Die EZB sollte den Banken die faulen Kredite abkaufen

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Im Rahmen einer Veranstaltung habe ich vor einigen Tagen Professor Richard Werner kennengelernt. Er lehrt derzeit an der University of Southampton und ist Autor vieler Veröffentlichungen zur Geldpolitik und zum internationalen Banking. Er arbeitete lange Jahre in Japan und gilt als Erfinder des „Quantitative Easing“.

In einem Gespräch mit der F.A.Z. hat er schon 2014 seine Thesen dargelegt, die – wie ich finde – nichts von ihrer Aktualität verloren haben:

  • Die EZB „hätte schon vor zwei Jahren aktiv werden müssen und gezielt die schlechten Kredite kaufen. Stattdessen haben wir mit vielen Milliarden Steuergeld die Banken gerettet, was ziemlich absurd gewesen ist. Der Weg über die Zentralbank wäre viel günstiger gewesen und ist es noch. (…) Besser wäre es, die Notenbank kaufte je nach Bank ganz spezifisch die schlechten Kredite auf. Das wäre wirkungsvoller und würde die Institute schneller wieder gesund machen. Und zwar sollte sie womöglich auch zum Nominalwert kaufen, das würde den Instituten am meisten helfen.“ – bto: Das, so finde ich, ist ein sehr interessanter Gedanke. Ich selbst habe 2010 – damals noch bei BCG – vorgeschlagen, dass die US-Notenbank den Immobilienbesitzern eine Verkaufsoption zum Einstandspreis einräumt. Die Krise wäre sofort zu Ende gewesen und die Kosten würden auch hier viel geringer.
  • „Wenn Banken vom Staat saniert werden, wie dies bei der Commerzbank und anderen Banken passiert ist, dann zahlen wir Steuerzahler. Wenn es die Zentralbank tut, dann nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie hierbei zur Kasse gebeten werden, ist praktisch null. Dafür gibt es mehrere Gründe.“
  • „Erstens muss die Notenbank nicht so bilanzieren wie eine Geschäftsbank. Sie kann Wertpapiere lange, auch bis zum Laufzeitende in nicht selten vielen Jahren, zum Nominalwert bilanzieren. (…) Zweitens bedeutet eine Abschreibung auf ein Wertpapier noch lange nicht, dass die Notenbank insgesamt einen Verlust erzielt. Dafür sind ihre gesamten Wertpapiergeschäfte maßgeblich, von denen jede Zentralbank kontinuierlich viele durchführt. Und drittens bedeutet sogar ein Zentralbank-Verlust nicht, dass irgendein Steuerzahler zur Kasse gebeten würde. Da müsste schon das ganze Eigenkapital aufgezehrt sein und selbst dann ist die Sache nicht klar. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass die Aufgabe der Zentralbanken es nicht ist, Profite zu erwirtschaften – das wäre zu einfach: Dann brauchte sie nur Geld zu drucken. Wenn sie eine Lizenz zum Gelddrucken hätten, könnten sie auch leicht Gewinne produzieren. Aus demselben Grund sind theoretisch buchbare Verluste von Zentralbanken keine echten Verluste.“ – bto: Deshalb auch die Idee von Adair Turner und anderen, die Staatschulden in der Bilanz der Notenbank einfach zu annullieren.
  • Natürlich ist das keine konservative Geschäftspolitik. Aber: „Leider geht es hier nun um eine Zentralbank, welche diese guten Vorsätze bereits vor zehn Jahren in den Wind schrieb, und 30 Prozent Kreditwachstum in Irland, Portugal, Spanien und Griechenland über Jahre zuließ – also keine konservative Zentralbank. Und da muss man manchmal robustere Methoden anwenden, um derartig schwerwiegende – obwohl absehbare – Fehler auszumerzen.“ – bto: Klarer kann man es nicht auf den Punkt bringen.
  • Der Vorteil für die Banken ist klar: „Es würde ihnen einen Gewinn bringen, den sie einsetzen könnten, um ihre Kapitalbasis zu stärken. Die Banken würden saniert werden ohne Verwendung von Steuergeldern, und sie könnten dann wieder Kredite für produktive Zwecke, insbesondere an kleine und mittelständische Unternehmen, vergeben. Im Gegenzug würden ihnen Auflagen gemacht für ihre Kreditvergabe.“ – bto: Werner verbindet es mit einem Systemwechsel, was ein enormer weiterer Vorteil gegenüber der heutigen Politik wäre.
  • „Sie muss akzeptieren, dass die EZB erstens ihre Geschäfte überwacht und zweitens bereit sein, ihr Gebaren auf die elementare Aufgabe zu konzentrieren, die Banken in einer Marktwirtschaft haben. Die Bereitstellung von Krediten für Investitionen.“ – bto: Damit kämen wir weg vom kurzfristigen Doping und würden nebenher auch die Vermögenswerte wieder auf ein normales Niveau bringen.
  • „Sie würden keine Kredite mehr vergeben etwa für den dann gehebelten Kauf von Wertpapieren und auch nicht für Konsumzwecke, denn beides steigert am Ende nicht unsere reale Wirtschaftsleistung.“ – bto: Bingo!
  • Durch diese Kreditlenkungspolitik erzielte Japan sein Wirtschaftswunder, wurde die kleine Insel Taiwan ein Wirtschaftsgigant, eroberte Korea die Weltmärkte und wurde China schließlich eine globale Wirtschaftsmacht, die der USA den Rang abläuft.“– bto: O. k., heute wissen wir, dass auch in China ein guter Teil der Kredite unproduktiv war. Dennoch ein richtiger Gedanke.

