Inflation – auch die Folge falscher Noten­bank­modelle

Die Inflation – vorübergehend oder nicht? Klar ist, dass die Modelle der Notenbanken nicht wirklich taugen. Vor allem das Konzept der Inflationserwartungen ist eher Voodoo als ernsthaft, sagt auch eine Studie der Fed:

Zunächst die Feststellung, dass die Märkte nicht besorgt sind: “This insouciance is remarkable given that the global financial system moves in close rhythm with the ebbs and flows of dollar liquidity. Emerging market companies issue bonds priced off US Treasuries. Over $200 trillion of derivatives track dollar Libor or a close equivalent. It is doubly remarkable given that US assets are priced for perfection. Credit spreads are waver-thin. The ratio of US stock market capitalisation to GDP – the Buffett indicator – reached a record 210pc in November, twice the pre-Lehman peak of 106pc peak. Either markets doubt that the Fed will deliver on hawkish talk, or they think it is already so far behind the curve that a faster bond taper scarcely keeps up with runaway prices.” – bto: Man kann es nur so lesen: Alle gehen von ewiger Liquiditätszufuhr aus und kaufen, was es zu kaufen gibt.

Doch wie sieht es mit der Einschätzung der Inflationsrisiken aus?

  • “The Bank for International Settlements has long warned that this would happen if central banks (it meant the Fed) did not break the addiction, and did not act before debt levels had become unmanageable. Moral hazard has by now gone so far that the Fed itself may be trapped.” – bto: Ich habe das auf bto  häufig besprochen.
  • “(…) the character of QE has changed. The Fed is printing dollars to fund Joe Biden’s ‘war economy’ spending plans, helping to soak up a budget deficit of 12.4pc of GDP. This is helicopter money in all but name. (…) In any case, we all wanted to break out of secular stagnation once and for all. Yet something is obviously wrong with their description of how the economy works.” – bto: Klar, das Geld fließt direkt in die Venen der Wirtschaft.
  • “It has been an article of faith that the jump in inflation – which they did not anticipate, and vehemently played down – has been caused by post-pandemic bottlenecks. This is a mathematical fallacy. ‘Supply chain problems only change relative prices. They don’t cause inflation,’ said Professor Steve Hanke from Johns Hopkins University.” – bto: Ich könnte mir aber vorstellen, dass es durchschlägt.
  • “They worship the false god of “inflation expectations”. This has come in for some mockery even at the sanctum sanctorum of the Fed itself. The institution published a paper (that) went on to state that much of mainstream economics is ‘replete with ideas that ‘everyone knows’ to be true, but that are actually arrant nonsense’. Among them is the fiction that inflation expectations give advance warning of actual inflation. They do no such thing. They reflect ephemeral moods.” – bto: Ist es nicht schön? Das Instrument, das verwendet wird, gibt kein relevantes Signal.
  • “Lord Mervyn King, ex-Governor of the Bank of England, compares the economic ideology of our time to medieval ‘scholasticism’, the bad habit of asserting precise claims from vague premises. ‘Money has disappeared from modern models of inflation,’ he told a forum at the Institute of International Monetary Research.” – bto: Warum sollte Geld auch eine Rolle spielen, wenn es um Inflation geht?
  • “‘Common sense suggests that when too much money is chasing too few goods the result is inflation,’ he said.”bto: Aber wir wissen doch, dass unsere Notenbanker überlegenes Wissen haben.
  • “The ECB can no longer deny the reality of inflation and can no longer hide behind the Fed. (…) The dirty secret in Frankfurt is that QE has turned into a fiscal rescue scheme. The pandemic has disguised this but has also added 20 to 30 percentage points of GDP to public debt ratios across southern Europe, with Italy ending last year at 158pc.” – bto: Das ist wie in den USA Helikopter-Geld.
  • “It is widely assumed that Europe has rebuilt monetary union on sturdier foundations since the trauma of the debt crisis. But the Hamiltonian leap to fiscal union never actually happened. The return of inflation could spoil a lot of wishful thinking.” – bto: Ich hoffe, dass bei meinen Lesern keine Wunschvorstellungen zunichtegemacht werden.

telegraph.co.uk (Anmeldung erforderlich): „Inflation is traumatic for the Fed and existential for the eurozone”, 2. Dezember 2021

Kommentare (39) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    Hallo Herr Menéndez,

    was das Thema Bezahlen/Settlement/Clearing angeht, gibt es zwischen uns keinen Dissens. Mit dem Anschreibenlassen geht es eben solange gut, wie es gut geht. Beim Eurodollar bis 2006/2007, bei Bretton Woods bis 1971. Was fehlt, das ist die übergeordnete Zentralbank, die gemäß der Bagehot-Regel agieren und so für die nötige Elastizität sorgen kann. Im Eurodollarmarkt findet seit 2006/2007 das Settlement vermehrt via USTs statt, die jedoch durch QE dem Markt entzogen werden. Ein ähnliches Versagen der Fed wie schon 1929. Immerhin haben sie mit RRP dann hierauf reagiert.

    Zu Flassbeck: Es gab einmal eine Zeit bei den sogenannten Wirtschaftsweisen, da war es eine ökonomische Binse, die Löhne gem. der produktivitätsorientierten Lohnpolitik anzupassen; zzgl. ZIELinflation. Temporäre Änderungen der relativen Preise oder der tot, die ein Überschießen über die Zielinflation bewirken, sind aber davon ausgenommen, damit es nicht wie in den 70er Jahren zu einer Lohn-Preis-Spirale kommt. Es müssten also eigentlich bei einer durchschnittlichen Erhöhung der Produktivität um 1 Prozent die Löhne auf breiter Basis jedes Jahr um 3 % steigen. Michael Pettis hat hierzu das passende Buch geschrieben: Trade Wars are Class Wars.

    Apropos Pettis: Von ihm gibt es ein aktuelles Stück zum Thema Schulden, bei dem auch die Kursindices der Börsen (bezzle) nicht unerwähnt bleiben: https://carnegieendowment.org/chinafinancialmarkets/86397

    Antworten
  2. Werner
    Werner sagte:

    Weil die Staatsanleihen mit bereits vorhandenem Geld gekauft werden. Die Geldmenge auf unseren Girokonten erhöht sich dadurch nicht. Hier wird kein “Geld”
    gedruckt.

