Überschuldung als Kernübel

Es ist eine zentrale These von bto, dass wir uns in einer Welt befinden, die eine zu hohe Schuldenlast zu tragen hat, gefangen in einer Spirale, die immer weiter steigende Schulden erforderlich macht, um einen Einsturz des Schuldenberges zu vermeiden: immer billigeres und immer mehr Geld als Therapie für eine Krise, ausgelöst durch zu viel und zu billiges Geld.

Sehr schön fasst das ein Kommentar in der FINANZ und WIRTSCHAFT zusammen. Er hätte von mir sein können:

  • „Niedrige Zinsen und leichter Kreditzugang sollen das Sparen eindämmen, den Konsum anregen, und die Investitionen in Wohnbau und Ausrüstung steigern. Diese zunehmende Nachfrage soll einen raschen Aufschwung einleiten. Aber wie wirksam sind die niedrigen Zinsen? Investition und Ersparnis hängen auch von vielen anderen Faktoren ab. Je mehr sie das tun, desto geringer ist der Einfluss der Zinsen.“ bto: Das stimmt. Allerdings haben wir uns in den letzten Jahrzehnten immer mehr von diesen Prinzipien entfernt.
  • „Die Wirksamkeit niedriger Zinsen ist durchaus zweifelhaft. Wenn die Tragbarkeit der Schulden ausgereizt ist, helfen auch niedrige Zinsen nicht mehr, um kreditfinanzierte Ausgaben anzuregen.“ bto: Allerdings helfen die tiefen Zinsen, die Schuldenlast zu tragen. Es gibt halt wenig realwirtschaftliche Wirkung, umso mehr dafür an den Vermögensmärkten.
  • „Billige Finanzierung löst zudem das Problem der Unternehmen nicht, dass sie für ihre Investitionen in erster Linie ein gutes Geschäftsmodell und einen Qualitätsvorsprung brauchen. Wenn diese «anderen Faktoren» stimmen, investieren sie auch bei höheren Zinsen.“ bto: Ich gehe da noch einen Schritt weiter. Wenn Zinsen höher sind, investieren Unternehmen mehr, weil es nicht alle können und deshalb der Wettbewerbsvorsprung länger hält. Hinzu kommt die (längst überfällige) Bereinigung der Märkte um die Zombies.
  • „Fallende Zinsen führen zu steigenden Preisen für Immobilien, zinstragende Wertpapiere wie Anleihen und für Aktien. Diejenigen, die in der Vergangenheit gespart haben, streichen grosse Vermögensgewinne ein und werden ohne Anstrengung reicher. (…)  mit der Folge, dass sich die Vermögensverteilung künstlich beim obersten 1 % der Bevölkerung konzentriert.“ bto: was aber die Experten so nicht wahrhaben wollen, siehe Piketty.
  • „Niedrige Zinsen fördern den wachstumsschädlichen Fehleinsatz von Kapital. Sie lenken die Finanzierung auf kreditabhängige Branchen wie z. B. Immobilienwirtschaft und Fremdenverkehr und benachteiligen innovative und riskante Unternehmen, die sich im scharfen internationalen Wettbewerb behaupten müssen.“ bto: Für Letztere sind höhere Zinsen gut!
  • „Niedrige Zinsen verbilligen die Kredite relativ zu risikotragendem Eigenkapital. Sie führen daher zu einer schleichenden Zunahme des Risikos, umso mehr, je erfolgreicher die Niedrigzinspolitik ist, d. h., je mehr sie kreditfinanzierte Investitionen anstösst.“ bto: siehe Aktienrückkäufe in den USA.
