Deutschland verschleudert seine Ersparnisse im Ausland

Eine zentrale und immer wieder erläuterte Kernthese von bto ist, dass wir Deutschen unser Geld falsch anlegen und deshalb keineswegs ein reiches Land sind. Dazu gehört auch die Feststellung, dass die Exportüberschüsse nicht so vorteilhaft sind, wie immer gedacht. Sie wären es nur, wenn wir die damit spiegelbildlich, wie bei der doppelten Buchführung, zusammenhängenden Kapitalexporte gut anlegen würden. Doch das tun wir nicht, wobei die TARGET2-Salden nur ein besonders extremes Beispiel für unsere Dummheit sind. Wie groß die Verluste sind, die wir erleiden, zeigen die Forscher Franziska Hünnekes und Christoph Trebesch vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sowie Moritz Schularick von der Universität Bonn in einer neuen Studie, über die die NZZ berichtet:

  • „Deutschland hat in den letzten Jahren so viel Geld im Ausland angelegt wie keine andere Nation. 300 Mrd. € sind es jährlich. Das ist das Spiegelbild seiner hohen Exportüberschüsse. Die Frage ist allerdings, ob sich diese Anlagen auch gelohnt haben. (Ein) Vergleich von zwölf Staaten (führt) zu einem ernüchternden Ergebnis: Seit 1975 hat Deutschland unter den großen sieben Industrieländern am schlechtesten abgeschnitten.“ – bto: Und das ist nicht nur theoretisch ärgerlich, sondern für jeden von uns auch praktisch. Ein wichtiger Grund, weshalb wir zu den Ärmsten in der Eurozone gehören. Wir könnten das Geld viel besser im Inland anlegen.

Quelle: NZZ

  • „Während etwa die Amerikaner auf ihren Auslandengagements eine nominale jährliche Rendite von 10,6% eingestrichen haben, kam Deutschland gerade mal auf 4,9%. Auch im Vergleich mit europäischen Ländern hat Deutschland einen Rückstand von 3 Prozentpunkten. Das Bild verbessert sich etwas, wenn man die Inflation berücksichtigt. Dann ist Deutschland an neunter Stelle von 13 Staaten.“ – bto: Das klingt auf den ersten Blick für Laien – also die Deutschen – nicht dramatisch. Aber wenn man Jahr für Jahr mit Zinseszinseffekt fünf Prozentpunkte mehr erzielt, führt das zu einem massiven Unterschied. Bei 4,9 Prozent werden aus 100 Euro über 42 Jahre 746 Euro, bei 10,6 Prozent aber 6882 Euro!
  • „Nun könnte man vermuten, dass die Deutschen ihre Mittel einfach konservativer anlegen als die Bewohner anderer Länder. Wer weniger Aktien und mehr Anleihen kauft, muss mit einer geringeren Rendite rechnen, da er auch weniger Risiken eingeht. Doch das ist nicht der Haupteffekt. Vielmehr schneiden die Deutschen innerhalb der Risikoklassen schlecht ab, und hier sticht das Aktienengagement negativ hervor. Der Renditerückstand gegenüber anderen Ländern liegt bei 4 Prozentpunkten.“ – bto: Wir haben also schlechtere Geldmanager als andere Länder. Vielleicht sollten wir den Briten unser Geld anvertrauen?
  • „Die Analyse legt ferner nahe, dass es besser gewesen wäre, deutsche Firmen und Private hätten sich stärker am Heimmarkt engagiert. Wenn man den Berechnungen ein Portfolio von deutschen Anleihen, Aktien und Immobilien zugrunde legt, rentierte dieses über die letzten zehn Jahre um 4 Prozentpunkte mehr als ein im Ausland investiertes Vermögen.“ – bto: Es wäre ohnehin besser, mehr im Inland zu investieren! Nebeneffekt wären geringere Handelsüberschüsse, was gut wäre. Eine wichtige Rolle könnte dabei auch der Staat spielen, aber der konsumiert ja lieber.
  • Theoretisch ist es angesichts der demografischen Entwicklung richtig in anderen Regionen, vor allem den Schwellenländern zu investieren. „Doch für dieses Motiv sehen die Autoren kaum Evidenz: 70% der Auslandguthaben konzentrieren sich auf Industrieländer, die vor den gleichen demografischen Herausforderungen stehen wie Deutschland. Dagegen flossen in den letzten zehn Jahren weniger als 10% der Mittel in dynamische Schwellenländer, obwohl diese Länder mittlerweile für die Hälfte der weltweiten Wirtschaftsleistung stehen.“ – bto: Wir werden ein sehr sehr armes Land sein in den kommenden Jahrzehnten. Ich empfehle in meinen Kommentaren zur Geldanlage immer ein global diversifiziertes Portfolio, das sich am BIP orientiert und damit einen höheren Anteil an Schwellenländern hätte.

