Negativzinsen führen zu geringeren Inflationserwartungen – nicht höheren, wie erhofft

Wo wir uns auf dem wohl unausweichlichen Weg in den Bereich der deutlich negativen Zinsen befinden – und damit verbunden zu Bargeldverbot, Kapitalverkehrskontrollen etc. – lohnt es sich, doch einen Blick auf das große „Vorbild“ zu werfen: Japan. Hat denn die Politik der negativen Zinsen dort gewirkt und die Inflationserwartungen nach oben getrieben? Die Studie, die ich gleich bespreche, wirft nicht unerhebliche Zweifel auf:

  • „In many of the world’s advanced economies, central banks have set policy rates close to or below zero. Indeed, negative rates have been relatively common for some time in many countries. (…) we review recent research by Christensen and Spiegel (2019) analyzing the financial market’s reaction to negative policy rates and a number of other policies the Bank of Japan (BOJ) introduced to raise inflation and inflation expectations.“ – bto: Das ist doch eine nahe liegende Frage. Hat es denn woanders gewirkt, ist auch ein wichtiges Zulassungskriterium bei Medikamenten, vor allem bei solchen mit erheblichen Nebenwirkungen.  
  • „Our market-based estimates indicate that, when the BOJ announced its plan to move to negative policy rates, inflation expectations actually declined and then continued to trend downward afterward. Therefore, Japan’s case is an extreme but potentially informative example illustrating the challenges associated with raising well-anchored inflation expectations through negative monetary policy rates.“ – bto: Wenn die Notenbank laut von Deflationsängsten spricht und damit eigenes Handeln begründet, werden die Investoren skeptischer und erwarten weniger Inflation? Das ist ja mal eine Erkenntnis.
  • „Japan has struggled with very low inflation since the mid-1990s. Its policy rate and related short-term interest rates have been close to zero for much of that time. Japan has also had an extensive experience with unconventional monetary policy, with limited apparent success.“ – bto: Ja, danach sieht es wirklich aus. Kein großer Erfolg würde man da als Nicht-Notenbanker sagen.

Japanese CPI inflation excluding fresh food:

Quelle: FED of San Francisco

  • „(…) returns to investors (…) have continued to fall in Japan since the end of the global financial crisis in 2010. The extended period of weak conditions in Japanese financial markets provides an example of an environment where expectations of inflation are likely to be anchored at low levels, which is confirmed by survey data from Japan over this period.“ – bto: Und das Beste ist, die Erwartungen waren auch noch korrekt. Damit hat man sich bestätigt gesehen und konnte noch mehr erwarten. Es gibt ja fundamentale Gründe für Deflation: Überkapazitäten, Zombies, hohe Schulden, Demografie und mehr.
  • „Under (…) Abenomics, the Bank of Japan introduced a number of expansionary policies to raise inflation and inflation expectations. (…) Monetary policy easing included an increase in the inflation target to 2%, an expansion of the large-scale asset purchase program, and stronger forward guidance. However, after failing to achieve a sustained increase in inflation expectations with policy rates already at zero, the BOJ moved to negative rates in January 2016.“ – bto: Nach dem Motto, wir müssen es nur noch stärker versuchen – wie für denjenigen mit dem Hammer, jedes Problem ein Nagel ist.
  • „We assess the impact of monetary policy changes using the information contained in nominal and inflation-adjusted, or real, Japanese government bond yields. (…) we examine yields for the 23 inflation-indexed bonds issued by the Japanese government (…) Our sample contains bond yields for six maturities, four of which are shown in Figure 2, where the zero-bound constraint on short- and medium-term yields is clearly visible.“ – bto: Man kann zumindest festhalten, dass nach einem deutlichen Rückgang der Zinsen eine leichte Erhöhung stattfand. Die Nominalzinsen für die zehnjährige Anleihe gingen sogar wieder über null.

Japanese nominal government bond yields:

Quelle: FED of San Francisco

  • „(…) the inflation-indexed bonds issued since the 2% inflation target was announced in 2013 also provide ‘deflation protection,’ in that they pay off their nominal principal at maturity even if there is price deflation. Due to Japan’s very low inflation and occasional deflation over the past 20 years, this protection has turned out to be valuable—well over half a percentage point (50 basis points) for extended periods (…).“ – bto: wie auch normale Anleihen einen solchen Schutz vor Deflation bieten.
  • „The difference between nominal and real yields of the same maturity, commonly known as the breakeven inflation (BEI) rate, is widely used to assess inflation expectations. (…) Figure 3 shows our estimates of 10-year BEI rates and expected inflation, with the BEI estimates since 2013 adjusted for deflation protection. The discrepancy between the adjusted BEI rate and estimated expected inflation can be interpreted as our estimate of the inflation risk premium.“ – bto: In dem Beitrag erklären die Autoren, welche Anpassungen vorgenommen wurden, um der Deflationsversicherung und dem Inflationsrisiko Rechnung zu tragen. Die Daten sollen also akkurat die Veränderung der Erwartungen wiedergeben.

