Debitismus: Von der zwangsläufigen Krise (II)

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Bei der Fortsetzung des Themas → Debitismus greife ich in dieser Woche auf einen Auszug aus meiner Dissertation aus dem Jahr 1990 zurück:

Deflationäre Depression – Konsequenzen für das Management

Hier also der Originaltext ergänzt um a) Hervorhebungen und b) Anmerkungen aus heutiger Sicht.

Grundlagen

Basis dieser umfassenden Wirtschaftstheorie bilden die Untersuchungen von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger, die in einer Analyse von Entstehung und Funktionsweise der Geldwirtschaft aufzeigen, dass die nur in einer Privateigentümergesellschaft bestehende Überschuldungsgefahr zu Mehrarbeit und Produktivitätssteigerungen zwingt. Die einem derartigen Wirtschaftssystem inhärente Dynamik erklärt dessen Überlegenheit gegenüber allen anderen Wirtschaftsformen.[i]

Die Entwicklung der Geldwirtschaft geht mit der Entstehung der griechischen Stadtstaaten (Polis; ca. 700 v. u. Z.) einher, die nach dem Zusammenbruch der davor bestehenden Feudalherrengesellschaft gegründet wurden. Auslöser für den Aufstand der Leibeigenen waren vermutlich heftige Naturkatastrophen, die zu einer Zersetzung der vorherrschenden Gesellschaftsformen beigetragen haben.[ii]

Im Zuge der erfolgreichen Revolution der Leibeigenen kam es zu einer völlig neuen Gestaltung der Eigentumsverhältnisse: Im Bestreben, nicht erneut einem Feudalherren dienen zu müssen, erfolgte eine gleichmäßige Aufteilung von Grund und Boden auf die beteiligten Revolutionäre.

Die Privateigentümer genossen fortan nicht mehr die Sicherheit des Kollektivs mit gemeinsamer Lagerhaltung und waren gezwungen individuelle Vorsorge für den Fall von Notlagen (Missernten etc.) zu treffen, weshalb sie Vorräte anlegten. Diese sollten ihr „existenzielles Risiko“ absichern.[iii]

Geriet ein Privateigentümer dennoch in Not, so konnte er sich von einem anderen Saatgut und Lebensmittel leihen. Da der Kreditgeber damit jedoch seine Reserve aus der Hand gab, verlangte er eine Liquiditätsprämie, die ihn für das Existenzrisiko entschädigte, welches er durch Preisgabe seines Notvorrates einging. Mit der sofortigen Schuldknechtschaft seines Schuldners (und meist auch dessen Familie) sicherte sich der Gläubiger gegen das Risiko ab, „(…) dass er vor Fälligkeit seines weggeborgten Vorrats in Not gerät (…).“[iv] Die Schuldknechtschaft fungierte also als erste Materialisierung der Liquiditätsprämie und damit als Vorstufe des Zinses.

Nach Abschaffung dieser Form der Schuldknechtschaft musste der Kreditgeber in anderer Weise für die Aufgabe seiner Sicherheit entschädigt werden. Diese Entschädigung war der Zins, der damit erfunden wurde. Es genügte nicht mehr, wenn der Schuldner die ursprünglich geliehene Menge eines Gutes zurückerstattete, hinzukam eine im Voraus festgelegte Menge als Zins. Auf diese Weise entstand Leistungsdruck, da der Schuldner gezwungen wurde, ein Mehrprodukt zu erzeugen.[v]

Mit zunehmender Kreditvergabe stieg das Bedürfnis nach Dokumentation und Beurkundung durch einen neutralen Dritten, eine Aufgabe, die meist den Priestern übertragen wurde, was zu einem Aufgabenwandel der Tempel beitrug. Immer mehr übernahmen diese auch die Aufbewahrungsfunktion für die privaten Eigentümer, die sich so von der Vorratsbewirtschaftung entlasten konnten.[vi]

Wachsende Lagerhaltung der Tempel, die praktisch Banken gleich zu setzen waren, führte wegen der Verderblichkeit der gelagerten Waren zu steigenden Kosten. Dies war der Grund dafür, dass Metalle als Warenersatz verwendet wurden. Knappheitserscheinungen und fehlende Rechtssicherheit führten letztlich zur Entstehung von Münzen im Sinne von „gesetzlichen Zahlungsmitteln“.[vii]

Der Schuldner musste nunmehr einen bestimmten Geldbetrag (Anzahl Münzen) bei Fälligkeit der Schuld zahlen, welchen er durch Verkauf seiner Waren am Markt beschaffen konnte. Der Markt ist folglich Ort der Beschaffung von Schulddeckungsmitteln und damit „(…) kein Tauschplatz, wo verknappte Güter ihren Besitzer wechseln, sondern die Institution, wo Schuldner ihr Produkt gegen das Medium verkaufen müssen, in dem sie ihre vertraglichen Verpflichtungen eingegangen sind“. (Geld ist folglich nichts anderes als „umlauffähig gemachte Schulden“.[viii])

Der Schuldner steht unter dem Druck, Käufer für seine Produkte zu finden, was gleichzeitig eine Erklärung für den technischen Fortschritt und den intensiven Wettbewerb in Geldwirtschaften liefert: Durch das Entdecken neuer Produkte und Produktionsverfahren versucht er, die Produktivität zu steigern, um die Kosten der Vorfinanzierung zu senken.[x]

Dies ist im Kern die Entwicklungsgeschichte von Zins und Geld und damit des „kapitalistischen“ Wirtschaftssystems.

Martin erklärt die Einführung des Zinses damit, dass im Verlauf der Erntezyklen heftige Preisschwankungen der Agrarerzeugnisse aufgetreten sind. Der Besitzer eines Getreidevorrats nach einer Missernte musste damit rechnen, dass die kreditierte Menge Getreide im darauf folgenden Jahr, nach einer guten Ernte, deutlich weniger Wert war als zum Zeitpunkt der Kreditvergabe. Diesen Verlust wollte er durch den Zins ausgeglichen wissen, was die hohen Zinssätze der Antike erklärt.[xi] Mit Einführung der Metallmünzen kam es zu deutlichen Zinsrückgängen, was auf deren Optionscharakter zurückgeführt werden kann. Letztlich wurde das Preisrisiko auf den Schuldner überwälzt, der am Markt die erforderlichen Preise erzielen musste, weil er ja einen bestimmten Geldbetrag schuldig war.[xii]

Meines Erachtens ist Martin zuzustimmen, wenn er die Schuldknechtschaft erst im Zeitpunkt der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners und nicht schon bei Eingehen des Schuldverhältnisses annimmt.[xiii] Zinsen werden folglich gleich zu Beginn der Privateigentümergesellschaft erhoben, wobei diese zuerst als die Liquiditätsprämie zu werten sind. Erst nach der Erfahrung heftiger Preisschwankungen kommt es zu höheren Zinsforderungen, quasi als Zuschlag für zu erwartende Wertverluste der kreditierten Ware.

Der Zins setzt sich folglich aus zwei Elementen zusammen, der Liquiditätsprämie und der Risikoprämie zum Ausgleich von Preisschwankungen. Mit Einführung des Metallgeldes kann auf Letztere weitgehend verzichtet werden, da zwar der Preis des einen oder anderen Gutes bei einer guten Ernte verfallen wird, der Gläubiger jedoch nicht verpflichtet ist, eine bestimmte Ware zu beziehen. Münzen geben ihm ein Optionsrecht, dass er zu einem ihm genehmen Zeitpunkt ausüben kann.

Aufbauend auf dieser wirtschaftshistorischen Untersuchung, entwickelt Martin einen neuen Erklärungsansatz für die bestehende Wirtschaftsordnung, den er als Debitismus bezeichnet und der im Folgenden charakterisiert werden soll.

Der Debitismus

Ausgangspunkt bildet die Überlegung, dass ein Unternehmer gezwungen ist, seine Produktion vorzufinanzieren, und er demnach mehr aus dem Wirtschaftskreislauf entnehmen will und muss, als er an Faktorentgelten eingeleitet hat (auf diesen Aspekt hatte auch schon Schumpeter hingewiesen).[xiv] Dieses „Mehr“ dient Zinszahlungen beziehungsweise Eigenkapitalverzinsung. Gleichzeitig setzt ihn die Zinsverpflichtung unter Druck, sodass er gezwungen ist, zumindest in dieser Höhe ein Mehrprodukt zu erzeugen, was denn auch die Ursache des Wirtschaftswachstums ist, wobei dieses Wachstum der Summe der Vorfinanzierungskosten entspricht. „Das Schuldverhältnis wird somit zum Bestimmungsgrund für die Produktivität der Arbeit“, d. h. der Schuldner „muss heute die Liquiditätsprämie für den Gläubiger zusätzlich aufbringen und kann mit seiner Leistung von gestern nur noch untergehen“.[xv]

Das Problem liegt nun darin, dass der Unternehmenssektor nur dann mehr aus dem Kreislauf entnehmen kann, als er an Faktorentgelten ausbezahlt hat, wenn jemand bereit ist, sich in dieser Höhe zu verschulden. Die neu eingegangenen Schuldverhältnisse müssen also mindestens so hoch sein, „dass die Zinsverpflichtungen aus den früheren Schulden bedient werden können“.[xvi] Wird diese Bedingung nicht erfüllt, kommt es zu einer Krise im System.

Diese Zusammenhänge sollen nun anhand von Beispielen verdeutlicht und diskutiert werden. Ausgangspunkt der Überlegungen ist das Kreislaufmodell der Nationalökonomie, welches nach wie vor Basis der volkswirtschaftlichen Ausbildung ist.

  1. Das Kreislaufmodell in der traditionellen Nationalökonomie

Beispiel: Geschlossene Volkswirtschaft, 1 Unternehmen, 1 Produkt, nur Arbeitseinsatz, nur eine Periode, Ersparnisse der Arbeiter = 0, Unternehmer finanziert alles unentgeltlich.

Abb. 1: Kreislaufmodell in der traditionellen Nationalökonomie

 

Quelle: Daniel Stelter, Deflationäre Depression

Grundüberlegung ist hierbei, dass sämtliche Kosten gleichzeitig Einkommen sind und folglich die Produktion sich ihre Nachfrage selber schafft. Diese Annahme wird immer aufrechterhalten, auch dann, wenn Vorfinanzierungskosten (=Zinsen und Gewinne) anfallen. Kritik an diesem Ansatz, der auf Say[xvii] zurückgeht, wird unter anderem wegen der Vernachlässigung der Zeitverschiebung zwischen Ersparnisentstehung und Ersparnisbenutzung geübt. Wie sich aus der nachfolgenden Diskussion ergibt, ist dies der zentrale Kritikpunkt am volkswirtschaftlichen Kreislaufmodell, da gerade die Vernachlässigung des Zeitablaufs das Modell in dieser Form ad absurdum führt.

B) Erste Erweiterung der Modellannahmen

Nunmehr wird von dem realistischen Fall ausgegangen, dass der Unternehmer eine Entschädigung für das von ihm eingegangene Risiko verlangt. Davon ist besonders dann auszugehen, wenn man sich vor Augen hält, dass es sich hierbei um einen Privateigentümer handelt, der sich vorübergehend von seinem Notvorrat trennt. Dafür wird er, wie oben gezeigt, eine Liquiditätsprämie fordern, den Gewinn. Wiederum soll der Zusammenhang am Kreislaufmodell aufgezeigt werden.

Beispiel: Geschlossene Volkswirtschaft, 1 Unternehmen, 1 Produkt, nur Arbeitseinsatz, nur eine Periode, Ersparnisse der Arbeiter = 0, Unternehmer finanziert alles vor, kalkulierter Gewinn 10 %.