    Antworten
    • Michael Stöcker
      Michael Stöcker sagte:

      @ Werner

      Staatsanleihen werden mittels Reserven von Primary Dealern erworben. Gibt der Staat diese Reserven anschließend aus, so landen diese auf den Konten der Nichtbanken und erhöhen somit die Geldmenge M1/M2/M3. Nur dann, wenn diese Anleihen anschließend von den Primary Dealern direkt oder indirekt an Nichtbanken veräußert werden, sinkt die Geldmenge M1/M2/M3 wieder. Nur für diesen Fall ist also Ihre Aussage korrekt. Am ZLB sind zudem Geld und Anleihen beinahe perfekte Substitute.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Renée Menéndez
        Renée Menéndez sagte:

        Aus dieser epistemologischen Zumutung:

        “Das Geld, was auf eurem Konto landet, landet in der Bilanz einer Privatbank…”

        “…das Geld was wir verwenden … das sind Schulden privater Banken…”

        “…Steuern sind dazu da die Geldmenge zu reduzieren…”

        Ich habe das unsägliche Geschwatze dieses Soziologen nur bis zu diesem Punkt mitgehört. Es sind immer wieder die gleichen “woken” Denkpannen, die da auf epischer Breite präsentiert werden.

        Mein herzliches Beileid an alle Studenten, die unterstellterweise ernsthaft versuchen, die Vorgänge der Geldwirtschaft verstehen zu wollen. Hier werdet Ihr nur geholfen!

        Mein Tip: RENNT!

      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        Kann Ihnen heute nicht so recht folgen. Aus Nichtbankensicht kann ich mit Bargeld oder Giralgeld bezahlen. Das ist zugleich die enge Definition der Geldmenge M1, da, sofern nichts anderes vereinbart wurde, ich nur mit diesen beiden Zahlungsmitteln meine Zahlungsverpflichtung erfüllen kann; auch dann, wenn bei einer Überweisung im Hintergrund noch Reserven transferiert werden, sofern die Überweisung auf ein Konto bei einer anderen Bank erfolgt.

        “…Steuern sind dazu da die Geldmenge zu reduzieren…”

        Dann formuliere ich mal um: …Steuern reduzieren die Geldmenge M1… Die Reserven ändern sich hierdurch nicht, da lediglich vom ZB Konto der Geschäftsbank auf das ZB Konto des Staates umgebucht wird. Zugleich hat sich die Bilanzsumme der GB reduziert (Aktiv-Passiv-Minderung), während die Bilanzsumme der ZB unverändert bleibt (Passivtausch).

        “Das Geld, was auf eurem Konto landet, landet in der Bilanz einer Privatbank…”

        Das Giralgeld, was auf eurem Konto verbucht wurde, landet in der Bilanz eurer Bank, sofern der Sender sein Konto bei einer anderen Bank hat. Auf der Aktivseite landen zugleich die korrespondierenden Reserven.

        “…das Geld was wir verwenden … das sind Schulden privater Banken…”

        Das Giralgeld (Giralgeld ist aus unserer Sicht ebenso ein Aktivum wie Bargeld), über das wir aufgrund des Girovertrags mit der Geschäftsbank verfügen, ist eine Schuld dieser Bank. Die Bank kann sich dieser Schuld passiv entledigen, sofern wir eine Umwandlung in Bargeld vornehmen; aka Bargeldabhebung am Automaten. M1 ändert sich durch diesen Vorgang lediglich in der Zusammensetzung, nicht aber in der Höhe.

        Mein Tipp: Verständig zuhören und im Hinterkopf haben, an welches Publikum sich dieser Podcast richtet.

        Und nun Sie, sofern Sie mögen.

        LG Michael Stöcker

      • Renée Menéndez
        Renée Menéndez sagte:

        Ich versuche es noch mal. Es geht hier um einen feinen, aber dennoch entscheidenden Unterschied. Ihre Formulierung wäre richtig, wenn sie lauten würde: “Aus Nichtbankensicht kann ich mit Bargeld (sowieso) oder MIT HILFE von Giralgeld zahlen.”

        Denn Giralgeld ist, auch wenn sich der Laie von dieser optischen Täuschung hinter die Fichte führen läßt, KEIN ZAHLUNGSMITTEL, sondern ein Optionsrecht den Zahlungsdienstleister anweisen (im Sinne von befehlen) zu können, einen Zahlungsvorgang auszuführen. Dieser Vorgang kommt Ihnen zugute, weil Sie dadurch einen Entschuldungseffekt genießen.

        Sie zahlen ja auch MIT HILFE ihres “guten Namens” oder MIT HILFE ihres Handys, denn nach dem Zahlungsvorgang haben Sie ihren guten Namen und Ihr Handy ja immer noch. Das sind ja keine anderen Zahlungsmodi, sondern nur andere Verfahren Ihrer Bank die Anweisung zur Durchführung einer Zahlung zu übermitteln (es geht immer nur um Informationsübermittlung der “einseitig empfangsbedürftigen Willenserklärung”). Ihre “Zahlung” ist eine Willenserklärung, der einen Übertrag von Zentralbankgeld BEWIRKT, aber kein Übertrag von Zentralbankgeld IST.

        Die Übertragung des Zahlungsmittels (Zentralbankgeld) nimmt in allen diesen Fällen Ihre Bank vor, denn es handelt sich jedes Mal um eine Überweisung. Sie können natürlich den Akt der Anweisung an die Bank als “Zahlung” bezeichnen, aber das ist dann wiederum NICHT dasselbe wie bei einer Barzahlung, weil Sie da tatsächlich SELBST den Zentralbankgeldübertrag vornehmen. Es geht eben um die Frage wer das Zahlungsmittel überträgt, nicht wie man das benennt – man sollte aber unterschiedliche Dinge auch unterschiedlich bezeichnen, sonst gerät man in furchtbare Verwirrungen, von denen solche Diskussionen geprägt sind.