F.A.Z.: Ökonomen im Gespräch (8): Richard Werner über die Kreditkäufe der EZB“, 15. Oktober 2014

Mittlerweile wissen wir auch, dass der EZB ohnehin nichts anderes übrig bleiben wird, Anleihen schlechterer Qualität aufzukaufen, weil es sonst schwierig wird, etwas zu kaufen. Die Bank of America hat nachgerechnet:

Dann doch lieber gleich den Banken den Müll abkaufen?

→ Zero Hedge: „BofA Explains Why The ECB Will Be Forced To Buy Junk Bonds“, 22. März 2016

13 Kommentare
  1. Katalin says:

    Hallo,

    Herr Dr. Stelter ich will Sie hier ausdrücklich loben, davon haben Sie ja nichts, aber ich tue es trotzdem.

    1. Sie sind mit Ihrer Theorie auf dem neusten Stand, die Sinn macht und auch ziemlich gut begründet ist (ob Sie stimmt, ist eine andere Frage)
    2. Sie verlinken und kommentieren Meinungen und Standpunkte von besten Ökonommen aus den besten Wirtschaftszeitungen , national wie auch international. Mir ist kein zweites Blog im deutschspr. Raum bekannt, der das auch macht.
    3. Sie ragieren und antworten sogar auf die Kommentare Ihrer Leser
    4. Ich habe in Ihrem Blog sehr viel gelernt

    Es gibt 3 Erklärungssansätze für die Krise:

    1. Nachfrageorientiert: Vertreter Flassbeck
    Vertreter Länder: Südeuropa, USA, GB d.h. Defizitländer
    Ungerechte Einkommens- und Vermögensverteilung, Fehlende Nachfrage, Durch zuviel
    Deregulierung erzeugtes Marktversagen, Lohndumping

    2. Angebotsorientiert: Vertreter Prof. Sinn
    Vertreter Länder: BRD d.h. Überschußländer
    Fehlende Strukturreformen, Fehlende bzw. Falsche Anreize, zuviel Regulierung, Euro

    3. Durch unser Geldsystem (Notenbanken und Priavtbanken) begünstigte Verschuldung
    Eine Mischung aus 1. und 2. Fehlende Strukturreformen und durch falsche Geldpolitik
    erzeugte Vermögensungleichheit.
    Hauptproblem: Vermögenspreisblasen, und Konsumentenkredite
    Vertreter: Stelter, Meier (ehemals Dt. Bank)
    Vertreter Länder: BRD

    „ha, was man so alles macht bei einem kostenlosen Angebot. „Bitte um Kommentar von Herrn Dr. Stelter“.

    Ich würde es gut finden, wenn es eine Seite geben würde, wo die die Experte Ihren Standpunkt vertreten würden und miteinander diskutieren würden, d.h. Fragen stellen und beantworten würden und wäre auch sofort bereit für so ein Forum oder Blog Gebühren zu bezahlen, denn wenn ich nur Ihren Blog lese, dann übernehme ich automatisch Ihre Sichtweise, da ich aufgrund fehlenden Fachwissens nicht in der Lage bin zu beurteilen ob sie stimmt oder nicht. Bei einer Diskussion unter Experten könnte ich mich der Meinung anschließen die besser begründet ist.

    Ich habe dem Herrn Flassbeck ihre Kommentare auch verlinkt und um seine Meinung gebeten. Keine Antwort. Beim Herrn Flassbeck darf man nicht mal kommentieren, nach dem Motto und alter guter Sozimanier, meine Meinung ist immer richtig und es gibt nichts zu diskutieren.

