arbeitgebers, weil der nicht verpflichtet ist, diese Zahlen öffentlich zu machen. Eben „Hidden“, in diesem Sinne. Wenn Sie nicht wissen, wie hoch die Gewinne eines Jahres waren, wie wollen Sie als Mitarbeiter einen Anspruch auf einen Teil der Gewinne formulieren? Ich vergleiche diese Familien geführten Unternehmen in Deutschland gerne mit „Feudalismus 2.0“, als Mitarbeiter sind Sie da nur Vasall, der abhängig von seinem Lehnsherren ist. Die Verfügungsmasse des Unternehmens wird ganz feudal von einer Generation der Lehnsherren zur nächsten vererbt – dank Erbschaftssteuer in Deutschland quasi verlustfrei und ganz ohne Anreiz etwas an der Unternehmensform zu ändern. Und in Summe betrachtet machen diese feudalen Arbeitgeber in Deutschland wohl den größten Teil der Arbeitgeberlandschaft aus. Und schaut man sich die Lohnstruktur für bestimmte Branchen und Berufsgruppen im Vergleich börsennotierter DAX Unternehmen versus nicht-börsennotierter Unternehmen ohne Pflicht zur öffentlichen Bilanz an, sieht man schnell dass DAX Unternehmen die in Sachen finanzieller Beteiligung die besseren Arbeitgeber sind.

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        Helge sagte:

        @troodon
        „Ich habe überhaupt nichts gegen gesamtwirtschaftlich langsam steigende Löhne, gerade im Niedriglohnsektor von EZB Zielinflation+ Produktivitätswachstum. Man muss ich dann aber auch im Klaren sein, dass es einen Punkt geben wird, an dem Jobs wegrationalisiert werden.“

        Zielinflation+Produktivitätswachstum wird nicht ausreichen, um den in den letzten 20 Jahren den Arbeitnehmern (ungleich verteilt) verweigerten Anteil an den Wohlstandsgewinnen in diesem Land aufzuholen.
        Natürlich werden Jobs wegrationalisiert, wenn die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie durch Lohnerhöhungen sinkt, dafür steigt die Kaufkraft im Inland, was hier vielleicht auch Jobs schafft, v.a. wenn man gleichzeitig mal die schwarze Null aufgibt. Man muss sich einfach mal fragen, ob das Exportmodell sinnvoll ist. Millionen Menschen sind mit dem Zusammenschrauben von Gütern beschäftigt, die dann mittels angeblich sowieso nicht tragfähiger Verschuldung des Auslands dorthin verkauft werden. Und die anfallende Gewinne wiederum werden dann im Land auch noch extrem ungleich verteilt, siehe Ausgangsstudie. Gleichzeitig liegen Dinge im Inland brach, die in nächster Zeit noch größere Probleme bereiten werden, z.B. Gesundheitverorgung, Erziehung und Bildung, innere Sicherheit, Verwaltung. Das darf ja alles „nichts“ kosten.

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        Richard Ott sagte:

        Sollten Angestellte eigentlich auch am unternehmerischen Misserfolg ihres Unternehmens beteiligt werden (Malus statt Bonus, Nachschuss aufs Eigenkapital bei Überschuldung um Insolvenz abzuwenden, etc.) oder gilt das Loblied auf die Aktienkultur nur dann, wenn es Geld zu verteilen gibt? ;)

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        troodon sagte:

        @ Tobias W.
        Ich erachte es nicht als besonders sinnvoll, wenn sich der AN noch in größerem Umfang am Kapital seines AG beteiligt. Im nicht erfolgreichen Fall sind Arbeitsplatz UND Kapital verloren.
        Weltweite Streuung macht aus meiner Sicht deutlich mehr Sinn.
        Den Vergleich von inhabergeführten Unternehmen und Feudalismus 2.0 finde ich absolut unpassend. Die mittelständischen Unternehmen sind m.E. das Rückrat der Wirtschaft in D. Bei den Großunternehmen habe ich das Gefühl es geht fast ausschließlich über Rationalisierung, wenn es wirtschaftlich schwieriger wird. Da heben sich die Mittelständler m.E. deutlich häufiger positiv von ab, stehen mit ihrem eigenen Kapital im Feuer und haben einen längeren Anlagehorizont gegenüber den bezahlten Managern in den Großunternehmen.

