Die Macht der Demografie

Immer wieder habe ich daran erinnert, wie bedeutsam die demografische Entwicklung für künftiges Wachstum und Wohlstand ist. Dabei geht es nicht nur um die Milliarden von Rentenversprechen, für die nicht vorgesorgt wurde, sondern auch um die Fähigkeit, das Gemeinwesen weiter zu finanzieren, vor allem den großen Sozialstaat.

Die WELT wirft einen Blick auf die trüben demografischen Aussichten und kommt zu den nahe liegenden Forderungen, was wir tun müssten. Den Lesern von bto wohlbekannt:

  • Während Japan, Deutschland oder Russland mit einer starken Schrumpfung ihrer Bevölkerung kämpfen, können die Amerikaner in den kommenden Jahrzehnten weiter zulegen. Um 15 Prozent wächst ihre Zahl nach Berechnungen der Förderbank KfW bis zum Jahr 2050 – steter Zuwanderung und einer einigermaßen stabilen Geburtenrate sei Dank. Das federt die Last der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung ab, die in anderen Ländern voll durchschlägt. Minus vier Prozent heißt die ernüchternde Bevölkerungsprognose für Deutschland.“ – bto: weiterer wichtiger Unterschied. In den USA kann man nicht in das Sozialsystem einwandern, bei uns schon. Deshalb haben wir hier auch ein noch größeres Problem.

„Deutschland hat heute wenig mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung, in 50 Jahren dürfte dies nur noch ein halbes Prozent sein. Bis dahin wird Frankreich aller Voraussicht nach Deutschland als bevölkerungsreichstes Land der EU abgelöst haben. (…) Großbritannien legt um zehn Prozent, das vergleichsweise geburtenstarke Frankreich immerhin um vier Prozent zu. Nach Schätzungen der EU-Kommission werden all diese Länder Deutschland in den kommenden Jahrzehnten beim potenziellen Wirtschaftswachstum hinter sich lassen.“ – bto: was zur Frage führt, wer denn dann EU und Euro finanziert? Gut möglich, dass die anderen keine Lust mehr haben, wenn sie Geld nach Deutschland überweisen müssen. 

  • In Deutschland dagegen geht die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von heute knapp 52 Millionen laut Schätzungen von Destatis bereits in den kommenden 15 Jahren um vier bis sechs Millionen Menschen zurück. Ohne Nettozuwanderung würde die Zahl der Menschen zwischen 20 und 66 Jahren bis 2035 sogar um rund neun Millionen sinken. Die Zahl derer ab 67 Jahren nimmt dagegen kräftig zu – von heute rund 16 Millionen auf mindestens 21 Millionen im Jahr 2039. Immer weniger Junge müssen für immer mehr Alte sorgen, eine extreme Belastung für die Sozialsysteme.“ – bto: Wie immer wieder berichtet, fehlen zwischen 36 und fast 100 Milliarden Euro, die wir schon heute pro Jahr zurücklegen müssten, um die Beiträge in Zukunft stabil zu halten.
  • Ganz anders ist die Lage in den USA. Das Land profitiert seit Jahrzehnten von Zuwanderung, die den Rückgang der Geburtenrate auf derzeit rund 1,8 Kinder pro Frau mehr als ausgleicht. „Die USA haben es in ihrer Geschichte immer wieder geschafft, motivierte Einwanderer anzuziehen, sie zu qualifizieren und ihnen eine Chance zu geben, produktiv zu sein“, sagt Hubertus Bardt, Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln. Ein gutes Beispiel sind die Chinesen in den USA. Sie stellten laut Washingtoner Institut für Migrationspolitik (MPI) im Jahr 2016 mit 2,3 Millionen Menschen nach Mexikanern und Indern die drittgrößte Gruppe von Einwanderern. Besonders viele sind gut ausgebildet, kamen als Studierende oder mit von Arbeitgebern gesponserten Visa ins Land.“ – bto: Nun wissen wir, dass diese Auswanderer besonders motiviert sind, ganz anders als viele der Zuwanderer nach Deutschland, was mit den Anreizsystemen zu tun hat. Hier müssen wir das System dringend ändern. (Natürlich gibt es qualifizierte Zuwanderer nach Deutschland, aber eben auch viele, die nicht den erforderlichen Beitrag leisten/leisten können.)
  • „Schon jetzt sind die USA die mit Abstand größte westliche Ökonomie. Aktuell produzieren die Amerikaner 5,6-mal so viele Güter und Dienstleistungen wie die Deutschen, die ihrerseits Europas größte Volkswirtschaft stellen. Anfang der Neunzigerjahre war die US-Ökonomie auf Dollar-Basis etwas über dreimal so groß. (…) Das liegt an der höheren Innovationskraft der Amerikaner und natürlich auch an der unternehmerischen Dynamik, für die das Land der unbegrenzten Möglichkeiten berühmt ist.“ – bto: Ganz anders bei uns, belegen wir doch Platz 114 von 190 beim Thema „Unternehmensgründung“ im „Ease of doing Business Index“ der Weltbank. 
  • „Der volle Bremseffekt der Demografie wird in Deutschland erst in den nächsten zehn Jahren einsetzen, wenn die Babyboomer aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Das betrifft nicht nur die Ausgabenseite der Sozialsysteme, sondern auch die Einnahmenseite: Denn in dem Maße, wie die Menschen älter werden und es an jungen Arbeitskräften mangelt, geht die Produktivität in der Volkswirtschaft zurück.“ – bto: was wir schon merken, sind doch die Produktivitätsfortschritte auf null gefallen.
  • „Wie sehr Deutschland und andere Industrieländer betroffen sind, haben Wissenschaftler des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung Wien (Wifo) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ausgerechnet. Demnach muss die Bundesrepublik schon 2040 einen Verlust des Pro-Kopf-Einkommens von rund 3700 Euro hinnehmen. In absoluten Zahlen sind die Wohlstandsverluste massiv: Im Jahr 2040 fällt das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) laut Wifo und Bertelsmann in Deutschland voraussichtlich um 274 Milliarden Euro niedriger aus, als es bei konstanter Bevölkerung der Fall wäre. In den Jahrzehnten danach dürfte sich die demografiebedingte Lücke sogar noch schneller ausweiten. Wegen des steigenden Konsums ist spätestens in den 40er-Jahren des 21. Jahrhunderts mit einer deutlich anziehenden Inflation zu rechnen.“ – bto: Die Folgen sind ein unfinanzierbarer Sozialstaat, Flucht der Leistungsträger, massive Verteilungskonflikte.
  • „Dabei könnten, davon sind Ökonomen überzeugt, auch Länder mit schrumpfender Bevölkerung wirtschaftliche Champions sein – wenn sie es denn klug angehen. (Dazu) braucht ein Land eine Vielzahl von Instrumenten. Zuwanderung kann eines davon sein (…) Zusätzlich muss es gelingen, die Innovationskraft der Wirtschaft zu stärken. Dazu braucht es zum Beispiel ein gutes Bildungssystem, eine leistungsfähige Infrastruktur und genügend Kapital für Gründungen und Wachstumsunternehmen.“ bto: alles dass, was wir NICHT machen in Deutschland!
  • „(…) Frauen und Ältere müssten für den Arbeitsmarkt aktiviert werden, Menschen qualifiziert und gezielt Zuwanderer angeworben werden. Was den Kapitalstock betrifft, sind sowohl die privaten als auch die öffentlichen Investitionen noch sehr ausbaufähig. Hier hat Deutschland viel Nachholbedarf (…) Der technische Fortschritt schließlich könne helfen, Arbeitskräfte einzusparen. (…) Und das werde in Ländern wie Japan durchaus nicht als Bedrohung, sondern als Antwort auf Engpässe am Arbeitsmarkt gesehen.“ – bto: So ist es. Aber wir wollen nur die Welt retten, den Sozialstaat ausbauen und nicht in die Zukunft investieren

