„The Eurozone’s Long Depression“

Ein Leser hat mich auf einen interessanten Blogbeitrag hingewiesen, der sich mit der Struktur der Eurozonen-Wirtschaft beschäftigt. Dabei werden die Daten der EZB nüchtern betrachtet. So, wie es auch bei bto von mir immer wieder versucht wird, klar und nachvollziehbar. Deshalb heute hier zum ersten Mal als Quelle: Coppola Comment

Zunächst zeigt der Beitrag die Entwicklung des Sparens in der Eurozone. Leser von bto kennen den Zusammenhang zwischen Ersparnisüberschüssen und Handelsüberschüssen, hier immer wieder mit Blick auf Deutschland diskutiert und kritisiert. Genau so sieht es nach Daten der EZB auch auf Eben der Eurozone seit 2011 aus:

Quelle: EZB

Beeindruckend ist zum einen der starke Anstieg, aber vor allem, was da gestiegen ist. Es ist der Forderungsaufbau an das Ausland außerhalb der Eurozone. Gleichzeitig haben die Staaten netto nichts mehr investiert! Unternehmen und private Haushalte investieren hingegen wieder auf normalem Niveau. Dazu Coppola:

  • „The chart shows that collapsing corporate investment is the real story of the Eurozone crisis. European corporations all but stopped investing in the Eurozone in 2012-13. Even now, corporate investment in the Eurozone is barely higher than it was in 2011, in the wake of the Great Financial Crisis.But European corporations didn’t stop investing. They simply looked elsewhere. Net saving didn’t dip much in the Eurozone crisis – but the associated investment no longer went into the Eurozone economy. It flowed out of the Eurozone to the rest of the world. Ever since the crisis, as net saving has increased in the Eurozone, the rest of the world has benefited from its rising exports of capital.“ – bto: Und das ist aus vielen Gründen rationales Verhalten: ungelöste Krise, schlechte Demografie, mehr Wachstum in anderen Regionen. Es ist das Symbol für den Niedergang Europas und die deutlich höhere relative Attraktivität anderer Regionen der Welt. So wie auch ich immer empfehle, sich woanders hin zu orientieren.
  • „(…) the Eurozone authorities have very good reasons for pursuing policies that discourage external investment.(bto: gemeint ist hier von Ausländern in der Eurozone).  The ‘sudden stop’ in 2011 nearly destroyed the Euro. Those in charge in the Eurozone daren’t risk another one. The current account surplus, and associated capital exports, are protective. After all, if you never borrow from the outside world, they can’t hurt you.“ – bto: Das ist aber meines Erachtens nicht die Motivation. Die Politiker verstehen nicht, wie unattraktiv Europa fundamental als Investitionsstandort geworden ist.
  • In fact the Eurozone is behaving in much the same way as developing countries have since the Asian crisis of 1997, and for much the same reasons. Just as developing countries pursued export-led growth strategies and built up large FX reserves to protect themselves (…) Perhaps Eurozone leaders think the investment chill that is causing the Eurozone’s poor growth, high unemployment and stubbornly low inflation is a fair price to pay to keep the Eurozone together.“ – bto: Das kann gut sein, finden sie doch auch Negativzinsen zunehmend normal. 
  • „But the Eurozone is not a young developing country whose population is generally living on a low income. It is a mature Western economy with a population that is used to a relatively high standard of living and whose net worth took an absolute beating not only in the 2007-8 financial crisis, but also in the Eurozone crisis.“ – bto: Was klar ist, denn Deleveraging geht immer mit verfallenden Assetpreisen einher. Soweit also zu erwarten.

Quelle: EZB

Fazit Coppola: „Rising property prices seem to be the only means the people of the Eurozone have of restoring their lost wealth. But for the young, already suffering from high unemployment, rising house prices mean an even more impoverished future. For how much longer will they tolerate this Long Depression?“ – bto: Das führt zu meiner immer wieder gemachten Feststellung: Es ist eine Frage des politischen Durchhaltevermögens, wie lange die Eurozone überlebt. Dieses ist allerdings endlich.

→ coppolacomment.com: „The Eurozone’s Long Depression“, 30. April 2019

31 Kommentare
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    Dietmar Tischer sagte:

    Die Malaise der Eurozone wird signifikant dokumentiert.

    Die Ursachen sind eindeutig bestimmbar.

    Die Unternehmen:

    Zu geringe INVESTITIONEN in der Eurozone, zunehmende in die Wachstumsregionen.