    Gruß

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      @ Katalin

      Wenn man Ihre Kategorisierung der Erklärungsansätze zugrunde legt, kann man schließen:

      a) 1 und 3 passen nicht zusammen, weil die durch die Geldpolitik ermöglichte Verschuldung der Peripherie (erheblich niedrigere Zinsen durch Eliminierung des Abwertungsrisikos) nicht zu fehlender Nachfrage, sondern zu gesteigerter geführt hat.

      und

      b) 2 und 3 passen zusammen – und lassen sich auch EMPIRISCH belegen.

      Noch hinzuzufügen ist, auf was H.-W. Sinn verweist:

      Die Verschuldungszunahme in der Peripherie hat dort zu einer INFLATIONIERUNG geführt, die eine zügige „interne Abwertung“ aussichtslos erscheinen lässt. Denn die mit der Kreditvergabe eingegangen nominalen Schuldverhältnisse, lassen sich nicht einfach umstellen. Damit ist auch keine schnelle Wettbewerbsfähigkeit über Preisanpassungen zu erreichen.

      Antworten
      • Katalin says:

        Hallo,

        ich habe versucht eine Kategorisierung vorzunehmen für die Finanzkrise in erster Linie:

        1. Problem der fehlenden Nachfrage aufgrund ungerechter Einkommensverteilung.
        Schulden sind hier nicht so wichtig ins. beim Staat, man befürwortet sogar mehr Schulden

        2. Es liegt nicht an der Nachfrage, sondern die Angebotsseite muss gestärkt werden, damit die Untern. mehr investieren und Arbeitsplätze schaffen, die Nachfrage kommt automatisch
        Schulden und Geldsystem werden nur indirekt thematisert

        3. Das Hauptproblem sind Schulden und das Geldsystem, d.h. falsche Anreize die das Verschulden befördern. Dies führt zu
        Vermögenspreisblasen und Überkapazitäten, was wiederrum zu Einkommensungleicheit und somit Nachfragemangel (Nachfrage) und aufgrund fehlender Bereinigung zu Überangebot (künstliches Angebot) und Deflation.

        „a) 1 und 3 passen nicht zusammen, weil die durch die Geldpolitik ermöglichte Verschuldung der Peripherie (erheblich niedrigere Zinsen durch Eliminierung des Abwertungsrisikos) nicht zu fehlender Nachfrage, sondern zu gesteigerter geführt hat. “

        Die Verschuldung der Peripherie (so die Vertreter dieser These) war so gewollt, denn sonst wären wir schon damals in der Rezession gelandet, aufgrund fehlender Nachfrage aus z.B. BRD die durch die „Lohnmoderation“ zustande gekommen war.
        BRD hat sich aus der Krise heraus exportiert auf Kosten anderer, so ungefähr Flassbeck. Jürgen Stark hatte damals in einer Zeitung gegen die Zinserhöhung so argumentiert: Die Peripherie müsse eine höhere Inflation deutlich über 2% (glaube es waren 4%) akzeptieren, damit BRD nicht in die Rezession fällt. In der Eurokrise wurde durch die Verschuldung Nachfrage gestohlen sozusagen, da BRD Produkte im Vergleich zu Süderop. qualitativ besser sind und sie von den Konsumenten in Süderop. bei Kaufkraftsteigerung (d.h. den Euro) und gleichzeitiger Lohnsenkung in der BRD (d.h. Preissenkung) bevorzugt gekauft wurden, auf der anderer Seite aber, die Nachfrage nach den Südeurop. Produkten aufgrund eben dieser Lohnsenkung, d.h. gestiegener Einkommensungleichheit in der BRD ausfiel.

        Gruß

  2. Katalin says:

    Hallo,

    Dr. Stelter, können Sie mir sagen:

    1. „womöglich auch zum Nominalwert kaufen, das würde den Instituten am meisten helfen“

    Warum zum Nominalwert und warum würde das am meisten helfen.

    2. „ABER es war die Folge der Einführung des Euro zu einem ungünstigen Wechselkurs für
    Deutschland mit der Folge einer deutlichen Rezession“

    Warum war der Euro Wechselkurs ungünstig für BRD. War er für andere Länder günstig.
    Wer hat den Weckselkurs bestimmt und wie wurde er bestimmt.

    Danke

    Gruß

    Antworten
  3. Dietmar Tischer says:

    Zu kurz gesprungen:

    >„Sie muss akzeptieren, dass die EZB erstens ihre Geschäfte überwacht und zweitens bereit sein, ihr Gebaren auf die elementare Aufgabe zu konzentrieren, die Banken in einer Marktwirtschaft haben. Die Bereitstellung von Krediten für Investitionen.“>

    Was ist, wenn die Nachfrage nach Krediten für Investitionen nicht so hoch ist, dass ein akzeptables Beschäftigungsniveau erreicht wird?

