Die Armut geht zurück und mehr Umverteilung träfe die falschen

Eine Nachricht, die so gar nicht in die mediale Landschaft passt: Der Anteil der armen und armutsgefährdeten Menschen in der Bundesrepublik war 2018 so niedrig wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Sage nicht ich, sondern sagt das Statistische Bundesamt.

Die WELT fasst zusammen. Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bringen eine gute Nachricht: Die Armut und die Gefahr, in Armut abzugleiten, gehen in Deutschland weiter zurück. Die Statistiker haben die Daten bis Ende des vergangenen Jahres ausgewertet und kommen zum Schluss:

  • „Nach der strengen Definition der Europäischen Union waren im vergangenen Jahr 18,7 Prozent der Bevölkerung von ‘Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht’, wie es im Amtsdeutsch heißt. Das entspricht rund 15,3 Millionen Menschen.“ – bto: Das klingt zunächst dramatisch.
  • Jedoch gilt als „arm“, wer weniger als 60 Prozent des mittleren verdient. „Da es sich dabei um einen relativen Wert handelt, kann die Zahl der Armutsgefährdeten auch dann steigen, wenn alle Menschen mehr verdienen und der Wohlstand insgesamt steigt. Für Jahr 2017 hatten die Statistiker die Quote noch mit 19 Prozent der Bevölkerung angegeben, was damals 15,5 Millionen Menschen entsprach.“ – bto: Vor allem geht es den hierher zugewanderten Menschen signifikant besser als in ihren Heimatländern, sie dürften sich also nicht als „arm“ empfinden.
  • „Hauptmotor dieser Entwicklung einer zurückgedrängten Armut ist der gute Arbeitsmarkt: Er erlaubt es mehr Menschen als früher, eigenes Einkommen zu erwirtschaften, mit dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Im September hat die Zahl der Erwerbstätigen mit 45,3 Millionen ein Rekordhoch erreicht. Zugleich lag die Erwerbstätigenquote bei hohen 68,6 Prozent. So viele Menschen waren in Deutschland noch nie in Lohn und Brot.“ – bto: was übrigens der Scheinkonjunktur Mario Draghis und nicht der Brillanz hiesiger Wirtschaftspolitik geschuldet ist.
  • „Traditionell war Deutschland ein Land, in dem das Risiko, materielle Entbehrungen zu erfahren, die ältere Generation weniger heimsucht. Auch heute noch ist es so, dass Armut vor allem bei den 18- bis 24-Jährigen zuschlägt: Fast ein Viertel aller Menschen (23,9 Prozent) dieser Altersgruppe hat zu wenig Einkommen (…) Bei Bundesbürgern im Alter von 65 oder mehr besteht aktuell bei weniger als jedem Fünften (19 Prozent) die Gefahr, dass das Geld nicht reicht.“ – bto: weshalb die Politik auch bei den falschen ansetzt mit ihren Maßnahmen.
  • „Laut EU-Definition liegt dann Deprivation oder erhebliche materielle Entbehrung vor, wenn der Haushalt etwa Probleme hat, die Miete rechtzeitig zu zahlen, die Wohnung ausreichend heizen zu können oder unerwartete Ausgaben wie den Kauf einer neuen Waschmaschine mit eigenen Mitteln zu stemmen. Auch wer sich nicht einmal eine Woche Urlaub woanders als zu Hause leisten kann oder aus Geldgründen auf ein Auto, ein Fernsehgerät oder ein Telefon verzichten muss, gilt als depriviert.“ – bto: worüber man natürlich durchaus streiten könnte.
  • „Während der 2,4-prozentige Anteil der von materieller Entbehrung betroffenen Senioren für sich genommen immer noch recht niedrig erscheint, geht die Reise bei den Älteren in die genau andere Richtung als bei den Jüngeren: Sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Menschen mittleren Alters ist die Deprivation auf dem Rückzug, wobei die eigentlichen Quoten weiter höher sind als bei Ruheständlern.“ – bto: Es gibt also einen steigenden Anteil der Armen bei den Älteren. Genau das ist zu erwarten, einfach durch Zeitablauf und weil die Regierung das Rentensystem nicht schon vor Jahren saniert hat.
  • „Betroffen von Altersarmut sind vor allem Frauen, nicht zuletzt solche, die ihre Arbeit aufgegeben haben, um kranke Angehörige zu pflegen. (…) Komme es zu einem Pflegefall in der Familie, seien es in 70 Prozent der Fälle Frauen, die sich kümmern und unbezahlte Sorgearbeit leisten. Häufig zögen sie sich komplett aus dem Berufsleben zurück. Das habe weitreichende Konsequenzen für das Alterseinkommen.“ – bto: Das ist natürlich bedauerlich und es stellt sich die Frage, wie darauf zu reagieren ist.
  • Ein besonders hohes Armutsrisiko haben den Statistiken zufolge auch Zuwanderer und ihre hierzulande geborenen Kinder. So stellen Menschen mit Migrationshintergrund in der Bundesrepublik 45 Prozent aller Armutsgefährdeten. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung liegt bei gut einem Viertel (25,5 Prozent).“ – bto: geringere Erwerbsbeteiligung (vor allem der Frauen), geringere Einkommen in Folge von mangelnder Bildung, Sprachkenntnissen und Integration. Schon vor Jahren habe ich mit einem einfachen Dreisatz nachgewiesen, dass sich der gesamte (damalige) Anstieg der Armutsquote mit der Zuwanderung erklären lässt.
  • Quelle: Infografik WELT

