Italien fordert EZB-Garantie

Wundern kann es nur naive Beobachter der Entwicklung. Italien hat zunächst einen Schuldenerlass der EZB ins Gespräch gebracht, nun fordert die Regierung in Rom eine Zinsgarantie der EZB. Billiges Geld für immer lautet das Motto. Verstehen kann man es angesichts der prekären Lage der Finanzen, doch was hat das noch mit einem soliden Euro zu tun?

Zero Hedge berichtet:

  • „In an unexpectedly sharp attack on the ECB, in two separate posts on Twitter, Claudio Borghi who is the euroskeptic head of the budget committee in Italy’s lower house, stressed that not only is Italy’s spread with German bonds widening, but also the ones of other nations like Spain are doing so. He added that either the ECB will provide a guarantee or the Euro will be dismantled as there is no third option.“ – bto: Das ist doch mal eine Ansage. Die Notenbank soll die Finanzierung sichern, egal was kommt.
  • „In a subsequent interview, moments after his tweet, Borghi said that‚ there cannot be a system at the mercy of market movements without any shields by the central bank – in other words, Borghi appears to be very much against a free and efficient market in which price discovery is allowed especially on such assets as Italian bonds – and noted that it is significant that an external event like Turkey that has nothing to do with Italy unleashes such an effect.“ – bto: weil eben die Märkte nicht mehr gelten dürfen!
  • „Borghi warned about the upcoming end of the ECB’s QE which as (…) has been the sole buyer of Italian debt, and whose absence threatens to send Italian bond yields sharply higher: Nowadays there is a system that has a residual amount of quantitative easing, but with everybody knowing that this is being phased out and will come to an end soon“ – bto: Und ohne EZB gibt es nur noch die (bankrotten) italienischen Banken als Käufer!1

Quelle: Zero Hedge

  • „He also shared a vivid image of what will happen once the market realizes it is free to short Italian bonds again without an ECB backstop: all know the fence that protects the prey will soon be lifted and financial speculators easily sees the periphery’s debt as an easy target and are positioning ahead of the next developments.“ – bto: Oder sie erkennen wieder, wie riskant eine Anlage in diesem Bereich ist.

Die Entwicklung der italienischen Papiere spricht für sich:

Quelle: Zero Hedge

zerohedge.com: „Italy Gives ECB An Ultimatum: ‚Guarantee‘ Bond Spreads Or ‚Euro Will Be Dismantled‘“, 13. August 2018

35 Kommentare
  1. Christian Stadler sagte:

    Ich finde den Tenor des Testes etwas einseitig, denn ich gebe Herrn Borghi in dem Punkt recht dass es ungerechtfertigt ist, wenn Italien gegenüber Deutschland einen Nachteil hat, ohne selbst über die Währung etwas dagegen unternehmen zu können (ausser schmerzlichen Reformen natürlich, wozu Sie wahrscheinlich einen „guten Diktator“ bräuchten), so wie es dies unter der Lira noch hätte tun können. Ich selbst finde das System auch ungerecht: Das „starke“ Deutschland wird systembedingt zusätzlich gestärkt und die „schwachen“ Länder werden systembedingt zusätzlich geschwächt. Ist Italien schon über dem Punkt der unmöglichen Rückkehr angelangt, im unausweichlichen Strudel des Verderbens? Falls ja – arme Italiener, wer kann diesem Volk helfen?

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  2. Michael Stöcker sagte:

    Italien fordert diese Garantie mAn zu Recht, sollte dies aber nicht so offen und laut kommunizieren. Die Leistungsbilanz von Italien ist seit 2013 deutlich im positiven Bereich. Und nur darauf kommt es an! Die EZB sollte also ihre Garantie davon abhängig machen, dass die LB weiterhin bei > -1 % bleibt. Es gibt überhaupt keinen Grund, warum man Euroland den Launen der Finanzmärkte aussetzen sollte, die keinerlei politisches Mandat haben. Die haben doch vor der Krise total versagt. Und jetzt sind sie plötzlich die weisen und rationalen Richter. LÄCHERLICH!!!