        @ Helge
        „wenn die Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie durch Lohnerhöhungen sinkt, dafür steigt die Kaufkraft im Inland,“
        Absichtlich hochbezahlt Arbeitsplätze an die Wand zu fahren macht keinen Sinn. Es sollte versucht werden, diese Arbeitsplätze so lang wie möglich zu erhalten. Den Rest (Abbau genau dieser) besorgt die weltweite Entwicklung von alleine…

        Auch ich bin der Auffassung, dass das sehr stark auf den Export ausgerichtete Modell in D nicht sinnvoll ist. Der Umbau muss aber behutsam angegangen werden, nicht absichtlich zerstörerisch.
        Deshalb ist der Weg über die Abschaffung der schwarzen Null mit entsprechenden Investitionen im Inland und gleichzeitig stärker steigenden Löhnen im Niedriglohnbereich die aus meiner Sicht deutlich bessere Variante, flankiert von Steuersenkungen in niedrigen und mittleren Einkommensbereich.

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        Tobias W. sagte:

        @Ott

        Wenn Mitarbeiter Aktien entweder als Boni oder mittels Aktienmitarbeiterprogrammen bekommen, teilen sie die Erfolgsrisiken des Arbeitgebers.

        Beispiel: mein Arbeitgeber schrieb mir letztes Jahr 372 Aktien als Sonderbonus gut. Die Aktien werden gestreckt über fünf Jahre ausgezahlt. Zum Zeitpunkt des Bonus Awards waren die 372 Aktien USD40.000 wert. 37 Aktien wurden bereits ausgezahlt, zu einem Wert von USD4.475. Ich habe also von steigenden Kursen profitiert. Die restlichen 335 Aktien können in der Zukunft mehr oder weniger wert sein, ich teile also das Risiko am unternehmerischen Erfolg oder Misserfolg.

        @trodoon

        Sie argumentieren tatsächlich mit einem „Gefühl“. Den Nachweis, dass nicht-öffentliche mittelständige Unternehmen den Arbeitnehmern in Deutschland entweder mehr Sicherheit und/oder mehr finanzielle Beteiligung am Unternehmenserfolg bieten, den müssen Sie erst mal erbringen.

        Und die Faktenlage spricht gegen Ihr Gefühl. Auch Eigentümer geführte Mittelständler verlangen von ihren Mitarbeitern harte Einschnitte, wenn es dem Betrieb nicht gut geht. Fragen Sie doch mal die ehemaligen Angestellten von Schlecker, wie so was abläuft. Lohnverzicht von 15%? Und am Ende trotzdem ohne Job! Es gibt genügend Beispiele der letzten Jahre zu Pleiten und Fehlentwicklungen bei Eigentümer geführten Unternehmen. Am Ende des Tages sind diese Unternehmen auch nur Unternehmen wie alle anderen, die den gleichen Zwängen der Märkte ausgesetzt sind. Und insbesondere: wer argumentiert, dass Eigentümer geführte Unternehmen besser wirtschaften, weil sie einen längeren Planungshorizont haben, der müsste auch argumentieren, dass eine dynastische Monarchie als Regierungsform bessere Ergebnisse hervorbringt, als eine Demokratie mit relativ kurzen Legislaturperioden von wenigen Jahren.

        Und der letzte Stepstone Gehaltsreport für Führungs- und Fachkräfte zeigt auch deutlich, dass große, börsennotierte Unternehmen (DAX und ausländische mit Niederlassungen in Deutschland) deutlich besser bezahlen als der Mittelstand.

        Und zum Thema Feudalismus. Lesen Sie doch einfach mal diesen Nachrichtenbeitrag zur Erbnachfolge bei Bahlsen: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/die-bahlsen-erben-teilen-das-unternehmen-unter-sich-auf-ein-folge-der-staendigen/80436.html

        Das SCHREIT gerade zu: „Feudalismus!“. Die ganze Firma wird quasi umorganisiert, um die Erbfolge und Eigentumsverhältnisse der Erben zu sortieren – nicht weil es primär einen marktwirtschaftlichen Grund für diese Reorganisation gegeben hat!

        Und zuletzt: wie gut oder wie schlecht der Mittelstand mit Blick auf Effizienz und Rendite wirtschaftet, kann niemand beurteilen, einfach weil die Transparenz fehlt und in der Regel keine Bilanzen für nicht-öffentliche Mittelständler vorliegen. Worauf basieren also die Lobeshymnen auf den Mittelstand?