  • „Das heißt: Wer selbst zugewandert ist oder mindestens einen Elternteil hat, der bei Geburt nicht die deutsche Staatsangehörigkeit hatte, droht aus materiellen Gründen viel schneller ins soziale Aus zu geraten als Menschen ohne Migrationshintergrund. Besonders groß ist der Anteil der Zuwanderer erster und zweiter Generation an den Armutsgefährdeten in den großen Städten: In Hamburg und Bremen stellen Menschen mit Migrationshintergrund mehr als 60 Prozent aller Armutsgefährdeten. In Berlin sind es immerhin 53 Prozent.“ – bto: Dass dies das Klima in einer Stadt prägt, ist offensichtlich. Die Frage ist nur, ob die richtige Antwort wirklich mehr Umverteilung in diese Bevölkerungsgruppe ist.
  • „Kritiker sehen daran ein grundlegendes Problem der deutschen Integrationspolitik. Offenbar haben Zuwanderer in der Bundesrepublik größere Schwierigkeiten, eine Anstellung zu finden und sich finanziell über Wasser zu halten, als in klassischen Einwanderungsländern wie zu Beispiel Kanada. Vielfach hat das mit dem Qualifikationsprofil der Migranten zu tun und damit, dass hierzulande Arbeitsmigration und Fluchtmigration vermengt werden.“ – bto: Es ist eine Folge der Migrationspolitik, die überproportional un- und niedrig qualifizierte anlockt. Das kann sich nicht rechnen, wie eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung schon 2014 zeigte. Schon damals wurde gefordert, dass sich eine Zuwanderung wie bei den Gastarbeitern nicht wiederholen dürfe.

Die gute Nachricht ist: Die Armut unter den Menschen ohne Migrationshintergrund ist stark rückläufig. Die weitere gute Nachricht ist, dass sich die Migranten keineswegs arm fühlen dürften, liegt ihr Einkommen hierzulande doch selbst bei Arbeitslosigkeit deutlich über dem BIP/Kopf ihrer Herkunftsländer.

Die schlechte Nachricht ist, dass, wie von mir immer wieder kritisiert, die Umverteilungsbefürworter die immer noch gegebenen Ungleichheiten dazu nutzen, um noch mehr Umverteilung zu fordern. So hier:

„Erst Migration, dann Sozialismus“

Vordergründig, um damit den Populisten das Wasser abzugraben. Doch könnte es sein, dass eine zunehmende Belastung der Mittelschicht (denn die zahlt am Ende immer) zugunsten einer stetig wachsenden Gruppe von Menschen mit Migrationshintergrund genau das Gegenteil bewirkt.

welt.de: „Die Armut erreicht die Alten“, 31. Oktober 2019

Kommentare (18) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    007 sagte:

    Wie definieren Sie hier eigentlich Armut und Wohlstand ?
    Gefühlte 3/4 der Bevölkerung ist verschuldet. Das ist doch nur „gefühlter“ Scheinwohlstand ! Was glauben Sie wieviel Immobilienbesitzer es noch gäbe und Autos auf den Straßen wären wenn eine richtige Finanzkrise käme????

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      Richard Ott sagte:

      @007

      „Wie definieren Sie hier eigentlich Armut und Wohlstand?“

      Lesen Sie den Artikel doch einfach anstatt irgendwelche „gefühlten“ Zustände zu ventilieren, die Definition steht ziemlich weit am Anfang mit drin.