  • „Die Überschuldung nimmt zu. Steigende Vermögenspreise begünstigen den Kreditzugang, weil sie die Sicherstellung der Kredite erleichtern. Eine schlagartige Korrektur von Vermögenspreisen oder das Platzen einer Immobilienblase sind ein Auslöser von Finanzkrisen. Wenn die Vermögenspreise plötzlich fallen, wird die Besicherung ungenügend, und der Anteil fauler Kredite steigt. Der übermässige Kreditzugang legt den Keim für nächste Krise.“ bto: die dann erneut mit noch mehr Geld bekämpft wird!
  • „Eine lang anhaltende Niedrigzinsphase nährt weitere Risiken im Finanzsystem. Private Investoren schichten ihre Portfolios in höher rentierende riskante Anlagen um, (…) Pensionskassen und die Lebensversicherer, die die Vermögen der Arbeitenden verwalten, haben das gleiche Problem. Wenn sie mehr ins Risiko gehen, um noch ausreichend Ertrag zu erwirtschaften, werden sie verwundbarer, wenn die Vermögenswerte wieder fallen. Auch den Banken bekommen die niedrigen Zinsen nicht gut.“ bto: Und dennoch folgen wir diesem Weg.
  • „Sind Immobilienbesitzer, Unternehmen und Staaten vorbereitet? Haben die Privathaushalte genügend Eigenmittel angesammelt, damit Immobilienkredite nicht notleidend werden, wenn mit fallenden Preisen der Wert der Besicherung stark abnimmt? Haben überschuldete Unternehmen die Entlastung durch niedrigen Schuldendienst genutzt, um mehr Eigenkapital zu bilden, oder haben sie erst recht neue Kredite aufgenommen? Haben die Staaten ihre Schulden genügend abgebaut, um in der nächsten Krise Spielraum für neue Defizite zu haben und gegensteuern zu können? Zweifel sind möglich.“ bto: „Zweifel sind möglich“ ja, so klingt es zurückhaltend schweizerisch. Ich würde sagen. NEIN im Gegenteil. Wir haben so richtig Gas gegeben und alles sieht schlechter aus als vor der letzten Krise.
  • „(…) auch die Europäische Zentralbank muss vorsorgen und rechtzeitig die Leitzinsen in kleinen Schritten anheben, damit sie für die nächste Rezession gerüstet ist. Dann muss genug Spielraum da sein, damit sie wieder mit Zinssenkungen gegensteuern kann.“ bto: zu spät. Nächstes Mal werden die Staaten direkt finanziert und die Helikopter starten.
  • „Einer neuen Finanz- und Wirtschaftskrise kann man nur vorbeugen, indem man Überschuldung abbaut. Um Spekulation und Überschwang zu unterbinden, müssen die Akteure  mit eigenem Geld einstehen, bevor sie fremdes Geld investieren. Die Schuldentragfähigkeit hat Grenzen und darf nicht überstrapaziert werden. Die Privathaushalte müssen mehr Eigenmittel ansparen, bevor sie mit zusätzlicher Kreditfinanzierung ein Eigenheim erwerben. Unternehmen und Banken müssen Eigenkapital mit einbehaltenen Gewinnen ansparen oder von neuen Eigentümern holen, um das Vertrauen der Fremdkapitalgeber zu erhalten.“ bto: Aber wir haben die Grenze doch schon lange überschritten!
  • „Man kann es drehen und wenden, wie man will: Fremdkapital muss teurer und Eigenkapital billiger werden. Der Staat sollte endlich die steuerliche Begünstigung der Verschuldung und die Benachteiligung des Eigenkapitals abschaffen. Und die Europäische Zentralbank sollte die Gunst der Stunde nutzen und die Leitzinsen wieder in kleinen Schritten anheben.“ bto: alles richtig, aber zu spät. Von dem Schuldenberg kommen wir nicht auf regulärem Wege runter. Wir bleiben gefangen in der Welt exponentiell steigender Schulden mit sich häufenden Krisen – bis zur finalen.