 

Abb. 2: Kreislaufmodell mit Gewinnstreben

 

 Quelle: Daniel Stelter, Deflationäre Depression 

Offensichtlich bleibt der Unternehmer auf einem Teil seiner Produktion sitzen, da die Konsumenten nur in Höhe der von ihm ausgezahlten 100 Geldeinheiten konsumieren können. Ersparnisse bestehen gemäß den getroffenen Annahmen nicht, und selbst wenn sie bestünden, würde dies bedeuten, dass die Arbeiter in jeder Periode entsparen, was sie nur begrenzte Zeit (eben so lange die Ersparnisse genügen) tun können. Folglich kann der Unternehmer nur einen Gewinn in Form von Waren erzielen (Warenüberschuss), jedoch keinen Geldgewinn. Sein Ziel ist es aber, eine Liquiditätsprämie auf dem eingesetzten Geldbetrag zu erwirtschaften. Mit dem so erzielten Überschuss vermag er nichts anzufangen, da er bereits ein Unternehmerlohn bezieht (enthalten in der Lohnsumme von 100), den er zum Konsum eigener Produkte verwendet.

Ist die geschilderte Lage im Fall einer 100%-Eigenfinanzierung für den Unternehmer tragbar, so stellt sich die Situation im Falle einer völligen oder teilweisen Fremdfinanzierung gänzlich anders dar:

C) Zweite Modifikation der Modellannahmen

Diesmal erfolgt eine Vorfinanzierung durch einen Dritten zu 100 %. Der Zinssatz liegt bei 10 % und ist gemeinsam mit der kreditierten Summe am Ende der Periode an den Kreditor in Geldeinheiten zu leisten. Die übrigen Modellannahmen bleiben unverändert.

Abb. 3: Kreislaufmodell mit Vorfinanzierung

Quelle: Daniel Stelter, Deflationäre Depression  

An dieser Stelle ist folgender Einwand zu erwarten: Die vom Unternehmer zu leistenden Zinszahlungen stellen ebenfalls Faktoreinkommen dar und gehen (wenn auch mit einer Periode Verzögerung) in den Wirtschaftskreislauf ein. Diese Annahme trifft auch die traditionelle Volkswirtschaftslehre, die Zinseinkommen der laufenden Periode in ihren Darstellungen berücksichtigt. Hier liegt jedoch meines Erachtens das grundlegende Problem der Erklärung wirtschaftliche Zusammenhänge. Gerade der time-lag zwischen Zinseinkommen und dem daraus resultierenden Konsum stellt den Unternehmer vor ein unlösbares Problem. Sein Gläubiger wird, wenn überhaupt, erst in der nächsten Periode seine Waren nachfragen. Entspräche der Konsum der Höhe des vereinbarten Zinses, so hätte auch er sein Ziel, eine Liquiditätsprämie in Geld zu erhalten, nicht erreicht.

Entgegen der Auffassung der Neoklassik kann man eben nicht von Zeitverschiebungen abstrahieren. Der verschuldete Privateigentümer (Unternehmer) muss am Ende der Periode einen bestimmten Geldbetrag leisten, den er durch Verkäufe am Markt, wie gezeigt, nicht realisieren kann. Zinseinkommen werden eben frühestens in der nächsten Periode nachfragewirksam.

Nimmt man nun jedoch an, dass sich dieser Prozess jede Periode wiederholt, so könnte man argumentieren, dass jeweils die Zinseinkünfte auf Ausleihungen der letzten Periode in der laufenden Periode nachfragewirksam werden. Unterdessen vergeht jedoch Zeit. Wie soll der Unternehmer diese überbrücken? Leiht er sich wiederum Mittel, um diese Lücke zu schließen, so sind zu einem späteren Zeitpunkt mehr Zinsen fällig, was zu einer immer größeren Zusatzverschuldung des Unternehmers führen muss.

Nun kann sicherlich eingewendet werden, dass die Annahme nur eines Unternehmers zu restriktiv ist, weshalb nachfolgend eine Gruppe von Unternehmungen betrachtet wird.

D) Dritte Modifizierung der Modellannahmen

Mehrere Unternehmen (zehn) finanzieren sich zu 100 % mit Fremdmitteln vor. Die übrigen Annahmen bleiben unverändert.

 

Abb. 4: Kreislaufmodell mit mehreren Unternehmen

Quelle: Daniel Stelter, Deflationäre Depression  

Die Problematik stellt sich in diesem Modell genauso, wie in den zuvor betrachteten. Der Unternehmenssektor als Ganzes muss am Ende der Periode 100 Geldeinheiten zusätzlich erwirtschaftet haben, um seinen Verpflichtungen nachkommen zu können. Doch auch hier stellt sich die Frage, woher die Unternehmer die benötigte Liquidität bekommen.

Wären alle Unternehmer zu 100 % mit eigenen Mitteln ausgestattet (wie oben im Modell B), so könnten sie den erzielten Warenüberschuss untereinander tauschen.[xviii] Dadurch könnten sie zwar ihren individuellen Nutzen erhöhen, Liquidität im Sinne von Schulddeckungsmittel erhalten sie dadurch jedoch nicht.

Eine Möglichkeit der Problemlösung wäre der Konkurs einer beteiligten Unternehmung, die gar nichts verkauft hat. Dann konzentriert sich die Nachfrage der Konsumenten auf nur 9 Unternehmen, die dann den Zinskostenzuschlag am Markt realisieren können (gilt nur unter der Annahme, dass die entlassenen Arbeiter dennoch ihren ganzen Lohn zum Konsum verwenden). Selbstverständlich sind beliebige Kombination denkbar (neun Unternehmungen Verlust, eines Gewinn, etc.).

Folge einer derartigen Entwicklung wäre ein Konzentrationsprozess in der Wirtschaft, bis letztlich nur noch ein Unternehmen verbleibt. Dieses wäre dann jedoch in der Position der oben dargestellten Unternehmung.

Ziel dieser ausführlichen Darstellung war es, dem Leser vor Augen zu führen, dass im „debitistischen“ System, also unserer Wirtschaftsordnung, immer Liquidität fehlt. Niemals können (unter diesen Annahmen) alle vorfinanzierten Unternehmer ihre Vorfinanzierungskosten im Markt realisieren.

Denkbar wäre jedoch, dass die Kreditgeber, in Erwartung zukünftiger Zinsen, bereits heute konsumieren und damit die Erarbeitung der Zinsen erst ermöglichen. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die heutige Wirtschaftsordnung im Kern der hier behandelten entspricht, weshalb kaum erwartet werden kann, dass die Kreditgeber ihre Liquiditätsprämie bereits vor deren Erhalt verbrauchen.

Bedenkt man nun, dass die Wirtschaftssubjekte danach trachten, ihr Geldvermögen zu erhöhen, was zum Beispiel mit dem gestiegenen Wohlstandsniveau begründet werden kann, sie also sparen, so erkennt man schnell, dass Nachfrage fehlt. In der Nationalökonomie wird angenommen, dass in Höhe der Ersparnis Investitionen getätigt werden. Ex post ist dies auch in den hier dargestellten Modellen der Fall. Derartige unfreiwillige Lagerinvestitionen sind für einen vorfinanzierten Unternehmer jedoch nicht tragbar. Wie soll er seinen Schuldverpflichtungen nachkommen?

E) Der Lösungsansatz: Nachverschuldung

In diesem Fall ist ein Wirtschaftssubjekt bereit, sich zur Nachfrage der angebotenen Güter zu verschulden. Tut es dies in Höhe der Zinsschulden des Unternehmers, so befindet sich das System in einem Gleichgewicht in dem Sinne, dass der Unternehmer die Möglichkeit hat, am Ende der Periode die vereinbarte Summe in Geldeinheiten an den Kreditgeber weiterzugeben.

Folge dieser Neuverschuldung ist wiederum ein neuer Schuldendruck, da jetzt ein weiterer gezwungen ist, den Zins in Geldeinheiten am Markt, durch Arbeit oder Verkauf selbst erstellter Waren, zu realisieren. Damit er dies kann, muss sich erneut jemand bereitfinden, Schulden einzugehen. So ergibt sich die Notwendigkeit ständigen Schuldenwachstums in dieser Wirtschaftsform.

Abb. 5: Kreislaufmodell mit Nachverschuldung

 Quelle: Daniel Stelter, Deflationäre Depression 

Die Praxis scheint diese Schlussfolgerung zu bestätigen, ist doch das Verhältnis von Schulden zu Sozialprodukt in den USA über Jahrzehnte konstant bei etwa 1,4 zu 1 geblieben. Dass dieses Verhältnis nicht mehr Gültigkeit besitzt, hat andere Ursachen, die im nachfolgenden Abschnitt behandelt werden.

Der freie Markt ist folglich ein Ort der Schuldenregulierung, wo die verschuldeten Unternehmer einen Dritten zur (notwendigen) Neuverschuldung animieren wollen, da sonst niemals alle Schuldner in der Lage sind, die benötigten Schulddeckungsmittel zu beschaffen.[xix]

Verschuldetes Privateigentum (Kapital) und der damit verbundene Schuldendruck, d. h. der Zwang, einen Nachschuldner zu finden, kennzeichnet also das in den westlichen Industrienationen bestehende Wirtschaftssystem. Aus dem bisher Gesagten ergibt sich als Schlussfolgerung zum einen, dass die Schulden mit der Zeit immer größer werden (absolut, relativ zum BIP können sie stagnieren oder gar sinken), zum anderen, dass es in diesem System niemals ein Gleichgewicht (wie es die Nationalökonomie definiert) geben kann, da erst die Zusatzverschuldung den störungsfreien Ablauf des Prozesses ermöglicht. Nur der Konsum der Gläubiger im Sinne einer als endgültig akzeptierten Leistung führt zu einem Schuldenabbau, sodass sich die Existenzberechtigung des Systems wie folgt formulieren lässt:[xx]

Abb. 6: Die Formel des Debitismus

Quelle: Martin 1986  

Die Ursache der kommenden Krise

Nun tritt im oben beschriebenen System der Staat als vermeintlich infallibler Schuldner auf, was dazu dient, den debitistischen Prozess der Neuverschuldung möglichst lange fortzuführen, also den üblichen Ausgleich durch Leistung (Konsum) beziehungsweise Forderungsvernichtung hinauszuzögern.[xxi] Erste Folge staatlichen Schuldenmachens ist ein Anstieg des Preisniveaus (Inflation), da der Staat im Gegensatz zu Privatschuldnern nicht verpflichtet ist, eine zusätzliche Leistung zu erbringen. Dieser fehlende Druck führt darüber hinaus zu einer entsprechenden Verlangsamung des Wirtschaftswachstums.

In einem staatsfreien debitistischen System ist das stabile Preisniveau per saldo der Normalzustand, da zwar jeder Kredit zu zusätzlichem Geld und damit zu einer zeitweisen inflationären Nachfrage führt, gleichzeitig jedoch der Schuldner zu zusätzlicher Produktion verpflichtet ist, mit der Folge eines entsprechenden deflationären Angebotsüberhang. Meines Erachtens besteht in diesem Fall sogar, bedingt durch technischen Fortschritt und Produktivitätszuwächse, eine anhaltende Preissenkungstendenz. Dies würde auch erklären, weshalb in den von Kondratieff aufgezeigten langen Wellen der Konjunktur die Preise für gleichartige Güter jeweils wieder ein wenig unter den vorausgegangenen Tiefpunkt gefallen sind.

