Die Notenbanken verursachen einen „deflationären Zusammenbruch“

Ich habe Stanley Druckenmiller bei bto schon früher zitiert. Er ist an der Seite von George Soros als Spekulant vermögend geworden und warnt seit Langem vor der Folge ungedeckter Verbindlichkeiten und verfallender Bildungssysteme analog den Themen hier:

→ Wie 1982 – nur mit negativem Vorzeichen

  • „I am old enough to remember when the Soviets were building a strong economy through central planning—until it crumbled and the Berlin Wall came down. And when the Japanese were eclipsing the U.S. economy through the keiretsu, large affiliated industrial companies working hand in hand with government—until Japan’s Lost Decade became two. Now it’s China’s turn, with a new leader for life who has consolidated decision-making to target his country’s economic goals in 2025 and beyond.“ – bto: In der Tat könnte es China sein, von wo die nächste Krise ausgeht, weil man es eben doch nicht so steuern kann wie erhofft. Siehe Beitrag von gestern Nachmittag.
  • Capitalism is under attack, and we move further away from capitalism with each presidential administration. For eight years the Obama administration disparaged the efficacy and fairness of capitalism. Government’s influence grew in every aspect of life. The cost of regulation doubled, corporate America was attacked to engineer social equality, and our health-care system was made even more inefficient.“ – bto: Oh man, was würde er wohl zu dem sagen, was hier bei uns passiert?
  • „The best tech companies in the world are in the U.S., thanks to the mix of education, immigration, finance and meritocracy. Is there a better example than Amazon? Its founder, an immigrant’s adopted son, is revolutionizing business. Capitalism is intolerant of high-cost providers, middlemen, rent seekers, and those who extract more value than their due.“ – bto: was man auch dann unterschreibt, wenn man nicht von „Kapitalismus“, sondern von Eigentumsökonomik oder Debitismus spricht.
  • „The U.S. allocates an ever-increasing share of national resources to government transfer payments. I spent two years visiting universities in an effort to get young people energized by the explosion in entitlements and their decreasing share of the economic pie. I got enthusiastic responses.“ – bto: Das ist der Unterschied zu uns. Bei uns würde er als neoliberal gegeißelt …
  • „(…) debt as a percentage of gross domestic product, which doubled in the past decade, is set in the decade ahead to increase to World War II levels, with no postwar reduction in sight. We will have sacrificed our future during a relatively peaceful period of economic growth because politicians can’t say no.“ – bto: und bevor die Leser von bto jetzt denken, bei uns wäre es ja besser, diese Erinnerung. Auch bei uns explodieren die verdeckten Schulden weiter, siehe die neuesten Rentengeschenke…
  • „For years a mix of financial repression and central-bank intervention has led to long-term interest rates largely determined by government fiat. Bond buying by central bankers, commonly referred to as quantitative easing or QE, has become part of the Fed’s conventional tool kit. A tool once reserved for depression or financial crisis is now to be used at the first inkling of a recession.“ – bto: So ist es. Geld vom Himmel regnen lassen ist die nächste Stufe. Und die kommt garantiert.
  • „(…) 40 years after economists and policy makers soundly rejected price controls in the industrial economy, we are allowing the most important price of all, long-term interest rates, to be distorted by public intervention.“ – bto: Und das gilt nicht nur für die USA, sondern faktisch weltweit. Das kann nicht gut gehen.
  • „This has meant that even years after the Great Recession ended, the Fed has not only kept interest rates below inflation but accumulated an unprecedented $4.5 trillion in assets via QE. Global central banks, in part to prevent their currencies from appreciating against an overly abundant dollar, followed with more than $10 trillion of their own QE.“  bto: So kann man es schön zusammenfassen, alle gemeinsam dabei die Geldordnung zu zerrütten.
  • „The irony is that over the past 700 years, world-wide inflation averaged marginally above 1% and interest rates a little below 6% (bto: wir hatten das auch auf diesen Seiten diskutiert: → Studie: Kommt die Zinswende, dann kommt sie schnell). We are seeing unprecedented ultraexpansionary monetary policy during a time of average inflation. Moreover, the three pernicious deflationary episodes of the past century did not start because inflation was too close to zero. They were all preceded by asset bubbles.“ – btoJA! Genau so ist es. Deflationäre Depressionen sind nicht die Folge der Deflation, sondern der Schulden!!
  • If I were trying to create a deflationary bust, I would do exactly what the world’s central bankers have been doing the past six years. I shudder to think of the malinvestment that has occurred. Corporate debt has soared, but most was used for financial engineering. Bankruptcies have been minimal, but who knows how many corporate zombies free money is keeping alive? Individuals have plowed ever-increasing sums into assets at ever-increasing prices.“ – bto: Auch das ist so richtig!
  • „Of all the interventions by the not-so-invisible hand of government, not allowing the market to set the hurdle rate for investment is the one I see with the highest costs. Competition is better than central planning at protecting consumers. (…) The government should get out of the business of controlling long-term interest rates and canceling market signals.“ – bto: richtig. Kleines Problem: Wir können es uns nicht leisten!