    Es ist wohl langsam an der Zeit, dass Mario Draghi sein Versprechen aus dem Jahre 2012 erneuert; denn Heismann hat vollkommen recht mit seiner Kritik an Vaubel: http://www.oekonomenstimme.org/artikel/2018/08/italien-am-abgrund–von-griechenland-lernen/#c4815

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ M. Stöcker

      >Italien fordert diese Garantie mAn zu Recht …>

      Ihrer Meinung nach, weil Sie keine AHNUNG haben, was Recht ist und bedeutet.

      Es ist KONSTITUTIV, d. h. eine Gesellschaft kann nicht auf Dauer ohne eine hinreichende Beachtung des Rechts leben.

      Keine Regierung hat etwas von der EZB zu FORDERN, denn diese ist unabhängig und hat NUR im Rahmen ihrer Satzung zu entscheiden. Ihre Satzung besagt nicht, dass die EZB die Eurozone zu retten habe.

      Sie müssen ehrlich sein:

      Entweder fliegt der Laden Eurozone auseinander (bei Beachtung geltenden Rechts)

      ODER

      er darf nicht auseinander fliegen (weil das vermeintlich oder tatsächlich zu teuer ist) und DESHALB muss geltendes Recht in die Tonne getreten werden.

      Das ist die Auseinandersetzung, alles andere ist in diesem Zusammenhang Käse.

      Antworten
      • Michael Stöcker sagte:

        “Ihrer Meinung nach, weil Sie keine AHNUNG haben, was Recht ist und bedeutet.“

        Nicht schon wieder dieses Thema. Das hatten wir doch schon längst durchgekaut. Sie kennen meinen Vorschlag, wie man im Rahmen der bestehenden Rechtsordnung das Problem ganz grundsätzlich lösen könnte.

        Und da Sie sich ja so gut auskennen: Ab wann (bitte exakte Größe benennen) liegt den ein Verstoß gegen die bestehende Rechtsordnung vor? https://de.reuters.com/article/eugh-ezb-anleihenk-ufe-idDEKBN1K0193. Wo verläuft die exakte Grenze zwischen Geldpolitik und monetärer Staatsfinanzierung?

        LG Michael Stöcker

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Es liegt kein Verstoß gegen die bestehende Rechtsordnung vor, sondern eine MISSACHTUNG geltenden Rechts, wenn eine Staatsregierung die EZB mit „solle garantieren“ NÖTIGT, die Anleihespreads gering zu halten bei ANDROHUNG des Übels, dass andernfalls die Eurozone gefährdet ist.

        Es gibt keine rechtliche Basis für die Forderung der italienischen Regierung.

        Die „exakte Größe“ ist hier die fehlende rechtliche Basis.

        Das ist eindeutig und zugleich mehr als besorgniserregend, weil derartige Forderungen mittlerweile zum Standard gehören und sie niemand vernehmlich zurückweist.

        Anderes Thema:

        Nicht so eindeutig ist die Grenze zwischen gerechtfertigter Geldpolitik entsprechend den Satzungen der EZB und einer nicht erlaubten monetären Staatsfinanzierung.

        Ebenfalls nicht so eindeutig ist die Grenze zwischen umstandsbedingter Illiquidität und feststellbarer Insolvenz.

        Es gibt demnach einen für jede vernünftige Diskussion ENTSCHEIDENDEN Unterschied zwischen eindeutigen Festlegungen im Vertragsrecht (wenn sie denn eindeutig festgelegt sind) und Agieren außerhalb des Rechts wie im vorliegenden Fall, sowie funktionalen Unschärfen bei der Ausübung von Rechten vor allem bezüglich der dabei entstehenden Effekte.

        Wie auch immer, die Diskussion kann aber nicht der maßgebenden Frage ausweichen, für welche der von mir genannten Optionen wir uns entscheiden sollten und, wenn wir uns für diese oder jene entscheiden, auch noch verdrängen, warum wir uns dafür entschieden haben und welche Konsequenzen damit zu akzeptieren sind.

