Das 3850-Milliarden-Dollar-Loch in den staatlichen US-Pensionsfonds

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Heute Morgen waren die schlechten Aussichten kommender Rentnergenerationen das Thema. Jetzt ein Blick auf die nicht bessere Lage in den USA. Dort legt der Staat zwar Geld zur Seite für die künftigen Pensionen seiner Mitarbeiter, doch sind die Renditeerwartungen für diese Anlagen viel zu hoch und es entsteht ein großes Loch, das zurzeit 3850 Milliarden Dollar groß ist und täglich größer wird. Die FT berichtet:

  • „(…) the collective funding hole in the public pension system jumped by $434bn in just one year, raising fears of further Detroit-style bankruptcies. According to academic research (…) US public pension funds lack $3.85tn that they need to pay the retirement benefits of current and retired workers.“ bto: Das sind doch mal Größenordnungen!
  • „The situation is especially difficult for cities such as Chicago, which (…) has unfunded pension liabilities that equal 19 years of the city’s tax revenues. Fort Worth, New Orleans, Philadelphia and Dallas also have large underfunded pension schemes, while states such as Illinois, Kentucky and New Jersey rank badly in the Stanford research.“  bto: Deshalb stehen wir vor einem landesweiten Problem. 
  • „Puerto Rico, the US territory, this month declared a form of bankruptcy after amassing debt and pension obligations of $123bn. Mr Rauh said politicians will have to make unpopular decisions if they are to ward off future financial problems. This could include cutting pension benefits or raising taxes in order to contribute larger sums to public retirement plans.“  bto: Politisch ist das schwer durchzuhalten. 
  • „According to the Stanford research, which looked at 649 pension plans in the 12 months to June 2015, the most recent year retirement funds have produced accounts for, no US city or state is running a balanced budget for their pension schemes. (…) ..states and cities needed to contribute an additional $167bn to their pensions in fiscal 2015 to stop the funding hole increasing.“  bto: Woher sollen die kommen?
  • „(…) Hoover Institute, a Stanford University think-tank, found the funding hole across the US public pension system ballooned after retirement plans failed to generate sufficient returns. Related article US faces ‘disastrous’ $3.4tn pension funding hole Collective deficit of retirement plans is three times larger than official figures Pension funds estimate their liabilities based on future returns, with US public retirement plans using an average annual return of more than 7 per cent. But in the year to June 2015, public pension plans generated average returns of just under 2.9 per cent.“  bto: Das sind die Folgen der Eiszeit. 
  • „(…) the funding deficit of public pensions probably grew to $4tn in fiscal 2016, while remaining relatively flat so far in 2017 because of buoyant stock markets. (…) A government with a serious pension funding problem is like a ship trying to sail with its anchor stuck in the mud.“  bto: Und so ist es weltweit, bei uns nur besser versteckt als in den USA.

FT (Anmeldung erforderlich): „US faces crisis as pension funding hole hits $3.85tn“, 15. Mai 2016

 

9 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    Das kommt davon, wenn man die Ökonomie finanzialisiert anstatt in Bildung und Infrastruktur zu investieren. Dazu nationale und internationale Disparitäten aufgrund des Matthäus-Effekts. Eine wesentliche Ursache hierfür ist ein nicht verstandenes Geldsystem. Auf dem führenden Ökonomenblog der Schweiz wird dieses Dilemma nun endlich intensiver diskutiert. Bei den letzten vier Beiträgen ging es bei dreien um das „nichtende Nichts“. Hier der letzte Beitrag von Dirk Ehnts: http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2017/05/das-geld-und-das-nichts/

    LG Michael Stöcker

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  2. Philip Kohlbacher says:

    Warren Mosler (meines Erachtens korrekt) zu den staatlichen Pensionsfonds:

    „Es gibt keine zahlenmäßige Einschränkung für die Fähigkeit des Staates, alle Sozialversicherungszahlungen zeitgerecht zu leisten. Es ist egal, wie die Zahlen auf dem Konto des Treuhandfonds des Pensionssystem aussehen, denn der Treuhandfonds dient einzig und allein als Instrument zur Aufzeichnung, so wie alle Konten bei der Fed.
    Wenn es an der Zeit ist, Sozialversicherungszahlungen zu leisten, muss die Regierung einfach nur Zahlen auf den Konten der Berechtigten nach oben ändern und danach die Zahlen auf den Konten des Treuhandfonds nach unten verändern, um nachverfolgen zu können, was sie getan hat. Sollte die Zahl des Treuhandfonds ins Negative rutschen, dann ist es nun mal so.“
    (Warren Mosler: Die sieben unschuldigen, aber tödlichen Betrügereien der Wirtschaftspolitik)

    So ist es. Die USA können immer jede nominale Pension zahlen, auch wenn ich mich da wiederhole.
    Der genaue Finanzierungsmechanismus ist prinzipiell egal…….egal wie die Pension finanziert ist, ob durch staatliche Defizite oder nicht, sie wird erst dann zum potentiellen Problem, wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage die zukünftigen Produktionskapazitäten der USA übersteigt.

