„Investors in Europe should hunker down for trouble ahead“

Mohamed El-Erian war früher Chef-Investor von PIMCO und berät heute die Allianz. Immer wieder meldet er sich in der FINANCIAL TIMES (FT) zu Wort. Diesmal beschäftigt er sich mit den Börsen in Europa. Interessanterweise verkaufen Investoren zur Zeit europäische Aktienfonds in großem Umfang. Vielleicht haben die Kleininvestoren einen besseren Riecher als die großen, denn sonst wären die Börsen nicht so gut gelaufen in diesem Jahr. Doch nun zu El-Erian:

  • „Last week saw European stocks and bonds add to what had been a profitable first half of the year. The Euro Stoxx 50 index of blue-chip companies rose 2 per cent, extending its 16 per cent gain from January to June. In fixed income, the benchmark 10-year German government bond rose too, bringing its year-to-date return to 6.5 per cent, while its Italian counterpart jumped 3 per cent for the week.“ – bto: Alles steigt. Wir sind bereit, dem deutschen Staat Geld dafür zu bezahlen, dass er unser Geld nimmt und kaufen Aktien zu immer höheren Kursen.
  • „(…) this came in a week where data releases pointed to more weakness in European economic activity. June’s purchasing managers’ indices, for example, signalled further manufacturing contraction across much of the eurozone. The particularly weak reading for Germany was amplified by a 9 per cent annual fall in factory orders. Measures of inflation expectations took another leg down.“ – bto: Wir marschieren fest in das japanische Szenario und feiern dies mit steigenden Börsen. Schon komisch.
  • „This stark contrast between higher risk asset prices and poorer economic prospects reflects expectations that the European Central Bank will be injecting more liquidity into the system. (…) European interest rates are not just historically low but have moved negative in many of the region’s bond markets. Just last week, the German 10-year yield touched a historical low of minus 0.4 per cent, dragging other maturities down with it.“ – bto: Ja, man kann es nicht anders sagen, es ist eine nicht nachhaltige Kombination. Es ist nur damit zu erklären, dass die Märkte auf die Monetarisierung der Schulden durch die EZB setzen. Deshalb kaufen sie die Anleihen mit Blick darauf, sie mit Gewinn an die EZB weiterzugeben.
  • „While few economists expect the fall in interest rates to stimulate growth, the stock markets’ focus is elsewhere. With lower rates as inputs, traditional equity valuation models flash a brighter green or, at least, less yellow or red. Investors feel comfortable taking more risks when backed by central banks providing ample and predictable liquidity. This compounds the ‘reach-for-yield’ phenomenon as lower expected returns from higher quality fixed-income assets push investors to venture deeper into more risky, less familiar, and more illiquid areas of the market.” – bto: Das alles klingt auch nicht besonders clever. Es ist ein viel zu einfaches Spiel. Kaufen, nur weil es mehr Liquidität gibt, ist keine Strategie.
  • „But what may be good for investment returns in the short run heightens the risk of future economic and financial weakness. (…) Rather than seeing a pick-up in economic activity, the continent is being threatened by what has become known as ‘Japanification’: a mix of low yields, sluggish growth, low inflationary expectations and greater worries about the ineffectiveness of policymakers’ dwindling tool kits.“ – bto: So ist es und die politischen Spannungen werden deutlich zunehmen.
  • „At the same time, the risks to medium-term financial stability multiply, due to the gap between elevated asset prices and more sluggish economic fundamentals, and excessive risk-taking in both the investor and debt-issuing communities. The longer this continues, the greater the probability of that dreadful combination of falling asset prices, credit rationing, strained liquidity and obstacles to repositioning investment portfolios and debt structures — all of which would spill back into even weaker growth.“ – bto: Dazu packen wir noch den Glauben, wir könnten allein das Klima retten und die ungedeckten Versprechen für die alternde Bevölkerung sowie die Tendenz zu Planwirtschaft (nationale Champions) und Sozialismus (Enteignung, Mietendeckel).
  • „Long-term European investors should therefore take advantage of the liquidity-driven surges in asset prices to bolster low cash positions, not only to reduce overall risk but to give themselves dry powder to take advantage of dislocations that tend to damage markets in an indiscriminate fashion. They should also trade up in quality in corporate and sovereign holdings by focusing on issuers with stronger balance sheets and more diversified business models, while shifting from passively to actively-managed strategies for exposures to less liquid market segments. Finally, they should diversify some of their European investments to other jurisdictions with stronger fundamentals (…)“ – bto: und besseren Politikern! Vor allem in Gegenden, in denen Eigentum geschützt bleibt. Es braut sich ein schweres Szenario zusammen. Fügen wir die Probleme der Migration hinzu, laufen wir Gefahr, einen Zerfall der Gesellschaften zu erleben.