        Ihnen ist ja wohl mein hier publizierter Beitrag “Was ist Giralgeld?” bekannt, dort ist alles haarklein auseinanderklamüsert. Leider nimmt dieser Beitrag nicht auf emotionale Prägungen Rücksicht, sondern nähert sich dieser Frage analytisch. Mit dieser Methode werden Sie selbst darauf kommen. Glauben Sie mir – es geht!

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @R. Menéndez

        Ich erlaube mir eine Kritik.

        Für den analytischen Zugang müssen Sie aus Perspektive des System gucken und entsprechend die Begrifflichkeiten definieren.

        Wollen Sie dem interessierten Laien dieses System erklären, brauchen Sie eine angepasste Sprache, die der Perspektive aus Sicht des Konsumenten Rechnung trägt.
        Der Terminus „mithilfe“ hilft da nicht weiter, weil sich ein Kontostand de facto verringert, wenn ich das Optionsrecht nutze, eine Zahlung anzuweisen. Zahle ich „mithilfe“ meines guten Namens oder meines Handys, bleibt beides unverringert.

        Die Alltagserfahrung, dass ich etwas abgebe um etwas zu bekommen, allgemeiner sich also eine Quantität aus Konsumentensicht verringert, macht das ganze aus Konsumentensicht auch zu einer echten Zahlung, nicht einem Hilfsmittel zur Veranlassung einer echten Zahlung.

        Man kann sich Gedanken über die sprachliche Lösung machen, die den Vorgang aus beiden Perspektiven mit denselben Worten korrekt darstellt. „Mithilfe“ ist es hier nicht.
        So lange man das nicht hat, bleibt nur, die verschiedene Bedeutung gleicher Begriffe hervorzuheben in Abhängigkeit davon, aus welcher Perspektive man schaut. Mühselig, aber unumgänglich.

        Was würde passieren, wenn wir aus der Systemperspektive den Terminus „Zahlung“ streichen, für die Konsumentenperspektive reservieren, und für die Systemperspektive nur noch tilgende/nichttilgende Vorgänge unterscheiden?
        (unausgegoren aus der Hüfte geschossene Frage)

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Renée Menéndez

        >Glauben Sie mir – es geht!>

        Das schon.

        Aber man muss dann schon weit ausholen und der Analytik u. a. ein Einführungsseminar vorschalten mit der Thematik „Rechtliche Grundbegriffe“ und „Rechtliche Konsequenzen von rechtskonformen Handeln “, weil sonst die Leute bei „einseitig empfangsbedürftiger Willenserklärung“ überfordert sind und abschalten.

        Das geht übrigens auch Fachleuten so:

        Fragen Sie einmal angehende Juristen, was die unterschiedlichen Konsequenzen sein können, beim Verschicken von Kündigungsschreiben per „Einschreiben/Rückschein“.

        Hier z. B.:

        https://www.anwalt.de/rechtstipps/probleme-bei-kuendigungen-per-einschreibenrueckschein_083004.html

      • Renée Menéndez
        Renée Menéndez sagte:

        Ich denke mal das größte Problem ist die emotionale Disposition, einen positiven Kontostand als die Sache selbst – Geld – sehen zu wollen. Das führt dann zu Aussagen wie: “Da ist Geld auf dem Konto!” Die Folge davon ist wiederum: “DAMIT kann ich bezahlen!” Und schon befindet man sich in einem logischen Unbestimmtheitsbereich. Das Häßliche dabei ist, daß aus der Prämisse 1) die Schlußfolgerung 2) abgeleitet werden kann, ohne daß es möglich wäre diesem Schluß einen Wahrheitswert zuzuordnen. Der Schluß kann somit korrekt sein, allerdings ist die Prämisse falsch: ex falso quodlibet!

        Wie bei solchen Problemen üblich, liegt die Klärung in der eindeutigen Verwendung der Bezeichnungen. Ich bin bisher immer davon ausgegangen, daß der Begriff “Zahlung” mit der Übergabe des geschuldeten Betrages verknüpft ist. Daraus folgt, daß bei einer Überweisung nicht ich selbst, sondern ein Zahlungsdienstleister diese Übergabe vornimmt.

        Möchte man nun beide Vorgänge mit dem Begriff “Zahlung” belegen bleibt nur der Schluß übrig, daß “Zahlung” die “Herbeiführung eines Entschuldungserfolges” bezeichnet, ohne daß damit gesagt wäre, WER die Übergabe des (Zentralbank-)Geldes vorgenommen hat.

        Von daher kann man das sprachliche Problem relativ einfach auf die Reihe bekommen, denn dazu benötigt man lediglich eine gemeinsam geteilte Definition dessen, was eine Zahlung bezeichnen soll: entweder A) Übergabe von Zahlungsmitteln oder B) Entschuldungserfolg. Bei A) nimmt der Zahlungsdienstleister den Transfer vor, was zur Folge hat, daß es kein “Geld auf dem Konto” gibt, mit dem gezahlt werden könnte. Bei B) schiebt man die Details hinsichtlich der Übergabe von vornherein weg, die jeweiligen Verfahrensweisen bleiben jedoch genauso unterschiedlich wie vorher.

        Mir selber ist es völlig egal welche Definition genommen wird, denn es kommt beides Mal dasselbe heraus. Vielleicht haben Sie ja eine bessere Idee, diesen sprachlichen Schlamassel aufzuräumen?

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @R. Menéndez

        Wo fange ich an? Am besten so: Ich interessiere mich seit langem für Wissenschaftskommunikation. Aus genau dieser Perspektive schreibe ich, wenn ich Ihnen sage:

        Sie haben Unrecht! Und zwar mit:

        “Ich denke mal das größte Problem ist die emotionale Disposition, einen positiven Kontostand als die Sache selbst […]“

        Es gibt hier keine emotionale Disposition. Die Trennung ist intellektuell anspruchsvolle Abstraktion, die Ihnen und mir nur deshalb leicht erscheint, weil wir in einer Art ausgebildet wurden, die solches erfordert. Und eine solche Ausbildung haben wir wiederum nur wegen bestimmter Talente angestrebt.

        Das können Sie von einer großen Mehrheit so nicht erwarten und dieses akute Unvermögen als emotionale Disposition zu sehen, ist falsch.

        Es ist eine Rationalität in Form anerzogener Erkenntnis.

