Inflation – das Thema der 2020er?

Vergeblich hatte ich darum gebeten, die Inflationsaussage nicht zur Schlagzeile zu machen:

→ FOCUS: „EZB: Erst kommt die Inflation, dann eine neue Geldordnung – was das für Sparer heißt“

Vermutlich sind in Deutschland mit nichts so viele Leser bei Wirtschaftsthemen zu begeistern wie mit dem Thema Inflation: der Ur-Angst der Deutschen, das vermutliche Grundübel für den Niedergang der Gesellschaft in den 1920er-Jahren und mehr noch als die folgende Depression, ein wichtiger Treiber für den Aufstieg Adolf Hitlers.

Deshalb nochmals meine Sicht:

  • Wir befinden uns seit Jahren in einem deflationären Umfeld. Ursachen unter anderem: Überschuldung, Zombifizierung, Geldpolitik, einsetzende Alterung.
  • Bis jetzt sind die Notenbanken gescheitert, diesen deflationären Druck zu überwinden. Im Gegenteil, ihre Politik dürfte die Deflation verstärken.
  • Dieser deflationsverstärkende Kampf hat zu immer größeren Blasen an den Vermögensmärkten geführt. Das erhöht die Instabilität und macht weitere und größere Interventionen erforderlich.
  • Schon vor Corona wurde deshalb über neue Maßnahmen nachgedacht, vor allem die direkte Finanzierung der Staaten.
  • Corona ist nun die Mutter aller Schocks. Massiv deflationär, weshalb die Notenbanken massiv intervenieren.
  • Damit bekommen wir schneller das, was ohnehin gekommen wäre. Und das muss auch zunächst nicht inflationär wirken. Denn die anderen Faktoren, die deflationär wirken, sind ja weiterhin vorhanden. Zum Teil verstärken sie sich noch.
  • Andererseits gibt es neue Entwicklungen wie die Störungen auf der Angebotsseite: Wertschöpfungsketten, Re-Regionalisierung, politische Einflussnahme, perspektivisch Lohndruck. Hinzu kommt bewusste Entwertung vorhandener Assets: Ölheizungen, Verbrennermotoren, etc. im Kampf gegen den Klimawandel. Dem steht entgegen viel neues Geld der Notenbanken, das nun über Staatsausgaben den Weg in die Wirtschaft als echte Nachfrage findet.
  • Deshalb ist es denkbar, dass nach dem deflationären Schock die Rückkehr der Inflation steht.

Nun zu Artikeln zum Thema. Heute der sehr geschätzte Thomas Mayer:

  • „Staaten legen wegen der Corona-Pandemie Hilfsprogramme von noch nie dagewesenem Umfang auf und Zentralbanken finanzieren einen großen Teil davon mit neu geschaffenem Geld. Dennoch erwarten die meisten Finanzmarktakteure und Ökonomen keine Inflation.“ – bto: zum einen, weil es der Erfahrung nach der Finanzkrise entspricht, zum anderen, weil wir zunächst vor einem deflationären Schock stehen.
  • „Für den Kauf der Wertpapiere schaffen die Notenbanken Zentralbankgeld, welches die Geschäftsbanken in Giralgeld verwandeln. Aufgrund der Wertpapierkäufe der Notenbanken und der durch Niedrigzinsen und staatliche Kreditgarantien angestachelten Kreditvergabe der Banken ist in den USA die liquide Geldmenge MZM („money with zero maturity“) seit Jahresbeginn um 23 Prozent gestiegen und liegt gegenwärtig um 30 Prozent über ihrem Vorjahreswert.“ – bto: was auch die Börsenentwicklung bis letzte Woche erklärt.
  • „In der Euro-Zone stieg die das Bargeld und die Sichteinlagen umfassende Geldmenge M1 seit Jahresbeginn um sechs Prozent und liegt nun um zwölf Prozent über ihrem Vorjahreswert. Dagegen dürfte das Bruttoinlandsprodukt in beiden Regionen in dieser Zeit stark gefallen sein.“ – bto: Damit haben wir viel Liquidität, die sich nicht in der Realwirtschaft niederschlägt.
  • „Die gewaltige Geldvermehrung würde verpuffen, wenn das neue Geld gehortet würde. Da aber auch längerfristige Bankeinlagen so gut wie keine Zinsen abwerfen, besteht dafür kein Anlass. Die Menschen werden das neue Geld also für irgendetwas ausgeben. Einige haben es genutzt, um Vermögenswerte zu kaufen und dadurch die Vermögenspreise befeuert.“ – bto: Allerdings wissen wir auch, dass die Umlaufgeschwindigkeit seit Jahren sinkt, es gibt also einen gewissen „Hortungseffekt“.
  • „Die Ökonomen setzen darauf, dass Ausgaben für Güter und Dienstleistungen den Käufen von Vermögenswerten folgen. Dabei hilft, dass das neu geschaffene Geld nicht weg ist. Es hat nur die Hände gewechselt: Vom Käufer der Vermögenswerte zum Verkäufer, der es wieder ausgeben kann. Und es hilft noch mehr, dass die Geldmaschinen der Zentralbanken auch weiterhin auf Hochtouren laufen, also noch mehr Geld in Umlauf kommt.“ – bto: Und das werden sie. Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Geldbesitzer es wirklich ausgeben, denn das hätte man auch in den letzten zehn Jahren vermuten dürfen.
  • „(…) Statt die Konsumentenpreise zu erhöhen, soll das neue Geld die Produktion ankurbeln und im Lockdown freigesetzte Arbeitskräfte wieder in Lohn und Brot bringen. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass die Geldausstattung der Wirtschaft nach der Krise deutlich größer sein wird als vorher. Außerdem könnte es sein, dass sich die Struktur der Nachfrage verschiebt, dass zum Beispiel weniger Flugreisen und Hotelübernachtungen, dafür aber mehr Computerausrüstungen nachgefragt werden.“ – bto: Und dann hängt es von den Kapazitäten in diesen Sektoren ab.
  • „Der neue Handelsprotektionismus und die Verkürzung von Lieferketten dürften die globale Produktion dämpfen und das lokale Angebot verringern. Trifft die größere Geldausstattung auf ein geringeres Angebot als vor der Krise, und werden manche Güter nun mehr nachgefragt als andere, dann dürften steigende Preise das gesamte Preisniveau stärker beeinflussen als fallende.“ – bto: noch verschärft, wenn die Politik bestimmte Investitionen/Ausgaben „erzwingt“.
  • „Die Zentralbanker behaupten, dass sie die Kreditnachfrage durch Zinserhöhungen bremsen könnten, wenn die Konsumentenpreisinflation bedrohlich steigen würde. (…)  Doch, wenn die Zinsen steigen, würden viele Schuldner, die auf dauerhaft niedrige Zinsen gesetzt haben, bankrottgehen. Eine neue Schuldenkrise würde drohen. Die Zentralbanker müssten schnell zurückrudern.“ – bto: Mir leuchtet das ein. Außerdem bezweifle ich, dass die Notenbanker es wirklich wollen.