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        troodon sagte:

        @ Tobias W.
        “ entweder mehr Sicherheit“
        https://books.google.de/books?id=I4G5ZqyCHsMC&pg=PA12&lpg=PA12&dq=entlassen+Gro%C3%9Funternehmen+schneller+als+mittelst%C3%A4ndische&source=bl&ots=Z0HX_rDzDG&sig=ACfU3U3PXQR-lLXeKQlXSPQP-fmU2ApNhA&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjXltfTk7rjAhUrysQBHbrcDBY4ChDoATAAegQIChAB#v=onepage&q=entlassen%20Gro%C3%9Funternehmen%20schneller%20als%20mittelst%C3%A4ndische&f=false

        https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/aer.102.6.2509

        Von mehr Gehalt war bei mir auch nicht die Rede. Aber da Sie Stepstone anführen.
        Da steht auch: „Flache Hierarchien, kürzere Arbeitsprozesse, viel Freiraum und Kreativität – damit punkten die Mittelständler heutzutage bei Bewerbern, die darauf viel Wert legen. Auch existiert bei ihnen weniger Angst vor Entlassungswellen, wie sie aktuell in zahlreichen großen Konzernen herrscht.“
        https://www.karriere.de/mein-geld/gehaltscheck-was-mittelstaendische-unternehmen-zu-bieten-haben/24573318.html

        Bzgl Einschätzung von Hidden Champions empfehle ich bei Folker Hellmeyer zu suchen und/oder seinen Forex Report zu abonnieren.

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        troodon sagte:

        @ Tobias W.
        …und noch ein Hinweis,schon etwas älter, aber trotzdem interessant, gerade aufgrund des Zeitraumes nach der Finanzkrise, in der Eurokrise:
        „So ermittelte die KfW in ihrer Mittelstandsbefragung für 2011: „Erstmals waren über 70 Prozent aller Erwerbstätigen im Mittelstand beschäftigt.“ Während die Großunternehmen und der Staat in diesem Jahr 530.000 Stellen abbauten, schufen Mittelständler 925.000 neue. Und von 2007 bis 2011 stieg die Zahl der Beschäftigten in mittelständischen Firmen um rund 2,5 Millionen.“
        https://www.welt.de/wirtschaft/article118171834/Warum-der-German-Mittelstand-nicht-kopierbar-ist.html

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    Bernhard K. Kopp sagte:

    “ Wir sollten anders sparen “ . Dies wäre auch schon seit mehr als 50 Jahren sinnvoll gewesen, dann würden sich substantielle Teile der DAX-Unternehmen nicht in Auslandsbesitz sondern im Besitz von Pensionsfonds mit inländischen Begünstigten befinden. Es ist aber nie zu spät, zumindest für die junge Generation zu beginnen. Es gesellschaftsrechtlich und steuerrechtlich einiges umgebaut werden, um ein viel größerer Zahl von Unternehmen einen Anreiz zu geben in AGs oder KGaAs umzuwandeln, damit proportional zum Wachstum mit stimmrechtslosen Vorzugsaktien Pensionspläne zu dotieren. Bei Immobilien wäre anzustreben, dass Wohnimmobilien fast überall in erreichbarer Nähe zu Arbeitsplätzen nicht wesentlich mehr als das 4-5-fache des durchschnittlichen Jahreseinkommens kosten. Diese waren in Deutschland schon vor 60 Jahren immer teurer, weshalb die Nordamerikaner, die Briten, die Niederländer uvam. eine deutlich höhere Wohneigentumsquote haben als das angeblich so wohlhabende Deutschland. Man müsste aus den Fehlentwicklungen der letzten 50-60 Jahre lernen und es für die Zukunft besser machen.

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      Tobias W. sagte:

      Genau so ist es. Stattdessen versenken die Deutschen einen guten Teil ihres Gehalts in der Rentenversicherung, wo Geld von immer wenigeren an immer mehr umverteilt wird – und das ganze wird seit Jahrzehnten in Politik und Medien weitestgehend als sinnvolle Investition verkauft obwohl man sich recht einfach anhand seiner eigenen Renteninformation ausrechnen kann, dass es sehr unwahrscheinlich ist, jemals einen Break-Even der Beiträge auf sein Rentenkonto zu erreichen…

      Ein erster guter Schritt wäre erreicht, wenn man Schülern schon früh mehr finanzielle Bildung vermittelt, die zu mehr finanzieller Eigenverantwortung und Initiative führt. Dass man Grundlagen der Finanzierung erst und nur im Vorstudium eines BWL Studiums erhält, ist armselig.

