„Das letzte Hurra“

Dieser Kommentar von mir erschien bei WirtschaftsWoche Online:

Der Aufschwung an der US-Börse basiert auf immer weniger Aktien. Die Weltmärkte haben sich schon lange vom amerikanischen Markt abgekoppelt. Bald dürften auch die USA dem Welt-Trend nach unten folgen.

Nach Apple ist es nun auch Amazon gelungen, die magische Marke von 1.000 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung zu durchbrechen. Beeindruckende Werte, die als solches nichts darüber aussagen, ob Apple und Amazon nun teuer oder billig sind. Unzweifelhaft sind beide Unternehmen hoch erfolgreich. Unzweifelhaft prägen sie dabei die Märkte, in denen sie tätig sind, nachhaltig. Apple ist sicherlich mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis in der Größenordnung von rund 17 und gigantischen Cashbeständen anders zu beurteilen als Amazon, die fast keinen Gewinn ausweisen und bei erheblichen Investitionen mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weit über 100 notieren.

Beide gehören zur Gruppe der FAANGS, die, wie ich bereits mehrfach an dieser Stelle diskutiert habe, einen immer größeren Anteil am Aufschwung an den Märkten haben.

FAANGS allein zu Hause

Während der Dow-Jones-Index und der breitere NYSE-Composite-Index, der 2.000 Werte umfasst, noch deutlich unter ihren Höchstständen vom Jahresanfang notieren, liegen die spekulativere Technologiebörse NASDAQ und der S&P 500 auf neuen Höchstständen. Allerdings ist dies keine breite Aufwärtsbewegung, sondern eine Entwicklung, die von immer weniger Werten abhängt. So stehen hinter dem Rekord im S&P 500 vor allem sechs Aktien: Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Microsoft und Google (Alphabet). Immerhin ein Drittel der Kursgewinne seit dem Tief vom Februar geht auf diese Werte zurück. Beim NASDAQ ist die Entwicklung extremer. Nach Daten von Bloomberg haben allein Amazon, Apple, Netflix und Google einen Anteil von 48 Prozent am Durchbruch über 8000 Punkte.

Damit hat die Marktbreite des Aufschwungs, ohnehin schon seit Monaten rückläufig, noch weiter abgenommen. Ein eindeutiges und überzeugendes Warnsignal.

Am 26. Januar, als der S&P 500 den letzten Höchststand vermeldete, notierten immerhin 25 Prozent der im Index enthaltenen Aktien auf neuen Höchstständen. Am 24. August, als der Index den Höchststand vom Januar erstmals übertraf, verzeichneten nur acht Prozent der Indexaktien neue Rekorde. Der breite Markt hat sich schon lange vom Bullen verabschiedet, während immer weniger Aktien den Markt noch auf neue Indexhöchststände treiben.

Schon in der Vergangenheit waren es die spekulativeren Märkte und Aktien, die am Ende des Aufschwungs an der Börse noch einmal richtig Gas gaben:

  • In den 1960er-Jahren erreichte der Dow Jones im Jahre 1966 den Höchststand, der Vorläufer der NASDAQ, der OTC-Index („Over the Counter“, steht für kleinere und spekulativere Aktien) erst im Jahre 1969. Kurz danach ging es deutlich nach unten.
  • Im Jahre 2000 dauerte es nicht mehr so lange. Die NASDAQ stieg noch bis Mitte März, während der Dow Jones schon im Januar den Höchststand erreichte.
  • 2007 war es ähnlich: Während Dow und S&P am 11. Oktober die Höchststände verzeichneten, war das bei der NASDAQ 20 Tage später der Fall.

Natürlich kann man auf dieser Basis keine zeitlichen Prognosen abgeben, doch zumindest die deutliche Warnung, dass wir uns rasch einem dramatischen Wendepunkt nähern könnten. Dramatisch, weil wir es angetrieben vom billigen Geld der Notenbanken mit einer Blase zu tun haben, die faktisch alle Vermögensmärkte erfasst hat, wenngleich einige bereits in die Baisse abgetaucht sind, wie beispielsweise die Schwellenländer, die mit einem Minus von über 20 Prozent gegenüber den Höchstständen nun auch ganz offiziell im Bärenmarkt sind.

Alter Bulle?

Viel wurde geschrieben über die Dauer des Aufschwungs an den Börsen. Einige Kommentatoren sprechen gar vom längsten Bullenmarkt aller Zeiten, der natürlich nicht nur deshalb enden muss, weil er schon lange dauert. Das ist sicherlich richtig. Man muss aber im Hinterkopf haben, auf welchen Faktoren die Börsenentwicklung basiert. Schon vor Monaten habe ich gezeigt, dass die Entwicklung vor allem auf eine höhere Bewertung und nicht so sehr auf steigende Gewinne zurückgeführt werden muss:

So haben die US-Börsen zwischen 2010 und 2017, gemessen am S&P 500 einen beeindruckenden Zuwachs von 12,9 Prozent pro Jahr erzielt, der sich so erklären lässt:

  • Ausschüttungen (Dividenden, Aktienrückkäufe): 2,8 Prozent p. a.
  • Wachstum der Unternehmen: 3,1 Prozent p. a.
  • Steigerung der Profitabilität (Umsatzmarge): 3,2 Prozent p. a.
  • Höhere Bewertung an der Börse (Multiple): 3,8 Prozent p. a.