Schmankerl am Ende: „Hätte man das Geld so erfolgreich wie die Norweger investiert, hätte man allein seit der Finanzkrise eine zusätzliche Rendite von grob 30 000 € pro Person erzielen können (…)“ – bto: was für ein Armutszeugnis! Denn unser Median-Haushaltsvermögen liegt in Deutschland bei nur rund 60.000 Euro. Was wir hier sehen, ist ein hart arbeitendes und sparendes Land, das die Früchte seiner Arbeit verschenkt.

→ nzz.ch: „Verschenken die Deutschen im Ausland Milliarden?“, 5. Juli 2019

Kommentare (33) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    T‘alC sagte:

    Sehr geehrter Dr. Stelter,

    es wäre gut zu erfahren ob 10% Rendite, die die USA erhalten, das Leistungsbilanzdefizit auch abdecken. Falls ja dann macht Präsident Trump die größte Theatervorstellung die wir je gesehen haben.

    Antworten
  2. Avatar
    Helge sagte:

    Realer Wohlstand einer Volkswirtschaft = eigene Produktion + Importe – Exporte

    Vielleicht sollte man dieses Zitat mal überdenken, statt wieder in TARGET-Scheindiskussionen zu verfallen.

    Antworten
  3. Avatar
    Tobias W. sagte:

    Das wundert mich jetzt mal überhaupt nicht.

    Die Deutschen sind ja auch mehrheitlich der Meinung, dass die deutsche Rentenversicherung eine gute Investition ihre Beiträge und Arbeitszeit ist – obwohl die Mehrheit der Deutschen sich recht einfach mit ihren jährlichen Renteninformationen der RV ausrechnen können, dass sie ihre statistische Lebenserwartung um bis zu 10% schlagen müssten, um ohne Berücksichtigung von Opportunitätskosten und Inflation einen Break Even ihrer Beiträge zu erreichen.

    Wer mehrheitlich meint Wohlstand wird durch Umverteilung in einem System geschaffen, dass immer mehr Bezieher und immer weniger Beitragszahler hat, von dem kann man offensichtlich nicht erwarten wirtschaftlich mit Geld umzugehen.

    Stupid German money trifft es ganz gut.

    Antworten
  4. Avatar
    Arda Sürel sagte:

    ‚Kernthese von bto ist, dass wir Deutschen unser Geld falsch anlegen‘

    Wenn man sich das Zustandekommen bedeutender Teile dieser angelegten Geldbetraege ansieht, sieht man, dass in vielen Faellen von Anlage/Investition im eigentlichen Sinne nicht die Rede sein kann.

    Wenn ein deutscher Maschinenbauer seinen Export finanzieren möchte und mit seiner Bank eine Exportfinanzierung organisiert, dann bekommt die Bank Sicherheiten (Hermesgarantie oder Garantie der auslaendischen Bank des Importeurs), das Geld für das Exportgut fliesst jedoch in Deutschland von der Bank des Exporteurs auf das Konto des Exporteurs (vermutlich bei der selben Bank). Ins Ausland ist kein Geld geflossen, so gesehen ist nichts im Ausland angelegt worden. Ein Inlaendischer Geldfluss wurde getaetigt in der Hoffnung, dass auslaendische Stellen (der Importeur oder eben seine Bank) den Betrag in Zukunft zurückzahlen.