Abb. 7: Typisierte Preisentwicklung im gesunden debitistischen System


Quelle: Daniel Stelter, Deflationäre Depression  

Die vom Staat in Gang gesetzte Inflation wird durch private, auf einen weiteren Preisanstieg spekulierende, Verschuldung zusätzlich verstärkt[xxii], sodass sich die Gesamtverschuldung im System am Ende der Inflation auf ihren Höchststand befindet. Da jede Inflation zwangsläufig dann, wenn „die Kosten einer weiteren Inflationierung (…) höher sind als die Gewinne aus der Inflationierung“ in eine Deflation umschlagen muss, kommt es zum offenen Ausbruch einer Schuldenkrise. Die Kosten bestehen zu Hauptsache aus Zinsen, da „jede Inflation einen Kredit voraussetzt“. [xxiii] (Aus heutiger Sicht fehlt in dieser Diskussion natürlich die Asset-Preis-Inflation, die wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben. Dahinter steckt m. E. die Globalisierung mit dem Angebotsschock von Millionen neuer Arbeitnehmer, der die klassische Inflation unterdrückt hat. Dennoch gilt die hier dargelegte Mechanik natürlich gleichermaßen).

Abb. 8: Preisniveauentwicklung im Fall von anhaltender Verschuldung ohne Leistungszwang

 Quelle: Daniel Stelter, Deflationäre Depression 

Der Übergang von Inflation zu Deflation stellt sich im Detail wie folgt dar:[xxiv]

Die staatlich verursachte inflationäre Entwicklung entlastet in der Anfangsphase die Unternehmungen, da es leichter wird, die Kosten der Vorfinanzierung zu realisieren. Mit der Zeit kommt es zu einem Anstieg von Zinsniveau und Kosten (Löhne, Vorleistungen), was den Schuldendruck wieder erhöht. Dies besonders dann, wenn die Unternehmungen im Hinblick auf eine Fortsetzung der Inflation ihren Fremdkapitalanteil ausgeweitet haben. (Was sie gemäß Martin auch müssen, da sie sonst im Wettbewerb mit verschuldeten Unternehmen nicht bestehen können. Eine Einschätzung, die ich teile und die wir heute sehr gut auch am reinen „financial engineering“ wie z. B. Aktienrückkäufen beobachten können.)

Durch eine erneute Beschleunigung des Preisauftriebs (Verschuldung) kann dieser Druck zwar gemildert werden, da sich dieser Beschleunigungsprozess jedoch nicht dauerhaft fortsetzen lässt, steigt die Belastung erneut.

Dies zwingt den Unternehmer, seine Waren immer schneller abzusetzen, das heißt den Zinskostenanteil so gering wie möglich zu halten, um zahlungsfähig zu bleiben.

Zu gleicher Zeit befinden sich die Staatsdefizite auf noch nie gekannter Höhe, ohne aber den gewünschten expansiven Effekt zu erzielen, da der Großteil der Neuverschuldung Zinszahlungen dient, der Staat also aufschuldet. Dies führt, eventuell verschärft durch eine Sparpolitik, dazu, dass der im System erforderliche Nachschuldner fehlt. Für den verschuldeten Unternehmenssektor wird es zunehmend schwerer, die zur Bedienung des gestiegenen Fremdkapitalanteils nötigen Mittel zu erwirtschaften.[xxv] Mit dem Ende der Inflation werden die hohen Schulden, gepaart mit dem überhöhten Zinsniveau, zu einer immer stärkeren Belastung. Hier zeigt sich, dass Inflation nichts anderes als die Folge eines anhaltenden Aufschuldungsprozesses ist, bei dem die Selbstregulierung durch Leistung und/oder Forderungsvernichtung (Verzicht/Bankrott) nur aufgeschoben wurde.

Unternehmen und Konsumenten gehen im Verlauf der Inflation Verbindlichkeiten ein, was sie unter normalen Umständen niemals in diesem Maße getan hätten, bedeuten Schulden doch letztlich Leistungsdruck. Mit Ende des inflationären Preisauftriebs stehen die Schuldner vor der schwierigen Aufgabe, Mehrprodukt zu erzeugen, wobei dieser Leistungszwang, angesichts der aufgelaufenen Schuldenlast und der hohen Realzinsen, besonders hoch ist. Es wird zunehmend schwerer, neue Schuldner zu gewinnen, die eine Bedienung der alten Schulden ermöglichen. Zur Aufrechterhaltung ihrer Liquidität gehen sie dazu über, ebenso wie der Staat, Kredite zur Bedienung ihrer Schulden aufzunehmen. Dabei sind sie bereit, jeden Zins für sofort verfügbares Geld zu entrichten. (Heute haben wir die andere Strategie. Nachdem Banken und Schuldner gleichermaßen pleite sind, tut man mit Hilfe von Nullzinsen so, als wäre noch alles in Ordnung und hofft auf ein Wunder.)

Ist es nicht mehr möglich, Geld auf den Kapitalmärkten zu beschaffen (oder wird es einfach zu teuer), so setzen Notverkäufe ein. Die Unternehmer werden, im Bestreben der Illiquidität vorzubeugen, damit beginnen Preissenkungen vorzunehmen, die sofort von der Konkurrenz nachvollzogen werden. Es beginnt ein Preissenkungswettlauf, der seine Ursache im Versuch der Schuldner hat, „um jeden Preis“ die zum Schuldendienst erforderlichen Mittel zu beschaffen. Die nun einsetzende Pleitewelle ist der Beginn einer deflationären Spirale, die so lange abläuft, bis alle jene Schulden verschwunden sind, die in der Inflation gemacht wurden, die also die Inflation überhaupt ermöglicht haben. (Heute droht diese Entwicklung, wie ich bei bto immer wieder diskutieren, unter anderem aus China.)

Dass der hier geschilderte Ablauf des Umschlags von Inflation in Deflation durchaus wahrscheinlich ist, zeigt ein Blick auf die Verschuldungslage US-amerikanischer Unternehmen. (Tja, da war ich damals schon viel zu früh dran. Zugegeben!)

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Unternehmen mit außerordentlich hoher Liquidität, wobei Siemens gerne als Beispiel genannt wird. Dabei handelt es sich jedoch nur um eine Minderheit von Unternehmungen, da sich der überwiegende Teil nicht in einer derart komfortablen Lage befindet. Letztlich ist dies das Spiegelbild zur Aufschuldung im System, da Schuldner (vor allem der Staat) die Zinsen zur Schuld schlagen und so ein exponentielles Wachstum ihrer Schulden (Zinseszinseffekt), damit aber auch der entsprechenden Guthaben, auslösen. Zudem ist Liquidität ein Zeichen für fehlende Investitionsbereitschaft, deren Ursache nicht zuletzt in dem durch staatliches Aufschulden bedingten hohen Realzinsniveau zu sehen ist.[xxvi] Aufgrund ihrer hohen Zinserträge neigen diese Unternehmen dazu, ihre Produktion zu subventionieren, was den „Überlebenskampf“ der anderen Unternehmungen zusätzlich erschwert. (Das ist so nicht eingetreten, vor allem dank des kontinuierlich sinkenden Zinsniveaus. Dennoch ist es richtig, dass es sich nicht lohnt, in echte Kapazitäten zu investieren, weil das Wachstum zu gering ist. Dieses ist tief wegen der demografischen Entwicklung, aber auch wegen der geringen Produktivitätszuwächse, die letztlich bedingt sind durch unzureichende Investition und Innovation. Die Schuldenlast wirklich zusätzlich wachstumshemmend, auch dies ist Lesern von bto wohlbekannt.)

Da, wie bereits erwähnt, die Deflation erst dann ihr Ende findet, wenn sämtliche in der Inflation angehäuften spekulativen Schulden beseitigt sind, muss dieser Schuldenvernichtung eine entsprechende Forderungsvernichtung gegenüberstehen. Dies bedeutet, dass die liquiden Mittel und Wertschriften der Unternehmen („Kriegskassen“) im Laufe einer deflationären Entwicklung einer Verminderung unterliegen würden.[xxvii]

Die hier dargestellte Wirtschafts- und Krisentheorie ermöglicht auch eine Erklärung der oben festgestellten Häufung von Basisinnovationen in Zeiten von Depressionen beziehungsweise deren Rückgang im Zuge eines Wirtschaftsaufschwungs: Fehlt der Schuldendruck, was durch das Auftreten des Staates als vermeintlich infalliblen Aufschuldner und Inflationserzeuger erklärt werden kann, so sinkt die Neigung zur Innovation. Hinzukommt ein Anstieg des Zinsniveaus, der Finanzanlagen attraktiver macht. Es ist dann leicht, das erforderliche „Mehr“ am Markt zu realisieren. Erst mit dem Ende der Inflation nimmt der Druck deutlich zu und löst einen Innovationsboom verschuldeter Privateigentümer (Unternehmer) aus, die ums Überleben kämpfen und versuchen, durch neue Produkte zum Kauf und damit zur Verschuldung zu animieren. (Heute sehen wir, dass es nicht nur die Inflation ist, die hilft, sondern „financial engineering“ und immer tiefere Zinsen. Dies ändert jedoch nichts an der grundlegenden Mechanik.)

Gemäß den Analysen von Martin befindet sich die Weltwirtschaft zurzeit in der Umbruchsphase von Disinflation zu Deflation mit zu erwartender deflationärer Depression. Seines Erachtens wird die vor uns liegende Krise derart gravierende Auswirkungen haben, dass mit dem Zusammenbruch des bestehenden Wirtschaftssystems zu rechnen ist. Dies wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass es zu einem Untergang dieser Wirtschaftsform kommt, da bereits in der Antike kapitalistische Gemeinwesen bestanden haben (Rom, Athen, Sparta), die dann jedoch an den immer schärferen Gegensätzen zwischen Gläubigern und Schuldnern zugrunde gingen. So ist Rom letztlich in einer Überschuldungskrise untergegangen.[xxviii]

Erst im 14. Jahrhundert kam es, nach der Aufhebung der Leibeigenschaft in England, zu einem kapitalistisch-debitistischen Neubeginn, dem Ausgangspunkt der heutigen westlichen Wirtschaftsordnung.[xxix]

Gerade die bereits angesprochene weltweite Ausschöpfung der Verschuldungskapazitäten lässt es immer schwerer erscheinen, Nachschuldner zu finden. So steigt der Liquiditätsdruck, der wirtschaftliche Turbulenzen und eine deflationäre Entwicklung zur Folge haben könnte. (Oh je, das war auf der Zeitachse natürlich völlig daneben. Es erschien damals undenkbar, dass es zu einer derartigen Fortsetzung der Schuldenwirtschaft kommen würde. So wie uns vieles von dem, was heute passiert, auch vor nur wenigen Jahren als völlig undenkbar erschien. Insofern kann es noch Jahre weitergehen.)

Würdigung

Diese Krisentheorien und besonders die Kritik am Kreislaufmodell der traditionellen Nationalökonomie verdient meines Erachtens eine gründliche Untersuchung und Prüfung. Aus meiner Sicht ist sie in sich konsistent und einleuchtend. Erstmals ist es möglich, eine Erklärung für die Dynamik des westlichen Wirtschaftssystems, aber auch für das Auftreten von Krisen abzugeben.

Soweit der Auszug aus meiner Dissertation aus dem Jahre 1990. In der kommenden Woche beschäftigen wir uns dann näher mit der Kritik von Michael Stöcker.