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    Michael Stöcker sagte:

    „bto: Und diesen Boom haben wir vor allem deshalb, weil die EZB zur „Rettung“ des Euro die Zinsen nach unten prügelt. Das sagt wiederum keiner.“

    Sorry, Herr Dr. Stelter, aber in diesem Punkt betreiben Sie zum x-ten Mal Legendenbildung. Die Zinsen werden durch realwirtschaftliche Phänomene „nach unten geprügelt“. Die EZB sowie alle anderen Zentralbanken folgen dieser Entwicklung REAKTIV: https://zinsfehler.com/2013/09/06/allmachtsfantasien-zur-zinssetzungshoheit/

    LG Michael Stöcker

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      troodon sagte:

      @ M.S.
      Auch zum x-ten Mal:
      Glauben Sie, dass die Zinsen für Staatsanleihen in der Eurozone ohne Ankäufe der EZB genauso niedrig wären, wie sie jetzt sind ?

      Antworten
      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ troodon

        “Auch zum x-ten Mal:
        Glauben Sie, dass die Zinsen für Staatsanleihen in der Eurozone ohne Ankäufe der EZB genauso niedrig wären, wie sie jetzt sind ?“

        Ja, das glaube ich und habe es auch schon x-Mal begründet. Eventuell wäre das Niveau um max. 0,5 % höher, weil auch der (QE-)Glaube Berge versetzten kann. Aber von „nach unten prügeln“ kann wirklich keine Rede sein. Die Wirkungen von QE auf das Zinsniveau sind doch eher homöopathischer Natur; denn es gilt die Wallace-Neutralität: https://blogs.faz.net/fazit/2014/09/15/truegerische-hoffnungen-2-4601/.

        LG Michael Stöcker

      • Avatar
        ruby sagte:

        Herr Stöcker der folgende Kommentar im Braunberger Artikel erklärt logisch nachvollziehbar, daß die Finanzierung also das Geld eine notwendige aber keine hinreichende Bedingung ist:
        siehe dort

        „Sophia Orti sagt:
        16. September 2014 um 14:29 Uhr
        Bemerkung / Ergänzung
        Diese „Geldmenge“ als Einlagen der Banken bei der Notenbank oder Noten der Zentralbank im Tresor der Banken spielt absolut keine Rolle in der Quantitätsgleichung. Da geht es um Umlauf von Geld und Waren (Dienstleistungen, Transaktionen).“

        Die Umlaufgeschwindigkeit bezieht sich nur auf Beziehungen (Division) der Aktivseitenpositionen der Bilanz und somit nicht auf deren Verwendungs- oder Herkunftsseite also den Passiva.
        Geld wird durch einbuchen der Verbindlichkeit und gleichzeitiger Forderung in die Welt geschöpft.
        Für die Umlaufgeschwindigkeit ist es gleich wo das Geld herkommt, diese hängt davon ab was damit gemacht wird und wie oft. Und dieses wie oft ist im zeitlichen Turnus der Bilanzierungszeitpunkte auch noch ganz und gar sinnbefreit.
        Es wäre eine Sektorspezifikation die die nur sagt, wie oft eine bestimmte Menge Geld für einen Produktionszyklus benötigt wird. Das wird als betriebsnotwendigen Vermögen bezeichnet. Wird davon das freie/nichtnotwendige Vermögen abgezogen, kommt das betriebnotwendige Kapital zum Vorschein. Nur dieses ist für eine Verzinsungsberechnung heranzuziehen.
        Ende der Durchsage.

    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      Es ist richtig:

      Realwirtschafliche Phänomene haben die langfristigen Zinsen nach unten gezogen.

      Es ist auch richtig:

      Die EZB und die anderen Zentralbanken folgen dieser Entwicklung reaktiv.

      Es ist aber auch RICHTIG:

      Die EZB und die anderen Zentralbanken haben mit ihrer Reaktion BEWIRKT, dass die Zinslandschaft heute anders aussieht, als sie aussehen würde, wenn die Zentralbanken nicht reagiert hätten.