      • Michael Stöcker sagte:

        „Es gibt keine rechtliche Basis für die Forderung der italienischen Regierung.“

        So ist es, Herr Tischer; und das ist auch gut so (Checks and Balances). Von daher hatte ich ja auch geschrieben, dass dies nicht so laut und offen kommuniziert werden sollte. Aber die Folgen der verfehlten Krisenpolitik Trumpisieren eben nicht nur die USA. Oder um mit Mark Blyth zu sprechen: Global Trumpism: https://www.foreignaffairs.com/articles/2016-11-15/global-trumpism

        Insofern liegt hier weniger eine Missachtung geltenden Rechts vor, sondern insbesondere eine Missachtung der eingeübten Gewaltenteilung und somit von Anstand, Sitte und Moral.

        LG Michael Stöcker

    • Wutbuerger sagte:

      Tja, Herr Stöcker, nur wieso hat Italien auf einmal eine positive Leistungsbilanz? Nach meinen Infos nähert sich der private Konsum immer mehr dem Boden, sodass der Import immer mehr nachlässt. Auch wegen den immer mehr werdenden Arbeitslosen. Ist das nun ein Fortschritt, der beklatscht werden muss?
      Und warum dürfen nicht die Gläubiger festlegen, welches Land welchen Zins bieten muss um an anderer Leute Geld zu kommen? Italien wird doch sicher vor Deutschland eines Tages „wir können nicht mehr zurückzahlen“ schreien, oder?

      Antworten
      • Michael Stöcker sagte:

        Ja, der private Konsum ist zurück gegangen.

        „Ist das nun ein Fortschritt, der beklatscht werden muss?“

        Selbstverständlich nicht. Das ist die unmittelbare Folge der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung. Italien hat ganz besonders unter der deutschen Niedriglohnstrategie gelitten. Die notwendigen Lohnkürzungen/Entlassungen führen aber zugleich auch zu einer schwächeren Inlandsnachfrage. Das sind die desaströsen Folgen einer deflationären Anpassung. Die Arbeitslosigkeit ist allerdings entgegen Ihrer Aussage seit dem Höhepunkt in 2014 wieder leicht rückläufig.

        „Und warum dürfen nicht die Gläubiger festlegen, welches Land welchen Zins bieten muss um an anderer Leute Geld zu kommen?“

        Wenn wir es beim Euro mit einer internationalen Reservewährung ernst nehmen wollen, dann darf ein Land nicht insolvent werden. Stellen Sie sich nur einmal vor, die USA oder GB würden ihre Anleihen nicht bedienen. Dann wäre sofort Schluss mit dem Dollar-Privileg. Das müssen unsere ökonomischen Laienspieler erst noch begreifen; auch die bei der Bundesbank. Und wenn man Länder nicht Pleite gehen lässt (Draghi hat hier den richtigen Spruch gemacht), dann gibt es auch kein Risiko. Kein Risiko, ergo kein Risikoaufschlag. Die Gläubiger können ja gerne ihre Anleihen verkaufen und sich auf andere Länder stürzen, die höhere Marktzinsen bieten (Argentinien, Venezuela…). Aber bitte keine Spekulation mit Euroanleihen. Wir sollten uns nicht durch die Finanzmärkte kujonieren lassen. http://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/warum-die-ezb-italien-im-ernstfall-zur-seite-springen-muss-a-1210504.html

        LG Michael Stöcker

    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Neuland

      Eine treffende Feststellung.

      Sie geht aber am Narrativ vorbei, das von der italienischen Regierung gepflegt wird:

      Italien ist grundsätzlich in Ordnung.

      Lediglich die Politik der EU bringt das Land in Schwierigkeiten.