 


[i] (Heinsohn 1984) Heinsohn, G., Privateigentum, Patriarchat, Geldwirtschaft – Eine sozialtheoretische Rekonstruktion zu Antike, Frankfurt 1984

[ii] (Heinsohn/Steiger 1985) Heinsohn, G., Steiger, O., Marx, Keynes und die Lösung des Geldrätsels, in: Öffentlicher Sektor, Heft 4, Dezember 1985, S. 3-40

[iii] Heinsohn/Steiger 1985

[iv] Heinsohn/Steiger 1985

[v] Heinsohn 1984

[vi] Heinsohn/Steiger 1985

[vii] Heinsohn/Steiger 1985

[viii] (Martin/Lüftl 1984) Martin, P., Lüftl W., Die Pleite – Staatsschulden, Währungskrise und Betrug am Sparer, München 1984, S. 190

[ix] Heinsohn/Steiger 1985, S. 22f

[x] Heinsohn/Steiger 1985, S. 21

[xi] (Martin/Lüftl 1986) Martin, P., Lüftl W., Der Kapitalismus – ein System das funktioniert, München 1984, S. 164

[xii] Martin/Lüftl 1986, S. 170 iV.m. 137

[xiii] Martin/Lüftl 1986, S. 172f

[xiv] Martin/Lüftl 1986, S. 29

[xv] Heinsohn 1984, S. 113

[xvi] Martin/Lüftl 1986, S. 43

[xvii] siehe z.B. (Say, 1979), Say, J., Briefe an Maltus, auszugweise editiert in Wirtschaftskrisen (Hrsg.: Diehl, K/Mombert, P.), Frankfurt, Berlin, Wien 1979, S. 53-87

[xviii] „Tauschen“ ist hier m.E. das richtige Wort, da kein Schuldendruck hinter den Transaktionen steht; im Unterschied zum Markt, auf dem nicht getauscht, sondern gekauft wird, im Sinne eines Prozesses der Beschaffung von Schulddeckungsmitteln und der Neuverschuldung.

[xix] Martin/Lüftl 1986, S. 80

[xx] Martin/Lüftl 1986, S. 188

[xxi] Martin/Lüftl 1986, S. 235

[xxii] Martin/Lüftl 1986, S. 242

[xxiii] Martin/Lüftl 1986, S. 180

[xxiv] Martin/Lüftl 1986, S. 241ff

[xxv] Martin/Lüftl 1986, S. 243

[xxvi] (Martin 1985), Martin, P., Cash – Strategie gegen den Crash, München 1985, S. 110ff.

[xxvii] Andernfalls werden die Unternehmen zu Investitionen gezwungen, (Martin 1988) Martin, P., Aufwärts ohne Ende – eine neue Theorie des Reichtums, München 1988, S. 196 und S. 406

[xxviii] Martin 1988, S. 149 (FN 44), S. 150 und S. 188ff.

[xxix] Heinsohn 1984 S. 158f

29 Antworten
  1. Andudu says:

    Wunderbar durchdachter und ausführlicher Artikel! Für Anfänger vermutlich unverständlich, aber ich bin, über mehrere Jahre, viele Diskussionen und unbelastet von neoklassischen Denkfallen, zu den selben Schlüssen gekommen.

    Ein kleiner Formfehler hat sich übrigens eingeschlichen, ein Absatz ist doppelt „Die Entwicklung der Geldwirtschaft geht mit der Entstehung der griechischen Stadtstaaten…“

    Antworten
  2. Rob says:

    „Folglich kann der Unternehmer nur einen Gewinn in Form von Waren erzielen (Warenüberschuss), jedoch keinen Geldgewinn.“

    Zu diesem Schluss war auch Kalecki seinerzeit gekommen.

    Danke für den lapidar gefassten Hinweis auf den Ursprung von Say’s Theorem. Denn dieses Theorem ist maßgeblich verantwortlich dafür, dass alle Welt (traditionell) versucht, Wirtschaftsprobleme mittels Angebotsorientierter Politik zu lösen. Wenn die Grundannahmen nicht schlüssig sind, ist natürlich klar, dass das auch in die Hose gehen kann. Ich habe den Eindruck, dass erst heutzutage die Nachfrageseite allmählich beleuchtet wird. Aber aus Sicht der Eliten ist Angebotspolitik attraktiver, weil sie oft mit Steuererleichterungen für die Unternehmen einhergeht.

    Bei den Modellen habe ich einige Probleme, zu verstehen, warum es so kompliziert erscheint bzw. sein muss. Ich meine doch, dass Vorfinanzierung aus der Kreditgeldschöpfung betrachtet gar kein Problem darstellt. Damit ist übribens nichts zu den immer steigenden Schulden gesagt, aber das ist m.E. nicht spezifisch debitistisch, sondern bedingt durch die Attraktivität des Geldes als Wertaufbewahrungsmittel.

    Antworten
  3. Dietmar Tischer says:

    Meiner Ansicht nach ist das die Kernaussage:

    >…dass im „debitistischen“ System, also unserer Wirtschaftsordnung, immer Liquidität fehlt. Niemals können (unter diesen Annahmen) alle vorfinanzierten Unternehmer ihre Vorfinanzierungskosten im Markt realisieren.>

    Ich denke, dass sie richtig ist.

    Unsere Wirtschaftsordnung ist charakterisiert als debitistisches System. Das ist so ohne Wenn und Aber. Insofern kann die Grundannahme der Dissertation auch nicht infrage gestellt werden, zumal sie auch noch EMPIRSCH abgesichert ist („Ursprungs-Entwicklung“ in Griechenland).

    Kann daraus gefolgert werden, dass unsere Wirtschaftsordnung debitistisch sein MUSS?

    Diese Frage ist ambivalent, weil sie unterschiedlich beantwortet werden kann.

    A: Ja, ich meine dass dies so ist, WENN sie einmal einen hinreichenden Grad an Verschuldung angenommen hat.

    Ich glaube an die Zwangsläufigkeit der Krise, bin aber der Überzeugung, dass sie mechanistisch anders begründet werden muss.

    Ich halte daher folgende Auffassung für falsch:

    >…ist es richtig, dass es sich nicht lohnt, in echte Kapazitäten zu investieren, weil das Wachstum zu gering ist. Dieses ist tief wegen der demografischen Entwicklung, aber auch wegen der geringen Produktivitätszuwächse, die letztlich bedingt sind durch unzureichende Investition und Innovation. Die Schuldenlast wirklich zusätzlich wachstumshemmend,…>

    Richtig ist meiner Ansicht nach:

    Weil die Nachfrage vor allem wegen Warensättigung und Demografie in den letzten Jahrzehnten zu gering war, mussten die Unternehmen in echte Kapazitäten investieren, um insbesondere über Skaleneffekte die Kosten zu senken, weil sie nur so im Renditewettbewerb bestehen konnten. Das betraf nicht nur die Automobilindustrie mit Überkapazitäten in Europa von 20% und mehr, sondern auch andere Branchen wie Handel und Logistik. Soweit sich dadurch das Angebot an Konsumgütern erhöhte, erforderte es eine Zunahme der Konsumentenverschuldung.

    Spätestens wenn die Rendite bei diesem Mechanismus gegen null geht, stoppt er, u. a. weil keine Kredite mehr gewährt werden. Die Kreditgeber erkennen in diesem Fall, dass sie leer ausgehen.

    Ich finde es darüber hinaus fragwürdig, den Inflationsmechanismus als DIE Ursache der kommenden Krise anzusehen.

    Folgender Feststellung stimme ich nicht zu:

    >Unternehmen und Konsumenten gehen im Verlauf der Inflation Verbindlichkeiten ein, was sie unter normalen Umständen niemals in diesem Maße getan hätten, bedeuten Schulden doch letztlich Leistungsdruck.>

    Normale Umstände sind demnach solche ohne Inflation, also wie wir sie nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hatten („great moderation“). In dieser Zeit haben sich Unternehmen und Konsumenten zunehmend verschuldet. Aufgrund der niedrigen Zinsen konnten sie es ohne Leistungsdruck. Exzesse im Immobilienbereich der USA bis zur Subprime-Krise belegen dies. Wenn der Staat mit im Spiel ist, müssen auch die Notenbanken dabei sein.

    Nun die andere Antwort auf meine Eingangsfrage:

    B. Ich meine nicht, dass unsere Wirtschaftsordnung GRUNDSÄTZLICH, d. h. wegen des sie konstitutiv prägenden Privateigentums eine debitistische sein muss.

    Die eigentliche Argumentation – erster Satz unter „Der Debitismus“ beginnt:

    Richtig, das ist eine Überlegung IM Debitismus (siehe oben A.), aber keine FÜR den Debitismus, d. h. keine ihn begründende.

    Ich denke neben der sie unterstützende Empirie liegt obiger Auffassung eine Suggestion zugrunde:

    Zwar muss JEDE Produktion vorfinanziert werden, weil mit den Produkten erst nach deren Produktion Erlöse erzielt werden können. Es besteht aber kein ZWANG, sich dafür zu verschulden. Hat ein Unternehmer in der Vergangenheit hinreichend hohe Gewinne erzielt, dann muss er sich für die nachfolgende Produktion nicht verschulden.

    DIES hätte im Regress m. A. n. von Anfang an für alle Unternehmen möglich sein können. Der Produktionsbeginn ist ohne eine UR-Verschuldung jedenfalls denkbar.

    Wer es nicht glaubt, muss es nicht glauben, aber es gibt da ja noch die Anhänger des Vollgeld-Systems, für die es in der extremen Variante kein Schuldgeld und damit keinen Debitismus gibt.

    Wer B. für falsch hält, muss dieses Vollgeld-System für PRINZIPIELL nicht realisierbar halten.

    Ich meine damit nicht, dass seine Einführbarkeit infrage zu stellen ist. Seine Funktionalität müsste als unmöglich nachgewiesen werden.

    Antworten
    • Rob says:

      Ich sehe, wie Sie weiterhin dem Märchen nachhängen (so sehe ich das jedenfalls), wonach es eben Warensättigung gibt, und dies die Nachfrageschwäche (und vermutlich würden Sie auch die Arbeitslosigkeit unter diesem Gesichtspunkt betrachten) begründe.

      Ich sage Ihnen, ich habe das auch geglaubt. Und als ich ab und zu las, dass v.a. linke Ökonomen Warensättigung von der Hand weisen, hatte ich diese Meinung damals von der Hand gewiesen.

      Heute sehe ich das anders.

      Gestern habe ich den Wikipedia-Beitrag zum Sayschen Theorem gelesen. Das größte Problem, dass da beschrieben wird, ist das Horten. Es ist gar nicht die Rede von „Sättigung“. In sofern hatte Say uneingeschränkt Recht damit gehabt, dass das Angebot die Nachfrage schafft. Zumindest dann, wenn Schuldentilgungsmittel nicht gehortet werden…

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Ich habe keine Lust, in Klein-Klein zu gehen, zumal wenn ich dabei Dinge gerade rücken muss, die ich nicht gesagt habe.

        Ich habe nicht gesagt, dass die Warensättigung die Nachfrageschwäche begründet.

        Mein Behauptung ist, dass eine relative Warensättigung UND der demografische Wandel – weniger Kinder, die weniger Nachfrage bedeuten und älter werdende Erwachsene, die mehr sparen, also weniger konsumieren und damit weniger nachfragen – AUCH Ursachen sind, die in die Verschuldung treiben bei der Randbedingung extrem niedriger Zinsen (im historischen Vergleich).

        Auch das ist nur ein Ausschnitt der Realität bzw. des Realitätswandels, der in die Erklärung des Verschuldungsmechanismus m. A. n. miteingehen müsste.

        Befassen Sie sich besser mit den Anmerkungen von Renée Menéndez.

        Er wirft die berechtigte Fragen nach der METHODIK von Dr. Stelter auf:

        Inwieweit blendet dieser „Realität“, d. h. realwirtschaftliche Gegebenheiten aus, um einen ZWANG zur Nachverschuldung, d. h. einen bestimmten Finanzierungsmodus als Krisenursache bestimmen zu können?