Estimates of 10-year breakeven inflation:

Quelle: FED of San Francisco

  • „(…) inflation expectations immediately declined after the BOJ policy rate became negative, and dropped even lower at the end of our sample. (…) This announcement was largely unanticipated by financial market participants; the 10-year nominal yield dropped more than 9 basis points (0.09 percentage point) that day. The market’s reaction to the announcement therefore is likely to be informative about the policy’s effect on market participants’ inflation expectations.“ – bto: Im Klartext kommen sie zu der Schlussfolgerung, dass die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer gesunken sind und nicht gestiegen.
  • „Figure 3 shows that the BEI rate was falling around the time of the negative rate announcement and dropped even more rapidly after adjusting for deflation protection. This suggests that the value of the deflation protection option in the market was increasing. (…) After adjustment, the change in the 10-year BEI rate following the BOJ policy change declined an estimated 8 basis points, split almost equally between a 3 basis point decline in 10-year expected inflation and a 5 basis point drop in the 10-year inflation risk premium.“ – bto: was die Aussage nochmals verstärkt. Statt nun eine höhere Inflation zu erwarten und einzupreisen, wird eine tiefere Inflation als vor der Maßnahme erwartet.
  • „Essentially, the market appeared to treat negative rates as bad news, perhaps because investors were concerned that the BOJ’s unprecedented move meant that economic conditions were worse than they thought. Indeed, both the 10-year expected inflation rate implied by our model in Figure 3 and corresponding surveys of expected inflation have trended lower since early 2016.“ – bto: Das mag sein. Oder aber die Märkte durchschauen, dass die Medizin die Krankheit verschärft.
28 Kommentare
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    Michael Stöcker sagte:

    @ Eva Maria Palmer

    „Glaskugeln, Kaffee-Satz und schwarze Raben haben meistens nur Zigeuner.

    So ertwas brauchen wir beide nicht, oder?“

    Nein, so etwas brauchen wir nicht. Schön, dass wir uns da einig sind.

    Wir sollten aber auch nicht nur in die Sterne schauen, sondern uns vor allem auf die ökonomischen Daten sowie die falschen ökonomischen Theorien konzentrieren. Damit werden nämlich nicht nur die Prognosen besser, sondern man kann auf Basis der richtigen Analysen zugleich politische Handlungsempfehlungen entwickeln. Alles andere ist mittelalterlicher Attentismus.

    Es gibt mAn keine Vorherbestimmung, sondern lediglich eine Vorher-Unterlassung. Und deshalb sollten wir vermeintliche Gewissheiten immer wieder in Frage stellen; eben „beyond the obvious“. Und wer möchte, der kann seine wissenschaftlichen Erkenntnisse bei Bedarf immer noch mit der Astrologie abgleichen.

    LG Michael Stöcker

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    Michael Stöcker sagte:

    @ Alexander

    OK, jetzt weiß ich, was Sie gemeint, aber nicht gesagt haben. In der Tat: Jede zusätzliche Verschuldung bedeutet zugleich für einen anderen zusätzliches Geldvermögen. Die Summe des Nettogeldvermögens bleibt aber dabei konstant null.

    „Die Geldmenge ist immer durch das verpfändbare Eigentum begrenzt.“

    Das gilt nicht für den Staatskredit, da der Staat über das Steuerprivileg in der Lage ist, zu steuern. Es wird auch nichts dem Markt entzogen, da Banken durch die Kreditvergabe zusätzliches Geld erzeugen. Das sollte für Leser dieses Blogs eigentlich eine Binse sein, auf die auch Dr. Stelter immer wieder hinweist.

    „Per MMT wird die Eigenkapitalanforderung abgeschafft und das Geld stellt nach Verteilung erneut Vermögen dar, welches nach Anlage sucht.“

    Nein, die EK-Anforderungen bleiben bestehen; ja, das Geld sucht nach Anlage oder bleibt auf dem Konto liegen.

    Ja, die Vermögenspreisinflation ist ein Problem und macht das Sparen in Realien für viele Bürger unmöglich. Von daher plädiere ich ja für eine Erbschaftssteuer, die regelmäßig das Angebot an Assets erhöht und somit der Assetinflation entgegen wirkt.

    „Inflation kann deshalb nicht in Gang kommen, weil das Kreditgeldsystem seine Inflation in der Entstehungsphase erlebte (BRD bis ~ 1980) und eine überschuldete Gesellschaft automatisch unter Deflation leidet“

    Es gibt hier keinen Automatismus. Es kommt auf den politischen Willen an. Zudem: In allen stark wachsenden Ländern gibt es eine höhere Inflation (Samuelson-Effekt). Hinzu kamen in den 70er Jahren die Änderungen bei den terms of trade aufgrund der OPEC. Hat mit dem Kreditgeldsystems alles nur am Rande zu tun.

    „Besteuert man die Einkommen von z.B. Ärzten so sehr, dass ihnen die Möglichkeit für Überschüsse verloren geht, werden wir einen Mangel an z.B. Ärzten erleben…“

    Deswegen ja Erbschaftssteuer und keine hohe Einkommenssteuer bei der Mittelschicht!

    „Deflation für den Gläubiger.“

    … ist für den Schuldner tödlich und somit auch für das Geldvermögen des Gläubigers.

    „Ja, hat aber nichts von seiner Dringlichkeit verloren, denn wir leben nicht auf einer DM/Euro Scheibe sondern erdulden eine globale Dollarhegemonie.“

    So ist es; und daran wird sich auch nichts ändern, wenn wir den Euro nicht erhalten und weiter entwickeln.

    „Es wird in einer großen, weltumfassenden Revolution verschwinden.“

    Ob weltumfassend, da habe ich einige Zweifel, aber regional vermutlich irgendwann ja. Aber bis dahin gibt es noch viel Potential, den Zerfall hinauszuzögern; vielleicht ja dieses Mal sogar ad infinitum.

    „Die Lösung ist nicht mehr Geld in die Strukturen, die uns das Schlamassel erschaffen haben, sondern ein Strukturwandel mit allen notwendigen Schmerzen für Wohlstand und Vermögen.“

    Das klingt mir alles doch wieder sehr nach mittelalterlichem Aderlass als Untergangsbeschleuniger.

