Die Fed spürt die Rezession

John Authers, früher FINANCIAL TIMES (FT), jetzt Bloomberg, hat einen ausgesprochen klaren Blick auf Märkte und Wirtschaft. Darum fand ich seine Einordnung der jüngsten Fed-Entscheidung so interessant. Er denkt, es war kein Einknicken vor den Finanzmärkten, wie viele Beobachter meinen, sondern die Erkenntnis, dass die Wirtschaft schwächelt. Und er zeigt das eindrücklich:

  • The Fed „(…) was careful not to talk down the U.S. economy (…) But looking at various recession indicators, several of which are produced by the Fed, (shows) economic trouble ahead and not, as many claim, bending to pressure from the financial markets. First, this is how the Federal Reserve Bank of Atlanta’s GDPNow Index, which aims to track growth in real time, has been faring.“ – bto: Nun sieht man, dass dieser stark abfällt. Man sieht aber auch, dass dies in den letzten Jahren mehrfach der Fall war, ohne dass es zu einer Rezession gekommen ist!

Quelle: Bloomberg

  • „Next, take a look at the New York Fed’s gauge of recession probabilities where higher means a greater risk of recession within the next 12 months.“ – bto: Ja, das Risiko steigt auch hier. Aber es ist noch fern der Niveaus von 2000 und 2008.

Quelle: Bloomberg

  • „Clearly, the reasons for alarm over the economy have risen and metastasized in alarming fashion. Again, this would justify any attempt by the Fed to retreat from its previous position, where it was expecting to shrink its balance sheet and raise rates steadily throughout the year. Note that the economic data has been ever more disappointing during Powell’s term as per Citigroup’s U.S. Economic Surprise Index.“ – bto: Ich denke, normalerweise würde die Fed es bei diesen Daten noch ausprobieren. Da wir aber eine sehr schlechte Grundkonstitution haben (schwache Erholung seit 2009, hohe Verschuldung), ist Vorsicht sicherlich angezeigt.

Quelle: Bloomberg

  • „(…) every time the gauge for the number of small business owners saying that the cost of labor is their single greatest problem rises above 8, a recession follows between 12 and 18 months later.“ – bto: Das finde ich mit am interessantesten. Denn das bedeutet, es gibt ihn doch, den Lohndruck und damit die Inflationsgefahr. Das würde dafür sprechen, dass die Fed dennoch gegensteuern muss und die Rezession die zwangsläufige Nebenwirkung der Inflationsbekämpfung ist.

Quelle: Bloomberg

  • „Could this be a case of a ‘Powell Put,’ with the Fed racing to assuage markets rather than head off problems in the economy? That is always possible, but I doubt it. If the Fed really is doing this just to please the market, it is being criminally indulgent.“ – bto: was eine Glaubensfrage ist.
  • „This is possibly the best measure of the tightness of financial conditions, the real long-term yield (in which the 10-year break-even inflation rate is stripped out of the 10-year Treasury note’s yield). In this very meaningful way, financial conditions have now returned to the range in which they have sat comfortably ever since the ‘taper tantrum’ of 2013. The U-turn after an attempt at a genuine and significant tightening is now complete.“ – bto: wobei man ja darüber streitet, wie sich die Bilanzverkürzung auswirkt.

Quelle: Bloomberg

  • „For one more piece of evidence that this was not a ‘Powell Put’ but rather than an attempt to take a calm view of an alarming situation, just look at the stock market. It is never a great idea to look too carefully at an instant reaction, but the S&P 500 Index somehow finished down for the day. For risk assets, the Fed’s dovishness should be good in the short run, but there are obviously investors who see Powell as keeping a stiff upper lip while he puts a brave face on a difficult situation.“ – bto: Und wenn das so ist, ist es erst der Anfang der Abwärtsentwicklung.

Quelle ist wie gesagt bloomberg.com: „Points of Return“ von John Authers, „Powell Bends to Economic Reality, Not Markets“, 20. März 2019. Ich habe hier keinen Link, weil jedes Mal der Besuch der Webpage einen Artikel vom Frei-Kontingent abbucht. Der Newsletter hingegen ist noch kostenfrei und für jeden abonnierbar. Ich zitiere hier den Newsletter.

20 Kommentare
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    troodon sagte:

    „Denn das bedeutet, es gibt ihn doch, den Lohndruck und damit die Inflationsgefahr. Das würde dafür sprechen, dass die Fed dennoch gegensteuern muss und die Rezession die zwangsläufige Nebenwirkung der Inflationsbekämpfung ist.“

    „Muss“ die FED dies tatsächlich? Nicht unbedingt, denn interessant in dem Zusammenhang Inflationsgefahr und Gegensteuern ist, dass es innerhalb der FED ganz offensichtlich Strömungen gibt, das Inflationsziel langfristiger auszurichten.
    Dadurch hätte sich in den letzen Jahren ein Puffer von aktuell etwas über 7% ergeben, der erst einmal „nachgeholt“ werden könnte, bevor man härter gegensteuert.
    Insofern ist ein Überschreiten des eigentlichen Inflationsziels 2% durch die FED in den nächsten Jahren aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich, mit den entsprechenden positiven Nebenwirkungen auf die Verschuldung.
    https://twitter.com/Schuldensuehner/status/1108516052735008768
    https://www.ft.com/content/dd58e28e-36b9-11e9-bb0c-42459962a812

