Warteschlangen sind eine Form der Inflation

Ein Leser hat mich auf diesen Artikel in der F.A.Z. hingewiesen. Er beschreibt sehr schön, wie sich das Umfeld ändert. Warteschlangen sind eine andere Form der Inflation, meine ich. Knappheiten, die früher undenkbar waren, werden zur Normalität.

  • Die Zeiten, in denen die Nachfrage über das Angebot mitbestimmte, sind offenkundig vorbei. Viele Branchen und Unternehmen haben eine neue Lieblingsbeschäftigung entdeckt: das Vergraulen jener Kunden, die früher – zumindest rhetorisch – mal als die Könige galten. Heute müssen sie sich behandeln lassen wie manch eine in Verruf geratene Dynastie.“ – bto: Jeder, der einen Handwerker beauftragen möchte, kennt das. Es greift aber auf fast alle Sektoren über. Und ich denke, es wird auch über Preise gelöst werden, wenn es machbar ist.
  • Gewiss, in manchen Branchen hat der Unwille spezifische Ursachen. Die Negativzinsen, die Banken unter Umständen selbst für das Parken überschüssigen Geldes zahlen müssen, steigern nicht gerade die Gier nach weiteren Einlagen. (…) Der Materialmangel auf dem Bau, nicht zuletzt bedingt durch Lieferketten-Pro­bleme, lässt manch ein vor Monaten abgegebenes Angebot als schlechtes Geschäft erscheinen. Allerdings (…) agieren viele Handwerker schon seit Jahren sehr selektiv bei der Wahl ihrer Kunden.“ – bto: Und jetzt, wo wir alle klimagerecht umbauen sollen …
  • Nehmen wir die Steuerberater. (…) Denn während das Finanzamt meine Steuererklärungen von Jahr zu Jahr schneller bearbeitet, meist innerhalb weniger Wochen, hängen sie im Steuerbüro immer länger fest, inzwischen eher Jahre als Monate. (…) Neukunden sind auch im Reinigungsgewerbe offenbar unerwünscht. Ich selbst bekomme von der Chefin immerhin Jahr für Jahr einen formvollendeten Brief, in dem sie wortreich begründet, warum sie den Tarif schon wieder um zehn Prozent anheben muss: Personalmangel. Biete sie ihren Leuten nicht ständig mehr Geld, so das Argument, müsse sie noch viel mehr Kunden abweisen (…).“ – bto: Das liegt auch daran, dass es sich für viele Menschen immer attraktiver erweist, im Sozialsystem zu bleiben.
  • Wie kann das sein, dass in einer hoch entwickelten Marktwirtschaft über einen so langen Zeitraum das Angebot und die Nachfrage nicht zur Deckung kommen? Oder besser: dass dies nicht über den Preis geschieht, sondern durch ein System des Bettelns und Zurückweisens – fast wie früher im real existierenden Sozialismus, den Spötter die Diktatur der Klempner und Taxifahrer nannten?“ – bto: Das ist eine sehr interessante Frage, denn es gibt ja Kaufkraft. Allerdings wäre das aus Sicht derjenigen, die das kaufen müssen, eine sozial ungerechte Lösung.
  • “Der erste Verdacht, dass etwas nicht stimmen könnte, kam mir vor sieben Jahren in New York. (…) Immer musste man anstehen. (…) Vielerorts beschäftigten die Firmen lieber Personal fürs Management der Warteschlangen, als die Dienstleistung selbst durch den Einsatz weiterer Angestellter zu beschleunigen.“ – bto: Ich denke, dass es profitabler ist, weil man eine bessere Auslastung der Mitarbeiterkapazitäten erreicht.
  • Nach vielen weiteren Beispielen stellt der Autor fest: Auf die Idee, einfach mehr zu bezahlen, war offenbar niemand gekommen.bto: ja, warum nicht?