→ welt.de: „Der Irrtum vom Ende der Inflation“, 10. Juni 2020

Kommentare (26) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Dieter Krause sagte:

    @ Dr. Stelter
    Wir befinden uns seit Jahren in einem deflationären Umfeld. Ursachen unter anderem: Überschuldung, Zombifizierung, Geldpolitik, einsetzende Alterung.

    Das alles reicht nicht aus zur Erklärung der dauerhaft deflationären Effekte. Es gibt erstens eine starke Marktsättigung in den überalterten Industriestaaten sowie die Möglichkeiten internationaler Unternehmen, ihre Kostenstrukturen durch Verschiebung von Teilen ihrer Produktion in Produktionsstandorte mit niedrigen Kosten zu optimieren (was vor 1989 so nicht möglich war). – Ihnen ist es in China mittlerweile zu teuer? Gehen Sie nach Vietnam? – In Bangladesh steigen die Kosten im Textilsektor zu stark? Gehen Sie nach Äthiopien!

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Vergeblich hatte ich darum gebeten, die Inflationsaussage nicht zur Schlagzeile zu machen:“

    Der Fokus hatte – bitte um Entschuldigung – recht, Ihrer Bitte nicht nachzukommen. Die eigentliche Folge dieser Politik ist die Entwertung der Schulden und Geldentwertung ist nun mal die Folge von Inflation. Insofern ist das für den laienhaften Leser schon richtig dargestellt. Wenn Sie es professioneller haben möchten, müssen Sie in die FuW oder in ökonomische Fachjournale gehen. Ein Publikumsmagazin muss die Dinge plakativ darstellen. Dafür gibt es eigens relativ gut bezahlte Überschriftenredakteure, die für die Verlage wirtschaftlich wichtig sind. Die verstehen ihr Handwerk, denn die wöchentlichen Auflagenzahlen geben bei Themenwahl und Überschriftenformulierung gerade im Straßenverkauf ein unmittelbares Feedback.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      Ich bin bei diesem Punkt anderer Meinung als Sie.

      >Die eigentliche Folge dieser Politik ist die Entwertung der Schulden und Geldentwertung ist nun mal die Folge von Inflation.>

      Es gibt KEINE „eigentliche Folge“.

      Es gibt eine Folge, eine weitere und eine noch weitere … und eine – soweit wir die Entwicklung überblicken können – LETZTENDLICHE Folge.

      Man kann sich selbstverständlich mit dieser befassen und wird Interesse damit finden, weil das „Ende einer Geschichte“ (hier dem Titel nach das vorletzte Ende), d. h. „wie es ausgeht“, am spannendsten an ihr ist und zudem die Zeit spart, Schritt für Schritt der Entwicklung zu folgen.

      Dieses Verfahren ist jedoch IRREFÜHREND mit Blick auf die Probleme, die uns GEGENWÄRTIG konfrontieren.

      Überlegen Sie bitte einmal:

      Was wäre, wenn die gegenwärtige Politik der Notenbanken nicht erfolgen dürfte/sollte/würde, WEIL sie, durch Schlagzeilen wie der bei Focus befeuerten vorherrschenden Meinung mit nicht erwünschter Inflation endete?

      Die Gesellschaften würden in eine Lage kommen, die sie als KATASTROPHAL ansehen würden und ihrer vergangenen Erfahrungen nach durchweg auch MÜSSTEN.

      Das kann man sich nicht wünschen.

      Daher:

      Wenn es erkennbar keine akzeptablere Alternative zur Notenbankpolitik gibt, muss man erstens verstehen, warum die Notenbanken so handeln, wie sie es tun, zweitens ermitteln, was sie bewirken, und ob sie dabei konsistent oder widersprüchlich verfahren – siehe Zombiefirmen und Deflation – und schließlich auch die WEITERREICHENDEN Wirkungen darlegen, wenn diese Notenbankpolitik kontinuierlich so weiter betrieben würde bzw. nach Lage der Dinge werden sollte.

      Das gehört zum Öffentlichen Diskurs und sollte nicht in die Fachjournale abgeschoben werden.