      „Was glauben Sie wieviel Immobilienbesitzer es noch gäbe und Autos auf den Straßen wären wenn eine richtige Finanzkrise käme????“

      Also ich würde dann auf Einkaufstour gehen, hihi…

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        007 sagte:

        Ott:
        es stellt sich natürlich die Frage was näher an der Wahrheit liegt-Gefühlsventilation oder Hirnwichserei?
        Sie haben bestimmt eine Antwort darauf.
        troodon:
        darunter verstehe ich eine Bankenkrise wie 1990 in Japan.

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        Richard Ott sagte:

        @007

        „es stellt sich natürlich die Frage was näher an der Wahrheit liegt-Gefühlsventilation oder Hirnwichserei? Sie haben bestimmt eine Antwort darauf.“

        Natürlich habe ich eine Antwort auf Ihre nachdenkliche Frage, sogar als Diagramm von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung: https://www.boeckler.de/cps/rde/xbcr/hbs/impuls_grafik_2017_04_5_ungleichheit_rdax_749x479.jpg

        Ein negatives Nettovermögen haben die vermögensmäßig ärmsten 5% der Haushalte in Deutschland, und die nächstreicheren 15% haben ein Vermögen von nahe Null.

        Von den verschuldeten drei Vierteln, die Sie irgendwo erfühlt haben wollen, ist die Wahrheit weit entfernt. Sie können mich gerne noch ein bisschen mehr dafür beschimpfen, aber das ändert die Realität auch nicht.

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        troodon sagte:

        @ 007
        „darunter verstehe ich eine Bankenkrise wie 1990 in Japan.“
        Dann müsste Japan ein gutes Beispiel sein, bzgl. der Entwicklung betreffend „wieviel Immobilienbesitzer es noch gäbe und Autos auf den Straßen wären „, mit der Sie einen deutlichen Einbruch implizieren wollen.

        Bei der Wohneigentumsquote hat sich in Japan seit 1990 saldiert nichts wesentliches verändert.
        Der PKW Bestand in Japan ist seit 1990 bis 2018 von rd 35 Mio auf 62 Mio (+77%) gestiegen (Quelle Destatis).
        Und nun ? Passt nicht so ganz zu Ihrer unterschwelligen Vermutung…

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      troodon sagte:

      @ 007
      „Was glauben Sie wieviel Immobilienbesitzer es noch gäbe und Autos auf den Straßen wären wenn eine richtige Finanzkrise käme????“
      Definieren Sie “ richtige Finanzkrise“, nur dann könnte man deren mögliche Folgen thematisieren.

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    guter-verwalter sagte:

    Mich würde bei dieser „statistischen Datenerhebung“ interessieren, ob:

    1) Zur Definition von Armut („weniger als 60% des…“) das mittlere oder das Medianeinkommen genutzt wurde. Die Armuts-Effekte/ -Quoten sind beim statistischen Mittelwert (= Summe allen Einkommens : Anzahl der erwerbstätigen Menschen) nämlich nicht so gravierend, als würde man stattdessen das Medianeinkommen verwenden. Ein berühmter statistischer Taschenspielertrick!

    2) Wie hoch ist der Prozentsatz der nicht mehr erfassbaren Personen i. Vgl. zum Vorjahr? Gibt es eine Möglichkeit den nicht mehr erfassbaren sozialen Anteil an Menschen herauszubekommen, der durch die angewendeten Messsysteme (Verdienst, Soziales, Arbeit) durchgefallen ist?
    Denn: Wenn z.B. ein Hartz IV-Empfänger verständlicherweise nämlich nicht mehr an seinen menschenunwürdigen Bastelstunden und sinnlosen Beschäftigungsmaßnahmen teilnehmen möchte, fällt er aus der Arbeitslosenstatistik komplett heraus, was im Endeffekt die Statistik schönt: die Langzeitarbeitslosen werden ja weniger…oh Wunder. Jedoch wird die soziale Problematik dadurch logischerweise nicht besser, sondern schlimmer, da die Nicht-Erfassbaren in ihrer Zahl steigen und damit ihr Unmut auf das System, das sie hängen gelassen hat.

    Ich stimme Herrn Ott zu: Ich traue dem Wahrheitsgehalt dieser Statistik, ohne die o.g. Daten auch zu kenne, nicht über den Weg.