FINANZ und WIRTSCHAFT: „Das Ende der niedrigen Zinsen?“, 19. Februar 2018

39 Kommentare
  1. ZIRP sagte:

    Das Nullzinsgeld ist nur das äußere Anzeichen einer wirtschaftlich niedergehenden Gesellschaft.

    Es lohnt sich schlichtwegs nicht mehr, dort neu zu investieren, selbst fast ohne Zinsen.

    Für manche ist dies noch nützlich, um zu einem günstigen Zeitpunkt in einer solchen Währung Kredite aufzunehmen, um anderswo unterbewertete Vermögensgüter zu erwerben.

    Die Staaten fördern den Niedergang des eigenen Geldwesens, denn nur so bleiben die überbordenden sozialen Verpflichtungen (Rente, Pflege und Krankenversicherung) trotz kaum noch wachsender Wirtschaftskraft weiterhin erfüllbar.

    Wer in einem solchen Umfeld noch Immobilien erwirbt, zeigt damit nur den eigenen beschränkten wirtschaftlichen Horizont.

    Nicht vergessen: in China stiegen in den vergangenen 20 Jahren die durchschnittlichen Einkommen um das zehnfache. Vergleiche nur mit hier.

    Es ist viel weniger riskant, heute einen hohen Kredit aufzunehmen, wenn man weiß, daß man 10 bis 20 Jahre später deutlich mehr verdient. So war es hier auch lange Zeit, von den 50er bis in die 90er Jahre. Seit den 00er Jahren jedoch nicht mehr!

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/19407/umfrage/bruttoinlandsprodukt-pro-kopf-in-china/

    Leider wird dies nicht an Schulen und Universitäten gelehrt…

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  2. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „zu spät. Nächstes Mal werden die Staaten direkt finanziert und die Helikopter starten.“
    Richtig. Aber dann ist die Gegenstrategie doch einfach: Raus aus Nominalwerten, rein in die Sachwerte und eine hohe Eigenkapitalquote halten. Und dann auf die helikoptergestützte Inflation warten. Schlecht natürlich für den, der auf Transfereinkommen ohne Preissetzungsmacht angewiesen ist (z.B. Renten, Arbeitslosengeld, Kapital-LV, etc.) angewiesen ist und nicht oder kaum umschichten kann. Gut für streikfähige Berufe und preissetzungsstarke Unternehmen.

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  3. Johannes sagte:

    Dieser Kommentar hier der NZZ könnte auch aus Ihrer Feder stammen :-)

    https://www.nzz.ch/wirtschaft/das-inflationsziel-ist-nur-ein-feigenblatt-fuer-eine-versteckte-staatsfinanzierung-ld.1363555

    „Die EZB hat die Zinsen auf null gesenkt und seit März 2015 Anleihen im Gegenwert von bald 2,55 Bio. € gekauft, ohne dass die Inflation merklich gestiegen ist. Der Konsumentenpreisindex, an dem sich die EZB orientiert, reagiert schon lange nicht mehr auf die Geldpolitik. Das sollte auch die EZB bemerkt haben. Damit stellt sich die Frage, was sie wirklich beabsichtigt. Für mich ist das Inflationsziel nur ein Feigenblatt für eine versteckte Staatsfinanzierung durch die Zentralbank, die in den EU-Verträgen verboten ist.“

    Positiv ist anzumerken, dass es solche klaren Kommentare inzwischen gehäuft in die Presse „schaffen“ und so die schwache Hoffnung besteht, dass auch der einer oder andere Bundestagsabgeordnete sie ließt, versteht und handelt…

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    • Karl F. sagte:

      „Positiv ist anzumerken, dass es solche klaren Kommentare inzwischen gehäuft in die Presse „schaffen“ und so die schwache Hoffnung besteht, dass auch der einer oder andere Bundestagsabgeordnete sie ließt, versteht und handelt…“

      Es ist leider nur eine schwache Hoffnung. Aber selbst wenn es ein paar Bundestagsabgeordnete geben würde, die das lesen und sogar verstehen würden, müssten sie auch noch den Schneid haben, gegen die erklärten Leitlinien der Parteispitze zu handeln (zumindest verbal). Die Staatsfinanzierung durch die EZB ist verboten, wird aber seit Jahren munter betrieben. Wer dagegen „stänkert“, den hat man nicht mehr lieb. Die wenigen Abweichler in der Frage der Euro-Rettungspolitik z. B. in der CDU, wurden relativ schnell kaltgestellt, den anderen zur Warnung.
      Ich bin eher der Meinung von Herrn Stelter: Der Schulden-Zug in die verdeckte Staatsfinanzierung ist abgefahren. Und es ist ja auch viel bequemer, bald werden auch deutsche Politiker offen nach den Gelddrucker-Qualitäten des Herrn Draghi rufen.

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      • Wolfgang Selig sagte:

        Sehe ich auch so. Der Euro hat sein Ziel erreicht: die Bundesbank ist ausgehebelt und die deutsche Politik kann auf dem Umweg über die EU und den Euro auf die Gelddruckmaschine zugreifen. Eine Gegenbewegung ist erst nach der nächsten hohen Inflationsphase oder deflationären Krise zu erwarten, wenn der öffentliche Druck ein entsprechendes Ausmaß erreicht, dass disziplinierte Geldpolitik in Deutschland wieder eine Rolle spielt und politisch gewürdigt wird. Hierzu bedarf es noch mindestens einer großen Krise.

