4000 Milliarden US-Dollar vor dem Transfer in die USA?

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In der letzten Woche habe ich die Möglichkeit einer Rallye des US-Dollars diskutiert. Dabei bin ich vor allem auf die fundamentalen Probleme Europas und die Stimmung der Marktteilnehmer eingegangen. Dabei habe ich einen eventuell weitaus stärkeren Einflussfaktor für den US-Dollar übersehen: die Folgen einer Veränderung der US-Unternehmenssteuern mit der Folge, dass die Unternehmen ihre im Ausland gebunkerten Reserven in die USA zurückholen:

  • „(…) American companies have stashed trillions of dollars overseas in what amounts to the greatest cash reserve in the world. Apple has $257bn parked abroad beyond the reach of the Internal Revenue Service. Alphabet (Google) has $126bn, Microsoft $84bn, Cisco $68bn, and Oracle $59bn. The US Bureau of Economic Analysis estimates that total retained earnings outside the country have mushroomed to $4 trillion.“ bto: Das sind in der Tat erhebliche Größenordnungen.
  • „(…) the White House is preparing ‚mandatory‘ action as part of his tax reform unlike the previous voluntary attempts to lure back money through tax holidays (…) these repatriated capital flows will have a volcanic impact on the US dollar, Wall Street, and the global financial system, with big winners and big losers.“ bto: Das leuchtet ein.
  • „(…) Bank of America says a big chunk of this cash is in other currencies. The funds would have to be converted on the exchange markets. When this happened following the ‘tax holiday’ in 2005 it caused the dollar index (DXY) to rocket by 15pc over twelve months (…) This time the sums are much larger, the tidal force that much greater. (…) Whispers of a trillion dollar conversion are doing the rounds.“ bto: wobei die Unternehmen sich sicherlich schon gehedged haben, weshalb der Effekt kleiner sein dürfte.
  • „(…) most companies have no plans to invest repatriated funds in the real economy (…) but rather for paying down debt (65pc), share repurchases (46pc), or M&A (42pc). This is (…) would cause US corporate debt issuance to dry up and would – ceteris paribus – send Wall Street equities into a parabolic rally akin to the dortcom blow-off in 1999” bto: eine in der Tat beeindruckende Überlegung. Dass die Unternehmen nicht investieren wollen, zeigt, wie groß die Schieflage in der globalen Wirtschaft mittlerweile ist. Hier die Abbildung dazu:

Quelle: The Telegraph

  • Shifting it to the US for other purposes would drain dollar liquidity from offshore markets, tightening the supply of oxygen for corporate credit in Asia, Latin America, and the emerging world.  The bigger the volume, the greater the risk  of repeating the 2013 ‚taper tantrum‘ that shook the emerging market.“ bto: womit wir wieder bei dem Szenario wären, welches schon im Frühjahr diskutiert wurde.
  • We have the potential for a perfect dollar storm ripping through a global financial system that has never been more leveraged to the US dollar. Yet currency analysts and hedge funds are mostly positioned for the exact opposite.“ bto: Nur wegen dieser Positionierung der Spekulanten kann es zum Sturm kommen.
  • I regard the Trump episode as a brief anomaly – like the Jackson presidency of the 1830s – with no bearing on US long-term prospects. America remains the scientific superpower. There is no challenger: Europe is in demographic decline; China has failed to grasp the nettle of reform under Xi Jinping and may slow to 2pc growth rates by the early 2020s.“ bto: Trotz aller meiner Kritik an den USA sehe ich das genauso.
  • Failure to repeal Obamacare is no template for the battle over tax reform in any case. The issue has different contours. It is easier to cut taxes than it is to solve the Rubix Cube of US health care. (…) in the 2018 mid-term elections if they prove incapable of converting a monopoly of power into legislation. The Republicans need an easy win.“ bto: Das leuchtet mir ein und spricht in der Tat für eine Reform.

→ The Telegraph: „Write off Donald Trump and the dollar at your peril“, 6. September 2017

6 Kommentare
  1. Johannes says:

    Eine Frage dazu: ließe sich die Wirkung dieser Rückführung von 4 Billionen US Dollar auch in Form einer Zinserhöhung ausdrücken? Sprich um wieviel müsste das FED die Zinsen erhöhen, damit in etwas derselben Effekt erreicht wird?

    Und: bliebe für das FED nach Anlaufen der Aktion überhaupt noch Raum für weitere Zinserhöhungen wie angekündigt.

