Best of 2017: Es droht keine neue Krise – einfach, weil die alte noch nicht vorbei ist!

Wie immer zum Jahreswechsel ein Rückblick auf die Highlights des Jahres, Artikel, von denen ich denke, dass es sich lohnt, sie nochmals zu lesen. Dieser Beitrag erschien erstmals im August 2017 bei bto.

Der sehr geschätzte Dietmar Tischer zitierte in einem Kommentar bei bto aus einem Artikel von Gerald Braunberger in der F.A.Z. und verband das mit einer Aufforderung, sich den Beitrag genauer anzuschauen:

„Das Problem dieser Schwarzmaler ist: Die Realität will sich einfach nicht so verhalten. Obgleich die Leitzinsen historisch niedrig und die Bilanzen großer Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank und der amerikanische Federal Reserve durch umfangreiche Anleihekäufe stark gewachsen sind, will sich in den meisten Wirtschaften der Industrienationen einfach kein starkes Wachstum der Kredite an die Privatwirtschaft einstellen. Das aber wäre eine wesentliche Voraussetzung für eine neue Krise.“

Dr. Stelter, Sie dürfen sich angesprochen fühlen. Es sollte Ihnen leichtfallen, darzulegen, wo Braunberger die Realität ausblendet und was es mit der vermeintlichen Schwarzmalerei auf sich hat.“ → So sieht ein Minsky Moment aus 

Auch von anderer Seite wurde ich mit den Worten „Freu mich schon auf Ihren Kommentar dazu.” auf den Beitrag hingewiesen.

Da bleibt mir wohl keine andere Wahl, als mir die Argumentation im F.A.Z.-Beitrag „Wo bleibt eigentlich die Kreditexplosion?“ vom 15. August 2017 genauer anzuschauen:

  • „In der Gedankenwelt mancher Finanzmarktteilnehmer und Ökonomen geht es so: Wegen der sehr lockeren Geldpolitik der Notenbanken in den Industrienationen ist ein starkes Wachstum der Kredite und der Geldmengen unumgänglich.“ – bto: Das mag so sein, dass das Viele denken. Da wir wissen, dass die wahre Geldschöpfung unabhängig von den Notenbanken erfolgen kann und diese ohnehin nur indirekten Einfluss auf die Zinsen und Kreditvergabe haben, gilt das nicht für den „Schwarzmaler“ von bto und seine Leser!
  • „Daraus entsteht früher oder später eine hohe Inflation und eine neue Finanzkrise, weil die Banken unter der Last fauler Kredite ebenso in die Bredouille geraten werden wie in der großen Finanzkrise vor zehn Jahren.“ – bto: Wenn es so käme, wäre die Krise die Folge. Nur darf man den Umkehrschluss nicht ziehen. Wenn es so nicht ist, heißt es noch lange nicht, dass es keine Krise gibt.
  • Und wer es besonders dramatisch mag, raunt noch etwas über einen Zusammenbruch des gesamten Geld- und Finanzsystems, der in der nächsten Krise zweifellos bevorstehe.“ – bto: Da würde ich natürlich fragen, wie „Zusammenbruch“ zu sehen ist. Ich denke, Maßnahmen wie Kapitalverkehrsbeschränkungen, Bargeldgrenzen, Negativstzinsen, Helikoptergeld und Vermögensabgaben sind kein Zusammenbruch, aber dennoch als Eingriffe so groß, dass ich sie für erwähnenswert halte. Zum „Schwarzmalen“ langt es allemal.
  • Obgleich die Leitzinsen historisch niedrig und die Bilanzen großer Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank und der amerikanischen Federal Reserve durch umfangreiche Anleihekäufe stark gewachsen sind, will sich in den meisten Wirtschaften der Industrienationen einfach kein starkes Wachstum der Kredite an die Privatwirtschaft einstellen.“ – bto: was – und da wird mir Herr Braunberger sicher zustimmen – ein überdeutliches Zeichen dafür ist, dass wir eben die letzte Krise noch nicht überwunden haben, sondern mittendrin stecken: a) Schuldner können nicht mehr, weil sie noch zu viele haben. b) Schuldner wollen nicht, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben bzw. die Aussichten so unsicher sind. c) Gläubiger können nicht, weil sie eigentlich insolvent sind und unter faulen Krediten leiden. d) Gläubiger wollen nicht, weil sie zu schlechte Aussichten haben. e) Schuldner, die wollen, machen damit vor allem unproduktive Dinge, weil diese risikoloser (erscheinen). Aus Angst vor eben dieser Kernschmelze flüchten sie in Realwerte wie Immobilien. Alles Gründe für mich, eher eine neue Krise zu erwarten.
  • Hinzu kommt folgendes: in den USA erleben wir seit Jahren einen wahren Verschuldungsboom der Unternehmen. Vor allem um mit financial engineering und Rückkäufen die Kurse zu pflegen. Diese Verschuldung ist bereits so hoch, dass der IWF vor einer neuen Krise ausgehend von der Verschuldung der Unternehmen warnt. Insofern stimmt auch die Behauptung, es gäbe keine besorgniseregende Neuverschuldung nicht. → IMF says debt binge leaves US corporate assets exposed
  • Das aber wäre eine wesentliche Voraussetzung für eine neue Krise. Denn Analysen früherer Krisen belegen, dass an ihrem Anfang meist eine exzessive Kreditvergabe der Banken an Privatpersonen oder Unternehmen – häufig für Immobilienfinanzierungen – standen.“ – bto: Die Studien kennen wir natürlich und haben sie auch bei bto → Schulden und Krisen – Der Zusammenhang. Aber: Stimmt das auch, wenn eine Überschuldungskrise noch nicht bereinigt ist, wie heute? Und: Was ist eigentlich mit China? Nicht nur dort – auch Kanada und Australien – weisen durchaus die Verschuldungskriterien auf, an die Braunberger hier erinnert.
  • Doch obwohl (…) ein Wirtschaftswachstum beobachtet wird, nimmt die private Kreditvergabe der Banken, gemessen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (BIP), in vielen Ländern – Frankreich bildet eine Ausnahme – allenfalls mäßig zu.“ bto: okay, weitere Ausnahmen siehe oben.
  • Wichtig ist, die Höhe der Kredite in Relation zur Wirtschaftskraft zu stellen. Und da sieht die Entwicklung weniger dramatisch aus.“ – bto: vor allem in Relation zu den tatsächlichen Kosten der Schulden. Das stimmt. Die Zinsen sind rekordverdächtig tief und erlauben deshalb viel höhere Schulden. Doch: Dürfen Zinsen dann überhaupt steigen? Nein, natürlich nicht!