      Denn den Leuten, die mit „Es gibt keine Zombiefirmen“ und „Inflation nur bei Lohnsteigerungen“ u. dgl. in der ÖFFENTLICHKEIT die RISIKEN der Notenbankpolitik leugnen, muss man auch in der Öffentlichkeit entgegentreten und zwar

      GLAUBWÜRDIG, d. h. auch mit der dargelegten Anerkennung, warum sie betrieben wird.

      Denn:

      Die gegenwärtige Notenbankpolitik mag ja das gegenwärtig Schlimmste verhindern und daher als notwendig erachtet werden, aber die DESHALB prominent betriebene GESUNDBETEREI ist wirklich nicht angebracht, weil es ebenfalls eine fatale IRREFÜHRUNG wäre.

      Gleiches gilt im Prinzip auch für Themen wie den neuen Modus der Gemeinschaftsfinanzierung der EU.

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        Christian Anders sagte:

        @DT

        Eine Frage zu diesem Teil Ihres Kommentars:

        „Denn den Leuten, die mit „Es gibt keine Zombiefirmen“ und „Inflation nur bei Lohnsteigerungen“ u. dgl. in der ÖFFENTLICHKEIT die RISIKEN der Notenbankpolitik leugnen […]“

        Bezugnehmend auf die Risiken und wie ihre URSACHE zu bestimmen sei: Da habe ich ein paar intellektuell Bauchschmerzen. Evtl. haben Sie eine Magentablette?
        Es ist ja nun so, dass die Maßnahmen der Zentralbanken nicht aus sich heraus ein objektiv erfassbares Risiko schaffen, sondern alles ist abhängig von den Reaktion weiterer Stellen. Die EZB hätte sich sicher gewünscht, dass die niedrigen Zinsen von Staaten, voran sicher Deutschland, zu staatsschuldenfinanzierter Investitionstätigkeit genutzt worden wären. Ebenso wäre der Boden, auf den die Maßnahmen der EZB fallen, ein anderer als er ist, wären die Leistungsbilanzungleichgewichte auf der Welt andere, als sie sind. Diese Ungleichgewichte sind allerdings auch (nicht ausschließlich) eine Frage von Löhnen – auf diese wiederum hat aber keine Zentralbank einen Einfluss, sondern andere Entscheidungsträger an anderen Stellen.

        Zu adressieren, wer hier warum und wodurch welches Risiko erzeugt, halte ich für recht schwierig. Ich könnte auch gleichberechtigt behaupten, das aktive Nichtnutzen der durch das billige Geld geschaffenen Möglichkeiten Seitens der Politik hat die Risiken erzeugt, nicht die Zentralbank. Oder die Konzerne seien die Risikobringer, weil das Problem des sparenden Unternehmenssektors vor allem auf Sie und Ihre (legale) Steuervermeidungsproftquotensteigerungsorgie zurückgeht. Oder (Verzeihung, Polemik) Adam und Eva habendas Risiko ursprünglich in die Welt gesetzt, weil wir sonst noch im Paradies lebten.

        Also: Wieso eigentlich gerade DAS Risiko der Zentralbankpolitik?

        Das soll übrigens nicht heißen, dass Ihr Ansatz, Risiken zu benennen falsch ist. Aber sie an DIE dafür verantwortliche Stelle zu adressieren, ist noch mal was anderes.

        Wie entgegnen Sie dem Ansatz: Die Notenbankpolitik wäre weniger riskant, wenn andere Entscheidungsträger im System andere (bessere?) Entscheidungen träfen?

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        Sie sagen:

        >Es ist ja nun so, dass die Maßnahmen der Zentralbanken nicht aus sich heraus ein objektiv erfassbares Risiko schaffen, sondern alles ist abhängig von den Reaktion weiterer Stellen.>

        Das ist richtig, wobei ich statt Reaktionen lieber Sachverhalte sagen würde, was Reaktionen beinhaltete. Dies nur nebenbei, es ist unwichtig für die Erklärung.

        So hat Draghi immer wieder betont, dass die EZB tue, was in ihrer Macht steht, aber das letztlich nichts bewirken kann, wenn die Politik nicht ihre Aufgaben erledigt (von RISIKEN durch DEREN Unterlassen hat er natürlich nicht gesprochen, obwohl das angebracht gewesen wäre).

        Deshalb, so Ihre Schlussfolgerung:

        >Zu adressieren, wer hier warum und wodurch welches Risiko erzeugt, halte ich für recht schwierig.>

        Nein, es ist nicht schwierig – im PRINZIP jedenfalls nicht.

        Es ist nicht schwierig, weil die RELATIVITÄT, die Sie mit dem AUCH-Agieren und/oder Unterlassen anderer herstellen( hier: z. B. der Staaten bezüglich u. a. ihrer Investitionstätigkeit oder Handelspolitik etc.), zwar eine ANDERE Ursachenzuordnung bezüglich der Risiken oder womöglich anderer Risiken hätte und damit auch die EZB „entlasten“ könnte, aber KEINE Erklärung zuließe.

        In der Konsequenz und verallgemeinernd:

        Wenn keine als „fixiert“ anzusehenden GEGEBENHEITEN angenommen werden können, an denen Handeln zu messen und zu bewerten ist, kann nicht gemessen und bewertet werden, weil es keine AUSSCHLIESSLICHE Ursachenzuordnung und damit keine Bewertung eines Handelns gibt.

        Kurzum, wie in der Physik auch – Beispiel: Lichtgeschwindigkeit – müssen die Sozialwissenschaften von KONSTANTEN ausgehen, wenn sie Ursachen und Wirkungen erkunden und damit etwas ERKLÄREN wollen.