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  2. mg says:

    Und der Schuldenstand der US-Regierung hat am Freitag 20 Tsd. Milliarden USD überschritten:
    https://www.fms.treas.gov/fmsweb/viewDTSFiles?dir=w&fname=17090800.pdf

    Vor Kurzem ™ waren es noch 17 Tsd. Milliarden USD. Wer Urlaub in den USA macht wird auffallen, wie massiv die Preise in den letzten 10 bis 15 Jahren gestiegen sind. An der Kaufkraft des Euros in Deutschland und des Dollars in den USA gemessen, wäre das Währungspaar besser bei einem EUR zu zwei USD aufgestellt (imho).

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  3. Dietmar Tischer says:

    Ein interessanter Aspekt, brillant dargelegt von A. Evans-Pritchard.

    Das Szenario ist komplex, wenn es tatsächlich zu einem Transfer von liquidem Vermögen in den angedeuteten Größenordnungen kommt UND das Geld keine wesentliche Nachfrage in der Realwirtschaft bewirkt (wovon auszugehen ist).

    Meiner Einschätzung nach wären das die wichtigsten Folgen:

    a) Destabilisierung vor allem der Finanzmärkte, aber auch der Realwirtschaft in den Entwicklungsländern

    b) Aufwertung des Dollars mit zumindest zeitweise erheblichen Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen

    c) Weiteres Öffnen der Vermögensschere in USA mit weiter zunehmender Spaltung und Destabilisierung der Gesellschaft

    Unterm Strich:

    Verschärfung der Krisenanfälligkeit.

    Verhinderung des obigen Repatriierungs-Szenarios:

    WETTBEWERB der Regionen und Länder um die NIEDRIGSTEN Unternehmenssteuern …

    Sage niemand, das System hätte nicht Mittel und Maßnahmen für „Lösungen“.

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    • Alexander says:

      zu A) —?
      – Abwertung der Schwellenlandwährungen mit Verlust an Devisenreserven
      – Verlust an Kaufkraft als Abnehmer von dt. Investitionsgütern in den BRICS+Türkei
      – Rezession in den Schwellenländern, steigende Staatsdefizite, Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Inflationsdruck..

      zu B) —?
      – Anlagenotstand in den USA, steigende Vermögenspreise
      – Inflationsdruck durch steigende Vermögenspreise
      – Notwendigkeit von Zinserhöhungen wg. Inflation
      – weitere Dollaraufwertung, weitere Repatriierung von Dollar
      – Verlust von Exportvorteilen wg. Aufwertung
      – Zinsdruck auf Schuldner
      – mehr Rettungsprogramme mit allen Auswirkungen auf Vermögenspreise

      c) Der Druck auf das System Trump nimmt zu und die USA hören nicht auf Kriege zu führen…

      Dabei muss Trump versuchen die Inlandsinvestitionen in Gang zu bringen, wenn ihm jemals die Reindustrialisierung gelingen soll.

      Was würde eigentlich die BRD mit ihren Target2 Guthaben machen, wenn sie heim ins Reich der Gutmenschen kämen und nach Anlage suchten? Nur der Aufwertungsdruck bliebe erspart, denn Target2 hängen am Euro wie die PI(I)GS

      Geldanlage in den Schwellenländern erscheint mir (noch) nicht gegeben…

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  4. Nobody says:

    Glaubt irgendjemand wirklich, dass die Unternehmen das Geld tatsächlich transferieren müssen, um es einzusetzen. Wenn die US-Unternehmen wirklich hätten investieren wollen, hätten sie es längst getan. Wir leben nicht mehr im Zeitalter des Pony-Express. Mit Swaps wäre das schon lange möglich gewesen. Die Unternehmen investieren aus dem gleichen Grund nicht, aus dem sie eigene Aktien zurückkaufen: Mangel an realwirtschaftlichen Perspektiven. Das Wachstum in den USA ist ungenügend. Nur weil es nicht negativ ist (Rezession), heisst noch lange nicht, dass es gut ist. Es ist nur einfach nicht negativ. Die Produktivität fällt auch weil nicht investiert wird. Die Unternehmen sind klug genug kein Geld zu investieren. Es gibt kein Licht am Ende des Tunnels. Nur fortwährendes Siechtum. Die Notenbank in den USA gibt implizit zu, dass die Dinge schlecht stehen, wenn sie die Zinsen erhöht. Wenn Potentialwachstum mit eff. Wachstum übereinstimmen, hat die Geldpolitik neutral zu sein. Wenn Janet Yellen also die Zinsen bei ca. 2% GDP YoY erhöht, gibt sie implizit zu, dass das Potential ebenfalls um den Wert liegt. Während historisch eher ein Wert von 3.5-4% möglich war. Zu tiefe Zinsen verlängern das Leiden. Sie kürzen es nicht ab.

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