Die Notenbanken müssen weitermachen dürfen, damit es nicht kracht

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Heute Morgen illustrierte ich die Folgen der globalen Liquiditätsschwemme anhand des Kunstmarktes. Die logische Konsequenz wäre, den Zentralbanken endlich Einhalt zu gebieten und einen Wechsel der Politik herbeizuführen.

Doch genau davor warnt der prominenteste Kolumnist der FINANCIAL TIMES, Martin Wolf. Schauen wir uns seine Argumentation an:

  • „A war is being waged against the central banks. Its focus is the policies they adopted in the aftermath of the global financial crisis of 2007-09 and the eurozone crisis that followed, especially quantitative easing or large-scale asset purchases. But complaints are also made against negative interest rates and even just low rates.“ bto: Ich denke, zu Recht. Sie pumpen damit Blasen auf, die zu noch größeren Problemen führen werden.
  • „These protests could cripple the ability of central banks to respond effectively to the next recession, let alone another crisis. This is a concern because short-term interest rates may remain low by historical standards even as they normalise in coming years.“ bto: Das Risiko besteht. Doch ist die Alternative wirklich ein ewiges „Weiter so!“?
  • „This does not mean the central banks would, in reality, be out of ammunition. The possibilities are many, (…) But some of the possibilities would be un­popular, perhaps so unpopular as to be politically infeasible.“ bto: Das mit dem politischen Widerstand hatte ich am Beispiel der Stimmen in den USA schon dargestellt. In der Tat droht der Geldpolitik wie der Eurorettung vor allem von politischer Seite Widerstand.
  • „(…) in trying to stimulate the economy, the central bank has infinite firepower. It could, if it dared, purchase almost everything, including, notably, foreign currency. If its commitment were credible, inflation would follow.“ bto: Ich sage immer gerne, dass Herr Draghi alles zu jedem Preis kaufen kann. Sogar meine Krawatte – für eine Billion … 
  • „The objections are political, not technical. (…) So what? The world economy has evidently been in an unusual state, in which demand matches potential supply only at very low real and nominal interest rates. The long struggle to raise inflation to target in the US and, still more, in the eurozone and Japan, shows that.“ bto: Zum einen stimmt das mit der Inflation ja nicht, wie die Deutsche Bank vorgerechnet hat (und bto berichtete). Zum anderen dürfte es doch eher an der Überschuldung liegen als an der geringen Nachfrage nach Geld für Investitionen.
  • „This criticism assumes that, in the absence of central bank policies, the economy would achieve an equilibrium. But an economy with a modern credit and monetary system is not self-stabilising, in this way.“ bto: Klartext, wir hängen an der Schuldennadel und es gibt kein Gleichgewicht, sondern den Druck zu immer mehr!
  • „(…) the view that creditors should be helped, at the expense of debtors and activity in the economy, is just the perspective of a sectional interest against a far broader one. A related criticism is that easy money policies have worsened inequality, especially of wealth. But keeping the post-crisis economy in recession in order to reduce wealth inequality would have been insane. (…) the worst form of inequality is to leave millions of people stuck unnecessarily in prolonged unemployment.“ bto: Das mag ja sein. Natürlich muss man Gläubiger wie Schuldner gleichermaßen belasten. Und natürlich ist es besser, Arbeit zu haben, als keine. Die Wahrheit ist aber, dass die Geldpolitik dafür das ungeeignete Instrument ist.
  • „(…) complaints against the successful actions of central banks are not harmless. They are intended to force premature tightening now and, more important, to clip the wings of central banks in future. But, given the instability of finance, today’s low neutral interest rates and the unwillingness of governments to use fiscal policy, the willingness of central banks to adopt unconventional policies may be all we have to manage the next big downturn. Preventing them from acting, perhaps by limiting their independence, would be a grave, possibly a disastrous, blunder.“ bto: Und es ist das wahrscheinlichste Szenario. Wir haben das Instrumentarium übermäßig genutzt in den letzten Jahrzehnten. Zeit, für eine neue Medizin.