    Es würde m. A. n. nicht erreicht werden, wenn die Überwachung dazu führte:

    >„Sie würden keine Kredite mehr vergeben etwa für den dann gehebelten Kauf von Wertpapieren und auch nicht für Konsumzwecke, denn beides steigert am Ende nicht unsere reale Wirtschaftsleistung.“ – bto: Bingo!>

    Nix Bingo.

    Ohne Kredite für Konsumzwecke gibt es Massenarbeitslosigkeit – bei c. p.

    Nicht richtig?

    Dann erkläre mir mal einer, wo die US-Wirtschaft heute stehen würde, wenn es das dortige Kreditkarten-Business mit immer höherer Verschuldung nicht gegeben hätte.

    Mir fehlt die Vorstellungskraft, eine blühende Wirtschaft zu erkennen.

    Antworten
  4. Katalin says:

    Hallo,

    wen das Geld von den ZB erschaffen wird, ohne das sie Ersparnisse brauchen, dann basiert die Höhe der Zinsen (die von den ZB bestimmt werden, d.h. wenigen Personen) auf der Meinung von oben diesen wenigen Personen und muss mit der Wirtschaftslage eines Landes nichts zu tun haben. Dann ist das ganze System auf Zufällen aufgebaut und die Krisen sind logische Folge.

    Warum kann das Geld nicht direkt durch die ZB in die Wirtschaft gepumpt werden in Form von Versteigerung:

    Die ZB stellt eine bestimmte Menge Geld jeden Tag zu Verfügung für:

    1. Konsum, d.h. Privatpersonen
    2. Investition d.h. Unternehmen
    3. Staat (wie könnte man es beim Staat machen)

    Jeder kann bieten (in seinem Bereich, d.h. Private beim Konsum, Unternehmen bei Invstitionen) und am Ende des Tages haben wir den Zins bzw. mehrere Zinssätze aus Angebot und Nachfrage.

    Und da die ganze moderne VWL auf Konsumpreferenzen der Einzelsubjekte (Untern. und Privatpersonen) beruht, weiß jeder wieviel er oder sie bereit ist für das Verschulden zu bezahlen, d.h. wir alle bestimmen direkt die Höhe des Zinses.

    Auf diese Art und Weise könnten wir die Verschuldung begrenzen, da niemand an Verschuldung anderer verdienen würde. Außerdem weiß jeder am besten selbst wieviel Kredit er in der Lage ist aufzunehmen bzw. zurückzuzahlen.

    Gruß

    Antworten
  5. Dietmar Tischer says:

    @ Katalin

    Ich kenne die Diskussion und auch die Argumentation, die Sie ganz gut wiedergeben.

    >Die Verschuldung der Peripherie (so die Vertreter dieser These) war so gewollt, denn sonst wären wir schon damals in der Rezession gelandet, aufgrund fehlender Nachfrage aus z.B. BRD die durch die „Lohnmoderation“ zustande gekommen war.>

    Die Verschuldung der Peripherie war gewollt – klar doch, was sonst wegen der Rezession. Deshalb haben wir die Peripherie GEZWUNGEN oder mit der Geldpolitik der EZB ÜBERLISTET, sich zu verschulden und deutsche Automobile zu kaufen. Und selbstverständlich haben wir sie auch GEZWUNGEN bei den Löhnen und Gehältern wie eh und je zu inflationieren, damit sie viel von kaufen können und uns zudem nicht als Wettbewerber gefährlich werden können.

    Die Peripherie wird mit solcher Argumentation wie ein kleines Kind behandelt, dem man den Brei in den Mund löffeln muss, weil es allein nicht essen kann.

    Das ist Voodoo-Ökonomie.

    Richtig ist:

    Die Peripherie hat ihre Situation URSÄCHLICH selbst verschuldet.

    Da wir aber mit drin hängen als Beteiligte in einer Währungsunion, müssen wir natürlich auch die Konsequenzen tragen, soweit sie in der Währungsunion mitgetragen werden müssen – oder austreten und dann die auftretenden uns betreffenden Konsequenzen tragen.

    Antworten
  6. Lousytalker says:

    Gruezi aus dem Süden.

