FANGsch(l)uss?

Dieser Kommentar von mir erschien in der WirtschaftsWoche Online:

Der FANG+ Index hat seit Jahresanfang mehr als 25 Prozent zugelegt. Nichts, so scheint es, kann den Boom der Techwerte stoppen. Oder doch?

Wer die Performance der US-Börse in den letzten zwölf Monaten verstehen will, vor allem im Vergleich zu Europa, kommt an den Technologiewerten nicht vorbei. Diese stehen nicht nur hinter dem beeindruckenden Kursaufschwung, sondern erklären auch, warum die US-Börse im Schnitt höher bewertet ist, als die Märkte im Rest der Welt.

Der NYSE FANG+ Index, der neben den bekannten amerikanischen Namen Facebook, Amazon, Apple, Netflix, Google, Tesla, Twitter und Nvidia auch die chinesischen Internetgiganten Alibaba und Baidu beinhaltet, hat alleine seit Jahresanfang beeindruckende 25 Prozent zugelegt. Und glaubt man den Auguren, dürfte es mit dem Aufschwung weitergehen. Sind es doch genau diese Unternehmen, die mit Wachstum und Ertragskraft herausragen und ganze Industrien erobern. Der Wandel, der mit Beginn des Internetzeitalters erwartet wurde, hat zunächst länger gedauert als erhofft, um dann umso erbarmungsloser zuzuschlagen. Neue Märkte entstehen, in denen gilt „The Winner takes it all“ und diese Gewinner scheinen festzustehen.

Kritik an den FANGS wächst

Dabei wächst die Kritik an den FANGS. Diese fällt in zwei Kategorien. Da sind zum einen die Unternehmen, die zwar von der Börse gemocht werden, denen es aber an Substanz mangelt:

  • Twitter – in kontinuierlichen Schwierigkeiten und trotz einer Kurssteigerung um mehr als 250 Prozent in den letzten zwölf Monaten immer noch ohne wirklich nachhaltiges und profitables Geschäftsmodell.
  • Tesla – unstrittiger Marktführer und Pionier im Bereich der Elektroautomobile, hoch verschuldet, unprofitabel und mit sichtlichen Schwierigkeiten eine Serienproduktion auf die Beine zu stellen. Die Wettbewerber können das und holen das Versäumte im Bereich der Elektrotechnik nach.
  • Netflix – im letzten August hielt Barrons die Aktie für heillos überbewertet. Bei 160 US-Dollar. Heute steht die Aktie bei 320 US-Dollar. Dabei nimmt das Unternehmen pro Quartal eine halbe Milliarde an neuen Mitteln auf, um die aufwendigen Eigenproduktionen – geplant sind für dieses Jahr acht Milliarden US-Dollar – und die immer teurere Kundenakquisition – weitere zwei Milliarden dieses Jahr – zu finanzieren. Die 6,5 Milliarden Schulden des Unternehmens werden als Junk bewertet. Da muss man schon sehr optimistische Annahmen über die Zukunft treffen, vor allem über die Fähigkeit des Unternehmens sich (neue) Wettbewerber wie Amazon, Disney und Apple Itunes vom Hals zu schaffen. Wetten würde ich darauf nicht und schon gar nicht 320 Dollar dafür bezahlen.

Alle drei Unternehmen sind gute Beispiele für meine bekannte Warnung, dass die Märkte länger falsch liegen können, als man Geld hat, gegen sie zu wetten. Ich für meinen Teil hätte mit einer Wette gegen diese Aktien jedenfalls in den letzten Monaten viel Geld verloren. Was nichts daran ändert, dass ich sie für heillos überbewertet und damit hochgradig anfällig für einen Stimmungswechsel halte.