    Beste Grüße,
    der gute Verwalter

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      troodon sagte:

      @ guter Verwalter
      Das Medianeinkommen ist das mittlere Einkommen. Davon abweichend gibt es noch das durchschnittliche Einkommen, welches Sie als „Mittelwert“ bezeichnen.
      Bei der Armutsdefinition wird normalerweise mit 60% vom Medianeinkommen=mittleres Einkommen gerechnet. Es wird im Artikel auch von „60 Prozent des mittleren Einkommens “ geschrieben.

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        guter-verwalter sagte:

        @troodon:
        Danke für die Klarstellung. Der offizielle Artikel auf destatis.de ist in den Fußnoten sprachgenauer: dort steht deutlich „Berechnungsgrundlage: 60%-Median“. Trotzdem bleibt meine Kritik aus Punkt 2). Auch die methodischen Grundlagen nähren meine diesbezügliche Skepsis:

        [Zitat]
        [Die] Armutsgefährdungsquote […] setzt sich zusammen aus dem Einkommen aus selbstständiger und unselbstständiger Erwerbstätigkeit, dem Einkommen aus Vermögen, Renten und Pensionen sowie empfangenen laufenden Sozialtransfers – wie zum Beispiel Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Kindergeld.
        [Zitat Ende]

        Bedeutet m.E. im Umkehrschluss: Die aus dem System gefallenen Menschen (kein Einkommen, kein ALG1 und ALG2 mehr, keine Stütze mehr) werden nicht mehr statistisch erfasst. Aber über deren Anzahl, bzw. die Veränderung dieser Zahl von Jahr zu Jahr, sagt destatis.de nichts.

        Grüße,
        guter Verwalter

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ guter Verwalter
        “ Bedeutet m.E. im Umkehrschluss: Die aus dem System gefallenen Menschen (kein Einkommen, kein ALG1 und ALG2 mehr, keine Stütze mehr) werden nicht mehr statistisch erfasst“
        Verstehe Ihre Schlussfolgerung nicht. Wovon sollen die denn leben? Von Vermögensverzehr OHNE auch Erträge zu erzielen? Nur von Geschenken ? Das dürfte es nur selten geben.

  3. Avatar
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Doch könnte es sein, dass eine zunehmende Belastung der Mittelschicht (denn die zahlt am Ende immer) zugunsten einer stetig wachsenden Gruppe von Menschen mit Migrationshintergrund genau das Gegenteil bewirkt.“

    Könnte? Ich würde den Konjunktiv weglassen, denn wie sonst lässt sich beispielsweise das Blöcke-Wahlergebnis in Thüringen (Rückgang der umverteilungsfreundlichen Summe aus Linkspartei, CDU, SPD und Grünen, Anstieg summarisch von AFD und FDP) erklären? Auch wenn es natürlich innerhalb der Blöcke Wanderungen gibt, z.B. von SPD zur Linkspartei.

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      Richard Ott sagte:

      @Frau Finke-Röpke

      „wie sonst lässt sich beispielsweise das Blöcke-Wahlergebnis in Thüringen (Rückgang der umverteilungsfreundlichen Summe aus Linkspartei, CDU, SPD und Grünen, Anstieg summarisch von AFD und FDP) erklären“

      Sie überschätzen hier den Einfluss der FDP im Osten. Die agiert in den meisten Ost-Bundesländern und Wahlperioden als außerparlamentarische Opposition und muss erstmal öffentlich wahrgenommen werden und eine Kampagne organisieren, da kommt es auch viel auf die Zugkraft der Spitzenkandidaten an. Bei der Landtagswahl in Sachsen im September hat die FDP nur ganz leicht hinzugewonnen und blieb unter 5%, obwohl die von 2009-2014 in Sachen sogar Regierungspartei mit der CDU waren. Aber die FDP wurde in diesem Wahlkampf als total beliebig wahrgenommen. Ich habe extra auf Gewerbetreibende zugeschnittene Wahlwerbung von der FDP mit der Post zugeschickt bekommen, aber die war inhaltlich so dermaßen belanglos dass ich mich nicht einmal mehr daran erinnern kann, was die genau forderten. Um die beiden richtig heißen Themen Migration und Braunkohle ging es jedenfalls nicht, die wurden mit keinem Wort in dem Brief erwähnt, und das verblüffte mich so sehr, dass ich mir es gemerkt habe.