    @Katalin:

    Daniel Stelter, Gunnar Heinsohn und andere Anhänger dieser Interpretation/Denkschule der
    Ökonomie werden als „Debitisten“ gelabeled wie vom Kollegen zuvor angerissen.
    Die Debitisten, gehen davon aus, dass die die Enstehung von Geld AUSSCHLIESSLICH durch
    das Eingehen von Schuldkontrakten zustande kommt. Dementsprechend steht der Debititsmus
    der Aussage der Notenbanken es könne ein „Fiat Money“ geben, das „ex nihilo“ entstehen
    könnte entsprechend kritisch gegenüber. Deren Ansicht wird im übrigen auch durch ein
    anderes Schriftstück geteilt, nämlich die Bilanz der Notenbanken, das ja eine
    Gegenposition bucht.

    Der „gute/produktive/gesunde“ Kapitalismus wie der Debitismus ihn versteht kann
    vereinfachend durch zwei Prinzipien dargestellt werden:

    1. Wer etwas leistet soll etwas davon haben. (positive Motivation) und
    2. Wer Mist baut geht Bankrott (Auslese der Inkompetenten und der nicht mehr oder noch
    nicht zeitgemässen Geschäftsmodelle/Entrepeneurs).

    Da der Kapitalismus ein intrinsisch selbstmotivierendes, selbstregulierendes und selbst
    verstärkendes Bottom to Top selbsorganisiertendes (Grassroot) System der Sozioökonomie
    ist, ist und war durch den Wegfall von potenziell fehlerhaften Kontroll und
    Planungsinstanzen die Überlegenheit des Kapitalismus über die Planwirtschaften (egal ob
    sozialistisch oder Corporation Budget based) immer gegeben.

    Diese Ökonomie bedarf allerdings zwingend der permanenten Expansion entweder in den Raum
    oder die Zeit oder in die Effizienz(steigerung) um für alle Marktteilnehmer ein Gewinn
    sein zu können und muss periodisch die (Geld)Forderungen, die nicht mehr durch
    Leistungsdruck auf den Schuldnern, besichert sind irgendwie ausbuchen (Schuldner die
    mittlerweile verstorben sind begleichen nämlich weder Forderungen noch Zinsen, daher
    gibt es immer wieder „Bullshitmoney“, das entweder durch Crash oder andere Ereignisse
    restrukturiert (verdampft) werden muss respektive müsste)

    Die derzeitigen Probleme des Kapitalismus sind:
    1. Erbschaft, denn dies führt zur Bildung von oekonomischen Machtkonzentrationen ohne
    vorherige Leistung im Laufe der Generationen.
    2. Angst vor dem Bankrott (weswegen auch der DAM (dümmste anzunehmende Manager) derzeit
    seinen Job vollkommen richtig macht solange er nur einen MDI (mostly desparate Investor)
    findet, der seine Inkompetenz und die mangelnde Überlebensfähigkeit seiner Firma mit
    hilfe des nächsten Schecks basierend auf dem Bullshit Money der FED/ECB ad infinitum
    prolongiert. (in der Hoffnung dass das Kartenhaus nicht zur aktiven Lebenszeit FUBAR
    zusammenbricht. (FUBAR=Fucked Up Beyond All Repair tries of your private Reserve
    Banksters.)
    3. steuerliche Privilegierung und Mangel von Kontrolle (keine Bilanzierungs- ud
    Steuererklärungsplicht von ökonomischen Machtkonzentrationen durch Ausgliederung in
    Stiftungen, die aber dem Stifter immer noch die Ausübung der Kontrolle über das Geld
    erlauben.
    (Zitat von John D. Rockefeller 1916: „Ich will keine Milliarde Dollar besitzen, ich will
    sie kontrollieren)
    Anm.: Warum wohl machen Warren Buffet und Bill Gates „the Giving Pledge“ ?
    (Zitat Warren Buffet 2006: There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich
    class, that’s making war, and we’re winning).
    und eines steht fest „the giving pledge“ und die „Gates Stiftung“ üben Kontrolle aus
    (siehe Afrika).

    Anm.: Warren mag das Herz vielleicht doch am rechten Fleck haben, aber man kann die
    Probleme die Geld verursacht nicht mit Geld lösen, hierin irrt er und die anderen
    möglicherweise wohl meinenden Stifter, weil er (wie jeder andere auch) in seiner
    persönlichen Blase der Wahrnehmung gefangen bleiben muss.