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „Investors in Europe should hunker down for trouble ahead“, 9. Juli 2019

21 Kommentare
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    Udo Werninger sagte:

    Zum „Zerfall der Gesellschaften“ würden mich mögliche Szenarien interessieren.

    Welches wären die mittelschweren und schweren Folgen für Familien und ist es nach Ansicht der Foristen wirklich so weit gekommen?

    Wäre es im mittelschweren Fall, die schlechtere Finanzierbarkeit von Sozialleistungen, dem z.B. durch höhere Zuzahlung oder Eigenzahlung im Falle von Krankenkosten entgegenzuwirken wäre. Im schweren Falle wären Gewalt und das Recht des Stärkeren vorstellbare Optionen? Übertreibe ich hier mit meinen Vorstellungen?

    Leider bin ich aus der bisherigen Erfahrung (tendenzielle Verschlechterung in vielen Bereichen der Gesellschaft: Infrastruktur, Bildung, Zusammenhalt, gemeinsames gesellschaftliches Grundverständnis, …) ziemlich pessimistisch, dass hier irgendwann eine Besserung kommen kann.

    Die Idee nach China auszuwandern u.a. wegen familiärer Bindung, ist natürlich mit vielen anderen negativen Faktoren behaftet und wird nicht in den nächsten 3 Jahren sein. Insbesondere mit Blick auf unsere Kinder wird mir hier Angst, wenngleich das auch für China zutrifft…

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Udo Werninger:

      Ich habe natürlich auch keine Glaskugel, aber m.E. dürfte es auf das US-amerikanische Modell hinauslaufen. Die USA leben schon seit vielen Jahrzehnten mit völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und haben das Problem so gelöst, dass räumlich und finanziell die Gruppen mehr oder weniger parallel existieren. Bestimmte Wohnviertel, bestimmte Krankenversorgungssysteme, bestimmte Altersversorgungssysteme, etc. Daher würde ich nicht von Gewalttaten ausgehen (zumindest nicht überall), aber von No-Go-Areals wie in Frankreich und von einer privat zu organisierenden brauchbaren Sozialleistungen (für Alter, Krankheit, Pflege, etc.), da der Staat nicht mehr leistungsfähig sein wird. Außerdem von wachsenden Ausgaben für Justiz und Polizei.

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      Starchild sagte:

      @Udo Weininger
      lesen dazu öfter mal epochtimes.de Rubrik Blaulicht und schauen Sie der Realität ins Auge. China handelt gerne mit Organen, ist alles auch nicht soo appetilich.
      Nehmen Sie sich eine Auszeit. Was noch geht ist Brasilien lifehedgeproperties.com . Ganz ohne Geld besonders als Familie kommt man nirgendwo mehr rein, doch die Banken werden diesen Herbst fleissig günstig verteilen ;) Haben Sie Mut &Verstand – alles Gute

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        Starchild sagte:

        @Alexander
        doch !!! Eigentumsrechte gibt es: wenn zb 130tsd f. großes Grundstück mit eigener Quelle für Bio-Agrar angemeldet wird, als Firma laufen lassen, bewirtschaften lassen/verpachten . Dazu gibt es permanent Visa und später mal ein 2.Pass. 130 bekommt man heute aus einer Bank auch als arme Leute noch raus ;) . lifehedgeproperties.com ist eine private Initiative einer europ. Familie. Lebensmittel und Wasser werden bald knapp …und Gold kann man nich essen.

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        Alexander sagte:

        @ Starchild

        Brasilien ist wunderschön, die Küche ein Erlebnis u.v.a.m…..schon bei dem Gedanken bekomme ich fernweh. https://www.youtube.com/watch?v=wQPPJnN0fxA

        Wenn man sich die Bröschüre über den Markteintritt der dt. IHK Sao Paulo besorgt, lesen sich die Informationen als Warnung. Ganz deutlich keine Produktion und auf „Bar“verkauf beschränken.

        Eine Firmengründung erfolgt für Investoren immer leicht, weil man aus dem Markt mit einer nicht frei konvertierbaren Währung – wie langsam – wieder raus kommt? Nie mehr? So kleine fiese Details wie die Industrieproduktsteuer darf jeder selber googlen. Einstweilen müssen Firmen bilanzieren, eventl. brasiliansiche Teilhaber akzeptieren, Steuerberatungskosten….etc.