FT (Anmeldung erforderlich): „Unusual times call for unusual strategies from central banks“, 13. November 2017

22 Kommentare
  1. Wolfgang Selig says:

    bto: „Preventing them from acting, perhaps by limiting their independence, would be a grave, possibly a disastrous, blunder.“
    Und das finde ich das faszinierende an der heutigen Zeit. Nach den beiden Weltkriegen war man bemüht, den Notenbanken wie der Deutschen Bundesbank maximale Unabhängigkeit von der Politik zu verschaffen, damit nicht wieder inflationäre direkte oder indirekte Staatsfinanzierung seitens der Regierung betrieben werden kann. Jetzt haben wir diese „unabhängigen“ um nicht zu sagen politisch unkontrollierten Notenbanken wie die EZB und sie betreiben entgegen den ursprünglichen Zielen expansive Geldpolitik gegen den Willen etlicher Wähler und sogar etlicher Gewählter! Das als „schweren, möglicherweise verheerenden, Fehler“ (so übersetze ich das jetzt mal) zu bezeichnen, ist für mich nicht nachvollziehbar, sondern nur aus der Geschichtsvergessenheit (oder einer möglichen Abhängigkeit von externen Gruppen) von Martin Wolf zu verstehen. Die Arbeitslosigkeit junger Griechen wird er jedenfalls mit quantitative easing u.ä. nicht beseitigen. Für mich bleibt folgendes Fazit: In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren viele Regierungen mit schlechten Argumenten wie z.B. Imperialismus oder Kriegstreiberei finanziell verantwortungslos, aber aufgrund der politischen Konstellationen (z.B. Monarchien, Diktaturen, etc.) oft vom Volk nicht (mehr) abwählbar. Heute haben viele Zentralbanken gute oder gut gemeinte Argumente (Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Rettung des Staatshaushaltes, Verhinderung von bank runs, etc.), handeln aber finanziell im Hinblick auf die Zukunft fast ebenso verantwortungslos, denn sie ersparen den gewählten Regierenden (und auch den Wählern!) die Auseinandersetzung mit den bereits existierenden problematischen Realitäten aus Demographie, Bildungsdefiziten, Überschuldung und fehlender Infrastruktur. Und auch sie sind erneut nicht abwählbar. Aber auch hier wird die Rechnung wie im 20. Jahrhundert leider am Schluss präsentiert werden; wir verschulden uns nur bei den Sparern bzw. den nächsten Generationen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die kommenden Generationen zum margin call eine ganz eigene Meinung entwickeln wird. Dann nämlich, wenn sich auch der junge Normalbürger mit dem margin call beschäftigen muss, weil es ihn den Arbeitsplatz, die Wohnung oder etwas anderes wichtiges kostet. Ich hoffe nur, es entsteht daraus weder eine neue Welle des Protektionismus noch des Sozialmus, sondern der westdeutsche bzw. japanische bürokratiearme und marktwirtschaftliche Aufbauwille der 1950er-Jahre. Optimistisch bin ich diesbezüglich aber überhaupt nicht, weil zu viele Leute in westlichen Ländern inzwischen glauben, wir hätten zu viel „Markt“, wenn etwa das Strafrecht oder das Kartellrecht nicht funktioniert oder Steuergesetze ungerecht gestaltet sind.

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      • Dietmar Tischer says:

        Sie vertritt unter den gegebenen Umständen die Interessen derer, die bei einem Zusammenbruch des Systems MEHR zu verlieren haben, als sie auf absehbare Zeit GEWINNEN könnten.

        Das sind praktisch alle Menschen der Gesellschaft.

        Die Arbeitenden, Arbeitslosen und Rentner gehören dazu.

        Und diejenigen, denen es als Schuldner schlecht geht, gehören ebenso dazu wie diejenigen, denen es als Gläubiger sehr gut geht.

