Chinas Hebel im Handelskrieg

So richtig sicher bin ich nicht, wie es nun mit dem sich abzeichnenden Handelskrieg weitergeht, ob es wirklich so weit kommt oder nicht. Bekanntlich sehe ich die deutschen Überschüsse ebenfalls kritisch, vor allem aber aus unserer ureigenen Sicht.

Martin Sandbu sieht die Amerikaner als Verlierer:

  • „The story of the week is how the EU’s retaliatory tariffs — which Brussels introduced in response to Trump’s tariffs on steel and aluminium imports from Europe — has prompted Harley-Davidson to move production for the European market out of the US to avoid import duties it says will add $2,200 to the cost of each motorcycle. It not the only example of domestic casualties from Trump’s trade aggression.“ – bto: was allerdings die Frage aufwirft, ob diese Verlagerung nicht ohnehin schon in der Pipeline war.
  • „(…) retaliatory import duties are just one of three ways Americans are hurt by their president’s protectionism.“
  • „There is also the higher cost of steel and aluminium he has engineered, which hits the bottom line of Harley-Davidson and other metals-consuming industries directly.“ – bto: sicherlich ein Nachteil für jene, die nicht vor Ort produzieren und für alle Abnehmer von Stahl.

Quelle: FT

  • „(…) if other countries lower trade barriers between them in a liberalisation that does not include the US, American exporters become less competitive in those markets. That is what is happening. For example: Japanese motorcycles, the EU import duty on which is being eliminated, now stand to gain market share from American ones.“ – bto: Das ist in der Tat ein Effekt, den ich auch übersehen hätte.
  • „Brad Setser has looked at what else China can do to make Americans suffer from Trump’s trade war against it. Focusing mostly on the threat to sell off Beijing’s huge stake of US government bonds, he concludes that the answer is not so much. As he correctly points out, the Federal Reserve could easily buy whatever stock of bonds China decides to sell so as to keep interest rates moderate.“ – bto: Und das würde die Fed auch machen, wenn doch sonst die Geldpolitik zu sehr verknappt.

Quelle: FT

  • „If China shifts its holdings from low-paying bonds to higher-yielding assets, or pursues a policy of not to finance the US economy at all, then the American economy will need to pay more to finance its current account deficit, or run down its international investment position. Such a dent in the American exorbitant privilege of guaranteed cheap external borrowing rates could easily be self-reinforcing in that others will demand a higher yield for holding US assets.“ – bto: Das kann sein, andererseits dürfte die Kapitalflucht aus anderen Regionen – Euro! – eher noch zunehmen.
  • „If this leads to a fall in the dollar and smaller deficit, that could be sustained and might just be in line with what Trump sees as desirable. But his government is not about to tighten its belt, so it would have to be the private sector doing so. That means either less investment by companies or lower consumption for households.“ – bto: Allerdings führen mehr Staatsschulden auch zu mehr Geld, siehe die Diskussion des Themas von James Montier auch bei bto.
  • „Trump may conclude from the fallout of the trade war that tariffs work as intended. If the EU’s retaliatory duties can make Harley-Davidson move production out of the US, surely Trump’s own protectionism can make other production move in. And his supporters, for now, seem to agree. The explicit goal of some of the president’s advisers is to repatriate supply chains. They — and Trump, and his supporters — may think a world in which each economy (at least each large economy) produces mostly for its own domestic market would be a better one than the interdependent global economy we have now.“ – bto: was natürlich jeder Erfahrung widerspricht. Es gibt Vorteile der Arbeitsteilung.
  • „The rise of global production chains has transformed the nature of trade since the 1980s. For good reason: continental or global-scale production is more efficient than national-scale. The upshot is to be careful what you wish for. If Trump achieves a self-sufficient US economy, it would be a much less productive American economy (than it could be, and than its rivals). That would mean squeezed living standards, an increasing awareness of falling behind global leaders and a less harmonious society that squabbles over how to divide a smaller pie. In the end even his voters might get tired of so much winning.“ – bto: Dennoch haben wir das reale Risiko, dass Politik Ökonomie schlägt. Erleben wir in Europa auch jeden Tag.