      Dr. Stelter bezog sich in der von Ihnen zitierten Aussage mit „Boom“ auf den Immobilienboom und qualifizierte sie mit „vor allem“, was „überwiegend, aber nicht ausschließlich“ heißt.

      Ist es KEINE Legendenbildung, dass der Immobilienboom NUR durch „realwirtschaftliche Phänomene entstanden ist, weil realwirtschaftliche Phänomen die Zinsen nach unten gezogen haben?

      Es ist Legendenbildung.

      Ich sage es schon mal, bevor Sie wieder mit INTERPRETATIONEN Ihrer Feststellungen kommen.

      Sie wollen wieder einmal nicht differenzieren, sondern nur Recht haben.

      Antworten
      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „Ist es KEINE Legendenbildung, dass der Immobilienboom NUR durch „realwirtschaftliche Phänomene entstanden ist, weil realwirtschaftliche Phänomen die Zinsen nach unten gezogen haben?

        Es ist Legendenbildung.“

        Diese Einschätzung bleibt Ihnen unbenommen. Hier haben Sie Gelegenheit, Ihre Einschätzung noch einmal zu überprüfen: https://youtu.be/6QYBTE5hQyI?t=355

        LG Michael Stöcker

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Was sagt A. Turner in dem verlinkten Filmchen?

        Er sagt, dass die Nachfrage nach Investitionsgütern in der High Technologie-Welt (IT-Industrie) nicht so hoch ist wie in der Vergangenheit, als in Fabriken investiert wurde, und dass außerdem eine hohe Nachfrage für den Erwerb von Immobilien besteht.

        Das ist richtig und Teil der Erklärung, dass die Zinsen dem Trend nach gefallen sind.

        Es ist aber KEINE Antwort auf meine Frage.

        Meine Frage ist „NUR durch …“ und NICHT „auch durch …“.

        Ihr Verweis ist demnach neben der Sache.

        A. Turner bemerkt gegen Schluss, dass Draghi mit seinem „Whatever it takes …“ das „tail risk“ beseitigt habe.

        Ohne es auszusprechen, meint er damit, dass das Versprechen Draghis die Staatsinsolvenz von Spanien, Portugal und Irland vermieden hat.

        Die Staatsinsolvenzen wären durch steigende ZINSEN für die Staatsanleihen dieser Länder ausgelöst worden. Die Aussage von Draghi hat die Zinsen nicht weiter ansteigen lassen und damit einen EINFLUSS auf die Zinsen zumindest in diesem Bereich gehabt.

        Das ist Teil einer Antwort auf die Frage, die Ihnen @ troodon gestellt wurde.

        Wenn die genannten Staaten kollabiert wären, hätten wir auch eine Kette von Bankinsolvenzen gehabt wegen der Staatsfinanzierung durch die Banken und die GESAMTE Zinslandschaft, auch die für Immobilienkredite würde anders aussehen.

        Ich sage damit nicht, dass wir dramatisch höhere Zinsen hätten, aber wir hätten andere Zinsen.

        Ich nehme schon einmal die Antwort vorweg, die Sie von @ troodon bekommen werden:

        WENN SIE recht hätten, dass die Zinsen für Staatsanleihen in der Eurozone ohne Ankäufe der EZB so niedrig wären, wie sie jetzt sind – diese Käufe also praktisch keinen Einfluss haben -, dann hätte die EZB doch keine Staatsanleihen kaufen müssen.

        WARUM hat sie es dennoch getan?

        WEIL Geldpolitik OHNE Einfluss auf die Zinsen zum „Geschäftsmodell“ der EZB gehört?

        Sie hat es getan, WEIL die Käufe einen Einfluss HABEN auf das Zinsniveau für Staatsanleihen und damit auch auf die Refinanzierungsbedingungen der Staaten der Eurozone.

        Ich sehe niemanden, der das ernsthaft bestreitet.