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    Michael Stöcker sagte:

    „Das finde ich mit am interessantesten. Denn das bedeutet, es gibt ihn doch, den Lohndruck und damit die Inflationsgefahr. Das würde dafür sprechen, dass die Fed dennoch gegensteuern muss und die Rezession die zwangsläufige Nebenwirkung der Inflationsbekämpfung ist.“

    Diese potentielle lohninduzierte Inflation sollte man in jedem Fall im Auge behalten. Noch ist aber nicht soweit: https://www.reuters.com/article/us-usa-fed-kashkari/feds-kashkari-says-wages-show-labor-market-still-has-slack-idUSKCN1QM1V1

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    Michael Stöcker sagte:

    „Rätsel niedrige Inflation“: https://de.reuters.com/article/ezb-fed-strategie-idDEKCN1R10YS

    Dieses Rätsel ließe sich leicht lösen, wenn unsere Geldpolitiker, Volkswirte. Journalisten und Finanzpolitiker endlich mal das Buch von Basil Moore aus dem Jahre 1988 lesen würden: „Horizontalists and Verticalists“:

    „The central message of this book is that members of the economics profession, all the way from professors to students, are currently operating with a basically incorrect paradigm of the way modern banking systems operate and the causal connection between wages and prices, on the one hand, and monetary developments, on the other. Currently the standard paradigm, especially among economists in the United States, treats the central bank as determining the money base, and thence the money stock. The growth in the money stock is held to be the main force determining the rate of growth of money income, wages, and prices.

    This paradigm may once have been relevant to a commodity or fiat money world, but it is not applicable to the current world of credit money. This book argues that the above order of causation should be reversed. Changes in wages and employment largely determine the demand for bank loans, which in turn determine the rate of growth of the money stock. Central banks have no alternative but to accept this course of events, their only option being to vary the short-term rate of interest at which they supply liquidity to the banking system on demand. Commercial banks are now in a position to supply whatever volume of credit to the economy their borrowers demand.”

    LG Michael Stöcker

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Hu

        Interessant ist vieles.

        Was mich nicht interessiert, ob sie nun interessant oder es nicht sind:

        Verlinkungen, die von Ausnahmen abgesehen immer nur einen Standpunkt UNTERSTÜTZEN, um eine bestimmte Wirtschaftspolitik zu PENETRIEREN.

        So etwas produziert Bestätigungsrituale.

        Was mich interessiert:

        Was die ANNAHMEN sind, auf denen Auffassungen basieren und was die FOLGEN dieser Auffassungen sind. Welche Sichtweise der Realität ist damit verbunden? Was blendet sie aus? Sowie: Gibt es ALTERNATIVEN, mit denen die gleichen Ziele erreicht werden können bzw. andere und womöglich vorteilhaftere?

        Verlinkungen leisten das nicht und Behauptungen wie z. B. „der Kopernikus der Geldtheorie“ sind wertlos, wenn nicht gezeigt wird, ob und gegebenenfalls welche Irrtümer dieser Kopernikus verbreitet hat.

        Hier zu denen des Nikolaus Kopernikus:

        https://derstandard.at/2000050142079/Heliozentrismus-Die-Irrtuemer-des-Kopernikus

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        Christian Hu sagte:

        @Dietmar Tischler

        danke für die Aufnahme. In meiner Wahrnehmung vertritt Hr. Stöcker meistens postkeynesianistische Positionen mit Ausflügen zur MMT und dem Money View, und deren Annahmen sind relativ gut dokumentiert (z.B. hier: https://www.exploring-economics.org/de/orientieren/postkeynesianismus/).

        Vielleicht finde ich die Links so interessant, weil ich den Postkeynesianismus selbst tendenziell als bestes Heilmittel für die aktuelle „Krankheit“ der Wirtschaft halte.

        Die Alternativen dazu bilden aus meiner Sicht den aktuellen Mainstream, insbesondere die liberalen Schulen mit den Österreichern als Extremform. Es mag Zeiten geben, in denen Handlungsempfehlungen nach diesen Schulen bessere Ergebnisse versprechen, aber aktuell sehe ich das nicht so.

        Was fast alle klassischen Schulen größtenteils ausblenden ist die reale Funktionsweise von Finanzmärkten, so verbirgt sich bspw. der gesamte Finanzsektor in der Fischer’schen Quantitätsgleichung (MV = PT) in der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes V. Der maßgeblich von Perry vorangetriebene Money View ist somit für mich eine der spannendsten aktuellen Forschungsrichtungen und ich sehe darin die Chance, volkswirtschaftliche Theorie mit Finanzmarktpraxis zu verbinden. Genau das hatte mir im Studium als gelernter Bankkaufmann und somit Mann der Praxis gefehlt.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Hu

        Jeder hat eigene Erfahrungen, jeder dieses oder jenes studiert, das ihn geprägt hat, jeder ist in dieser oder jener Situation.