      Der plausibelste Erklärungsansatz für die Wahlergebnisse im Osten ist meiner Meinung nach der, dass die AfD massiv von der Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik profitiert und dadurch an Stimmen gewinnt (das schließt die Umverteilungskritiker ein) – und gleichzeitig die Parteien der jeweiligen Ministerpräsidenten (Linke in Thüringen, SPD in Brandenburg, CDU in Sachsen) auch besser abschneiden als vom Bundestrend her erwartbar, weil sie diejenigen Wähler anziehen, die sich ein „weiter so“ wünschen und die böse AfD verhindern wollen. So kann man zum Beispiel erklären wie die Linkspartei in Thürigen dazugewinnen konnte während sie sich in Sachsen fast halbiert hat.

      Wenn es nur um Umverteilung ginge, könnte man die Wähler ja mit Geldgeschenken dazu bewegen, weiter die Groko-Parteien zu wählen. Das funktionierte aber weder in Sachsen noch in Brandenburg, obwohl beide Bundesländer Milliardensubventionen wegen Kohleausstieg erhalten sollen. Hier geht es um Grundlegenderes.

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott:

        Ihre Argumentation hat etwas für sich, aber ich denke, dass der Wähler nicht so dumm ist zu wissen, wer die Umverteilungsgeldgeschenke bezahlt: nämlich er selbst. Das mit der Ergänzung, dass er von dem zuvor Weggenommenen weniger bekommt als ohne Umverteilung, weil daraus auch noch die Umverteilungsbürokratie bezahlt werden muss. Das ist das, was die SPD beispielsweise nicht begreift: ihre früheren Wähler sind meist die, die diese Geschenke erwirtschaften, während viele Empfänger die SPD nicht einmal wählen dürfen, weil ihr Wahlrecht für eine andere Nation gilt. Völlig überraschend sieht sich der Ex-SPD-Wähler dann nicht mehr durch die SPD vertreten. Das wundert niemand außer die SPD, wie man an den vorbildlichen dänischen Sozialdemokraten gesehen hat.

        Ich gestehe Ihnen aber zu, dass Umverteilung alleine wohl nicht ausreicht. Wer mit der Migrationspolitik nicht einverstanden ist, mag dies aufgrund des hohen Anteils von Transfereinkommensbeziehern aus wirtschaftlichen Gründen sein. Es gibt aber bestimmt auch Leute, denen das Wirtschaftliche egal ist und die die Auswirkungen auf die Themen innere Sicherheit, Kultur, Bildung oder Rechtsstaatlichkeit als Basis ihres Wahlverhaltens haben.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      Auch ich würde den Konjunktiv weglassen.

      Ich würde das Problem mit der Umverteilung nicht wie Dr. Stelter beschränken, der es im Kontext nur auf die Migration bezieht.

      Die Migration spielt eine erhebliche Rolle, vielleicht sogar die entscheidende.

      M. A. n. aber nicht die einzige:

      Wenn man sieht, wie sich die Gesellschaft ausdifferenziert in u. a. Stadt vs. Land, Junge vs. Alte, gut Qualifizierte vs. schlecht Qualifizierte, Vermögende vs. ohne Vermögen, erkennt man eine deutlich BREITERE Basis für Unzufriedenheit mit der Verteilung als die hier natürliche einzuschließende Differenzierung Einheimische vs. Zugewanderte.

      Wenn eine Gesellschaft ihre Probleme über Jahrzehnte mal mehr und mal weniger, aber vorwiegend durch Umverteilung gelöst hat, weil sie es aufgrund ihres Wohlstands relativ schmerzlos tun konnte, bildet sich ein GENERELLES Umverteilungsproblem, wenn diese Probleme nicht mehr wie bisher mit „Instant-Geldzuweisung“ zu deckeln sind.

      Und sie sind nicht mehr so zu deckeln:

      Die Problematik Mieten/Einkommen in den Ballungsgebieten z. B. lässt sich eben nicht durch Gesetz oder Subventionen entschärfen, sondern nur durch Bauen oder abnehmenden Zuzug.

      Bei dem Umverteilung problematisierenden Arm vs. Reich ist bei genauer Betrachtung wie hier vorgetragen ganz wesentlich auf Zuwanderer vs. Einheimische abzuheben.

      Es ist aber nicht die einzige Dimension der Umverteilungsproblematik.

      Sie ist vielschichtiger und tiefer angelegt.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Wenn man sieht, wie sich die Gesellschaft ausdifferenziert in u. a. Stadt vs. Land, Junge vs. Alte, gut Qualifizierte vs. schlecht Qualifizierte, Vermögende vs. ohne Vermögen, erkennt man eine deutlich BREITERE Basis für Unzufriedenheit mit der Verteilung als die hier natürliche einzuschließende Differenzierung Einheimische vs. Zugewanderte.“

        Gerade der Konflikt Stadt vs. Land könnte wieder so stark aufflammen, wie wir es seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen haben.