        Es gibt vielmehr schon jahrelang eine Diskussion darüber, ob dieser Einfluss erlaubt ist oder nicht (monetäre Staatsfinanzierung)

        Fazit:

        Sie können sich ja über Dr. Stelters “nach unten geprügelt“ echauffieren, sollten dabei aber nicht die FALSCHE Auffassungen verbreiten, dass die EZB KEINEN Einfluss auf die Zinsen habe.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ D.T.
        Als ich die Antwort von M.S. auf meinen Post las, wollte ich schon antworten und eine weitere Frage stellen…

        Wie gut, dass ich dann erst weitergelesen habe… :)

        D.T.:
        „Ich nehme schon einmal die Antwort vorweg, die Sie von @ troodon bekommen werden:

        WENN SIE recht hätten, dass die Zinsen für Staatsanleihen in der Eurozone ohne Ankäufe der EZB so niedrig wären, wie sie jetzt sind – diese Käufe also praktisch keinen Einfluss haben -, dann hätte die EZB doch keine Staatsanleihen kaufen müssen.

        WARUM hat sie es dennoch getan?

        WEIL Geldpolitik OHNE Einfluss auf die Zinsen zum „Geschäftsmodell“ der EZB gehört?

        Sie hat es getan, WEIL die Käufe einen Einfluss HABEN auf das Zinsniveau für Staatsanleihen und damit auch auf die Refinanzierungsbedingungen der Staaten der Eurozone.“

        So ist tatsächlich meine Sichtweise.

        @ M.S.
        Aus dem verlinkten FAZ Artikel zur Wallace-Neutralität
        „Doch aus der Sicht einer ökonomischen Lehre, in der Märkte perfekt funktionieren und sich Anleger rational verhalten, …“

        Diese Voraussetzung ist nach meiner Überzeugung definitiv nicht gegeben. Somit dürfte die Wallace-Neutralität eine theoretische Betrachtung sein, der blöde Markt funktioniert nur leider anders…

        Trotzdem werde ich mir den Artikel noch vollständig durchlesen…

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ D. Tischer und troodon

        „Was sagt A. Turner in dem verlinkten Filmchen?“

        Jedenfalls deutlich mehr, als D. Tischer in seinem Kommentärchen beschreibt.

        1. Dramatische Zunahme der Ungleichheit aufgrund Lohnzurückhaltung
        2. Vermögensschere hat sich weiter geöffnet
        3. Leverage insbesondere bei Immobilien
        4. Fallendes Zinsniveau bei risikolosen Anlagen

        Ursache für 4. ist lt. Turner insbesondere ein geringerer Investitionsbedarf in einer High Tech, High Touch Economy (= realwirtschaftlich). Als FOLGE dieser realwirtschaftlichen Entwicklung auf das Zinsniveau wird sodann mit einem größeren Kredithebel gearbeitet, der die Assetpreise weiter nach oben treibt und somit die Ungleichheit weiter verschärft.

        Als weitere Gründe würde ich benennen:

        5. Zunehmende Konzentration und somit Marktmacht bei wenigen mit hohen Handelsspannen und somit weiterer Druck auf die Handelsspannen und somit auch bei den Löhnen bei den vielen.

        6. Wegen 5. kommt es zu sinkender Massenkaufkraft, was wiederum zur Investitionsschwäche führt. Weniger Investitionen bei hohen Gewinnen/Geldvermögen führen ebenfalls zu sinkenden Zinsen (savings glut).

        Als weitere Ursache für steigende/hohe Immobilienpreise führt Turner den hohen Wohlstand an, der dazu führt, dass immer mehr Menschen um den knappen/beliebten Raum in den Ballungsgebieten konkurrieren. Diese vermögenden Menschen können zugleich mit einem höheren Levearge/Kredithebel arbeiten und treiben somit die Preise weiter nach oben. Diese Problematik hatten schon Adam Smith, Anne Robert Jacques Turgot sowie insbesondere Henry George erkannt: https://www.deutschlandfunkkultur.de/her-mit-der-bodensteuer-zur-wiederkehr-der-neuen-alten.1005.de.html?dram:article_id=426663 .

        Was haben diese REALWIRTSCHAFTLICHEN Entwicklungen mit QE zu tun?

        Der Zinsspread war ein Risikospread. Dieses Risiko war real, da sich die Politik verweigert hat. Draghi musste nur sprechen und schon verdampfte der Spread.

        Merke: QE ist in Bezug auf das Zinsniveau wirkungslos. Wirkungsvoll ist hingegen die Macht des Wortes (And believe me…).

        An der REALVERZINSUNG ändert aber auch ein Schweigen nichts. Denn wer ein höheres Risiko eingeht, der muss auch damit rechnen, dass es ihn ereilt. Und schon verdampft die gewünschte Rendite auf das Normalmaß. Warum? Weil dem Zins in aller erster Linie die Funktion der Kompensation des Kreditausfallrisikos zukommt.