        Ich kann die Frage nicht beantworten, verweise aber darauf, dass Realität ausgeblendet wird, wenn Behauptungen wie diese OHNE Weiterungen in die Realität aufgestellt werden:

        >Erst die Existenz von Schulden ermöglicht anhaltendes Wachstum einer Volkswirtschaft, zunehmende Produktivität – also effizientere Nutzung von Ressourcen − und technischen Fortschritt. Der Grund dafür ist einfach: Schulden führen zu Druck.>

        WAS Verschuldung ermöglicht, ist eine Sache.

        Eine andere ist, warum sich jemand verschulden WILL.

        Die Unternehmer/Unternehmen verschulden sich nicht und setzten sich nicht unter Druck, damit anhaltendes Wachstum in einer Volkswirtschaft möglich ist.

        Sie verschulden sich, weil sie damit oder nur damit, IHRE Ziele zu erreichen glauben. Anhaltendes Wachstum einer Volkswirtschaft ist nicht ihr Ziel. Es ist eine Bedingung, unter der sie handeln, sich möglicherweise auch verschulden wollen.

        Es wäre zu klären und einzubringen, welche Ziele die Unternehmen unter welchen Bedingungen haben oder haben müssen und welche Handlungsoptionen ihnen dann offenstehen oder nicht offenstehen. Gleiches gilt für die privaten Haushalte.

        Der Verschuldungsmechanismus ist dann vielleicht TEIL der Erklärung, aber nicht die DETERMINANTE, die ALLES erklärt.

      • Rob says:

        „Weil die Nachfrage vor allem wegen Warensättigung und Demografie in den letzten Jahrzehnten zu gering war“

        Für meine Begriffe liest sich das schon als Begründung.

        Sei es drum. Nun sagen Sie, dass Warensättigung und Demografie beide Faktoren sind, die die Verschuldung treiben. Wessen Verschuldung?
        Eher erscheint es mir so, dass die geringere Nachfrage (bei den immer weniger Nachfragenden) Ausdruck davon ist – z.B. aufgrund von bestehender Verschuldung oder Einnahmenverschlechterung -,dass man die (persönliche) Bilanz bereinigen will. Oder mehr sparen will, z.B. weil die Bundesregierung (Ende 2016 geschehen) ein gesteigertes Armutsrisiko im Alter predigt, und damit zur Nachfrageschwächung beiträgt. Ein Überangebot an Waren kann die Folge sein, aber das ist eben nicht mit Sättigung gleichzusetzen.

        Menéndez geht in die richtige Richtung:
        „… an welchem Wirtschaftspol die Geldbestände im Zeitablauf sich konzentrieren – womit man dann wieder bei der geringen Konsumneigung aus „Kapitaleinkommen“ landet.“

        Dies berührt sehr direkt die Nachfrageschwäche bei den unteren Einkommensdezilen.

  4. Renée Menéndez says:

    Sehr geehrter Herr Stelter,

    wenn Sie schon häppchenweise die „Realität“ in das von Ihnen gewählte Modell einführen dann wäre es doch eigentlich angebracht gewesen noch ein weiteres kleines Realitätshäppchen hinzuzufügen, nämlich den schnöden Umstand, daß es bekanntlich auch Kredite gibt, die nach der ersten Periode nur zu weniger als 100% getilgt werden müssen. Denn in dieser „Realität“ orientiert sich die Laufzeit von Krediten an der Nutzungsdauer des für die Produktion erforderlichen Anlagevermögens, so daß gerade die dynamische Wirtschaftsentwicklung das Phänomen von Abschreibungssätzen kennt, die eben nicht 100% betragen. Daraus entsteht ganz zwanglos die sinnvolle Gestaltungsmöglichkeit bei einem z.B. fünfjährigen Investitionskredit zum Ende der ersten Wirtschaftsperiode lediglich 20% des Kreditbetrages plus Zinsen tilgen zu müssen. Und bereits dieses kleine Realitätskrümelchen genügt, um die Theorie vom Zwang zum Nachschuldner bzw. dem Zwang zu permanenten Aufschuldungsprozessen in 1000 m Höhe platzen zu lassen. Um das nachzuweisen genügen allerdings keine „Hosentaschenargumente“, sondern man muß schon die Hilfe von Simulationssoftware heranziehen, um in einem dynamischen Umfeld zu einem konsistenten Ergebnis zu kommen: https://soffisticated.wordpress.com/2013/11/04/dynamische-einsichten-zu-geld-und-zins/
    (Man muß natürlich konzedieren, daß in der Zeit als wir unsere Dissertationen geschrieben haben, an derartige Hilfsmittel nicht zu denken war.)

    Der Grund dafür, daß der „Nachschuldnerzwang“ auf einmal entfällt ist natürlich der, daß die Probleme, die sich in einer einperiodigen Modellkonstruktion ergeben nicht automatisch auch in mehrperiodigen Modellen auftreten müssen, weil dort auf einmal ein weiterer Freiheitsgrad existiert, welcher die Ergebnisse des beschränkteren Modells ohne weiteres obsolet werden lassen kann. Sie beginnen zwar damit diesen Fragenkreis zu diskutieren ohne jedoch darauf einzugehen, daß damit der Boden der einperiodigen Beschränkung verlassen wird. Stattdessen bereiten Sie einen Neuaufguß vor, wo das Gewinnproblem bei denselben eng gewählten Beschränkungen – namentlich die 1-Periode Beschränkung – auf dieselbe Art und Weise diskutiert wird: da ist es vergleichsweise egal, ob man 10 Unternehmen betrachtet oder lediglich ein einzelnes Unternehmen. Dies dann als „ausführliche Darstellung“ anzupreisen, um dann schnurstracks das Mantra des Debitismus zu verkünden geht dann doch ziemlich an einer „realistischen“ Betrachtung von Ökonomie vorbei.

    In der weiteren Diskussion beziehen Sie sich dann ja auch ausdrücklich auf dynamische Prozesse, womit sich dann die Frage stellt, ob oder wie diese mit einem Modell diskutiert werden können, welches von seiner Grundanlage her überhaupt nicht für diese Argumentationen konzipiert ist. Von daher kann es sein, daß Ihre Erwägungen sogar durchaus zutreffend sein mögen, allein der hier präsentierte theoretische Unterbau ist für eine derartige Diskussion nicht angemessen, mithin der Erklärungswert der vorangegangenen theoretischen Diskussion für Prozesse wie Deflation oder Depression gleich Null. Das ist insbesondere deswegen bedauerlich, weil eine korrekte Behandlung des Gewinnproblems – womit auch gleichzeitig die Zinsen erklärt sind – durchaus zu einer angemessenen Analyse des gegenwärtigen Kapitalismus beitragen könnte. Tut man dies erkennt man beispielsweise, daß Zinsen im Grunde eine Veränderungsgröße für Geldbestände darstellen, wodurch man auch ein Gefühl dafür bekommt, daß die ausschließliche Argumentation mit Hilfe von Stromgrößen das wesentliche Erkenntnisobjekt außen vor läßt, wie sich die dazugehörigen Bestände entwickeln. (Oder anders gesagt: aus dem Wert der Ableitung einer Funktion an einer Stelle x kann nicht auf den Funktionswert f(x) zurückgeschlossen werden, weil bei der Differentiation die Information über das absolute Argument verlorengeht.) Und dann gibt es auf einmal auch keinen „fehlenden Zins“ mehr, sondern nur noch die Frage danach, an welchem Wirtschaftspol die Geldbestände im Zeitablauf sich konzentrieren – womit man dann wieder bei der geringen Konsumneigung aus „Kapitaleinkommen“ landet. Das ist dann wieder richtig, hat aber weder etwas mit „fehlenden Zinsen“ noch mit „fehlenden Nachschuldnern“ zu tun…

    Besten Gruß

    Antworten
    • Johann Schwarting says:

      Sehr geehrter Herr Menéndez,

      ihr Satz:

      „Das ist insbesondere deswegen bedauerlich, weil eine korrekte Behandlung des Gewinnproblems – womit auch gleichzeitig die Zinsen erklärt sind – durchaus zu einer angemessenen Analyse des gegenwärtigen Kapitalismus beitragen könnte.“

      lässt vermuten, dass Sie in Ihren Betrachtungen die Ökonomie der Zentralmacht voranstellen – und vielleicht denken noch, dass der Staat und die Volkswirtschaft gemeinsam entstehen und wachsen. Damit stehen Sie in der Tradition der gegenwärtigen ökonomischen Lehren.

      Das steht ganz im Gegensatz zum Debitismus mit der Erweiterung durch die ‚Machttheorie‘ von Paul C. Martin und seinen Mitdiskutanten im Gelben Forum, in dem es zuerst eine Zentralmachtordnung mit ihren Instanzen gibt, die vorfinanziert werden müssen. Die Volkswirtschaft ist eine Folge des Debitismus und dient dem Erwirtschaften von Schuldendeckungsmitteln.

      Widerlegen Sie doch einmal den Debitismus mit seiner Machttheorie. @Zandow hat schon vor mehr als einem Jahrzehnt in

      http://www.dasgelbeforum.net/ewf2000/forum_entry.php?id=329448

      formuliert:

      „Das Schöne an dottores Theorie ist doch, daß er zu jedem Punkt Belege liefern kann. Seine Erkenntnismethode ist hauptsächlich historisch, nicht nur theoretisch (siehe dazu den Methodenstreit zwischen Menger und Schmoller Ende 19.Jhh.). dottore hat bisher jedes Gegenargument mit archäologischen, ethnologischen, schrifttümlichen usw. Belegen widerlegt. Bei der Betrachtung von Artefakten und Schriften sind natürlich unterschiedliche Interpretationen möglich. Diese sind jedem freigestellt. Doch aus einer anderen Interpretation, als der von dottore, eine in sich geschlossene Theorie zu präsentieren, ist bisher niemandem gelungen. Du bist herzlich eingeladen, dazu einen Versuch hier im Forum zu starten.“

      Das bedeutet, dass Sie ihren Blickwinkel auf das finanzielle und ökonomische Geschehen vollständig ändern müssten – und dieses Ergründen, das zunächst wegen der doch irritierenden Wahrnehmung einige Zeit dauert, kann auch nicht in wenigen Sätzen formuliert werden.

      Sie und die ausgewiesenen Debitisten stehen damit Rücken an Rücken – jeder hält eine ‚Rede ohne Antwort‘ (Jean Baudrillard). Das ist natürlich wichtig im Hinblick auf die Frage, was ‚Zinnß‘ und ‚Zinsen‘ eigentlich sind. Im Sinne des Satzes: „Es ist alles gesagt worden“ hat sich Paul C. Martin aus den Diskussion zurückgezogen und die anderen Mitstreiter haben einfach keine Lust mehr, alles noch einmal ‚durchzukauen‘.

      MfG und ein carpe diem JS

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        >Doch aus einer anderen Interpretation, als der von dottore, eine in sich geschlossene Theorie zu präsentieren, ist bisher niemandem gelungen. Du bist herzlich eingeladen, dazu einen Versuch hier im Forum zu starten.“

        Das bedeutet, dass Sie ihren Blickwinkel auf das finanzielle und ökonomische Geschehen vollständig ändern müssten …>
        Ihre Problemsicht ist falsch.

        Es geht hier nicht darum, eine Theorie durch eine andere zu ersetzen.

        Es geht hier noch nicht einmal darum, etwas anders zu interpretieren.

        Sie stellen an .R. Menéndez einen Anspruch, den dieser überhaupt nicht erfüllen muss, um Dr. Stelter kritisieren zu können.

        Denn es geht hier „nur“ darum, ob die Dissertation von Dr. Stelter, soweit sie hier dargelegt wird und die alles andere als eine Theorie ist – Dr. Stelter nennt sie „Kritik am Kreislaufmodell“ – als ERKLÄRUNG des Verschuldungsmechanismus und seiner Konsequenzen der Realität gerecht wird.