  • (…) eine Geldschwemme auf den Konten der Geschäftsbanken bei der Notenbank, die sich unter anderem als Folge der Anleihekäufe der Notenbanken beobachten lässt, (breitet) sich keineswegs zwangsläufig in der Wirtschaft aus. Das war früher nicht selten so; aber in den vergangenen Jahren ist kein enger Zusammenhang zwischen den Guthaben der Geschäftsbanken bei den Notenbanken und der Kreditvergabe in der Wirtschaft erkennbar.“ – bto: aus den schon oben genannten Gründen. Es ist ja keine „normale“ Situation.
  • Normalerweise müsste das Volumen der Kredite in der Wirtschaft umso stärker steigen, je niedriger der Zins ist. In einzelnen Branchen, zum Beispiel in Deutschland auf dem Markt für Wohnimmobilien, ist dies auch der Fall. Aber als generelles Phänomen lässt es sich in den Industrienationen nicht beobachten.“ – bto: richtig. Gründe siehe oben. Damit ist aber auch klar, dass man doch nicht sagen kann, es „käme keine Krise mehr“, ohne als Begründung zu sagen, „weil wir noch mitten drinnen sind“!
  • Zahlen der Bundesbank belegen, dass auch die Bilanzsumme der deutschen Kreditwirtschaft abgenommen hat – seit dem Jahre 2011 um immerhin fast 500 Milliarden Euro. In manchen Ländern, Italien ist ein Beispiel, haben hohe Gewinnausschüttungen die Bildung von Eigenkapital und damit das Potenzial für Kreditvergaben beschränkt.“ – bto: Aber wir wollen doch auch „Deleveraging“. Banken haben viel ausgeschüttet, um für Aktionäre überhaupt attraktiv zu sein. Auch das ist bekannt.
  • Die digitale Revolution ändert zudem die finanziellen Bedürfnisse vieler Unternehmen. An die Stelle kreditfinanzierter Investitionen in Sachkapital wie Maschinen, die für die Industriegesellschaft typisch sind, treten immer mehr Investitionen in sogenanntes immaterielles Kapital, zu dem unter anderem Software oder Patente zählen.“ – bto: Auch das stimmt. Doch was folgt daraus?
  • Investitionen in immaterielles Kapital, zu denen auch beispielsweise Ausgaben für Forschung und Entwicklung oder die Weiterbildung von Mitarbeitern gehören, lassen sich meist nicht durch Kreditaufnahmen finanzieren, da keine materiellen Kreditsicherheiten mit ihnen verbunden sind.“ – bto: aha. Weil die digitale Welt keinen Kredit bekommt, sind wir auch vor Krisen sicher. Das finde ich spannend.
  • (…) seit der Finanzkrise versuchen nicht nur in den Vereinigten Staaten hoch belastete Privathaushalte ihre Schuldenlast zu reduzieren. Dies hemmt die Nachfrage der Privathaushalte nach neuen Krediten und ist ein weiterer Grund, warum trotz sehr niedriger Zinsen in den Industrienationen das Kreditvolumen, anders als von den Schwarzmalern angekündigt, nicht explosionsartig zunimmt.“ – bto: Wirkliche Schwarzmaler wie ich argumentieren (bekanntlich) anders:
  1. Die Krise ist nicht zu Ende, nur unterdrückt. Deshalb auch die Wirkungslosigkeit der Geldpolitik in der heutigen Zeit.
  2. Derweil wachsen die Schulden weiter, eher im öffentlichen als im privaten Bereich. Allerdings in China und einigen anderen Ländern auch gerade im privaten Sektor.
  3. Damit wächst die Anfälligkeit für externe Schocks, vor allem wegen der parallel zum Schuldenanstieg aufgeblähten Assetpreise, an denen alles hängt. Fallen die Assetpreise, kommt es wirklich zum Kollaps. Bei bto immer als globaler Margin Call beschrieben.
  4. Weshalb die Assetpreise nicht fallen dürfen, koste es, was es wolle. Folge: Die Geldpolitik ist gefangen und kann gar nicht ernsthaft die Zinsen erhöhen.
  5. Versucht sie es dennoch, kommt es vermutlich zu einem Einbruch an den Märkten, auf den mit noch mehr Geld reagiert wird.
  6. Ohne eine Anpassung der Schulden wird es nicht gehen. Die Wege sind vielfältig und sind immer verbunden mit Verlusten für die Gläubiger.
  7. Eventuell ist die Lösung durch Monetarisierung über die Bilanzen der Notenbanken, wie sie sich in Japan abzeichnet, wirklich die Lösung für unsere Probleme, die ohne Schmerzen funktioniert.
  8. Das Risiko ist heute ein politisches. Es ist eine Frage der Zeit, bis es zu einer politischen Revolution gegen das Korsett von Euro und Sparen kommt. Dann haben wir die Krise ausgelöst durch die schon erfolgte Aufschuldung.
  9. So haben wir den Wettlauf zwischen (politischen) Schocks und Monetarisierung. Schauen wir mal, wer gewinnt.
  10. Inflation gibt es nur bei Vertrauensverlust in Geld. Kann das passieren? Ja. Aber ab welchem Punkt kann niemand sagen.