        Selbst die Sachwertbesitzer können nicht sicher sein, dass es ihnen bei einem Systemzusammenbruch besser geht.

      • Wolfgang Selig says:

        Die Notenbanken vertreten wie Herr Stöcker richtig sagt und wie jede Behörde erst einmal ihre Eigeninteressen. Die sind durchaus unterschiedlich, denn auch die Gesellschafter sind unterschiedlich. Das können Staaten sein wie bei der EZB, aber auch private Organisationen wie bei der FED oder der SNB. Dabei können aber auch Privatinteressen eine Rolle spielen. Wenn etwa beispielsweise Mario Draghi planen sollte, seinen Ruhestand später in seinem Heimatland Italien zu verbringen, ist es nachvollziehbar, dass er jetzt dort nicht mit Handlungen auffallen will, die seine spätere Aufenthaltsqualität dort beeinträchtigen. Es ist aber immer auch eine Frage der politischen Prägung und der Grundüberzeugung der Entscheidungsträger, das sollte ich man nicht vergessen. Ein Professor Sinn oder Otte an der Spitze der Bundesbank würde anders reagieren als die Herren Flassbeck oder Fratzscher, einfach, weil keiner aus seiner Haut kann. Und daher gibt es auch keine völlige Unabhängigkeit, denn irgendjemand ernennt das Führungspersonal nach bestimmten Kriterien…

      • markus says:

        Danke an die Antwortschreiber. Meine Frage war – zugegebenermassen – teilweise auch rhetorisch gemeint. Wer davon profitiert ist schwer zu ergründen und die Profiteure werden sich im Laufe der Zeit auch verschieben.

        Ich fand das schon zu Schulzeiten unlogisch mit der „Unabhängigkeit“, es hat mich damals aber nicht weiter interessiert. „Unabhängig“ bedeutet immer auch demokratisch nicht legitimiert, zumindest so wie es momentan funktioniert. „Unabhängig“ + demokratisch legitimiert, würde ja bedeuten, dass das Volk die Notenbankchefs direkt wählt (oder zumindest deren Mitglieder, die dann den/die Chef(in) wählen).

        Das gleiche Problem habe ich mit dem Begriff „Gewaltenteilung“. Eine demokratische legitimierte Gewaltenteilung setzt meiner Meinung nach voraus, dass es getrennte Wahlen für Jurikadive, Exekutive und Legislative geben muss.

        Und das Demokratieverständnis der europäischen Union ist mir komplett fremd.

      • Dietmar Tischer says:

        @ markus + wolfgang selig

        @ markus

        >„Unabhängig“ bedeutet immer auch demokratisch nicht legitimiert, zumindest so wie es momentan funktioniert.>

        Sie meinen, dass eine Institution nicht unabhängig sein kann, wenn sie nicht in irgendeiner Form vom Volk gewählt würde. Oder anders gesagt: Nur wenn sie vom Volk gewählt würde, sei es durch Volksabstimmung, Parteien, Volksvertreter oder wie auch immer, ist eine Institution, hier die EZB, unabhängig.

        Das ist schlichtweg falsch.

        Zum einen wäre sie in letzter Konsequenz auch dann nicht unabhängig, weil ja eine BESTIMMTE Mehrheit oder eine Mehrheit entsprechend einem Mechanismus, der auch mehrheitlich bestimmt sein müsste, etabliert würde. Demokratisch gewählt macht nicht unabhängig.

        Ich sage damit nicht, dass die EZB nicht hätte anders etabliert werden können.

        Ich sage nur, dass Unabhängigkeit ANDERS verstanden werden MUSS, als Sie sie verstehen.

        Unabhängig bedeutet im Fall der EZB demnach:

        Entscheidungen und Maßnahmen im Rahmen der von anderen definierten Satzung EIGENSTÄNDIG treffen zu können, d. h. ohne dass jemand von außen Vorgaben macht oder sonst wie eingreift.