Während der Beitrag von Ausschüttungen und das Wachstum auf dem Niveau liegen, das auch langfristig erzielt wird, liegt die Wirkung von Profitabilitätssteigerungen und der Erhöhung der Bewertung deutlich höher. Die Unternehmen haben also vor allem über Kostensenkungen und Financial Engineering also den Ersatz von teurem Eigenkapital durch billige Kredite – die Marge gesteigert und die Anleger waren angesichts der tiefen Zinsen bereit, immer mehr für Aktien zu bezahlen. Beides lässt sich nicht in Ewigkeit fortschreiben.

Die Steuerreform von Donald Trump hat zweifellos nochmals Öl ins Feuer geschüttet, was allerdings nur ein weiteres Strohfeuer ohne nachhaltigen Effekt ist. Perspektivisch kommen die Gewinne unter Druck, gerade auch wenn es zu einer weiteren Verschärfung der Handelskonflikte kommt.

Die Unternehmen verwenden den Mittelzufluss aus der Steuerreform vor allem für den Rückkauf eigener Aktien. Goldman Sachs schätzt, dass US-Unternehmen – trotz ihrer schon bereits jetzt ungesunden Verschuldung – in diesem Jahr für 1.000 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen werden. Dies wäre ein neuer Rekord, der letzte Höhepunkt war mit rund 700 Milliarden US-Dollar im Jahr 2007. Auch im Jahr 2000 gab es eine Welle an Rückkäufen, die allerdings mit rund 200 Milliarden verglichen mit dem, was in den Folgejahren passierte, im Rückblick lächerlich erscheint.

Unternehmen sind damit schon seit Jahrzehnten die prozyklischsten Investoren am Aktienmarkt. Sie kaufen dann, wenn es ihnen am besten geht und die Aussichten für die Wirtschaft allgemein positiv gesehen werden. Also genau dann, wenn auch die Börse auf einem Höhepunkt notiert. 2009, nur zwei Jahre nach dem bisherigen Rekordvolumen von Rückkäufen mussten nicht wenige Unternehmen bei deutlich tieferen Kursen Kapitalerhöhungen vornehmen. Teuer kaufen, billig verkaufen ist kein Weg zum Reichtum.

Es gehört nur wenig Fantasie dazu, sich vorzustellen, dass es diesmal noch schlimmer wird. Die Qualität der Bilanzen der Unternehmen hat sich gerade in den USA in den letzten Jahren derart drastisch verschlechtert, dass sogar der Internationale Währungsfonds hier und vor allem im Markt der Hochrisikoanleihen, der in den letzten Jahren förmlich explodiert ist, das Zentrum der nächsten Finanzkrise sieht.

So oder so ist der Aufkauf eigener Aktien in Rekordhöhe kein gutes, sondern ein schlechtes Zeichen für die Restlebensdauer dieses Bullenmarktes.

War das der Melt-up?

Stellt sich die Frage: War das schon der Melt-up-Boom, von dem im Januar so viel die Rede war? Gemeint ist ein dramatischer und unerwarteter Preisanstieg, der durch einen Run der Anleger ausgelöst wird, die Angst haben etwas zu verpassen anstatt durch eine wirkliche Verbesserung in der Realwirtschaft. Letzteres kann einem egal sein, Hauptsache man ist mit dabei.

Damals hatte ich eine Studie von Jeremy Grantham vom Bostoner Vermögensverwalter GMO zitiert, in der die Charaktermerkmale früherer Blasen analysiert und auf die heutige Situation übertragen werden. Kernergebnis: Obwohl die Börse schon heute so teuer ist wie vor dem Börsenkrach 1929 – nur in der Dotcom-Blase war die Bewertung an der Wall Street noch höher – könnte es durchaus sein, dass die Märkte in den nächsten 21 Monaten nochmals 60 Prozent zulegen. Kursziel wären damit bis zu 3.700 Punkte im S&P 500. Bis dahin fehlen uns immerhin noch fast 1.000 Punkte.

Andererseits machte die Analyse deutlich, dass es ein untrügliches Zeichen für einen Melt-up ist, dass der Markt sich immer mehr auf wenige Werte konzentriert, die gekauft werden, weil man auf weitere kurzfristige Kursgewinne setzt, nicht weil die fundamentale Bewertung so attraktiv ist. Man kauft jene Aktien, die in der jüngsten Vergangenheit am meisten zugelegt haben. Das trifft auf die FANGs sicherlich zu und damit auf den gesamten Markt. Gut möglich also, dass wir gerade den Melt-up erleben, ohne ihn richtig wahrzunehmen, weil der Gesamtmarkt bereits so angeschlagen ist.

Das Ende ist nah

The End is near“ titelt das US-Magazin FORTUNE in seiner Augustausgabe: Die Konjunktur in den USA wird sich abschwächen, der Bullenmarkt enden. Nun könnte man meinen, die naheliegende Schlussfolgerung ist, Aktien zu verkaufen und das Geld in kurzlaufenden US-Staatsanleihen zu parken. Letztere bringen mit rund zwei Prozent mehr als vergleichbare Anleihen hiesiger Krisenländer. Doch weit gefehlt. FORTUNE empfiehlt an Aktien festzuhalten, lediglich die Gewichtung zugunsten der zuletzt stark gefallenen Schwellenländer zu erhöhen. So sehr ich die Logik für einen höheren Anteil der Schwellenländer teile, so sehr ist es doch auch ein Zeichen für einen zu großen Optimismus. Kommt es nämlich zu Rezession und Korrektur an der Börse, kann dies sehr schnell deutliche Ausmaße annehmen. Ein Szenario, in dem Amerika fällt, die Schwellenmärkte und Europa jedoch steigen, ist schwer vorstellbar.