WELT: „Deutschlands globaler Abstieg scheint ausgemacht“, 1. Februar 2020

Kommentare (41) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    globali sagte:

    Die Problematik der Demographie wird sich in Deutschland durch Zuwanderung lösen. Im mittleten Osten, Asuen und Afrika gibt es genug junge Leute. Was Deutschland das Genick brechen wird ist der Sparwahn der Regierung. Dieser ist ausgelöst durch die Heerschar der Beamten die um ihre Pensionen fürchtet. Jrdoch werden die Leistungsträger abwandern, da Deutschland zu hohe Abgaben hat unf zu wenig zu bieten hat. Migranten mit zweifelhafter Ausbildung werden die Kopfahl konstant halten aber die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wird kollabieren.

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    Michael Stöcker sagte:

    @ ruby

    „Die Zahlungströme (Keen) und nicht wirkkichkeitsferne unvollständige Modelle ohne Finanzinstitutionen wie von Weizäckers – setzen.“

    Sie stehen davor und begreifen es scheinbar trotzdem nicht.

    Was fordert Keen? A modern debt jubelee (=QE4P=Citoyage). Wie soll es finanziert werden? Durch die Zentralbank: https://youtu.be/ocQWs8EteqI

    Was fordert von Weizsäcker am ZLB? Mehr Fiskalpolitik. Am ZLB ist Fiskalpolitik via Staatsanleihen zu 0,0 % Zinsen IDENTISCH mit dem „Drucken“ von Geld.

    Heißt was?

    An der Nullzinsgrenze ist es dem Bürger egal, ob er seine Ersparnisse zu 0 % auf dem Bankkonto liegen hat, in seinem Wäschefach oder aber zu 0 % in Form von Anleihen in seinem Wertpapierdepot.

    Merke: An der Nullzinsgrenze sind Anleihen und Bargeld beinahe perfekte Substitute.

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        ruby sagte:

        @Herr Stöcker
        Premium Equity (EK) hat konstante Zinserwittschaftung. Diese irre hohen Bestände müssen erstmal dedebted / entschuldet werden, bevor neue Initalschulden für die Beschäftigen&Unternehmen zu „guten“ Tilgungen+Zinsen=Annuitäten werden und zum Jubilieren ausserhalb des Banksektor mit seinem Finanziers werden können – Modern Debt= Capital Jubilee.
        Wir verstehen schon richtig, suchen die richtigen Wege.
        Klappt schon und die Demografie wie von Weizäcker darstellte ist wie hier diskutiert bei Credit Money from Banking gar keine notwendige Basis zur Schöpfung – wieder das Abstraktionsprinzip, das es zu verstehen gilt.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ ruby

        „Premium Equity (EK) hat konstante Zinserwittschaftung.“

        Sie schreiben mal wieder in kryptischen Rätseln. Wo bitte schön ist der Unterscheid zwischen Equity und Premium Equity? Oder meinen Sie vielleicht equity premium?

        Und warum sollte ein equity risk premium konstant sein???

        „Wir verstehen schon richtig, suchen die richtigen Wege.
        Klappt schon und die Demografie wie von Weizäcker darstellte ist wie hier diskutiert bei Credit Money from Banking gar keine notwendige Basis zur Schöpfung – wieder das Abstraktionsprinzip, das es zu verstehen gilt.“

        Ich verstehe gar nichts. Wie wäre es, wenn Sie sich einmal in klarer und allgemeinverständlicher Sprache üben, so dass auch ein schlichtes Gemüt wie ich in der Lage ist, Ihnen zu folgen. Danke.

        LG Michael Stöcker

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        ruby sagte:

        @Herr Stöcker
        Professor Homburg und seine Mitarbeiterin Knolle
        haben empirische Datenanalyse der Bloomberg Publikationen gemacht, die er in Frankfurt zum Beitrag erläuterte (Folie mit drei Ursachen).
        Hier noch ihr Vergleich der Zinssätze über Staaten
        https://mpra.ub.uni-muenchen.de/59520/
        Da ist nichts kryptisch.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ ruby

        „Da ist nichts kryptisch.“

        Das mag durchaus sein, war aber nicht das Thema, da es nicht um Homburgs Thesen ging, sondern um Ihre/rubys höchst persönlichen kryptischen Formulierungen, die nur selten mit den Regeln der Orthografie zu vereinbaren sind. Ich hatte hierzu KONKRETE Fragen gestellt, damit ich überhaupt versehen kann, was Sie mir mittteilen wollten. Insofern begreife ich nicht, warum Sie mit einem Link auf Homburg reagieren, anstatt meine Fragen zu beantworten.