    Die Staaten:

    Hohe Transfers in den KONSUM statt Investitionen, um die Bevölkerungen ruhig zu stellen, d. h. Globalisierungsverlierer zu „entschädigen“, die unproduktiven Alten (Rentner) am Wachstum teilnehmen zu lassen, und die des geringen Wachstums wegen demotivierende Perspektivlosigkeit der jungen und arbeitenden Menschen einigermaßen unter Kontrolle zu halten.

    Heißt:

    Die Unternehmen geben die Eurozone TENDENZIELL auf und die Staaten „kompensieren“ die Beschäftigungsverluste zu LASTEN ihrer Investitionen mit Konsumfinanzierung sowie die dafür nicht hinreichenden Einnahmen mit zunehmender VERSCHULDUNG. Die bedeutenden Länder Frankreich und Italien sind exemplarisch dafür.

    Die EZB mildert die Kosten.

    Die Lösung?

    Eine STRUKTURELLE wirtschaftliche Lösung ist nicht möglich, weil die BEREITSCHAFT der Bevölkerungen dafür nicht besteht. Sie werden freiwillig, d. h. aus EINSICHT keinen Konsumverzicht hinnehmen, insbesondere die immer älter werdenden Menschen sind dazu nicht bereit.

    Die Bevölkerungen werden sich POLITISCH anders orientieren, was zu gesellschaftlicher Instabilität bis hin zu politischer Handlungsunfähigkeit führen wird (Brexit ist supranational paradigmatischer Vorbote).

    Eine DÄMPFUNG der Konflikte ist durch die Monetarisierung der Fiskalausgaben ist auf ZEIT möglich.

    Ein modifiziertes oder völlig anderes Geldsystem kann an den FUNDAMENTAL ursächlich wirkenden Megatrends (Globalisierung, demografische Entwicklung, Migration etc.) jedoch nichts ändern.

    Wohlstandsverluste sind UNVERMEIDLICH, wobei die technologische TRANSFORMATION durch Digitalisierung/Vernetzung, Automatisierung und Energiewende eher keine geordnete Anpassung erwarten lassen. Aller Voraussicht nach wird sich die Gewinner-/Verlierer-Thematik dadurch verschärfen.

    Externe Schocks, wie z. B. ein weiterer Krieg im Nahen Osten oder auch „nur“ nicht auszuschließende Unruhen in der Türkei mit neuen Flüchtlingswellen können die absehbare DESTABILISIERUNG der Gesellschaften in der Eurozone und darüber hinaus in der EU beschleunigen.

    Wie auch immer:

    Es wird zunehmend ungemütlich – und NIEMAND kann etwas daran ändern.

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      Horst sagte:

      „Ein modifiziertes oder völlig anderes Geldsystem kann an den FUNDAMENTAL ursächlich wirkenden Megatrends (Globalisierung, demografische Entwicklung, Migration etc.) jedoch nichts ändern.“

      Selbstredend könnte ein modifiziertes Geldsystem an der demografischen Entwicklung und an der Migration etwas ändern. Ursächlich für diese Entwicklungen, die hier und dort beklagt werden, und UNVERMEIDLICH zu

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Selbstredend haben Sie Recht.

        Das geänderte Geldsystem kann etwas an der demografischen Entwicklung ändern, wenn man damit erreicht, dass die Menschen VERARMEN.

        Dann, aber erst DANN werden mehr Kinder geboren (haben wir gerade erst vor ein paar Tagen an einem anderen Thread gelernt).

        Sie wären der „Reichtum“, d. h. die Versicherung gegen Armut im Alter, etwa wie heute überwiegend in Afrika.

        Und wie in Afrika würden sie Konsumieren statt Investieren bedeuten – Wohlstand auf unserem jetzigen Niveau wäre für ewige Zeiten ade.

        Es ist überhaupt nicht ausgeschlossen, dass es auf diesem Weg gelingt.

        Man arbeitet bereits daran.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Unterversorgung mit Geldmitteln?

        Wenn, was der Fall ist, die Gesamtverschuldung STEIGT, kann davon keine Rede sein.

        Wenn dafür die Zentralbanken ihre Bilanzen so aufgebläht haben wie geschehen und zudem die Assetpreise so gestiegen sind, wie sie gestiegen sind – Schaubild 8.1. die blauen Balken müssten auch Ihnen ins Auge springen, wenn Sie sie denn öffnen –, muss man die Realität schon gewaltsam ausblenden, um zu Ihrer Auffassung zu gelangen.

        In was für einer Welt leben Sie?