      • Johannes sagte:

        @ Karl.F. und W. Selig: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zu letzt :-)

        Dazu zählt auch dieser Artikel:

        „Der etwas naive Wille zum Marsch in eine Haftungs- und Transferunion weckt Ängste vor einem teuren Irrweg – in Deutschland und darüber hinaus. Gut, dass sich nun acht Länder dagegen stellen.“

        http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kommentar-europaeische-realitaeten-15481073.html

        Vom Herausgeber der FAZ diesen Satz zu lesen, lässt eine gewisse Befriedung aufkommen:

        „Hoffentlich verhindern die acht aus dem Norden den gröbsten Unsinn.“

        Und wer weiß, vielleicht legt der eine oder andere von den achten, vielleicht sogar eine Austrittsdrohung auf den Tisch…

      • Jacques sagte:

        @Johannes:

        Sage ich schon lange. Wir können froh sein um Österreich, Niederlande und die anderen Euro Staaten die diesen Unsinn nicht mitmachen würden.
        Das heißt die Pläne von Macron und der GroKo werden begraben ODER die widerstrebenden Länder treten aus. Ich bezweifle aber das bei einem Austritt derartiger Länder sowas politisch durchsetzbar ist. Aber man kann nie wissen ;)

        Man sollte die Dummheit der Politiker nie unterschätzen.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Johannes

        Wollte auch die Herausgeber-Meinung in der FAZ verlinken.

        Wir sollten nicht unterschätzen, dass es angesichts innenpolitischer Nöte (Integration, Wohnen, Umverteilung etc.) immer SCHWIERIGER wird, Geld über die Grenz zu verteilen.

        Es zu tun, kostet immer mehr Stimmen beim Wähler.

        Auch bei uns ist das so.

        Hier z. B. ein Abgeordneter der CDU, der nicht ohne Einfluss ist:

        https://www.welt.de/wirtschaft/article174195877/Ralph-Brinkhaus-CDU-GroKo-muss-Eigenverantwortung-staerken.html

        Daraus:

        >Brinkhaus: Ganz ehrlich: Für die Unionsfraktion ist das eine Gratwanderung. Das sage ich ganz bewusst. Olaf Scholz hat hier keinen Freibrief. Wir werden uns sehr genau angucken, was er vorhat. Und entsprechend werden wir zustimmen oder eben auch nicht. Noch mal 63 Abweichler wie beim dritten Griechenland-Paket wird die Koalition nicht überleben. Wenn also jemand anfängt, Deutschland zu verschenken, ist das mit uns nicht zu machen.>

        Kein Land wird eben mal so austreten, selbst die entschiedenen Eurozonen-Gegner treten wie in Frankreich und Italien gern einen Schritt zurück, wenn sie ins tiefe Loch blicken.

        Es wird sich m. A. n. so entwickeln:

        Geld wird locker gemacht, u. a. für die Migrationsbekämpfung im und rund ums Mittelmeer.

        Macron wird Scheitern mit seinem Euro-Finanzminister – das kann sich Merkel auf ANDERE verlassen.

        Die Entwicklung der EU und insbesondere der Eurozone bessert sich dadurch nicht.

        Es geht um die Frage, ob sich die Eurozone eher zerfallen ist als in den Nationalstaaten die Demokratie abgeschafft wird.

        Da wage ich keine Prognose.

  4. Alexander sagte:

    Konsumschulden sind immer falsch und sparen ist nicht horten von Geld, sondern verschobener Konsum.Aus Einfallslosigkeit und Bequemlichkeit hat man Konsum in Investition umgedeutet, das Eigenheimnest als heiligste Kuh.

    Produktive Schulden schaffen den „Mehrwert“, der Zinsen überhaupt ermöglicht, weil -Mehrwert- Neuverschudlung rechtfertigt. Konsumschulden belasten sogar bei Nullzins die Einkommenssituation, denn gleich nach dem Kauf sinkt der Wert des Gutes.
    Wenn die Vermögenspreisinflation platzt lernen wir das erneut, denn die Grundlage für Verbesserung ist nicht Stilltand (Immos vermieten) sondern
    Fortschritt durch Bildung. Fortschritt nicht definiert als mehr, schneller, weiter, reicher, dekadenter – sondern auch persönlich, kulturell.
    Weniger Ressourcenverbrach ist innovativ. Dazu braucht es keine staatliche Subvention.
    Niedrigere Verkaufspreise sind innovative Wettbewerbsvorteile und nicht der 3.2l V12 Diesel im SUV.