      Deshalb muss diese Politik geändert werden, etwa indem die Defizitkriterien der Staatshalte
      nicht mehr zu beachten sind oder die EZB dafür sorgt, dass keine nachteiligen Konsequenzen auftreten, falls sie nicht beachtet werden.

      Wir, die italienische Regierung, ändern diese Politik.

      Wir spielen nicht mehr mit und setzen unsere eigene Agenda.

      Wer uns nicht gewähren lässt, riskiert den Zerfall der Eurozone.

      Die Leistungsbilanz spielt keine Rolle hinsichtlich dessen, was die italienische Regierung veranstaltet.

      Darauf zu verweisen, ist ein Ablenkungsmanöver.

      Antworten
    • Michael Stöcker sagte:

      @ Neuland

      Es gibt schon seit Jahrzehnten Verwerfungen in Italien; die sind aber auch aktuell keinesfalls massivst, sondern eben italienische Verhältnisse. Was sich allerdings verändert hat, das ist das politische Umfeld. Und da ist in Zeiten von Global Trumpism alles möglich. Wie gesagt: Das Hauptproblem der Menschheit ist nicht künstliche Intelligenz, sondern natürlich Dummheit. Und Krisenzeiten spülen immer Dummköpfe nach oben, die mit simplifizierenden Botschaften die Erlösung anpreisen.

      Die Herde springt immer wieder aufgeregt hin und her und spekuliert gegen Währungen und Staaten (ich erinnere an Soros und den Schwarzen Mittwoch 1992).

      Und lassen Sie sich von Herr Tischer nichts einreden: Die Leistungsbilanz ist das Maß aller Dinge; insbesondere in einer Währungsunion. In einem Kreditgeldsystem muss IMMER einer die Schulden machen. Ist es nicht die Privatwirtschaft, dann MUSS es der Staat sein, damit sich das System nicht selber stranguliert. Das Ausland kann und sollte sich nicht auf Dauer verschulden: https://zinsfehler.com/2016/12/01/das-kollektive-versagen/

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        >In einem Kreditgeldsystem muss IMMER einer die Schulden machen.>

        Damit ist aber noch lange nicht gesagt, WIEVIEL Schulden gemacht werden müssen.

        >Ist es nicht die Privatwirtschaft, dann MUSS es der Staat sein, damit sich das System nicht selber stranguliert.>

        Falsch.

        Das System stranguliert sich nicht, sondern Akteure im System gehen pleite.

        Und wenn sich der Staat so hoch verschuldet, dass er pleite geht?

        Kommt nicht vor.

        Schließlich gibt es Notenbanken für monetäre Staatsfinanzierung.

        Oder anders ausgedrückt:

        >Und Krisenzeiten spülen immer Dummköpfe nach oben, die mit simplifizierenden Botschaften die Erlösung anpreisen.>

      • Michael Stöcker sagte:

        „Damit ist aber noch lange nicht gesagt, WIEVIEL Schulden gemacht werden müssen.“

        So viele, dass bei ausgeglichener Leistungsbilanz nahezu Vollbeschäftigung herrscht (u. U. auch bei einer 20 Stunden Woche)

        „Das System stranguliert sich nicht, sondern Akteure im System gehen pleite.“

        Gehen zu viele Akteure pleite, dann stranguliert sich das System; es sei denn, WKII interpretieren Sie nicht als Strangulierung. Einzelne Pleiten sollte man selbstverständlich immer zulassen, aber aufpassen, dass keine Dominoeffekte entstehen.

        „Oder anders ausgedrückt:

        >Und Krisenzeiten spülen immer Dummköpfe nach oben, die mit simplifizierenden Botschaften die Erlösung anpreisen.>“

        Da meinen Sie sicherlich solche Dummköpfe wie Lord Adair Turner oder Paul Samuelson, nicht wahr? Einfach noch mal rein hören: https://youtu.be/EeeasEyTZqo

        LG Michael Stöcker

  3. Johannes sagte:

    Die „Forderung“ Italiens offenbart den ganzen Schlamassel in den der Euro die Eurozone inzwischen geführt hat. Geltendes Recht soll erneut missachtet „und mit Füßen getreten“ werden.

