Die Überall-Blase am Beispiel von US-Farmland

Kredit ist bekanntlich super auf dem Weg nach oben und bitter auf dem Weg nach unten. Eines der Kernthemen bei bto und immer wieder als Kernübel der wirtschaftlichen Entwicklung diagnostiziert. Wie weit es damit geht, zeigt ein Beispiel aus dem Bereich der Landwirtschaft in den USA:

  • „It was the Red River Valley’s biggest farmland auction in years (…) With the seller in financial trouble, a huge number of acres to offload and the US-China trade war curtailing grain exports, conditions were not encouraging. ‘When this auction went off we worried about collapsing the market (…)’“ – bto: Es kam nicht dazu. Dennoch zeigt das Beispiel, was passiert, wenn sich das Umfeld ändert und man es mit Schuldnern zu tun hat.
  • „Despite a half-decade of falling grain prices, Midwestern farmland has held much of its value, and has become the foundation for a borrowing boom. Farm debt across the US has risen to $427bn, close to amounts that preceded the 1980s agricultural crash, when adjusted for inflation.“ – bto: bei fallenden Einnahmen mehr Schulden machen? Wow.
  • „Farmers remain creditworthy in the eyes of banks, even as their incomes fall, because the collateral value of land remains high. While farm income has halved from its peak in 2013, farm equity has fallen just 5 per cent because of stable land values (…) But if prices were to collapse, farm bankruptcies would widen and leave lenders (…) with big losses.“ – bto: schon erstaunlich. Wie kann es sein, dass Farmland nur um 5 Prozent fällt, wenn der Cashflow, der damit erwirtschaftet wird, um 50 Prozent fällt? Ach ja, ich vergaß: Der Zinssatz ist ja in Richtung null gefallen.
  • „In 2018 the ratio between loan volume and net farm income reached a 16-year high, while rates of delinquency on farm loans surpassed those on all loans by commercial banks, according to the Federal Reserve Bank of Kansas City. Delinquencies are also creeping up inside the government-sponsored Farm Credit System, which accounts for 40 per cent of US farm debt. The number of borrowers from the Farm Service Agency, an arm of the USDA, has grown about a quarter over the past five years. That, in itself, is a mark of distress: the FSA tends to be ‘the lender of last resort’ for most farmers because they have to be rejected by at least two other lenders before applying (…)“ – bto: Es wird also schon deutlich, dass die Kreditqualität abnimmt.
  • „The combination of weak farm finances and sturdy land values puzzles some. ‘We’ve scratched our heads a little bit as to why the land values have held up as well as they have,’ (…)  The Federal Reserve’s decision to keep interest rates low (…) supports all asset values, land included. The administration’s $12bn bailout for farmers hurt by its trade wars — last month expanded by $16bn — has also offset income lost from Chinese tariffs on farm exports. A second reason is a lack of land supply, as farmers who built up cash during the previous crop rally hold tight to land and seek to acquire more.“ – bto: die darauf setzen, dass die Preise für Nahrungsmittel wieder steigen und die sich günstig finanzieren können.
  • „Land also attracts deep-pocketed institutional investors such as TIAA, UBS and Prudential, which see it as a useful way of diversifying their portfolios. (…) Higher interest rates could prompt some of these investors to turn to safer assets to generate the same return, however. Last year capitalisation rates — a measure of land returns — had the lowest premium to risk-free returns of the past decade (…)“ – bto: Blasen wohin man schaut. Höhere Zinsen? Ziehen überall den Stecker, der ultimative Margin Call.
  • „Farm balance sheets will be tested as the US-China trade war escalates, removing important outlets for US soyabeans and corn-based ethanol. (…) company`s scrambled this spring to re-rent land held by investors after farmers walked away from leases because they were rejected for operating loans. (…) ‘There’s stress out there — a lot of stress,’ (…)“ – bto: Wenn diese Blase platzt, dann platzt alles mit. Zu breit sind Spekulation und Fehlinvestition verbreitet. In den 1930er-Jahren hat es bekanntlich die Farmen in den USA besonders schwer getroffen …

    → ft.com (Anmeldung erforderlich): „US farmers’ borrowing boom is built on shaky land values“, 4. Juni 2019

    4 Kommentare
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      Eva Maria Palmer sagte:

      Etwas Ähnliches kann uns auch in Deutschland blühen, allerdings im Bereich unseres Kerngeschäfts, der Automobil-Produktion.