        Hätte Draghi nicht gesprochen, dann wäre es mit hoher Wahrscheinlich zu Ihrem Szenario gekommen:

        „Wenn die genannten Staaten kollabiert wären, hätten wir auch eine Kette von Bankinsolvenzen gehabt wegen der Staatsfinanzierung durch die Banken und die GESAMTE Zinslandschaft, auch die für Immobilienkredite würde anders aussehen.

        Ich sage damit nicht, dass wir dramatisch höhere Zinsen hätten, aber wir hätten andere Zinsen.“

        LG Michael Stöcker

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ M. Stöcker

        Sie erzählen viel, was nicht strittig oder nicht relevant ist.

        Sie sagen:

        >Merke: QE ist in Bezug auf das Zinsniveau wirkungslos. Wirkungsvoll ist hingegen die Macht des Wortes (And believe me…).>

        Sie VERMISCHEN zwei unterschiedliche Sachverhalte, die nichts miteinander zu tun haben.

        Richtig, Draghis Wort war machtvoll, das aber auch nur weil er die Mittel hatte, die hohen spreads der betroffenen Staatsanleihen RUNTERZUKNÜPPELN – hier ist der Begriff zu 100% angebracht. Sie geben das ja auch zu.

        Die Marktteilnehmer wussten dies und haben es daher nicht darauf ankommen lassen.

        Die EZB ist jedenfalls nicht machtlos, wenn es darum geht das Zinsniveau zu beeinflussen – zumindest nicht unter den Umständen von 2012.

        Ob QE mit Bezug auf das Zinsniveau wirkungslos ist oder nicht, ist eine ANDERE Frage, die mit dem Fall von 2012 nicht in Verbindung zu bringen ist.

        Sie bleiben einfach nicht beim Thema, sondern meandern herum bis hin zu Adam Smith.

        Das zielt nicht auf Klärung und daher ist die Diskussion mit Ihnen sinnlos.

        Zitieren Sie doch bitte einmal eine Koryphäe, die sagt:

        Die Geldpolitik der EZB hat nicht den geringsten Einfluss auf das Zinsniveau.

        Eine solche Aussage würde Ihre Auffassung stützen.

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „Sie VERMISCHEN zwei unterschiedliche Sachverhalte, die nichts miteinander zu tun haben.“

        Falsch! Ich vermische gerade nicht, sondern differenziere.

        QE auf der einen Seite, andere geldpolitische Instrumente auf der anderen Seite.

        „Die EZB ist jedenfalls nicht machtlos, wenn es darum geht das Zinsniveau zu beeinflussen – zumindest nicht unter den Umständen von 2012.“

        Wir reden hoffentlich über das Gleiche: Es geht um den RISIKOLOSEN Zins. Es ist eine Binse, dass ein höheres Risiko zu höheren Zinsen führt. Draghi hat dieses Risiko aus dem Markt genommen, so wie es sich für eine Zentralbank bei Staatsanleihen gehört. Am risikofreien Zins hat diese Aktion aber nichts geändert.

        „Zitieren Sie doch bitte einmal eine Koryphäe, die sagt:

        Die Geldpolitik der EZB hat nicht den geringsten Einfluss auf das Zinsniveau.“

        Ich haben niemals behauptet, dass sie „nicht den geringsten Einfluss auf das Zinsniveau“ hat; vielmehr einen zu vernachlässigenden marginalen Effekt; insbesondere in Bezug auf die längerfristigen Zinsen.

        Ist für Sie Eugene Fama eine Koryphäe: https://youtu.be/Kvu6LReCj8k?t=1181

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @M. Stöcker

        Der „risikolose Zins“ ist ein genau so realitätsfremdes Konstrukt wie der „homo oeconomicus“ oder die lächerliche These, dass Finanzmärkte immer effizient seien.

        Überrascht mich allerdings nicht, dass Sie es zum Bauen ihrer Gedankengebäude verwenden.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ M.S.
        “ Es geht um den RISIKOLOSEN Zins.“
        Das hatten Sie bisher so nicht geschrieben.
        Und weder Dr. Stelter, noch Herr Tischer, noch meine Wenigkeit haben sich genau nur auf diesen Bereich bezogen…

        „Draghi hat dieses Risiko aus dem Markt genommen, so wie es sich für eine Zentralbank bei Staatsanleihen gehört“

        Die ganzen Beiträge zu der Thematik waren somit fast überflüssig.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        Das nennt man „Sophismus“. Eine Spezialdisziplin von Herrn Stöcker.