    Zur Erinnerung: den Euro gibt es i.W. weil Frankreich diesen als „conditio sine qua none“ Bedingung für die Wiedervereinigung gefordert hatte. Und zwar um die „deutsche Atombombe“, die DM zu neutralisieren. Das ging – wie wie heute wissen – in die Hose und Deutschland steht dank des Euros wirtschaftlich scheinbar besser dar, Aladje übrigen Länder. Der Preis für Deutschland ist aber hoch: unsere Produktivität sind; dank des viel zu schwachen Euros für die deutsche Wirtschaft.

    Und hat Italien nicht glänzend in den ersten Jahren nach der Euroeinführung nicht glänzend von den stark gesunkenen Zinsen profitiert? Zu Lirazeiten lagen diese bei 15 bis 20%. Und jetzt wegen 3% jammern….

    Antworten
      • Johannes sagte:

        @MS: Das die Inflationsraten auch so lagen hatte wohl einen Grund …? Abgesehen davon, wurde Italien durch die hohen Zinsen vor sich selbst „geschützt“; nämlich sich übermäßig zu verschulden…
        „Dank“ des Euros ist dieser „Schutzmechanismus“ leider flöten gegangen und Italien verhält – zugespitzt formuliert- wie der Junkie, der frech neuen Stoff verlangt, weil er sonst Randale macht. Wenn Italien halbwegs clever ist – wovon ich mal ausgehe – dann hat es die Eurozone – sorry – jetzt bei den Ei…

      • Michael Stöcker sagte:

        @ Johannes

        „Das die Inflationsraten auch so lagen hatte wohl einen Grund“

        Selbstverständlich hatte das einen Grund: Italien hatte schon immer Probleme mit der Steuerehrlichkeit. Von daher hatte man sich entschieden, einen Teil via Inflationssteuer zu realisieren (aka monetäre Staatsfinanzierung). Darauf hatten sich alle eingestellt und die Lira wurde regelmäßig um das Inflationsdifferential zur DM abgewertet.

        „Abgesehen davon, wurde Italien durch die hohen Zinsen vor sich selbst „geschützt“; nämlich sich übermäßig zu verschulden…“

        Es zählen nur die realen Zinsen. Insofern ist Ihre These nicht zu Ende gedacht.

        „„Dank“ des Euros ist dieser „Schutzmechanismus“ leider flöten gegangen und Italien verhält – zugespitzt formuliert- wie der Junkie, der frech neuen Stoff verlangt, weil er sonst Randale macht.“

        Sie betreiben hier übelste Legendenbildung. Die Staatsverschuldung von Italien ist seit 1995 kontinuierlich gesunken und erst als FOLGE der verfehlten europäischen Austeritätspolitik wieder angestiegen: https://www.google.com/publicdata/explore?ds=ds22a34krhq5p_&met_y=gd_pc_gdp&hl=de&dl=de#!ctype=l&strail=false&bcs=d&nselm=h&met_y=gd_pc_gdp&scale_y=lin&ind_y=false&rdim=country_group&idim=country:it&ifdim=country_group&tstart=808437600000&tend=1502748000000&hl=de&dl=de&ind=false

      • Michael Stöcker sagte:

        Verantwortlich für diese desaströse Politik war nicht nur Wolfgang Schäuble, sondern insbesondere auch der IWF unter Olivier Blanchard, der seine Fehler allerdings inzwischen öffentlich eingestanden hat. Das Schlimme daran: In Deutschland wurde darüber bis heute kein einziges Wort verloren: https://zinsfehler.com/2017/11/24/keynesianische-revolution-2-0/

        Das nennt man dann wohl zu Recht: Lückenpresse.