        Und Homburgs These zum Thema Land und der angeblichen Unmöglichkeit der Überakkumulation ist nicht haltbar, wie von Weizsäcker im Streitgespräch mAn schlüssig dargelegt hatte. Homburgs Unverständnis zum Thema Geld und Kredit wird zudem in folgender Aussage deutlich:

        „Herr von Weizsäcker, Ihre Sparschwemmen-Theorie ist unhaltbar, weil Sie den Faktor Boden als Mittel für die Geldanlage ausblenden. Nehmen wir einmal an, die Ersparnisse wären tatsächlich größer als die Investitionen in Sachkapital. Dann fließen die Sparüberschüsse in den Erwerb von Grundstücken.“ https://www.wiwo.de/politik/deutschland/niedrige-zinsen-staatsschulden-ursache-oder-teil-der-loesung/13741164-2.html

        Und wer hält nach dem Erwerb von Grund und Boden die monetären Ersparnisse? Richtig: Es sind die Verkäufer der Grundstücke. Geld verschwindet nicht durch den Kauf von Grundstücken mit monetären Ersparnissen, sondern Geld verschwindet durch Kredittilgung. Ausnahme: Der Staat verkauft Land und tilgt damit Altschulden oder aber eine Geschäftsbank verkauft Land aus ihren Aktiva.

        Um den potentiellen Preisexzessen ein Ende zu bereiten, hatte Henry George bereits 1879 die Einführung einer Bodenwertsteuer empfohlen.

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        ruby sagte:

        Das Nullzinsszenario ist in der Wirklichkeit keine geeignetes Steuerungsinstrument. Der Junc wird sozialisiert, das Equity Premium fährt permanente Gewinnzinsen ein. Lösungen dieser divergierenden Entwicklungen stehen weiterhin auf der Agenda, theoretische reduktionistische unvollständige Modelle, die keine Funktionen vom Kredit (Schulden/Vermögen), Kq=rA×zG+iB+pM
        M=Money
        B=Boden
        G=Gewinn
        A=Arbeit
        K=Kapitalien sowie
        q,r,z,i,p = verschiedene Zinssätze,
        erklären bleiben rudimentär.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Stöcker

      „Merke: An der Nullzinsgrenze sind Anleihen und Bargeld beinahe perfekte Substitute.“

      Tapetenkleister und Knochenleim sind auch nahezu perfekte Substitute. Freiwillig essen würde ich trotzdem keines von beiden.

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „So ist es. Aber wir wollen nur die Welt retten, den Sozialstaat ausbauen und nicht in die Zukunft investieren.“

    Richtig, aber das ist nun mal eine demokratische Entscheidung der Bevölkerung. Und die ist zu respektieren, auch wenn es persönlich schwer fällt. Aber das kann sich in den nächsten Jahren auch wieder drehen, hat es ja in 80ern auch schon mal, wenn schlicht das Geld ausgeht. Ein paar Millionen Arbeitslose mehr durch die Autokrise, ein paar Blackouts aufgrund der Abschaltung grundlastfähiger Kraftwerke und etwas Inflation durch den Verfall des Euro gegenüber dem $; schon gewinnen harte Themen wieder die Oberhand. Wir verfrühstücken durch den Niedrigzinsboom nur gerade unsere Substanz und da das gefühlt relativ schmerzfrei (abgesehen von den Sparern) einhergeht, fehlt der Druck auf Politiker, Unternehmenslenker, Arbeitnehmer und Verwaltungsbedienstete. Kommt schon noch, der Masse fehlt bloß schon mal wieder die Sozialismuserfahrung und was sie für den eigenen Wohlstand bedeutet. Aber das machen (nicht nur) die Deutschen ja seit 1918 regelmäßig in Wellen. Und ob es dann gerade der „patriotische“ Sozialismus eines Björn Höcke mit Rentenabzügen je nach Pass entgegen dem Versicherungsprinzip oder der gegenwärtige internationale der versammelten Grünlinken ist, ist vermutlich für das wirtschaftliche Ergebnis egal. Die nächste Krise sollte eine Wende bringen, hat sie nach 1982 mit den Arbeitsmarktreformen, Privatisierungen bzw. Steuersenkungen unter Helmut Kohl auch getan.

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      Michael Stöcker sagte:

      Sorry, Frau Finke-Röpke, aber – so sehr ich Ihre Kommentare schätze – auch Sie kämpfen teilweise die Schlachten der Vergangenheit (Sozialismus vs Kapitalismus bzw. Freiheit oder Sozialismus).

      „Wir verfrühstücken durch den Niedrigzinsboom nur gerade unsere Substanz“

      Ich würde wie folgt formulieren:

      Wir verfrühstücken TROTZ des Niedrigzinsbooms unsere Substanz. Schuld daran ist ein ELEMENTARES Fehlverständnis für die Funktionsweise eines modernen Kreditgeldsystems in Verbindung mit dem Dogma der Schwarzen Null.

      „fehlt der Druck auf Politiker, Unternehmenslenker, Arbeitnehmer und Verwaltungsbedienstete.“

      Es fehlt nicht so sehr der Druck, sondern an aller erster Stelle das VERSTÄNDNIS. Insofern meine Empfehlung an Sie und alle anderen: Setzten Sie sich intensiv mit den Thesen von von Weizsäcker auseinander und informieren Ihre Abgeordneten vor Ort, damit wir endlich den Sprung aus der monetären Matrix schaffen und das Ganze nicht wegen kollektiver Verirrung vor die Wand fahren.

      Wie forderte seinerzeit Harry Truman:

      „Give me a one-handed economist!”

      Ich möchte diesen hoffnungsvollen Wunsch wie folgt ergänzen:

      Give me a one-handed economist with two eyes.

      Warum?