    LG Michael Stöcker

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    Michael Stöcker sagte:

    @ Alexander

    „Der Staat verschuldet sich um die Nachfragelücke zu schließen (Keynes) und seine Ausgaben wirken als Vermögen deflationär gegen Löhne/Kaufkraft?“

    Ausgaben wirken als Vermögen? Diese Aussage verstehe ich nicht. Was meinen Sie hiermit?

    Die Ausgaben des einen wirken immer als Einnahmen des anderen; und falls hiermit ein Gewinn erzielt wird, erhöht sich auch das Vermögen/Eigenkapital.

    „Da ist etwas dran, denn im Wettbewerb um Fremdkapital ist der Staat der bessere Schuldner.“

    In Bezug auf Deutschland und einige andere Staaten ist das schon seit langer Zeit so, gilt aber nicht für alle Staaten dieser Welt. Anleihen von Siemens & Co. sind niedriger verzinst als Argentinien, Brasilien…

    „Alles Geld, das der Staat dem Markt entzieht steht nicht für Investitionen i.d.F. Arbeitsplätze zur Verfügung.“

    Das wäre nur dann der Fall, wenn diese Geldmenge begrenzt wäre. Das ist aber nicht der Fall. Auch Geschäftsbanken können Staatsanleihen erwerben. Damit steigt die relevante Geldmenge M1/M2. Es gibt in einem zweistufigen Geldsystem KEINE Konkurrenz um einen limitierten Spartopf. Diese Vorstellung der Neoklassik gehört in das Reich der Mythen und Märchen. Banken erzeugen durch die Kreditvergabe IMMER zusätzliches Giralgeld und somit zusätzliche potentielle Kaufkraft.

    „Wenn nun die ZB per MMT kostenfrei Finanzmittel für staatliche Investitionen schöpft [..] stellen [diese] dann erneut Vermögen dar, das nach Anlage sucht.“

    Das ist korrekt. Das befördert somit weiter die Assetinflation und drückt zudem das nominelle Zinsniveau, bis die Inflation wieder anspringt.

    „Das überschüssige Vermögen zu besteuern führt nur dazu, dass man dem Land die Leistungsbereitschaft entzieht und „anders“ versucht Überschüsse zu erzielen.“

    ??? Entweder es ist „überschüssig“ oder es „entzieht die Leistungsbereitschaft“. Und wie gesagt: Wenn es Unternehmen mit gutem Geschäftsmodell gibt, dann sind die Banken dabei und erzeugen das nötige Giralgeld per Kreditvergabe oder aber unser Drückerkönig Maschi zückt das Portmonee.

    Aus Ihrem verlinkten Kommentar zu PCM:

    „Die FAZ meldet heute: „Warmer Regen für Besitzer von Anleihen – Im Januar 24,5 Milliarden Euro Zinszahlungen aus Staatsanleihen“

    Diese Meldung ist ja nun bald 20 Jahre her. Nicht ganz zufällig sind die Zinsen auf diese Anleihen massiv gesunken und liegen mittlerweile im Negativbereich. Insofern sind auch die weiteren Ableitungen für die Vergangenheit zwar korrekt, für die aktuelle Diskussion aber völlig wertlos, da nicht mehr – bzw. immer weniger – zutreffend.

    Vom daher verstehe ich diesen Argumentationspunkt überhaupt nicht. Im Gegenteil: Der Staat müsste nun WENIGER zurückzahlen als er zuvor an Schulden aufgenommen hat. Wo sollte da eine deflationäre Wirkung herrühren? Zumal Staatsschulden in der Regel nicht zurück gezahlt, sondern revolviert werden.

    „Lösung gibt es keine, wenn es keine Ausbuchung fauler Schuld gibt.
    Weiter aufbuchen, wie Stöcker glaubt, entkoppelt noch mehr Sektoren vom Preisniveau des Weltmarktes“

    Es gibt in einer offenen Volkswirtschaft KEINE längerfristige Entkopplung vom Weltmarkt. Die Kopplung erfolgt via FX-Markt.

    Eine schmerzvolle Lösung gibt es via Ausbuchung und potentieller Kettenreaktionen in einer hochgradig vernetzten Welt (siehe Lehman). Weniger schmerzvoll ist die sukzessive Wiederherstellung der Schuldentragfähigkeit über eine leichte Inflationierung. Dafür brauchen wir insbesondere in Deutschland mehr Investitionen, höhere Löhne sowie eine deutlich höhere Erbschaftssteuer.

    LG Michael Stöcker

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      Alexander sagte:

      @ Michael Stöcker

      > [staatliche] Ausgaben wirken als Vermögen?

      Ja, denn dieselben Verteilungswege von Einkommen wirken auch bei staatlichen Ausgaben. Z.B. der Staat finanziert Zuwanderung und ein Zahnarzt wird daran mehr Einkommen erzielen als eine Bäckereifachverkäuferin, denn die Kosten des Gesundheitwesens sind staatlich vereinbart und der Markt per Kassenzulassung reguliert – anders als bei Dienstleistungen ohne Privileg.
      Da sich die Lebenshaltung einer Verkäuferin nicht groß von der eines Arztes unterscheidet, bleiben dem Arzt nach Steuern mehr Finanzmittel, die er anlegen will. Eigenkapital könnte es werden, wenn er seine Kredite tilgt.

      >„Alles Geld, das der Staat dem Markt entzieht
      >>Das wäre nur dann der Fall, wenn diese Geldmenge begrenzt wäre.

      Die Geldmenge ist immer durch das verpfändbare Eigentum begrenzt. Giralgeldschöpfung muss ebenso mit Pfand besichert werden und wird dem Markt für Investitionen damit vorenthalten, wenn Anleihen erworben werden. Termius Basel II ff.