Womit wir beim Fazit sind, das regelmäßige Leser dieser Kolumne nicht groß überraschen wird. Immer mehr Zeichen deuten darauf hin, dass wir uns in den letzten Wochen der Aufwärtsbewegung befinden. Die Wall Street ist der letzte Markt weltweit, der neue Höchststände erreicht. Der Rest der Welt liegt im Minus. Besonders ausgeprägt ist das Minus in den Schwellenländern, was wie der Kanarienvogel in der Kohlemine auf zunehmenden Stress im Weltfinanzsystem hindeutet. Letzteres ist so hoch verschuldet wie noch nie und dies immer mehr in Fremdwährung, vor allem dem US-Dollar, was die Anfälligkeit erhöht. In den USA täuschen derweil die Indizes eine Entwicklung vor, die so gar nicht gegeben ist. Der breite Markt ist auch hier rückläufig, dies wird noch von der herausragenden Performance einiger weniger Aktien überkompensiert. Diese wiederum sind zunehmend so hoch bewertet, dass es schwerfällt, sie aus fundamentaler Überzeugung heraus zu kaufen. Gekauft werden sie, weil sie schon gestiegen sind. Derweil werden die mahnenden Stimmen deutlicher.

Was ist wohl wahrscheinlicher: dass die Weltbörsen demnächst den FAANGs nach oben folgen oder das Gegenteil? Ich persönlich bereite mich auf das zweite Szenario vor.

→ wiwo.de: „Das letzte Hurra“, 13. September 2018

42 Kommentare
  1. Dietmar Tischer sagte:

    >Während der Beitrag von Ausschüttungen und das Wachstum auf dem Niveau liegen, das auch langfristig erzielt wird, liegt die Wirkung von Profitabilitätssteigerungen und der Erhöhung der Bewertung deutlich höher. Die Unternehmen haben also vor allem über Kostensenkungen und Financial Engineering – also den Ersatz von teurem Eigenkapital durch billige Kredite…>

    Genau das ist der Punkt.

    Wenn die Höherbewertung auf der Finanzierung beruht, dann hängt auch eine niedrigere Bewertung davon ab.

    Die haben aber nicht die Unternehmen und die Investoren in der Hand, sondern die Notenbanken – und selbst die nicht vollständig.

    Jeder Anleger sollte sich dessen bewusst sein und seine Entscheidungen unter Einbeziehung dieses Sachverhalts treffen.

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    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Mirko Kohlbrecher

      Die „Schumpetersche“ Zerstörung nicht nur als KREATIVEN Veränderungsprozess sehen, sondern ihn zu Ende denken:

      Die neuen Technologien brauchen auch eine hinreichend große „Alt“-Basis, auf der sie aufsetzen (müssen), um WIRTSCHAFTLICH erfolgreich zu sein. Eine funktional nützliche Innovation ist nicht schon per se ein wirtschaftliche Erfolg.

      Konkret:

      Das durch Technologie getriebene Verfahren Online-Handel wird nicht wieder verschwinden, aber AMAZON als Unternehmen würde gewaltig Federn lassen müssen, wenn sein Wachstum aufgrund fehlender Kaufkraft ausbliebe.

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      • Lenz sagte:

        Bei Amazon sehe ich keine echte Markteintrittsbarriere, abgesehen vom „Prime“, welches der sparsame Mensch ja ausnutzen muss und sicher immer verpasst zu kündigen. Deren Shop begeistert mich nicht, ….

        Bei Apple (da bin ich -noch- drin) sehe ich das anders, echte Markteintrittsbarriere, quasi Abo-Einnahmen durch Shops bei 2 Mrd. Geräten mit iOS12, halt teuer – aber ein echter Mehrwert für den Nutzer, per Abo bezahlbare Geräte …
        Irgendein „Apple Pay“ würde mit wenig Aufwand Geld ohne Ende in die Kasse spülen.

        4 Alu Felgen für meinen normalen PKW kosten 500 €, verglichen mit einem iPhone ist klar, wo ich einen echten Nutzen habe.

        Bei Google/Alphabet sehe ich auch einen kostenfreien Mehrwert – mit dem Gedanken: Wenn es nichts kostet, bist du die Ware :-( .

  2. P. Adel sagte:

    Falle Aktionrückkäufe
    „Die Unternehmen haben also vor allem über Kostensenkungen und Financial Engineering – also den Ersatz von teurem Eigenkapital durch billige Kredite – die Marge gesteigert und die Anleger waren angesichts der tiefen Zinsen bereit, immer mehr für Aktien zu bezahlen.“ und „Unternehmen sind damit schon seit Jahrzehnten die prozyklischsten Investoren am Aktienmarkt.“
    Folglich sind die Aktienrückkäufe volkswirtschftlich besonders schädlich, denn gerade diese erhöhen die Verschuldung und machen die Firmen kriesenanfälliger. Daher wären (steuerliche) Sanktionen für Aktienrückkäufe bei (stärker) verschuldeten Unternehmen und Anreize für die Kapitalbeschaffung durch Kapitalerhöhungen eine zielführende Maßnahme. Es gilt die Verschuldung abzubauen indem man die Eigenkapitalbildung fördert.