  • Die Pandemie mag mancherorts die Fehlallokation der Humanressourcen verstärkt haben, wie es im Personalerdeutsch heißt. Die eigentliche Ursache liegt tiefer, im demografischen Wandel, in veränderten persönlichen Präferenzen – und in falschen Annahmen über den Arbeitskräftebedarf. Jahrelang sprach alle Welt von IT-Fachkräften, die das Land benötige. Dabei scheitert die Digitalisierung in der Bundesrepublik bislang an anderen Dingen als an fehlenden Leuten, die schicke Apps programmieren. Zugleich schätzten auch die Fachleute den Bedarf an Leuten, die Wohnungen putzen oder in To-go-Cafés die Stullen schmieren, viel zu gering ein.“ – bto: wobei wir genug unqualifizierte Zuwanderer hatten, diese sich aber unzureichend im Arbeitsmarkt integrierten.
  • Spezialprobleme in einzelnen Berufsgruppen kommen hinzu. So gilt der Beruf des Steuerberaters vielen nicht nur als wenig sexy, er ist auch einer der anspruchsvollsten überhaupt. (…) Auch im Bauhandwerk hilft eine bessere Bezahlung womöglich nur begrenzt, wenn sich ein bequemer Bürojob in die Work-Life-Balance leichter einfügt als das Schuften bei Wind und Wetter – erst recht in einer alternden Gesellschaft, in der niemand weiß, wie lange man bis zur Rente noch durchhalten muss.“ – bto: Ein bekannter Steuerberater, der auch an einer Universität lehrt, erzähle mir, dass er keine Studenten mehr hätte. Alle würden lieber zu deutlich besserem Gehalt Banker werden, was ich wiederum für keine kluge Berufswahl halte, aber das ist ein anderes Thema.
  • Eine globale Entwicklung kommt hinzu. Selbst wenn Corona-Probleme und wachsende Systemkonkurrenz – hoffentlich – nicht zu einer durchgreifenden Deglobalisierung führen, werden die Kostenvorteile des weltweiten Wirtschaftens perspektivisch schwinden, ganz einfach, weil Wohlstand und Lohnniveau auch andernorts wachsen. Bis in Regierungskreise ist die Annahme verbreitet, dass dieser Trend ganz unabhängig von aktuellen Entwicklungen auf längere Sicht zum Inflationstreiber wird – und damit zur Motivation, schon aus Kostengründen nicht mehr jeden Auftrag anzunehmen.“ – bto: Deshalb sollten wir uns dringend eine Antwort überlegen, wie wir uns darauf einstellen.
  • In einer Wohlstandsgesellschaft sind die Aussichten begrenzt, mit höheren Preisen die Kundschaft abzuschrecken – vor allem, was die gehobene Mittelschicht betrifft. Als sich die Nachbarn in einem Berliner Wohnviertel über Warteschlangen und lärmende Kundschaft vor einer Eisdiele beschwerten, setzte der Laden kurzerhand die Preise herauf – mit der Folge, dass sich der Ansturm vergrößerte, weil die Ware noch begehrenswerter erschien.“ – bto: Das kann man seit Corona vor Luxusboutiquen beobachten. Trotz überzogener Preise stehen die Leute Schlange. (Bei mir persönlich führt das zu vermindertem Interesse, vor allem wenn ich sehe, wer dort einkauft.)
  • Nicht überall wird das auf Dauer funktionieren. Wem die wöchentliche Reinigung zu teuer wird, der bestellt den Putzservice womöglich nur noch alle vierzehn Tage. Und wer partout keinen Steuerberater findet, der erledigt die Korrespondenz mit dem Finanzamt vielleicht doch wieder selbst. So könnten Angebot und Nachfrage am Ende doch noch zum Ausgleich kommen, wenn im Gegenzug das eine oder andere auch mal unerledigt bleibt.“ – bto: Und das ist schlicht  eine andere Form der Inflation.

faz.net (Anmeldung erforderlich): „Warum der Kunde nicht mehr König ist”, 28. Januar 2022

Kommentare (17) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    „Warteschlangen sind eine Form der Inflation“

    Bis vor 33 Jahren durchaus (Sozialistische Wartegemeinschaft), aber was soll dieser Quatsch heute???