→ F.A.Z.: „Wo bleibt eigentlich die Kreditexplosion?“, 15. August 2017

Kommentare (12) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Carsten Pabst sagte:

    Hallo Herr Tischer,
    ich denke Sie liegen mit Ihrer Einschätzung richtig. Aber um in der Adventszeit mal ein Licht der Hoffnung zu entzünden, hier mein Buchtipp für unter den Weihnachtsbaum:
    https://www.amazon.de/Hidden-Champions-Erfolgsstrategien-unbekannter-Weltmarktführer/dp/3593397145/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1513706491&sr=8-1&keywords=hermann+simon+hidden+champions
    Ein sehr interessantes Buch über die Weltmarktführer aus Deutschland, das mich doch etwas zuversichtlich stimmt, das der Innovationsstandort Deutschland nicht doch gänzlich unter die Räder kommt. Und über Buchempfehlungen der Foristen würde ich mich sehr freuen, aber bitte auch lesbar für einen Handwerksmeister. Bei Fachchinesisch schalte ich schnell ab.
    Und wer sich das von Herrn Baer angesprochene Auto mal ansehen möchte, hier der Link aus der WiWo:
    http://www.wiwo.de/unternehmen/auto/elektro-suv-nio-es8-das-ist-der-neue-china-knaller/20749330.html#image
    Freundliche Grüße und Ihnen allen besinnliche Tage.

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    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      Wir sind WELTMEISTER in vielem.

      Wir könnten auch viel NEUES hervorbringen, d. h. auch im INNOVATIONSWETTBEWERB eine Spitzenstellung einnehmen.

      Warum nehmen wir sie nicht ein – und meine Überzeugung – werden wir sie in der wohlstandssichernden Breite nicht einnehmen?

      Innovation ist seit Schumpeter schöpferische Zerstörung.

      Wären wir konsequent schöpferisch, müssten wir zu VIEL von Deutschland zerstören, damit es DANACH wieder aufwärts geht und wir wie bisher oder sogar noch mehr vom Schöpferischen profitieren.

      Es gibt keine Mehrheiten und keine sonstige Legitimation dafür, z. B. die deutsche Automobilindustrie KONSEQUENT auf E-Mobilität umzustellen – dies selbst dann nicht, wenn wir die überlegene Technologie hätten und nur noch umsetzen müssten.

      Jeder Manager, der dies auch nur ansatzweise versuchen würde, müsste damit rechnen, am Werkstor gelyncht zu werden.

      Das wäre die voraussehbare Reaktion derer, die durch die unvermeidbare Arbeitslosigkeit ALLES, aber auch ALLES – Hof, Hund und vermutlich auch noch das Handy – verlieren würden.

      Das ist nicht übertrieben, weil auch das System der Sozialtransfers zusammenbrechen würde.

      Kurzum:

      Die Innovationen entstehen vielfach woanders und sie werden ganz sicher woanders umgesetzt und zwar NOTWENDIGERWEISE so aus sozialen Gründen.

      Wir sind die Gefangenen unseres Erfolges.

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    Carsten Pabst sagte:

    Zum Thema Elektroauto ein Video vom Privatinvestortag 2017. Insbesondere das Video mit Hendrik Leber geht ab Minute 40:30 auf das Thema Elektromobilität ein. Und man kann für die deutsche Autoindustrie, und somit auch die deutsche Volkswirtschaft, eigentlich nur hoffen, Herr Leber liegt falsch mit seinen Einschätzungen.
    https://www.youtube.com/watch?v=1TvXeZHeomQ
    Freundliche Grüße
    Carsten Pabst

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    • Avatar
      Wolfgang Selig sagte:

      Toller link, Herr Pabst. Habe mir das heute Mittag angesehen, Herr Leber ist interessant wie immer. Hochinteressant aber auch, dass es deutsche Unternehmen aus der Zulieferindustrie gibt, die sehr gut am Ball sind (Conti, Infinineon, Bosch, u.a.)