    Das ist nicht Geldanlage im Ausland. Das ist Geldanlage (eher -überweisung) im Inland mit der Hoffnung auf auslaendische Rückzahlung. Dieser Vorgang erfolgt nicht unter der Motivation der intelligenten Geldanlage, sondern letztlich unter der (in vielen Faellen – siehe Hermes – politischen) Motivation der Aussenhandelsfinanzierung.

    Man sollte mal analysieren, inwieweit politisch-regulatorische Motivierung eine Rolle spielt bei der Vergabe von Linien seitens deutscher Banken an auslaendische Finanzinstitute zwecks der Handeslfinanzierung jeglicher Art. Denn wenn nicht Hermes, dann basiert die Besicherung des grössten Teils der aussenhandelsbezogenen Kreditierungen deutscher Banken letztlich auf diesen Linien.

    Und darauf begründet vermutlich der allergrösste Teil des Auslandsvermögens Deutschlands – aber wie gesagt, dies müsste erst was die Zahlen angeht, untersucht werden und dann kann man vielleicht sehen, dass Deutschland nicht im Ausland Geld anlegt, sondern alles daran setzt, Exportweltmeister zu sein (Aehnliches gilt übrigens für einen Grossteil der Finanzierungen, die aus Deutschland an die EU fliessen)

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Arda Sürel

      Unabhängig davon, was genau die Zahlen sagen:

      Sie verweisen auf etwas, das m. A. n. sehr bedenkenswert ist, nämlich:

      >… dass Deutschland nicht im Ausland Geld anlegt, sondern alles daran setzt, Exportweltmeister zu sein>.

      So scheint es zu sein.

      Wir wollen ein fleißiges, anständiges Volk sein und die Welt retten. Da müssen wir allen zeigen, wie gut wir sind und exportieren daher wie ein Weltmeister, am besten als Weltmeister.

      Wenn das nicht anerkannt wird durch einen hohen Lebensstandard, den wir SELBSTVERSTÄNDLICH aufgrund unser Leistungen beanspruchen können, dann sollten sich die Anderen besser nicht mit uns anlegen. Denn das geht nicht gut für sie aus.

      Man ist erneut auf diesem Trip (Grüne):

      Wir zeigen der Welt, wie man CO2-Neutralität bis 2050 schafft.

      Das – Technologie, Gesellschaftsmodell etc. – soll man dann auch gefälligst übernehmen.

      Wenn nicht, steht es nicht nur um das Klima schlecht.

      Ich sehe bei uns Deutschen einen gesellschaftlich krankhaften Hang, BESSER als andere sein zu wollen.

      Das muss man doch nicht sein, oder?

      Jedenfalls sind die Kosten, es zu sein, zu hoch.

      Für uns selbst und in der Vergangenheit zumindest auch für viele andere.

      Antworten
      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        „Ich sehe bei uns Deutschen einen gesellschaftlich krankhaften Hang, BESSER als andere sein zu wollen.“

        Aber wo kommt der eigentlich her? Wird der Hang über die Sprache uns in die Wiege gelegt, ohne das wir das begreifen könnten? Haben wir häufiger das „0-1-wertende“ Gen, was Gewissheit gibt? Liegt es an den zwei verlorenen Weltkriegen (Schuld und Schmach)? Und jetzt ist auch noch beim Fußball mau…

        Trotz all der fremden Kultureinflüsse (z.B. US-Fernsehen) scheint da kulturell etwas zu überdauern…

        Eine spannenden Frage – vermutlich aber ohne Antwort?!

        Um zum Topic ein wenig zu reizen: Im Paper, auf dem der Artikel basiert, tauchte übrigens Target2 unter Investitionen auf… (Figure 6: Composition of Germany’s international investment position, 1949-2017 / „Target2 balances have been increasing in recent years but only represent about 10% of all assets. As Target2 balances do not generate income, they could potentially bias our estimated downwards, and throughout the paper we will pay
        close attention that our findings are unaffected by this.“ ;)

  5. Avatar
    Zweifler sagte:

    @Dietmar Tischer
    Der Jurist mit dem 10 Stunden Tag fühlt sich verar****. Warum denn? Was hindert ihn, sich eine ähnlich clevere Geschäftsidee wie die der jungen Frau auszudenken?
    Was hindert die frustrierte Geigerin in der hintersten Orchesterreihe, eine Karriere wie Helene Fischer zu machen?
    Wenn eine Frau mit Geschichten erzählen 30.000 verdient, ein Jurist mit 10 Stunden Tag hingegen nur 3000, macht der Jurist was falsch, nicht die Frau.