        „denn dazu benötigt man lediglich eine gemeinsam geteilte Definition dessen, was eine Zahlung bezeichnen soll: entweder A) Übergabe von Zahlungsmitteln oder B) Entschuldungserfolg.“

        Das ist weder „lediglich“ noch „einfach“.
        Das ist weltumwälzend für jeden, der sozialisationsrational gut begründet glaubt, mit einer Überweisung zu BEZAHLEN. Solche Änderungen im Denken gehen nur dann einigermaßen leicht, wenn man solches Denkändern gelernt hat.
        Z. B. indem man wie ich (oder auch Sie?) ein Fach studiert hat, das dauernd den gesunden Hausverstand zugunsten kontraintuitiver, aber empirisch einwandfrei belegbarer Gesetzmäßigkeiten herausfordert und dann überstimmt.

        Normal ist das nicht! Und „einfach“ schon überhaupt nicht.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        >Es gibt hier keine emotionale Disposition.>

        Ich glaube, dass dies nur stimmt auf einem IDEALISTISCH hohen Abstraktionsniveau.

        Auf eine hohen Abstraktionsniveau gibt es die anscheinend schon. Hier:

        https://www.welt.de/wissenschaft/plus236909307/David-Spiegelhalter-Forscher-sollten-keine-Aktivisten-werden.html

        Der hier als „vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler gehört zu den am häufigsten zitierten Biostatistikern der Welt. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit an der Universität von Cambridge ist die Kommunikation von Risiken und wissenschaftlicher Evidenz. Seit Mai 2020 ist der 68-Jährige Mitglied im Vorstand der nationalen britischen Statistikbehörde“ ausgelobte Spiegelhalter sagt im Interview u. a.:

        >Tragischerweise haben wir in dieser Pandemie erlebt, dass sich selbst hochqualifizierte Wissenschaftler von ihrer persönlichen Agenda haben leiten lassen. Ich will keine Namen nennen, aber manche Forscher haben sich sehr schlecht benommen. … Selbst hohes wissenschaftliches Ansehen bis hin zum Nobelpreis ist keine Garantie. Man kann aber überprüfen, was ein Wissenschaftler auf Twitter oder in anderen Medien kommuniziert. Steht er klar auf der einen oder der andere Seite? Versucht er, zu informieren oder eher zu überreden? Wenn Letzteres der Fall ist, würde ich seinen wissenschaftlichen Veröffentlichungen misstrauen…Immer wieder erscheinen verzerrte Interpretationen in Fachmagazinen – wenn Gutachter beispielsweise bestimmte Überzeugungen teilen … erlebe ich auf beiden Seiten interessengeleitete Argumentation. Ich selbst würde mich als Covid-Zentristen bezeichnen, aber wer kann schon sicher sein, nicht eher der einen oder der anderen Seite anzuhängen? Ich kritisiere beide Seiten und versuche immer zu identifizieren, wo jemand wissenschaftliche Ergebnisse selektiv auswertet, schwach argumentiert, sich von Gefühlen beeinflussen lässt.>

        >… ein Fach studiert hat, das dauernd den gesunden Hausverstand zugunsten kontraintuitiver, aber empirisch einwandfrei belegbarer Gesetzmäßigkeiten herausfordert und dann überstimmt.>

        Notwendig, aber nicht hinreichend meiner Erfahrung nach:

        Man muss auch immer wieder gescheitert sein, um demütig genug zu werden, sich eine Disposition anzueignen, die eigene Fehlerhaftigkeit als gegeben und nicht als Angriff anderer ansieht.

      • Renée Menéndez
        Renée Menéndez sagte:

        Ich finde es vergleichsweise müßig mir Gedanken zu machen, ob eine wie auch immer beschaffene “Mehrheit” das so sieht oder nicht. An anderer Stelle habe ich geschrieben, daß die lebenspraktische Wirklichkeit auch ohne diese Differenzierungen lebensfähig ist.

        Was anderes ist es, wenn von einer professoralen Kanzel Dinge vertreten werden, die nicht begründbar sind. Die oben angeführten Zitate “…das Geld, was auf dem Konto landet…” und “…Geld was wir verwenden sind Schulden…” kann man nicht mit dem Argument gutheißen, das würde sich ja an ein nichtfachliches Publikum wenden. Umso schlimmer, dann ist das Indoktrination.

        Was ich als “emotionale Disposition” bezeichne ist für Sie die “anerzogene Erkenntnis”. Beide Ausdrücke bezeichnen ja gerade den Glauben an eine Wahrheit, die nicht durch eigene Recherche und daraus entstandener Schlußfolgerung als “Realität” akzeptiert wird. Ob Emotionen oder Erziehung: in beiden Fällen ist nicht die Frage nach richtig/ falsch die Leitlinie der Realitätsauffassung.

        Ich habe ja auch mal geglaubt, daß da “Geld auf dem Konto” sei, genauso wie ich völlig reflexionsfrei von “Kreditgeld” geschrieben habe, bis mir irgendwann mal aufgefallen ist, daß Schuldverhältnisse (Kredit) und Erfüllungsmittel (Geld) auf unterschiedlichen logischen Ebenen liegen. Es ist eine Sache solchen Schrott bei sich selbst zu entdecken und eine andere, dieses als logischer Irrtum erkannte Substantivkompositum an jeder Ecke wiederzufinden. Aber auch hier gilt: was für den Hausgebrauch ausreichend ist, ist für Wissenschaft ein Versagen. Dabei wurde ja im Grundstudium ausdrücklich die sachlogische Trennung des BGB behandelt, daß Schuldrecht und Sachenrecht auf unterschiedlichen Ebenen liegen. Das Wissen darum ist eine Sache, die konsequente Anwendung davon – auch gegen eigene Auffassungen gerichtet – eine andere.

        Da muß man sich dann entscheiden: ist das logische Ergebnis maßgebend, oder die “anerzogenen Erkenntnisse”?

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Renée Menéndez

        >… was für den Hausgebrauch ausreichend ist, ist für Wissenschaft ein Versagen.>

        Richtig.