      Es gibt Zeiten, da richtet es vor allem die Geldpolitik (rechtes Auge/Friedman) und es gibt Zeiten, da richtet es vor allem die Fiskalpolitik (linkes Auge/Keynes). Mit Sozialismus hat das alles nichts zu tun, sondern mit simpler ökonomischer Logik, fernab aller politischen Vor- und Fehlurteile.

      Die saudämlichen Kommentare eines R. Ott – sorry, aber mehr fällt mir dazu wirklich nicht ein – können wir locker verkraften, nicht aber ein weiteres Fehlverständnis für elementare ökonomische/monetäre Zusammenhänge bei Menschen in politischer Verantwortung sowie insbesondere ihren ökonomischen Beratern.

      LG Michael Stöcker

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        Dieter Krauser sagte:

        @ Michael Stöcker
        Setzten Sie sich intensiv mit den Thesen von von Weizsäcker auseinander und informieren Ihre Abgeordneten vor Ort, damit wir endlich den Sprung aus der monetären Matrix schaffen und das Ganze nicht wegen kollektiver Verirrung vor die Wand fahren.

        Danke für den Hinweis auf das Buch SPAREN UND INVESTIEREN IM 21. JAHRHUNDERT von Carl-Christian von Weizäcker und einem Co-Autor, Herr Stöcker! Zwei Kapitel daraus – „Europa, der Euro und eine demografische Wende in Deutschland“ sowie „Weltökonomie nach dem Ende der Kapitalknappheit – Ein utopischer Entwurf“ – werde ich morgen mit ein paar anderen Dingen gleich an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet schicken! Bei „Mutti“ in Berlin, der bornierten „schwäbischen Hausfrau“, ist dazu aber wohl alles zu spät.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        „Die saudämlichen Kommentare eines R. Ott – sorry, aber mehr fällt mir dazu wirklich nicht ein – können wir locker verkraften, nicht aber ein weiteres Fehlverständnis für elementare ökonomische/monetäre Zusammenhänge bei Menschen in politischer Verantwortung sowie insbesondere ihren ökonomischen Beratern.“

        Ihr Wort in Gottes Ohr, Genosse Stöcker.

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Michael Stöcker:

        Sehr geehrter Herr Stöcker,

        Ihr Demokratieverständnis bevorzugt die Notenbankpolitik gegenüber der klassischen Fiskalpolitik in der aktuellen Situation; ich tue das nicht, das ist mir zu paternalistisch. Aber ich gestehe gerne zu, dass man Ihre Auffassung vertreten kann; ich halte sie nur für völllig weltfremd, aber das ist natürlich Ansichtssache. Wenn Sie so lange wie ich Politiker auf unterschiedlichen Ebenen des Gemeinwesens erlebt haben, ist man vielleicht desillusioniert, das gestehe ich gerne zu.

        Im Übrigen würde ich es begrüßen, wenn Sie die Aussagen von Herrn Ott, mit dem ich weiß Gott nicht immer einer Meinung bin, nicht mit Attributen wie „saudämlich“ belegen. Sie sind gebildet genug, eine weniger verletztende Wortwahl zu pflegen und trotzdem Ihre Kritik zum Ausdruck zu bringen.

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        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        Ach Gott, früher hätten die Planwirtschafts-Sozialisten Leute wie mich nach Sibirien deportiert oder in Berlin-Hohenschönhausen gefoltert. Man darf nicht so hohe Erwartungen haben, wenn es bei Beschimpfungen wie „saudämlich“ bleibt, ist das verglichen mit dem letzten Jahrhundert schon ein Fortschritt. Man gewöhnt sich an den Stil, ich komme schließlich aus Sachsen, das geht hier schon jahrelang so.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Susanne Finke-Röpke

        „Ihr Demokratieverständnis bevorzugt die Notenbankpolitik gegenüber der klassischen Fiskalpolitik in der aktuellen Situation;“

        Oh nein! Das ist ein fundamentales Missverständnis! Ich bevorzuge in der aktuellen Situation eindeutig die klassische Fiskalpolitik: Steuerliche Entlastung des Mittelstands sowie mehr kreditfinanzierte Investitionen.

        Würde die Fiskalpolitik ihre Hausaufgaben machen (können), wäre mein geldpolitisches Manifest völlig gegenstandslos. In Zeiten hoher Inflationsraten sollte die Geldpolitik dominieren und die Fiskalpolitik sich zurück nehmen und vice versa. Seit 2007/2008 sollte die Fiskalpolitik dominieren, tut es aber nicht wegen UNSINNIGER Regeln. Ergebnis dieser Politik ist ein anämisches Wachstum in Euroland bei gleichzeitigem Verfall der Infrastruktur.

        „Im Übrigen würde ich es begrüßen, wenn Sie die Aussagen von Herrn Ott, mit dem ich weiß Gott nicht immer einer Meinung bin, nicht mit Attributen wie „saudämlich“ belegen.“

        Es war diese Aussage von Herrn Ott, die ich mit diesem Attribut versehen habe:

        „„Merke: An der Nullzinsgrenze sind Anleihen und Bargeld beinahe perfekte Substitute.“

        Tapetenkleister und Knochenleim sind auch nahezu perfekte Substitute. Freiwillig essen würde ich trotzdem keines von beiden.“

        Was fällt Ihnen denn als adäquate Attribuierung dazu ein?

        Es gibt Situationen, da verliert man einfach schon mal die Fassung ob so viel „Tiefgang“: https://youtu.be/1oO6ecO7wTE

        LG Michael Stöcker

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        „Was fällt Ihnen denn als adäquate Attribuierung dazu ein?“

        Na, das war eine „brillante Analogie“. Die Leute werden Nullzinsanleihen und Helikoptergeld gleichermaßen verweigern, nämlich indem sie aus der so geschaffenen Weichwährung fliehen. Eine ähnlich starke Gegenreaktion wie bei wahlweiser Zwangsernährung entweder mit Tapetenkleister oder Knochenleim. Da hilft dann auch keine DDR-Werbung ala „Tapetenkleister ist sooo gesund!“, da fallen höchstens Veganer drauf rein…

        Klar, dass Sie solche Entgegnungen ärgern und sie die für „saudämlich“ halten. Das ist nämlich genau der Punkt, an dem Ihre schöne Theorie vom sozialistischen Gelddruck-Paradies an der Realität scheitert. Denken Sie an die Erfolgsgeschichten Weimarer Republik und Zimbabwe – schon die bloße Erwähnung dieser Beispiele sorgt ja auch schon für wütendes Gekeife vom linken Rand des Kommentatorenspektrums hier.