    Das ist aber so etwas von NICHT bto.

    LG Michael Stöcker

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    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Genosse Stöcker

      “Bis vor 33 Jahren durchaus (Sozialistische Wartegemeinschaft), aber was soll dieser Quatsch heute???”

      Die DDR kommt doch gerade zurück, aber mit raffinierteren Methoden. Bärbel Bohley (von der haben Sie doch schon einmal gehört, oder?) kann es viel schöner beschreiben als ich:

      „Alle diese Untersuchungen, die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen – um sie dann zu übernehmen. Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“
      https://www.achgut.com/artikel/baerbel_bohley_die_frau_die_es_voraussah

      Da möchte ich hinzufügen: Warteschlangen kommen natürlich genauso wieder – eine sozialistische Planwirtschaft ist ohne solche höchstens in den weltfremden Lehrbüchern der marxistischen Ökonomie denkbar. Vielleicht gibts ja bald welche, in denen man per App seine Wartenummer ziehen kann und nicht so lange herumstehen muss? Aber dafür ist die IT in Deutschland zu schlecht – das kennen wir aber auch schon aus der DDR, nur dass es heute an den Software-Entwicklern scheitert und nicht mehr an der Rechenleistung der Mikrochips.

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    • Renée Menéndez
      Renée Menéndez sagte:

      Mal eine lustige Geschichte am Rande:

      Irgendwann in den 80´ern gab es in Berlin ein Konzert von Placido Domingo. Die Nachfrage war entsprechend groß, so daß sich die Konzertleitung was ganz Tolles hat einfallen lassen. Es gab zwei Preiskategorien: teuer und nicht ganz so teuer. Für den Erhalt einer Karte mußte man sich in eine Warteschlange einreihen, die 3 bis 5 mal (?) angesetzt wurde, damit man seinen Platz bestätigen konnte. Hatte man eine Warteschlange ausgelassen, wurde man von der Bewerberliste gestrichen.

      Die Schlange bei den “nicht ganz so teuren” Karten war so lang, daß am Ende nicht alle eine Karte erhalten haben. Das war schon deswegen ärgerlich, weil das ganze im Januar stattfand bei Temperaturen unterhalb des Gefrierpunktes. Das hatte in Berlin natürlich zur Folge, daß das Warten zu einem Happening wurde.

      Am Tage der endgültigen Kartenverteilung passierte folgendes: bei der “nicht ganz so teuren” Schlange wurde nach bürokratenbräsiger Manier alles bedächtig abgearbeitet, bis keine Karten mehr zur Verfügung standen. Der Humor der leer Ausgegangenen war äußerst gedämpft.

      Bei den teuren Karten passierte das, was immer passiert: nachdem die relativ kurze Schlange abgearbeitet war und das Kassenhäuschen verwaist war, kamen auf einmal die dicken Schlitten vorgefahren, Mäuschen mußte auf Stöckel zum Schalter wackeln (Eispflaster) und war in 3 Minuten wieder im warmen Benz – mit Karten selbstverständlich.

      Und das Konzert? War seitens des Hauptprotagonisten kurz – und eher mittelmäßig…

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      • Susanne Finke-Röpke
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott: Nur Warren Buffet ist in solchen Debatten wirklich souverän: “If you are so clever, why aren’t you rich?”

        Die Frage habe ich mir selbst auch schon gestellt…

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        In der DDR wurde nach westlichen Maßstäben nur die SED reich – was an sich schon verblüffend ist, weil die Betriebe ja angeblich “Volkseigentum” waren.

        Weitere Fragen dazu sollten Sie einem cleveren SED-Altkader wie Gregor Gysi stellen…

      • Susanne Finke-Röpke
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott:

        ich wollte Sie eigentlich nur dazu überreden, Herrn Stöcker nicht mehr zu überzeugen versuchen. Es ist aussichtslos.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        Aussichtslos?