      Per MMT wird die Eigenkapitalanforderung abgeschafft und das Geld stellt nach Verteilung erneut Vermögen dar, welches nach Anlage sucht.

      Die Verteilung durch unterschiedliche Wertschöpfung (Arzt vs. Verkäuferin) ist nicht ungerecht, aber die Vermögenspreisinflation durch Anlage wirkt sich deflationär gegen die beschränkte Kaufkraft der Verkäuferin aus. Sie muss schließlich mieten……und kann kein eigenes Vermögen aufbauen. Daher die Spaltung der Gesellschaft in Forderungsinhaber und dauerhaft arme Leute.

      Inflation kann deshalb nicht in Gang kommen, weil das Kreditgeldsystem seine Inflation in der Entstehungsphase erlebte (BRD bis ~ 1980) und eine überschuldete Gesellschaft automatisch unter Deflation leidet – GANZ EGAL WIEVIEL SCHULDGELD NOCH EMITTIERT WIRD. Die Vermögenspreisinflation pumpt nur noch Phantomsicherheiten auf, die ohne Geldpolitik im Wert fallen würden – ausnahmslos Anleihen, Aktien, Immobilien, Edelmetalle.

      Besteuert man die Einkommen von z.B. Ärzten so sehr, dass ihnen die Möglichkeit für Überschüsse verloren geht, werden wir einen Mangel an z.B. Ärzten erleben…oder keine Termine bekommen, selbst wenn es dringend ist;
      weil sich die Ausbildungsleistung nicht lohnt. (Obwohl Ärzte selbstlose Menschen sind, haben auch Ärzte Familien und Anforderungen zu befriedigen..)

      >Im Gegenteil: Der Staat müsste nun WENIGER zurückzahlen als er zuvor an Schulden aufgenommen hat. Wo sollte da eine deflationäre Wirkung herrühren?

      Deflation für den Gläubiger. Diese macht nichts (vgl. mein post unten) wenn die reale Marktdeflation die negativen Zinsen bei weitem übersteigt. Reale Marktdeflation unterdrückt jeden Investitionswunsch sobald Totalausfall droht.
      (100% Besteuerung würdet die Anstrengung Geldmittel zu verdienen erübrigen.)

      > Aus Ihrem verlinkten Kommentar zu PCM….diese Meldung ist ja nun bald 20 Jahre her….

      Ja, hat aber nichts von seiner Dringlichkeit verloren, denn wir leben nicht auf einer DM/Euro Scheibe sondern erdulden eine globale Dollarhegemonie.

      „Diese Ungleichheit hat weder mit Kapitalismus noch mit Marktwirtschaft etwas zu tun. Sie ist vielmehr die Ausgeburt der längst außer Kontrolle geratenen Staatsverschuldung.
      Dieser Zustand strebt mit mathematischer Präzision seinem Ende zu:
      Dem Aufstand der Armen (= Nicht-Forderungsinhaber) gegen die Reichen
      (=Forderungsinhaber, deren Forderungen letztlich in immer größerem Umfang Staatstitel sind)“

      Nicht die kommende Altersarmut ist der Aufstand, sondern die Armutsmigration aus der Subsahara Zone nach Europa…..vgl. das Heerlager der Heiligen, Jean Raspail.

      Obwohl ich nichts von kollektiver Schuld durch Ausbeutung von Afrikanern halte, ist mir bewusst, dass Afrika unseren Wohlstand genauso mitträgt, wie die Bäckereifachverkäuferin durch ihre KV Beiträge den Wohlstand eines Zahnarztes.

      Dazu PCM aus dem link S23:
      “ Die Weltgeschichte ist immer Machtgeschichte. Das Macht- und Gewaltmonopol des Staates wird – die Mißbräuche sind jeden Tag aufs Neue zu bestaunen (siehe USA, hier breitest diskutiert) – enden wie alleMonopole:

      Es wird in einer großen, weltumfassenden Revolution verschwinden.“

      Schwache, greise Europäer werden ihre Freiheiten nicht gegen die zahllosen Söhne des youth bulge der Subsahara Zone mit Humanismus zu schützen verstehen.

      Die Lösung ist nicht mehr Geld in die Strukturen, die uns das Schlamassel erschaffen haben, sondern ein Strukturwandel mit allen notwendigen Schmerzen für Wohlstand und Vermögen. Angst macht mir das keine, ganz im Gegenteil zu der Vorstellung unsere Strukturen regieren weitere 10 Jahre.

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        Richard Ott sagte:

        @Alexander

        „Obwohl ich nichts von kollektiver Schuld durch Ausbeutung von Afrikanern halte, ist mir bewusst, dass Afrika unseren Wohlstand genauso mitträgt, wie die Bäckereifachverkäuferin durch ihre KV Beiträge den Wohlstand eines Zahnarztes.“

        Nein. Nicht „genauso“, sondern in viel kleinerem Maße. Afrika ist wirtschaftlich viel unbedeutender als Sie glauben. Dazu brauchen Sie sich nur die Handelsbilanzen und die Import- und Export-Volumina anzuschauen.

        Dazu ein Gedankenexperiment: Wie sehr würde unser Wohlstand in Europa geschmälert, wenn Afrika nicht existierte? Und wie sehr würde der Wohlstand des Zahnarztes geschmälert, wenn es keine KV-Beiträge zahlenden (und süßen Kuchen verkaufenden…) Bäckereifachverkäuferinnen gäbe?