        Dafür erforderlich ist es, auf die Realität zu blicken.

        NICHT dafür erforderlich ist es, eine andere Interpretation des Verschuldungsproblems zu leisten und schon gar nicht eine konkurrierende Theorie zu entwickeln.

        Das gilt auch für das, was Paul C. Martin als Erklärung angeboten hat (ob das nun eine Theorie ist oder nicht, kann dahingestellt bleiben).

        Beispielhaft für das, was ich Ihnen sagen will:

        Marx hat die vielleicht umfassendste geschlossene Theorie für nicht naturwissenschaftliche Phänomene geschaffen. Am umfassendsten ist sie deshalb, weil sie zum einen neben der Ökonomie gesellschaftliche Phänomene einbezieht (heute: das, was Soziologie zu ergründen sucht) und zum anderen die historische Entwicklung mit einschloss.

        Um ihn zu kritisieren muss man keine Gegentheorie entwickeln.

        Man muss lediglich prüfen, ob eingetreten ist, was der Marxschen Theorie nach hätte eintreten müssen – u. a. die Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus.

        Das ist nachweislich nicht geschehen,

        Aus die Maus: Die Marxsche Theorie ist falsch und damit erledigt.

  5. Bagehot says:

    Sehr geehrter Herr Stelter,

    entschuldigen Sie bitte, aber zum Thema Debitismus muss ich hier doch noch einmal das Wort ergreifen.

    Was in den Auszügen Ihrer Dissertation steht, ist leider meilenweit von der wirtschaftlichen Realität entfernt.

    Ein Schlüsselbegriff ist die Vorfinanzierung von Betriebsausgaben, die Unternehmen angeblich dazu zwingt, sich zu verschulden und hohe Zinsen an die Gläubiger zu zahlen. Das wirft Ihrer Ansicht nach die Frage auf: Woher kommt das Geld, um die Zinsen zu zahlen?

    Bei der Vorfinanzierung muss klar unterschieden werden zwischen laufenden Ausgaben (zum Beispiel für Löhne, Strom und Mieten) sowie zwischen Investitionen (etwa für Maschinen, Anlagen und neue Werkshallen).

    Laufende Betriebsausgaben werden in der Regel nicht VORfinanziert, weder von den Unternehmen noch von Banken. Der Irrtum resultiert daraus, dass Sie und überhaupt die Debitisten viel zu lange Fristen für die fälligen Zahlungen und Zahlungseingänge annehmen.

    Bei den betrachteten Perioden wird in der Regel ein Jahr zugrunde gelegt. Und es wird ferner angenommen, dass Zahlungen erst zum Ende der Periode fällig werden. Nur aufgrund dieser Annahmen entsteht überhaupt das behauptete Problem mit dem Zins.

    Tatsächlich aber sind die relevanten Perioden viel kürzer. Löhne und Gehälter werden monatlich gezahlt. Das gleiche gilt für Mieten, Steuern und Sozialabgaben sowie die Bedienung von Krediten mit Zins und Tilgung. Analog gilt für die Begleichung von Lieferanten-Rechnungen eine Frist von 30 Tagen.

    Zugleich strömt laufend Geld in das Unternehmen, das aus dem Verkauf der produzierten Güter stammt. Aus diesem tagtäglich zufließendem Cash-flow werden die laufenden Betriebsausgaben bestritten.

    Wenn ein Unternehmen laufend in großem Umfang Bankkredite benötigt, um Löhne, Steuern und Rechnungen bezahlen zu können, macht es in der Regel irgendetwas grundlegend falsch.

    Falls es in einer Firma finanziell mal knirscht, gibt es viele Möglichkeiten, Zustrom und Abfluss von Cash-Flow in Einklang zu bringen. Zum Beispiel Waren- bzw. Lieferantenkredite, aufmunternde Briefe an die Schuldner, Factoring, Leasing etc.

    (Betriebsmittelkredite benötigen eigentlich nur Unternehmen aus Branchen, deren Geschäfte starken jahreszeitlichen Schwankungen unterliegen, also zum Beispiel Landwirtschaft, Tourismus und Gastronomie.)

    Anders schaut es bei Investitionen aus, die im Allgemeinen nicht vollständig aus Eigenmitteln bestritten werden können. Hier sind Bankkredite oder Anleihen eine Möglichkeit. Banken werden aber darauf bestehen, dass die Unternehmen einen Teil (meist mindestens 20 Prozent) der Investitionen selbst finanzieren.

    Die Unternehmen haben freilich Möglichkeiten, die Kosten für Zins und Tilgung zu vermeiden. Statt Krediten können sie Eigenkapital einwerben. Dies empfiehlt sich vor allem für Wachstumsphasen, in denen der Investitionsbedarf besonders hoch ist. Dies sind etwa die Einführung eines neuen Produkts, der Einstieg in einen neuen ausländischen Markt oder die Übernahme einer anderen Firma.

    Zusätzliche Eigenmittel kann ein Unternehmen sich auf vielfältige Weise verschaffen – zum Beispiel durch einen Börsengang, durch eine Kapitalerhöhung oder durch die Hereinnahme von Private Equity. Start-ups finanzieren sich regelmäßig mit Wagniskapital (Venture Capital).

    Bei Eigenkapital gibt es von vornherein nicht das Problem, dass ein Unternehmen unerbittlich drohende Zinszahlungen leisten muss. Es zahlt genau dann Dividenden, wenn es Gewinne macht. Das reduziert die Risiken gewaltig. Ein Unternehmer, der sich vollständig mit Eigenmitteln finanziert, muss in keinem Fall befürchten, in den Schuldturm zu wandern.

    Ganz gewiss wird eine vermeintlich drohende Überschuldung der Unternehmen nicht dazu führen, dass die globale Wirtschaft krachend zusammenbricht.

    Antworten
  6. Dietmar Tischer says:

    @ Rob

    Ich antworte nur deshalb noch einmal, um Ihnen nahezubringen, das Problem zu verstehen, um das es hier geht.

    Der gemeinsame Nenner der Kritik von R. Menéndez, Bagehot und mir ist die METHODIK der Darlegungen von Dr. Stelter.

    Heißt:

    Wir bemängeln, dass REALITÄT nicht oder nicht hinreichend eingegangen ist, so dass in der Konsequenz dem dargelegten Verschuldungsmechanismus die Begründung fehlt, ihn als richtig anzuerkennen.

    R. Menéndez hebt u. a. auf die Freiheitsgrade ab, die sich für unternehmerisches Handeln ergeben, wenn man realitätsgerecht die Nutzungsdauer des Anlagevermögens in einer mehrperiodigen Modellkonstruktion berücksichtigt.

    Bagehot bemängelt, dass bei der Vorfinanzierung auf der betrieblichen Ebene nicht realitätsgerecht differenziert worden sei und Eigenkapitalfinanzierung nicht berücksichtigt werde.

    Ich kritisiere, dass unternehmerisches Handeln unabhängig von realwirtschaftlichen Parametern wie Gütersättigung und demografischen Effekten quasi als Konstante „vorfinanzierungsbedingter Verschuldungszwang“ einfließt (oder allgemeiner, weil die Dissertation 1990 geschrieben wurde: dass die realwirtschaftlichen Gegebenheiten, die unternehmerisches Handeln so oder anders bestimmen können, ausgeblendet werden).

    Das ist etwas anderes, als die Diskussion auf DIES oder DAS ist die Ursache zu verengen.

    Realität ist auch – wie R. Menéndez sagt – „an welchem Wirtschaftspol die Geldbestände im Zeitablauf sich konzentrieren“. Das sehen Sie und Sie erkennen auch, was die Konsequenzen hinsichtlich der Konsumgüternachfrage sind.

    Was Sie aber auch erkennen sollten:

    Das ist eine sich im Zeitverlauf ändernde Determinante für unternehmerisches Handeln und „Verschuldungsverhalten“, das sich auch ändern wird.

    Nur einmal hypothetisch als Sachverhalt (aber gleichwohl methodisch relevant):

    Vielleicht will eine hinreichend große Zahl von Unternehmen unter dieser Bedingung oder anderen nicht mehr vorfinanzieren und sich verschulden. Was heißt das dann für die anderen Unternehmen? Dr. Stelter redet an einer Stelle von Unternehmensinsolvenzen. Wo sind die IM Erklärungsmodell?

    Noch ein Wort, weil der Einwand kommen wird:

    Es geht hier nicht darum, jegliche Erklärung für einen Debitismus als Krisengenerator derart mit Komplexität zu beladen, die sie nicht mehr zu leisten ist.

    Es geht darum, methodische Defizite aufzuzeigen.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Sie dürfen nicht die Hierarchieebenen vernachlässigen. Auch ein Lieferantenkredit der dritten Ebene ist nicht zinsfrei, sondern ganz im Gegenteil: Es ist der teuerste Kredit. In der Regel das 3-fache eines Kontokorrentkredits: 10 Tage 2% Skonto oder 30 Tage netto Kasse entsprechen kaufm. gerundet 36%!

      Kurzfristiges muss kurzfristig kreditiert werden, langfristige Investitionen langfristig.

      Und: Geld wächst nicht auf den Bäumen. Irgendjemand muss sich zwingend verschuldet haben, da das Nettogeldvermögen immer null beträgt. VC wäre insbesondere ohne Staatsverschuldung/Auslandsverschuldung nicht möglich. Das gleiche gilt selbstverständlich auch für Kapitalerhöhungen jenseits der Sacheinlage.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
    • Rob says:

      @ Tischer

      Noch einmal. Sie schrieben: „Richtig ist meiner Ansicht nach:
      Weil die Nachfrage vor allem wegen Warensättigung…“

      Das war der Einstieg in Ihrer Kritik der „Methodik der Darlegungen“ Stelters. Das ist eine Annahme,die Sie hegen, und dann ist es nicht mehr als Folgerichtig, diese Annahme infrage zu stellen. Das habe ich gemacht. Ich habe nicht gesagt „dies“ oder „das“ ist die Ursache. Ich habe lediglich ihr Beharren auf Gütersättigung als Faktor(!) kritisiert.

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Es ist ja richtig, dass ich die Warensättigung UND anderes als Ursache für die wachsende Verschuldung ansehe.

        Ich mag damit falsch liegen.

        Das ist aber nicht der Punkt meiner Kritik an Dr. Stelter.

        Meine obige Auffassung ist BEISPIELHAFT dafür, dass die Ursache(n) für wachsende Verschuldung in der Realwirtschaft gesucht werden müssen – egal, ob bei meinen Auffassungen, die ich für richtig halte, oder bei anderen, wenn meine falsch wären.

        Daher:

        Meine Auffassung zu wiederlegen, heißt nur, dass ich in der Ursachenfindung nicht erfolgreich war.

        Es heißt nicht, dass damit der Debitismus die Ursache(n) für wachsende Verschuldung nicht in der Realwirtschaft suchen müsse.

        Ob sie bei diesem oder jenem in der Realwirtschaft zu suchen und festzumachen sind, ist unerheblich für die KLÄRUNG, ob sie in der Realwirtschaft festgemacht werden MÜSSEN oder nicht.

        Wir reden ewig aneinander vorbei, wenn wir uns nicht einig sind, WAS das Problem der Darlegungen von Dr. Stelter ist.

        Ich meine, dass es die METHODIK ist.

        Andere meinen das auch – implizit – mit ihrer Kritik.

  7. Michael Stöcker says:

    Viele Innovationen kommen von leidenschaftlichen Tüftlern mit null Verschuldungsdruck/Renditeambitionen sowie vom Staat, nicht aber von Unternehmen: https://m.youtube.com/watch?v=3r1IPsldbBg.