    Der Nullzins und Konsum haben zwar sinkende Nachfrage ersetzt, aber kein Problem gelöst.
    Wir sind heute älter, schwächer, dümmer weniger fleixibel und deindustrialisierter als vor dem Beginn der Zinssenkungen.Das Ganze noch durch Geldabwürfe von Hubschraubern zu steigern wird das fatale Finale.

    Konsum senkt das Niveau, weil nur Anstrengung -> Entwicklung bringt.
    ..und sich für Konsumschulden zu Tode rackern ist dämlich.

    Antworten
    • Thomas sagte:

      „Konsumschulden sind immer falsch und sparen ist nicht horten von Geld, sondern verschobener Konsum.“

      Ich würde den ersten Punkt vielleicht nicht ganz so krass sehen. Wenn ich mir einen Fernseher auf Pump kaufe muss ich mir halt die Frage stellen, ob ich die Zinsen dafür ausgeben möchte, dass ich das Ding eher habe als mit Sparen (also z.B. ich zahle 100 € damit ich den Fernseher heute und nicht in 3 Jahren habe). Das kann einem ja durchaus den Aufpreis wert sein. (Auch wenn sicherlich die wenigsten es genauso sich überlegen…)

      Bei anderen hochpreisigen Dingen wie Autos geht es halt oftmals nicht, wenn man von der Hand in den Mund lebt und z.B. beruflich pendelt. Ich kann da halt nicht erst 5 Jahre sparen, um dann das Auto zu kaufen – auch wenn es natürlich günstiger und damit finanziell sinnvoller wäre.

      „..und sich für Konsumschulden zu Tode rackern ist dämlich.“
      Absolut! Endstadium ist dann wie in den USA… Ich weiß noch, wie ich da in den 90ern war und überhaupt nicht versatnden hab, wieso die alle mit mehreren Kreditkarten rumranten. Ich dachte „aber man braucht doch nur eine Karte, um zu bezahlen“… ich hab das auch dann so naiv mal hier und da gefragt und bekam immer ausweichende Antworten. Bis dann jemand mich mal aufklärte, warum die Leute mehrere *Kredit*karten hatten.

      Antworten
      • Alexander sagte:

        Den Kostenvorteil aus Zinssenkungen haben Großindustrie und Staat schnell für sich vereinnahmt, durch:
        – Preissteigerungen bis an die neue Schmerzegrenze (=überschäumenden Automobilgewinnen etc.)
        – Aussetzen jeder echten Reform (RV, KV, AV, PV), d.h. auch dort Preissteigerung bis zur Abwanderung von Arbeitsplätzen und eingefrorenen Steuersätzen (kalte Progression).

        Ohne Druck gibt es keine Entwicklung und Niedrigzins hat den Druck nicht gelindert, sondern in Bereiche verlagert, wo jetzt nur noch Zusammenbrüche zu erwarten sind. Auch so kann man Veränderung anstrengen, es ist halt die harte Tour.

      • Thomas sagte:

        Ja, als kleiner Dienstleister-Krauter im gesättigten Markt, wo die Kunden professionell günstig einkaufen, sind die ganzen Zins-Themen für uns ziemlich latte. Wenn man größer wäre und Masse eine Rolle spielte, könnte man vielleicht noch Jobs nach Rumänien outsourcen, so wie das andere in der Branche machen. Dafür wäre dann vielleicht ein Kredit nützlich. Die Relevanz, Kredite zur Expansion oder Innovation aufzunehmen, ist jedenfalls bei uns nahe 0, weil einfach die Nachfrage fehlt. Entweder haben die Leute es schon oder aber sie haben kein Geld dafür oder aber keine Zeit, sich damit zu beschäftigen, weil sie personell unterbesetzt sind.