        Aber richtig ist auch:

        Für den Hausgebrauch ist es oftmals IRRELEVANT, ob das, was mit ihm betrieben wird, aus Sicht der Wissenschaft Versagen ist oder nicht.

        Beispiel:

        Ob die Erdbeeren reifen oder nicht, hängt nicht davon ab, ob sich die Sonne um die Erde oder die Erde um die Sonne dreht.

        Es interessiert daher den Hausgebrauch, der sich um das Reifen von Erdbeeren kümmert, nicht im Geringsten, was die Wissenschaft als richtig oder falsch herausfindet.

        Oder anders gesagt:

        Für den Hausgebrauch rotiert die Wissenschaft in einer Blase.

        Soweit ist das alles kein Problem.

        Es wird allerdings dann eines, wenn der Hausgebrauch mit SEINEN Erfahrungen, d. h. UNWISSEN Erklärungen wie, „WARUM Erdbeeren reifen“ abgibt statt zu bleiben bei „WENN, dann reifen sie“.

        Da die meisten Erklärungen mit mehr oder weniger Hausgebrauchs-Erfahrung abgegeben werden, haben wir eben die Diskussionskultur, die wir haben.

      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        Gast zum Kellner: Luigi, ich möchte bitte bezahlen.

        Aber sehr gerne, mein Herr. Wie wünschen Sie zu zahlen? Bar oder mit Karte?

        Aber Luigi, jedes Kind weiß doch, dass man mit Karte nicht bezahlen kann. Da ich aber heute zu wenig Bargeld dabei habe, möchte ich auf Basis meines Girovertrags mein kontoführendes Kreditinstitut anweisen, via Clearing-Prozess Giralgeld zu Lasten meines Kontos und zugunsten deines Kontos zu verbuchen.

        Alles schön und gut, mein Herr, aber wie möchten Sie nun bezahlen, fragt Luigi irritiert?

        Aber ich habe dir doch gerade erklärt, dass ich nicht in der Lage bin, zu bezahlen. Das ist doch nun wirklich nicht so schwer zu verstehen.

        Dann frage ich jetzt zum letzten Mal: Bar der Karte?

        Das Gesicht des Gastes erhellt sich sichtlich und er spricht: Na also, Luigi, endlich hast du mich verstanden: Hier hast du meine Karte.

        Sichtlich um Fassung ringend holt Luigi den Kartenleser und murmelt: Die spinnen, die Germanen…

      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        Der Zahlungsbegriff ist einfach mehrdeutig und sollte so auch verstanden werden. Für den einen ist es die Übergabe des Zahlungsmittels, für den anderen die Zahlungsart; auch dann, wenn sich die meisten Menschen gar nicht bewusst sind, worin der Unterschied besteht.

        LG Michael Stöcker

      • Renée Menéndez
        Renée Menéndez sagte:

        “Der Zahlungsbegriff ist einfach mehrdeutig und sollte so auch verstanden werden.”

        Also ich gehe davon aus, daß Menschen vernunftbegabte Wesen sein können, für die es durchaus möglich ist Differenzierungen vorzunehmen, die Zweifel daran, was mit einem Begriff ausgedrückt werden soll, ausräumen können. Denn gerade bei Mehrdeutigkeiten kann man sich nicht einfach damit abfinden und auf diesem Begriff basierende Diskussionen der Hölle des Mißverständnisses aussetzen. Zumal ich ja oben eine Formulierung vorgeschlagen habe, die offen läßt, ob es sich um eine “Selbstzahlung” (Bargeld) oder eine “Fremdzahlung” (durch Anweisung an die Bank) handelt.

        Sie schreiben doch selbst, daß es bei diesem Thema Unterschiede gibt, die vielen nicht bewußt sind. Wenn es die gibt, kann man die auch benennen und damit auseinanderhalten, worum es geht. Alles andere ist eine Kapitulation vor einem lösbaren Problem.

  3. jobi
    jobi sagte:

    @bto

    “The return of inflation could spoil a lot of wishful thinking.”

    Genau so wird es kommen.

    Denn bisher haben die großen Zentralbanken in dieselbe Richtung manipuliert.

    Kaum zeigt sich Inflation, ist das plötzlich anders. Für die konsumabhängige US Wirtschaft hält man Zinsanhebungen für das kleinere Übel. Anders bei der EZB, wie im Artikel beschrieben. Und bei der BoJ reagiert man mit unbegrenzter Ausweitung von Assetkäufen :-)

    Das Auseinanderlaufen dürfte kurzfristig zu Verwerfungen führen und Korrekturen und/oder weitere Eingriffe erforderlich machen.

    Bei der ganzen Diskussion wird immer vergessen, dass die Größe der globalen Finanzmärkte inzwischen mehr als das 10-fache der Gütermärkte und ein Vielfaches des globalen BIP erreicht hat.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @jobi

      “Bei der ganzen Diskussion wird immer vergessen, dass die Größe der globalen Finanzmärkte inzwischen mehr als das 10-fache der Gütermärkte und ein Vielfaches des globalen BIP erreicht hat.”

      Haben Sie eine Statistik dazu? Vorstellen kann ich es mir schon, wenn man den Gesamtumsatz der Märkte als Indikator nimmt.

      Ein wesentlicher Unterschied ist allerdings, dass es keine wesentlichen negativen Konsequenzen hat, wenn ein paar Spekulanten auf den Finanzmärkten ihre Order nicht ausgefüllt bekommt. Wenn das auf einem echten Gütermarkt, zum Beispiel dem für Nahrungsmittel, passiert, dann kann es eine Menge negativer Konsequenzen geben, bis hin zur großen Revolte gegen die Regierung.

      Zu viel Respekt vor den Finanzmärkten schadet nur, manchmal muss man deren Geschrei und ihre kindischen Wutanfälle aushalten, dafür verdienen die Akteure dort, die angeblich alle Profis sind, auch eine Menge Geld.

      Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Genosse Stöcker

      “There is no such thing as inflation; it’s ‘inflation'”

      Jaja, Ihr Glaubensbekenntnis. Ich kenne es ja schon lange, aber glauben Sie nicht, dass sich die meisten Leute durch solche Sprüche ganz schön verarscht vorkommen, wenn sie die “Inflation” jeden Tag im Supermarkt sehen können?