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        Alexander sagte:

        @Richard Ott

        Ja aus Sicht der Handelsbilanzen haben Sie Recht und der doppelte Preis wäre kein Problem. Nur würde der doppelte Preis nichts an den Strukturen Afrikas ändern.

        Genauso wenig wie ich an zufällige Grenzziehungen im Nahen Osten glaube, sind die Grenzziehungen auf dem afrikanischen Kontinent ohne Absicht erfolgt.

        Vergleichen sie es mit der Gründung der Tschechoslowakei nach dem ersten Weltkrieg. Vielvölkerstaaten bergen ein ständiges Konfliktpotential in sich. Afrika kommt trotz Abschaffung der Sklaverei nie zur Ruhe.

        Für die Geopolitik Frankreichs bin ich nicht verantworltich auch wenn sich meine dt. Regierung sich an den illegalen Kriegen in z.B. Mali beteiligt.

        Wir Europäer profitierten vom Stillstand der Entwicklung, weil wir damit auch unsere Strukturen zementieren durften, wie Weltmachtansprüche von UK oder Frankreich; Absatz für Abfälle der Agrar- /Elektro-/Textilindustrie u.a.m.

        Der Vergleich zur Bäckereifachverkäuferin ist weit hergeholt, aber ihre Beitragszahlungen in ein planwirtschaftliches System wie die KV zementieren Klassenunterschiede, die ein freier Markt durch Preiswettkampf ständig hinterfragen würde.

        Die Grenzöffnung wird Afrika nicht helfen, bei dem Kriegspotential, aber Europa vor Herausforderungen stellen, wie noch nie zuvor.
        https://www.achgut.com/artikel/kenia_vom_musterland_zur_fluchtursache

  4. Avatar
    Michael Stöcker sagte:

    Zinsen sind ein Gewinnbestandteil. Steigen die Schulden/Vermögen schneller als das Wirtschaftswachstum, dann MÜSSEN die Zinsen sinken, wenn die Lohnquote nicht noch weiter absinken soll und die Nachfrageabwärtsspirale zu einer sich verstärkenden Wachstumsschwäche mit sinkenden Gewinnen führt.

    Alternativ können selbstverständlich auch die Schulden/Vermögen via Steuer oder Insolvenzen reduziert werden. Wer also für höhere Zinsen plädiert, der sollte für höhere Steuern und/oder Geldvermögensvernichtung via Insolvenz plädieren.

    Das ganze wäre heute viel weniger dramatisch, wenn die Regierungen mehr auf Bill White und andere internationale Ökonomen gehört hätten, denn auf universitäre Austeritätsapostel mit ihrem EFC-Märchen (Expansionary Fiscal Contraction). Hier der Link zu einem Interview der FuW mit Bill White aus dem Jahre 2014. Selbstverständlich ist das ganze Interview interessant, aber die zentralen Aussagen kommen ab Minute 30:40: https://youtu.be/Ta79OupvyVA?t=1840

    LG Michael Stöcker

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      Dietmar Tischer sagte:

      R. White ist ein Träumer, wenn er sagt:

      Die G20-Regierungen hätte in 2008 vereinbaren sollen, dass jede, die die Möglichkeiten habe, das Wachstum zu steigern, es steigern sollte im „Interesse ALLER“.

      Das Interesse ALLER gibt es nicht nur in den Köpfen von Weltverbesserern.

      In der Realität ist es FIKITION.

      Denn in der Realität gibt es für Regierungen nur das Interesse derer, denen sie verantwortlich sind.

      Keine Regierung der Welt ist allen verantwortlich.

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        Dieter Krause sagte:

        Frau Merkel fühlt sich oftmals für alle verantwortlich: Als Deutschland im Jahr 2017 den G20-Vorsitz inne hatte, wollte sie doch wirklich zwischen Saudi Arabien, dem Jemen und dem Iran im Jemen-Konflikt vermitteln! Nie wieder davon etwas gehört oder? – Im übrigen glaube ich mittlerweile auch, dass sich Frau Merkel auch für die Bewohner des Andromeda-Nebels mit verantwortlich fühlt: Gott segne unsere großartige Mutter Theresa!

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „Denn in der Realität gibt es für Regierungen nur das Interesse derer, denen sie verantwortlich sind.“

        Sehe ich auch so und habe mich ebenfalls sehr über diese Aussage gewundert. Dennoch gibt es Institutionen wie z. B. den IMF, der durchaus ein wenig indirekten Einfluss ausüben kann, seinerzeit aber noch auf der Austeritätswelle schwamm. Blanchard et al. sind erst 2013/14 umgeschwenkt.

        White spricht aber insbesondere auch Deutschland an. Und da hätte man sehr viel tun können; und zwar ganz im Interesse des Landes und somit auch zur sukzessiven Beseitigung der massiven Ungleichgewichte in der Leistungsbilanz. White erwähnt explizit die Lohnentwicklung sowie die staatlichen Investitionen, die auch hier bei bto immer wieder angemahnt werden.

        LG Michael Stöcker

    • Avatar
      Alexander sagte:

      @ Michael Stöcker

      Der Staat verschuldet sich um die Nachfragelücke zu schließen (Keynes) und seine Ausgaben wirken als Vermögen deflationär gegen Löhne/Kaufkraft?

      Da ist etwas dran, denn im Wettbewerb um Fremdkapital ist der Staat der bessere Schuldner. Alles Geld, das der Staat dem Markt entzieht steht nicht für Investitionen i.d.F. Arbeitsplätze zur Verfügung.
      (think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/die-demografie-duerfte-die-realzinsen-deutlich-druecken/#comment-83851)

      Wenn nun die ZB per MMT kostenfrei Finanzmittel für staatliche Investitionen schöpft….werden diese nach Verwendung in Zuwanderung, Energiewende, Infrastruktur, Bildung, Gender, Raumfahrt, Rüstung, Klimaschutz durch Leistung verdient werden und stellen dann erneut Vermögen dar, das nach Anlage sucht.