        Wenn es an etwas fehlt, dann ist es die Konsum- und Investitionsgüternachfrage in den entwickelten Volkswirtschaften.

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        Horst sagte:

        „Wenn, was der Fall ist, die Gesamtverschuldung STEIGT, kann davon keine Rede sein.“

        Selbstredend kann hiervon die Rede sein, unter der Voraussetzung, dass überwiegend Geldmittel in denjenigen Gesellschaftsschichten allokiert werden, die nunmehr nicht konsumieren oder investieren, jedenfalls nicht in ausreichendem Maß.

        „Wenn es an etwas fehlt, dann ist es die Konsum- und Investitionsgüternachfrage in den entwickelten Volkswirtschaften.“

        Mit dieser übereinstimmenden Aussage haben Sie meine Aussage nicht nur bestätigt, sondern auch nachgewiesen, dass nicht zwingend eine Korrelation zwischen gestiegenen Asset-Preisen, „aufgeblähten“ Bilanzen und einer ausreichenden Versorgung mit Geldmitteln durch alle Gesellschaftsebenen besteht.

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        Horst sagte:

        Ich nehme zur Kenntnis, Herr Ott, Sie sind ein Kind des Sozialismus (ich unterstelle, Sie sind > 65 Jahre alt und in Sachsen aufgewachsen), das sich nach 1989 emanzipierte und einschwenkte auf den Kapitalismus libertärster Prägung. Ihre Metamorphose in allen Ehren, Ihre ständigen Verweise, Deutungen und Unterstellungen hinsichtlich Planwirtschaft, DDR 2.0, Propaganda sind für Diskussionen schlicht nicht geeignet.

        Versorgung mit Geldmitteln auf privater Ebene kann auf zwei Arten (Aufnahme von Darlehen klammere ich aus) erfolgen:

        1. Durch Erwerbstätigkeit (selbständig oder nicht-selbständig), oder
        2. durch Umverteilung (in D. geordnet durch das SGB).

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        Richard Ott sagte:

        @Horst

        „Ich nehme zur Kenntnis, Herr Ott, Sie sind ein Kind des Sozialismus (ich unterstelle, Sie sind > 65 Jahre alt und in Sachsen aufgewachsen), das sich nach 1989 emanzipierte und einschwenkte auf den Kapitalismus libertärster Prägung.“

        Hahahahaha. Cringe. Wenn Sie wüssten.

        „Ihre ständigen Verweise, Deutungen und Unterstellungen hinsichtlich Planwirtschaft, DDR 2.0, Propaganda sind für Diskussionen schlicht nicht geeignet.“

        Schon klar, dass es Ihnen nicht gefällt, wenn irgendwelche Spielverderber wie ich kommen und davon erzählen, wie Ihre sozialistischen Träumereien schon einmal krachend gescheitert sind.

        Haben Sie das beleidigte Gesicht vom kleinen FDJ-Kevin bei „Anne Will“ gesehen, als der sächsische Ministerpräsident Kretschmer seine BMW-Enteignungsideen mit der DDR verglichen hat? Genau so sehen Sie jetzt wahrscheinlich auch aus. :)

        PS: Sie haben die Varianten 3 und 4 vergessen, obwohl der Rat des Kreises, Abteilung Handel und Geldmittelversorgung extra eine Wandzeitung dazu gestaltet hat:
        3. durch Helikopterabwurf
        4. beim Universum ganz viel Geld bestellen: https://www.prosieben.de/tv/comedy-classics/videos/5-geldbestellung-beim-universum-clip

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Ich will nicht unhöflich sein, aber es tut mir leid, so wie Sie kann man keine Diskussion führen:

        Sie BEHAUPTEN eine Unterversorgung von Geldmitteln und SCHLIESSEN von dieser auf eine zu geringe Konsum- und Investitionsgüternachfrage.

        Damit stellen Sie die Gleichung auf:

        Mehr Geld = mehr Nachfrage, OHNE zu erwägen, dass auch aus anderen Gründen als Geldmangel die Nachfrage zu gering sein könnte.

        Kann es nicht sein, dass die Menschen und Unternehmen, das Mehr an Geld, was man ihnen zuweisen könnte, z. B. durch Steuererleichterungen oder Helikoptergeld aufs Konto legen, d. h. damit eben NICHTS nachfragen?

        Natürlich kann das so sein.

        Und weil das so sein kann, plädieren viel Ökonomen dafür, dass der Staat mehr Geld haben sollte, um mit diesem Geld direkt NACHFRAGE zu generieren.