        Die Konstanten für die Bewertung der Geldpolitik der EZB sind in dem enthalten, was Dr. Stelter am anderen Thread

        https://think-beyondtheobvious.com/stelter-in-den-medien/die-ezb-ist-die-europaeische-zombifizierungsbank/ – comments

        dargelegt hat:

        „Nicht lebensfähige Unternehmen, schwach kapitalisierte Banken, bleibt keine andere Wahl, als den schlechten Schuldnern besonders günstige Kredite zu geben, weil sie die Abschreibungen des Kredites selber nicht überleben …“

        Das ist HEUTE nicht nur nach Auffassung von Dr. Stelter die fixierte Gegebenheit, die Sachverhalte und Handlungsmaximen enthält, auf welche die Geldpolitik der Notenbanken trifft.

        Soweit das prinzipiell Einfache.

        SCHWIERIG – und da haben Sie Recht – ist es allerdings, die fixierten Gegebenheiten zu ermitteln, die RELEVANT sind mit Bezug auf die Geldpolitik der Notenbanken.

        Gibt es überhaupt nicht lebensfähige Unternehmen?

        Sind die Banken wirklich schwach kapitalisiert?

        Da greift die Kritik an:

        Wie am Blog von M. Stöcker ausgesprochen, bestreitet sie, dass es überhaupt Zombieunternehmen GIBT, d. h. Unternehmen, die nicht lebensfähig sind und daher das Verhalten der Banken eine Erfindung sei, auch wenn man ihnen durchaus ein Überlebensinteresse zuschreibt.

        Ich hoffe, dass diese Tablette hilft.

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    Michael Stöcker sagte:

    @ Johannes

    „Die Zinsen werden dann steigen, wenn sie steigen dürfen.“

    Das ist weder beyond the obvious noch sonderlich sophisticated; es ist vielmehr unreflektiertes Geplapper des ökonomischen Mainstream.

    Nach den Zinsmythen nun also der YCC-Mythos (Yield Curve Control / Kontrolle der Zinskurve). Damit ist aber zugleich die Zombifizierungsthese ins Reich der Mythen und Märchen zu verweisen (mehr dazu in 2 – 3 Wochen). Jetzt ist erst mal Urlaub angesagt. Bis dahin verweise ich nochmals auf Jeff Sinder:

    „And the reason they couldn’t decipher these signals was equally simple: the Federal Reserve cult. It’s an ideology that just won’t die. A historical curiosity, sure, but the real-world consequences are disgustingly enormous. And the devastating costs keep adding up by the year, by the month.

    Series of one-year forwards? Only a central banker would think like that, and only a bond “strategist” would slavishly agree.

    Jay Powell, whether he likes it or not, he goes where bonds tell him. Not the other way around and not because bonds control the Fed. Rather, the bond market understands money and economy; therefore it, not he, can tell you where things stand. Powell, like Yellen, Bernanke, and Greenspan, will eventually have no choice but to recognize, and respond to, what bonds had long before priced.”
    https://alhambrapartners.com/2020/04/28/the-unpossibly-pure-signal/

    Und was sagen uns die Bonds über die Inflationserwartungen, Herr Mayer? Einfach mal den Rückwärtsgang aus der österreichischen Sackgasse einlegen und von Jeff Snider inspirieren lassen. Das eröffnet ganz neue Perspektiven; und zwar beyond the obvious.

    LG Michael Stöcker

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Stöcker

      Ha, Sie argumentieren ja so, also ob der Markt für Anleihen nicht manipuliert werden würde. In welchem Jahr leben Sie? 1995?

      Wieso sollen die Zinsen beispielsweise für Staatsanleihen steigen, solange die Zentralbanken sämtliche neu begebenen Staatsanleihen aufkaufen? Die Geschäftsbanken können die Anleihen zeichnen, ein paar Tage halten und dann mit einer hübschen Provision an die Zentralbank weiterreichen. Solange das Vertrauen in die Zentralbank besteht, dass sie diese Politik bis auf weiteres aufrecht erhält, so lange wird dieses kleine Karussellgeschäft weitergehen.

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        Johann Schwarting sagte:

        @ Richard Ott,

        genauso „Solange das Vertrauen in die Zentralbank besteht, dass sie diese Politik bis auf weiteres aufrechterhält, so lange wird dieses kleine Karussellgeschäft weitergehen.“ ist es.

        „Die ZB kann kaufen, was sie will, erst wenn die Zweistufigkeit im Kern des Zentralbanksystems wegfällt, wenn die durch die Kreditinstitute zu besorgenden Geldeinheiten ohne ausreichende / vorhandene Sicherheiten, sowie positiver Kapitaldienstfähigkeiten buchbar bzw. beurkundbar werden, d.h. das Wertbegründende des Kreditwesens (Vertrauen = Verpflichtung) schwindet, öffnen sich die Schleusen.“

        Quelle: https://www.dasgelbeforum.net/index.php?id=531476

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    Felix sagte:

    Herr Mayer ist ja schon etwas länger im Geschäft und äußerst sich dementsprechend fokussiert auf die Fragestellung in dem Moment. So wie ich ihn verstehe, geht er nicht von Inflation am morgigen Tage aus, sondern sieht mittelfristig die Gefahr, dass der Euro seinen Wert einbüßt. Das ist auch nicht von der Hand zu weisen, weil kein über Finanzen nachdenkendes Wesen sein Kapital in einer Währung hält, die von der Notenbank zur Finanzierung der Staatsausgaben gedruckt wird. Das ist ja auch Ursache der Assetinflation, dass nicht benötigtes Geld in Sachwerte aller Art flüchtet.