    Antworten
    • Avatar
      Christian Anders sagte:

      Ich denke mal, D. Tischer hebt darauf ab, dass „Arbeitseinkommen“ im weiteren Sinn kein Maßstab für Produktivität und schon gar nicht für gesellschaftlichen Nutzen einer Arbeit ist.

      Antworten
    • Avatar
      Quintus sagte:

      @ Zweifler
      Welche Berufe benötigt wohl eine funktionierende Gesellschaft? Einen Juristen oder eine YouTube-pups-trällerin?
      Sie haben die Tragweite ihrer Aussage noch nicht mal annähernd erfaßt. Orientieren sie sich bitte weiterhin an dem Maßstab GELD denn
      etwas wichtigeres gibt es nicht.

      Die Hoffnung, daß WIR eine zivile! Gesellschaft bleiben, habe ich bereits begraben. Dafür wurden bereits zu tiefe Gräben mit Inbrunst und flächendeckender Idiotie geschaffen. Zwischen Stadt und Land, zwischen Links und Rechts, zwischen Klimahysterikern und Klimaleugnern etc. etc….d.h. die Schuldigen an der kommenden Misere stehen bereits fest: die Andersdenkenden!

      Dazu staatliche Verschwendung aller Orten sowie ständiges Drehen an der Steuerschraube.

      Die einzige Frage, die sich mir noch stellt: Wann erreichen wir den Kipppunkt? 2020? Dr. Markus Krall hat zumindest eine sauber dokumentierte zahlenbasierte Argumentationskette zu seiner Zeitangabe parat. Ich vermute, daß es ab dann erst so richtig losgehen wird…..

      Wie man die Zivilisation zerstört:
      https://www.misesde.org/?p=22093

      Antworten
      • Avatar
        Zweifler sagte:

        @Quintus
        „Welche Berufe benötigt eine Gesellschaft?“
        Kommt darauf an, in welchem Zustand sich die Gesellschaft befindet. Im Krall-Szenario wahrscheinlich Ärzte, Krankenpfleger und Menschen, die mit Waffen umgehen können.
        In einem Johann Wolfgang von Goethe-Szenario Gedichteschreiber und andere Kulturschaffende.
        Derzeit jede Menge Finanzblogger, wie man sieht.

    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Zweifler, Christian Anders

      Der Jurist ist weder neidisch auf die Frau, noch fühlt er sich ungerecht behandelt in und durch die Gesellschaft, so wie sie ist, noch quält ihn der Gedanke, etwas falsch zu machen.

      Zum einen :

      Er würde nie daran denken, mit ihr zu tauschen oder mit gleichartiger Beschäftigung Geld zu verdienen.

      Er würde sagen: Täte ich es, würde ich mich geringschätzen.

      Er hat lediglich einen Anspruch an SICH, der nicht mit dieser Art des Geldverdienens korreliert.

      Zum anderen sagt er sich:

      Wenn ICH, der ich zwei Staatsexamen ablegen musste mit dem erheblichem Risiko, bei Scheitern 5 Jahre meines Lebens zwar nicht vergeigt, aber eben nicht zielführend an der Uni verbracht zu haben, mich mit dieser Frau vergleiche, stimmt in der GESELLSCHAFT etwas nicht mit der CHANCENGLEICHHEIT:

      Man verlangt von mir, erhebliche Voraussetzungen zu ERFÜLLEN, um meinen Beruf ausüben zu können, während diese Frau einfach loslegen kann, OHNE jegliches Risiko und ohne irgendwelche Voraussetzungen.

      Er weiß natürlich, dass letztlich nur Angebot und Nachfrage zählen und hat im Prinzip nichts dagegen.