      Das überschüssige Vermögen zu besteuern führt nur dazu, dass man dem Land die Leistungsbereitschaft entzieht und „anders“ versucht Überschüsse zu erzielen.
      Früher nannt man das „Schwarzmarkt“ und dieser wuchs in der UdSSR auf 50% der Wirtschaftsleistung.

      Geldschöpfung und Steuer sind keine geeineten Werkzeuge die Investitionen sinnvoll und die Vermögen im Zaum zu halten.

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  5. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Die Inflationserwartungen sind eine Sache, wenn die Notenbank Negativzinsen ankündigt.

    Dazu:

    >bto: Wenn die Notenbank laut von Deflationsängsten spricht und damit eigenes Handeln begründet, werden die Investoren skeptischer und erwarten weniger Inflation? Das ist ja mal eine Erkenntnis.>

    Ich finde, dass damit alles gesagt ist, was die Inflationserwartungen betrifft.

    Die andere Frage ist:

    Wie WIRKT die REALISIERUNG von Negativzinsen tatsächlich auf die Inflation?

    Negativzinsen belasten die Geschäftsbanken.

    DB-Chef Sewing hat das klar und deutlich ausgesprochen.

    Wenn die Banken bereits in einer sehr schwierigen Lage sind, was für die Banken in der EU fast durchweg der Fall ist, dann ist das als äußerst kritisch anzusehen.

    Denn die RATIONALITÄT, mit der Negativzinsen als Instrument für mehr Nachfrage und damit Wirtschaftswachstum und Inflation begründet wird, greift nicht:

    Die bedrängten Banken können nicht mehr Kredite vergeben, um mit dadurch zu erzielenden Erlösen den zusätzlich auferlegten Kosten zu entgehen, wenn KEINE steigende NACHFRAGE nach Krediten besteht.

    Tatsache ist, dass sie nicht oder nicht hinreichend besteht.

    Die Nachfrage nach Krediten wird auch nicht steigen. Denn Unternehmen und private Haushalte nehmen keine auf, um die Banken zu entlasten.

    Wie hier bereits mehrfach diskutiert, hilft es auch nicht, die Depositen der Bankkunden mit Negativzinsen auf die Guthaben zu belasten. Denn das führt nur zu einem Verdrängungswettbewerb und/oder treibt die Menschen in die Hortung von Bargeld. Dazu kommen die Folgen einer Diskussion, die den Verdruss den Regierenden gegenüber steigert und Politikverdrossenheit. Sie ist unter dem Stichwort „Enteignung“ schon im Gange.

    Die Frage ist demnach, was anstatt zu tun wäre, um die Nachfrage, Kreditaufnahme, Wachstum und Inflation zu steigern?

    Auf den einen Ansatz hat W. Selig verwiesen:

    Insolvenzen zulassen.

    Damit wäre nicht nur die Entschuldung nicht wettbewerbsfähiger Unternehmen verbunden, sondern hätte auch ein reduziertes ANGEBOT zur Folge, was bei gleicher Nachfrage zu höheren Preisen führen würde.

    Allerdings müssten die durch Insolvenzen arbeitslos gewordenen Menschen so mit Geld versorgt werden, dass sie ihre ursprüngliche Nachfrage aufrechterhalten. Das dürfte bei zunehmender Arbeitslosigkeit schwierig sein. Denn die Menschen würden vermutlich mehr sparen.

    Der andere Ansatz ist auch hinreichend diskutiert worden:

    Monetäre Staatsfinanzierung und/oder Helikoptergeld an die Bevölkerung.

    Wenn „richtig“ dosiert würde, kann mit steigender Nachfrage gerechnet werden.

    Die Risiken und Nebenwirkungen reichen von einem teilweise freiwilligen Verzicht, zu arbeiten bei der Variante BGE bis hin zu einer letztlich nicht mehr kontrollierbarer Inflation.

    Was tun?

    Vermutlich wird sich der zweite Ansatz durchsetzen.

    Denn Insolvenzen mit der Tendenz zu Massenarbeitslosigkeit zu wollen, ist politisch UNDENKBAR.

    Die andere Variante unter sich abzeichnenden REALISTISCHEN Bedingungen:

    Wir fallen in eine nachhaltige Rezession aufgrund einer sich abkühlenden Weltwirtschaft und/oder kostenbelastender Energiewende.

    Dann wird die schwarze Null aufgegeben, die Staatsverschuldung wird schnell steigen und letztlich in monetärer Staatsfinanzierung münden.

    Etwas anderes fällt mir beim besten Willen nicht ein.

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  6. Avatar
    troodon sagte:

    „bto: Im Klartext kommen sie zu der Schlussfolgerung, dass die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer gesunken sind und nicht gestiegen.“

    Offensichtlich ist, die negativen Zinsen haben die Inflationserwartungen nicht in den angestrebten Bereich gebracht.

    Die wohl nicht zu klärende Frage ist, wie hätten sich die Inflationserwartungen ohne die gesamten Maßnahmen entwickelt.
    Insofern ist es zumindest für mich schwierig abzuschätzen, ob die Maßnahmen tatsächlich kontraproduktiv in Bezug auf die Inflationserwartungen gewirkt haben oder aber nur nicht im gewünschten Umfang.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon

      >Die wohl nicht zu klärende Frage ist, wie hätten sich die Inflationserwartungen ohne die gesamten Maßnahmen entwickelt.>

      Das ist richtig, weil wir auch in diesem Fall das counterfactual nicht kennen (können):

      Wenn man etwas tut, dann kann man wissen, was daraufhin erfolgt, aber man kann NICHT wissen, was erfolgt wäre, wenn man es nicht getan hat.