    Allerdings übernehmen die Kommentare hier allzu schnell das Märchen von der nicht vorhandenen Konsumentenpreisinflation. Es ist zwar richtig, das es bisher nicht zu einer sehr starken oder Hyperinflation gekommen ist – die Erwartungen waren deutlich höher. In diesem Sinne verwendet Herr Mayer den Begriff: bisher nicht so schlimm wie erwartet.

    Die offiziellen Inflationsraten sind andererseits sehr schön gerechnet und sicher ein paar Prozentpunkte zu niedrig. Zu diesem Zweck wird das Berechnungsverfahren ja auch regelmäßig aktualisiert. Im richtigen Leben ergibt sich ein anders Bild und auch mehrere Universitäten hatten beispielhaft die deutlich höhere Inflation errechnet. Zudem fällt die Inflation in der heutigen Welt von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich aus. Die Jungs an ihren Spielekonsolen powered bei Tiefkühlpizza spüren wenig Inflation, aber wer sich gern gesund und lecker mit regionalen Fleisch und Pflanzen ernährt und täglich duscht, schaut immer öfter in eine leere Brieftasche.

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    ruby sagte:

    @ Alexander
    Mit dem 2. Nachtragshaushalt ist die BRD an das Limit der Vermittelbarkeit gekommen. Doch im Herbst Anfang Oktober werden die Wirtschaftseinbrüche in den ganzen EU Staaten Ausmaße annehmen, die haushälterisch politisch nicht abbildbar sind.
    Was bedeutet, es kommt zu Aufständen und Machtübernahmen durch Technokraten der Finanzoligarchie, um neue Strukturen durchzuführen. Da in der Bevölkerung nichts dagegen erfolgen wird, durch Merkelsabtritt ein Vakum entsteht, wird auch hier ein Staatsstreich stattfinden.
    Das EU Traumbild wird durch eine Neue Realität gelenkt.
    Was will ein Transferempfänger selbst gestalten, er nimmt, wartet, schaut hoch zu den Herrschern für ein neues Coronomicsleben.
    Da kommt der Brexit genau perfekt und Hilflosigkeit führt zur Folgsamkeit „what ever we need“ die Mario Draghi’s lernen die Letter of Intent für die zukünftigen Heilsversprechen bereits auswendig.
    Future Lifes Matter.
    Die Zonen der Imponderablien bieten Spielräume.
    Wie immer drehen Medien also Propagandisten den Transmissionsriemen, dort spielt die Musik bis sie verstummt oder abgeschaltet ist.
    Der Abzug der US Truppen nach Osten und das schrille Echo der entzauberten Freerider legt die Geringschätzung für die inflationäre Wichtigtuerei der EU Zauberlehrlinge frei.
    Wie wollen diese Arbeitsgruppenplaner ein Inflationsziel erreichen in der Hoffnung auf Druckereigeldsubstitution?
    Die Rentenbescheide sind versandt, die EU Tribute sollten das Meisterwerk der Generation „Wir sind die Schaffenden“ sein.
    Außer einen geplatzten Wechsel (deflationär) geht da nichts mehr.

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      Alexander sagte:

      @ruby

      Der Probelauf zur Machtübernahme durch Technokraten war erfolgreich durch das Zusammenspiel von Legislative und Exekutive gemeistert worden, im Zuge der Pandemie.

      Sollten tatsächlich gefühlte Leistungsträger – durch den Wirtschaftseinbruch bedeutungslos gewordene, ihre Bürgerrechte ausnutzen wollen hat die Polizei ihre Dominanz in der Fläche bewiesen.

      Sollten die über Jahre angesparten Unternehmenspleiten ab Herbst nachgeholt werden, weil auch der Letzte seine Hoffnungen fahren ließ, dürfte das Reservoir an Arbeitskräften rasch das freie Angebot übersteigen – was weitere Einkommensdeflation bedeutet samt Wechselwirkung auf Konsum und Investitionsnachfrage (Immo, Kfz, Reise, Geldanlage etc.)

      Kein BGE ersetzt das Einkommensniveau von Verantwortungsträgern von gestern, Inflation wird auch in der Technokratie ausgeschlossen – wie in Italien unter Monti bereits erlebt.

      Ich erwarte eine glaubwürdige Moderation des Niederganges durch Politik und Meinungsmachende, die Betroffnen verkriechen sich irgend wohin, weil scheitern nicht sexy ist.

      Die Attraktivität für Zuwanderung ist dahin.
      Bei Auswanderung bleibt die Frage wohin.

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  6. Avatar
    Bauer sagte:

    >> ‚Brave New World‘ by Aldous Huxley, 1932

    >> ‚Les utopies apparaissent comme bien plus réalisables qu’on ne le croyait autrefois. Et nous nous trouvons actuellement devant une question bien autrement angoissante: Comment éviter leur réalisation définitive? Les utopies sont réalisables. La vie marche vers les utopies. Et peut-être un siècle nouveau commence-t-il, un siècle où les intellectuels et la classe cultivée rêveront aux moyens d’éviter les utopies et de retourner à une société non utopique, moins parfaite et plus libre.‘ (N. A. Berdjajew)

    (Übersetzung: Utopien erscheinen realisierbarer als man früher glaubte. Wir finden uns mit einer neuartigen, besorgniserregenden Frage konfrontiert: Wie sollen wir ihre endgültige Verwirklichung verhindern? Utopien sind verwirklichbar. Das Leben marschiert ihnen entgegen. Und vielleicht beginnt eine neue Ära, in der Intellektuelle und die Bildungsschicht darüber nachdenken werden, wie man Utopien verhindern und zu einer nicht-utopischen Gesellschaft zurückkehren kann, weniger perfekt und dafür freier.)