      Noch eine Bemerkung:

      Da er für die Frau bestimmte finanzielle Aufgaben erledigt, kennt er ihre berufliche Situation sehr gut. Die Plattform auf der sie agiert, kann sie JEDERZEIT rauswerfen. Dann ist es von einem Tag auf den anderen vorbei mit dem Geldverdienen. Aber auch wenn sie nicht rausfliegt, können sich die Präferenzen ganz schnell so ändern. Wenn die Klicks ausbleiben, steht sie so da, als wäre sie rausgeflogen.

      Alles ist Instant, Mode und Herdentrieb.

      In diesem Geschäft gibt es keine Kontinuität und Verlässlichkeit, INSOFERN hat sie natürlich schon ein Risiko, ein sehr hohes sogar.

      Der Jurist dagegen ist diesbezüglich in einer sehr viel besseren Position. Zwar gibt es mittlerweile eine Flut von Rechtsanwälten und die Algorithmen werden auch einige von Ihnen in die Arbeitslosigkeit schicken, aber:

      Die Gesetzesmaschine in Berlin läuft gut geschmiert und es gibt daher immer wieder Juristenbedarf, u. a. beim Mietrecht. Die Jobs sind juristisch nicht herausfordernd, Kleinkram bezüglich des Verdiensts und ein Ärgernis wegen misslauniger Richter.

      Aber gute und sehr gute Leute können sich schon anspruchsvoll austoben in diesem Beruf, vor allem internationalen Kanzleien gelten da als attraktiv.

      Allerdings:

      Eine 6-Tage-Woche, ist auch bei EINSTIEGSGEHÄLTERN von EUR 100.000 + nicht für jeden der Himmel auf Erden.

      Auch hier wie überall:

      Wir sind eine gespaltene Gesellschaft – trotz oder wegen so vieler Möglichkeiten.

      Antworten
      • Avatar
        Zweifler sagte:

        @Dietmar Tischer
        „Der Jurist dagegen ist diesbezüglich in einer sehr viel besseren Position“
        Warum kommt er sich dann verar****t vor?
        Und „Chancengleichheit“ ist eine Illusion, die gibt es nicht, nicht einmal in einer steinzeitlichen Gesellschaft.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Zweifler

        Sie wissen doch auch, dass es mindestens 38 Kriterien gibt, um festzustellen, ob man sich verar***t vorkommen soll oder nicht.

        Ist eines davon erfüllt, soll man sich verar***t vorkommen.

        Ich habe eines genannt.

        Der Jurist hat einfach nur verglichen, welche Voraussetzungen die Gesellschaft von ihm für die Ausübung der von ihm gewünschten Tätigkeit verlangt und welche von dieser Frau.

        Bei der Diskrepanz, hier bezogen auf die Ausbildung, kommt er sich eben verar***t vor. Das unterschiedliche Einkommen gab vermutlich nur den Anstoß, dieses Kriterium heranzuziehen.

        Natürlich gibt es in keiner Gesellschaft Chancengleichheit – das ist eine Binsenweisheit.

        Es ist m. A. n. auch Unsinn, alles in einer Gesellschaft unter Vorbehalt zu stellen, wenn keine Chancengleichheit besteht oder diese mit Verbissenheit, sie bis zur 7. Stelle hinter dem Komma herbeiführen zu wollen.

        Es gibt aber z. B. die BERECHTIGTE Frage, mit wie VIEL Regulierung man Menschen die Möglichkeit verbauen darf, Chancen wahrzunehmen bzw. mit wie WENIG Regulierung Menschen welche Chancen wahrnehmen dürfen.

        Die Überlegungen hierzu sind der Mühe wert.

        Engagieren wir uns darin, bekenne wir uns auch zu Werten und zu dem, was ein gutes Verhältnis zwischen individueller Möglichkeit und gesellschaftlicher Beschränkung sein soll.

        Das ist dann keine Binse mehr, weil es KONSTITUTIV für die Entwicklung eines jeden im Miteinander aller ist.

    • Avatar
      Peter Pan sagte:

      Wenn Herr Tischer mit seinen Kommentaren Geld verdienen könnte, müsste er inzwischen auch schon Multimillionär sein. Mindestens. Trotz seines immensen gesellschaftlichen Nutzen.