        PS: Auch von Strauß ist dieses schöne Zitat:

        „In unserer Position ist Faschismus und Nationalsozialismus, Marxismus und Kommunismus nichts anderes als eine verfeindete Verwandtschaft derselben Familie.“

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      Dieter Krause sagte:

      @ Richard Ott
      Sie sollten vielleicht auch mal hier in dem Blog Pause machen und temporärer Flüchtlingsbetreuer auf Lesbos werden oder, Herr Ott? Danach könnten Sie dazu gern noch einen Vortrag auf dem nächsten AfD-Parteitag halten! Es sind nicht alles Terroristen und Kriminelle, die da nach Europa wollen – auch Mediziner aus dem Iran sind darunter (heute morgen wurden einer im Deutschlandfunk interviewt).

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Krause

        Ja klar, Frauen, Kinder und Ärzte.

        Wie viele Ärzte sind es denn? Einer von zehntausend? Oder vielleicht sogar fünf?

        Und wovor „flüchtet“ ein iranischer Arzt, der offensichtlich durch die Türkei gereist sein muss? Etwa vor dem Krieg in Syrien?

        Dass Sie sich ganz heftig wünschen, irgendetwas zu glauben, macht das noch lange nicht zur Realität.

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    Friedrich Karl sagte:

    Sehr geehrter Dr. Stelter,

    Ihre Sichtweisen zur demografischen Entwicklung in D haben Sie schon öfters dargelegt. Meistens sind sie von einem gewissen Pessimismus gekennzeichnet (mMn).

    Grund zur Sorge besteht wohl, aber einige Aspekte sprechen auch dafür, daß wir nicht in Panik verfallen sollten:

    Ich beziehe mich auf die erwähnten Zahlen bei DESTATIS (hier konkret Variante 1 – G2-L2-W1).

    Zur Erinnerung: in Mio in D
    gesamt unter_20 20-67 ueber_67
    2020: 83,4* 15,3 51,8 16,2
    2040: 80,7* 14,6 44,8 21,4

    aus: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsvorausberechnung/Tabellen/variante-1-2-3-altersgruppen.html;jsessionid=726ACB7477101F8861D86DB1B2C3C9B2.internet731

    * Abweichungen bei der Summenbildung sind wohl auf Rundungsprobleme zurückzuführen

    In den letzten Jahren haben wir Deutschen, Sie haben das immer wieder bestätigt, viel mehr produziert als verbraucht (Stichwort Exportweltmeister).
    Man kann also davon ausgehen, daß ca. 51,8 Mio (minus der Nichtbeschäftigten, aber das wollen wir hier der zulässigen Vereinfachung weglassen) viel mehr als 83,4 Mio mit Waren und Dienstleistungen versorgen konnten.
    Im Jahr 2040 sind wir nach V1 DESTATIS noch 80,7 Mio wobei noch 44,8Mio im erwerbsfähigen Alter sein werden.

    Nach einem Überschlag stellt sich heraus, daß diese 44,8 Mio dann in der Lage sein werden Waren und Dienstleistungen für 80,7 Mio zur Verfügung zu stellen und das dafür keine (oder eine sehr geringe Steigerung der Produktivität) notwendig wäre. Allerdings bestünde dann kein Exportüberschuss mehr. Aber den halten Sie ja für eher schädlich als nützlich.

    Was denken Sie über diesen Ansatz?

    Friedrich Karl

    P.S. Und warum glauben wir immer, daß es uns schlechter gehen wird, wenn der Kuchen auf weniger Leute verteilt werden kann?

    Nachtrag: Ihre Forderung nach besserer Bildung – Aus- wie Weiterbildung – unterstütze ich ausdrücklich!

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      markus sagte:

      Das stimmt. Aber man solle auch Bedenken:

      – Wir besitzen quasi keine Rohstoffe. Wenn die teurer werden (Peak-Oil…), werden wir das mit „Mehrarbeit“ bezahlen müssen.
      – Die Produktivität wird überproportional sinken, weil der steigende Anteil des Pflegebereichs viel weniger rationalisierbar ist.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Friedrich Karl

      >Allerdings bestünde dann kein Exportüberschuss mehr.>

      Nicht nur das:

      Der Export wäre so drastisch gesunken und mit ihm die extrem hohen Erlöse, die nicht mehr in dem Umfang zur Finanzierung eines Sozialstaats, wie er besteht, zur Verfügung stehen würden.

      Denn es geht ja beim Exportrückgang nicht nur um verlorene Arbeitsplätze, die man durch Schaffung neuer in den Dienstleistungsbranchen kompensieren könnte, sondern – anders als in diesen Branchen – um solche mit außerordentlich hoher Wertschöpfung.

      Das ist m. A. n. ein in der Öffentlichkeit unterschätztes
      Problem.

      >Und warum glauben wir immer, daß es uns schlechter gehen wird, wenn der Kuchen auf weniger Leute verteilt werden kann?>

      Es geht uns UNABHÄNGIG vom durchschnittlichen Lebensstandard, also der Menge Kuchen pro Kopf, schlechter, wenn sich das Verhältnis derer, die den Kuchen backen zu denen, die nichts backen, sondern nur essen, verschlechtert.

      Die Backenden sind RELATIV schlechter auch dann dran, wenn sie sich an der Ihnen bei gerechter Verteilung zustehenden Menge Kuchens überfre**** würden.

      Das Problem, das daraus entsteht, nennt man Verteilungsproblem und nicht Mangelproblem.

      Verteilungsprobleme destabilisieren Gesellschaften, Mangelprobleme auch, aber nicht immer in dem Ausmaß wie Verteilungsprobleme.

      Menschen orientieren sich am Nachbarn und vergleichen sich mit ihnen.