      Fortgeschrittene können sogar die Haushaltspläne der europäischen Regierungen und die EZB-Bilanz lesen und erkennen, dass es eine massive staatliche Neuverschuldung und gleichzeitig einen massiven Anstieg der von der Zentralbank gehaltenen Staatsanleihen gab. Wenn das keine “monetären Phänomene” sein sollen, was denn dann?

      Antworten
    • Renée Menéndez
      Renée Menéndez sagte:

      Zu Ihrem Punkt 2 von gestern zwei Anmerkungen: daß für Kreditvergabe keine Reserven erforderlich sind stimmt nur deswegen, weil es sich hierbei um Schuldverhältnisse handelt. Schuldverhältnisse können in jeder beliebigen Höhe vereinbart werden, da sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Bargeld oder Reserven (was auch Schuldverhältnisse sind, aber mit der Zentralbank) brauchen Sie aber dann, wenn es ums BEZAHLEN geht. Denn für das settlement sind die “Depositen” nicht zu gebrauchen – die stehen schlicht auf der falschen Bilanzseite – und immer dran denken: auch clearing ist eine Zahlung!

      Hinsichtlich einer Inflation/ Preisniveausteigerung ist eine Nettokreditvergabe zwar notwendig, aber nicht hinreichend. Sie schreiben ja selbst, daß die Zielrichtung der Steigerung der Schuldverhältnisse darin bestehen sollte das Produktionspotential zu erweitern, um zu einem höheren (marktfähigen) Angebot zu kommen. Denn durch solche Schuldverhältnisse werden die Einkommen geschaffen, die dann auch zu einer steigenden wirtschaftlichen Leistung führen, ohne daß dadurch das Preisniveau einen wesentlichen Schub bekommen würde. Das bedeutet dann auch, daß selbst bei einem steigenden Volumen der Schuldverhältnisse die Zinsen sogar fallen können, weil die Konkurrenz und die fallenden Risikoanteile des Zinses eher tendenziell für eine Senkung sorgen.

      Natürlich kann eine Zentralbank – wenn sie denn mal eintritt – eine inflationäre Entwicklung stoppen, aber das erfolgt nach der Methode: Operation geglückt – Patient tot! Denn sie kann ja lediglich auf das settlement einwirken und es schwierig bis unmöglich machen, was dann ja auch zu einer Verringerung des Verhältnisses clearing/settlement wirkt mit der Folge, daß der Interbankenmarkt “einfriert”. Das war der LTRO-Fall. Diese Erkenntnis, daß man doch irgendwann Basisgeld braucht wird dem sog. Eurodollarmarkt einen erheblichen Dämpfer verpaßt haben. Denn wenn der margin-call droht gilt die alte Stammtischweisheit: nur Bares ist Wahres!

      Schaut man sich die ganzen Regulierungen und die ganzen Nebenbedingungen an wird schnell klar, daß eine Verringerung der Zahlungsmöglichkeiten durch die Zentralbank zu einer Pleitewelle bei den Banken führt – was nicht heißt, daß damit die in der Bank verwalteten Schuldverhältnisse nicht fröhlich woanders weitergeführt werden. Ein paar Gläubiger trifft es schon, die Schuldner werden nicht von der Leine gelassen. Unter diesen Auspizien ist die Theorie der “Neutralität des Geldes” nicht mehr haltbar, obwohl genau das die Basistheorie dafür ist, der Notenbank das Mandat der Preisniveaustabilisierung zuzuschieben. Man muß ja Flassbeck nicht mögen, aber gegen die alte auch von ihm vertretene These, daß die Lohnstückkosten über das Preisniveau entscheiden, gibt es kein Argument. Eigentlich wäre die Lohnpolitik – sofern die überhaupt umsetzbar wäre – der geeignete Adressat dafür Inflationsbekämpfung zu betreiben. Die Erzeugung eines Niedriglohnsektors unter der Regierung Schröder (mitgemacht haben dabei alle, bis hin zu den Kirchen) war für die inflationäre Entwicklung maßgeblicher, als irgendwelche zinspolitischen Entscheidungen einer Zentralbank. Der disinflationäre Effekt Chinas tat ein übriges.

      Was die Zinspolitik angeht hat Walter Bagehot eigentlich schon alles gesagt: im Fall einer Krise freigiebig Kredit geben, aber zu hohen Zinsen. Zielrichtung dabei ist die Verbesserung des allgemeinen Bonitätsniveaus, was dann gegenüber den Unternehmen auch schon mal zu Kreditverweigerung und nachfolgenden Pleiten führt. Daß die aktuelle Politik der Notenbanker sich danach richten würde ist weit und breit nicht zu sehen, da sind wohl die Kursindices der Börsen wichtiger…

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      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Renée Menéndez

        >Hinsichtlich einer Inflation/ Preisniveausteigerung ist eine Nettokreditvergabe zwar notwendig, aber nicht hinreichend. Sie schreiben ja selbst, daß die Zielrichtung der Steigerung der Schuldverhältnisse darin bestehen sollte das Produktionspotential zu erweitern, um zu einem höheren (marktfähigen) Angebot zu kommen. Denn durch solche Schuldverhältnisse werden die Einkommen geschaffen, die dann auch zu einer steigenden wirtschaftlichen Leistung führen, ohne daß dadurch das Preisniveau einen wesentlichen Schub bekommen würde.>

        Das stimmt in dieser Verallgemeinerung nicht.

        Wenn z. B. der Arbeitsmarkt ausgeschöpft ist, dann ist die Nettokreditvergabe nicht nur notwendig, sondern zugleich hinreichend für den Anstieg des Preisniveaus.

        Denn dann wird eine größere Nachfrage um ein nicht erweiterbares Arbeitskräftepotenzial treffen.

        Es kommt dann nicht zu einem höheren Angebot (c. p. natürlich).

        Und dies notwendigerweise so.