        Kommt drauf an, auf wen Sie das beziehen.

        Genosse Stöcker und sein frecher polemischer Klassenfeind machen das hier nicht, um sich gegenseitig zu überzeugen -diese Hoffnung haben beide schon längst aufgegeben- sondern um andere zu überzeugen. ;)

      • Susanne Finke-Röpke
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott:

        Gut, dass Sie mich darüber informieren. Das erklärt natürlich einiges. Dann wünsche ich weiterhin viel Spaß beim gegenseitigen Talkshowimitieren: man gibt seine Statements ab und hört dem anderen gar nicht erst wirklich zu, sondern wartet nur ab, bis er zu Ende getippt hat. Beste Voraussetzungen für eine politische Karriere für Sie und Herrn Stöcker! Ich bin dafür ungeeignet.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        “Dann wünsche ich weiterhin viel Spaß beim gegenseitigen Talkshowimitieren: man gibt seine Statements ab und hört dem anderen gar nicht erst wirklich zu, sondern wartet nur ab, bis er zu Ende getippt hat.”

        Nein, so habe ich das nicht gemeint. Talkshows funktionieren sowieso nicht mehr als Diskussionsforum, weil im Staatsfernsehen nur noch Gäste mit “der richtigen Meinung” eingeladen werden und Abweichler neuerdings nicht einmal mehr als Watschenmann gebucht werden.

        Woran ich dachte war tatsächlich eine öffentliche Diskussion im besten Sinne, wo sich Zuhörer noch von guten Argumenten überzeugen lassen. Sowas gibts doch manchmal noch, oder zumindest könnte es das theoretisch noch geben, richtig?

  2. Susanne Finke-Röpke
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: Wie kann das sein, dass in einer hoch entwickelten Marktwirtschaft über einen so langen Zeitraum das Angebot und die Nachfrage nicht zur Deckung kommen?

    Hüstel, Marktwirtschaft? Nicht ernsthaft, oder?

    Wir haben alles, aber keine echte Marktwirtschaft. Wir haben je nach Branche mehrere Mindestlöhne, ein Gewerkschaftskartell, Arbeitgeberverbandskartelle, Sozialhilfe, Mietpreisbremse, preisverzerrende Staatsunternehmen, Buchpreisbindung, Subventionen, das Institut der Scheinselbständigkeit, “Umlagen” z.B. bei der Künstlersozialkasse, ein progressives Einkommensteuersystem, Beitragsbemessungsgrenzen in der Sozialversicherung, mündliche Absprachen zwischen Arbeitgebern, ein gesellschaftliches selbstgewähltes Schweigekartell der Arbeitnehmer über die eigenen Einkommen, fehlende wirtschaftliche Bildung in den Schulen und Medien, die alle nach Wettbewerb klingenden Gedanken aufs Schärfste bekämpfen. Sowie eine marktkritische Politikerkaste quer durch alle Parteien.

    Wir haben irgendwann vielleicht einmal eine Marktwirtschaft, wenn der rar gewordene Betriebselektriker im tarifgebundenen Großunternehmen oder im öffentlichen Dienst einfach auch mal einen höheren Stundenlohn bekommt als der angestellte massenweise verfügbare Akademiker mit einem Master in Germanistik. Und wenn Hartz4-Leistungen wegen vorsätzlicher Arbeitsverweigerung auf 0 € gestrichen werden. Wenn die eingewanderte Irakerin ihren Mann nicht mehr fragen muss, wenn sie einen Job annimmt (kann auch jede andere Landsmannschaft sein, Irak ist nur der Platzhalter). Wenn das ZDF die Segnungen des Wettbewerbs am Arbeitsmarkt preist. Wenn die EZB die Geldmenge stabil lässt, indem sie beispielsweise wieder einen Goldstandard, eine Blockchainlimitierung oder etwas ähnlich stabiles einführt, das die Geldmenge begrenzt. Wenn der VdK die Vorteile der Teilzeit-Erwerbstätigkeit mit 70 lobt und worauf man gesundheitlich unbedingt achten sollte. Und wenn ein Gymnasiallehrer für Ethik Adam Smith (verstorbener Professor für Moralphilosophie!) zitiert:

    „Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Wir wenden uns nicht an ihre Menschen-, sondern an ihre Eigenliebe.“

    Solange haben wir keine echte Marktwirtschaft. Das kann man gut oder schlecht finden (ich persönlich finde es manchmal gut, manchmal schlecht).