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    • Dietmar Tischer sagte:

      @ P. Adel

      >Daher wären (steuerliche) Sanktionen für Aktienrückkäufe bei (stärker) verschuldeten Unternehmen und Anreize für die Kapitalbeschaffung durch Kapitalerhöhungen eine zielführende Maßnahme. Es gilt die Verschuldung abzubauen indem man die Eigenkapitalbildung fördert.>

      Das ist prinzipiell richtig.

      Aber man verschiebt damit die Besteuerung noch mehr hin zur Bilanzakrobatik, nämlich darauf, WIE „stärker verschuldet“ festgestellt wird.

      Fremdfinanzierung muss unattraktiver werden zugunsten der Eigenfinanzierung, die für Investitionen steuerlich gefördert werden kann und auch muss, weil wir uns sowieso schon in einem internationalen Steuerwettbewerb befinden.

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      • P. Adel sagte:

        @ Dietmar Tischer,
        da stimme ich Ihnen weitestgehend zu. Mit der Nebenbemerkung ging es mir eigentlich nur um Unternehmen die praktisch schuldenfrei sind. Bei denen die Schulden durch liquide Mittel und durch den Wert der Handelware oder ähnliches weitestgehend abgedeckt ist. Denen muss man natürlich auch eine straflose Ausschüttung von Eigenkapital gestatten. Und Aktienrückkäufe sind eben eine Eigenkapitalausschüttung. Ansonsten stimme ich mit Ihnen da völlig überein.

  3. Azius sagte:

    Inwieweit sich China und Russland von einem Dollar-Euro-Börsencrash abkoppeln können, ist ungewiss – z.B. durch ein eigenes Swift-System, einer goldgedeckten Währung, abgekoppelten
    Öl-Handel etc.
    Hier wissen wir zu wenig, was tatsächlich im Hintergrund läuft.

    Angekommen sind wir aus meiner Sicht an einem außergewöhnlichen Wendepunkt der Geschichte.
    Geo-politisch, geo-monetär, geo-wirtschaftlich, geo-evolutionär etc.

    Unsicherheit war schon immer ein Vorbote grundlegender Veränderungen und Transformationen.
    Was kann die menschliche Kreativität leisten, um diesen Wendepunkt human zu vollziehen?
    Denn die Verharrungskräfte sind noch stark, zäh und listig.

    Solange die Menschen ihr Smartphone umklammern, als hätten sie ihren Schöpfer in der Hand, mit VR-Brillen und Bluetooth-Kopfhören, mit Smartspeakern und Tablet-Spielen die Kulisse der Realität vorziehen und sich verweigern, sich selbst zu finden, werden die Prognosen düster bleiben.

    Das Kaiserreich der Technologie kann die totale Herrschaft über den Planeten übernehmen.
    Die Frage ist, wem sie dient
    Die Verschmelzung von Biologie und Technologie ist bereits umfassend präsent.
    Die moralische Entwicklung scheint aber zur technologischen Entwicklung im Rückstand zu sein.
    Und es gibt viele ethische Ungewissheiten.

    Die moralische Orientierung ist große Herausforderung an die Kreativität der Menschheit.

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      • Alexander sagte:

        @ Azius

        > Eingriff ins das menschliche Biosystem, das war noch nie….

        Ich teile ihre Beobachtung, aber es ist eine sehr alte Utopie – Gott zu spielen.
        Wikipedia spricht von Transhumanismus und @Michael Stöcker verwies auf Noel Hariri und sein Werk „Homo deus“.

        Die offensichtliche Experimente sind meiner Empfindung nach ein ethischer Verstoß gegen die Natur.
        https://youtu.be/yyYWtWqYeVw
        Das wird ebenso wenig gut gehen, wie die absichtlicher Zerstörung europäischer Gesellschaften durch unkontrollierte Massenzuwanderung.

        Beides entspringt denselben politischen Kreisen und kann, sobald erkannt ebenso demokratisch politisch bekämpft werden.

        Das Erkennen hat gerade erst begonnen…

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Azius

        Auch ohne die vielen Ausrufezeichen ist ersichtlich:

        So war es noch nie.

        Das kann man von oben nach unten oder von links nach rechts durchdeklinieren.

        Nur:

        Das ist IMMER so.

        Selbst wenn man den Eingriffen in das menschliche Bio-System, die aus der Genforschung und Gentechnik entspringen, eine neue Qualität unterstellt – was ich auch tue und zu REFLEXIONEN zwingt, etwa denen, die Habermas mit „Die Zukunft der menschlichen Natur“ vorgelegt hat –, ist es keine, die eine ANDERE moralische Orientierung der allermeisten Menschen bzw. der Gesellschaft ERZWINGEN kann.

        Man wird damit umgehen, wie man immer mit allen Veränderungen umgegangen ist:

        Wenn Veränderungen etwas nützen und Vorteile bringen, werden sie erlaubt oder gar befördert.

        Schaden sie flächendeckend, wird man einschreiten.

        Es fehlt jede Grundlage, etwas anderes anzunehmen.

        Insoweit sind Diskussionen angebracht und erforderlich.

        Individuelle Erregungszustände werden den Lauf der Dinge nicht ändern, sind aber natürlich erlaubt und dürfen sich selbstverständlich bemerkbar machen.

