US-Protektionismus als Folge zu geringer Ersparnis

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Bekanntlich sehe ich die deutschen Außenhandelsüberschüsse kritisch, weil sie mit einem entsprechenden Kapitalexport einhergehen. Und es ist keine gute Idee in einer überschuldeten Welt ein Gläubiger zu sein.

 → „Deutschland wirtschaftet wie die Eichhörnchen“

So gesehen steckt im Deutschland-Bashing von Donald Trump ein durchaus ernster Kern.

 → „Der wahre Kern des Deutschland-Bashings“

Der Zusammenhang von Außenhandel und Ersparnissen gilt natürlich auch für die USA, wie Stephen Roach in einem Beitrag für die FT erläutert. Die Highlights:

 Die USA sparen zu wenig

  • „US President Donald Trump (…) blames America’s ills on trade deficits and the bad deals that underpin them. Not only is this poor economics, (…), it threatens the stability of a still-fragile global economy.“ bto: Sicherlich hat Protektionismus das Zeug, die Weltwirtschaft in eine Rezession zu stürzen. Dabei ist er natürlich weiterhin nur eine Folge der Krise, die er wiederum verstärkt.
  • „This profusion of deficits reflects (…) the US’s saving deficit. (…) Lacking in saving and wanting to grow, the US must import saving from countries like China, Germany, and Japan, which have big surpluses.“ bto: So ist es. Wir sparen zu viel und finanzieren damit die Defizite der anderen, die uns dafür mit frisch gedrucktem Papier (oder eher elektronischen Zahlen) versorgen und das Gefühl geben, wir wären „reicher“ geworden. Die Amerikaner profitieren seit Jahren von diesem System, und es wäre viel mehr in unserem Sinne als dem der Amerikaner, es zu beenden.

8,6 Billionen Defizit seit 2000

  • „But it must run a massive balance of payments deficit in order to attract the foreign capital. Since 2000, the cumulative $8.3tn balance of payments deficit has been almost identical to the $8.6tn multilateral trade gap over the same period.“ bto: Wenn man aber auf die US-Vermögensbilanz blickt, kann man sehen, dass die Ausländer nicht in gleichem Umfang Vermögen in den USA aufgebaut haben. Vieles ging verloren, zum Beispiel in der Subprime-Krise.
  • „Without dealing with the root cause of the problem, eliminating a trade deficit with a few nations will simply be reflected in expanded deficits with others.“ bto: Das ist eine mathematische Zwangsläufigkeit.

Lösung: die USA müssen mehr sparen

  • „All this points to the only meaningful solution to US trade deficits: boosting national saving (…) it would require a long-profligate America actually to live within its means.“ bto: was einer erheblichen Anpassung gleichkäme.
  • „Mr Trump is an unabashed protectionist. In his inaugural address, he exclaimed: ‚Protection will lead to great prosperity and strength‘ That hearkens to the late 1920s and early 1930s when a similar mindset led to the passage of the Smoot-Hawley tariffs, a global trade war and the Great Depression.“ bto: Diese Gefahr besteht in der Tat, weshalb es gut wäre, wenn wir proaktiv einen Beitrag unsererseits leisten würden.

 Protektionismus als Ablenkungsmanöver

  • „Protectionism is a blame game that avoids giving an honest message to the American public: that trade deficits have become central to the grand bargain between the US and the rest of the world. They have allowed Americans to tap the surplus saving of others in order to keep consuming beyond their means.“ bto: genau. Es war ein guter Deal für die USA.
  • „Trade deficits are not the problem, but symptoms of a deep denial (…) which can lead to major policy blunders and destabilising dislocations at home and abroad. It offers the fantasy of a bilateral solution for a multilateral problem. This delusion must be treated before it is too late.“ bto: nur wie? Frau Merkel will es ihm erklären. Da können wir gespannt sein.

→ FT (Anmeldung erforderlich): „Donald Trump is suffering from trade deficit disorder“, 7. März 2017

7 Antworten
  1. Kurt Brand says:

    Die 8,6 Billionen USD Staatsdefizit seit 2000 entsprechen übrigens ziemlich genau den exorbitanten Militärausgaben der USA von ca. 600 USD per annum. Der größte Teil davon dürfte zwar der US-amerikanischen Rüstungsindustrie zugute gekommen sein, aber man muss natürlich die Frage stellen, ob das viele Geld an anderer Stelle nicht sinnvoller investiert gewesen wäre.