      Wenn alle zuwenig zu kauen haben, ist das weniger schlimm für das Zusammenleben, als wenn einige meinen, sie müssten sich für andere abrackern.

      Antworten
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    Dietmar Tischer sagte:

    > „Während Japan, Deutschland oder Russland mit einer starken Schrumpfung ihrer Bevölkerung kämpfen, können die Amerikaner in den kommenden Jahrzehnten weiter zulegen. Um 15 Prozent wächst ihre Zahl nach Berechnungen der Förderbank KfW bis zum Jahr 2050 – steter Zuwanderung und einer einigermaßen stabilen Geburtenrate sei Dank. Das federt die Last der fortschreitenden Alterung der Bevölkerung ab, die in anderen Ländern voll durchschlägt>

    So einfach ist das nicht – Quantität ist nicht Qualität.

    Was ist, wenn in USA von den 15% eine großer Zahl zu Kriminellen wird oder dem Drogenkonsum so sehr verfällt, dass sie nicht produktiv ist?

    Da wird nicht Last abgefedert, sondern Last kommt hinzu.

    Was ist, wenn wir zukünftig Menschen nicht mehr in das Sozialsystem einwandern lassen – zugegebenermaßen schwierig in der EU – und gleichzeitig motivierte, relativ gut ausgebildete Menschen einwandern lassen?

    Bis auf weiteres schaffen wir das z. B. mit Bauhandwerkern aus Osteuropa und mit Pflegepersonal aus Osteuropa, Vietnam und Mexiko.

    Kurzum:

    Die Zahlen ALLEIN besagen überhaupt nichts.

    >Nach Schätzungen der EU-Kommission werden all diese Länder Deutschland in den kommenden Jahrzehnten beim potenziellen Wirtschaftswachstum hinter sich lassen.“ – bto: was zur Frage führt, wer denn dann EU und Euro finanziert? >

    Es führt vielmehr zu der Frage, ob es dann noch die EU und den Euro gibt.

    Wenn nicht früher, wird es sie dann nicht mehr geben, wenn insbesondere das Wachstum in Frankreich kleiner ist als der Bevölkerungszuwachs.

    Denn dann wird Frankreich nichts mehr außerhalb seiner Grenzen finanzieren wollen.

    >Immer weniger Junge müssen für immer mehr Alte sorgen, eine extreme Belastung für die Sozialsysteme.“ – bto: Wie immer wieder berichtet, fehlen zwischen 36 und fast 100 Milliarden Euro, die wir schon heute pro Jahr zurücklegen müssten, um die Beiträge in Zukunft stabil zu halten.>

    Da extreme Belastung wird dadurch gemindert werden, dass immer mehr Alte einen Beitrag zum BIP leisten, statt NUR zu konsumieren.

    Harte soziale Auseinandersetzungen werden dafür sorgen, dass sie das begreifen.

    >„Die USA haben es in ihrer Geschichte immer wieder geschafft, motivierte Einwanderer anzuziehen, sie zu qualifizieren und ihnen eine Chance zu geben, produktiv zu sein“ …Ein gutes Beispiel sind die Chinesen in den USA.>

    Die Geschichte der USA ist Geschichte.

    Die heutige Realität:

    Die USA sind ein zu tiefst gespaltenes Land.

    Die USA sind nicht einmal fähig, viele der EIGENEN Abgehängten und insbesondere deren Kinder zu integrieren. Die Gewalt in manchen Großstädten übersteigt teilweise ALLES, was in zivilisierten Gesellschaften anzutreffen ist.

    Fazit:

    Der Beitrag ist nicht sehr hilfreich, soweit er auf andere Länder als BESSERGESTELLTE deutet.

    ALLE haben enorme Probleme.

    Der Punkt ist:

    WIR tun nicht das, was wir tun MÜSSTEN, um die Probleme zu mindern.

    Der DRAMATISCHE Punkt ist:

    Wir tun das, was wir tun müssten, nicht zu einer Zeit, in der die Anpassungsprozesse noch relativ beherrschbar sind, sondern schieben die Probleme in die Zukunft.

    Da das alle zwar unterschiedlich, aber mehr oder weniger so tun, wird der WETTBEWERB zwischen alternden Gesellschaften möglicherweise lauten:

    Wer kommt mit seinen KAUM bis NICHT mehr beherrschbaren Problemen am besten zurecht?

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      Horst sagte:

      „Da wird nicht Last abgefedert, sondern Last kommt hinzu.“

      Im Fall der USA ist dies unzutreffend, da weder Sozial- noch Gesundheitssystem nach den Maßstäben der BRD entwickelt sind. Die „Last“ ist sich weitestgehend selbst überlassen.

      „Die USA sind ein zu tiefst gespaltenes Land.“

      Auch diese Wahrnehmung trifft weitestgehend auf meine, nach zwei Monaten an der Ostküste und 1.500 erlaufenen Kilometern, die USA sind ein tief gespaltenes Land.

      „bto: So ist es. Aber wir wollen nur die Welt retten, den Sozialstaat ausbauen und nicht in die Zukunft investieren.“

      Wir retten nicht die Welt, sondern in letzter Konsequenz uns selbst. Eine solche Rettung ist weniger die Frage nach der Moral, sondern eher die Frage nach einem Selbsterhaltungstrieb. Wäre Ihnen dieser Umstand bewußt, Sie kämen nicht auf den Gedanken, eine solche Aussage zu formulieren.

      Ebenfalls: Man kann die Globalisierung nicht in all ihren Facetten begrüßen und parallel auf Abschottung (auf die es hinausließe) setzen.

      „Jaja, the grass is always greener on the other side. Der Bodensatz kommt auch bei Ihnen in den USA reichlich an, Sie merken es nur noch nicht, weil diese Leute so selten in Ihrem Whole Foods einkaufen gehen…“

      Das erste Mal, das ich mich mit einer Aussage des Foristen Ott identifizieren kann.

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  6. Avatar
    Michael Stöcker sagte:

    Die Macht der Staatsverschuldung!