        Um das zu verstehen, müssen hier am Blog nur M. Stöcker mit seinen Tiraden gegen die schwarze Null im Bundeshaushalt zur Kenntnis nehmen.

      • Avatar
        Horst sagte:

        ad Herr Tischer:

        „Mehr Geld = mehr Nachfrage, OHNE zu erwägen, dass auch aus anderen Gründen als Geldmangel die Nachfrage zu gering sein könnte.“

        Solange das Mantra der Politik lautet „Sozial ist, was Arbeit schafft“ (vgl. CDU 2017) wird die Wirtschaft um das Nachfrage-Dilemma nicht herumkommen. Denn nur wenn Nachfrage vorhanden ist, können Arbeit (Arbeitsplätze) a) erhalten werden und/oder b) entstehen.

        Daher lautet meine Gleichung: Mehr Geld in denjenigen Gesellschaftsebenen, die a) nachfragen möchten und/oder b) investieren möchten.

        Dass unbestreitbar Gesellschaftsebenen existieren, die NICHT nachfragen oder investieren wollen/müssen (weil der Bedarf bereits gedeckt ist), habe ich nicht ausgeklammert.

        Dass unbestreitbar Gesellschaftsebenen existieren, die nachfragen oder investieren wollen/müssen (weil der Bedarf (noch) nicht oder nicht hinreichend gedeckt ist), erkennen sicherlich auch Sie.

        „Kann es nicht sein, dass die Menschen und Unternehmen, das Mehr an Geld, was man ihnen zuweisen könnte, z. B. durch Steuererleichterungen oder Helikoptergeld aufs Konto legen, d. h. damit eben NICHTS nachfragen?“

        Selbstverständlich kann das sein, das habe ich nicht negiert, daher sehe ich keinen Dissens.

      • Avatar
        Horst sagte:

        ad Herr Ott:

        „Haben Sie das beleidigte Gesicht vom kleinen FDJ-Kevin bei „Anne Will“ gesehen, als der sächsische Ministerpräsident Kretschmer seine BMW-Enteignungsideen mit der DDR verglichen hat? Genau so sehen Sie jetzt wahrscheinlich auch aus. :) “

        Ohne staatliche Hilfen (Überbrückungskredite) gäbe es BMW bereits seit 1960 nicht mehr:

        https://www.econbiz.de/Record/bmw-dem-konkurs-entronnen-die-geschichte-der-automarke-seit-1960-hrachowy-frank/10011474809

        Das Geschäftsmodell und die Produktpalette waren mausetot!!!
        Oje, ein sozialistischer Eingriff (nach Ihrer Definition, oder eher sozialmarktwirtschaftlicher Eingriff) rettete die Marke und verhalf den Quandts, ein unfassbares Vermögen aufzubauen.

        Dass Wirtschaftsgeschichte nicht Ihre Stärke ist, haben Sie bereits bewiesen, dass Sie ein Meister der Verballhornung sind, hingegen schon.

        Und heute? Das Geschrei nach Subventionen und Staatshilfen ist wieder einmal groß:
        https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/elektromobilitaet-sieben-millionen-e-autos-bis-2030-autoriesen-fordern-staatshilfen/24214158.html?ticket=ST-1550698-2hncUhme7Ux2M5OZJhqT-ap4

        Dann kann doch konsequenterweise gleich der Umbau zu einem Staatsbetrieb erfolgen.

        You can´t eat the cake and have it too.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        >Dass unbestreitbar Gesellschaftsebenen existieren, die nachfragen oder investieren wollen/müssen (weil der Bedarf (noch) nicht oder nicht hinreichend gedeckt ist), erkennen sicherlich auch Sie.>

        Sie TUN das auch und können es auch FINANZIEREN – sei es, dass sie Gewinne erzielt haben oder Kredite erhalten – für die besteht KEINE „Unterversorgung von Geldmitteln“.

        Sie erkennen nicht das Problem.

        Nochmals:

        Es liegt in den STRUKTURELLEN Bedingungen der Realwirtschaft.

        Ich habe es oben dargelegt.

        Genug dazu, ich will mich nicht dauernd wiederholen.

      • Avatar
        Horst sagte:

        „Sie TUN das auch und können es auch FINANZIEREN – sei es, dass sie Gewinne erzielt haben oder Kredite erhalten – für die besteht KEINE „Unterversorgung von Geldmitteln“.“

        Sie (die Gesellschaftsebenen, die nachfragen wollen/müssen HABEN KEINE GEWINNE ERZIELT oder KREDITE ERHALTEN,WEIL…) TUN es nicht, da aufgrund der Unterversorgung mit Geldmitteln die Bonität zur Finanzierung von Vorhaben NICHT gegeben ist.