    Um dies als Unterschied zu illustrieren:
    Steuern finanzieren Sozialkassen, die aufgrund der gesetzlichen Lage zur Zahlung
    verpflichtet werden können auch wenn dem Bürokraten dies nicht passt, aber Rechte können
    eingeklagt werden.
    Stiftungen hingegen erlauben es dem Stifter festzulegen nach welchen Kriterien das Geld
    verteilt wird. Wenn dem Stifter zum Beispiel lange Nasen nicht gefallen, könnte er
    bestimmen dass Menschen mit einer Nase länger als 3cm kein Geld dieser Stiftung
    empfangen dürften. Er behält also die Kontrolle.

    zu dieser Kontrollmechanik passt T.S.Eliot: „Most of the evil in this world is done by
    people with good intentions“

    Hinweis zur ökonomischen Machtkonzentration: Bis 100 Millionen mag man von Reichtum
    sprechen, aber ab 100 Mio handelt es sich um ökonomische Macht und da die Machtigier
    seit jeher keine Grenzen kennt, erklät sich das ökonomische Handeln der Plutokratie und Ihrer Handlanger auch als Streben nach Macht. Mit einem „Gewinnstreben“ hat dies nichts mehr zu tun

    Mit Blick auf die Globalisierung:
    Derzeit ist die globalisierte Ökonomie nicht mehr im stande im Raum zu expandieren,
    (weil schon global) Und entlang der Zeitachse findet ebenfalls in einer ZIRE/NIRE Phase
    (Zero/Negative Interest Rate Economy) keine Expansion mehr statt (im Gegenteil
    eigentlich eine Kontraktion). Da zusätzlich auch nur noch geringfügige Expansionen in
    die Effizienz stattfinden (mangelnde Investitionstätigkeit), lässt sich ein solches
    geschlossenes System wahrscheinlich besser mit den mathematischen modellen der
    Thermodynamik abbilden als mit den zu stark simplifizierenden Gleichgewichtskurven der
    (klassischen) VWL.
    Ergo ist die Bezeichnung „Eiszeit“ zwar gut gewählt als Bezeichnung von Herrn Stelter,
    aber „thermodynamischer Kältetod“ könnte sich als zutreffender erweisen ;-)

    (Hinweis I: Um den real existierenden „Trickle Up Effekt“ korrekt darzustellen, im
    Volksmund auch bekannt als „Geld kommt zu Geld“ solte eine thermodynamische Beschreibung
    der globalen Wirtschaft von einer inversen Entropie ausgehen, die einem höheren Ordnungsgrad entgegegen strebt.)
    (Hinweis II: Streng genommen ist der Omega Punkt (Fredersen Punkt) auf die dieses System
    hinstrebt eigentlich als „Punkt ultimativer Ordnung“ beschreiben, da in extremis alle
    ökonomische Macht auf eine ökomische Entität vereint würde: (z.Bsp.: Google kauft Apple,
    Microsoft UND Intel?))
    (Hinweis III (Postulat): Der Fredersenpunkt (in Anlehnung an Metroplis von Fritz Lang)
    dürfte aber vorraussichtlich nicht erreicht werden, da vorher ein systemischer
    Zusammenbruch in der sozialen Dimension erfolgen dürfte. (sprich Anarchischer Aufstand
    der Habenichtse um auszuprobieren wie gut die Google Infantrie kampf drohnen bis dahin
    das Schiessen gelernt haben. Ausgang je nach Qualität der dann real existierenden
    Droiden Armee mehr als ungewiss.))

    Das verletzte kapitalistische Grundprinzip auf das sich Herr Stelter bezieht ist das
    „Recht auf Bankrott“, dass spätestens mit dem Greenspan Put von 1987 und sukzessive
    permanent verletzt wurde und es erlaubt hat die Krise immer wieder in die Zukunft zu verschieben, wobei die Amplitude der Krisen Schwingung in der Zeit immer höher wurde.

    Mittlerweile gibt es fast keine Spielräume mehr den immer wieder vor uns höher
    gewordenen Turm von Forderungen (zu babel) noch weiter (höher) zu bauen oder geordnet
    abzubauen.

    Die einzige Ökonomie, die mir bekannt ist und in ähnlicher Lage einen Pfad zur
    Stabilität fand war die des römischen Reiches die den Gläubigermord (und die damit immer
    einhergehende Umverteilung/Einziehung ihres Vermögens=Forderungen an das „Volk“ zum
    Wohle der Republik/Imperium) institutionalisierte durch Proskriptionen, respektive das
    „Imperium Rennen“:
    Das „Imperium Rennen“ bezeichnet hierbei das Hamsterrad rennen um das römische Imperium,
    mit dem Ziel (jeder römischen Dynastie) den Imperatoren Sessel zu erklimmen und dann die
    ökonomischen Machtkonzentrationen der potenziellen Konkurrenten (also der anderen
    römischen Adligen) zu zerschlagen und umzuverteilen.