        Die wichtigste Voraussetzung wäre Vertrauen aber:
        „Im Jahr 2000 beantworteten die Frage, ob man den meisten Menschen vertrauen könne, 67% der Dänen mit ja, aber nur 3% der Brasilianer.“

        Wenn ich bedenke, wie Brasilianer mit Detailkenntnisse über den Tisch gezogen werden, durch Handwerke/Mitarbeiter und ihre Probleme bei z.B. der Remigration aus den USA in dem Markt wieder Fuß zu fassen. Tut mir echt leid, alles sehr abschreckend….und ich war etliche male drüben und hatte das Glück viel zu sehen + Sprachkenntnis.

        Ehrlich warte ich darauf wann AUDI ein zweites mal die Segel in Curitiba streicht, weil eine pleite nicht genug war – im Überschwang der Erwarungen.

        Abraços

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      Udo Werninger sagte:

      Herzlichen Dank für die hilfreichen Einschätzungen. Einerseits beruhigen mich diese ein wenig, andererseits bestätigen sie zum Teil auch stark mein Zukunftsbild. Ich habe mich kurz gefragt, ob der ausschließliche Konsum von „Standard-Medien“ nicht langfristig gesünder ist. Wahrscheinlich würde ich dann aber auch auf tbo und die in der Masse wertvollen Inputs der Kommentatorengemeinde verzichten müssen.

      Ich habe mich erst einmal entschlossen, in gleichen Teilen etwas Fremdwährungen zu kaufen, da wir kurzfristig noch vor Ort bleiben (mit Brasilien werde ich mich beschäftigen, das hatte ich bisher nie im Fokus): Kan. Dollar, Sing. Dollar, Südafrik. Rand, Mex. Peso, Schwedische oder Norwegische Krone (wobei ich diese evtl. weglasse, da zu stark mit dem Euro verbunden).

      Meine Hoffnung ist das hierdurch ein teilweise Entlastung des „Euro-Klumpens“ erreicht wird und diese in der Summe in die richtige Richtung geht.

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    @Herrn Dr. Stelter:

    bto: „Fügen wir die Probleme der Migration hinzu, laufen wir Gefahr, einen Zerfall der Gesellschaften zu erleben.“

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter, ich habe ein Problem mit dem Wort „Gesellschaften“. Bisher bin ich nach landläufigem Sprachgebrauch davon ausgegangen, dass wir in einem Land nur EINE Gesellschaft haben. In die etwa Migranten integriert werden soll.

    Es sei denn natürlich, sie verwenden den Begriff „Parallelgesellschaft“, aber dann habe ich auch ein Verständnisproblem, denn die zerfallen dann ja nicht. Oder sprechen Sie von mehreren europäischen Ländern und damit von mehreren Gesellschaften?

    Ich finde, das Wort „Gesellschaft“ macht in Ihrem Text nur im Singular Sinn. Das mag jetzt kleinkariert wirken, aber die Konsequenzen, ob in einem Land eine oder mehrere Gesellschaften existieren, sind enorm. Militärisch, polizeilich, für die Justiz, für die Bildung, eigentlich für alles.

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      Starchild sagte:

      @Wolfgang Selig
      “ wollen oder müssen “ : wie wärs mit nicht können ? Wer soll den Ramsch denn kaufen, ja BlackRock wird kommen und aufkaufen, aber erst wenn alles kurz vor Buffalo steht, also gaaaanz billig in jeder Hinsicht.
      Geschichte wiederholt sich ;) nur die Medienpackung hat ne andere Farbe.
      Ich würde sofort verkaufen, schließen ist viel schwieriger. Aber wer kauft denn in einer nahezu kommunistischen Diktatur noch etwas ? Hä?

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    Ondoron sagte:

    Da hilft doch nur der Zinsfehler und der grüne Wahlkampf in Brandenburg: „Hallo Zukunft. Tschüß Stillstand.“ Der H.-Hannes als Kanzler und der Zinsfehler als sein Berater. Dann wird alles gut. Wir haben doch so gute Leute. Und die allerbesten – wie hier im Forum überrepräsentiert – werden sicherlich zu gegebener Zeit berufen. Alles wird gut.
    Wie sagte doch Schäuble? „Ich bewundere die europäische Jugend; denn sie wird im Paradies leben.“

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