        Noch ein Gedanke an Sie:

        Wenn sich die menschliche Spezies, also das, was der Mensch heute IST, durch Gentechnik und Genforschung oder auch durch den Gebrauch von bestimmten Technologien fundamental ÄNDERN sollte, dann ist das EVOLUTION.

        Eine andere zwar als die „primitive“, naturwüchsige der Vergangenheit, aber auch „nur“ eine Evolution.

        Es mag zu viel verlangt sein, aber gegebenenfalls sollten Sie einmal darüber nachdenken, ob der SCHÖPFERMYTHOS der Religionen die richtige Basis ist, mit Veränderungen umzugehen.

  4. Wolfgang Selig sagte:

    Sie schreiben, die FAANGS werden gekauft, weil sie schon gestiegen sind. Vielleicht. Vielleicht werden sie aber auch gekauft, weil ihre Marktkapitalisierung für Großanleger angenehm hoch und die Makteintrittsbarriere für Wettbewerber unfassbar hoch ist. Es sind wohl aus Anlegersicht keine amerikanischen Aktien mehr, sondern Weltmarktmonopolisten mit entsprechender Preissetzungsmacht. Ihre Kurse brechen vielleicht beim margin call deutlich ein, aber richtig rappeln würde es wohl nur bei einer drohenden Zerschlagung durch die großen Kartellämter der Welt.

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    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Azius

      Sie meinen offensichtlich, dass die Moral EIGENSTÄNDIG ist, weil sie Ursache sei.

      Das ist sie in gewisser Weise, weil sie – wie ich meine – letztlich unserer nicht eben mal so zu ändernden Konstitution entspringt.

      Aber sie ist KEINE Ursache, die das, was die Faktizität der Welt ist, wie sie sich in Daten und Fakten ausdrückt, grundlegend ändert.

      Die Erfindung des Schießpulvers oder z. B. der erste Weltkrieg wurden weder durch Moral zu Ereignissen, noch wurden sie durch Moral verhindert.

      Moral ist auf das Individuum beschränkt, das auch zu ANDERS motivierten Handlungen fähig ist und solche auslöst.

      Diese können Mechanismen aktivieren, die mit Moral nichts zu tun haben.

      Deren Ergebnisse können freilich unter moralischen Gesichtspunkten bewertet werden.

      Ich habe den Eindruck, dass sie ein WELTFREMDES Bild von dem haben, was ist und wie es sich entwickelt.

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  5. Ingo Asalla sagte:

    Ich frage mich, wie Herr Stelter zu der Meinung kommt, dass es sich bei der Aufwärtsbewegung am US-Aktienmarkt nicht um eine breite Bewegung handelt. Schauen Sie sich bitte die Entwicklung folgender Indices an: Russell 2000, Russell 3000 und Wilshire 5000.
    Bei diesen Indices handelt es sich um sehr breite Marktabdeckungen. Der Wilshire 5000 ist ein Total Market Index, in dem alle börsennotierten Unternehmen mit Hauptsitz USA gelistet sind. Stand am 15.September 2017: 25.842 Punkte // Stand 14.September 2018 30.119 Punkte. Somit eine Steigerung von 16,55%. Der S&P 500 stieg in der gleichen Zeit von 2.500 Punkten auf 2.904 Punkte, was einer Steigerung von 16,16% entspricht. Der Russell 3000, der immerhin 3.000 US-Unternehmen abbildet, stieg während dieser zwölf Monate um 16,7%. Im S&P sind Unternehmen enthalten, die sowohl an der NASDAQ als auch an der NYSE gehandelt werden. Der Nasdaq Composite, der zwar sehr technologielastig ist, bildet aber ebenfalls 3.000 Unternehmen ab.Er legte in den vergangenen zwölf Monaten über 24%.
    Ausreichend Argumente, von einem breiten Anstieg zu reden, denke ich. Achso, ehe ich es vergesse: der von Herrn Stelter angesprochene Dow Jones Index bildet lediglich 30 Unternehmen ab. Er legte jedoch auch um mehr als 17% zu.Ob allerdings die Aussagekraft dieses Index maßgeblich für die tägliche Bewertung des Aktienmarktes sein kann, beurteilen Sie bitte selbst. Man sollte beachten, dass dessen Zusammensetzung noch immer vom Ermessen des Herausgebers des WSJ abhängt.
    Anhand der hier besprochenen und sehr breit aufgestellten US-Indizec kann nicht die Schlußfolgerung gezogen werden, dass nur technologielastige Unternehmen für deren Anstieg sorgten, wenngleich sie eine große Rolle spielen.
    Ich denke, man solle etwas tiefer in die Analyse eindringen. Man kann feststellen, dass fast immer nur eine geringe Menge von Unternehmen die Märkte „zieht“. Deren Zusammensetzung ändert sich regelmäßig. Heute sind es eben Technologieunternehmen. Warum ist das so? Bilden sie vielleicht die Zukunft ab?
    Zum Schluss noch eine Anmerkung zum Dow Jones: auch in diesem Index befinden sich Technologiewerte! Zum Beispiel Apple, Cisco Systems, Microsoft, United Technologies. Die meisten in ihm gelisteten Unternehmen dürften klassischen Sektoren zugeordnet werden. Diese Unternehmen werden auch als stetige Unternehmen bezeichnet. Stärkste Abgrenzung zum Tech-Sektor? Wachstum. Firmen wie Coca-Cola und Johnson & Johnson wachsen kaum noch. Sie werden, dass ist allerdings richtig, vom Markt gezogen, heißt, deren Kurse ziehen im Sog der Kursentwicklungen von Tech-Unternehmen ebenfalls an. Wachstum stellt einen wichtigen Treiber für Kurssteigerungen dar. Dividendenrenditen eher nicht.

