Stunde der Schuldenmacher

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Europa hat keines der grundlegenden Probleme gelöst. Die Schulden wachsen ungebremst weiter, und die Krisenländer sind weit davon entfernt, ihre (Staats-)Schuldenprobleme in den Griff zu bekommen. Münchau bringt es mit seiner Analyse auf den Punkt: „Eine italienisch-französische Schuldenachse dürfte für Angela Merkel ein großer Anlass zur Sorge sein. Auch meine persönliche Begeisterung hält sich in Grenzen. Die richtige Haushaltspolitik wäre gewesen, in der Rezession die Zügel zu lockern und jetzt langsam mit der Konsolidierung anzufangen. Genau das Gegenteil ist aber passiert. In der Rezession wurde gespart, und mit der wirtschaftlichen Erholung kommen jetzt wieder die Haushaltsdefizite. Man nennt das eine prozyklische Politik – eine Politik, die Schwankungen verstärkt.“

Ausblick: „Wie es aussieht, wird (Italien) bestenfalls seine Schulden auf dem jetzigen Niveau stabilisieren. Wahrscheinlicher sind japanischer Verhältnisse: eine Mischung aus Nullwachstum, hohen Schulden und leichter Deflation. Um diesem Teufelskreis zu entkommen, bräuchte Italien Reformen, die selbst Renzi nicht wagen wird.“

„Am Ende wird diese Europawahl deshalb die Kluft zwischen den Kredit- und den Schuldenländern verschärfen und die Nord-Süd Solidarität verringern. Gleichzeitig schafft sie die politischen Voraussetzung dafür, dass sich die alten Ungleichgewichte wiedereinstellen. Ich sehe nicht, wie das gutgehen kann.“

SPIEGEL ONLINE: Stunde der Schuldenmacher, 26. Mai 2014

1 Antwort
  1. Stefan Wehmeier says:

    Wer … das Zinsgeld verteidigen will, das den Urzins erpresst und damit alle Probleme erst erzeugt, mit denen man sich als „Wirtschaftsexperte“ dann beschäftigen kann, kommt auf den irrsinnigen Gedanken vom „Schuldenmachen“, um Kreditnehmer psychologisch zu verunglimpfen. In der Realität können Schulden niemals „gemacht“ werden, weder vom Staat noch von Banken oder Unternehmern. Denn jede Kreditaufnahme setzt voraus, dass zuvor ein anderer eine Ersparnis gebildet hat und bereit ist, diese zu verleihen. Erst dann entsteht ein Vermögen/Schulden-Paar – und erst dann ist das Gleichgewicht wiederhergestellt! Ein Ungleichgewicht in der Volkswirtschaft entsteht also nicht durch das „Schuldenmachen“, das es als isolierten Vorgang gar nicht gibt, sondern dadurch, dass eine Geldersparnis gebildet und nicht verliehen wird. Dieses Ungleichgewicht ist die Möglichkeit zur Geldhortung, die den Warenaustausch blockiert, bis jemand bereit ist, den Urzins zu bezahlen. Damit wird der Urzins des herkömmlichen Geldes zur „Vorbedingung der Warenerzeugung überhaupt“:

    Geld – wie es (noch) ist und wie es sein soll

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