Grundsätzlicher und damit gefährlicher ist die Kritik an den anderen (amerikanischen) Vertretern im Index. Apple mag mit einem Kurs jenseits von 180 US-Dollar immer noch günstig und vor allem mehr ein Ertrags- als ein Wachstumswert sein, der wie ein überdimensionierter Geldspeicher aus Entenhausen wirkt. Die Steuerpraxis des Konzerns wird im Zuge der weiteren Verschärfung des Handelskonfliktes zwischen den USA und dem Rest der Welt (zu Recht) mehr in den Fokus der Regierungen geraten und damit auch das Risiko steigen, dass wir eine deutlich höhere Besteuerung künftiger Gewinne sehen werden. So sehr das aus Sicht der Steuergerechtigkeit freut, so bedauerlich ist es für die Aktionäre. Höhere Steuern verkleinern den Kuchen.

Amazon, Facebook und Google (Alphabet) könnten noch grundsätzlicher in die Kritik geraten. Vor allem geht es um die Behinderung von Wettbewerb: Die Unternehmen haben eine sehr starke Marktposition, die es Wettbewerbern faktisch unmöglich macht, gegen die etablierten Spieler zu bestehen. Dies liegt an Größeneffekten (die zu entsprechenden Kostenvorteilen führen), Netzwerkeffekten (je mehr Leute dabei sind, desto größer ist der Nutzen, weshalb sich alles bei einem Anbieter konzentriert) und der schieren Menge an Daten, die die Unternehmen sammeln. Diese erleichtern den Einstieg in immer weitere Geschäftsfelder, in denen sie wiederum einen uneinholbaren Vorsprung haben, weil sie bereits über die Daten verfügen, die sich Wettbewerber mit ähnlichen Geschäftsideen erst mühsam erarbeiteten müssen. Ein hoffnungsloses Unterfangen.

Alles dies macht „Big Tech a huge economic problem“, meint sogar die durch und durch wirtschaftsfreundliche FINANCIAL TIMES! Die Unternehmen erwirtschaften Überrenditen, von denen die Märkte glauben, sie hätten ewig Bestand. Preise und Service wären – wie bei derartigen Monopolen üblich – schlecht und die Unternehmen würden überhöhte Preise für Werbung nehmen, während sie gleichzeitig für die Daten, die sie nutzen, nichts bezahlen müssen. 

Die Belastung wird steigen

All dies ruft nach noch höheren Steuern und mehr Regulierung. Erste Ansätze sind zu sehen und es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Staaten deutlich stärker als bisher zugreifen werden. Der von Donald Trump angefachte Handelskonflikt dürfte das beschleunigen.

Neben Steuern könnten auch andere Ideen an Gewicht gewinnen. Die bereits zitierte FINANCIAL TIMES hält verschiedene Eingriffe für denkbar. Eine Möglichkeit wäre die Zerschlagung von Unternehmen wie Amazon. In der Tat ist es zumindest problematisch, wenn Amazon seine Position im Handel dazu nutzt, den Einstieg in das Videostreaming-Geschäft nicht nur zu subventionieren, sondern die gigantische Basis an Kundendaten dafür zu nutzen. Damit hat das Unternehmen gegenüber Stand-alone-Spielern wie Netflix einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Denkbar wäre auch, dass die Unternehmen gezwungen werden, die Daten auch Wettbewerbern zugänglich zu machen oder dass die Staaten selber Dienste wie Uber aufbauen und als öffentliche Dienstleistung anbieten.

Besonders charmant finde ich die Idee, die Nutzer –also uns alle – für die Zurverfügungstellung der Daten zu bezahlen. So wie alle Bürger Alaskas jedes Jahr einen Gewinnanteil für das aus dem Land geförderte Öl bekommen, sollten alle Nutzer weltweit eine Entschädigung bekommen, dafür, dass sie Google, Facebook und Co. nutzen. Letztlich ist das Geschäft nur möglich, weil möglichst viele mitmachen und möglichst viel an Daten bereitstellen.

Beim World Economic Forum wurde diese Idee im letzten Jahr diskutiert und sie könnte die Grundlage für ein bedingungsloses Grundeinkommen sein, das nicht der Staat, sondern die Datenmonopolisten bezahlen. Gerecht wäre es allemal. 