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    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      Auf was wir hoffen können oder müssen, ist eine Sache.

      Die andere ist die, mit der H. Leber NICHT falsch liegt:

      Sein Querschnitt durch die Welt der Innovationen zeigt auf, dass wir an ihnen nicht hinreichend beteiligt sind, um unsere technologische Spitzenstellung in der Welt zu halten – und damit auch nicht unsere wirtschaftliche.

      Denn was sich technologisch-wirtschaftlich richtungsweisend ereignet, ereignet sich nicht bei uns.

      Conti, Infineon und Bosch sind zwar dabei, repräsentieren aber nicht die deutsche Volkswirtschaft.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Braunberger:

    >„Obgleich die Leitzinsen historisch niedrig und die Bilanzen großer Notenbanken wie der Europäischen Zentralbank und der amerikanischen Federal Reserve durch umfangreiche Anleihekäufe stark gewachsen sind, will sich in den meisten Wirtschaften der Industrienationen einfach kein starkes Wachstum der Kredite an die Privatwirtschaft einstellen.“>

    Es geht nicht nur um Kredite AN, sondern auch um Kredite IN der Privatwirtschaft:

    https://www.n-tv.de/wirtschaft/VW-BMW-und-Daimler-spielen-Kredit-Roulette-article20183749.html

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    • Avatar
      Johannes sagte:

      Danke für den Link auf einen sehr informativen Artikel. Er macht unruhig.

      „Es sind die Kredite, die VW an seine Kunden und Händler vergeben hat. Sie machen inzwischen rund ein Drittel des gesamten Konzernvermögens aus. Ebenso sieht es bei Daimler aus. Und beim Premium-Hersteller BMW sind es sogar mehr als 40 Prozent. Zusammen haben die drei Autobauer inzwischen Forderungen an ihre Kunden und Händler von sagenhaften 283 Milliarden Euro auf den Büchern. Damit haben sie mehr Kredite vergeben als die Commerzbank.“

      Im Grunde haben sich die Autoherstellung in die Transformation zu Banken aufgemacht. So wie man von Siemens schon lange launig sagt: „Ist eine Bank mit angeschlossener Elektroabteilung“…

      Und bei solchen Informationen kann einem schon schwindelig werden:

      „So setzte BMW beispielsweise 2015 den Wert aller Kredite, die berichtigt werden mussten, mit 58 Milliarden Euro in der Bilanz an. Am Gebrauchtwagenmarkt waren die Autos, die als Sicherheiten dahinter lagen, schlimmstenfalls aber nur noch rund 27 Milliarden wert – weniger als die Hälfte.“

      Diesel ist das Kerngeschäft der großen Drei und ich vermute mal, dass weitere Verschärfungen von Umweltzonen auch mit diesem Thema zu haben; ganz zu Schweigen vom grottenschlechten Handling der „Diesel-Skandale“ (meine konfret die Manipilation der Motorsoftware; nicht das hochgejazzte NOx- Thema…). Die Politk schützt im Grunde die Banken der großen Drei vor noch höheren Abschreibungsverlusten… könnte man denken.

      Und auch das Fazit stimmt nicht froh:

      „Zudem dürfte der Steuerzahler die Autobauer wie die Banken im Zweifel wegen ihrer schieren Größe retten – sie sind „too big to fail“. Die Kreditrisiken in ihren Bilanzen werden sie so schnell also nicht umhauen. Aber sie könnten sie schnell viel Geld kosten.“

      Richtig: das Geld des Steuerzahlers. Nur irgendwann ist dessen Fiskalkapazität (schönes vernebelndes Wort, nicht wahr :-) ) „erschöpft“.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Ich glaube, dass Braunberger die Realität nicht im Blick hat, wenn er argumentiert, wie er es tut.

    Sein Denken:

    Keine Kreditexpansion, kein Boom, keine Inflation, keine faulen Kredite, keine Bankenkrise, überhaupt keine Krise.