    Dass ich von Weizsäcker für brillant halte, sollte die regelmäßigen Leser dieses Blogs nicht erstaunen (Prof. Sinn ist der Ansicht, er hätte für seine Arbeit aus den 60er Jahren den Nobelpreis verdient).

    Nachdem vor 2 Wochen Peter Bofinger die kopernikanische Wende ausgerufen hat, hat nun Carl Christian von Weizsäcker letzten Donnerstag nochmals nachgelegt (vielen Dank an ruby für den Link). Mehr dazu hier: https://zinsfehler.com/2020/03/02/fiskalische-konterrevolution/

    Die zentralen Aussagen zur Staatsverschuldung passen nicht in Gänze zu den Forderungen von Daniel Stelter, da von Weizsäcker nicht nur die Investitionen in den Fokus nimmt, sondern zugleich den Konsum.

    Insofern freue ich mich – sofern Sie sich herausgefordert fühlen und es Ihre Zeit zulassen sollte – auf eine Replik von Ihnen, Herr Dr. Stelter, in der Sie Ihre Positionen mit denen von von Weizsäcker abgleichen.

    LG Michael Stöcker

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      ruby sagte:

      @ Herr Stöcker,
      die 3 h Veranstaltung mit 6 Ökonomen hat mir bewusst gemacht, dass Ihr Weizäcker ausgezählt wurde und die anderen versuchten, Zinsen zu erklären, die mit Tilgung Annuitäten ergeben, die erwirtschaftet werden müssen, aber Money aus dem Nichts sind (Richard Werner). Und Stagflation wurde nicht testiert.
      „Neusrech statt Altsprech“ Zitat von HW Sinn!
      Neue Staatsverschuldung ist nicht die Lösung, sondern Teil der Ursache = Kredite ohne Bonität, ob privat oder öffentlich.
      Die Eigenkapitalverzinsung liegt konstant bei über 5% und mehr.
      Die Zahlungströme (Keen) und nicht wirkkichkeitsferne unvollständige Modelle ohne Finanzinstitutionen wie von Weizäckers – setzen.
      Lebbe geht weiter.

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    Tobias W. sagte:

    Selbst, wenn in Deutschland endlich vernünftige Zuwanderungspolitik gemacht wird, heisst das noch lange nicht, dass dann auch Zuwanderer kommen.

    Dazu müsste Deutschland als Umfeld für Ausländer außerhalb des Schengenraums attraktiver werden. AfD, Leitkulturdebatten, rechtsextreme Morde – all das hilft nicht. Dazu kommt, dass man mit deutscher Kultur und Sprache kaum ausländische Leistungsträger nach Deutschland lockt. Ein Jens Spahn, der sich über Berliner Hipster aufregt, die in der Berliner Öffentlichkeit Englisch sprechen, offenbart das Ausmaß deutscher Arroganz – eine Arroganz, die man sich in Deutschland nicht leisten kann.

    Und dann das lächerlich niedrige Lohnniveau und die hohen Steuern, Abgaben und Lebenshaltungskosten in Deutschland! Es lohnt sich einfach nicht, nach Deutschland zu kommen. Es lohnt sich für die meisten jungen Akademiker ja eigentlich kaum noch in Deutschland zu bleiben!

    Im Gegenzug dazu die USA: in wichtigen akademischen Berufsfeldern verdient man dort fast doppelt so hohe Mediangehälter und in vielen Bundesstaaten ist die Steuer- und Abgabenlast halb so hoch wie in Deutschland. Dazu ein Umfeld, das extrem tolerant gegenüber Vielfalt ist, vor allem in den Regionen, in denen wirtschaftlich die Musik spielt.

    Zuwanderung – auch gesetzlich gut gesteuert – wird das Problem in Deutschland nicht lösen. Viele deutsche Unternehmen haben das bereits erkannt und siedeln ihr Kerngeschäft und die Wertschöpfungskette dort an, wo sie die Mitarbeiter finden, die sie brauchen: in den USA, Indien und China. Beispiele: VW mit Entwicklungszentren in China, die in den nächsten Jahren tausende Softwareentwickler beschäftigen sollen. Oder die Deutsche Telekom, die ihre Softwareentwicklung zunehmend nach Indien auslagert.

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      Richard Ott sagte:

      @Tobias W.

      „Leitkulturdebatten“

      Ach, in den USA gibt es wohl keine Leitkultur? Da wird vor jedem Football-Spiel die Nationalhymne abgesungen, wenn Sie etwas Ähnliches in Deutschland vorschlagen, sind Sie schon unter Rechtsextremismus-Verdacht.

      „Dazu ein Umfeld, das extrem tolerant gegenüber Vielfalt ist, vor allem in den Regionen, in denen wirtschaftlich die Musik spielt.“

      Es macht einen entscheidenden Unterschied, ob in eine Region hochqualifizierte Wissenschaftler und Ingenieure einwandern oder geringqualifizierte Wirtschaftsmigranten. Stellen Sie sich mal vor, was passieren würde, wenn man die Migranten aus El Paso an der mexikanischen Grenze nach Seattle verfrachten würde und dafür die Softwareentwickler nach Texas. Ich glaube nicht, dass Sie dann immer noch das Loblied auf „die Vielfalt“ singen würden, es sei denn, Sie werden von den Drogengangs zu entsprechenden Äußerungen erpresst. Dafür wird immerhin das Kokain billiger.

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        Tobias W. sagte:

        Au weia. Sind Sie sicher, dass sie alle deutschen Stereotypen über Amerika in Ihren Beitrag gequetscht haben? Vielleicht nochmal ein oder zwei Simpsons Folgen schauen und prüfen, ob Sie nicht doch noch einen Stereotypen der Pop-Kultur übersehen haben!

        Das Wort „Leitkultur“ hat sie ziemlich getriggert, oder?

        Wollen Sie wissen, was die Leitkultur der USA ist, nach der sich Einwanderer ausrichten? The American Dream. Vom Tellerwäscher zum Millionär. Das und nicht mehr.

        Und weil es so eine Leitkultur in Deutschland nicht gibt, müsst Ihr in Deutschland mit der Lupe nach den Nuggets im Bodensatz der internationalen Migration suchen, weil die Goldadern an Euch vorbeiwachsen.