→ wsj.com: „Where’s the Invisible Hand When You Need It?“, 2. Mai 2018

13 Kommentare
    • Dietmar Tischer sagte:

      Es kommt letztlich nicht darauf an, wer den Euro scheitern lässt.

      Scheitert er, kommt es zuerst einmal darauf an, NICHT die Schuld dafür zu erhalten.

      Dazu gehört auch, nicht ersichtlich zu profitieren, wenn die anderen leiden.

      Insgesamt ein schwieriges Geschäft, das nicht kalkulierbar ist.

      Wir sind auf jeden Fall die ersten Anwärter schuldig zu sein, weil wir nun einmal das wirtschaftliche Schwergewicht sind und eine Vergangenheit haben, die Schuldzuschreibung einfach macht.

      Ein Weidmann als Präsident der EZB würde da noch etwas drauflegen, macht aber m. A. n. nicht den ganz großen Unterschied.

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      • Jacques sagte:

        @Dietmar Tischer

        Da muss man eben drüberstehen. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat der Deutsche den Drang bei allen beliebt zu sein. Wer aber „Everybody’s Darling“ sein will, der wird vor allem gerne von jedem ausgenommen.

        Die Italiener und Franzosen werden sich sicherlich etwas aufregen, meckern und lamentieren, aber im Grunde wissen sie das der Euro selbst eine Zwangsjacke war. Zudem brauchen sie ein prosperierendes Deutschland weiterhin, das darf man nicht vergessen. Nur mit entsprechendem Wohlstand kann in Italien Urlaub gemacht und italienische Luxusgüter gekauft werden. Wenn das mit harter D-Mark leichter bezahlt wird, umso besser und das wird keiner ablehnen.

        Im Grunde ist das sowieso nur eine Politik- und Mediengeschichte. Ich kenne jedenfalls keinen Italiener der böse auf uns wäre. Die schimpfen auf ihre eigene Politik und wundern sich sowieso was wir alles im Euro mitmachen.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Jacques

        Nichts gegen ein gesundes Selbstbewusstsein, aber die unvermeidlichen Anfeindungen einfach mal so abtropfen lassen, geht nicht. Zumal es nicht um Peanuts gehen würde, wenn die Währungsunion zerfällt.

        Gott sei Dank, dass die Zeit heilt.

        So war es in der Vergangenheit, so wird es auch in der Zukunft sein.

        Und am Ende des Tages, da haben Sie recht, geht es darum, wer leisten und liefern kann.

        Es ist nur zu hoffen, dass wir im Falle eines Falles in der Position wären, es zu können.

  1. MFK sagte:

    Der Vergleich China vs Sowjetunion ist ziemlich abwegig. Es gibt heute gute Studien, die aufzeigen, warum die alte UdSSR nach dem WK II noch eine Weile mit dem Westen gut mithalten konnte, dann aber stark abfiel. Die Industriepolitik des Ostens war an der Erfüllung des Plansolls orientiert. Wenn man bisher btw. 1 Million Flaschen produzierte und dieses Plansoll auf 2 Millionen erhöht wurde, hat man halt die doppelte Menge an Maschinen aufgestellt. Das war für das Management risikoloser als hohe Beträge in F&E zu investieren, um zu erreichen, mit einer Maschine 2 Millionen Flaschen zu reduzieren. So lange diese Maschinen Stand der Technik sind funktioniert das auch. Wenn man jedoch nicht oder nur unzureichend in F&E investiert wird man jedoch abgehängt. Die Folge war, dass man in russischen Behälterglasindustrie selbst in den 90igern noch überwiegend alte Rundläufermaschinen sah, die belgischen Maschinen nachgebaut wurden. Im Westen sind diese Maschinen längst von IS Maschinen ersetzt wurden, die nicht nur schneller und mit geringerem Materialeinsatz produzierten sondern auch flexibler einsetzbar waren und eine viel bessere Qualität produzierten. Letzteres zählte aber im Sozialismus nicht, weil der Abnehmer die Ware abnehmen musste, weil er keine andere Wahl hatte. Dieser Mechanismus war in allen Industriebereichen mit Ausnahme der Rüstungsindustrie zu beobachten und führte letztendlich zum wirtschaftlichen Absturz der UdSSR.

