„The west’s 20 years of policy self-harm“

Heute habe ich einen interessanten Rückblick auf das Krisenmanagement der letzten Jahre und damit verbunden eine Warnung: Es wird nicht leichter, sondern schwerer:

  • 10 years ago „(…) was, after all, the finest hour (as far as economic policy goes) of western governments in general, and for British economic diplomacy in particular, with the UK cajoling the rest of the world into strong and co-ordinated action on fiscal and monetary stimulus and recapitalisation of banks.” – bto: Bei den Banken waren die Briten allerdings in der Eurozone nicht so richtig erfolgreich. Leider.
  • “But that moment of glory stands in stark contrast to government policies in the run-up and the aftermath of the crisis, when a series of policy mistakes made things a lot worse than they needed to be. What were they?” – bto: Das ist die absolut richtige Feststellung. In der Tat lag es an dem immer höheren Leverage im System, der sich weiter verschlimmert, statt verbessert hat, wie wir wissen.
  • „The crisis itself only happened because of the huge build-up of debt that policymakers treated with reprehensible neglect. While economic observers worried about current account asymmetries, the real danger lay not in net flows (inflows minus outflows) of finance between countries, but gross (total) flows. As the Bank for International Settlements chart below shows, this stock of cross-border financial claims trebled from $10tn to more than $30tn just from 2000 to 2008, an order of magnitude greater than the net flows.” – bto: Damit aber nicht genug, auch die Verschuldung innerhalb von Ländern ist deutlich gestiegen.

Quelle: BIS

  • “With huge cross-border credit growth, of course, came huge domestic credit growth. (…) it was clearly a policy error to allow private credit at this scale: we now know that beyond a certain point, more private credit (whether a higher level or faster growth) is harmful for economic growth and an indicator of a looming financial crisis.” – bto: Und das gilt auch heute noch! China: hoch und schnell …
  • “After the welcome outburst of good policy in 2008-09, which arrested the downturn and triggered an initially strong recovery, the mistakes continued. In the US and Europe alike, fiscal stimulus was reversed and monetary stimulus was never pushed to the limit, and was sometimes prematurely withdrawn. The result was slower growth and lower economic activity than would have been achievable, manifest in less than full employment almost everywhere (…) On a very conservative calculation for the US, I found that the wasted economic output due to letting the economy languish for too long below full employment amounted to about 50 per cent of one year’s worth of output.” – bto: Das mag stimmen, aber wir haben dennoch das Problem, dass auch eine solche Politik letztlich zu einer weiter steigenden Schuldenquote geführt haben dürfte und damit nur Zeit kauft und die Grundlage für eine noch größere Krise in der Zukunft legt?
  • “Economists have shown empirically that financial crises as a rule strengthen hard-right extremes and erode the political centre. As Manuel Funke, Moritz Schularick and Christoph Trebesch conclude in a study of crises going back to 1870: ‘The typical political reaction to financial crises is as follows: votes for far-right parties increase strongly, government majorities shrink, the fractionalisation of parliaments rises and the overall number of parties represented in parliament jumps. These developments likely hinder crisis resolution and contribute to political gridlock. The resulting policy uncertainty may contribute to the much-debated slow economic recoveries from financial crises.’” – bto: Das stimmt und wir können es in Italien beobachten. Ich denke, bei uns ist das nicht der Fall. Die AfD war als euro-kritische Partei nicht relevant. Erst die Migration hat sie groß gemacht.
  • “(…) the self-inflicted crisis and retarded growth of the west has abruptly sped up the emerging economies’ catch-up. Just between 2005 and 2011, the OECD’s share of the global economy (measured at purchasing power parity exchange rates, which adjust for differences in the cost of living) fell from about 60 to 50 per cent.” – bto: was natürlich vor allem an der Expansion in China liegt. Auch hier die Frage: Ist das nachhaltig?

ft.com (Anmeldung erforderlich): „The west’s 20 years of policy self-harm“, 7. November 2018

10 Kommentare
  1. Michael Stöcker sagte:

    @ Horst

    Ich antworte Ihnen mal hier, da Ihre Fragen auch für alle anderen von Interesse sein könnten.

    „Ich frage mich, und das ganz ohne Ironie, Herr Stöcker, was haben Schattenmächte (Ihre Interviewempfehlung Fritz Glunk) mit der hier besprochenen Thematik zu tun, aus Ihrer Sicht? Der kausale Zusammenhang erschließt sich mir noch nicht.“

    Ironie mir gegenüber würde auch nicht zu Ihrem bisherigen sachlichen Diskussionsstil passen. Fritz Glunk ist Hauptperson im verlinkten Video von Alexander. Sie schreiben dazu: „Die Erkenntnis aber hat es in sich.“ Ich vermute mal, Sie beziehen sich auf die Schlussfolgerungen von Glunk im Interview. Hier der vollständige Beitrag (8 Minuten) von 3Sat aus dem Jahre 2011 ohne melodramatische Untermalung und hyperventilierenden Safranski: https://youtu.be/Y1vHkT11HwQ