    Wie kommen wir politisch dahin? Nur über den gesellschaftlichen Abbau von Neid und Tabus (z.B. dem Tabu “Arbeitnehmereinkommen”, “eigene Geldanlagen”, etc.), über die man 2022 auf einer virtuellen oder echten Party schlechter reden kann als über seine Religion, seine Krankheiten und die eigene sexuelle Orientierung.

    Sind wir auf dem Weg dorthin? So weit ich das sehe nicht. Wie wird also die Zukunft? Eher erst einmal noch schlechter, bevor es wieder besser werden kann.

    Antworten
  3. Erik Ziehon
    Erik Ziehon sagte:

    Ich bin einer von denjenigen, die Warteschlangen haben (bin so etwas ähnliches wie ein Steuerberater). Der Grund für die Warteschlange ist, dass wir kaum qualifizierte Personen finden, die uns unterstützen. Auch wir digitalisieren, aber das fängt nicht alles ab. So sinkt bei uns die Personalintensität und damit die Belastung der Berufsträger. Und wenn man den Preis für seine Stunde nach oben setzt, kommt irgendwann der Punkt, wo man sich ernsthaft fragt, ob man wirklich nur noch für das Finanzamt arbeiten möchte. Ich jedenfalls arbeite häuifg nur noch aus Pflichtgefühl meinen Mandanten gegenüber, würde es nur ums Geld gehen, wäre ich dann längst zuhause.

    Letzter Gedanke: Vielleicht hat eine deutlich erhöhte Inflation auch positive Seiten, beispielsweise weil sie die Perspektive wieder zurechtrückt. Möglicherweise werden diejenigen, die für die Gleichstellung sämtlicher existierender und in Zukunft noch zu entdeckender Geschlechter kämpfen, dann wieder als weniger relevant eingeschätzt als diejenigen, die den verstopften Abfluss reinigen und andere echte Arbeit tun. Leidtragend wäre zudem überwiegend die Generation, die die Situation hauptsächlich herbeigewählt hat.

    Antworten
    • Susanne Finke-Röpke
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Erik Ziehon:

      Sie schreiben: “Der Grund für die Warteschlange ist, dass wir kaum qualifizierte Personen finden, die uns unterstützen.”

      Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum das so ist? Zahlen Sie zu wenig? Sind Ihre Arbeitsbedingungen zu hart? Ihre Kunden zu aggresiv? Die Zukunftsaussichten schlecht? Der Leistungsdruck zu hoch? Die Verblödung der Gesellschaft für eine anspruchsvolle Tätigkeit zu weit fortgeschritten?

      Das würde mich wirklich interessieren.

      Antworten
  4. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    Zugleich schätzten auch die Fachleute den Bedarf an Leuten, die Wohnungen putzen oder in To-go-Cafés die Stullen schmieren, viel zu gering ein.“ – bto: wobei wir genug unqualifizierte Zuwanderer hatten, diese sich aber unzureichend im Arbeitsmarkt integrierten.