        INNERHALB dieser Eigenständigkeit werden natürlich Interessen wahrgenommen, u. a. auch bestimmte politische und wirtschaftliche Verhältnisse in verschiedenen Ländern betreffend. Das ist so, weil ja alle Länder mit eigenen Notenbanken im EZB-Verbund vertreten sind.

        Das ist aber ein anderes Thema, das nichts mit der LEGITIMATION der UNABHÄNGIGKEIT als Institution zu tun hat. Diese ist durch die ausschließliche BINDUNG an die Satzung gewährleistet.

        @ Wolfgang Selig

        >Dabei können aber auch Privatinteressen eine Rolle spielen.>

        Das stimmt, weil es IMMER Menschen sind, die entscheiden, und Menschen selbstverständlich auch Privatinteressen haben.

        ABER

        >Wenn etwa beispielsweise Mario Draghi planen sollte, seinen Ruhestand später in seinem Heimatland Italien zu verbringen, ist es nachvollziehbar, dass er jetzt dort nicht mit Handlungen auffallen will, die seine spätere Aufenthaltsqualität dort beeinträchtigen.>

        Nachvollziehbar ist vieles, auch das.

        Vielleicht meinen Sie es nicht so, aber Sie SUGGERIEREN hier, als ob derartiges bei Draghi eine Rolle spielen KÖNNTE.

        Das ist absurd und bestärkt abwegige Auffassung, die auch hier schon geäußert wurden, wie die, dass Draghi Politik für Italien mache weil er Italiener ist.

        Er macht AUCH Politik für Italien, weil Italien ein Land in der Eurozone ist, für die er geldpolitische Verantwortung hat. Und weil es ein sehr wichtiges Land ist, darf er es auch sehr wichtig nehmen.

        >Es ist aber immer auch eine Frage der politischen Prägung und der Grundüberzeugung der Entscheidungsträger, das sollte ich man nicht vergessen.>

        Der Punkt ist viel wichtiger.

        Was Draghi betrifft, so ist er am MIT ausgebildet worden und bei Goldman Sachs finanztechnisch sozialisiert worden. Das spielt stark mit, entscheidend sogar für seine Grundüberzeugungen. Er weiß ganz sicher auch, was seine Entscheidungen bei Goldman Sachs und anderen in dieser Liga bewirken. Es wäre aber falsch, daraus zu schließen, dass er Politik FÜR Goldman und Sachs mache.

        Ziel seiner Politik ist EINDEUTIG, das System der Eurozone nicht kollabieren zu lassen.

        Das ist ein ÜBERGEORNDETES Interesse.

      • Wolfgang Selig says:

        @Hr. Tischer:
        Sie schreiben: „Vielleicht meinen Sie es nicht so, aber Sie SUGGERIEREN hier, als ob derartiges bei Draghi eine Rolle spielen KÖNNTE. Das ist absurd und bestärkt abwegige Auffassung, die auch hier schon geäußert wurden, wie die, dass Draghi Politik für Italien mache weil er Italiener ist.“