        LG Michael Stöcker

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        >Italien hatte schon immer Probleme mit der Steuerehrlichkeit. Von daher hatte man sich entschieden, einen Teil via Inflationssteuer zu realisieren (aka monetäre Staatsfinanzierung). Darauf hatten sich alle eingestellt und die Lira wurde regelmäßig um das Inflationsdifferential zur DM abgewertet.>

        Es stimmt, dass Italien schon immer ein Problem mit der Steuerehrlichkeit hatte.

        Das hat zu erhöhter Verschuldung des italienischen Staats geführt, aber nicht zur Inflation in diesem Land.

        Zur Zeit der Lira entstand Inflation vor allem durch maßlose, mit Streiks durchgesetzte Lohnerhöhungen.

        Durchschnittliche jährliche Nominallohnsteigerungen:

        1961-1970: 10,7 %,
        1971 -1980: 18,4 %,
        1981 – 1990: 12,0%
        1991- 2000: 4,2 %

        Quelle:

        https://www.boeckler.de/pdf/p_ta_izp_lohnpolitik_europa.pdf

        Erst mit der Vorbereitung auf die Eurozone ab Mitte der 90er Jahre sind die Nominallohnsteigerungen erheblich gesunken.

        >Die Staatsverschuldung von Italien ist seit 1995 kontinuierlich gesunken und erst als FOLGE der verfehlten europäischen Austeritätspolitik wieder angestiegen …

        … Verantwortlich für diese desaströse Politik war nicht nur Wolfgang Schäuble …>

        Wiedergekäuter Unsinn.

        Die Wahrheit ist:

        Da wegen nicht mehr möglicher Abwertung die Zinsen in den Peripheriestaaten erheblich gesunken waren, stieg die Verschuldung.

        Sie verdrehen die Sachverhalte, wie es Ihnen passt.

      • Michael Stöcker sagte:

        Danke für den ergänzenden Hinweis. Die 70er Jahre waren vor allem durch den Ölpreis-Schock geprägt. Erst in Folge sind dann die Löhne gestiegen und die unselige Lohn-Preis-Spirale nahm insbesondere auch in Italien ihren Lauf. Gegen Änderungen relativer Preise ist einfach kein Kraut gewachsen. Diesen Kaufkraftverlust hätte man einfach hinnehmen müssen; ebenso wie im Rest der Welt.

        Dennoch führt zusätzliche staatliche Verschuldung auch zu zusätzlicher Nachfrage, sofern sie nicht durch private Ersparnis kompensiert wird. Diese private Ersparnis unterbleibt aber gerade bei monetärer Staatsfinanzierung. Und davon hatte Italien bis 1981 immer wieder Gebrauch gemacht. Erst ab diesem Zeitpunkt erhielt die Banca d’Italia die vollständige Autonomie insbesondere in Bezug auf die Kaufentscheidung von Schatzanweisungen.

        „Die Wahrheit ist:

        Da wegen nicht mehr möglicher Abwertung die Zinsen in den Peripheriestaaten erheblich gesunken waren, stieg die Verschuldung.“

        Das fällt dann wohl in die Kategorie postfaktischer Trumpismus. Einfach noch mal den Link zur Grafik anklicken; dann werden Sie nämlich feststellen, dass die Verschuldung von Italien von 116,9 % im Jahre 1995 auf 99,8 % im Jahre 2007 gesunken ist. Erst danach ist sie wieder angestiegen. In Spanien waren es übrigens 61,7 % und 35,6 %. Richtig ist für Spanien allerdings, dass die private Verschuldung in diesem Zeitraum viel zu stark angestiegen ist; nicht aber in Italien: https://www.welt.de/finanzen/article125314168/Niemand-hat-hoehere-Schulden-als-die-Daenen.html

        Insofern kann ich nicht erkennen, dass ich irgendwelche Sachverhalte verdrehe. Es ist doch eher so, dass die Realität nur schwer in Übereinstimmung zu bringen ist mit der kognitiven Dissonanz.