NASDAQ läuft nach

Ob es bald dazu kommt, bleibt abzuwarten. Sicher dürfte sein, dass die riesigen Gewinne der Internetkonzerne in Zeiten zunehmender Verteilungsdiskussionen, Handelskonflikte und knappen Kassen die Begehrlichkeiten wecken werden. Die Erwartung, dass die Party ewig weiter geht, steht auf tönernen Füßen.

Hinzu kommt, dass der NASDAQ-Index am Ende von Börsenaufschwüngen als Letzter dreht. Das war schon im Jahr 2000 so, als der NASDAQ noch neue Höchststände erreichte, nachdem DOW und S&P 500 schon in die Baisse gedreht hatten. Ähnlich 2008. Auch heute suchen die Investoren Sicherheit in der guten Ertragskraft des Sektors und dem anhaltenden Momentum der Aktien. Deshalb ist die Stärke des NASDAQ eher ein Warnsignal als ein Grund zur Erleichterung. Aktien können auch trotz guter Gewinne fallen, besonders wenn sie zuvor, getragen von überbordender Zentralbankliquidität, weit über das fundamental gerechtfertigte Niveau gestiegen sind.

Hinterherlaufen ist gefährlich, besonders an den Börsen. Ich bleibe bei meiner Überzeugung, dass es besser ist, Risiken abzubauen.

→ wiwo.de: „Ende der Techrallye, Ende des Börsebooms“, 22. März 2018

20 Kommentare
  1. Bateman sagte:

    Bei den Substanzmangelwerten sollte auch noch Snapchat (Snap Inc) genannt werden. Ein noch schlimmerer Junk als Twitter, der eigentlich längst im penny-Bereich notieren müsste

    – keinerlei nennenswerten USP mehr gegenüber Instagram bzw. anderen chat-Services
    – Zielgruppe bzw. de facto Nutzergruppe verfügt über Zero Zahlungskraft

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  2. Tanja Nolte-Berndel sagte:

    In dem Zusammenhang sei daran erinnert, daß die Firma Microsoft Inc. im Haussezyklus von 2003 bis 2007 quasi eine „lahme Ente“ war, die den Höchststand des Jahres 2000 erst im Jahr 2017 wieder überschritt:

    https://www.boerse.de/historische-kurse/Microsoft-Aktie/US5949181045

    Und dies trotz durchwegs Profitabilität sowie wachsenden Umsätzen und Gewinnen:

    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/timeline/3fa73ef79ced3f95c4f536b1bd6023bf.png

    https://de.wikipedia.org/wiki/Microsoft

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  3. troodon sagte:

    Abseits der Börsenkurse:
    Bei Amazons Marktmacht sollte man zusätzlich noch die Betrügereien von Händlern bzgl nicht gezahlter Mehrwertsteuer erwähnen. Es gehen der EU rd. 50 Mrd. Euro p.a. beim grenzüberschreitenden Handel durch Betrug verloren (natürlich nicht nur durch Amazon Handelspartner).
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/umsatzsteuer-wie-amazon-zur-hinterziehung-genutzt-wird-a-1171381.html
    „Eine umfassende Reform aber peilt die Kommission erst für 2022 an. “
    Kaum noch zu fassen, wie langsam gehandelt wird.
    War auch Thema bei Plusminus am Mittwoch (online verfügbar bis 21.3.2019):
    http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/videos/chinesische-haendler-amazon-video-100.html
    http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/videos/interview-chinesische-haendler-amazon-video-100.html

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  4. Dietmar Tischer sagte:

    >Besonders charmant finde ich die Idee, die Nutzer –also uns alle – für die Zurverfügungstellung der Daten zu bezahlen. So wie alle Bürger Alaskas jedes Jahr einen Gewinnanteil für das aus dem Land geförderte Öl bekommen, sollten alle Nutzer weltweit eine Entschädigung bekommen, dafür, dass sie Google, Facebook und Co. nutzen. Letztlich ist das Geschäft nur möglich, weil möglichst viele mitmachen und möglichst viel an Daten bereitstellen…. könnte die Grundlage für ein bedingungsloses Grundeinkommen sein, das nicht der Staat, sondern die Datenmonopolisten bezahlen. Gerecht wäre es allemal.>

    Charmant und gerecht:

    Eine Entschädigung dafür, anderen zu nutzen.