    • Avatar
      ondoron sagte:

      @MS
      *LOL* – Schöne Grüße von Dunning Kruger. Dass Ihnen das nicht auffällt, passt hervorragend zum Zinsfehler.
      Wenigstens etwas für das Zwerchfell. Weiter so!

      Antworten
      • Avatar
        Horst sagte:

        Dass Sie Dunning und Kruger aufführen (die immerhin den satirischen Nobelpreis in Psychologie erhalten haben) verwundert nicht – außer aus der Hüfte geschossene Worthülsen kommt von Ihnen NICHTS.

        „Wahrheiten der eigenen Kultur“

        Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners – mit schönen Grüßen von Heinz von Foerster.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Horst

        „(die immerhin den satirischen Nobelpreis in Psychologie erhalten haben)“

        Dafür bekommen Sie den satirischen Nobelpreis in Literatur für das bizarrste Autoritätsargument aller Zeiten.

        „Die Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners“

        Glauben Sie im Ernst, dass es keine objektive Wahrheit gibt? Alles nur sozial konstruiert? Jetzt wird mir Vieles klarer bei ihnen…

      • Avatar
        Horst sagte:

        Bei Ihnen, lieber Ott, bleibt nach wie vor vieles im Unklaren oder aber in der mitteldeutschen Dunkelheit, u.a. auch, da Sie offenbar nicht in der Lage sind, die Semantik des Zitates in Bezug auf die abenteuerlichen Äußerungen des ondoron zu erfassen.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Horst

        Nicht mit Sachsen-Bashing ablenken! Wenn Sie an irgendwelche radikalkonstruktivistischen Wahnvorstellungen glauben, dann stehen Sie doch einfach dazu.

  4. Avatar
    Ondoron sagte:

    Es sind alles Narrative. Cui bono? Und dann die SZ als Spezialsprachrohr. Hony soit qui mal y pense.

    John Maynard Keynes: „The ideas of economists and political philosophers, both when they are right and when they are wrong, are more powerful that is commonly understood. Indeed the world is ruled by little else.“

    Wenn es in den Annalen der Anthropologie eine klare Botschaft gibt, so ist es die, sich vor den festgelegten Wahrheiten der eigenen Kultur in acht zu nehmen. Tellerränder können hoch in den Himmel ragen und den Geist einengen. Dazu noch missionierender Fanatismus – die Grundlagen totalitärer Systeme.

    Antworten
    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Ondoron

      „missionierender Fanatismus“

      Daher sollte man innerhalb der Narrative nach inneren Widersprüchen suchen und den Fanatikern um die Ohren hauen.

      Sehr schön zum Beispiel: „Der IWF diskutiert seit Längerem intern, wie sich die Früchte des Booms in Deutschland stärker verteilen ließen, (…) Eine Überlegung: ein höheres Wachstum der Löhne. Und niedrigere Steuern für Gering- und Normalverdiener, damit die mehr von ihrem Lohn übrig behalten.“

      Von dem mehr übrig behaltenen Lohn dürfen die Geringverdiener in Deutschland dann bald die neue CO2-Steuer bezahlen um ganz alleine das Weltklima zu retten, und haben am Ende weniger als vorher.

      Hat aber einen Vorteil für die IWF-Klientel: Wenn der Geringverdiener-Pöbel weniger Geld hat, um zum Beispiel in den Urlaub zu flliegen, dann findet man am Flughafen viel einfacher einen Parkplatz für seinen Tesla und die Abfertigung für die Business Class geht schneller. So kann man durch Klimaschutz Gutes für die Rettung der Welt tun und sich zum Lohn selbst dabei noch ein wenig nützen. ;)

      Antworten
  5. Avatar
    Richard Ott sagte:

    „Mit den Export-Überschüssen vergrößern sich die sozialen Unterschiede“

    Ich würde eher sagen: Mit der unkontrollierten Zuwanderung und daran anschließender bedingungsloser Alimentierung von größtenteils Unqualifizierten vergrößern sich die sozialen Unterschiede.

    Antworten

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