    Folglich liegen die falsch, die von Krise, speziell des gesamten Geld- und Finanzsystems reden.

    Dieses Denken war einmal richtig, ist es aber nicht mehr.

    Denken der NEUEN Normalität:

    Wir haben eine Krise des Geld- und Finanzsystems, die lediglich durch die Geldpolitik der Notenbanken nicht zum Systemkollaps geworden ist.

    Die Geldpolitik hat selbstverständlich zu Inflation geführt – zwar nicht durch Wertschöpfung in der Realwirtschaft, aber durch Preiserhöhungen bei BESTEHENDEN Sachwerten (Immobilien) und Unternehmenswerten (Wachstumsstarke IT-Unternehmen außen vor).

    Wenn diese Geldpolitik revidiert wird – nach Braunberger stabilisierend wirkend – wird die Krise des Geld- und Finanzsystems virulent.

    Braunberger argumentiert mit Blick auf eine ANDERE Welt als die, in der wir sind.

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    Wolff Baer sagte:

    Dahinter steckt meistens kein kluger Kopf: In der Redaktion der FAZ nämlich.

    Einer der Leser hat ihm auch gleich komplette Ahnungslosigkeit unterstellt.

    Natürlich kann der jetzt immer mehr auflagenschwache Mainstream keine „Schwarzmalerei“ a la BTO unterstützen.

    Er muß also seine Leser beruhigen mit der Frage, „Ja, wo bleibt denn der Zusammenbruch?“

    Er hat aber den USA-Crash 2008 schon wieder vergessen, der gute Mann.

    Dort hatte kein Mensch geglaubt, daß man gegen den Immobilienmarkt wetten kann.

    Als, wie in dem Hollywood-Film (The Big Short), ganz toll verfilmt, ein einäugiger genialer Fondsverwalter, sich einmal kistenweise Material von den Immobilien-Finanzierern besorgte, und nachschaute, ob denn überhaupt der Kapital-Dienst für die Abermillionen-Kredite an NINA-Schuldner (No income, no assets) ordentlich geleistet wurde, stellte er fest, daß mehr als die Hälfte der Hypotheken-Raten viele Monate lang überhaupt nicht mehr bedient wurden, und daß die Aussichten für eine Besserung überhaupt nicht vorhanden war, weil immer mehr Zwangs-Vollstreckungen durchgeführt wurden.

    Als einer der großen Auftrags-Killer – äh, ich meine: Zwangsvollstrecker hat sich die Deutsche Bank mit deutscher Gründlichkeit hervorgetan und Tausende NINAs aus ihren Häusern vertrieben.

    Seitdem unterstellt kein Amerikaner mehr der DB „Leistung aus Leidenschaft“ sondern vergleicht die Deutschen mit Hunnen, Vandalen und Raub-Nazis, die das amerikanische Volk ausrauben.

    Wenn FAZ-Braunberger damals in den USA gearbeitet hätte, wäre seine Reaktion genauso wie die der Nihilisten, die es für ausgeschlossen hielten, daß jemals der Immo-Markt crashen würde und daß nur ein Vollidiot eine Short-Position eingehen würde.

    Was aus dieser Sorglosigkeit entstanden ist, wissen wir alle.

    Aus dieser Zeit stammt auch die Behauptung daß die deutschen Banker „die dümmsten der Welt“ wären, denn die haben Lehman-Zertifikate noch gekauft, als schon die Spatzen von den Dächern pfiffen, daß das Spiel aus ist.

    So ähnlich könnte es auch mit den von den „Schwarzmalern“ vorausgesagten Super-Crashs gehen.

    Irgendwann kommen sie ….. über Nacht…. oder viellleicht am Wochenende, wenn keiner mehr an sein Geld oder seine Schließfächer kommen kann, die Börsen geschlossen sind – und die Insider längst Kasse gemacht haben.