    Putzen und kochen sind (genau wie übrigens Alte pflegen) auch Frauenarbeiten. Unsere “Fachkräfte”-Zuwanderer machen sowas in aller Regel nicht. Ist auch unter ihrer Würde. Deshalb haben wir in den Branchen ja auch trotz mehrerer Millionen Zuwanderer seit 2015 immer noch Arbeitskräftemangel. ;)

    Antworten
  5. Timo Andre
    Timo Andre sagte:

    Ja in der Summe stimme ich hier zu. Steuerberater als Aufhänger für Angebot/Nachfrage Dissonanzen, bzw. die Zyklen der Berufswahl oder Zukunftsfähigkeit der Branche, scheint mir zu kurzsichtig. Deutschland soll 50% aller Steuergesetze Weltweit publizieren, es gibt kein Land das so überorganisiert ist, wo eine Bereinigung der Gesetze/Richtlinien, Verbesserung der Prozesse und letztendlich eine Verringerung der Steuerfach-intermediation aus steht. Also genauso Zukunftsfähig wie Banker

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Timo Andre

      “Steuerberater als Aufhänger für Angebot/Nachfrage Dissonanzen, bzw. die Zyklen der Berufswahl oder Zukunftsfähigkeit der Branche, scheint mir zu kurzsichtig.”

      Einen Bedarf für Steuerberater in Deutschland wird es immer geben, solange die Staat das Steuersystem nicht *absichtlich* so gestaltet, dass es für normale Verbraucher vollkommen idiotensicher ist und komplett automatisiert läuft. Und darauf können Sie in Deutschand warten, bis Sie schwarz werden.

      Wenn das Anforderungsniveau aber schon ein Stückchen höher ist, werden die meisten das System nicht kapieren. Die Leute scheitern doch schon bei der Unterscheidung der Konzepte “Durchschnittssteuersatz” und “Grenzsteuersatz” oder glauben, die Lohnsteuer sei das gleiche wie die Einkommensteuer und sie könnten irgendwie “Steuern sparen” wenn sie die Lohnsteuerklasse wechseln…

      “genauso Zukunftsfähig wie Banker”

      Steuerberatung für Banken und andere Großkonzerne halte ich allerdings definitiv für eine Zukunftsbranche. Schon die Verhandlungen mit der luxemburgischen Finanzverwaltung zur Festlegung der auf den jeweiligen Konzern maßgeschneiderten Optimalbesteuerung in der EU können sehr komplex werden:

      https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/vestager-amazon-eu-engie-steuer-1.5292350

      Und da steckt auch das Hauptproblem für die Steuerberater-Branche: Die großen “Wirtschaftsprüfungsgesellschaften” (de facto machen die auch die Steuerberatung) für Konzerne (PWC, Ernst&Young, Accenture und Deloitte) zahlen noch viel besser als ein kleiner Steuerberater, obwohl der auch schon gar nicht schlecht verdient.

      Antworten
  6. @foxxly
    @foxxly sagte:

    …… warteschlangen sind ein zeichen, dass das angebot zu gering ist.
    dies wäre wiederum ein zeichen dafür, dass unternehmensvergrößerungen, neugründungen etc. angesagt ist. warum passiert dies kaum?
    sind die warteschlangen in seiner mehrheit auf mangelnde vorprodukte und lieferketten zurück zuführen, schafft auch eine preiserhöung wenig abhilfe.

    die globaisierung ist wohl derart ausgereift, dass einfuhr-länder nahezu vollständig abhängig wurden, – zumindest in einigen produkten.
    in den vermehrt hohen bedarf an spezielen gütern (seltene erden etc. ) und der zuspitzung des wirtschaftlichen überleben und gewinnerzielung, werden sich die lieferungen und abhängigkeiten zunehmend negativ auswirken.
    wird sind faktisch längst in einem wirtschaftskrieg angekommen.

    erleichterungen und lösungen beschränken sich zunehmend auf immer kürzeren zeitabständen.
    vielleicht sind corona, ukraine-krise und klimahisterie, schon teil des system abbruch-szenario´s

    ein weiter-so, wie es wir in den vergangenen jahrzehnten miterleben durften, wird mit es mit hoher wahrscheinlichkeit nicht mehr geben. sackgasse also !
    erst, wenn ein neustart reif ist und aufbau wieder chancen bieten, kann es wieder weiter gehen.

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