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „Trump’s trade war carries a winner’s curse“, 27. Juni 2018

Kommentare (7) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    jobi sagte:

    Statt über die Hintergründe zwar medienwirksamer aber relativ unbedeutender Zollscharmützel zu spekulieren, sollten wir unsere Aufmersamkeit lieber dem Brexit zuwenden, wo uns Handelsbeschränkungen ungleich härter treffen könnten. Schließlich exportiert die deutsche Autoindustrie mehr Einheiten nach GB als nach China und in die USA zusammen.
    Und während wir den Eskapaden einer US -Regierung relativ machtlos gegenüberstehen, hätten wir es beim Brexit selbst in der Hand – vorausgesetzt es gelingt, Brüssel daran zu hindern, seine idiologischen Motive über die Interessen ihrer Bürger zu stellen.

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  2. Avatar
    markus sagte:

    Der Vorteil von länderübergreifenden Handel liegt auf der Hand zwischen kleineren Ländern oder bei Rohstoffen, die nicht überall verfügbar sind. Bei großen Ländern oder Gegenden wie USA oder Europa mit mind. je 300 Mio. Marktteilnehmern sind das jedoch anders aus. Den Produktivitätsgewinn würde ich da sehr gering ansehen. Ausserdem wäre eine „lokalere“ Produktion manchmal umweltschonender und würde die Krisenanfälligkeit verringern.

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  3. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „was allerdings die Frage aufwirft, ob diese Verlagerung nicht ohnehin schon in der Pipeline war.“

    Das halte ich für die wahrscheinlichste Variante. Wenn ich so etwas als Unternehmen ankündige, muss ich mir über Lieferketten, Standorte, Fachkräftebeschaffung, steuerliche Fragen und Logistik schon Gedanken gemacht haben. M.E. war der Plan schon länger in der Schublade und die Unternehmensleitung hat nach der Wahl von Trump nur noch einen marketingtechnisch passenden Moment abgewartet, das den eigenen Kunden und Mitarbeitern zu verkaufen. Schließlich sind die großen Autohersteller auch in anderen Kontinenten mit Produktionen vor Ort vertreten; warum sollten diese Vorteile bei Motorrädern anders sein? Und wenn sie bei einem fast fertigen Motorrad nur noch den Sitz, den Lenker und die Spiegel anschrauben, um die Zollvorschriften u.a. als Lieferant von Vorfertigteilen zu umgehen…
    Nur ist Harley halt ein zutiefst amerikanisches Produkt und da muss ich als Unternehmen den medialen Effekt im Inland mitbedenken. Ich würde sagen: unter den gegebenen Umständen hat Harley-Davidson den perfekten Kommunikationszeitpunkt getroffen und sich als Opfer des Protektionismus präsentiert.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Wolfgang Selig

      Wir wissen nicht, was die die WIRKLICHEN Gründe sind für Harley-Davidson, die Produktion zu verlagern. Es ist nicht so wichtig, es zu wissen.

      ENTSCHEIDEND ist:

      Es ist mit Harley-Davidson eine US-Gesellschaft, die sagt, dass sie mit BEZUG auf die EU-Vergeltungsmaßnahmen – de facto höhere VERKAUFSKOSTEN für jedes in USA produzierte Motorrad – die Produktion aus den USA verlagert.

      Das ist FAKTISCHES Handeln mit NACHTEILEN für den amerikanischen Arbeitsmarkt und damit die deutlichste Botschaft, die möglich ist.

      Das ist wiegt schwerer als alles akademische Gerede.

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        Wolfgang Selig sagte:

        Herr Tischer, ich denke, Sie widersprechen sich hier selbst. Entweder ist es nicht so wichtig, die Gründe für die Verlagerung zu wissen, oder man hält die unbewiesene Behauptung der EU-Bezugnahme mit Verkaufskostensteigerung für wichtig. Beides zugleich geht m.E. nicht.