        Offensichtlich erkennen Sie das Problem nicht, denn es ist KEINES (oder NUR in zweiter Konsequenz) der strukturellen Bedingungen der Realwirtschaft, legen daher das Henne-Ei-Dilemma in ihrer ganz eigenen, wie immer jedoch, elegant bis zur Verwirbelung, Dialektik, dar.

      • Avatar
        Horst sagte:

        „Haben Sie das beleidigte Gesicht vom kleinen FDJ-Kevin bei „Anne Will“ gesehen, als der sächsische Ministerpräsident Kretschmer seine BMW-Enteignungsideen mit der DDR verglichen hat? Genau so sehen Sie jetzt wahrscheinlich auch aus. :)“
        Ohne staatliche Hilfen (Überbrückungskredite) gäbe es BMW bereits seit 1960 nicht mehr:
        https://www.econbiz.de/Record/bmw-dem-konkurs-entronnen-die-geschichte-der-automarke-seit-1960-hrachowy-frank/10011474809
        Das Geschäftsmodell und die Produktpalette waren mausetot!!!
        Oje, ein sozialistischer Eingriff (nach Ihrer Definition, oder eher sozialmarktwirtschaftlicher Eingriff) rettete die Marke und verhalf den Quandts, ein unfassbares Vermögen aufzubauen.
        Dass Wirtschaftsgeschichte nicht Ihre Stärke ist, haben Sie bereits bewiesen, dass Sie ein Meister der Verballhornung sind, hingegen schon.
        Und heute? Das Geschrei nach Subventionen und Staatshilfen ist wieder einmal groß:
        https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/elektromobilitaet-sieben-millionen-e-autos-bis-2030-autoriesen-fordern-staatshilfen/24214158.html?ticket=ST-1550698-2hncUhme7Ux2M5OZJhqT-ap4
        Dann kann doch konsequenterweise gleich der Umbau zu einem Staatsbetrieb erfolgen.
        You can´t eat the cake and have it too.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Horst

        Wenn es mit der DDR 2.0 nicht klappt, könnten Sie auch eine Kneipe aufmachen. Stellen Sie sich mal vor, wie viel extra Umsatz Sie erzielen, wenn Sie Ihren Gästen bei jedem Besuch reichlich Geld zum Ausgeben in die Hand drücken und so „die Geldversorgung“ für jeden sicherstellen! ;)

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Tischer:

      Ich würde jeden Satz von Ihnen unterschreiben, bis auf den letzten Halbsatz. Dass niemand daran etwas ändern kann, stimmt m.E. nicht. Wenn alle zusammenhelfen würden, könnte man die ungemütlichen Ereignisse zumindest abmildern. Aber nicht einmal hier ist ein ernsthafter politischer Wille erkennbar.

      Antworten
      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Susanne Finke-Röpke

        Sie haben Recht, die Auffassung, dass niemand etwas an den Megatrends – und nur von denen rede ich hier – ändern kann, verlangt eine Erklärung.

        Denn es liegt ja nahe:

        Warum sollen durch Menschen verursachte Megatrends nicht durch Menschen verändert werden können?

        Was ich meine:

        Die Megatrends werden durch Menschen verändert werden – das ist die selbstverständlichste Sache in dieser Welt. Denn nichts war jemals in der Menschheitsgeschichte derart konstant, dass sich soziale und wirtschaftliche Systeme sich nicht hätten verändern können. Sie verändern sich kontinuierlich, mal mehr, male weniger, jeder erwachsen Mensch kann das bestätigen.

        Aber:

        Niemand – seien es die Regierungschefs aller Nationen dieser Erde, seien es nur Trump, Juncker und die chinesische Nr. 1, seien es alle Menschen – kann erreichen, dass sozusagen der Schalter umgelegt wird, sagen wir, ab morgen kein Welthandel mehr. Noch nicht einmal das sanfte Umlegen des Schalters, etwa jedes Jahr 5% weniger Welthandel, wäre zu erreichen.

        Es ist nicht zu erreichen, weil zu viele INTERESSEN es verhindern.

        Die VERFOLGUNG von Interessen ändern Systeme.

        Das kann sanft geschehen, etwa – um beim Beispiel zu bleichen – durch Modifizieren des Welthandels mittels Zöllen, dass kann auch durch Kriege geschehen und dann ist es disruptiv. Mit der Kapitulation 1945 war Dritte Reich von einem auf den anderen Tag zu Ende als System.