      Antworten
      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Peter Pan

        Psst, bitte erzählen Sie es niemandem, aber ich schreibe unter Pseudonym schlüpfrige Sozialismus-Romantik („Vermieter hart enteignen und hemmungslos CO2 einsparen!“) für tabulose Junglinke bei bento.de

      • Avatar
        Peter Pan sagte:

        Sie Schlawiner!

        Bento kann aber mit Herrn Tischer und Co nicht mithalten. Sie verdienen also nicht soviel wie Herr Tischer. Was Sie erhalten – für das schlumpfige Bentogeschreibsel – ist natürlich was anderes.

        Ganz allgemein kann man wohl feststellen, gerecht ist, wenn der Homo sapiens sapiens mehr Geld erhält als Gestern. Und als der Nachbar natürlich.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Peter Pan

        Danke – Sie schätzen mich richtig ein :-)

        Sie verkennen aber die Gesellschaft:

        Das viele Geld kommt nicht aufs Konto, WEIL ich KEINEN gesellschaftlichen Nutzen liefere.

        Es ist doch wunderbar, wie schlüssig diese Gesellschaft bei Belohnungen bzw. deren Verweigerung ist.

        Gleichzeitig liegt genau da die Tragik vieler guter Menschen:

        Sie wissen meistens ganz genau, was sein SOLLTE, aber scheitern pausenlos an den vielen Idioten, die keine Ahnung davon haben, was gesellschaftlicher Nutzen ist, und daher Leute wie diesen Tischer verhungern lassen :-)

      • Avatar
        Peter Pan sagte:

        Wir lassen Sie nicht verhungern, keine Sorge. Genau genommen findet sich immer jemand, der Sie füttert, heute darf ich.

  6. Avatar
    Thomas sagte:

    —Wir könnten das Geld viel besser im Inland anlegen.—
    Tun wir doch. Finanzierung der replacement Migration (offizieller UN Term). Mit fetter Negativrendite.

    Antworten
  7. Avatar
    Ingolf sagte:

    Zitat: „Hätte man das Geld so erfolgreich wie die Norweger investiert, hätte man …“

    Hätte, hätte, Fahrradkette. Hinterher kann man immer schlau daherschwätzen. Vergessen wird dabei, dass jede Chance ein ebenso großes Risiko beinhaltet. Nur merkt man davon halt nichts, solange es hochgeht. Doch wehe, es kommt mal ein richtig heftiger Downturn.

    Der Vergleichszeitraum (1975-2017) dürfte übrigens mit Absicht gewählt worden sein: 1982 begann die größte Börsenhausse aller Zeiten, die im Prinzip bis heute andauert. Klar, dass in diesem Zeitraum diejenigen am besten abschneiden, die am aggressivsten auf Aktien gesetzt haben.

    Antworten
    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Ingolf

      Ach, man kann hohes Risiko auch mit hohen Kosten und niedriger Rendite kombinieren. Deutsche Sparer haben immer Lust auf solche Produkte. Bei der örtlichen Sparkasse habe ich zum Beispiel diese Woche einen Werbeflyer für „Zinsdifferenzanleihen mit Zielzins der Dekabank“ mitgenommen:

      „(…) In den folgenden Zinsperioden erfolgt eine variable Zinszahlung, deren Höhe von den Entwicklungen der beiden Referenzsätze abhängt. Der Zinssatz für die jeweilige Zinsperiode entspricht der mit einem definierten Faktor multiplizierten Differenz aus den beiden Referenzsätzen am entsprechenden Zinsfestlegungstag, jedoch mindestens 0,00 % p.a. (Mindestzins).“

      Ein tolles Produkt. Renditestark, niedrige Kosten, und total einfach zu verstehen. Genau richtig für die deutsche Kleinsparer-Oma. ;)

      Antworten
    • Avatar
      troodon sagte:

      @ Ingolf
      Wie würden Sie zukünftig eine Vermögensaufteilung oder einen Sparvertrag zur zusätzlichen Altersvorsorge/zur Vermögensbildung gestalten ?

      Antworten
      • Avatar
        Ingolf sagte:

        In solchen Kategorien denke ich nicht. Als Spekulant beobachte ich den Markt, und wenn ich meine, eine Chance zu erkennen, dann investiere ich. Grundsätzlich gilt aber: Immer das Gegenteil von dem tun, was die Banken einem empfehlen ! Wenn Sicherheit „in“ ist, muss man ins Risiko, und umgekehrt.