    Huch, jetzt habe ich ja selber Angst bekommen.
    Muß wohl jetzt schnellstens meine Assets in Sicherheit bringen.

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    • Avatar
      Wolfgang Selig sagte:

      „Irgendwann kommen sie“, ist sehr treffend. Das erinnert mich an Fukushima, über das bzw. Über verwandte Standorte Geologen seit Jahrzehnten gesagt haben, dass ein Atomkraftwerk im pazifischen Feuerring geologisch keine gute Idee ist, was natürlich kaum jemand interessiert hat. Das wird wohl in den nächsten Jahrhunderten in Neapel am Vesuv so sein und auch beim nächsten großen Erdbeben in Kalifornien. Naturgesetze inklusive Mathematik zu ignorieren, weil die Zeitdauer bis zum Ereignis lange sein kann, war noch nie eine gute Idee, auch nicht in der Wirtschaft. So wird es auch mit dem Bitcoin sein und mit dem Crash der Märkte beim margin call. Denn die politischen Überraschungen sind mit Trump und Brexit, aber auch mit der aktuellen Hängepartie seit der Bundestagswahl noch lange nicht zu Ende. Als aktuelles Beispiel seien die Umfrageergebnisse zu den nächsten Parlamentswahlen in Italien genauso genannt wie die Auseinandersetzungen in Saudi-Arabien und Umgebung. Von volkswirtschaftlichen Disruptionen wie der ausstehenden Umstellung der deutschen Autoindustrie auf Elektromobilität und Autonomie ganz zu schweigen…

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      • Avatar
        Wolff Baer sagte:

        Hallo Herr Selig.

        …..“Austehende Umstellung der deutschen Automobil-Industrie auf E-Mobilität…“

        Da haben Sie ins Schwarze getroffen.

        Während unsere Industrie ungerührt die Produkte aus der Kaiserzeit zu Höchstform entwickelt, kündigt sich in China die 1.Revolution in Sachen E-Mobilität an.

        Unsere Schrempps werden dieses Mal nicht so brüllend lachen, wie damals, als Toyota seine erste Corolla auf den deutschen Markt brachte.

        Heute ist Toyota im Wechsel mit Abgasbetrüger VW die weltweite Nr.1.

        Ein chinesisches Startup hat den Nio ES 8 vorgestellt.

        Einen 5 m-SUV mit Vierrad-Antrieb,635 PS, 0-100 km Porsche-verachtende 4,4, sec., Reichweite nach strengen Kriterien ca. 335 km.
        Wechsel-Akku mit 3 Minuten automatischer Montage.
        Preis: Die Hälfte des vergleichbaren Tesla Mod.X, nämlich nur 57 000 €.

        Hilfe haben die Chinesen von deutschen Entwicklern, die hochwertigen technischen Bauteile stammen ebenfalls von BOSCH und Konsorten.

        Da friert den überheblichen Deutschen das Grinsen im Gesicht ein und auch Elon Musk von Tesla wird schlaflose Nächte bekommen.

  6. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Inflation gibt es nur bei Vertrauensverlust in Geld. Kann das passieren? Ja. Aber ab welchem Punkt kann niemand sagen.“
    Die eine Möglichkeit, die Inflation der Vermögenswerte, hat schon vor Jahren begonnen, denn das Vertrauen in langfristige Nominalwerte ist schon vielerorts weg. Wer kauft noch freiwillig 30jährige Anleihen als Privatperson oder schließt Kapitallebensversicherungen ab? Wenn man Inflation als Anwachsen der Geldmenge und nicht nur reduziert als Anstieg der Verbraucherpreise (die andere Möglichkeit anstelle der asset inflation) definiert, haben wir jetzt bereits Inflation. Wenn jetzt auch noch die kurzfristigen Nominalwerte das Vertrauen verlieren sollten, steigt die Umlaufgeschwindigkeit und damit auch die Verbraucherpreise. Diesen Zeitpunkt kann tatsächlich noch niemand sagen.

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