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  6. MSt sagte:

    „Goldman Sachs schätzt, dass US-Unternehmen – trotz ihrer schon bereits jetzt ungesunden Verschuldung – in diesem Jahr für 1.000 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückkaufen werden.“

    Dazu mal ein Gedankenexperiment:
    1. Wir setzen 1.000 Milliarden Dollar der Marktkapitalisierung von S&P 500 (ca. 25.000 Milliarden) entgegen. Dieses Jahr werden also ca. 4% der Marktkapitalisierung über Aktienrückkäufe aus dem Verkehr gezogen.
    2. Wir schreiben die Entwicklung in die Zukunft fort. Sagen wir mal 10 Jahre. Es werden Aktienrückkäufe in Höhe von 40% der jetzigen Marktkapitalisierung sein.
    3. Wenn die Aktienrückkäufe auch noch nicht konstant sondern (in der Logik des Wachstumszwangs) jährlich steigen werden, so sind wir schnell bei >50%-60% des heutigen Marktwertes..

    Eine gigantische Nachfrage, die auf ein immer knapper werdendes Angebot treffend zu einem massiven Aufwertungsdruck bei Aktien führen könnte.

    Wenn man das Szenario für logisch hält, dann sollte man:
    1. Sich auf dieses Szenario mit einer guten Aktienquote vorbereiten. Ob die von Dr. Stelter empfohlenen 25% ausreichen? Voraussetzung ist natürlich, dass man überhaupt ein Vermögen besitzt.
    2. Wenn man kein Vermögen besitzt, so könnte es sein, dass nach den Immobilien auch Aktien bald angesichts der extremen Bewertungen nicht investierbar werden, und dass in Zukunft kaum eine Möglichkeit zum Vermögensaufbau übrig bleibt. Was bleibt ist wohl nur die eigene Arbeitskraft als Einkommensquelle. Also massiv in die Bildung investieren. Eigene und die der Kinder.

    3. Wenn die Unternehmensgewinne in Zukunft unter immer weniger Eigentümern aufgeteilt werden und Vermögen nur über Erbschaft zu bekommen ist, geht die Spreizung der Gesellschaft weiter. Somit dürfte die Welle des Populismus und Radikalismus in verschiedene Richtungen erst am Anfang stehen. Also auf Verwerfungen jedweder Art vorbereitet sein.

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    • Veking sagte:

      Inzwischen haben ja auch viele Versorgungskassen auf einen 50 % igen Aktienanteil umgestellt. Kürzlich hat die Allianz bekanntgegeben, im Lebensversicherungsbereich ebenfalls 50 % der Anlagegelder in Aktien zu investieren. In Erwartung langfristig niedriger Zinsen, muß halt Rendite erwirtschaftet werden, auch, wenn es bei Aktien dann vielleicht nur noch 2 % bis 5 % sind. Da die Versorgungskassen sehr langfristig anlegen, wird die Volatilität auch nicht als besonderes Risiko gesehen.
      Dadurch wird sich die Nachfrage nach Aktien aus meiner Sicht weiter erhöhen und ein erwarteter Crash nicht die vielleicht angenommenen Auswirkungen haben.
      Bei Immobilien werden ja oft Anlageobjekte und selbstgenutzte Immobilien in einen Topf geworfen. Natürlich kann der Immobilienmarkt schwanken und spanische oder Londoner Immobilienfonds können 20 % sinken oder Dubliner Immobilien 10 % steigen. Aber die selbstgenutzte Immobilie in Großstädten wird trotz niedriger Zinsen und Baukindergeld teuer bleiben und für Normalverdiener / Angehörige der Mittelschicht schwer erschwinglich bleiben.
      Ebenso könnte sich die Altersvorsorge mit Aktiensparen entwickeln. Es bleibt nur noch die Möglichkeit, über Sparraten in Fonds zu investieren und langfristig eine niedrige Rendite zu erzielen.

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      • RaS sagte:

        Wenn die deutschen Lebensversicherer anfangen, hohe Aktienquoten aufzubauen, ist der Abschwung nicht mehr weit. (Die Mannheimer (oder das was davon übrig blieb) kann ein Lied davon singen.) Das war das letzte Mal um die Jahrtausendwende. Das Timing der Versicherer ist da sagen wir suboptimal. Aber irgend einen doofen finden die Amis immer, um ihren überteuerten „Müll“ abzuladen, bevorzugt in D. Dumb German Money eben. 2007/08 waren es die Landesbanken, diesmal sind wieder die Versicherer dran. :-))
        Selbst die Briten (LV´S), die ja deutlich mehr Erfahrung im Aktienbereich haben, haben sich in den Nuller Jahren heftig die Finger verbrannt. Der ehemalige AAA Versicherer Standardlife wurde mit voller Wucht an die Wand gefahren und konnte sich nur noch über eine Demutualisierung retten. Ich kann mich in diesem Zusammenhang noch an die Pensionsrückstellungen für die dafür verantwortlichen Chefs erinnern; „unanständig“ ist da sehr freundlich ausgedrückt.