    Das ist natürlich Ökonomie in Reinstform, hat aber überhaupt nichts bezüglich eines bedingungslosen Grundeinkommens zu tun, weil

    a) fleißig Daten bereitgestellt werden müssen

    und

    b) die Menschen, die das tun, bereits entlohnt werden, sei es durch den Zugriff auf Informationen oder die Möglichkeiten, anderen mitzuteilen, was sie mögen und was nicht.

    Also, bitte mal Runterkommen vom Baum der falschen Erkenntnis und sich den Realitäten zuwenden.

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    • Denis sagte:

      Dem kann ich mich nur anschließen. M.E. ist die Forderung einer staatlich zwangsverordneten Entlohnung der Nutzer daneben, denn diese haben ja bereits einen Nutzen (sonst könnte man sie wohl kaum so bezeichnen ;-), indem sie bspw. bei Google KOSTENLOS eine herausragende Suchmaschine, den besten Kartendienst der Welt, die umfangreichste Videoplattform der Welt usw. nutzen dürfen. Wäre das Angebot nicht für alle Beteiligten (Nutzer, Werbetreibende, Content Creator und Google selbst) attraktiv, würde es wohl kaum solchen Zuspruch finden.

      Regulierung sollte sich stets nur auf ein erforderliches Maß beschränken, denn durch solche vermeintlich kleinen Eingriffe kann das gesamte Geschäftsmodell empfindlich gestört und schlimmstenfalls ganz zerstört werden. Aus gesellschaftlicher Sicht leistet Google durch seine Dienste m.E. in der aktuellen Form einen wichtigen und nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Wohle aller.

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      • SB sagte:

        @Denis: Sie könnten Google-Pressesprecher sein oder werden. ;-) Google ist schon lange keine gute Suchmaschine mehr; sie wird vielmehr aus purer Gewohnheit genutzt (insbesondere in D). Google ist zu einen Anzeigenplatz verkommen, der zudem seine eigenen Dienste in den Vordergrund stellt (Placements). Schauen Sie sich die Suchergebnisse einmal genau an und ermitteln den Anteil des Screens, der noch organischen Treffern vorbehalten ist. Und dann schauen Sie noch auf die mehrfache Listung von Treffern einer Domain in den organischen Suchergebnissen. Ich nutze die Google-Suchmaschine schon lange nicht mehr und es gibt nichts, was ich vermissen und woanders nicht auch finden würde. Die Google Maps dagegen sind besser, als die freien Kartendienste der anderen Anbieter. Im Übrigen ist Google eine riesige Datenkrake, der man soweit wie möglich ausweichen sollte, was selbst bei Nichtnutzung der Suchmaschine nahezu unmöglich ist (wegen Analytics).

  5. Axel sagte:

    Der Markt wird erst crashen, wenn ICH anfange Aktien zu kaufen. Bei Investitionen mach ich NUR Miese (außer bei Schallplatten – 300% sind bei bestimmten lim. Editionen gang und gäbe. Ist natürlich kein Krisenfestes Investment.) Ich bin wohl einer der berühmten Deppen, die immer zu höchstpreisen einsteigen…
    Also, wenn ich anfang Aktien zu verkaufen, sag ich Bescheid. Und dann nichts wie raus…

    Mich wundert allerdings nicht, daß die FANG Aktien steigen. Es geht ja nicht darum, was sinnvoll ist, sondern darum, zu erahnen was die anderen machen. Und dann stürzt man sich mit Schwarmintelligenz auf die Kuh, die gerade en vogue ist und durchs Dorf gejagt wird.
    Und schließlich muß das ständig neu erschaffene Geld ja irgendwo investiert werde. Selbstverständlich gewinnbringend, in den Händen der Vermögensverwalter. Da stürzt man sich dann eben in aller Verzweiflung auf das, was gerade Hip ist…Gegen die emotional gesteuerte Börsenpsychologie ziehen die wohlfeilen intellektuellen Analysen eben meist den Kürzeren…