    Dies verleiht dem „Cäsarenwahn“ ein gewisses rationales Kalkül ermöglicht er doch
    fiskalische Krisen auf Kosten der Konkurrenz zu monetarisieren… (Caligula 37-41, Nero
    54-68, Domitian 81-96, Commodus 180-192, Caracalla 211-217, Elagabal 218-222). Die sehr
    rasche Abfolge von Commodus, Caracalla und Elagabal ist wohl schon als Präludium der
    Reichskrise des 3. Jhdts zu verstehen.

    Hinweis: Leider ist dies zwar eine logische These aber nur unvollständig belegbare Vermutung, da
    das Mittelalter den wenigen ökonomischen Schriften der Antike wie auch der
    experimentellen Philosophie die von empirischen Beobachtungen ausging im Gegensatz zum
    aristotelischen Idealismus keinen Wert zubilligte und diese Schriften auch nicht
    kopierte (und somit erhielt). Ergo die Datenlage zu Wirtschaftskrisen des kapitalistischen zyklus der Antike ist mehr als bescheiden.
    Das wenige das wir wissen, ist zum Beispiel: Wieso kam es wohl zum Zählappell unter Augustus? Wir wissen dass das römische Reich im Jahre 31nChr eine Wirtschaftskrise erlebte, die durch ein
    „Hilfspaket“ des Tiberius überwunden wurde, welches durch die römischen Provinzen
    finanziert wurde. Ergo können wir den Streit um den Einzug von Jesus in Jerusalem auf
    Ostern 33nChr. festlegen und dies erklärt auch warum das Umstürzen der Wechslertische im
    jüdischen Tempel so revolutionär war, da ja der jüdische Tempel eine immense Schuld
    (nämlich dieses Hilfspaket) mit gegenfinanzieren musste und warum sowohl das Vergeben
    den Zöllnern gegenüber (als ausführendes Organ der Besteuerung lokal) ebenfalls
    revolutionär war und Armut und ökonomische Depression dem Leser des neuen Testaments
    überall begegnet.)

    In heutiger Zeit stehen insbesondere die Corporations, die zwei drittel der globalen
    Forderungen (=Geld) kontrollieren an Stelle der ökonmisch mächtigen von einst. Gemäss
    14. Amendment der US Verfassung haben diese das Recht als „natürlichen Personen
    gleichgestellt“ behandelt zu werden (in der Rechtsprechung und Vertragswesen), geniessen
    aber ein Privileg, dass keine natürliche Person hat: Unsterblichkeit.

    Wie wichtig dieses Privileg ist lässt sich zeigen:
    Man stelle sich vor man sei ein Investor/eine Bank und zu einem käme Elon Musk (als
    Person) und General Motors als Corporation. Beide wollen e-Cars entwickeln und fragen
    Kapital nach. Wem gibt man den besseren Zinssatz? Der (unsterblichen) Corporation oder
    der Privatperson Elon Musk, die durch einen herabfallenden Stein getötet/verletzt werden
    kann?
    In den ersten 40 Jahren der Existenz unsterblicher Corporations (1880-1920) war der
    Unterschied noch nicht sehr gross (ein gewisser Ford konnte als natürliche Person damals
    immerhin FMC gründen).
    in der zweiten Generation 1920-1960 war das schon spürbar deutlicher eingeschränkt. Die
    meisten neuen Corporations waren Asugründungen aus bestehenden Corps auf neue
    Marktchancen (Intel, Texas Instruments) oft mit tatkräftiger Hilfe des Militär
    Industriellen Komplexes oder Staatlicher Förderung.
    In der dritten Generation 1960-2000 brauchte es schon technologische Durchbrüche,
    Venture Kapitalisten und Dummheit bestehender Korporations, um Apple, Microsoft und
    Google zu ermöglichen.
    (Dummheit der Corporations: IBM ermöglichte Microsoft, Google wurde von Yahoo glatt
    übersehen)
    Seit 2000 wachsen die MegaCorps im wesentlichen durch M&A haben also die innovative Eigenentwicklung quasi outgesourced an das Silicon Valley und bedienen sich nach Wunsch.

    Wenn daher die Überschuldete Welt ihre uneinbringbaren Schulden verdampfen muss und wird
    (weil sie irgendwann ja doch muss), könnte sie ja theoretisch auch durch den
    „organisatorischen“ Tod aller Corporations/Stifutungen die älter als 49 Jahre sind auch
    deren Forderungen GLEICHZEITIG mit aus der (globalen) Bilanz ausbuchen, wie wäre es damit als Alternative Überlegung wie man die überschuldete Welt entschulden soll und als Alternative
    zum derzeitigen Mantra der Austerität?

    Dasselbe muss dann allerdings auch Stiftungen treffen, denn es geht ja um Zwang zur
    Umverteilung der ökonomischen Macht.