      • Veking sagte:

        @ RaS
        „2007/08 waren es die Landesbanken, diesmal sind wieder die Versicherer dran. :-)“
        Waren es bei den Landesbanken Aktien oder eher Schuldverschreibungen, die zur Krise geführt haben? Die Versorgungskasse der Banken hat vor einiger Zeit schon die Kapitalanlage von 100 % Anleihen auf 50 % Aktien und ca. 15 % Immobilien umgestellt.

  7. Ingo Asalla sagte:

    Ist eigentlich irgendwer in Aktien, in US-Aktien, investiert?

    @Herr Stelter: Crashs herauf zu beschwören, kann nicht das Ziel sein. Keiner von uns kann vorhersagen, ob, geschweige wann, es zu einem Rückgang kommt. Wahrscheinlich ist, dass es passiert. Auch der nächste Auslöser kann nicht kalkuliert werden. Sind es wieder Kreditausfälle? Vielleicht. Allerdings ist sowohl der US-Immobilienmarkt als auch der der US-Unternehmenskrediten nicht von nennenswerten Ausfällen geprägt. Auch die Verzugsraten sind in diesem Segment nicht nennenswert angestiegen. Bei Krediten für Fahrzeuge, Kreditkarten und Studenten sieht es anders aus. Aber reichen die Volumina aus, um eine Krise auszulösen? Vielleicht wird die nächste Krise durch Währungen ausgelöst? Wer es weiß, melde sich bitte.
    Immmerhin hat die FED aus der Vergangenheit gelernt. Sie kommuniziert deutlich besser als vor 10 Jahren ihr Handeln und bereitet die Märkte somit vor. Und sie geht deutlich sanfter vor, als vor 10 Jahren.
    Wie gesagt, es darf als sicher gelten, dass es zu einer neuen Krise kommt. Das gesamte System bewegt sich in Zyklen. Diese Zyklen gehören zum wesen des Kapitalismus. Wenn also etwas geändert werden muss, dann das System. Möchten Sie das? Ich nicht. Und ich kenne niemanden, der bis heute eine wirklich attraktive Alternative gefunden hätte. Wenngleich das heutige System nicht perfekt ist, ist es das Beste, was es je gab.

    Antworten
  8. ikkyu sagte:

    @Ingo Asalla

    Die positive Wirkung des kapitalistischen Systems mit privatem Eigentum und die negativen Auswirkungen von kollektivistischen Systemen mit Staatsbevormundung kann man ganz einfach an den unterschiedlichen Zuständen in öffentlichen und privaten Toiletten erkennen.

    Ohne Eigennutz oder dem Gefühl der Verantwortlichkeit (das sich oft erst einstellt, wenn sich die Leute beobachtet fühlen) bleibt von der Kultur des modernen Menschen nicht viel übrig.

    Antworten
    • Michael Stöcker sagte:

      „Ohne Eigennutz oder dem Gefühl der Verantwortlichkeit (das sich oft erst einstellt, wenn sich die Leute beobachtet fühlen) bleibt von der Kultur des modernen Menschen nicht viel übrig.“

      Das ist wichtig, reicht aber allein noch nicht aus. Es ist insbesondere die Würde, an der es vielen mangelt. Gerald Hüther bringt viele daraus resultierende Probleme präzise auf den Punkt; insbesondere ab Minute 51:30 https://youtu.be/kAneXsi-EdQ

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Habe mal kurz bei Hüther reingehört und stelle fest, dass er zuerst die alte Platte neu auflegt und dann auf einer Fiktion aufbaut:

        Wir sind als Einzelwesen nicht überlebensfähig (was richtig ist) und sind daher soziale Wesen (ja, auch und ganz wesentlich, aber nicht nur), die andere brauchen (was richtig ist).

        Die anderen brauchen praktizieren wir aber als sie nutzen (was weitgehend, aber nicht umfassend richtig ist und nicht notwendigerweise negativ sein muss) und deshalb sind wir nicht frei (was in gewisser Weise richtig ist, weil wir ja nicht autonom sind).

        Schlussfolgerung:

        Deshalb müssen Strukturen geändert werden (kann man ja mal meinen)

        Die hierarchischen Strukturen der Vergangenheit können nicht wieder gestellt werden, weil die Welt zu komplex ist (was richtig ist, aber nicht besagt, dass wir ohne Hierarchien auskommen können)

        Eine neue Ordnungsstruktur muss her (bitte schön, ich höre).

        Sie muss in uns selbst angelegt sein und auf unserer eigenen Würde beruhen (interessant, weil wir damit WIEDER auf das Einzelwesen setzen sollen).

        Die Menschen müssen ein Bewusstsein ihrer eigenen Würde entwickeln (was erst einmal nicht mehr als eine Forderung ist), was zu folgender Selbstorientierung führen soll:

        Ich bin jemand, der sich für andere nicht mehr als Objekt zur Verfügung stellen will und andere nicht als Objekt nutzen will (immer noch abstrakt und insoweit funktional nicht angreifbar).

        Kann KONKRET heißen (wie von Hüther ausgeführt):

        Wenn ich aufgrund des Bewusstseins meiner Würde zu der Auffassung gelange, kein Automobil zu brauchen, dann kaufe ich keines mehr (ist schlüssig).