        Lassen sie mich das illustrieren anhand eines anschaulichen Beispiels mit EMPIRISCHER Relevanz:

        Marx war seiner Theorie gemäß der Meinung, dass die Produktionsweise des Kapitalismus nicht von einem zum anderen Tag durch Umlegen eines Schalters – das meine ich mit „Niemand kann ändern“ – disruptiv zu ändern sei. Die Kapitalisten mussten nicht unbedingt Kapitalisten sein, aber ALS Kapitalisten MUSSTEN sie Produktionsmittel akkumulieren. Die Proletarier wiederum hatten keine Wahl außer Proletarier zu sein und MUSSTEN sich als abhängig Beschäftigte verdingen.

        Soweit hatt er m. A. n. Recht.

        Er hatte nicht Recht mit der Auffassung, die seiner ökonomischen Theorie enthalten ist, dass das System zu einem BESTIMMTEN System mutieren würde, nämlich zum Sozialismus.

        Er hatte nicht Recht, weil er nicht EINBEZOG, dass WEGEN des dargelegten MÜSSENS die kapitalistische Produktionsweise immer PRODUKTIVER wurde, so dass die abhängig Beschäftigten einen ansehnlichen Teil der produzierten Gütern haben konnten (ohne Disruption des Systems!) und den Kapitalismus daher nicht in den Sozialismus mutieren ließen bzw. ihn nicht als „revolutionär agierende Subjekte“ in den Sozialismus überführt haben.

        Sie haben den Kapitalismus aber verändert – durch Addition eines Sozialstaats mit zunehmenden Umverteilungsmechanismen. Auch das ist eine Vergesellschaftlichung, wenn auch nicht die Marxsche der Produktionsmittel.

        Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, darzulegen, was ich meine mit „niemand kann die Megatrends WILLENTLICH verändern“.

        Sie verändern sich, wie gesagt, durch die Verfolgung von UNTERSCHIEDLICHEN Interessen.

      • Avatar
        Horst sagte:

        ad Herr Ott:

        Der Wirt ist im Gegensatz zum Staat nicht unbegrenzt kreditwürdig, darüber hinaus darf dieser nicht seine eigene Währung emittieren. Warum also solche infantilen Aussagen?

        Ebenso:

        „Haben Sie das beleidigte Gesicht vom kleinen FDJ-Kevin bei „Anne Will“ gesehen, als der sächsische Ministerpräsident Kretschmer seine BMW-Enteignungsideen mit der DDR verglichen hat? Genau so sehen Sie jetzt wahrscheinlich auch aus. :)“

        Ohne staatliche Hilfen (Überbrückungskredite) gäbe es BMW bereits seit 1960 nicht mehr:

        https://www.econbiz.de/Record/bmw-dem-konkurs-entronnen-die-geschichte-der-automarke-seit-1960-hrachowy-frank/10011474809

        Das Geschäftsmodell und die Produktpalette waren MAUSETOT.

        Oje, ein sozialistischer Eingriff (nach Ihrer Definition, oder aber doch eher ein sozialmarktwirtschaftlicher Eingriff?) rettete die Marke und verhalf den Quandts, ein unfassbares Vermögen aufzubauen.

        Dass Wirtschaftsgeschichte nicht Ihre Stärke ist, haben Sie bereits bewiesen, dass Sie ein Meister der Verballhornung sind, hingegen schon.

        Und heute? Das Geschrei nach Subventionen und Staatshilfen ist wieder einmal groß:
        https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/elektromobilitaet-sieben-millionen-e-autos-bis-2030-autoriesen-fordern-staatshilfen/24214158.html?ticket=ST-1550698-2hncUhme7Ux2M5OZJhqT-ap4

        Dann kann doch konsequenterweise gleich der Umbau zu einem Staatsbetrieb erfolgen.

        You can´t eat the cake and have it too.

  2. Avatar
    Horst sagte:

    In der Tat, eine kluge Stimme, die auch auf Makronom publiziert.

    https://makronom.de/ueber-uns/autoren/frances-coppola

    Nach der Lektüre „Bankiers unter dem Hakenkreuz“ von Christopher Kopper komme ich nicht umhin, sehr viele Parallelen zu der Dekade der 20iger Jahre zu entdecken (Siechtum, Austeritätspolitik, hohe Verschuldungsgrade, aber auch erstmaliges konzertiertes Intervenieren der Zentralbanken, Verstaatlichung der großen Banken (in Deutschland, Fall der Danat Bank, Dresdner und Deutsche Bank unter semi-staatlicher Aufsicht etc.).