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    • Jacques sagte:

      Dann kaufen Sie eben Aktien wenn der Markt am Boden ist, wo ist das Problem?
      Es geht ja nicht darum den absoluten Tiefpunkt zu finden, sondern es ist ein Leichtes in einer Rezession und einem entsprechenden Bärenmarkt einfach zu kaufen. Langfristig besser als im Bullenmarkt zu investieren.

      Amazon ist schon ein Spezialfall, Amazon mischt ganze Branchen auf und wird dies auch weiterhin tun. Deshalb ist es so viel wert, zudem wächst Amazon aktuell schneller als noch vor wenigen Jahren. Seit 2015 ist auch erst bekannt wie riesig das Cloud Geschäft von Amazon ist (Nummer 1 vor Microsoft und Google)!

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  6. Mario D sagte:

    Die Werte sind größtenteils wahre Werte. Denn seien wir mal ehrlich ?

    Ohne Amazon, Google, Netflix und co. können die meisten doch gar nicht mehr leben ( sehe das in meinem Bekanntenkreis ).

    Die einzigste Möglichkeit besteht darin diese Giganten politisch aufzuspalten ( Zwangsabspaltung/Auflösung).

    Über die freie Marktwirtschaft kann man nicht mehr gegen sie ankommen.

    Antworten
    • MSt sagte:

      Es gibt noch eine Möglichkeit. Wettbewerb aus dem Ausland zulassen bzw. aktiv fördern. Ein Alibaba würde Amazon schnell die Hälfte der Marktanteile nehmen und den Markt aus einem Monopol in einen hart umkämpften Oligopol verwandeln. Auch im Suchmaschinenmarkt gibt es genug Alternativen zu Google (z.B. Yandex in Russland, Baidu in China)

      Die Frage ist nur, ob ein solcher Wettbewerb politisch gewollt sein kann oder unter Vorwand vom Schutz westlicher Werte im Keime erstickt wird. Denn nur solange unsere Daten im Hoheitsbereich des westlichen Wertebündnisses unterwegs sind, können wir sicher sein, dass kein Missbrauch passieren kann…

      Antworten
  7. mg sagte:

    @MSt bzw. @all:

    Es gibt genügend Konkurrenz zu den grossen Playern. Aber die Presse berichtet zu wenig darüber. Inzwischen ist die meiste Opensource-Software auch recht komfortabel zu bedienen, selbst für Laien.

    Suchmaschine: https://yacy.net/de/index.html (steht erst am Anfang, wird noch kommen)
    Strassenkarten: https://www.openstreetmap.org/
    Filehoster: https://transmissionbt.com
    (A)Soziales Netzwerk: https://diasporafoundation.org
    Computer-OS: https://linuxmint.com
    Instant Messenger: https://chatsecure.org

    Imho sind das die Besten ihrer Klasse (für Otto-Normal-Endkunde). Wer FOSS (Free and Open Source Software) nutzt oder in Zukunft nutzen will, sollte hin und wieder mal was spenden. Die Projekte sind zum Teil darauf angewiesen.

    WhatsApp ist ein Instant Messenger welcher die Nutzer auf den eigenen Servern „einsperrt“. Im Grunde setzt WhatsApp auf die XMPP-Protokollfamilie auf und XMPP-Clients sind prinzipiell miteinander kompatibel ( https://de.wikipedia.org/wiki/Extensible_Messaging_and_Presence_Protocol ).

    Der zur Zeit in der Presse herum geisternde „Facebook-Skandal“ ist übrigens kein Skandal. Das ist deren Geschäftsmodell. Und das von Linkdin, Xing usw. ebenfalls. Sie wollen gar nicht wissen, was die mit Ihren Daten alles anstellen. Wahrscheinlich zermösern und durch die Nase reinziehen.