        Denn der Kredit ist nicht etwas, das man einfach mal in den Winterschlaf versetzen kann, sondern er MUSS bedient werden, d. h. er muss dafür eingesetzt werden Erträge zu generieren, verlangt also Ressourcennutzung.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer

        Wenn der Arbeitsmarkt ausgeschöpft ist, beantragt kein guter Unternehmer einen Kredit. Und wenn die Bank eine ordentliche Kreditantragsprüfung macht, würde sie einen entsprechenden Antrag eines schlechten Unternehmers zügig ablehnen. Dafür gibt‘s den Business Plan, der mit Sachverstand erstellt und geprüft werden sollte.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        >Wenn der Arbeitsmarkt ausgeschöpft ist, beantragt kein guter Unternehmer einen Kredit.>

        Das stimmt in dieser Allgemeinheit nicht.

        Denn auch gute Unternehmer müssen refinanzieren.

        Und nicht alle neu aufgenommenen Kredite dienen nur dazu, die alten zu bedienen, würden also zu nicht mehr Nachfrage führen.

        Kreditvergabe schafft Nachfrage.

        Und was ist mit den „schlechten“ Unternehmern, die Kredite beantragen und auch bekommen, weil die Banken mit Kreditvergabe Geld verdienen?

        Auch sie schaffen Nachfrage.

        Selbst beim Fall der Kreditvergabe an die hier vielfach besprochenen Zombieunternehmen gilt:

        Zumindest stabilisieren sie die Nachfrage, da sie durch diese Kredite nicht Insolvenz erklären müssen.

        Und das, was bei den Banken hängen bleibt, die Bearbeitungsgebühren, schafft auch in diesem Fall Nachfrage.

      • weico
        weico sagte:

        @Renée Menéndez

        “Was die Zinspolitik angeht hat Walter Bagehot eigentlich schon alles gesagt: im Fall einer Krise freigiebig Kredit geben, aber zu hohen Zinsen. ”

        ..und gegen gute Sicherheiten !

        “That at this rate these advances should be made on …..all good banking securities……, and as largely as the public ask for them. “

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer

        Mein Fokus ist primär realwirtschaftlich, nicht aus Finanzierungssicht.

        Wenn ich einen Kredit beantrage und weiß, dass ich keine Arbeitnehmer zu den aktuellen Preisen bekomme, ist entweder mein Business Plan Schrott (also lasse ich‘s sein, weil ich Verluste machen würde) oder es gibt eine ausreichend hohe Nachfrage, so dass ich entsprechend höhere Löhne zahlen kann UND trotzdem noch Geld verdiene.

        In letzterem Fall führt mein zusätzliches Angebot an Produkten zu einer SENKUNG des Produktpreises (der mir zunächst mal ja signalisiert hat, dass noch n Euro zu verdienen ist). Ggfs werden die Produkte des Anbieters teurer, von dem ich die Arbeitnehmer abgeworben habe. Oder dessen Produktion wandert ganz ab. Dann sinken idR die Preise auch.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        “Wenn der Arbeitsmarkt ausgeschöpft ist, beantragt kein guter Unternehmer einen Kredit.”

        Viel zu pauschal und holzschnittartig und daher falsch. Sie müssten das als Unternehmer eigentlich besser wissen.

        Wenn der Unternehmer beispielsweise ein Produkt oder eine Technologie hat, mit das den Einsatz von Arbeitskräften einspart, dann bekommt er bei Vollbeschäftigung sogar besonders einfach einen Kredit oder Angebote von Investoren.

        @Renee Menendez

        “Eigentlich wäre die Lohnpolitik – sofern die überhaupt umsetzbar wäre – der geeignete Adressat dafür Inflationsbekämpfung zu betreiben. ”

        Jetzt fangen Sie auch mit diesem realitätsfremden Gefasel an.

        “Eigentlich” bräuchten wir auch keine Waffen und keine Verteidigungsministerien und nicht einmal Polizei auf der Welt, wenn sich alle Menschen immer gut vertragen würden. Die Realität ist aber nicht so.

        Und genauso frage ich mich, wie Ökonomen auf die wirre und komplett realitätsfremde Idee kommen, dass Arbeitnehmer in einer Zeit mit hohen Preissteigerungen auf Reallohnsteigerungen verzichten wöllten.

        Fehlt nur noch, dass Sie ihnen erzählen, dass sie doch Kuchen essen sollen, wenn das Brot zu teuer wird…

      • Johann Schwarting
        Johann Schwarting sagte:

        @weico

        “… und gegen gute Sicherheiten!”

        Diese ‘guten Sicherheiten’ sind in dem heutigen reinen Kreditgeldsystem selbst wieder – unter Beachtung der Laufzeiten – Kredite: Kredit auf Kredit. Sie konstituieren Paul C. Martins Kreditpyramide, deren Basis von langfristigen Krediten gebildet wird. Mit der Kreditpyramide, die rund um die Ausgleichsforderung im Rahmen der Währungsreform 1948 konstruiert wurde, gelang der ökonomische Neustart des Landes.

      • weico
        weico sagte:

        @ Johann Schwarting sagte:

        “Sie konstituieren Paul C. Martins Kreditpyramide, deren Basis von langfristigen Krediten gebildet wird.”

        Martin aka (“Crash-Paule”) lag mit seinen Crash–und Gelduntergangsprognosen wohl daher immer falsch,weil er sich schlicht nicht bewusst war,wie gewaltig der Staat (Mach) eine Pyramide bauen kann.
        Besonders wenn sich der Staat nicht an die Regeln halten muss bzw. sie ständig ändern kann und seine eigenen Schulden nicht zurückzahlen… sonder auf “ewig” prolongieren kann.

        Nebenbei:
        Ob riesen Schulden, Demografieproblme,Fachkräftemangel oder “sonstige Inflations(ver)ursache(r)n” .. in dem schon oft dem baldigen Untergang nachgesagten Japan ,sieht die Inflation so aus:

        https://www.statista.com/statistics/270095/inflation-rate-in-japan/

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        >Mein Fokus ist primär realwirtschaftlich, nicht aus Finanzierungssicht.>

        Ich habe mit primär realwirtschaftlichen Verweisen begründet, warum ihr Aussage in der Allgemeinheit NICHT gültig ist.

        Sie WIEDERHOLEN, was SIE tun würden.

        Das ist gesamtwirtschaftlich nicht maßgebend.

        Es widerspricht nicht meinen Begründungen.

        Sie widerlegen mich daher nicht.