        Mein aktuelles Lieblingsbeispiel zur Illustration: Die Forderung nach kostenlosem öffentlichem Nahverkehr in den Großstädten, finanziert über Steuern. Das sorgt für Beigeisterungsstürme von unseren linksgrünen Gesinnungsjournalisten die selbst fast alle in den Großstädten leben – aber wieso sollte irgendjemand auf dem Land blöd genug sein für diesen Vorschlag zu stimmen?

      • Avatar
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Dietmar Tischer:

        Volle Zustimmung. Eines würde ich aber noch ergänzen: die jahrzehntelange Schuldenvermehrung sowohl im Lande selbst als auch bei den Kunden unserer Exportindustrie sowie der demografische Selbstbetrug der Mitteleuropäer finden jetzt irgendwann ihr natürliches Ende. Und das will keiner hören, weil man sich so daran gewöhnt hat, dass man sich kollektiv weigert, die Realität zur Kenntnis zu nehmen. Hinzu kommen die Interessenkonflikte zwischen Gläubigern und Schuldnern über Grenzen hinweg, die eine Lösung erschweren.

        Da bin ich aber inzwischen gelassen. Egal, wie das Framing bei der „Welt“ ist: wenn man es mit der Umverteilung übertreibt, wandern die Gemolkenen aus, reduzieren ihren Arbeitseifer, fangen aus Frust an die öffentlichen Kassen zu täuschen und/oder reagieren bei ihrem Wahlverhalten. Denn das Interessante ist: normalweise kommen auf 1 Erwirtschaftenden 2 Transferempfänger. Die Transferempfänger sind vom Erwirtschaftenden abhängig; umgekehrt gilt das nicht. Das scheint kurzfristig den Politikern nur so. Sehr schön zu erkennen bei den Leistungsträgern in der Kranken- und Altenpflege, die immer mehr den Job wechseln oder das Land. Zurecht. Die einzige Lösung wäre der erneute Bau einer Mauer mit dazugehörigem Schießbefehl, um die qualifizierten Inländer am Auswandern zu hindern. Da möchte ich doch mal sehen, wie das mit Schengen und ohne Rote Armee im Rücken bei gleichzeitigem Realitätsverlust der Regierenden gelingen soll. Auch die „Welt“ wird irgendwann feststellen, dass der Bürger auch ohne sie zurechtkommt, wenn sie sich nicht anpasst. Die Frage ist, ob vor oder nach dem eigenen Bedeutungsverlust.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Die Leute auf dem Land würden schon zustimmen, wenn es für SIE auf dem Land einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr gäbe.

        Er müsste noch nicht einmal kostenlos sein.

        Es gibt ihn nicht und wird ihn nicht geben können, weil er nicht finanzierbar ist.

        Damit sind wir beim Grundproblem der Volksparteien, die in der Regierung sind:

        Sie können NICHT mehr so wie früher liefern, d. h. durch Umverteilung befrieden.

        Die AfD kann natürlich auch nicht liefern – NIEMAND kann es.

        Und „Man muss den Menschen zuhören“ ersetzt nicht den fehlenden öffentlichen Nahverkehr.

        Wenn das so ist, wäre vernünftige Politik:

        Verhinderung, dass die Dinge noch belastender werden, was auch heißt, deren Ursachen abzustellen soweit es möglich ist.

        Dazu gehört nicht nur, aber auch, dass die unkontrollierte Migration von Menschen, die allein durch ihr Dasein, d.h. ohne in irgendeiner Weise hier schuldig zu sein die Ungleichheit vertiefen, beendet wird.

  4. Avatar
    Richard Ott sagte:

    „Auch heute noch ist es so, dass Armut vor allem bei den 18- bis 24-Jährigen zuschlägt: Fast ein Viertel aller Menschen (23,9 Prozent) dieser Altersgruppe hat zu wenig Einkommen“

    Die Studienanfängerquote bei dieser Altersgruppe dürfte aktuell bei ungefähr 50 Prozent liegen. Aber „Studenten haben wenig Einkommen“ ist halt keine Nachricht, die bei den Lesern Lust auf noch mehr Umverteilung macht, zumal sich dieses Problem bei erfolgreichem Studienabschluss von selbst lösen dürfte. Aber sehr hübsch manipuliert von WELT.

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