    Dies wäre allerdings dann ein modernes Analogon zum „Gläubigermord“ bei dem keine natürliche Person leiden müsste (na ja schmerzhaft wird es trotzdem genug. Man müsste halt keine kleinen Kinder köpfen müssen wie das bei den römischen Proskriptionen zur Vernichtung ALLER Erbberechtigten halt immer wieder vorkam. Ach so ja ich vergass das politische Mantra der gegenwart:
    Den „Alternativlosen Sachzwang“, der ja uns alle (nur die natürlichen Personen
    naturellement) zwingt zur Sozialisierung der Schulden in sozialverträglicher Weise (also
    zum wohle des Machterhalts der ordnenden Kräfte (Corporations und plutokratisch
    kontrollierten Stiftungen) Sorry die Merkel Doktrin war mir irgenwie entfallen.

    Dieses „Reset“ der Ökonomie würde uns helfen folgendem zu entrinnen:
    (W. Churchill: “The inherent vice of capitalism is the unequal sharing of blessings; the
    inherent virtue of socialism is the equal sharing of miseries.”)
    Oder wie wir IT’ler zu sagen pflegen: „Reboot does always good“

    Also ist dies ist nicht sehr wahrscheinlich, es sei denn die Politiker würden sich daran
    erfreuen nicht nur Ihre Wähler zu verraten, sondern den Verrat für sich als der Ihnen
    geziemenden Form der kunstvollen Vollendung Ihres Charakters als „Erzverräter“ zu
    entdecken und alles und jeden zu verraten also auch jene, die glauben, die Politiker
    absolut sicher gekauft zu haben. (ist das noch ein Wink mit dem Zaunpfahl, oder schon
    ein Schlag mit dem ganzen Zaun? Urteilt selbst)

    Und ja, (falls irgend einer bis hierhin las):
    Auch ich halte den Debitismus für eine wesentlich realitätsnähere Beschreibung der
    Ökonomie als die Mainstream VWL ;-)

    PS:
    Frage für die Fans der Corporate World: In wieweit ist eine Corporation eigentlich
    kapitalistisch? Ist nicht das Budget eine Form sozialistischer Planwirtschaft?
    (ketzerischer Denkanstoss ich weiss, kommt schon widerlegt diese These ;-))

    @ Daniel Stelter:
    Ich weiss dass ich den Debitismus hier jetzt sehr simplifizierend dargestellt habe im vergleich zu Heinsohn/Steiger zwei Büchern, aber den Kern dieser Denkrichtung müsste ich nahe genug beschrieben haben für den Rahmen dieses Blogs, odr?

    @Katalin wegen Geldschöpfung:
    Die sogenannte Vollgeld Bewegung addressiert dieses Problem und will ja in Island und der Schweiz den Geschäftsbanken das Recht auf Geldschöpfung genau deswegen dauerhaft entziehen.
    Der Grund warum die Zentralbanken sich hier nicht einmischen dürften liegt darin dass diese PRIVATEN Institutionen nicht dem Gemeinwohl sondern der Risiko Minimierung der Geschäftsbanken verpflichtet sind.

    Fazit:
    In einer Welt die auf die nächste Automatisierungswelle zu steuert die die Zahl der global gut bezahlten Jobs von derzeit 1.4 Mrd. Jobs auf 1.2 oder 1 Mrd Jobs reduzieren dürfte, während gleichzeitig die Zahl der Menschen von 7 auf 8.5-9 Mr. steigt, sollte die Politik sich langsam daran gewöhnen, dass die ökonomische Basis (Grundversorgung) einer Existenz in Menschenwürde AUSSERHALB der MACHTSPHÄRE DER MONEYSPHERE gesichert werden muss, zum Beispiel durch eine zeitbasierte parallele Ökonomie.

    Wer den Gedanken mehrerer parallel existierender Ökonomischer Systeme für undenkbar erachtet der sei daran erinnert dass die Hälfte des Konsums der US-Wirtschaft auf die Weihnachts Geschenkökonomie entfällt. Mithin sind also 35% des US GDP abhängig von einer Ökonomie die sich durch die Abwesenheit des rationalen Handelns und Denkens des Homo Öconomicus auszeichnet.

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  7. Lousytalker says:

    Gruezi Herr Tischer,

    danke für den Hinweis: Gemeint War empirische Philosophie abgeleitet von den sogenannten „skeptischen Schulen“ der Philosophie wie im Werk „Die Philosophie der Griechen in ihrer geschichtlichen Entwicklung“ von Eduard Zeller 1892 angerissen.

    Der freudsche Versprecher der experimentellen Philosophie hat aber durchaus was amüsantes.

    Patent in Prüfung….

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