        Aber schlimmer geht immer… man porkelt sich halt Jahr für Jahr durch und muss auf Kundenbindung und Qualität setzen und hofft, dass einem die Nischen noch möglichst lange bleiben :)

      • Alexander sagte:

        (Zombie-)Firmen ohne Zukunft sind von der EZB Politik nicht mehr betroffen, sondern hauptsächlich solche Individuen die schon länger hier leben und noch länger hier leben wollten. Bis auf den öffentlichen Dienst, wo man seine Einnahmen bedenkenlos konsumieren darf, haben alle schlechte Karten. Auch in der Hinsicht ist das Studienverhalten -unserer- Jugend vielsagend.
        http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/studenten-wollen-zunehmend-in-den-staatsdienst-14409966.html

      • Thomas sagte:

        Nicht nur die Märkte sind oft gesättigt… Verübeln kann man es der Jugend auch nicht; wir wären heute sicherlich ähnlich unterwegs. Als junger Mensch ist man halt Produkt der Gesellschaft, meist erst später kommt das eigene Denken gegen die Eltern, die Medien und Peergroup (wenn auch nicht bei allen)… Entspannte Arbeit, sicherer Job, Zeit für die Familie, moderate Bezahlung. Hört sich doch gut an.

  5. Thomas sagte:

    „Der Staat sollte endlich die steuerliche Begünstigung der Verschuldung und die Benachteiligung des Eigenkapitals abschaffen.“

    Das wird schon nicht passieren. Für die High-Finance ist das aktuelle System kurzfristig doch eine geniale Sache. Motto: Lieber selber kurzfristig reich werden, als die Massen langfristig wohlhabend werden lassen. So einfach ist das. Die Vermögensverteilungen im Zeitverlauf zeigen: Es funktioniert wunderbar. Und die Staaten kriegen auch das, was sie wollen: Kredit für den Wellfare- und Warfare-State. Machen wir uns nix vor. It’s not a bug, it’s a feature.

    Aber: Wenn man das mal weiß, kann man zumindest ein bisschen was tun und muss sich nicht ganz zum Opfer degradieren lassen. Das ist schon mal was. Mehr sollte man vielleicht auch nicht erwarten.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      Sie verlinken wieder einmal A. Turner völlig zurecht.

      Er ist wirklich einer der wenigen Durch-Denker.

      Seine Auffassung zu monetärer Finanzierung:

      >Das grosse Argument gegen die monetäre Finanzierung ist, dass die Politiker es immer machen werden, und nicht nur zu einer angemessenen Zeit in einem angemessenen Umfang. Vielleicht braucht es eine Art Täuschung. Dieses Argument des «moral hazard» höre ich vor allem in Deutschland immer wieder. Manche sagen aber auch, ich läge richtig, die Dinge seien jedoch nicht derart schlimm, dass eine solche radikale Massnahme nötig sei. Man kann sich durchwursteln, ohne das Tabu zu brechen. Dann muss es aber einen Wert haben, das Tabu nicht zu brechen. Oder man kann das Tabu heimlich brechen wie in Japan.>

      Dazu meine Anmerkungen:

      Das große Argument ist ein wirklich GROSSES. Wenn letztlich immer Menschen entscheiden, werden Politiker IMMER und vermehrt sich der monetären Finanzierung bedienen, um Probleme zu lösen, zumal wenn sie nicht mehr schmerzlos durch Wirtschaftswachstum zu lösen sind.

      Turner hat die Klasse, diesem Argument nicht auszuweichen und kommentiert es wie folgt.

      1. Monetäre Finanzierung als eine Art Täuschung zu betreiben – es einfach zu tun, ohne groß darüber zu reden, etwa wie in Japan. Dann bleiben die Dinge im Rahmen, so gut wie unter Kontrolle. Das ist die unterstützende Position. Und sie ist nicht ohne empirischen Beweis – bis JETZT jedenfalls. Denn bis jetzt funktioniert die monetäre Finanzierung in Japan. Und vielleicht funktioniert sie noch lange als Mechanismus, wenn man sie jetzt wohl etwas zurückfahren will.

      und

      2. Es ist ja nicht so schlimm, dass wir das Tabu brechen müssten – also brechen wir es nicht, keine monetäre Finanzierung und kein Risiko. Das ist die ablehnende Position.

      Seine Wertung dieser Position:

      Dann muss man auch sagen, warum weiterwursteln VORTEILHAFTER sein soll als monetäre Finanzierung. WELCHEN Wert hat Durchwursteln?

      Das ist clever.

      Denn er sagt damit, dass es keinen Wert hat, vorhandene Potenziale – vor allem das Leistungsvermögen arbeitsfähiger Menschen – brachliegen zu lassen.

      Daher kann man als rationaler Entscheider doch nicht das Tabu aufrechterhalten wollen.

      Zu clever:

      Zum einen gibt er selbst zu, dass das Durchwursteln immerhin auch in der Eurozone mit Wachstum verbunden ist. Die Strukturprobleme werden damit natürlich nicht beseitigt, aber es ist ein relativ positives Durchwursteln.