        LG Michael Stöcker

  4. Wutbuerger sagte:

    Ein seriöser Gläubiger rechnet hier so:
    Inflationsrate: 2% (offizieller Wert)
    Realzins: 2%
    Ausfallwahrscheinlichkeit: mind. 5%
    —————————————-
    Summe: 9%!

    Das ist der faire Zins, den Italien zahlen müsste, wenn die von mir Geld geliehen haben wollen. Jeder Zins darunter ist Betrug durch die EZB!

    Antworten
  5. Dietmar Tischer sagte:

    @ Michael Stöcker

    Niemand bestreitet, dass staatliche Verschuldung zu Nachfrage führt, soweit nicht nur fällige Kredite durch neue ersetzt werden.

    Die Frage ist, ob sie die Zinsen auf die Höhe katapultieren konnte, die Italien in von den 60er bis Mitte der 90er Jahre zu verzeichnen hatte.

    Sie widersprechen nicht, dass das Zinsniveau ganz wesentlich durch Lohnsteigerungen verursacht wurde. Die Löhne sind jedoch NICHT erst in Folge des Ölpreis-Schocks gestiegen. Sie waren vor den 70er Jahren zweistellig gestiegen und danach in den 80er Jahren auch.

    Es ist richtig, dass die Staatsverschuldung seit 1995 gesunken ist. Grund war, dass man zeigen MUSSTE, die Maastricht-Kriterien einhalten zu wollen.

    Die kontinuierliche STEIGERUNG nach 2007 bis heute hat vor allem zwei Gründe:

    a) die Lehman-Krise, die zu Konjunktureinbrüchen geführt hat, was auch in Italien durch schuldenfinanzierte staatliche Nachfrage zu kompensieren versucht wurde

    und

    b) die Geldpolitik der EZB ab 2012 (Draghi, whatever it takes …), mit der die Staatsfinanzierung noch günstiger wurde, sowie die weiterhin generell geduldeten Abkehr von den Maastricht-Kriterien.

    Deutschland hat gegenüber Italien KEINE Austeritätspolitik durchgesetzt, etwa wie in Griechenland. Denn Italien war nie unter dem Rettungsschirm.

    Zu kognitiver Dissonanz:

    Salvini hat bezüglich des Brückeneinsturzes von Genua gesagt, dass die Sparpolitik der EU mitschuldig sei.

    Hier:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/italien-populisten-schlachten-bruecken-katastrophe-aus-a-1223535.html

    Das ist ganz Ihre Linie, wonach die Austeritätspolitik für die Malaise des Landes ursächlich sei.

    Sie sollten bei der italienischen Regierung als Berater einsteigen und sich als Chefverkäufer von deren Politik in Deutschland engagieren

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      Entgleisung?

      SIE haben doch gesagt:

      >Die Staatsverschuldung von Italien ist seit 1995 kontinuierlich gesunken und erst als FOLGE der verfehlten europäischen Austeritätspolitik wieder angestiegen … Verantwortlich für diese desaströse Politik war nicht nur Wolfgang Schäuble, …

      Es waren demnach nicht die Italiener selbst, die ihr Desaster zu verantworten haben, sondern die anderen.

      Genau das sagt Salvini anlässlich des Unglücks von Genua.

      Sie müssen schon einmal zur Kenntnis nehmen, mit wem sie GEDANKLICH im Bett liegen.

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Damit Sie wenigstens wieder ansatzweise diskussionsfähig werden, erkläre ich hiermit, dass ich Sie nicht für einen POLITISCHEN Anhänger der Lega Nord halte. Alles, was Sie hier sagen, unterstreicht dies.

        Gleichwohl gilt festzustellen, dass sie punktuell die GLEICHE Auffassung vertreten:

        a) ANDERE sind dafür verantwortlich, dass Italien in einem desaströsen Zustand ist

        und

        b) Es ist die VERWEIGERUNG der anderen, der italienischen Regierung mit höheren Staatsdefiziten zu ermöglichen, den desaströsem Zustand zumindest entgegenzuwirken (Sie: auferzwungene Austeritätspolitik als Verweigerungsmechanismus).