        Widerspruch, Herr Tischer. Ich suggeriere es nicht nur, ich halte es ausdrücklich für durchaus möglich, dass die Nationalität des EZB-Chefs bewusst und/oder unbewusst eine Rolle spielt! Auch Herr Draghi ist kein Übermensch und kein Mensch ohne Privatleben. Vielleicht tickt er so wie Sie es vermuten, vielleicht so wie ich, vielleicht ganz anders. Ich gehe davon aus, dass Sie ihn genauso wenig persönlich kennen wie ich. Aber ich halte meine These in keinster Weise für absurd. Richtig, er ist ein Goldman Sachs-Mann. Aber die Sozialisierung eines Menschen beginnt nicht mit Abschluss des Studiums. Ziemlich viele Entscheidungen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur sind genau durch solche persönlichen Themen beeinflusst, das weiß ich zwischenzeitlich aus eigener Anschauung. Wenn Sie ein aktuelles politisches Beispiel benötigen, sind es die Verrenkungen, die der bayerische Ministerpräsident Seehofer gemacht hat, um seinen designierten Nachfolger Söder aus rein persönlichen Motiven jahrelang letztlich doch erfolglos zu verhindern, obwohl er anerkanntermaßen die erfolgreichste (wenn auch m.E. nicht die sympatischte) Nachwuchsfigur der CSU war. Oder Sie nehmen Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine auf Bundesebene vor 18 Jahren; da haben natürlich neben politisch-strategischen Fragen auch persönliche eine Rolle gespielt. Wenn Sie glauben, Herr Draghi hat keine Familienangehörigen und Freunde in Italien bzw. macht keine Pläne für seinen Ruhestand, an die er bei seinen Entscheidungen AUCH denkt, halten Sie ihn entweder für einen Übermenschen oder haben ein sehr idealistisches allgemeines Menschenbild. Mit meiner Lebenserfahrung korrespondiert Ihre Beurteilung meiner Einschätzung als „absurd“ in keinster Weise.

      • Dietmar Tischer says:

        @ Wolfgang Selig

        >Ich suggeriere es nicht nur, ich halte es ausdrücklich für durchaus möglich, dass die Nationalität des EZB-Chefs bewusst und/oder unbewusst eine Rolle spielt! Auch Herr Draghi ist kein Übermensch und kein Mensch ohne Privatleben.>

        Ich halte das auch für möglich und bin ganz sicher, dass die Nationalität zumindest unbewusst auch eine Rolle spielt.

        Ich sage „spielt AUCH eine Rolle“ und nicht „ spielt KEINE Rolle“.

        Daher sind Draghi und andere Leute in solchen Positionen für mich eben keine Übermenschen und ich idealisiere sie nicht.

        Insofern gibt es keinen Disput.

        Ich folge Ihnen aber nicht dabei, dass diese Rolle AUSSCHLAGGEBEND ist, hier für die EZB, – was Sie m. A. n. zumindest suggerieren.

        Sie hat bei sehr wichtigen Fragen ganz sicher noch nicht einmal die Entscheidungen BEEINFLUSST.

        Die Politik des „Whatever it takes…“ 2012 hat nichts, aber auch garnichts mit Draghi als Italiener, seinen Freunden und seiner Sozialisierung zu tun. Es ging darum, ob die EZB tun soll, was sie tun kann, um die Eurozone nicht zerfallen zu lassen. Und die Eurozone ist nun einmal MEHR als das sicher nicht unwichtige Italien.

        Und genauso die „Rettung“ Griechenlands 2015:

        Die ELA-Kredite in Höhe von knapp EUR 100 Mrd. , die das EZB-System 2015 den griechischen Banken zur Verfügung gestellt hat, dienten zur Verhinderung deren Insolvenz und in der Folge der Verhinderung der Insolvenz Griechenlands bis das Rettungspaket der Euro-Staaten vereinbart war.

        Es ging auch hier um die Stabilisierung der Eurozone.

        Wer hier nicht die scharfe Linie zieht privat und Amt, der liegt nicht nur FALSCH, sondern ist schon auf dem Weg zur Verschwörungstheorie. Denn zu der gibt es dann keine Linien der Abgrenzung mehr.

        Diese Linie kann man auch unabhängig von einer bestimmten Lebenserfahrung ziehen – Ihrer oder meiner, die sich grundlegende Gegebenheiten betreffend möglicherweise noch nicht einmal wesentlich von Ihrer unterscheiden könnte.

    • Wolff Baer says:

      Mit Ihrer Skepsis für die Zukunft liegen Sie vollkommen richtig, Herr Selig!

      Armuts-Renten von lediglich 45% des durchschnittlichen Brutto nach 45 – 48 qualvollen Jahren der Einzahlungen in das marode Renten-System.