        Außerdem schießen Sie ein Eigentor:

        Wenn Sie HÖHERE Löhne zahlen und alle dies wie Sie tun würden, dann erhöhte dies die Nachfrage und generierte so Inflation bei c. p. (einer gleichbleibenden Sparquote).

        Und Sie glauben durch HÖHERE Löhne ein HÖHERES Angebot erzielen zu können?

        Aus DANKBARKEIT arbeiten die Leute schneller und effektiver?

        Sie haben anscheinend noch nichts von Voodoo gehört.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @R Ott

        DAS war nicht Diskussionspunkt. Es ging um Lohnerhöhungen. Nicht Effizienzsteigerungen.

        @D Tischer

        Mehr Angebot senkt die Preise. War schon immer so.

        Wenn dafür höhere Löhne benötigt werden, muss der Unternehmer entscheiden, ob es für ihn lukrativ ist. Das hab ich so auch formuliert.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        Nö, es ging darum:

        “Wenn der Arbeitsmarkt ausgeschöpft ist, beantragt kein guter Unternehmer einen Kredit.”

        Und diese Aussage ist, wie Sie gerade selbst merken, viel zu pauschal und offensichtlich falsch.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Störtebekker

        >Mehr Angebot senkt die Preise. War schon immer so.

        Wenn dafür höhere Löhne benötigt werden, muss der Unternehmer entscheiden, ob es für ihn lukrativ ist. Das hab ich so auch formuliert.>

        Sie formulieren FALSCH, weil sie NICHT wie ein Unternehmer argumentieren.

        JEDER Unternehmer weiß, dass die ERHÖHUNG der Löhne seinen Output und damit das Angebot NICHT vergrößern.

        Er kann es vergrößern, wenn er MEHR Menschen beschäftigt, d. h. er die LOHNSUMME erhöhen würde.

        Das ist aber GESAMTWIRTSCHAFTLICH nicht möglich, wenn der Arbeitsmarkt ausgetrocknet ist.

        Denn wenn er einen Arbeitnehmer durch höheren Lohn zum WECHSEL veranlassen würde, fehlt er dort, wo er weggeht.

        Per Saldo wird NICHT mehr Output und dadurch auch nicht mehr Angebot geschaffen.

        Die Inflation steigt allerdings, weil die Arbeitnehmer mit höheren Löhnen mehr Nachfrage bewirken.

  4. Quintus
    Quintus sagte:

    “Der starke Rückgang der Geldmenge deutet darauf hin, dass deflationäre Impulse in der Wirtschaft gegen Mitte 2022 sichtbar werden. Angesichts der Tatsache, dass der „Nachfrageschub“ die Produktion in einer angebotsbelasteten Wirtschaft aufgrund des Shutdowns überschwemmt hat, war es nicht verwunderlich, Engpässe und steigende Inflation zu sehen.

    Jetzt steigern Unternehmen jedoch die Produktion, wenn die Ersparnisse der Verbraucher und die realen verfügbaren Einkommen auf Normen zurückgreifen. Wenn das Angebot die Nachfrage übersteigt, was passieren wird, wird die Deflation zu einem wichtigeren Problem für die Wirtschaft und die Federal Reserve werden…….”

    https://realinvestmentadvice.com/disinflation-is-a-bigger-threat-than-inflation/

    Antworten
  5. @foxxly
    @foxxly sagte:

    @ bto:
    mit jeden neudruck-geld wird der finanzsektor mehr befeuert und die realwirtschaft hat überwiegend das nachsehen.

    regierungen und notenbanken müssten dafür sorgen dass dieses überaus große missverhältnis zwischen dem finanzsektor und der realwirtschaft möglichst ausgeglichen wird und ist.
    leider ist das gegenteil der fall.

    die wirtschaft und gesellschaft wird genau an diesen missverhältnis zu grunde gehen !!!!!!

    dabei ist das schuldgeldsystem neben der neudruck-verteilung, ursächlich:
    die systemisch bedingte umverteilung von der realwirtschaft und der masse der konsumenten, hin zum großkapital, bewirkt, dass die masse relativ immer ärmer wird und sich den konsum nicht mehr leisten kann, den die wirtschaft braucht.

    es ist fatal, dass mit diesen geldsystem die selbst hergestellte schlinge uns umbringt.

    es ist ein systemfehler, dass arbeitsleistung ein kredit ist, aus dem wir niemals durch mehrleistung etc. herauskommen. leider ist das gegenteil der fall.

    selbst, wenn die notenbanken nur annähernd soviel geld drucken würde, als wirtschaftsleistung erzeugt wird, würde sich die unlösbare spirale in den exetus weiter beschleunigen, aber etwas länger dauern bis zum ende.

    das missverhältnis zwischen realwirtschaft und finanzwirtschaft erzeugt inflation.
    jede bekämpfung der inflation, wird letztlich scheitern, weil anschließend mehr kredite notwendig werden um die wirtschaft zu retten, – so auch historisch bekannt.

    solange wir dieses kreditgeldsystem haben und nicht verändern, wiederholen wir die geschichte mit seinen katastrophen.
    und solange haben wir nicht wirklich etwas dazu gelernt.
    es ist unendlich traurig, weil die zusammenhänge ja bekannt sind und wir daran nichts ändern.

    Antworten
    • Werner
      Werner sagte:

      “selbst, wenn die notenbanken nur annähernd soviel geld drucken würde, als wirtschaftsleistung erzeugt wird” Die Notenbank kann niemandem auch nur einen Cent auf das Girokonto “drucken”. Sie kann “nur Zentralbankgeld” erzeugen.

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Werner

        Die Notenbank kann niemandem auch nur einen Cent auf das Girokonto “drucken”. Sie kann “nur Zentralbankgeld” erzeugen.

        Welchen Sinn hat dieser Einwand, solange die Notenbanken mit dem Aufkauf von Staatsanleihen in Billionenhöte die Staaten dazu in die Lage versetzen, Ihnen auch ohne ausreichende Staatseinnahmen ganz viel Geld (in Deutschland zum Beispiel als “Heizkostenzuschuss” oder auch als “Corona-Nothilfe”) aufs Konto zu “drucken”?

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