    Zu Mikroweich muss ich wohl nix sagen. Was Computer bzw. Notebooks angeht… die kann man auch OHNE Windows kaufen. Einfach beim Händler ein bisschen Nachdruck zeigen oder gleich zu einem guten Händler gehen.

    Was die kommerziellen Anbieter angeht… es hindert Sie niemand
    https://www.yandex.com
    https://www.baidu.com
    https://www.alibaba.com
    oder
    https://www.quelle.de
    oder auch
    https://www.buecher.de
    zu nutzen. Das hat doch jeder selber in der Hand. Niemand ist den angelsächsischen Anbietern ausgeliefert. Dazu braucht es keine Bevormundung durch EU-Kommission oder Bundesregierung.

    Sie können auch bei BMW und Mercedes anrufen und sagen, dass Sie erst wieder bei Ihnen ein Auto kaufen werden, wenn sie ein ordentliches EV mit mindestens 600km Reichweite bei 120km/h anbieten. Und wenn die sagen „wir brauchen noch ein bisschen wegen den Akkus und so“, dann sagen Sie halt „Macht mal ein bisschen yalla, yalla, sonst verliert schon wieder ein solides deutsches Qualitätsunternehmen einen treuen Kunden. Und andere werden folgen. Denken Sie an Nokia. Oder an Lycos. Does anybody remember Lycos?“ ;-)

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      >Der zur Zeit in der Presse herum geisternde „Facebook-Skandal“ ist übrigens kein Skandal. Das ist deren Geschäftsmodell.>

      Genauso ist es.

      Was ist dann aber der Skandal?

      a) die UNGLAUBLICHE Naivität der Facebook-Nutzer

      Die haben offensichtlich geglaubt, dass sie etwas umsonst bekommen oder, dass Facebook ihre Daten im Keller einlagert.

      Und

      b) das VERHALTEN der Regierung, die Facebook einbestellt hat.

      Der Bevölkerung soll damit verabreicht werden, dass die Politik Herr der Lage ist, weil Facebook hoch und heilig versprochen hat, dass …

      Das eine ist so fatal wie das andere.

      Ich wünsche mir eine Regierung, die etwa das Folgende zum Thema sagen würde:

      Leute, ihr habt das, was Facebook euch ermöglicht, mit der Währung „persönliche Daten“ bezahlt. Facebook nimmt die Daten und tut etwas damit. Das habt ihr vereinbart (aber natürlich nicht, dass sich Facebook die Daten klauen lässt und andere daraufhin Unerlaubtes tun).

      Bei Facebook passiert im Grunde nichts anderes als das, wenn ihr Brötchen kauft. Ihr bezahlt mit Geld und der Bäcker tut etwas mit dem Geld.

      Ihr sagt dem Bäcker doch auch nicht: Du darfst mit dem Geld aber nichts tun, darfst es nicht weitergeben.

      Also stellt euch nicht so dumm an, denkt lieber nach, was ihr von wem haben wollt und wie ihr bezahlt.

      Wenn euch nicht gefällt, wie Facebook bezahlt werden will, meldet euch bei denen ab.

      Wir als Regierung sind jedenfalls nicht dazu da, eure Gutgläubigkeit bzw. Nachlässigkeit auszubügeln und dort Verantwortung für euch zu übernehmen, wo ihr sie übernehmen könnt.

      Werdet endlich erwachsen.

      Antworten
      • mg sagte:

        Facebook ist der feuchte Traum der Stasi.

        Facebook hat meinen Namen und meine Mobiltelefonnummer, obwohl ich niemals ein Konto bei Facebook eingerichtet habe. Da mein Name und meine Mobilnummer aber in diversen Adressbüchern von Freunden und Bekannten verzeichnet sind und diese ihre Adressbücher bereitwillig bei Facebook hochgeladen haben, hat Facebook diese Daten (und noch mehr) von mir. Facebook hat mein Surfverhalten ohne meine explizite Erlaubnis mit seinen Likebuttons getrackt, bis zu dem Zeitpunkt als ich Ghostery bzw. uMatrix installiert habe.