      Jetzt schon absehbare Kosten der ungesteuerten Migration in unsere Sozial-Systeme von bis 450 000 € pro Migrant für die zu erwartende Alimentation durch Sozialleistungen bis an sein Lebens-Ende.

      Allein dadurch ensteht ein Billionen-Aufwand.

      Weitere Billionen-Ausgaben entstehen durch Pensions-Zahlungen für Beamte und Angestellte im Öffentlichen Dienst, für die es keine Rückstellungen gibt.
      (Berechnungen nach den Professoren Sinn und Raffelhüschen und Bevölkerungs-Statistiken nach Gunnar Heinssohn).

      Transferzahlungen in die Elends-Union der Pleitiers, der EU.

      Zukünftig mehr als 30 Prozent Haftung für die Rettungsschirme der EU und der unbesicherten und zinslosen Target-Salden bei der EZB.

      Die EZB, deren Anteils-Eigner wir zu 30 oder mehr % (nach Brexit) sind, hat jetzt schon eine Schrottanleihen-Bilanz von mehr als 3 Billionen €, für die wir ebenfalls bei Ausfall fast ein Drittel-Risiko tragen.

      Wenn diese 8-10 €-Billionen-Schuldenbombe (incl. unserer jetzigen Staatsschulden in Höhe von 3 Billionen €) detoniert, möchte ich nicht mehr in Deutschland leben und mein Vermögen in Euro haben.

      Denn ich kenne keinen Makro-Ökonomen (incl.Dr.Stelter), der daran glaubt, daß diese Verbindlichkeiten jemals bedient werden können.

      Die unausweichliche Folge wird vermutlich in den zwanziger Jahren die 3.Währungsreform bei uns innerhalb 100 Jahren sein, sowie Lastenausgleichs-Zahlungen durch Immobilien-Besitzer und weitere Vermögens- und Sondersteuern.

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  2. ZIRP says:

    Es wäre schön gewesen, wenn Ben Jean-Claude oder Mario bereits um 2011 eine Rede gehalten hätten in der Form:

    „Durch Bankenrettung und sozialen Kosten von Arbeitslosigkeit aus der letzen Wirtschaftskrise ist die Staatsverschuldung stark angestiegen. Deshalb sozialisieren wir diese zunächst vom Staat aufgefangenen Verluste und machen zukünftig eine Geldpolitik ähnlich wie die Japaner, um die ansonsten drohende staatliche Überschuldung abzuwenden. Vergeßt alle Formen von zinsbasierter Altersvorsorge. Größere Renditen werden sich zukünftig nur noch durch Aktienanlagen und dem Ausweichen von expansiven Maßnahmen der Geldpolitik in andere Währungen erzielen lassen.“

    Leider anstattdessen der ewige Singsang von Wachstum, Beschäftigung, Inflationsrate, etc. wie aus der Wirtschaftspresse bekannt.

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  3. Dietmar Tischer says:

    >the worst form of inequality is to leave millions of people stuck unnecessarily in prolonged unemployment.>

    Das würde ich unterschreiben.

    >… given the instability of finance, today’s low neutral interest rates and the unwillingness of governments to use fiscal policy, the willingness of central banks to adopt unconventional policies may be all we have to manage the next big downturn. Preventing them from acting, perhaps by limiting their independence, would be a grave, possibly a disastrous, blunder.“>

    Das würde ich auch unterschreiben.

    Ich hätte gern noch etwas zum Unterschreiben:

    Wo ist ein Wort zu einer möglichen Politik, die Instabilität des Finanzsystems zu beseitigen (und dabei keine neue irgendwo anders zu schaffen), DAMIT die Zentralbanken nicht immer wieder zu unkonventioneller Geldpolitik greifen müssen?

    Muss man, wenn es keines dazu gibt, annehmen, dass die Instabilität des Finanzsystems und die unkonventionelle Geldpolitik mit allen Risiken und Nebenwirkungen unser unentrinnbares SCHICKSAL sind?