    • Avatar
      Peter Pan sagte:

      Wer ab 1982 revolvierend in 10jährige T-Bills investiert hat, hat damit eine bessere Rendite als mit einem vergleichbaren Investment in den DJ oder S&P500 erzielt. Bei geringerer Volatilität.

      Antworten
      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Peter Pan
        …und wie ist ihre Einschätzung diesbezüglich für die zukünftige Entwicklung ?

      • Avatar
        Peter Pan sagte:

        > …und wie ist ihre Einschätzung diesbezüglich für die zukünftige Entwicklung ?

        Keine Ahnung. Sagen wir mal so, bei einem Zins von 0% kann ich mir kaum vorstellen, dass der Zins für 10jährige Treasuries deutlich darunter geht. Falls doch, müsste der Anleger zu dem dann besseren Kurs verkaufen. Hält man bis zur Fälligkeit, kann man keine Kursgewinne durch Zinsänderung realisieren.

        Für mich scheint eher ein Zinsänderungsrisiko als eine Zinsänderungschance zu bestehen.

  8. Avatar
    troodon sagte:

    “ bto: also haben wir schlechtere Geldmanager als andere Länder.“
    Teilweise kann das sein. Einen wesentlichen Anteil sollte aber auch haben, dass die Aktien-Investments der Anleger oft prozyklisch gemacht werden. Es wird gekauft, was schon etliche Jahre gut lief und dann im Absturz mit Verlust verkauft, weil dann alles ganz, ganz schlimm wird…

    Grundsätzlich ist und bleibt die auf „Exportweltmeister“ fixierte Politik in D ein Trauerspiel.

    Antworten
  9. Avatar
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Was wir hier sehen ist ein hart arbeitendes und sparendes Land, welches die Früchte seiner Arbeit verschenkt.“

    Das ist richtig.

    Aber wenn wir schon auf einem wirtschaftsinteressierten Blog wie diesem im Forum heftige Debatten über Sinn und Art der Target2-Forderungen der Bundesbank führen müssen, wie sollen wir dann erwarten, dass das breite Publikum sich mit dem Thema auskennt? Wie sollen wir eine wirtschaftliche Debatte führen, wenn im deutschen VWL-Studium Keynesianer und Monetaristen bzw. „Klassiker“ dargestellt werden, ohne den Begriff „Österreichische Schule der Nationalökonomie“ überhaupt auch nur jemals zu erwähnen geschweige denn kritisch zu diskutieren? Wie sollen Schulen Wirtschaftswissen vermitteln, wenn die Lehrer selbst keine Ahnung haben?

    Am besten hat es m.E. die junge Twitternutzerin Naina am 10. Januar 2015 den Deutschen erklärt:

    „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen“.

    Das versteht Deutschland unter Bildung. Oder, wie es der US-Amerikaner Robert Heinlein formuliert hat:

    „Ein Intellektueller ist jemand, der von Mathematik keine Ahnung hat und auch noch stolz darauf ist.“

    Ich vertrete die These, dass sich in unserer Gesellschaft solange sich nichts ändert, solange auf Parties über Krankheiten, die Umwelt, Religion oder Politik, aber nicht über Geld gesprochen werden kann. Möge es ein jeder mal ausprobieren, bei der nächsten Grill- bzw. Gartenparty in seinem privaten Umfeld über die Themen Gehalt und Geldanlage zu sprechen, während die Gesprächspartner noch nüchtern sind. Meine Erfahrungen damit sind buchstäblich „ernüchternd“. Vielleicht gebe ich mich hier mit den falschen Leuten ab, aber ich befürchte, meine Erfahrungen sind repräsentativ. Und solange ich mich nicht austausche und lerne, wird es nicht besser werden.

    Antworten
    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Frau Finke-Röpke

      „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

      Sie haben es ja schon gesagt: Das Problem ist, dass die Lehrer von Steuern, Miete oder Versicherungen auch keine Ahnung haben. Hab ich selbst oft genug gesehen. Am schlimmsten ist es bei verbeamteten Lehrern.