      Denn ein Tun SCHLIESST ein Unterlassen dieses Tuns oder ein alternatives Tun AUS.

      Ein WISSEN bezüglich der Effekte von bestimmtem Tun und Unterlassen gibt es nicht, wenn dieses Tun oder Unterlassen nicht TATSÄCHLICH erfolgt ist.

      Dennoch:

      Wenn man davon ausgeht, dass sich die Inflationserwartungen OHNE ein Tun x (hier: Ankündigung negativer Zinsen) nach Lage der Dinge nicht ändern werden, und wenn man weiterhin davon ausgeht, dass sie sich durch ein bestimmtes, nach Einschätzungen von auf Erfahrung basierenden Wirkmechanismen ändern würden, dann ist man

      nicht nur BERECHTIGT, sondern auch VERANLASST y als Folge des Tuns x ANZUERKENNEN.

      Heißt:

      Stellt sich heraus, dass die TATSÄCHLICH feststellbaren Inflationserwartungen y nicht nur nicht positiv, sondern sogar negativ sind, MUSS man sie dem Tun, hier der Ankündigung von Negativzinsen zurechnen (wenn nicht sonst etwas relevant Beeinflussendes erfolgt ist).

      Kurzum:

      Man geht von Annahmen aus. Deren Fundierung ist entscheidend darüber, was man von einem Tun zu erwarten hat. Wenn die Fundierung sehr gut begründet ist im KONTEXT von Zuständen und Wirkmechanismen (dem man nie entkommen kann), besteht eine starke Veranlassung, das daraufhin festgestellte Ergebnis y diesem Tun x ZUZURECHNEN.

      Zurechnen ist nicht wissen.

      Es ist die Basis für weiteres Tun – unter EINBEZIEHUNG der Zurechnung.

      Daher:

      Wir irren zwar mit Nichtwissen, aber nicht mit Irrationalität vorwärts, wenn wir unsere Vernunft und Erfahrung einsetzen.

      Antworten
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        troodon sagte:

        @ D.T.
        “ (wenn nicht sonst etwas relevant Beeinflussendes erfolgt ist).“

        Das ist genau der Punkt.
        Die Inflationserwartungen sind in Japan nach Einführung der Negatuvzinsen bis Mitte 2017 zunächst leicht gestiegen, danach gefallen.
        Die ab 2017 fallenden Inflationserwartungen alleine den Anfang 2016 eingeführten Negativzinsen anzulasten, erscheint mir nicht schlüssig.

        insofern wäre es m.E. sinnvoll „wenn nicht sonst etwas relevant Beeinflussendes erfolgt ist“ zu prüfen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Völlig richtig.

        Das nichts sonst relativ Beeinflussendes erwähnt wird in der Darstellung hier, bin ich davon ausgegangen, dass es dergleichen nicht gab.

        Das ist wiederum nur eine Annahme.

        Der Artikel ist von der Federal Reserve Bank of San Francisco, also einer seriösen Adresse.

        Das heißt aber noch lange nicht, dass damit die Annahme berechtigt ist.

        Ganz im Gegenteil, es stellen sich jenseits dieser Annahme sogar eine GRUNDSÄTZLICHE Frage zur Studie.

        Den Artikel im Original nur mal überflogen, lese ich am Schluss:

        „An important caveat to our results is that the BOJ move toward negative rates may itself have reflected deteriorating economic conditions. Therefore the changes in the market’s expectations could have been responses to that deterioration rather than to the policy change. In other words, it is possible that the decline in medium- and long-term inflation expectations in the data might have been even steeper if the BOJ had not moved into negative policy rates.”

        Wenn die Autoren „deteriorating economic conditions” in ERWÄGUNG ziehen, dann fragen ich mich wie das zu ihrer Aussage von zuvor passt:

        “The extended period of weak conditions in Japanese financial markets provides an example of an environment where expectations of inflation are likely to be anchored at low levels, which is confirmed by survey data from Japan over this period.”

        Hier ist die Rede von “anchored expectations of inflation”:

        Was denn nun – verankerte Inflationserwartungen oder doch nicht verankerte wegen „deteriorating economic conditions“?

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        troodon sagte:

        @ D.T.
        „it is possible that the decline in medium- and long-term inflation expectations in the data might have been even steeper if the BOJ had not moved into negative policy rates.”

        In diese Richtung gingen meine Gedanken, ohne die Studie selbst gelesen zu haben, vor meinem ersten Post.
        Für mich ist und bleibt es ein „Nichts Genaues weiß man nicht“.
        Unbefriedigend, aber so stellt es sich für mich da.

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    Alexander sagte:

    Wenn Negativzinsen keine Inflation auslösen ist der Traum der Inflationierung von (Staats-)Verschuldung ausgeträumt.

    Wenn Staatsanleihen keinen Schutz gegen Inflation benötigen und die Kaufgarantie der ZB für Deflationsschutz sorgt würde ich auch bei 10% Negativzins diese Anleihe einer Invesition in ein Kfz oder Produktionsanlage vorziehen.