      Während sich unsere Schlafmützen und Abgas-Betrüger damit brüsten, innerhalb weniger Jahre in weiten Teilen nur noch e-Mobile anzubieten, dafür aber viele Jahre längst keine Infrastruktur in Form flächendeckender Ladestationen vorhanden sein wird, werden die Asiaten und vor allem die Chinesen, den Deutschen zeigen, wo der Barthel den Most holt.

      Bei Automobil-Messen zeigen die Deutschen Studien und Koncept-Cars, die sich voraussichtlich kein Deutscher leisten kann, weil sie zu teuer sind, zu schwer und mit bescheidenem Radius von ein paar Hunderten Kilometern auch in der Praxis für den Vielfahrer vorerst nicht in Frage kommen.

      Zusätzlich haben unsere dummgrün-verbrämten Politiker auch die feste Absicht, alle Stromlieferanten abzuschalten, die für die e-Mobilität gebraucht werden.

      Wie es aussieht, wenn sich unsere „Verkehrs- und Energie-Fachleute“ mit Verkehrsdingen beschäftigen, kann man am Berliner Flughafen, Stuttgart 21, dem be“scheuer“ten Mautprojekt der bayr.Lederhosen-Fraktion entnehmen.

      Im Bereich dieser Projekte werden durch Unfähigkeit Unsummen verbraten, die irgendwann hohe 3stellige Milliardenbeträge erreichen.

      Im Kerngeschäft der deutschen Auto-Industie werden es die Deutschen mit Wettbewerbern zu tun haben, bei denen ihre jahrzehntelange Technologie-Führerschaft im konventionellen Automobilbau keinen Wettbewerbs-Vorteil mehr darstellt, weil bei der e-mobilität jetzt schon die Chinesen die Nase vorn haben, mit Fahrzeugen, die kaum teurer sein werden, als das klassische Verbrenner-Auto.

      Man erinnere sich an das brüllende Gelächter unserer Autobosse, als die Japaner den ersten PKW im Frankfurter Automobil-Salon vorstellten.

      Heute sind die Toyotas abwechselnd mit dem Abgas-Betrüger VW an der Weltspitze.

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        Jonas Danner sagte:

        Worauf beruhen die „Betrügereien“ denn? Auf aus der Luft gegriffenen Grenzwerte einer marxistischen EU, die alles in ihrer Macht stehende tut, um uns zu schaden. Es wird ein böses Erwachen geben, wenn die Bürokraten und andere Schmarotzer erkennen, dass sie die Automobilindustrie, die ihren gigantischen Asozialstaat finanziert, zerstört haben.

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Frau Palmer:

        Sehe ich genauso. Die Arroganz, dass wir ein reiches und führendes Land seien, ist unerträglich und an Dummheit nicht zu überbieten. Mit den Kündigungen, die Ford und BASF jetzt angekündigt haben, kommt vielleicht der erste Schritt zum Umdenken in einer grüngehirngewaschenen Bevölkerung, denn das wird nur der erste von ganz vielen Dominosteinen sein, die den Deutschen zurecht zeigen wird, dass sie nichts Besseres sind.

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,

      schön, dass Sie abweichend von den üblichen Theoriethemen heute mal ganz praktisch das Thema Landwirtschaft anpacken, dessen Bedeutung beim margin call von den meisten völlig unterschätzt wird. Im Gegensatz zu dysfunktionalen grundsätzlich luxuriösen Branchen wie z.B. Hotelgewerbe, Yachtbau oder Schmuck ist die Lebensmittelerzeugung nach Maslow zurecht ein Grundbedürfnis. Und es führt m.E. ganz sicher zu politischen Meinungsänderungen, wenn es in dieser Branche zu Betriebsstörungen kommt.

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