      (Ob die Zustimmung zur CO2-Steuer wohl bei den Schülern und auch Lehrern deutlich sinken würde, wenn die begreifen, dass sich dadurch die Mietnebenkosten deutlich erhöhen?)

      Es steht auch nicht im Lehrplan, wird also in der Lehrerausbildung nicht behandelt – außer überblicksweise in Politik/Sozialkunde/Gemeinschaftskunde, wobei da die Rolle von Steuern und Sozialabgaben im politischen System die Hauptrolle spielt und nicht praktische Fragen oder Verbraucherschutzrecht.

      So fehlt natürlich das Finanz-Herrschaftswissen und die deutschen Schulabsolventen können schön über den Tisch gezogen werden, wenn sie im Berufsleben stehen. Offenbar ist das politisch so gewollt.

      PS: Stichwort politisch unkorrekte Partygepräche: Ich hab auf einer Weihnachtsfeier 2015 zu später Stunde mal vorhergesagt, dass der Reality-Show-Star Donald Trump wahrscheinlich der nächste amerikanische Präsident wird, mit den besten Chancen dann, wenn gegen ihn die korrupte Hillary Clinton antritt. An die entsetzten Gesichter der anderen Gäste erinnere ich mich noch heute. ;)

      Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      Sie geben sich NICHT mit den falschen Leuten ab, denn es gibt keine falschen : -)

      Ich bestätige Ihre Erfahrungen zu 100%, Gespräche mit Akademikern ausdrücklich eingeschlossen.

      Allerdings muss ich, zuletzt jahrelang in einem kleinen Dorf fern jeder Großstadt am Landleben teilnehmend, Folgendes hinzufügen:

      Auf dem Land geht es vorrangig nicht einmal um Religion und Politik, sondern z. B. darum, dass der Mann zu dusselig war, abends die Tür zum Hühnerstall zu schließen und folglich Fuchs oder Marder die Tiere tötete. Großes Problem: Jetzt fehlen die Eier für die Kuchen, die fürs Fest, 40 Jahre verheirate zu sein, gebacken werden müssen. Sie zu kaufen und anliefern zu lassen, gibt es nicht bei dieser älteren Generation, denn hier steht KOMPETENZ auf dem Spiel. Sie wird gemessen am Interesse für die Backrezepte.

      Ich vertrete die These, dass sich die Gesellschaft verändert hat und weiter verändern wird.

      Solange Menschen lieber Gedichte schreiben, spielsüchtig die Hand an der Konsole haben, in den Medien herumstöbern etc. anstatt sich mit Anstrengung um die eigene Lebensgestaltung zu bemühen, werden sie Steuern, Miete, Versicherungen etc. von anderen BESORGEN lassen – in der Regel am besten durch den „gerechten“ STAAT.

      Wo er den eigenen Ansprüchen nach nicht gerecht ist, da muss man ihn, verdammt noch mal, eben gerechter machen. Wofür wählen wir denn eigentlich!

      Das ist das Problem, das ich am anderen Thread aus historischer Perspektive beleuchtet habe.

      Die Entwicklung wird solange weitergehen, bis der Lebensunterhalt fürs Gedichteschreiben nicht mehr aufzutreiben ist.

      Das kann lange dauern.

      Denn das System weiß, sich zu „reproduzieren“.

      Episode, wurde mir glaubwürdig zugetragen:

      Ein junge Frau mit Realschulabschluss schreibt in Primitivdeutsch belanglose Geschichten, jedoch immer mit einer satten Zugabe an Emotionalität gefüllt, und stellt sie auf einer bekannten Plattform ins Internet.

      Die Frau verdient im Monat durchschnittlich EUR 20.000 bis 30.000 auf der Basis einer Unmenge von Billig-Klicks. (Gruß an Dr. Stelter mit Blick auf das, was seine Bücher einspielen).

      Die Person, die mir dies mitgeteilt hat (Jurist mit knallhartem 10 Stunden-Tag) meinte: Ich fühle mich verar****.

      Hoffen Sie noch auf etwas?

      Ich nur, dass wir dennoch eine Zivilgesellschaft bleiben.

      Antworten

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.