    Antworten
    • Wolfgang Selig says:

      Das ist ein interessanter Hinweis. Würde die Welt ihre Ersparnisse in den USA anlegen, wenn sie nicht militärisch dominant wären? Ich denke schon, aber einige Petro-Dollar würden sicher ausbleiben. Umgekehrt stellt sich die Frage, wieviel Militär sich die USA ohne Neuverschuldung noch leisten können. Und wer dann die Lücke füllt. Das erscheint mir in den nächsten Jahren die Hauptfrage.

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  2. Christian says:

    Es ist schon praktisch, wenn man über die eigenen Verhältnisse leben kann – einfach indem man die ganze Welt in der Währung bezahlt, die man selbst druckt. Aber irgendwann funktioniert dieses Spiel eben nicht mehr und man muss sich der unangenehmen, oft auch schmerzhaften Wahrheit stellen.

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  3. Lobo says:

    Sehr geehrter Herr Stelter,

    sie schreiben:

    „Bekanntlich sehe ich die deutschen Außenhandelsüberschüsse kritisch, weil sie mit einem entsprechenden Kapitalexport einhergehen.“

    Könnten Sie diese These mal ausführlich erläutern ?
    Ich habe bei meiner Suche lediglich eine zusammenhängende und relativ konsistente Erklärung gefunden. Diese behaupten aber genau das Gegenteil, nämlich das kein „Kapitalexport“ stattfindet.
    https://www.boeckler.de/pdf/p_imk_pb_4_2011.pdf

    Ihre These liest man zwar oft, sie wird aber immer nur behauptet, aber nicht zusammenhängend UND logisch erklärt. Vielleicht könnten Sie konsistent erklären, warum die Aussagen im obigen Paper falsch sind.

    Mit freundlichen Grüßen

    Lobo

    Antworten
  4. Dietmar Tischer says:

    Ich glaube nicht, dass die Amerikaner in der Vergangenheit zu wenig gespart haben.

    Warum hätten sie mehr sparen sollen, wenn die Ersparnisse anderer Länder so bereitwillig ins Land kamen?

    Sie haben diese Ersparnisse konsumiert statt sie zu investieren bzw. die ausländischen Kapitalgeber zu Investitionen in USA zu veranlassen.

    Das ist bis heute der Fehler.

    Deshalb die gravierende Exportschwäche der USA im Vergleich zu den Importen.

    Deshalb das kontinuierlich enorme Handels- und Zahlungsbilanzdefizit der USA.

    S. Roach hat recht, wenn er sagt:

    >„All this points to the only meaningful solution to US trade deficits: boosting national saving (…) >

    Das ist nur die Voraussetzung.

    Es kommt im zweiten Schritt darauf an, diese Ersparnisse sinnvoll zu investieren im EIGENEN Land, um es wettbewerbsfähiger zu machen und DADURCH – bei angemessenem Konsum – der ABHÄNGIGKEIT von ausländischen Gläubigern zu entkommen.

    Unabhängig davon, ob die Rendite von Investitionen in USA so hoch ist, dass die Amerikaner das wollen sollten statt ihre zunehmenden Ersparnisse im Ausland anzulegen, gilt:

    Die Situation ist so, dass die nationalen Ersparnisse nicht steigen MÜSSEN.

    Dies nicht, weil Trump das mit seiner Wirtschaftspolitik vermeiden kann, sondern weil in einer krisenbehafteten Welt AUTOMATISCH Kapital in den großen, immer noch sehr sicheren Wirtschaftsraum USA fließt.

    Das ist übrigens der Unterschied zwischen Griechenland und USA:

    Griechenland muss SEINEN Konsum reduzieren, um die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und sich über die Märkte finanzieren zu können.

    Die USA können sich ihren Konsum auch bei schwacher Wettbewerbsfähigkeit von den Märkten finanzieren lassen.

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    • mg says:

      Viele Privatleute in den USA finanzieren ihren Lebensstil (Haus, Auto, Studium) auf Kredit. Geht zum Teil gar nicht anders, da die Lebenshaltungskosten in den letzten 30 Jahren stärker als die Einkommen gestiegen sind. Die Verschuldung ist über diesen langen Zeitraum langsam, stetig und nahezu unbemerkt angewachsen. Die private Bilanz muss gar nicht mal schlecht aussehen, solange Assets wie Immobilien und Aktien im Preis ebenfalls wachsen und die Zinsen in mittlerer Frist durchschnittlich sinken.

      Michael Hudson zu dem Thema:
      https://www.youtube.com/watch?v=Gfg4yv7fnww

      In Europa gehen wir ebenfalls diesen Weg, allerdings sind wir mit dieser Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten wie die Bürger in den USA und England.

      Zu den Vorteilen welche die Emission der Weltreservewährung mit sich bringt (Seigniorage, etc.) kann vermutlich Herr Stöcker am Meisten sagen.

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