    Daher an Herrn Ott hier explizit: Ich bin glücklich darüber, dass die EU von sehr vielen Menschen als Friedensprojekt gesehen wird.

    So könnte auch gesagt werden: „Capitalism Is Broken Because of Central Banks already in the 1920th“.

    Also „fast“ keinen Aufschrei wert (so ist die Brüningsche Wirtschaftspolitik, wenngleich aus anderer Motivation, vergleichbar mit der schwarzen NULL von heute).

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    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Horst

      Wie schön, dass Sie an mich denken, wenn Sie sich zur Selbstvergewisserung Ihr Propagandamärchen von der EU als Friedensprojekt vorbeten.

      Wenn Sie unbedingt jemandem für Frieden „danken“ wollen, dann sollten Sie den Wissenschaftlern und Ingenieuren aus den USA, der Sowjetunion und Deutschland „dankbar“ sein, die am Ende des 2. Weltkriegs alle dazu beitrugen, dass die beiden nach dem Krieg übriggebliebenen Supermächte Atombomben und die dazu passenden Langstrecken-Trägersysteme im Arsenal hatten. „Mutually assured destruction“ sagten die Amerikaner zu dieser neuen geostrategischen Konstellation, auf Deutsch „Gleichgewicht des Schreckens“. Diese neuen Massenvernichtungswaffen waren der wesentliche Grund dafür, wieso es seit 1945 in Europa keinen größeren Krieg mehr gab, nicht irgendwelche hirnrissigen Brüsseler Initiativen zur europaweiten Verheinheitlichung und Regulierung von Staubsaugern und Wasserkochern.

      Hinzu kommt dann noch, dass seit dem 2. Weltkrieg die Geburtenrate pro Frau in fast allen europäischen Ländern unter 2 liegt. Das ließ die grundsätzliche Bereitschaft in der Bevölkerung dazu, einen Teil der Söhne in Kriegen zu verheizen, deutlich zutückgehen.

      Das Bemerkenswerte ist, dass der Frieden immer noch hält, obwohl die EU mit der gemeinsamen Währung Euro für einen Teil der Mitgliedsstaaten ohne Not und aus purer Hybris einen Auslöser für permanente grundsätzliche Konflikte zwischen Ländern mit völlig unterschiedlichen Auffassungen zu Sparen, Staatsverschuldung und Inflation hineingebracht hat. Vielleicht ändert sich das ja, wenn das deutsche Geld aufgebraucht ist, mit dem wir die Konflikte im Moment zukleistern. Bei der Gelegenheit können dann auch eingeübte und liebgewonnene Rituale der Schuldzuweisung wieder aktualisiert werden.

      PS: Kennen Sie eigentlich schon diesen (zumindest für mich…) wunderbar lustigen Artikel vom „New Statesman“ zu den aktuellen EU-Parlament-Wahlumfragen in UK? https://www.newstatesman.com/politics/staggers/2019/05/21-thoughts-yougov-s-latest-terrifying-european-parliamentary-election

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        Horst sagte:

        „Diese neuen Massenvernichtungswaffen waren der wesentliche Grund dafür, wieso es seit 1945 in Europa keinen größeren Krieg mehr gab, nicht irgendwelche hirnrissigen Brüsseler Initiativen zur europaweiten Verheinheitlichung und Regulierung von Staubsaugern und Wasserkochern.“

        Aus meiner Sicht waren/sind weder das eine noch das andere wesentlich dafür, dass es seit 1945 in ZENTRALEUROPA (in Südeuropa sehr wohl auf dem BALKAN) keinen Krieg mehr gab.

        Sowohl die Politik als auch die Bürger hatten/haben schlicht und ergreifend die Nase voll vom Kriege führen! Beobachten sollte man nur denjenigen (Person, Gruppe, Staat), der nur EINE EINZIGE atomare Waffe haben möchte.

        Stell dir vor, es ist Krieg und niemand geht hin.

        Hysterie, Ihrerseits, wie so oft. Dass aus zwei Lagern Atomraketen auf einander losgehen, ist höchst unwahrscheinlich, auch wenn diese vorhanden sind. Sie sagen es: Sie neutralisieren sich, daher spielt es keine Rolle, ob sie vorhanden sind oder nicht.