    Antworten
  2. Michael Stöcker sagte:

    Nun geht wohl auch den Schattenmächten in Deutschland allmählich der Ar… auf Grundeis. So schreibt die Bertelsmann Stiftung:

    „Das alles kann nicht von heute auf morgen geschehen. Daher ist in der Zwischenzeit die Stärkung des Sozialstaates von zentraler Bedeutung. Insbesondere eine ausgleichende Sozialpolitik sowie eine aktive Arbeitsmarktpolitik bleiben eine wichtige Verteidigungslinie gegen zunehmende soziale Ungleichheit. Angesichts der Herausforderungen, die der demografische Wandel mit sich bringt, ist es umso besser, je früher mit der Bewältigung des Innovationsstaus begonnen wird.“ https://inclusive-productivity.de/innovation-wettbewerbsfaehigkeit-deutschland/

    Herr, die Not ist groß!
    Die ich rief, die Geister
    werd ich nun nicht los.

    Denn die Schwarze Null in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      Klar, wir brauchen Schuldige.

      Diesmal:

      Es ist die Schwarze Null und sind darüber hinaus all jene, die unter der „schwäbischen Hausfrau“ dafür gesorgt haben, dass sie schwarz geblieben ist.

      Ich bin ja auch der Meinung, dass das Land besser dastünde, wenn man mehr investiert hätte – vorzugsweise mit Konsumverzicht, aber auch moderatem Verschuldungsanstieg der Öffentlichen Haushalte.

      Aber Sie glauben doch nicht im Ernst, dass damit nach AUFFASSUNG vieler Politiker und Menschen „die Stärkung des Sozialstaats von zentraler Bedeutung und eine ausgleichende Sozialpolitik sowie eine aktive Arbeitsmarktpolitik wichtige Verteidigungslinien gegen eine als zunehmend empfundene Ungleichheit“ verzichtbar geworden wären.

      Was das betrifft gibt es kein „Zwischenzeitlich“ in Deutschland – hierzulande werden kontinuierlich derartig „Verteidigungslinien“ gezogen.

      Das ist so und wird so bleiben – und wäre auch so, wenn wir die beste Infrastruktur, die vorbildlichsten Schulen und keine Arbeitslosigkeit hätten.

      Bei uns muss unweigerlich zentral gestärkt, ausgeglichen und aktiviert werden.

      Bis ans Ende aller Tage oder, mal so ausgedrückt:

      Bis wir auf Null sind.

      Antworten
      • Richard Ott sagte:

        @ Herr Tischer
        „Aber Sie glauben doch nicht im Ernst, dass damit nach AUFFASSUNG vieler Politiker und Menschen ‚die Stärkung des Sozialstaats von zentraler Bedeutung und eine ausgleichende Sozialpolitik sowie eine aktive Arbeitsmarktpolitik wichtige Verteidigungslinien gegen eine als zunehmend empfundene Ungleichheit‘ verzichtbar geworden wären.“

        Ist das grundsätzlich immer und uneingeschränkt so? Oder gibt es einen Punkt, an dem die Bevölkerung eines Landes anfängt, sich gegen eine immer höhere Besteuerung und Umverteilung zu wehren? In Frankreich scheint der kritische Moment bei aktuell ungefähr 56% Staatsquote erreicht zu sein – und das obwohl mit der Erhöhung der Dieselsteuer doch nichts geringeres als das Weltklima gerettet werden soll.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Ich habe bewusst ÜBERTRIEBEN, um dem Eindruck zu widersprechen, dass wir ohne Schwarze Null und stattdessen der Bewältigung des Innovationsstaus von dem abgelassen hätten, was die Bertelsmann-Stiftung in der „Zwischenzeit“ an Umverteilung für erforderlich hält.

        Innovationen in Gang zu setzen – so das überhaupt möglich ist, siehe SB – ändert NICHT die Mentalität der Bevölkerung. Eher wäre deren Änderung die Voraussetzung mit Innovationen voranzukommen.

        Zu Ihrer Frage:

        Es ist nicht immer und uneingeschränkt so.

        Ich glaube, wenn in Deutschland der Abstieg richtig in Gang kommt und die Menschen sehr gefordert sind, mit fallenden Einkommen zurecht zu kommen, wird der Widerstand gegen den Ausbau des Sozialstaats nach überkommenen Mustern deutlich wachsen.

        In einer DERARTIGEN Situation werden kaum Steuererhöhungen möglich sein. Ich glaube auch, dass dann die Bereitschaft, die Rettung des Weltklimas zu finanzieren, erheblich nachlassen wird.

        Kurzum, ich teile Ihre Auffassung.

        An der SPD ist abzulesen, dass die Sozialpolitik des Umverteilens schon HEUTE in Deutschland an ihre Grenzen stößt, weil die Mitte, die das hauptsächlich finanzieren muss kraft Masse füllt Kasse, nicht mehr mitspielt – TROTZ aller „Leistungsversprechen“.

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