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Bauer

      Was im zitierten Text erhofft wird, ist auch UTOPIE.

      Denn Intellektuelle und Bildungsschichten bewirken unterm Strich – NICHTS, so viel sie auch nachdenken.

      Das ist jedenfalls die bisherige Erfahrung.

      Was z. B. auch immer die Französische Revolution – ein Ereignis mit damals unbestreitbar utopischer Perspektive – bewirkt oder verhindert hat, sicher ist eines:

      Sie hat sich NICHT ereignet, weil Intellektuell oder die Bildungsschicht die 1762 von J.-J. Rousseau geschriebene Abhandlung „Vom Gesellschaftsvertrag“ unters Volk gebracht haben, sondern DESHALB, weil die wirtschaftlichen INTERESSEN zu vieler Menschen auf sehr ersichtliche und fühlbare Weise missachtet wurden.

      Dass Intellektuelle wie Robespierre und Danton ihre Vorstellungen zur Geltung gebracht haben, ALS die Revolution in Gange war, ist wieder etwas anderes.

      Es wird auch HEUTE nur dann VERÄNDERUNGEN geben – womöglich auch sehr fundamentale –, wenn die INTERESSEN zu vieler Menschen missachtet werden bzw. auch bei Beachtung NICHT erfüllt werden können.

      Zu WAS derartige Veränderungen führen, ist weitgehend offen.

      „weniger perfekt und dafür freier“ kann sein, muss aber nicht sein.

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      • Avatar
        Bauer sagte:

        @ D. Tischer

        Mag schon sein. Aber dann sind die Aussichten eben noch trüber. A. Huxley lässt grüßen!

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bauer

        M. A. n. sind sie das.

        Meine Begrifflichkeit dafür:

        Interventionistischer Zentralismus.

      • Avatar
        Horst sagte:

        „Denn Intellektuelle und Bildungsschichten bewirken unterm Strich – NICHTS, so viel sie auch nachdenken.“

        Gilt das auch für Sie, lieber Herr Tischer, als Vor-, Mit- und Nachdenker par excellence dieses Blogs?

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Ob ich ein Intellektueller bin, sollen andere entscheiden.

        Vermutlich bin ich es nicht dem allgemeinen Verständnis nach.

        Denn ich praktiziere u. a. an diesem Blog lediglich, BEGRÜNDEND aufzudecken und zu korrigieren, was ich als falsche Auffassungen und fehlerhaftes Denken zu erkennen glaube.

        Das ist in gewisser Weise kleinteilig und hat einen didaktischen Touch, obwohl ich es zur Überprüfung meiner Auffassungen eher als Herausforderung an mich und nicht als Oberlehrerhaftigkeit betreibe, wenngleich es, mitunter zumindest, so wirkt.

        Das tun jene, die in der Öffentlichkeit als Intellektuelle angesehen werden, m. A. n. in den wenigsten Fällen.

        Zu viele stellen Entwürfe, Visionen vor und urteilen zu generell über „Befindlichkeiten“ statt Kärrnerarbeit im Detail zu leisten.

        Und sie betreiben derartiges sehr oft als Agenda.

        Mir fällt in diesem Zusammenhang gerade der Name Richard David Precht ein.

        Zu dieser Klasse von „Philosophen“ rechne ich mich nicht.

        Was ich bewirkte, hier am Blog z. B., weiß ich nicht.

        Ich bin mir aber ganz sicher, dass das, was sage und schreib mit Blick auf das große Ganze – sagen wir „Bewusstseinsänderung in der öffentlichen Meinungsbildung“ – NICHT das GERINGSTE bewirkt.

        R. D. Precht bewirkt sicher etwas mehr, aber letztlich nicht entscheidend mehr.

        Denn er bewirkt NUR bei SEINESGLEICHEN wirklich etwas.

        Die Menschen im Land haben andere Probleme als die, die er auftischt.

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    jobi sagte:

    Inflation?

    Im Moment kein Thema – im Gegenteil. Das Aufblasen der Vermögenspreise verliert seine (psychologische) Wirkung.

    Die Deflation schlägt bereits auf die Verbraucherpreise durch.
    US-Kerninflationsrate 3 Quartale in Folge negativ, das hat es seit WW2 nicht gegeben.

    Direkter Ankauf von Schrottanleihen, unbegrenzte Swap-Linien für Eurodollarmärkte: Die Fed im Panik-Modus.

    Alles scheint möglich, aber Inflation??

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  8. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    M. A. n. ist entscheidend für die perspektivische Sicht bezüglich einer inflationären Entwicklung:

    Nimmt die NACHFRAGE genügend Fahrt auf, damit die Produktion wieder ein so hohes Niveau erreicht, dass zu hohe Arbeitslosigkeit nicht zum Problem wird?

    Ich glaube es nicht.

    Schon vor Corona war sie in den entwickelten Volkswirtschaften zu schwach und durch Corona ist sie massiv geschwächt worden – wir sind in einer nachhaltig deflationären Entwicklung.

    Die Angebotsseite sehe ich als das kleinere Problem an, solange wir nicht Masseninsolvenzen erleben, z. B. bei der Zulieferindustrie der Automobilwirtschaft oder im Handel oder den Tourismusbranchen.

    Der Protektionismus wird sich m. A. n. in Grenzen halten und die Angebotsseite zwar schwächen, aber nicht entscheidend schwächen.

    Die Fiskalpolitik kann die erforderliche Nachfrage NICHT generieren, um die deflationäre Entwicklung umzukehren. Diese ist von Ängsten getrieben zu massiv und die Sektoren der Wirtschaft betreffend zu umfassend.