      Ich würde hinzufügen, dass sich die USA sogar ganz gut durchgewurstelt haben mit nahezu rechnerischer Vollbeschäftigung.

      Dagegen kann auch Turner nichts ausrichten.

      Daher seine ÜBERZEUGUNG:

      >Sie glauben also, dass Tabus gebrochen werden müssen, um den Kapitalismus zu retten?

      Ja, in einem gewissen Sinne.

      Viele Leute glauben nicht mehr daran, dass der Kapitalismus ihnen etwas bringt.“>

      Und:

      >Freihandel führt laut vorherrschender Theorie zu einer Erhöhung der Wohlfahrt. Wenn aber eine bestimmte Stadt oder ein bestimmtes Unternehmen betrachtet wird, kann Freihandel schlecht sein … Die grösste Veränderung ist aber Technologie. Moderne Technologien haben ein grosses Potenzial an negativen Verteilungswirkungen. Es ist ein Phänomen, dass die Superreichen von den Informationstechnologien in einer globalen Welt profitieren. Es ist ein Auseinandergehen zwischen den Möglichkeiten für Leute mit niedrigen und mittleren Einkommen sowie jenen für die Bezieher von höheren Einkommen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass dies der wichtigste Faktor ist.>

      Mein Bauchgefühl widerspricht dem nicht, sagt mir aber auch etwas anderes:

      Wenn man dem Baugefühl von Turner folgt und den wichtigsten Faktor, die Verteilungsfrage so wie M. Stöcker lösen will, wird man das System so sehr beschädigen, dass die Bauchgefühle massenhaft in Bauchweh umschlagen werden.

      Deshalb:

      Das System nicht abschreiben, auch nicht monetär, sondern es so gut wie möglich beeinflussen und sich ansonsten verträglich anpassen.

      Mag sein, dass dies Wunschdenken ist.

      Es scheint mir aber sinnvoll zu sein, sich das zu wünschen.

      Antworten
  6. RW sagte:

    Die Strategie, dies sich aus dieser Analyse zwangsläufig ergibt, ist:

    1. Setzen auf Unternehmen mit geringem oder gar keinem Leverage und zukunftsfähigem Geschäftsmodell
    2. Erzeugen eines hohen und schnellen Rückflusses von Geld aus Auszahlungen
    3. Zukauf nur bei fallenden Kursen in kleinen Tranchen
    4. Anleihen meiden mit längerer Laufzeit
    5. globale Diversifikation der Assets unter Vermeidung zu starker Korrelation einzelner Werte
    6. Setzen auf neuentstehende Märkte und Unternehmen

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      Jetzt taucht dieser Krall wieder hier auf, hatten wir doch unlängst.

      Hier nur zwei seiner Aussagen oder das, was Fokus davon ableitet:

      >Die Euro-Zone-Banken sind im Schnitt mitnichten solider als um die Jahre 2008/2009, als etwa Commerzbank und Hypo Real Estate mit Steuermilliarden gerettet werden mussten. Nur unbegrenztes Gratisgeld von der EZB, Sondererlöse aus Beteiligungsverkäufen und ungewöhnlich niedrige Kreditausfallraten haben sie über Wasser gehalten.>

      Hier geht es um „solider“ und nicht um „solide genug“.

      Vielleicht waren sie nach 2008/2009 nicht so solide genug aufgestellt, um unter normalen Bedingungen überlebt zu haben. Das würden viele unterschreiben.

      Trotzdem kann man daraus nicht schließen, dass sie nicht solider als 2008/2009 aufgestellt waren.

      >Aber schon geringste Zinssteigerungen sowie eine Normalisierung bei den Unternehmensinsolvenzen würden den Sektor atomisieren>

      Kann schon sein, aber dann sind sie eben nicht solide genug aufgestellt für das, was in der Zukunft kommt.

      Ich will hier nicht die Banken schönreden.

      Natürlich kommt es am Schluss darauf an, ob sie (mit dem System) überleben oder nicht.

      Aber das berechtigt nicht zu der Aussage, dass heute im Bankensektor alles so ist wie 2008/2009.

      Antworten
  7. Eric sagte:

    Sehr geehrter Herr Tischer,

    mit Verlaub: Was will uns Ihr Beitrag sagen? Mahnen Sie unberechtigte Aussagen an, oder konzedieren Sie „kann schon sein“?