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        Richard Ott sagte:

        @Tobias W.

        „Vielleicht nochmal ein oder zwei Simpsons Folgen schauen und prüfen, ob Sie nicht doch noch einen Stereotypen der Pop-Kultur übersehen haben!“

        Na, getriggert klingen eher Sie. Gibts eigentlich „The San Francisco Street Shitting Hobos“ auch schon als Netflix-Serie oder müssen wir auf diese Dokumentation linker „jeder kann rein“-Migrationspolitik noch ein bisschen warten?

        „Wollen Sie wissen, was die Leitkultur der USA ist, nach der sich Einwanderer ausrichten? The American Dream. Vom Tellerwäscher zum Millionär. Das und nicht mehr.“

        Daran glauben Sie vielleicht noch – und Ihre indischen Kollegen mit H-1B-Visa vermutlich mehrheitlich auch. Aber fragen Sie mal die Putzfrau in Baltimore oder den Kriegsveteranen in Kentucky. Die schütteln den Kopf und lachen Sie aus.

        Sie machen den Fehler, dass Sie von Ihrer eigenen Einwanderungserfahrung auf die gesamte Gesellschaft verallgemeinern wollen. Die meisten Einwanderer sind aber nicht so wie Sie, nicht mal annähernd.

        „Und weil es so eine Leitkultur in Deutschland nicht gibt, müsst Ihr in Deutschland mit der Lupe nach den Nuggets im Bodensatz der internationalen Migration suchen, weil die Goldadern an Euch vorbeiwachsen.“

        Jaja, the grass is always greener on the other side. Der Bodensatz kommt auch bei Ihnen in den USA reichlich an, Sie merken es nur noch nicht, weil diese Leute so selten in Ihrem Whole Foods einkaufen gehen…

    • Avatar
      Martin S. sagte:

      @Tobias W.

      Ach was, ich kenne noch die Studenten aus Vietnam, Indonesien, auch arabischen Ländern, die zuhauf in den 70er-Jahren an deutschen technischen und medizinischen Unis studiert haben. Die hatten Englisch schon gekonnt, haben teils exzellent Deutsch gelernt. Da war nichts mit Arroganz, das war einfach selbstverständlich. Ich habe in einem internationalen Konzern in Deutschland mit über 30 Nationalitäten zusammengearbeitet – in Deutsch und Englisch. Natürlich sind von den damaligen Studenten die meisten zurück, die vietnamesischen Studenten aber sind nach dem Fall von Südvietnam in Deutschland geblieben oder in die USA emigriert. Wer hier geblieben ist hatte einen guten Job offen in der Industrie.

      Das wirkliche Problem ist, dass Deutschland nicht mehr wissenschaftlich attraktiv ist, gerade in Informatik, Kommunikationstechnik, uvm.. Ebenso dürfte sich herumgesprochen haben, dass das Land in Bürokratie, Steuern u.a. erstickt. Wer ist schon so blöd, den deutschen Wasserkopf zu finanzieren?

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    Richard Ott sagte:

    WELT: „Während Japan, Deutschland oder Russland mit einer starken Schrumpfung ihrer Bevölkerung kämpfen, können die Amerikaner in den kommenden Jahrzehnten weiter zulegen. Um 15 Prozent wächst ihre Zahl nach Berechnungen der Förderbank KfW bis zum Jahr 2050“

    Wieso erstellt eigentlich die staatseigene deutsche Förderbank KfW Bevölkerungsprognosen für die USA? Haben die nichts zu tun und müssen ihre Leute irgendwie beschäftigen?

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      Tobias W. sagte:

      In einer globalisierten und eng vernetzten Welt, wäre es doof das nicht zu tun. Und wahrscheinlich ist die Bank mit ihren Kunden auch in den USA gut investiert – es wäre ebenfalls doof, das nicht zu tun.

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        Richard Ott sagte:

        @Tobias W.

        Ach, die KfW macht anteilsmäßig so wenig Geschäft in den USA (außer wenn sie nach der Pleite Geld an Lehman Brothers überweist, hähähä..), da würde es auch reichen, einfach Zahlen vom US Census Bureau zu übernehmen.

        Ich glaube eher, das ist eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. In behördenähnlichen Strukturen wie der KfW wollen eine Menge Leute beschäftigt werden, ob sinnlos oder nicht, ist da erstmal egal. Die Quotenfrauen, die auf SPD-Parteiticket in der KfW sind, sollte man ohnehin vom operativen Geschäft fernhalten, sonst kann es Fehler geben, die richtig teuer werden.

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        Tobias W. sagte:

        Viele Kunden der KfW werden aber die USA als Zielmarkt für ihre Waren und Dienstleistungen haben – da ist es schon nützlich zu wissen, wie es dort um die demografische Entwicklung bestellt ist.

        Ich denke, der Aufwand für die USA Prognose ist in jedem Fall gerechtfertigt. Mann kann es drehen und wenden, wie man will – Europa und Deutschland sind immer von der Entwicklung in den USA abhängig – andersherum ist das nicht unbedingt der Fall.

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      Dieter Krause sagte:

      @ Richard Ott
      Wieso erstellt eigentlich die staatseigene deutsche Förderbank KfW Bevölkerungsprognosen für die USA? Haben die nichts zu tun und müssen ihre Leute irgendwie beschäftigen?

      Es gibt sogar eine GTAI in Deutschland, die Folgendes macht (mit Ihren Steuergeldern, Herr Ott!):

      360 Mitarbeiter an 50 Standorten weltweit – Germany Trade & Invest (GTAI) ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland. Mit über 50 Standorten weltweit und einem starken Partnernetzwerk unterstützt GTAI deutsche Unternehmen bei ihrem Weg ins Ausland, wirbt für den Standort Deutschland und begleitet ausländische Unternehmen bei der Ansiedlung in Deutschland.
      https://www.gtai.de/gtai-de

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Krause

        Und was hat das mit der KfW zu tun?

        Oder hat GTAI auch zu viel Geld im Budget übrig und verschwendet es mit der Erstellung einer eigenen Bevölkerungsprognose für die USA?

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