Italien macht Deutschland zum Sündenbock

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Es ist immer gut, einen Sündenbock zu haben, der vom eigenen Versagen ablenkt (einfach „Italien“ auf meiner Seite suchen. Nette Geschichten!). Hier Auszüge aus der F.A.Z. für alle jene, die glauben, wir wären aus dem Gröbsten raus:

  • „Die ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi und Mario Monti machten bei einem Seminar von Politikern und Ökonomen in der Nähe von Mailand Deutschland und die deutsche Verweigerung von mehr kreditfinanzierten Investitionen für die schwache Wirtschaftsentwicklung in Europa verantwortlich.“
  • „Romani Prodi klagte, der deutsche Handelsbilanzüberschuss, gepaart mit Nulldefizit und Nullwachstum, ‚ist destabilisierend wie zu viele Schulden oder zu hohe Haushaltsdefizite‘.“
  • „Auch der bis 2012 amtierende Ministerpräsident Mario Monti beschuldigte die deutsche Regierung, sich einer aktiven Wachstumspolitik zu verweigern: Es habe nichts mit Stabilitätspolitik und dem Schutz der Interessen künftiger Generationen zu tun, wenn Deutschland sich weigere, sich zum Nulltarif zu verschulden ‚und damit die Basis für Wirtschaftswachstum zu schaffen‘.“
  • „Kurz vor dem Treffen der europäischen Finanzminister am kommenden Wochenende in Mailand unter italienischem Vorsitz verlangt Padoan andererseits, dass auch die Europäische Union und die anderen Mitgliedstaaten einen Beitrag leisten. Aus der Sicht von Padoan sind die jüngsten Beschlüsse der Europäischen Zentralbank noch nicht genug; er fordert den Kauf von Staatstiteln durch die Zentralbank.“
  • „Zudem wünschte Padoan in einem am Sonntag veröffentlichten Zeitungsbeitrag große Investitionsprogramme der Europäischen Union sowie die Verpflichtung aller Mitgliedsländer zu einem ‚Wachstumspakt‘.“

Die F.A.Z. schließt: „Tatsächlich hat sich Deutschland seit 2007 sehr viel besser entwickelt als Italien, die Differenz der realen Wachstumsraten beider Länder macht seit 2007 rund 15 Prozentpunkte aus. Andererseits löst Wachstum in Deutschland immer weniger Impulse in Italien aus: Nach der deutschen Wiedervereinigung lieferte Italien 9 Prozent des gesamten deutschen Imports. Nun beträgt der Marktanteil Italiens wegen der gesunkenen Wettbewerbsfähigkeit wenig mehr als 5 Prozent.“

In Die Billionen Schuldenbombe habe ich beschrieben, dass es spieltheoretisch kein Optimum gibt im Spiel von Deutschland und Italien. Für uns ist es am besten, Italien bleibt, ohne dass wir etwas bezahlen. Für Italien am besten, erst Hilfe zu bekommen … und dann aus dem Euro auszusteigen. Problem: Gibt es kein Optimum, wächst die Gefahr eines Unfalls.

F.A.Z.: Italien macht Deutschland zum Sündenbock, 8. September 2014

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