        Jetzt denke ich mal weiter:

        Wenn eine genügend große Zahl von Menschen zu dieser Auffassung gelangen, wird möglicherweise eine andere große Zahl von Menschen arbeitslos und kann IHRE Vorstellung von Würde nicht mehr verwirklichen, weil sie nicht mehr das Einkommen erzielt, das dafür erforderlich ist.

        Das ist so, weil, wie ganz oben richtig festgestellt wurde, wir eben MIT den anderen leben.

        Hüther nimmt offensichtlich an, dass JEDER, der sich seiner Würde bewusst wird, zu Auffassungen kommt und in der Folge so handelt, dass dies mit der Würde der ANDEREN KONFLIKTLOS vereinbar ist – wenn es denn eine NEUE Organisationsstruktur gibt.

        Das ist reines Wunschdenken.

        Ich bin dafür, dass Menschen sich bewusst werden, was für sie ein würdiges Leben ist.

        Weiter bin ich dafür, dass sie nicht gehindert werden, die Verwirklichung anzustreben.

        Realistischerweise, d. h. im PRAKTIZIERTEN und nicht nur gedachten Leben, ist das nur unter BEDINGUNGEN möglich.

        Das Organisationsprinzip, das dem nicht idealerweise für alle, aber am meisten gerecht wird, ist der Markt:

        Denn ICH entscheide, ob und wie ich mich beteilige, es besteht für NIEMANDEN ein Zwang, von mir als Objekt genutzt zu werden und niemand kann mich als Objekt nutzen.

        Wenn wir am Markt mit bestimmten Transaktionen teilnehmen, nutzen wir dabei die anderen und zwar als Objekte (was unvermeidbar so ist), aber wir tun es so, dass wir Ihnen DADURCH helfen, IHRE Vorstellungen von ihrer Würde zu verwirklichen.

        Mit unseren Entscheidungen im Markt setzen wir ALLE – die Marktteilnehmer – die Bedingungen, selbstverständlich auch für diejenigen, die sich nicht am Marktgeschehen beteiligen.

        Dieses Organisationsprinzip REGELT bei Befolgung prinzipiell KONFLIKTFREI und FREIEDLICH, wie Menschen miteinander auskommen, wenn sie IHRE Vorstellungen von ihrer Würde realisieren wollen.

        Es muss nicht abgeschafft, sondern wieder durchgesetzt werden.

        Um nicht missverstanden zu werden:

        Es gibt dabei auch Brüche und nicht allen werden die Veränderungen gefallen. Und es wird vermutlich auch REGULIERUNG geben müssen, damit die Veränderungen nicht als überfallartige empfunden werden.

        Fazit:

        Wenn man auf dem Boden der Realität bleibt, gibt es bis heute kein besseres Organisationsprinzip als den Markt, um menschliche Würde zu verwirklichen.

        Wer andere Meinung ist, sollte sich vergegenwärtigen, wie es mit individueller Würde dort bestellt war, wo es KEINEN Markt gab.

  9. Michael Stöcker sagte:

    @ Dietmar Tischer und Wolfgang Selig

    „Wenn eine genügend große Zahl von Menschen zu dieser Auffassung gelangen, wird möglicherweise eine andere große Zahl von Menschen arbeitslos und kann IHRE Vorstellung von Würde nicht mehr verwirklichen, weil sie nicht mehr das Einkommen erzielt, das dafür erforderlich ist.“

    Genau zu dieser Schlussfolgerung kommt auch Hüther.

    Aber wir sollten bedenken, dass so etwas – wenn überhaupt – ein sehr langfristiger Prozess ist und somit die Märkte Gelegenheit haben, sich auch langfristig anzupassen.

    „Wenn man auf dem Boden der Realität bleibt, gibt es bis heute kein besseres Organisationsprinzip als den Markt, um menschliche Würde zu verwirklichen.“

    Völlig d’accord. Aber das eine schließt ja das andere nicht aus. Wir benötigen eine würdevollere Marktwirtschaft; und die fängt bei der Entwicklung und Förderung der individuellen Würde an.

    LG Michael Stöcker

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  10. Klaus Samer sagte:

    Es stellt sich die Frage ob das was in der abgelaufenen Woche began und sich heute fortsetzt der Begin einer Korrektur oder der Anfang vom Ende der Hausse ist. An den US – Börsen mußten vorallendingen die FAAANG Aktien in den letzten Tagen ordentlich Federn lassen.

    Selbst Tesla das ja von seinen Jüngern immer entgegen aller Fundamentaldaten hochgehalten wurde reißt jetzt einen wichtigen Widerstand nach unten.

    Ich frage mich ob die Stimmung gerade kippt und ob es tatsächlich sein kann das obwohl die kommenden Quartalszahlen nicht schlecht sein werden, die Bären aus dem 10 jährigen Winterschlaft erwachen und der Markt kippt.

    Die Argumente für die derzeitige Korrektur sind wenig spezifisch und sehr beliebig, letztendlich könnte sich das aber als vollständig egal herausstellen, denn wenn keine veränderten Daten vorliegen ist es die Grundstimmung die die Richtung des Marktes bestimmt.

    Wenn diese Bärenstimmung ein neuer Trend wird ist es mit Verlaub scheißegal wie gut oder schlecht die nächsten Quartalszahlen werden.

    https://finance.yahoo.com/news/harbinger-trouble-emerged-stock-market-162513205.html

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