        Ihre Aussagen und die von Salvini sind belegt und berechtigen zu meiner Auffassung.

        Dass ich die Auffassung von Salvini und Ihnen für falsch halte, weil Italien SELBST mehr für sein Wachstum hätte tun können und somit mehr Geld für Investition in die Infrastruktur OHNE Mehrverschuldung gehabt hätte ist eine andere Sache.

        Außerdem hätten die Italiener unabhängig von Wachstum ihrer Volkswirtschaft weniger konsumieren können und mehr in die Infrastruktur investieren können.

        Haben Sie nicht getan, aber ANDERE sind schuld.

        So wird das nichts mit der EU und der Eurozone, da bin ich ganz sicher.

      • Michael Stöcker sagte:

        „a) ANDERE sind dafür verantwortlich, dass Italien in einem desaströsen Zustand ist“

        Schon wieder falsch. Italien hat seit Jahrzehnten strukturelle Probleme, die es durch regelmäßige Abwertung halbwegs in den Griff bekam. Italien hatte sich dann sukzessive an das gemeinsame Inflationsziel herangearbeitet, ohne es aber wie Frankreich zu erreichen. Dadurch verschlechterte sich die Wettbewerbsfähigkeit kontinuierlich.

        Deutschland hat bekanntlich das gemeinsame Inflationsziel leicht unterschritten und auch deshalb einen immer höheren LB-Überschuss verursacht.

        Mein Vorwurf betrifft die Zeit nach 2007/2008, in der die Fixierung auf die schwarze Null die Situation in Gesamteuropa und somit auch in Italien verschlimmert hat, anstatt sie durch eine expansivere deutsche Lohn- und Fiskalpolitik abzumildern. Und diese Ansicht scheint sich ja so langsam aber sicher auch im Mainstream durchzusetzen. Weiter oben hatte ich bereits in meiner Antwort an Wutbürger den Link gesetzt. Daraus:

        „Die Bundesregierung sollte nicht stabilitäts-selbstgerecht auf Italien herabschauen. Auch sie hat es sträflich versäumt, die historisch günstigen und sogar negativen Kreditzinsen für umfangreiche Investitionen in Straßen, Bildung, Digitalisierung und Steuersenkungen zu nutzen. Dabei hätten auch Unternehmen und Arbeitnehmer aus anderen EU- und Euro-Ländern vom deutschen Wirtschaftswachstum profitiert. Dies wäre also ein wertvoller deutscher Beitrag für den europäischen Wirtschaftsfrieden gewesen.“ http://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/warum-die-ezb-italien-im-ernstfall-zur-seite-springen-muss-a-1210504.html

        Insofern ist auch Ihr b) ein Schuss in den Ofen.

        LG Michael Stöcker

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Jetzt sagen Sie:

        >Mein Vorwurf betrifft die Zeit nach 2007/2008, in der die Fixierung auf die schwarze Null die Situation in Gesamteuropa und somit auch in Italien verschlimmert hat, anstatt sie durch eine expansivere deutsche Lohn- und Fiskalpolitik abzumildern.>

        Am 15.08.2018 hatten Sie @ Johannes gesagt:

        >Die Staatsverschuldung von Italien ist seit 1995 kontinuierlich gesunken und erst als FOLGE der verfehlten europäischen Austeritätspolitik wieder angestiegen …Verantwortlich für diese desaströse Politik war nicht nur Wolfgang Schäuble>

        Verschlimmern und abzumildern, d. h. mit eigener Politik die Bedingungen für andere mitzusetzen, ist etwas GANZ anderes als VERANTWORTLICH für andere zu sein.

        Es ist einfach nur Quatsch zu behaupten, dass die deutsche Regierung für die italienische Regierung verantwortlich sei, wenn diese im Rahmen von Gegebenheiten GENAUSO autonom wie die deutsche entscheiden kann.

        Wieder einmal:

        Sie drehen die Sachverhalte, wie Sie es brauchen.

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