    Sämtliche Privatisierungen usw. sind aus dem Grund auch abzulehnen, weil sie nichts weiter tun, als dass sie die Transaktionskosten der Altersversorgung erhöhen.

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  3. Michael Stöcker says:

    Hallo Herr Kohlbacher,

    vielen Dank für den Link zu Edelmüller. Ich hatte den Aufsatz seinerzeit überfolgen. Es fängt vielversprechend an und wird dann aber leider buchungstechnisch unsauber. Norbert Häring teilt die Sichtweise von Edelmüller, ich nicht. Warum, das habe ich in dieser Diskussion mit Norbert Häring versucht darzulegen. Er ist dann aber leider aus Zeitgründen ausgestiegen. Die Diskussion finden Sie hier: https://zinsfehler.com/2015/01/20/qe-versus-ml/

    LG Michael Stöcker

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    • Philip Kohlbacher says:

      Moin Herr Stöcker, ich wollte Edelmüllers Darstellung auch nicht zustimmen, sondern lediglich exemplarisch zeigen, dass die buchhalterische Praxis in den Zentralbanken einfach nur Konvention ist. Die Konvention entscheidet darüber, ob Gewinne anfallen oder nicht.

      Wie bereits angedeutet, halte ich es für ökonomisch nicht wirklich relevant, ob eine Zentralbank „Gewinne“ macht, die sie an die Regierung ausschüttet.

      Die Regierung tätigt Ausgaben und beeinflusst hierdurch die aggregierte Nachfrage. Ökonomisch entscheidend ist nun, welche Produktionspotentiale dieser Nachfrage gegenüberstehen.
      Ob in die getätigten Staatsausgaben „Gewinnausschüttungen“ der Zentralbank einfließen, ist meines Erachtens nur eine technische Randnotiz.

      PS nichtsdestotrotz sehe ich mir Ihre Links natürlich gerne an.

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      • Michael Stöcker says:

        „Die Konvention entscheidet darüber, ob Gewinne anfallen oder nicht.“

        Mir ist es wichtig, dass die „Konvention“ mit der systemischen Logik eines hierarchischen und hybriden Geldsystems in Einklang steht und somit die reale Welt abbildet. Und gegen diese systemische Logik verstoßen meines Erachtens sowohl Edelmüller als auch Häring sowie Huber und Co. Bestandsbuchungen sind nun einmal etwas anderes als Erfolgsbuchungen. Von daher sollte man Bestände auch als solche ausweisen (Staatskredit) und nicht via Seigniorage als Erfolgsbuchung tarnen. Der Zweck heiligt eben nicht die Mittel, da sich die Geldsystemkritiker der Vollgeldbewegung hiermit angreifbar machen.

        Die Höhe des fiktiven Kapitals (denn darum handelt es sich in aller Regel beim Staatskredit) soll in der Bilanz der Zentralbank sauber bilanziert werden. Wer diese Fiktionen ausbuchen möchte, der möge doch bitte die Erbschaftssteuer hierzu bemühen. Das entspricht dann auch den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung mit den zwei ganz zentralen Aspekten der Bilanzwahrheit und Bilanzklarheit.

        LG Michael Stöcker

      • Philip Kohlbacher says:

        Diese Kritik mögen Sie gerne anbringen, ich selbst verstehe auch nicht wirklich furchtbar viel von Buchhaltung….

        Meine Grundbotschaft aber bleibt, dass ich dies für technische Feinheiten mit überschaubarer realer Relevanz halte. Es ist egal, ob eine Zentralbank Gewinne ausschüttet, es ist ökonomisch irrelevant.

  4. Wolfgang Selig says:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter, Sie schreiben, bei uns sei die Pensionslücke nur besser versteckt. Die Aussage kann ich so nicht nachvollziehen. Wenn der durchschnittliche US-Pensionsplan eine Verzinsung von mehr als 7 % als Berechnungsbasis vorsieht, dann kalkuliert Deutschland hier seriöser. Gut, steuerrechtlich sind beispielsweise Pensionsrückstellungen immer noch mit 6% in der Bilanz anzusetzen, aber handelsrechtlich liegt die zwingend anzusetzende Höchstverzinsung inzwischen deutlich niedriger und für die verbleibende Differenz zur Realität greifen inzwischen sogar gesetzliche Ausschüttungssperren bei Dividenden. Gut, das betrifft nur den kleinen Teil der Direktzusagen bei Firmenrenten, aber immerhin. Aber die umlagefinanzierte gesetzliche Rente hat den Anpassungsfaktor automatisiert in der Berechnungsformel enthalten, auch wenn ich zugeben muss, dass hier Verzerrungen durch den Bundeszuschuss aus Steuermitteln die Situation verschleiert mit der Begründung, das wäre alles für versicherungsfremde Leistungen nötig.

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