    Wir haben eine GLOBALE STRUKTURKRISE, die, wenn überhaupt, nur noch MONETÄR unter Kontrolle zu halten ist.

    Daher:

    Die Notenbanken induzieren Liquidität in wachsendem Volumen:

    Zum einen finanzieren sie damit die Staatshaushalte, die diese Liquidität weiterreichen, um zum einen die Privaten Haushalte zu Nachfrage anzureizen und zum anderen, um Firmen vor Insolvenz zu bewahren.

    Insolvenzen vernichten zwar kein Sachkapital, zerstören aber die Organisation, die für die Angebotsgenerierung erforderlich ist – und sie „produzieren“ Arbeitslosigkeit.

    Da damit die Staatshaushalte überfordert sind, kaufen die Notenbanken jetzt in USA und Japan DIREKT auch UNTERNEHMENSANLEIHEN.

    Ein Ende ist nicht abzusehen, weil es einen sich beschleunigenden Wachstumsmechanismus in der Realwirtschaft NICHT gibt. Bei extrem hoher Sparquote wird sich vielmehr die deflationäre Entwicklung weiter verstärken.

    Was heißt das?

    Ein enorm hohes Geldvolumen wird VERFÜGBAR sein gegenüber einem relativ geringen, auf jeden Fall NICHT gestiegenen oder gleichermaßen steigendem Warenangebot.

    Das wird ab IRGENDEINEM Zeitpunkt zu Inflation führen MÜSSEN.

    Ich habe anderswo anhand des BGE einen Wirkmechanismus aufgezeigt, es gibt sicher auch andere.

    Lohnsteigerungen sind dafür nicht erforderlich.

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      Horst sagte:

      „Insolvenzen vernichten zwar kein Sachkapital, zerstören aber die Organisation, die für die Angebotsgenerierung erforderlich ist – und sie „produzieren“ Arbeitslosigkeit.“

      An ihre Stelle werden neue Unternehmen treten und das freigesetzte Humankapital aufnehmen.

      Vielleicht nicht in dem Umfang wie die Vorgängerinstitution, Zombieunternehmen möchte jedoch auch niemand, jedenfalls nicht auf diesem Blog.

      Wirklich neu ist dieser Mechanismus nicht.

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        Dagobert sagte:

        @Horst

        Neue Mechanismen wurde von der BRD durch die Peter VW Vorstand Hartz Reformen ausgeprägt.

        Seit nunmehr ungefähr 20 Jahren gründen nicht die leistungsfähigsten Eliten eines Jahrganges Unternehmen zur Beschäftigung der Anderen, sondern Arbeitslose unter tätiger Mithilfe der Arbeitsverwaltung, Gründerzentren dank dem billigen Geld.

        Die besten eines Jahrganges gehen den opfervollen Weg der abhängig Beschäftigten um mit nur 30 Tagen Urlaub, max 40 Stunden Woche, nur 5 Werktagen, Lohnfortzahlung, Rentenabsicherung, Arbeitlosenversicherung, Vaterschaftsurlaub, Pflegeurlaub, Bildungsurlaub…+XYZ – sich der Ausbeutung durch Andere hinzugeben.

        Sollten sich die angekündigten Pleiten der schwachen/dummen/minderbemittelten Unternehmer bewahrheiten IST mit einem Gründersturm zu rechnen, bsonders aus den Reihen der ehemals in den Automobimanufakturen tätigen, nach sozialverträglichem Entbindung von ihren Führungsaufgaben.

        Man wird nicht versuchen die letzten 10 Jahre vor dem Renteneintritt (mit 67J.) irgendwie zu überbrücken, sondern Haus/Geldvermögen/Rentenansprüche in ein neu gegründetes Unternehmen investieren um anderen soziale Sicherheit zu bieten. Man macht das aus entfesseltem Egoismus endlich angemessen Geld zu verdienen und wird den 12 Stunden Tag/7 Tage Woche/ 360 Arbeitstage Jahr anstreben, weil man keinen Urlaub will, nie krank wird, auf Familie verzichtet und auch sonst bestrebt ist Risiko für andere zu übernehmen.

        Es kann allerdings sein, dass ehemalige Kollegen als Einkäuferkunden dieser Gründer dieselben harten Bandagen anlegen, wie bei den untergegangenen Zombie-Lieferanten.
        Es kann sein, dass Lohnkosten anderswo derart niedriger sind, dass die Produktion am Heimatstandort sinnfrei ist.
        Es kann sein, dass die steuerlichen und sonstigen Rahmenbedingungen ziemlich unfreundlich sind – mit der Folge rascher Wechsel von Gründung/Pleite/Gründung…

        Vielleicht nehmen sich diese potentiellen Gründer auch einfach nur ein Beispiel am Schicksal ihrer Kohortenkonkurrenten aus der übrigen freien Mißwirtschaft und bleiben zu Hause um ihre Ersparnisse zu verleben – bevor es der Staat nach Abzug der Erbschaftssteuer macht.

        Was vermutlich nicht passiert ist, dass die Zuwanderer der jüngeren Vergangenheit durch solche Unternehmensgründungen auffallen, die freigesetzte DEUTSCHE nachfragen.

        Die schaffen das.

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        Gregor_H sagte:

        Das „Vielleicht …“ aus dem drittletzten Absatz scheint mir eine angemessene Reaktion zu sein.