        Daher ist nichts anderes zu erwarten, als dass jeder diese oder jene Meinung hat und sie vertritt.

        Das ist kein Problem, für mich jedenfalls nicht.

        Etwas anderes sind

        a) die ABSICHTEN, die mit den einzelnen Beiträgen verfolgt werden

        und

        b) der ANSPRUCH mit dem darüber diskutiert wird.

        Auch hier gilt:

        Das kann jeder für sich entscheiden.

        Für mich gilt:

        Mir geht es um rationale KLÄRUNG.

        Mit Blick darauf bleibe ich bei dem, was ich gesagt habe.

        Wir sollten das Thema nicht weiter verfolgen.

        Es betrifft zwar diesen Blog, ist aber weit Off Topic und dürfte nur wenige interessieren.

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      Horst sagte:

      Verschiedene Ansichten, resp. weitere Ansichten zu einem Standpunkt einzuholen, ist nicht unbedingt der zweifelhafteste Weg, den eigenen Horizont zu erweitern.

      Ad Stöcker: Weiter so. Auch für Ihr Durchhaltevermögen in Bezug auf zweifelhafte, teilweise auch Ihnen gegenüber unsachliche Kommentare, die meiner Ansicht nach in aller Regel zu sehr eigene gewünschte Weltbilder infrage stellen. Ihre Links sind es immer wieder wert, „bookmarked“ zu werden.

      „Basil Moore ist der Kopernikus der Geldtheorie…“ Allerdings bin ich bisher davon ausgegangen, Sie hätten die kopernikanische Wende in der Geldtheorie eingeleitet.

      Sollte nicht insofern eine Bewegung mit dem Namen „Mooreanism“ das Licht der Welt erblicken. Basil Moore dürfte nur wenigen, ähnlich wie Hartley Withers oder Michal Kaletski (obwohl in der timeline zur Evolution der MMT aufgeführt) ein Begriff sein, jedenfalls kannte ich erstgenannten nicht zuvor.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        >Allerdings bin ich bisher davon ausgegangen, Sie hätten die kopernikanische Wende in der Geldtheorie eingeleitet.>

        Ich bin mir nicht sicher, ob Sie das ironisch meinen.

        Falls das nicht der Fall sein sollte – ich tendiere dazu, es fast anzunehmen – dann haben Sie auf eindrückliche Weise gezeigt, wie erfolgreich M. Stöcker hier brainwashing betreibt.

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        Horst sagte:

        ad Herr Tischer:

        „Falls das nicht der Fall sein sollte – ich tendiere dazu, es fast anzunehmen – dann haben Sie auf eindrückliche Weise gezeigt, wie erfolgreich M. Stöcker hier brainwashing betreibt.“

        Das haben Sie intellektuell doch nicht nötig (Verwendung von Begriffen wie „brainwashing“). Aber, gerne greife ich diesen Begriff auf und behaupte in Anlehnung an Keynes: In the long run, we´re all brainwashed.

        „Ich bin mir nicht sicher, ob Sie das ironisch meinen.“

        Ein wenig augenzwinkernde Ironie ist in meiner Aussage dennoch enthalten.

  4. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >But looking at various recession indicators, several of which are produced by the Fed, …>

    Indikatoren, also auf Aussagen auf Basis gemessener Sachverhalte, die ZUSTÄNDE der Volkswirtschaft widerspiegeln.

    >„(…) every time the gauge for the number of small business owners saying that the cost of labor is their single greatest problem rises above 8, a recession follows between 12 and 18 months later.“>

    Hier ist der Indikator zwar auch ein gemessener Sachverhalt, beruht aber auf einer selektiven MEINUNG.

    Warum nicht auch einmal die Meinung von Wall St. messen, vielleicht kann man damit auch Indizes produzieren – möglicherweise ganz andere?

    Hier ein paar Zahlen, ganz unten die aktuellen:

    https://www.thebalance.com/u-s-inflation-rate-history-by-year-and-forecast-3306093

    Auch 2020 und 2021 soll die Wirtschaft noch wachsen.

    Die Inflation soll in diesen beiden Jahren konstant bei 2% liegen.

    Ich würde mit Blick darauf nicht fordern, dass die Fed Funds rate rauf gesetzt und die Bilanz gekürzt werden sollte.

    Der hier vorgebrachten Gründe, sie nicht zu erhöhen bzw. zu belassen, überzeugen mich aber auch nicht.

    Insbesondere deshalb nicht:

    https://de.reuters.com/article/usa-fed-schulden-idDEKCN1QM1V8

    Daraus:

    >Mit Blick auf Verbindlichkeiten der Unternehmen in der Rekordhöhe von 46 Prozent der Wirtschaftsleistung sagte der Chef des Notenbank-Bezirks Dallas, Robert Kaplan, am Dienstag im Reuters-Interview: “Ich bin mir dessen bewusst und es bestärkt mein Gefühl, dass wir für einige Zeit nichts unternehmen sollten.”>

    Soviel zu Indizes und Risiken.

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