        Ich persönlich fände es zur volkswirtschaftlichen Beurteilung der Situation schon wichtig zu wissen, ob der Zoll der wahre bzw. wesentliche Grund ist oder ob man seitens Harley-Davidson nur eine gute Ausrede für patriotische US-Kunden gesucht hat, um die wahren Gründe der Verlagerung zu verschleiern.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Sie hätten recht mit der Kritik, wenn es mir darum ginge, was wichtig bzw. wichtiger ist – entweder das WISSEN (Kennen der wahren Gründe) für die Verlagerung oder die BEHAUPTUNG, dass verlagert werde mit Bezug auf die Verkaufskostensteigerung.

        Darum geht es mir nicht.

        Es geht mir um das, was ich ENTSCHEIDEND genannt habe, nämlich das, was wichtiger als Wissen oder Behaupten ist:

        Es ist nicht die Behauptung, dass verlagert werde mit Bezug auf die Verkaufskostensteigerung, sondern dass TATSÄCHLICH verlagert wird – GEHANDELT und nicht nur behauptet wird – dies allerdings mit Bezug auf die Verkaufskostensteigerung aufgrund der EU-Vergeltungsmaßnahmen.

        Kurzum:

        Harley-Davidson warnt oder droht nicht nur, wie etwa GM es getan hat, sondern DEMONSTRIERT, was die faktische FOLGE der Trumpschen Politik ist.

        Es kann natürlich sein, dass die Verlagerung nicht die Folge dieser Politik ist – was die Behauptung zu einem Fake machen würde.

        Deshalb habe ich auch nicht gesagt, dass es eine RICHTIGE Begründung für die Verlagerung ist.

        Sie ist allerdings SCHLÜSSIG, d. h. es ist nachvollziehbar, dass jemand verlagert, wenn er damit den höheren Verkaufskosten ausweichen kann.

        Diese Schlüssigkeit zeigt WIRKUNG und zwar MEHR Wirkung als eine Diskussion über wahre und behauptete Gründe – und ist daher aus meiner Sicht entscheidend.

        M. Sandbu ist mein Zeuge dafür (Zitat):

        >„The story of the week is how the EU’s retaliatory tariffs — which Brussels introduced in response to Trump’s tariffs on steel and aluminium imports from Europe — has prompted Harley-Davidson to move production for the European market out of the US to avoid import duties it says will add $2,200 to the cost of each motorcycle.>

        Has PROMTED … to MOVE production … out of the US …

        Das ist die Geschichte der Woche:

        Die URSACHE für die Produktionsverlagerung IST der von der EU erhobene Importzoll.

        So wird eine unbewiesene BEHAUPTUNG im „öffentlichen Bewusstsein“ zur WAHRHEIT.

  4. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >If Trump achieves a self-sufficient US economy, it would be a much less productive American economy (than it could be, and than its rivals). That would mean squeezed living standards, an increasing awareness of falling behind global leaders and a less harmonious society that squabbles over how to divide a smaller pie. In the end even his voters might get tired of so much winning.“>

    Das ist die voraussehbare Entwicklung.

    Mit welchem Ergebnis?

    Es ist nicht sicher, dass die Wähler zu den alten Parteien, die auf globale Kooperation setzen, zurückkehren.

    Es scheint mir eher der Fall zu sein, dass dann Leute gewählt werden, die versprechen, noch radikaler die jeweiligen nationalen Interessen wahrzunehmen.

    Außerdem:

    In diese Artikel wurde NUR auf die Risiken des Protektionismus hingewiesen.

    Was weiterdenkend nicht übersehen werden darf:

    Ein gleich große oder ein kleineres Stück Kuchen, das in einer an sich harmonischen Gesellschaft ein Verteilungsproblem verstärkt oder generiert, kann auch aus ANDEREN Gründen nicht zunehmen oder sogar kleiner werden – aus Gründen der demografischen Entwicklung z. B.

    Wenn das geschieht, kann es ebenso zu einer politisch unguten Wendung kommen, OBWOHL die Regierung möglicherweise keine Fehler gemacht hat.

    Regierungen sind für Fehlentwicklungen haftbar zu machen, für die SIE Verantwortung tragen.

    Sie tragen aber NICHT für alles Verantwortung, was sich während ihrer Regierungszeit entwickelt.

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