    China war jedoch schlau genug unter Deng Xiaoping sein Wirtschaftssystem frühzeitig auf ein privatwirtschaftlich orientiertes System umzustellen wobei man klugerweise mit der Landwirtschaft angefangen hat.

    Da hat Druckenmiller, der ansonsten oft richtig liegt, etwas im Transformationsprozess der ehemaligen kommunistischen Staaten nicht richtig verstanden. Chinas Probleme werden oder sind bereits aus den gleichen Gründen entstanden, wie im Westen. Die Probleme, die das Geldsystem verursacht, will er als Erzkapitalist natürlich nicht ansprechen, weil hierauf sein Geschäftsmodell beruht.

    Antworten
  2. Dietmar Tischer sagte:

    S. Druckmiller hat ein Weltbild und ein Erklärungsmuster, immerhin:

    Der Kapitalismus wird angegriffen und zum Schuldigen erklärt, obwohl nicht er, sondern die Regierungen die Schuldigen sind, weil sie ihn mit Regulierung, Transfers, Verschuldung etc. ineffektiv machen.

    Das ist viel zu einfach – und der Realität einfach nicht hinreichend angemessen.

    Er blendet fundamentale URSÄCHLICHKEIT aus.

    Druckmiller sollte zur Kenntnis nehmen, dass sich der Kapitalismus GEÄNDERT hat, nicht weil derartige Eingriffe geschehen sind, sondern weil er sich – weitgehend OHNE massiv behindernde regulative Eingriffe – in relativ kurzer Zeit auf noch nie dagewesene Weise durch die Globalisierung ERWEITERT hat. Außerdem gibt es auch in den USA Sättigungstendenzen und ein Demografieproblem.

    All das hat die Gesellschaft beeinflusst und Probleme hervorgerufen.

    Man kann sehr wohl sagen, dass die Regierungen nicht richtig darauf reagiert haben – zumindest nicht mit Blick auf ein nachhaltige Systemstabilität –, aber es sind im Wesentlichen den Problemen FOLGENDE, AKKOMMODIERENDE Maßnahmen, die von ihnen ergriffen wurden.

    Wenn Druckmiller, das von vorneherein AUSBLENDET, kann man ihn vergessen.

    Was wir hier von ihm lesen, ist bestenfalls ein Plädoyer für den „alten Kapitalismus“, aber keine Analyse der Gegebenheiten.

    Wer es geboten hält, für mehr Wettbewerb und Markt zu werben, der muss das anders tun als Druckmiller.

    Es beginnt m. A. n. mit der Einsicht, dass schmerzhafte Anpassungen erforderlich sind, um noch viel schmerzhaftere in der Zukunft zu verhindern.

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    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      Was die 14 Ökonomen vorgeschlagen haben, u. a. die Entkopplung des unheilvollen Zusammenspiels von Staat und Banken ohne haftendes Eigenkapital für Kredite an den Staat, sowie ein geordnetes Insolvenzverfahren für Staaten, wäre richtig – GEWESEN, wenn es vor der Einführung der Währungsunion realisiert worden wäre.

      Nur hätte es dann keine Währungsunion gegeben.

      Es HEUTE durchzusetzen, ist reines Wunschdenken.

      Kritik ist insofern angebracht.

      Allerdings kommt sie aus der falschen Ecke, wenn darauf bestanden wird, dass Staaten nicht pleitegehen dürfen, weil sie durch überbordende Fiskalpolitik die Nachfragelücke schließen müssen.

      Wer sich dazu bekennt, sollte zugeben, dass dies letztlich nur durch die Monetisierung der Staatsfinanzen möglich ist.

      Unterm Strich:

      Mal wieder eine Geisterdebatte, die wie üblich mit Diskreditierung und Diffamierung („ manische Fixierung radikaler Ideologen“) verkauft wird, weil angeblich der Finanzkapitalismus die Demokratie bzw. die Zivilgesellschaft angreift.

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