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  4. Wolff Baer says:

    @ Zitat von Herrn Wolfgang Selig

    …..und daher gibt es auch keine völlige Unabhängigkeit, denn Irgendjemand ernennt das (politische!) Führungspersonal nach bestimmten Kriterien….

    Das politische „Führungspersonal“ wird von „Wählern“ ernannt, die keine Ahnung von dem haben, was nach der Stimm-Abgabe an Verdruß auf sie zukommen wird.

    Solange Leute wie Frau Merkel ungestört 12- 16 Jahre lang mit einem subalternen „Politbüro“ unser Wohlergehen oder unseren Untergang bestimmen können, und wir keine Chance haben, durch Volksabstimmungen dem evtl. Leiden ein Ende zu bereiten, solange werden wir die Folgen einer desaströsen Politik hinnehmen müssen, die nur kurz vor den Neu-Wahlen durch langfristig unfinanzierbare Wahlversprechen etwas erträglicher zu werden scheint.

    Erste Anstrengungen laufen jetzt schon darauf hinaus, dieses Leiden einer Pseudo-Volksherrschaft auf 5 Jahre im Bund zu verlängern.

    Wenn es dem Volk unmöglich gemacht wird, Politversagern (und davon haben wir im Bundestag etliche Hundert) sofort ein „Impeachment“ zu verordnen, soilange werden wir unter einer volksschädigenden Politik leiden müssen.

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    • Wolfgang Selig says:

      @Hr. Baer: Sie spielen auf die Regierung an; hier vertrete ich eine andere Meinung als Sie, aber meine muss da nicht unbedingt richtig sein. Ich meinte mit meinem Kommentar die GELDPOLITISCHE Führung, die ja auch ernannt wird. Sowohl die EZB-Führung als auch das Präsidium der Deutschen Bundesbank wird letztlich von Politikern bestimmt und nicht von Wählern.

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      • Wolff Baer says:

        Doch Sie meinen letzlich die Regierung, Herr Selig.
        Denn die Regierung wird letzlich von uns gewählt.

        Denn die politische Führung (eigentlich ist die Regierung unsere europa-radikale Merkel mit 2-3 Leuten ihres Politbüros), darunter vielleicht noch der abgehalfterte Schäuble, lassen zu, daß die EZB (auch nach Ansicht von Verfassungs-Richtern) weit über das ihr zugeordnete Mandat hinausgeht.

        Inzwischen haben das auch einige CDU-Abgeordnete mitbekommen und klagen leise hinter vorgehaltener Hand ihr Leid, aber so leise, daß es nicht Majordomus Kauder hört, denn dann wäre sie ihre subalternen Pöstchen sofort los, wie z.B. Herr Willich, fast der einzige, der gegen Merkel aufgemuckt hat und jetzt isoliert ist.

        Das ist nicht erst jetzt bekannt, sondern schon seit mehreren Wahlperioden.

        Die EZB macht Politik, indem sie die Geldpolitik zu unserem Nachteil bestimmt.

        Die größte EU-Volkswirtschaft, nämlich wir, hat nur 1 Stimme im Zentralbankrat, sind also gleichberechtigt mit Lettland oder Bulgarien und so kann der wackere Herr Weidmann von der Bundesbank zusehen, wie die EZB unser Geldsystem ad Absurdum führt, mit 3 Billionen Schrott-Anleihen im Keller und fast einer Billion unbesicherten und zinslosen €-Targetsalden.

        Und wenn die einfältigen Wähler sich darüber informiert hätten, wie sie seit mehreren Wahlperioden ins Abseits geführt werden, könnten sie schon mit dem Wahlzettel dieses unsägliche, volksschädigende und undemokratische Regime abwählen.

        „Whatever it takes“, kann Fiatgeld-Draghi machen, was er will, denn wir die Wähler, haben ihn zusammen mit Frau Merkel ins Amt geholt.

