Corporate aristocracy holding out against tax revolutionCorporate aristocracy holding out against tax revolution

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Es ist nicht das erste Mal, dass das Thema Unternehmensbesteuerung auch von der FT aufgegriffen wird. In der Tat muss man schon die Frage aufwerfen, ob es wirklich fair ist, dass die Staaten unter hohen Schuldenlasten leiden, die privaten Haushalte für diese Schulden zur Kasse gebeten werden ‒ und wenn es nach Piketty geht, noch viel mehr sollen ‒ und zugleich die größten Unternehmen, die auch noch den reichsten Menschen gehören, wenn wir an Google, Apple und Facebook denken ‒ praktisch keine Steuern zahlen. Die FT argumentiert so:

  • In den 1950er-Jahren erbrachten Unternehmenssteuern in den USA 5,9 Prozent vom BIP, im Jahre 2013 waren es nur noch 1,6 Prozent. Trotz formell hoher Steuern gibt es faktisch zu viele Ausnahmen und Schlupflöcher.
  • In Europa war der Rückgang von 3 Prozent (2000) auf 2,5 Prozent heute nicht so ausgeprägt, doch auch hier sind die Steuersätze deutlich gesunken.
  • Kleinere Unternehmen, die entscheidend zu Innovation und Beschäftigung beitragen, werden überproportional belastet, weil sie Gewinne nicht international verschieben können.
  • Darüber hinaus führt die Steueroptimierung der Unternehmen zu einem Aufbau an Liquiditätsreserven. (bto: Dies gilt vor allem für US-Firmen, die, um Steuern zu vermeiden, das Geld im Ausland lassen.) Damit wird der Unternehmenssektor als Ganzes zu einem Nettosparer, was allerdings nicht seine Rolle ist. Eigentlich sollten Unternehmen Geld leihen, um zu investieren.
  • Damit verstärken die Unternehmen die weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte. Staaten müssen sparen und Konsumenten können nicht im gleichen Maße konsumieren. Die Unternehmen verstärken so die säkulare Stagnation. Weniger Investitionen bedeuten per Definition mehr Ersparnis der Unternehmen. (bto: So sie das Geld nicht für Aktienrückkäufe und Dividenden ausgeben.)
  • Es wäre besser, Geld vom Unternehmenssektor zu den privaten Haushalten zu transferieren, um so die Nachfrage zu stärken (habe ich auch schon oft gefordert). Dabei geschieht oft das Gegenteil, wie zum Beispiel in Japan.
  • Nur Südkorea hat gehandelt und eine Strafsteuer für Unternehmen, die „Geld horten“, eingeführt.

Fazit der FT: Die großen Unternehmen haben vorerst nichts zu befürchten und werden mit ihrem Horten von Geld zur weiteren wirtschaftlichen Misere beitragen.

FT (Anmeldung erforderlich): Corporate aristocracy holding out against tax revolution, 3. März 2015

1 Antwort
  1. MFK says:

    Besser wäre es, die Besteuerung der Unternehmensgewinne konsequent auf der Eigentümerseite vorzunehmen. Dies ist leider nicht der Fall. Dividenden werden gegenüber Arbeitseinkommen privilegiert. Auch der Abbau von Subventionen kommt nicht voran. Im Ergebnis wird man also nicht daran vorbeikommen Unternehmensgewinne stärker zu besteuern. Dieses wird allerdings angesichts des Wettbewerbs um Produktionsstandorte wohl nicht geschehen.

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte das Captcha ausfüllen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.