    Wer Haarspalterei und Wortklauberei betreibt, sollte mit seinen Formulierungen präzise sein. So etwas hier – als eines mehrerer Beispiele -…

    > Vielleicht waren sie […] nicht so solide genug aufgestellt, …

    … ist kein Deutsch.

    Inhaltlich ist auch aus meiner Sicht sicherlich nicht alles in dem Interview uneingeschränkt zustimmungsfähig, aber ein zentrales Argument, daß das Geschäftsmodell vieler auch deutscher Banken auf nicht mehr so breiten (vielleicht auch nicht mehr so risikoreichen) Füßen steht wie noch vor 12 Jahren, dürfte unbestritten sein. Schauen Sie sich exemplarisch die Top-Line der Deutschen Bank der letzten drei Jahre an – die Jahresergebnisse erst recht, aber das ist zum Teil eine andere Geschichte. Die Marktanteile vor allem international sind gering, die Kosten (CIR) viel zu hoch.

    Daß außerdem die Aussagekraft der Stresstests der EVA bestensfalls diskutabel ist ist ebenfalls nichts Neues. Positiv ist aus meiner Sicht einzig, daß die NPLs sich in Deutschland (und auch in Europa) reduziert haben, das aber erwähnt Krall natürlich nicht.

    Die Frage, die Sie am Ende stellen – ob die Banken schließlich überleben, mit oder ohne System -, kann natürlich keiner beantworten. Ein großes Fragezeichen ist aber angebracht.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      Ganz einfach:

      Ich will sagen, dass Krall nicht argumentieren kann.

      Das interessiert viel nicht und auch Sie offensichtlich nicht.

      Muss es auch nicht, wenn es nur darauf ankommt, WER was sagt.

      Krall sagt, dass die Banken untergehen in der nächsten Krise.

      Langt doch (nicht nur für FOKUS) , der nächst bitte, der auch noch etwas dazu zu sagen hat.

      Wenn Krall dann aber den an sich überflüssigen VERGLEICH mit 2008/2009 anstellt – nicht faktisch belegt, sondern nur, um suggestiv seine letztlich spekulative Position zu untermauern –, dann erlaube ich es mir schon, nach der Logik seiner Argumentation zu fragen.

      Ist schon klar, dass das altmodisch ist:

      „Fakten, Fakten, Fakten und an die Leser denken“ – ihn aber bitte nicht mit hintergründigen Überlegungen aufhalten. Das überfordert ihn nur.

      Zu meinem Deutsch:

      Da haben Sie recht, es ist sehr schlampig und ich entschuldige mich bei allen Lesern dafür, ohne hier Gründe zu nennen, die es möglicherweise in einem etwas milderen Licht erscheinen lassen würden.

      Antworten
  8. Eric sagte:

    Sehr geehrter Herr Tischer,

    vielen Dank für die Klarstellung.

    Wenn Sie durchaus berechtigt die mangelnde Stringenz von Kralls Argumentation anführen, dann lassen Sie mich doch als Vorschlag zur Güte anregen, daß wir uns wenigstens hier auf bto inhaltlich mit dem Gesagten auseinandersetzen (auch wenn es einmal schlecht begründet sein sollte), anstatt uns an der Person Kralls abzuarbeiten. Denn in der Kakophonie der Argumente und Meinungen ist Krall schließlich nur einer von vielen.

    Mit Ihrer impliziten Kritik, daß Fokus meist nicht der Argumentationshöhe von bto entspricht, haben Sie ohne Zweifel recht. Das werde ich in Zukunft beim Verlinken externer Meinungen sicherlich stärker im Auge behalten.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      Schon recht, ich habe überhaupt nichts dagegen und kann natürlich auch nichts dagegen haben, dass sich andere Leser lediglich mit inhaltlichen Gesichtspunkten auseinandersetzen.

      Wenn es sachlich gut fundierte Beiträge sind, die auf Interesse stoßen, ist das bestens.

      Ich bewege mich mitunter mehr auf einer anderen Ebene mit meinen Beiträgen, weil ich damit Verweise auf die Substanz jenseits des Faktischen geben will.

      Auch die ist für QUALITÄT mitentscheidend.

      Kurzum, ich fand Ihre Frage durchaus angemessen und da Sie meine Antwort akzeptieren, haben wir keine Probleme miteinander.

      Antworten

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