Schweizer Staatsfonds II ‒ Neuer Mindestkurs statt Negativzinsen

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Gestern hatte ich bereits die Idee eines Sovereign Wealth Fonds für die Schweiz diskutiert und begrüßt. Schade, dass wir als Deutsche dies nicht machen können und stattdessen unser Geld in der Eurozone verlieren! Heute ein ergänzender Beitrag zu dem Thema von einem der profiliertesten Forscher zum Thema Geldsystem, dem Schweizer Peter Bernholz, der zu einer ähnlichen Einschätzung kommt:

  • „Die Ansicht, dass es sich bei der Aufwertung des Frankens auf etwa 1.05 Fr./€ um ein vorübergehendes Überschiessen handelt, wie SNB-Präsident Thomas Jordan vermutete, kann ich nicht teilen, da sie  vielen historischen Erfahrungen widerspricht. Es gab mehrere Male Über- und Unterbewertungen des Dollars von bis zu 30% gegenüber DM bzw. Euro seit 1972, die mehrere Jahre anhielten.“ ‒ bto: Damit hat er wohl recht.
  • „Während der etwa 40 Monate der festen Untergrenze zum Euro brauchte die SNB nur in ca. vier Monaten zu intervenieren, (…). Das wird nun selbst bei kräftigen Interventionen nicht mehr der Fall sein, wegen der fehlenden Untergrenze und eines gewissen Vertrauensverlustes in die SNB. Es muss daher im kritischen Fall mit eher höheren Interventionen gerechnet werden.“ ‒ bto: Auch dies würde ich so sehen.
  • „Obwohl man sicherlich nicht zustimmen wird, dass die Schweiz ihre relativ inflationsstabile Geldpolitik aufgeben und den Wechselkurs bewusst generell schwächen sollte, scheint klar zu sein, dass die gegenwärtige Überbewertung des Frankens unerwünscht ist und eine den Kauf ausländischer realer Anlagen vorsehende Politik zu bedenken wäre.“ ‒ bto: Es ist doch offensichtlich, dass es besser ist, reale Assets zu kaufen und den Franken „zu produzieren“.
  • „Eine niedrigere Inflationsrate als im Ausland wird Devisenausländer veranlassen, Franken als Liquiditätsreserve nachzufragen und zu halten. Die Höhe derselben kann nur durch merkbar höhere ausländische als inländische Zinsen begrenzt werden.  ‒ bto: Und das gepaart mit der ‒ vielleicht falschen? ‒ Annahme, dass Schweizer Banken solider sind und kein Bail-in droht.
  • „Dramatisch haben die Reserven seit Beginn der Krise 2007 zugenommen. Dies ist besonders angesichts der Nullzinspolitik der US-Notenbank Fed zusammen mit der erheblichen Ausweitung der US-Zentralbankgeldmenge M0 durch QE nicht erstaunlich. (..) führte (…) zu ­einer Verminderung des Vertrauens in die langfristige Stabilität der betroffenen Währungen und einer zusätzlichen Nachfrage nach Franken.“ ‒ bto: zu Recht!
  • „Die geschilderten Zusammenhänge können daher bei einer entsprechenden Anlagepolitik der SNB durchaus positiv gesehen werden. Dem Ausland wird das von diesem gewünschte stabile Geld fast kostenlos zur Verfügung gestellt, während die Reserven bei geeigneter Anlage langfristig einen positiven Ertrag abwerfen würden. Allerdings müsste dazu der Anteil ausländischer Aktien ebenso wie von anderen realen ausländischen Anlagen deutlich erhöht werden, da diese im Gegensatz zu Obligationen auf lange Sicht nicht dem Inflationsverlust unterliegen.“ ‒ bto: Das ist so was von richtig und der entscheidende Punkt, um den ich die Schweiz beneide! Wir können dies nicht und die Bundesbank baut höchstens Target-II-Forderungen auf …
  • Warum sollte man nicht statt wie Norwegen Erdöl stabiles Geld ausführen dürfen? Bekanntlicherweise machen die Anlagen des norwegischen Fonds, der von der Zentralbank verwaltet wird, bereits etwa das Zweifache des norwegischen BIP aus.“ ‒ bto: Brillant! Und es gibt international immer weniger gutes Geld. Sollte das Geld dadurch übrigens schlecht werden, zahlen die Zeche wiederum die ausländischen Investoren. Nur zu Schweiz!
  • „Käme es bei diesem Kurs zu weiteren Devisenzuflüssen, sollten sie ebenso wie die bereits vorhandenen Reserven der ­Nationalbank langfristig wertbeständig zu einem weit höheren Anteil – beispielsweise zu 80% – in Aktien, Gold und weiteren realen Werten angelegt werden. Staatsanleihen und andere liquide Mittel sollten nicht mehr als 20% der gesamten Reserven ausmachen, da sie der ausländischen Inflation ausgeliefert sind.“ ‒ bto: Da hat die SNB noch Handlungsbedarf wie gestern gesehen!

FINANZ und WIRTSCHAFT: Neuer Mindestkurs statt Negativzinsen, 7. Mai 2015

1 Antwort
  1. Dieter Krause says:

    Absolut sinnvoll, da ca. 70%(!) der Schweizer Exporte (Exportquote etwa 30% des BIP) in die EU gehen, ca. 55% davon in die Euro-Zone (gegenüber Deutschland freilich eine um ein Drittel negative Außenhandelsbilanz – ganz eindeutig bedingt durch den billigen Euro)! Im Kern wäre bei so einer hohen Außenhandelsabhängigkeit von einem anderen Währungsgebiet eine feste Koppelung des Schweizer Frankens an den Euro absolut sinnvoll, auch wenn die momentan durch das bewußte Währungsdumping der EZB schwierig umzusetzen wäre, da massive Euro-Käufe notwendig! Aber man könnte das ja klug mit der Idee des Aufbaus eines Schweizer Staatsfonds verbinden:
    http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/06/05/blank/key/handelsbilanz.html

    Antworten

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