    Es ist nicht/kaum der Schuldendruck, der für die enorme Produktivitätssteigerung der letzten 100 Jahre verantwortlich ist sondern die Nutzbarmachung der Sonnenenergie plus breite Bildung (Lesen und Schreiben für alle) sowie auch das monetäre Renditestreben.

    In stationären Gesellschaften gab es kein/kaum Wachstum. Daher trat Überschuldung viel schneller ein.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  8. Bagehot says:

    @ Stoecker

    Die Frage ist nicht, dass es stets jemanden gibt, der verschuldet ist. Trivialer Weise entsprechen die monetären Verbindlichkeiten weltweit stets den monetären Guthaben.

    Das Thema ist vielmehr: Der Debitismus behauptet (so auch Herr Stelter), dass die nominalen Schulden im Kapitalismus fortwährend und zwingend zunehmen.

    Der Grund hierfür sei, dass den Vermögen fortlaufend Zinsen zugeschlagen werden und zugleich die Schuldner in ihrer Gesamtheit ständig gezwungen sind, neue Kredite aufzunehmen, um die Zinsen bezahlen zu können.

    Dieser These liegt wiederum die Annahme zugrunde, dass Zinsen gar nicht oder erst mit beträchtlicher zeitlicher Verzögerung von den Vermögensbesitzern ausgegeben werden und damit zu Nachfrage nach Konsumgütern führen.

    Unternehmen und/oder Haushalte müssen sich also immer stärker verschulden. Die steigende Nachfrage nach Krediten aber treibt die Zinsen in die Höhe.

    Da Haushalte und Unternehmen aber irgendwann keine neuen Kredite mehr aufnehmen können, muss schließlich der Staat einspringen und mit kreditfinanzierten Staatsausgaben die Wirtschaft in Gang halten.

    Mit der zusätzlichen Staatsnachfrage steigt dann wiederum die Inflation.

    Irgendwann führen Schulden- und Inflationsspiralen zum Kollaps des gesamten Systems.

    Der Debitismus, der in den 1970er und 1980er Jahren entwickelt wurde, macht also vier zentrale Voraussagen:

    1. Die Zinsen steigen fortlaufend.

    2. Die Inflation steigt fortlaufend.

    3. Die (absolute) Verschuldung steigt fortlaufend.

    4. Aus diesen drei Gründen bricht das debitistisch-kapitalistische System über kurz oder lang zusammen bzw. schlittert in eine deflationäre Depression.

    Mit den Prognosen 1 und 2 liegt der Debitismus völlig daneben. Zinsen und Inflation sind seit den 1980er keineswegs gestiegen, sondern liegen heute auf historischen Tiefständen.

    Auch Prognose 4 ist bislang nicht eingetreten und wird dies auch nicht in der absehbaren Zukunft.

    Lediglich bei Punkt 3 ist die Vorhersage eingetroffen. Allerdings aus anderen Gründen, als vom Debitismus vermutet.

    Der Grund für die eklatanten Fehlprognosen liegt in zentralen Denkfehlern und realitätsfremden Annahmen:

    1. Zinsen werden von den Geldbesitzern nicht unbeschränkt akkumuliert. Sie werden zu einem Großteil unmittelbar konsumiert. Den Rest verschlingen Inflation und Steuern.

    Ein Bespiel: Nehmen wir an, eine Bank verlangt von einem Unternehmer für einen Investitionskredit fünf Prozent. Was macht sie damit? Drei Prozent bekommen Sparer und Anleihe-Gläubiger.

    Die Bank kassiert also eine Zinsspanne von zwei Prozent. Hiervon benötigt sie in der Regel ein bis 1,5 Prozent, um die laufenden Kosten für Personal, IT und Gebäude zu finanzieren. Obendrein muss sie Rückstellungen für ausfallbedrohte Kredite bilden.

    Mit viel Glück bleiben der Bank 0,5 Prozent als Gewinn, der am Ende des Jahres versteuert werden muss. Der Gewinn nach Steuern wird hierzulande im Allgemeinen zur Hälfte an die Aktionäre ausgeschüttet. Die andere Hälfte stärkt als Gewinnrücklage die Eigenkapitalbasis.

    Was machen die Geldgeber der Bank mit ihren drei Prozent? Sie müssen ihre Kapitalerträge am Ende des Jahres ebenfalls versteuern – mit, sagen wir, 25 Prozent. Dann bleiben den Gläubigern nur mehr 2,25 Prozent.

    Überdies hatten wir in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland meistens Preissteigerungsraten von durchschnittlich etwa zwei bis drei Prozent. Mal war es mehr, mal weniger.

    Die 2,25 Prozent Netto-Zinsen, die den Gläubigern nach Steuern bleiben, reichen also oft nicht aus, um den Kaufkraftverlust ihres Vermögens auszugleichen. Wir haben nicht erst heute negative reale Zinsen. Diese waren in den 1970er Jahren sogar erheblich höher als derzeit.

    2. Anders als die Debitisten behaupten, steigt nicht nur die Nachfrage nach Krediten, sondern auch das Angebot. Es kann gesagt werden, dass die Geldbesitzer heute sogar unter viel stärkerem Druck stehen als die potenziellen Schuldner. Wir haben in den westlichen Ländern seit mehr als sieben Jahrzehnten nahezu ununterbrochen Frieden, Wachstum und Prosperität erlebt. In dieser Zeit haben sich historisch beispiellose Vermögen gebildet, die heute ziemlich verzweifelt nach Renditen suchen.

    Dies führt dann unvermeidlich dazu, dass die Zinsen tendenziell sinken (und nicht steigen). Zur Erinnerung: Der Zins ist der Preis für Kapital. Preise aber werden bestimmt durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

    (Gemeint sind hier die langfristigen Zinsen, die die Zentralbanken mit ihrer Geldpolitik nur begrenzt beeinflussen können.)

    Die Geldvermögen haben zwar weltweit kräftig zugenommen. Doch dies ist kein zwangsläufiger Prozess. Wir haben derzeit in Deutschland und vielen anderen Industrieländern ganz klar negative reale Zinsen, die entsprechend den realen Wert der Geldvermögen aushöhlen.

    Zugleich sind die Zinsen vielfach sogar nominal negativ. Dis führt dazu, dass auch die nominalen Geldvermögen sinken können, sofern nicht weiter gespart wird.

    Aus all diesen Gründen steuert das „debistische System“ keineswegs zwangsläufig in die Krise.

    Antworten
  9. Dietmar Tischer says:

    @ Dr. Stelter

    Sie sagen

    >So ergibt sich die Notwendigkeit ständigen Schuldenwachstums in dieser Wirtschaftsform …

    … Aus dem bisher Gesagten ergibt sich als Schlussfolgerung zum einen, dass die Schulden mit der Zeit immer größer werden (absolut, relativ zum BIP können sie stagnieren oder gar sinken),>

    Schauen Sie sich bitte diese beiden Charts an:

    https://www.google.de/search?q=Gesamtverschuldung+usa+zum+bip+1950+bis+1960&espv=2&biw=1536&bih=735&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwjvuPiFoJzSAhWG6CwKHQ_8D9wQsAQIGQ&dpr=1.25 – imgrc=fnBR4p1_7GhfhM:

    Demnach sind für die USA die Schulden – sowohl „Gross federal debt“ wie auch „Public debt“ von ca.1945 bis bis ca. 1980 ABSOLUT nicht immer größer geworden, sondern praktisch KONSTANT geblieben.

    Erst ab 1980 steigen beide nahezu kontinuierlich an.

    Ihre obige Schlussfolgerung ist also in der generalisierenden Form falsch.

    Offensichtlich hängt es von den Bedingungen ab, ob ihre Schlussfolgerung richtig oder falsch ist.

    Und das sind REALWIRTSCHAFTLICHE Bedingungen, die zu benennen sind.

    Antworten
    • Rob says:

      Hm, ich finde dieser Bezugnahme auf die Zeitreihe nicht fair. Schließlich wissen Sie ja, dass die Staatsschulden nach Kriegsende ein historisches Niveau erreicht hatten. Dann ist es logisch, dass man Wege gesucht hat, die Schuld (relativ zum BIP) zu senken. Eine dazu passende Besteuerung war damals durchsetzbar. Dazu hatte ich vor kurzem ausführlicher geschrieben, und zwar im Bezug auf den von Ihnen genannten Zeitraum ab ca. 1980:
      Ist es Zufall, dass die massive Senkung der Steuern seit den Achtzigern zu einer erneuten Ungleichheit à la Vorkriegszeit geführt hat?
      M.a.w.: der Abbau der Ungleichheit macht die hohe Nachfrage erst möglich.
      (http://blog.zeit.de/herdentrieb/2017/01/27/hurra-die-inflation-ist-zurueck_10153?sort=asc&comments_page=8#comment-218249)

      Gleichwohl sind diese empirische Daten dazu geeignet, der Debitismus (zumindest auf dem ersten Blick) infrage zu stellen. Auf dem ersten Blick, denn man muss auch sehen, dass der Debitismus, wie Bagehot schreibt erst in den Achtzigern entstand (bzw. öffentlich wurde). Und ich mag annehmen, dass P.C. Martin solche Fakten wie die USA-Verschuldung (und der von anderen Ländern) kannte. Trotzdem hatte er seine Theorie aufgestellt.

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Es geht nicht darum, dass und warum die Schulden relativ zum BIP eine Zeitlang gesunken sind in USA nach WK II. Dr. Stelter sagt, dass sie derart sinken können und er hat recht damit.

        Es geht in den beiden Grafiken nicht nur um Staatsschulden, sondern auch um die „öffentlichen Schulden“ (publich debt).

        Es spielt keine Rolle, wann der Debitismus entstand.

        Wenn der Debitismus unqualifiziert das behauptet, was Dr. Stelter meinem Zitat nach ausspricht, dann gilt er für jede Zeitperiode. JEDE Zeitperiode ist daher zur Widerlegung geeignet. Der Verweis auf die USA nach WK II mit einer Periode von immerhin ca. 30 Jahren ist demnach nicht unfair für die Widerlegung.

        Es geht darum, ob der Debitismus so wie hier dargelegt eine richtige Erklärung ist oder nicht.

        Entscheidend:

        Wir haben in den Grafiken zwei Perioden, die sich dadurch unterscheiden, dass in der ersten (bis ca. 1980) die ABSOLUTE Verschuldung praktisch konstant ist. Danach steigt sie fast durchweg.

        Der Debitismus als „Theorie der Eigentumsökonomik“ – von Dr. Stelter ausdrücklich so benannt – MUSS beiden Perioden gerecht werden, weil in beiden Eigentumsökonomik besteht.

        Er kann ihnen nur gerecht werden, wenn er ursächlich maßgebliche Unterschiede dafür benennt, dass sie unterschiedliche Verschuldungsentwicklungen aufweisen.

        Sie können nicht mit dem Zwang zur Vorfinanzierung und/oder dem Zwang zur Nachfinanzierung benannt werden, wenn – den Darlegungen bzw. der Theorie nach – diese Zwänge in BEIDEN Perioden herrschen.

        Diese Unterschiede MÜSSEN daher letztlich in der Realwirtschaft liegen.