    2008 hatte ich meine Invesitionspläne beerdigt und Steuern bezahlt, weil das billiger war als der Wertverfall im Jahr 2009 – nämlich >50%. Der Druck der Anlagenvermarkter ist in diesem Jahr deutlich gestiegen, täglich ca.12 verschiedene Angebotslisten per mail, passend zur Zeit geplatzer Automobilträume (nach dem geplatzten Energiewendetraum)…

    Wenn man in einer Ökonomie nur noch Geld verlieren kann, herrscht Eiszeit und Staatswirtschaft, weil diese Kosten geringer sind als der eigene Totalverlust.

    Negative Rendite kann rentieren. Mehr Zwang ist keine Lösung.

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      jobi sagte:

      @Alexander

      „Wenn Staatsanleihen keinen Schutz gegen Inflation benötigen und die Kaufgarantie der ZB für Deflationsschutz sorgt würde ich auch bei 10% Negativzins diese Anleihe einer Invesition in ein Kfz oder Produktionsanlage vorziehen.“

      Das ist wohl genau der Punkt !

      Die Geldpolitik korrumpiert die Wirtschaft – oder etwas flapsiger:

      Kapitalismus ohne Zins ist wie Oktoberfest ohne Bier !

      Antworten
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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: Im Klartext kommen sie zu der Schlussfolgerung, dass die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer gesunken sind und nicht gestiegen.

    Das ist nachvollziehbar. Wenn die Bevölkerungszahl zurückgeht, sinkt normalerweise der Konsum. Wenn der Konsum sinkt, sinkt die Nachfrage und es fallen bei relativ konstantem Angebot die Preise. Wenn der Staat durch Verschuldung künftigen Konsum vorzieht, sinkt die Nachfrage zwar aktuell weniger, aber später umso stärker (in Japan z.B. bei Bauleistungen). Wenn sie später umso stärker sinkt, fallen die Preise später umso stärker. Die Marktteilnehmer erkennen das und senken ihre Inflationserwartungen.

    So weit, so logisch.

    Die Lösung wären das Zulassen von Insolvenzen, die Abschreibung fauler Kredite, die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gerade für japanische Frauen (z.B. im Steuerrecht, im Arbeitsrecht, bei der Kinderbetreuung, aber auch in der gesellschaftlichen Akzeptanz), die Einführung eines durchaus streng gefassten Einwanderungsgesetzes für Qualifizierte, die Stärkung des Wettbewerbs, die Förderung der Produktivität durch Technologiestärkung, die Rückdrängung des Senioritätsprinzips, etc. Nebenbei wäre eine Aussöhnung mit China, Taiwan, Südkorea u.a. bzgl. der Verfehlungen im 2. Weltkrieg auch hilfreich.

    Wird nicht gewollt und daher nicht gemacht. Dr. Markus Krall hat das nach meiner Erinnerung mal eine Art von Völkerselbstmord genannt, weil eine immer stärker alternde Gesellschaft biologisch immer noch weniger zur eigenen Reproduktion fähig ist und die Jungen so derart mit der Pflege um die Alten überlastet, dass eine andere Politik die Fertilitätsrate nicht mal mehr ausreichend erhöhen könnte, wenn man wollte.

    Für den Naturschutz ist die Entwicklung aber anscheinend eine tolle Sache:

    https://www.sueddeutsche.de/panorama/japan-tiere-baer-stadt-1.4587696

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    Richard Ott sagte:

    Aus der Studie: „Figure 1 shows the monthly year-over-year changes since 1980 in the Japanese consumer price index (CPI) excluding fresh food. This is the price index targeted by the BOJ.“

    Das Detail kannte ich auch noch nicht. Sehr bizarr. Aber welchen Konsumenten interessiert schon die Preisentwicklung bei „fresh food“ (wie auch immer das genau definiert ist…), insbesondere auf einer sehr dicht besiedelten Insel, die den Großteil seiner Nahrungsmittel nicht selbst produziert sondern importiert?

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Richard Ott:

      Ich weiß, dass Leute wie Marc Faber die Herausnahme von „fresh food“ als lebensnotwendig kritisieren („most people eat“), aber dadurch werden saisonale Schwankungen z.B. bei Ernteausfällen geglättet. Ihr Einwand ist nicht ganz unberechtigt, aber fresh food würde mit größter Wahrscheinlichkeit die Grundtendenz nicht umkehren.

      Antworten
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        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        „dadurch werden saisonale Schwankungen z.B. bei Ernteausfällen geglättet“

        Das Argument hat mich noch nie überzeugt. Nur weil irgendwo auf der Welt von Zeit zu Zeit eine Chemiefabrik für Polyethylen oder dessen Grundstoffe explodiert dann kommt doch auch kein Zentralbänker an und sagt „oh, bei Plastikprodukten gibt es aber saisonale Schwankungen wegen Produktionsausfällen, die nehmen wir am besten auch aus dem Consumer Price Index für die Inflationsmessung raus“.

        Mich würde sehr interessieren wie die CPI-Daten mit Einbeziehung von „fresh food“ aussehen, besonders im Fall Japan, wo auch noch der Exportanteil bei Lebensmitteln so ungewöhnlich hoch ist. Werden solche Daten überhaupt erfasst?

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott: Offene Antwort auf Ihre Frage: ich weiß es nicht.

        Aber ich GLAUBE, der Hauptgrund für die Nichterfassung ist viel simpler: Frische Lebensmittel schwanken täglich im Preis und bestehen aus einer Vielzahl von Einzelprodukten und Anbietern. Die Statistikämter vereinfachen sich bei gegebenem Personalbestand einfach nur die Arbeit, denn diese Posten wären vermutlich am zeitintensivsten zu erfassen. Energieträger wie Heizöl, Benzin oder Kerosin oder KFZ oder elektrische Geräte beschränken sich auf wenige Konsumprodukte weniger Anbieter.

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