        Das alles interessiert niemanden, weil niemand einen Schaden für sich beobachtet. Bis eben irgendwann doch.

        Zu den Links oben noch ein Nachtrag. Eine echte Alternative zu Google habe ich bisher noch nicht gefunden. Und wie bereits angedeutet, eine Notwendigkeit ein Konto bei einem (a)sozialen Netzwerk einzurichten sehe ich nicht. Sei es drum.

      • Thomas sagte:

        Ich vermute, dass die Medien und Politik deswegen „so steil“ gehen, weil Trump „mit drin hängt“. Jetzt haben „die Guten und Richtigen“ nicht gewonnen, weil da so fies Daten ausgewertet wurden und Werbung geschaltet wurde. Anscheinend gab’s beim Brexit auch eine Kampagne.

        http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/facebook-skandal-katarina-barley-sieht-demokratie-bedroht-a-1199813.html

        „Facebook-Nutzer müssten mehr Möglichkeiten bekommen zu erfahren, welche Informationen Facebook über sie sammle und wie diese genutzt würden, sagte die Ministerin.“

        Genau, totale Transparenz für den Verbraucher. Die Lösung. Was nur noch Algorithmen auf Servern sichten können, weil es viel zu viel ist, gibt es man dem User zum Download. Dann ist alles heile.

        Ansonsten ist die Naivität der Bürger tatsächlich nicht zu unterschätzen. Vor ca. einem Jahr war ich doch ganz verblüfft, als ein paar Bekannte in Facebook eine Diskussion starteten, weil sie gerade entdeckt hatten, dass es Werbung basierend auf Tracking gibt: „Was, die machen das?“

        Ich denke, das ist erst der unbeholfene Anfang der Social Media-basierten Manipulation. Bei Werbung für Konsumgüter ist es noch relativ harmlos.

        Richtig interessant wird es, wenn Inhalte von Social Media ausgewertet werden und eigens für die Interessen und den Sprachgebrauch sowie basierend auf abgegeben Likes zu anderen Beiträgen individuell optimierte Parteiwerbung geschaltet wird. Ich könnte mir vorstellen, dass der Bereich gar nicht reguliert wird, wenn die Parteien das für sich entdecken. Man stelle sich vor: Man kann den Wähler mit den Themen ansprechen, die ihn gerade beschäftigten und dabei die Feindbilder nutzen, die er hat, und die Sprache benutzen, die seine Freunde sprechen.

        Vielleicht brauchen wir die Minimumdefinition, dass Werbung gar nicht individualisiert sein darf. Ansonsten ist es psychischer Missbrauch und verboten. Das könnte nötig werden.

        Ja. Spannende Zeiten.

        Ansonsten, wer da keinen Bock drauf hat: Stecker ziehen, Buch aufschlagen, Joggen gehen…

      • Thomas sagte:

        Kurze Nachschärfung…

        Mit individualisierter Werbung meine ich inhaltlich individuell gestaltete Werbung basierend auf einer Analyse des Empfängers; nicht Standardwerbung, die per individueller Einzelfallentscheidung geschaltet wird. Das wäre m.E. auch eine mögliche Differenzierung zwischen Werbung und Manipulation. Letztere wäre individuell auf den Empfänger und nicht nur Gruppen von Empfängern konzipiert.

        Weiterhin: Missbrauch scheint ein scharfer Begriff, der darf gerne ersetzt werden. Aber in diesem Kontext gebe ich zu bedenken, dass hier Gruppen das Denken und Fühlen einzelner Personen analysieren und zur Verhaltensbeeinflussung nutzen und dass in vielen Fällen vermutlich der Manipulierte die Mechanismen nicht nachvollziehen kann.