  10. Peter Hudelmaier says:

    In dem Artikel werden Geld, Kredit und Zins leider vermischt. Selbst in einer einfachen Tauschwirtschaft ohne Geld würde es Zins oder zinsaehnliche Preise geben. Und natürlich würde der Verleiher eines Gutes den ihm zustehenden Anteil (also seinen Zins) „nachfragen“ – er würde ihn einfach als Naturalien in Empfang nehmen und verbrauchen oder weiterverkaufen (z.B. beim Verleihen einer Kuh einen Anteil an der Milch, die die Kuh liefert). Da muss sich niemand nachverschulden.
    Die Frage wie dieses natürliche Zinsphaenomaen nun in einer Geldwirtschaft funktioniert, hängt davon ab, wie das Geld in Umlauf kommt. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Aber selbst wenn sich die Geldmenge nicht der Produktion anpassen kann, würde ein Zins langfristig existieren. Die Frage ist dann, wie die begrenzte Geldmenge dies leistet, etwa durch sinkende Preise oder schnelleren Umschlag (Erhöhung der Geldumlaufsgeschwindigkeit). Da gibt es verschiedene denkbare Möglichkeiten ohne einen Zwang zur Nachverschuldung.

    Antworten
  11. Bagehot says:

    Wenn der Debitismus Recht hätte, müsste es ja eine glänzende Idee sein, Geldverleiher zu werden und eine Bank zu gründen. Denn Unternehmen, Haushalte und Staaten müssen sich ja laut dieser Theorie in der Summe immer weiter verschulden, damit das System am Leben bleibt. Das sollte, so die Debitisten, dazu führen, dass die Zinsen tendenziell unbeschränkt in die Höhe schießen.

    Tatsächlich aber sind Banken – über längere Zeiträume betrachtet – so ziemlich das schlechteste aller denkbaren Geschäftsmodelle. Es ist sehr viel aussichtsreicher, in Industrie-Unternehmen zu investieren.

    Hierzu ein paar historische Betrachtungen.

    Im 19. Jahrhundert gehörte das Bankhaus Delbrück aus Köln zu den bedeutendsten Kreditinstituten Deutschlands. Delbrück finanzierte unter anderem die damals noch jungen Firmen Krupp und Siemens.

    Doch wer kennt heute noch Delbrück? Die Privatbank wurde vor circa 15 Jahren verkauft und gehört heute zur niederländischen Großbank ABN Amro. Die Bilanzsumme betrug damals weniger als eine Milliarde Euro, war also kleiner als die vieler Sparkassen und Volksbanken.

    Die Unternehmen, die Delbrück seinerzeit finanzieren, bilden hingegen bis in die Gegenwart Grundpfeiler der deutschen Wirtschaft. Sowohl Siemens als auch ThyssenKrupp zählen heute zu den größten deutschen Industriekonzernen.

    Delbrück ist kein Einzelfall. Im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland hunderte von Privatbanken (bei denen die Geschäftsführer definitionsgemäß zugleich haftende Eigentümer sind). Hiervon sind bis heute nicht einmal ein Dutzend übriggeblieben. Und die sind alle so klein, dass der normale Bürger in der Regel nicht einmal die Namen dieser Banken kennt.

    Ein weiteres Beispiel: Nach der Reichsgründung 1871 wurden in Deutschland die ersten Aktienbanken gegründet, die Privatbanken wie Delbrück alsbald vom Markt verdrängten. Hierzu gehörten die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Dresdner Bank und viele andere einst namhafte Kreditinstitute.

    Auch hier die Frage: Was ist aus diesen Großbanken geworden? Bis heute überlebt haben lediglich die Commerzbank und die Deutsche Bank. Beide Institute sind alles andere als Erfolgsstories.

    Dies zeigt beispielwiese die Bewertung an der Börse. Die traditionellen Industrie-Unternehmen BASF, Bayer und Siemens, allesamt im 19. Jahrhundert gegründet, zählen heute zu den fünf wertvollsten Unternehmen im Dax. Die Bewertungen liegen bei etwa 80 bis 100 Milliarden Euro.

    Und die hochmögende Deutsche Bank? Sie wird an der Börse nur mit 25 Milliarden Euro bewertet, rund die Hälfte des bilanziell ausgewiesenen Eigenkapitals. Die Commerzbank kommt nicht einmal auf eine Marktkapitalisierung von zehn Milliarden.

    Hohe Bewertungen weisen Banken in der Regel nur in Schwellenländern auf, wo der Investitionsbedarf und die Nachfrage nach Kreditfinanzierung sehr hoch sind, das vorhandene Kapital aber verhältnismäßig gering.

    Beides ist in einem fortgeschrittenen Industrieland wie der Bundesrepublik nicht der Fall.

    All dies kann der Debilitismus nicht erklären.

    Antworten
  12. Behemoth says:

    Zunächst scheint mir der Debitismus verdienstvoll zu sein, weil er den Belick auf Aspekte lenkt, die in der klassischen Ökonomie vernachlässigt werden, auch wenn er selbst einseitig sein mag.

    Sowohl die steltersche Begründung des debitistischen Zwangs zur Neuverschuldung als auch die Kritik daran (besonders ägerlich Bagehots Kramladenlogik) sind m.E. unzureichend, weil sie nicht berücksichtigen, dass in dem bestehenden Kredigeldsystem jede Keditilgung entsprechend Geld aus dem Wirtschaftssystem reduziert. Dies muss durch Neuverschuldung ausgeglichen werden, soll es nicht zu Krisen kommen.

    Die Hauptschwäche des Debitismus liegt m.E. dagegen in einer sehr einseitigen Sicht auf die Arbeitsteilung, deren wesentliche Funkltion er nicht berücksichtigt. In einer hochspezialisierten arbeitsteiligen Wirtschaft, in der keine Selbstversorgung mehr möglich ist sondern alle Teilnehmer auf die Leistungen anderer angewiesen sind und jeder individuelle Wohland nicht Ergebnis eigener Leistung sondern Resultat der Zusammenarbeit unzähliger anderer ist, sind alle einander verschuldet und arbeiten notwendig zu 100% für andere. Insofern sehe ich in der „Vorfinanzierung“ kein Problem, denn wir alle müssen den Lebensunterhalt aller anderen vorfinanzieren, damit alle wiederum für alle arbeiten können. Anders geht es gar nicht.

    Was der Debitismus m.E. jedoch richtig beschreibt ist etwas, das man als die Ökonomie der Vermögensrechte, Kapitalgüter bzw. als Rentenökonomie bezeichnen könnte (vgl. Michael Hudson, „Der Sektor“, dazu auch Norbert Häring: http://norberthaering.de/de/27-german/news/771-flassbeck-vs-hudson; vgl. auch Dirk Löhr, „Prinzip Rentenökonomie“). Rente ist der Oberbegriff für leistungslose Einkommen. Sie werden aus der Bewirtschaftung von Vermögensrechten wie Immobilien, Aktien, Patenten etc. erzielt und sind für das Verständnis des Zinses wichtig. Wie der Begriff „leistunglos“ sagt, ist die Rente kein Ergebnis der Arbeitsteilung, sondern einer Rechtsposition und der daraus resultierenden Abhängigkeiten (man könnte insoweit von Resten des Feudalismus sprechen). Renteneinkommen entziehen insoweit dem arbeitsteiligen Wirtschaftsprozess Geld. Damit ist der Wirtschaftspol beschrieben, an dem sich die Geldbestände im Zeitablauf konzentrieren mit dem Resultat der geringen Konsumneigung aus Kapitaleinkommen, auf die Herr Menendez zutreffend hinweist. Es liegt auf der Hand, dass ein nicht unwesentliches Kennzeichen des Kapitalismus darin besteht, Vermögensrechte zu akkumulieren und ihren Wert zu erhöhen, Renteneinkommen zu erzielen und zu steigern (das geschickte Umschichten gehört dazu). Hinzu kommt, dass Vermögensrechte als Sicherheiten für Kredite fungieren und bei der Entsehung von Geld eine Rolle spielen. Hier trifft die debitistische Analyse zu. Den – kreditfinanzierten – Renteneinkommen und Vermögenspreissteigerungen stehen keine Zunahme an Waren und Dienstleistungen gegenüber (allenfalls zu einem möglichst geringen Teil). Sie sind eine Umverteilung („nach oben“), die das System ab einem bestimmten Punkt aus dem Gelichgewicht bringen muss.

    Antworten
  13. Dietmar Tischer says:

    @ Rob (19. Feb. 21:52:11)

    >Aus die Maus…

    Normalerweise sind Sie bekannt dafür, penible, differenzierte Überlegungen anzstellen. Und dann auf einmal die pauschale Diskreditierung der ganzen Marxschen Theorie.

    Sie sollten bitte mal zur Kenntnis nehmen, dass Marx inzwischen auch in Deutschland wieder „entdeckt“ wird, z.B. H.-W. SInn in „Marx’ wahre Leistung“>

    Ich habe geschrieben:

    >Man muss lediglich prüfen, ob eingetreten ist, was der Marxschen Theorie nach hätte eintreten müssen – u. a. die Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus.

    Das ist nachweislich nicht geschehen,

    Aus die Maus: Die Marxsche Theorie ist falsch und damit erledigt.>

    Was ist hier PAUSCHAL an der Bewertung der Marxschen Theorie?

    Nichts.

    Ich nenne ein BESTIMMTES Kriterium, das für Bewertungen von Theorien, allgemein als gültig anerkannt ist: Übereinstimmung von Prognose und realem Sachverhalt.

    Ist eingetreten, was nach der Prognose hätte eintreten müssen, dann ist die Theorie nicht als falsch nachgewiesen, kann also – zumindest auf Zeit – als richtig angesehen werden.

    Ist nicht eingetreten, was nach der Prgonose hätte eintreten müssen, dann ist die Theorie falsch.

    So einfach ist das.

    Und so einfach ist es deshalb zu sagen, dass die Marxsche Theorie falsch und erledigt ist.

    Dass manches, was Marx beobachtet hat und auch manche Bezüge in seiner Theorie nicht falsch sind, macht die Theorie nicht richtig.

    Dass Marx wieder entdeckt wird, macht seine Theorie auch nicht richtig. Es sagt nur etwas über diejenigen aus, die bei ihm auf Entdeckungsreise gehen.

    Übrigens:

    ALLE sozialwissenschaftlichen Theorien sind FALSCH, weil noch keine kontinuierlich richtige Prognosen abgegeben hat.

    Manche Prognosen sind allerdings besser als andere.

    Daher werden die mit den besten Prognosen mitunter akzeptiert und als die BRAUCHBARSTEN mit „richtig“ beurteilt, obwohl sie es nicht sind.

    Antworten
  14. Harald Schmidt says:

    Ich glaube, daß Modell berücksichtigt einige Variablen nicht ausreichend.

    Das Grundproblem des Modells ist, daß es die Arbeit unabhängig von der Produktivität sieht. Wenn ich hingegen annehme, daß die gleichen Produkte in jeder Periode mit 2% weniger Arbeit hergestellt werden können, dann können die Unternehmen nur ihre Kredite bedienen, wenn sie mehr Waren herstellen, und dies obwohl die Arbeit ein immer geringeres Einkommen hat.

    Dies führt zwangsläufig zu sinkenden Preisen. Dies bedeutet aber eine Verschiebung zwischen der Wertigkeit von Kapital und Schulden von Periode zu Periode. Aus meiner Sicht ist dies eine der Ursachen der Monopolisierung, da Vermögen von Schuldern zu Gläubigern verlagert wird.

    Gewinner in einem solchen System sind die Eigentümer, deren Eigentum die höchste Produktivitätsrate besitzt.

    Die Nachverschuldung läßt sich darüber erklären, daß die Eigentümer mit einer unterdurchschnittlichen Produktivität eigentlich ihr Eigentum liquidieren müssten. Nach Kanemans versuchen Menschen aber, ihre Verluste nicht zu realisieren. Dies bedeutet aber mehr Schulden und letztlich mehr Risiko.

    Bitte als nicht Ökonom um etwas Verständnis

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] mit Blick auf die Diskussion zum Thema Eigentumsökonomik/Debitismus in den letzten Wochen: → Debitismus: Von der zwangsläufigen Krise (II) […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte das Captcha ausfüllen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.