        Daher danke ich weder den Ingenieure noch den Wissenschaftlern, sondern, wenn überhaupt, dem gesünderen Menschenverstand.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Horst

        Atomwaffen gehören nicht in die Hände von irgendwelchen „Gruppen“ oder gar einzelnen Personen – da sind wir uns sogar ausnahmsweise mal einig. Bei souveränen Staaten ist das schon komplizierter. Nordkorea befürchtet zum Beispiel – durchaus berechtigt – dass die USA eine „Regime Change“-Invasion in dem Land durchführen könnten. Mit genügend Atombomben ist das aber keine Handlungsoption mehr für die USA, denn riesige verstrahlte Krater in der Bay Area in Kalifornien sorgen für extrem schlecht aussehende Fernsehbilder, die kein US-Präsident während seiner Amtszeit produzieren will.

        Aber ihr wesentlicher Denkfehler ist ein anderer: Atomwaffen im Besitz zweier verfeindeter Staaten „neutralisieren“ sich nicht einfach so wie wenn beim Fußball die eine Mannschaft einen tollen Mittelstürmer hat und die andere zwei spielstarke Innenverteidiger, sondern sie sorgen dafür, dass die erwarteten Zerstörungen bei einem Krieg so groß sind, dass ein Atomkrieg keine sinnvolle Handlungsoption mehr ist, um den Konflikt auszutragen.

        „daher spielt es keine Rolle, ob [die Atomwaffen] vorhanden sind oder nicht.“
        Eben doch! Wenn die Atomwaffen nicht vorhanden wären, könnte man militärisch bis zum totalen Krieg eskalieren ohne das es zum Atombombeneinsatz käme.

        Das ist das Prinzip von „Mutually Assured Destruction“. Es hat seit 1945 auf globalstrategischer Ebene funktioniert, und es funktioniert auch bei regionalen Konflikten wie zwischen Indien und Pakistan.

        „Sowohl die Politik als auch die Bürger hatten/haben schlicht und ergreifend die Nase voll vom Kriege führen!“

        Wenn das tatsächlich die Auffassung der Politiker und Bürger in Zentraleuropa so war, wie erklären Sie sich dann den Falklandkrieg (UK), den Indochina-Krieg (Frankreich), den Algerienkrieg (Frankreich), den zweiten Golfkrieg (UK, Frankreich, Spanien, Italien, und andere, plus deutscher Kostenbeitrag), den Afghanistankrieg (alle europäischen NATO-Staaten), den Irakkrieg (UK, „Koalition der Willigen“), die Intervention in Libyen die Gaddafi weggebombt hat (UK, endlich auch mal wieder Frankreich, und andere) und den Stellvertreterkrieg in Syrien (UK, Frankreich und andere, Deutschland mittelbar beteiligt im „Kampf gegen den IS“, der mittlerweile auf wundersame Weise zu einer militärischen Ausbildungsmission in von Kurden besetzten Gebieten in Nordostsyrien transformiert wurde)?

        Sieht eher so aus, als hätten die europäischen Staaten lediglich keine Lust darauf, Kriege gegen Staaten zu führen, die Atomwaffen besitzen. Oder kommt jetzt wieder mal das Märchen dass wir als gute Europäer ja immer nur Kriege führen, um „Demokratie und Menschenrechte“ zu verbreiten?

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        Peter Pan sagte:

        Dann will Saudi-Arabien die Bombe also nur, um der Region Ruhe und Frieden zu bringen?

        Also unter diesen Umständen sollte der Westen den Kopfabschneidern und Körperzerstücklern unbedingt Atomkraftwerke verkaufen.

        Auf die nächsten 75 Jahre „mutually assured destruction“!

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      Christoph Naujoks sagte:

      Hallo Herr Stöcker

      Am Ende des verlinkten Artikel heisst es „Given that the long-term average ratio of Q is about 70 not 110 as now, you can thus gauge the extent of the fictitious part of buying financial assets.“ und vorher: „But one crude but simple measure of the size of fictitious capital can be based on Tobin’s Q. Named after the leftist economist James Tobin of the 1970s, it measures the ratio between the market price of equities against the book value (or price) of the fixed assets of companies in an economy. The ratio thus expresses the fictitious portion of financial assets.“

      In einer Welt, in welcher Unternehmen aus der IT und Plattform-Economy kaum noch real Assets haben, also hohe Price-to-book-Werte, scheint mir, dass es noch andere Interpretionsmöglichkeiten als die marxistische geben muss.

      Hingegen finde ich die Erklärungsversuche für das niedrige Produktivitätswachstum wirklich spannend. Danke für den Input.

      Herzliche Grüße

      Christoph Naujoks

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