        Natürlich mag man sagen: Das ist doch im zwischenmenschlichen Leben ständig der Fall. Korrekt. Aber hier liegt eine extreme Asymmetrie vor, weil der Manipulierte den Manipulierenden nicht direkt gegenübersteht und zudem der Manipulierende sich technischer Hilfsmittel bedient.

        Vermutlich gibt es hierzu aber auch schon schlaue Schriften… In jedem Fall wieder ein Beispiel, dass man neue Technologien nicht einfach laufen lassen kann.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas

        >Ansonsten, wer da keinen Bock drauf hat: Stecker ziehen, Buch aufschlagen, Joggen gehen…>

        Noch besser:

        Den Stecker gar nicht erst reinstecken.

        Ich habe kein Facebook-, Twitter-, Xing-, etc.-Account.

        Ich wüsste auch nicht, warum ich da eines haben sollte.

        Es ist natürlich klar, dass diese Position im „normalen“ Leben kaum durchzuhalten ist – wer will schon nicht dazugehören. Vom Außenseiter über den Geächteten zum Gesetzlosen ist es dann manchmal kein ewig langer Weg.

        Dennoch scheint es mir richtig, auch einmal nein zu sagen, wenn man NICHTS von der Sache versteht, statt reflexartig nach dem Staat zu rufen, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

        Und es wirkt, wenn es nur genug tun:

        Facebook wird seine Spielregeln sehr wohl ändern, wenn die Nutzer wegbleiben.

        Das Unternehmen mag mächtig sein, ist aber auch ANGREIFBAR bei diesem einfachen Geschäftsmodell.

        So schnell wie Facebook kann keiner Kunden verlieren.

        Wir, die Konsumenten, haben viel mehr Macht als wir denken.

        Wir müssen sie aber auch einsetzen, wenn wir nicht über den Tisch gezogen werden wollen.

      • Thomas sagte:

        @Hr. Tischer: Ich hab z.B. kein WhatsApp. Da ist man dann auch schon bei mittlerweile den meisten raus, die via WhatsApp planen, und wird verwundert angeguckt. Ich sag dann immer, dass es ein Firmenhandy ist und das nicht installiert sein darf, weil damit WhatsApp Zugriff auf alle Firmenkontakte hätte. (Was auch alles stimmt.) Das wird dann zumindest mit dem Blick „Du Armer, aber da kann man nix machen“ akzeptiert und man steht nicht mehr als Technikverweigerer da… Formaler Zwang wird anscheinend leichter akzeptiert als die freie Entscheidung, nicht mitzumachen ;)

  8. Klaus Samer sagte:

    Wenn man sich die Entwicklung der Aktienkurses von Tesla in den letzten 2 Tagen ansieht und wie Amazon heute abgeschnitten hat könnte man auf die Idee kommen es sei eine Trendwende.

    Ein amerikanischer Hedgefondmanager hat ja geäußert „wenn nicht Tesla was soll man dann shorten ?“

    Eine etwas präzisere Ausführung findet sich hier :

    https://www.forbes.com/sites/jimcollins/2018/03/26/teslas-plummeting-share-price-shows-that-musk-is-running-out-of-time/#14f1ffda578a

    In der deutschen Presse werden ja Amazon und Bezzos immer hochgelobt und was für ein tolles Unternehmen das sei, und wie reich man geworden wäre wenn man rechtzeitig die Aktie gekauft hätte. Buffett hat auf einer der letzten Anlegerkonferenzen geäußert das sich in Bezug auf Amazon wohl geirrt habe.

    Hat er aus meiner Sicht nicht ein KGV von 245 spricht eine eigene Sprache. Ich würde davon ausgehen das Amazon im nächsten Crash 90% verliert dann hätte es immer noch ein KGV von 24,5.
    Buffett wird dann immer noch unter den reichsten Männern sein; Bezzos eher nicht.

    Amazon ist groß aber größe alleine nützt nix vorallandingen dann nicht wenn die 1,8 Gewinn die man erwirtschaftet überwiegend aus dem Cloudgeschäft und nicht aus dem Gemischtwarenladen kommen.

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