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    Johannes sagte:

    bto: „Doch, wenn die Zinsen steigen, würden viele Schuldner, die auf dauerhaft niedrige Zinsen gesetzt haben, bankrottgehen. Eine neue Schuldenkrise würde drohen.“

    Die Zinsen werden dann steigen, wenn sie steigen dürfen.

    https://www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/fed-erwaegt-kontrolle-der-zinskurve-banken-koennten-profitieren-1029307426

    Vorher passiert m.E. nichts. Wann die ZNB die Zinsen steigen lassen… wer weiß. Jedenfalls erst dann, wenn etwaige Kollaterlaschäden für die bisherigen Profiteure maximal minimiert sind.

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  10. Avatar
    Alexander sagte:

    Die Geldpolitik war erfolgreich, denn sie hat ersparnislose Nachfrage vorfinanziert und damit einer Inflation der Vermögenspreise ausgelöst, ohne dass diese in der Inflationsmessung berücktsichtigt worden wäre.

    Die Nachfrage nach Geldanlage (Einlagen = Basis der Giralgeldschöpfung) wurde durch diese Geldpolitik genauso befriedigt, wie die Auslastung der Exportindustrien, dem Handel, Handwerk und Dienstleistung.
    Im Gegenteil ist das Geld verdient worden und Ersparnis entstanden, weil das geldpolitische Strohfeuer kein Selbstläufer war.

    Nach der Mutter aller Schocks, der Corona Einschränkung des gesamten Lebens unter Androhung weiterer solcher Ereignisse soll nun dieselbe Geldpolitik die Lage retten können und etwas vollbringen, was der Volkswirtschaft bei Volllast nicht gelang -> INFLATION?

    Nachdem die Exportindustrie heftige Auftragsrückgänge verzeichnet, die Importländer nicht einmal Reisekonjunktur haben werden -> mit allen Folgen für Handel, Dienstleistung und Handwerk….erwartet ein Ökonom wie Thomas Mayer Inflationsschübe durch Austauschzwang veralteter Ölheizungen und Co.?
    Das überschüssige Geld, welches per Kredit nicht in die Wirtschaft kommt – mangels Nachfrage wg. Auftragsrückgängen soll nun über das Handwerk oder Dienstleistungen in Europa für Inflation sorgen?

    Selbst wenn jeder Deutsche vier Rinderfiletsteaks täglich essen wollte und sein Bad / Küche / Wohnzimmer umbaut, bleiben die Fließbänder der letzten WohlstandIndustrie der PremiumAutoManufacturen unausgelastet.

    Sehr viel von dem EZB Geld wird benötigt die jüngsten Blasen an den Immobilienmärkten zu erhalten (Refinanzierung fauler Häuslebauerkredite/Kurzarbeit…) und die Illusion der Aktienmärkte zu beleben, ohne dass die Realwirtschaft durch Daten noch eine Bewertungsgrundlage böte. Immer mehr Märkte im Ausland brechen ein und die Schockwellen aus Nachfrageeinbruch / Auftragseinbruch umkreisen die Weltwirtschaft.

    Selbst wenn die Staatsverschuldung explodiert, wie in den USA, wird dieses Geld kaum die Zahlungsverpflichtungen einer früher ausgelasteten Ökonomie ersetzen. Dagegen müssen sämtliche Subventionsempfänder noch mehr als früher durch staatliche Zuwendungen gepampert werden. Das betrifft alle Sektoren vom Nahverkehr, Museen, Bildungsstätten, Kultur, Renten- Kranken- Sozialversicherungen….

    Inflation entsteht nicht, wenn die Privaten Probleme haben ihre Schulden zu bedienen. Anders als die Kriegswirtschaft vor 1923 hat die Geldpolitik der EZB dafür gesorgt, dass diese private Nachfrage Grundlage von Konjunktur überhaupt ist.
    Inflation entsteht auch nicht, wenn der Staat versucht seine Wirtschaft aus einem Nachfrageschock heraus komplett umzubauen, denn die Investitionen für Verbrennungsmotoren/Luftfahrt/Schwerindustrie werden weder quantitativ noch qualitativ von green economy ersetzt – sondern in einer unvorstellbaren Deflation entwertet.

    Ob man wie bei der Energiewende schon + erneut durch das Infektionsschutzgesetz = einfach so per Gesetz grundsätzliche Eigentumsrechte beenden darf und den Betrieb untersagen – dürfte noch juristisch zu prüfen sein. Die Flucht dieser Unternehmen, samt Demontage aller Anlagen wird billiger sein, als sich der Willkür von Kulturmarxisten zukünftig auszuliefern.

    Inflation finde ich keine.

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    Richard Ott sagte:

    bto: „Bis jetzt sind die Notenbanken gescheitert, diesen deflationären Druck zu überwinden. Im Gegenteil, ihre Politik dürfte die Deflation verstärken.“

    auch bto, 2 Sätze später: „Dieser deflationsverstärkende Kampf hat zu immer größeren Blasen an den Vermögensmärkten geführt.“

    Tja, offensichtlich waren die Notenbanken schon sehr erfolgreich darin, den „deflationären Druck“ an den Vermögensmärkten zu überwinden.

    US-Fed-Chef Powell hat die neue Gelddruck-Philosophie doch auf seiner letzten Pressekonferenz schön erklärt:
    „‚we want investors to price in risk like markets should‘ and [Powell] explained that the Fed would never hold back support for economy because it thinks asset prices are too high“

    https://www.zerohedge.com/markets/powell-fed-will-never-hold-back-support-economy-even-if-asset-prices-are-too-high

    Die Vermögenspreise können gar nicht hoch genug sein, das beeindruckt die Fed nicht, und die EZB sieht das sicher ähnlich. Nur die Spielverderber vom Bundesverfassungsgericht und die bösen AfD-Nazis kommen dann an und meckern über „Unverhältnismäßigkeit“ der Geldpolitik.

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