  5. Mrgalak says:

    So lange es das Schuldgeldsystem mit Fractional Reserve Banking gibt, sind Zentralbanken nur nominal unabhängig. Die inhärente Logik dieses Systems erlaubt kaum Handlungsfreiheit, bis zum mathematisch betrachtet unvermeidlichen Zusammenbruch, gefolgt (hoffentlich diesmal nicht) vom einem Reset, um eine neue Kreditschöopfungsrunde zu ermöglichen.

    Antworten
  6. Wolff Baer says:

    Zu dem segensreichen Wirken der EZB, nachstehend noch noch der Ausschnitt eines Beitrags von Dr.Stelter:

    „Dabei verfolgen die Notenbanken mit ihrer Politik zwei Ziele: die Stabilisierung des bestehenden Schuldenberges durch Aufrechterhalten der Illusion der Bedienbarkeit und zugleich eine Inflation um die Schulden – und damit die Forderungen – zu entwerten.

    Das erste Ziel haben sie bisher erreicht.

    Mit dem zweiten Ziel sieht es schlecht aus.

    Allen Bemühungen zum Trotz verharrt die Inflationsrate auf tiefem Niveau. Nur in den Vermögensmärkten herrscht Inflation.

    Stellt sich die Frage: wie umgehen mit einer Schuldenlast, die immer weiterwächst und die Realwirtschaft zunehmend belastet?“ (Zitat Ende).

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  7. Michael Stöcker says:

    @ Wolff Baer

    Es ist zwar in Deutschland en vogue, auf die EZB einzudreschen, aber damit wird doch sehr stark vom eigenen Versagen abgelenkt. Zu Ihren Behauptungen/Aussagen/Ideen:

    „Die EZB macht Politik, indem sie die Geldpolitik zu unserem Nachteil bestimmt.“

    Die EZB macht Politik im Sinne von Euroland. Das ist ihr Auftrag. Es geht nicht um die Befriedigung von feuchten Zinsträumen germanischer Möchtegern-Ökonomen.

    Herr Weidmann hat nur eine Stimme, hinter der er sich gut verstecken kann. Hätten wir einen größeren Stimmanteil – was in der Tat wünschenswert wäre – dann würde Herr Weidmann kaum anders entscheiden als der EZB Rat. Er äußerte sich in diesem Sinne auch letztes Jahr in FT:

    „Die EZB muss ihr Mandat der Preisstabilität erreichen und insofern ist eine expansive Geldpolitik zu diesem Zeitpunkt angemessen“, so Weidmann zur „FT“. Das sei unabhängig davon richtig, ob es unterschiedliche Ansichten über spezifische Werkzeuge gebe.“ http://www.handelsblatt.com/finanzen/geldpolitik/bundesbank-praesident-jens-weidmann-unterstuetzung-fuer-den-kurs-mario-draghis/13435766-2.html.

    „„Whatever it takes“, kann Fiatgeld-Draghi machen, was er will…“

    Seien Sie froh, dass Draghi als Experte die EZB anführt und nicht so ein monetärer Laienschauspieler wie Sarrazin & Co (dessen Kompetenzen liegen eher bei der Einwanderungsproblematik). Das Thema ist weitaus komplexer als sich das viele vorstellen können.

    @ Vollgeld: Kommt gleich nach Vollsuff und Volltrottel: https://soffisticated.wordpress.com/2012/10/31/vollgeldspielereien/

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  8. Wolff Baer says:

    Also dann lassen wirs mal gut sein, lb. Herr Stöcker!
    Der Advent ist da.
    Jeder hat so seine Ansichten und keiner steckt zurück.
    Ich wünsche mir und Ihnen, daß von meinen Bedenken nichts übrigbleibt.
    Wenns aber trotzdem so schlimm kommt, werden Dr.Stelter und ich Ihnen eine Ansichtskarte aus der schönen Schweiz senden.

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