Der globale Liquiditäts-Squeeze geht weiter

Mehrfach haben wir uns mit den Folgen des Ausstiegs aus der Politik des billigen Geldes beschäftigt. Wobei man klar sagen muss, dass dieser Ausstieg sehr verhalten erfolgt und eigentlich nur in den USA und China wirklich relevant ist. Dennoch sehen wir die Folgen am zunehmenden Stress in den Weltfinanzmärkten und an der Krise in der Türkei und anderen Schwellenländern.

Damit wird es nicht getan sein, denkt John Plender in der FT:

  • „(…) anything short of a global catastrophe or raging inflation, gold tends to be more responsive to movements of the dollar and US monetary policy than to multiple uncertainties. (…) In effect, the weakness of gold is telling us about a global liquidity squeeze emanating chiefly, though not exclusively, from the US.“ – bto: sondern auch aus China.
  • „The parallel weakness of the copper price reflects, inter alia, a tightness of liquidity in China. As well as a general expectation that the Fed will raise interest rates again in September, the pace at which it shrinks its balance sheet is now accelerating. At the same time the repatriation of a significant part of the US corporate sector’s $2tn-plus offshore cash nest egg results in a tightening of liquidity for offshore dollar borrowers. This cross-border reversal of flows unquestionably has further to go.“ – bto: Wir haben es also mit einem Entzug von Liquidität aus verschiedenen Richtungen zu tun.
  • „(…) a global liquidity squeeze unerringly finds its way to the weaker links in the world economy. Emerging markets with any combination of large current account deficits, rising inflation, politicised monetary policy or large dollar borrowings are clear cases in point. The likes of Turkey, South Africa, Argentina and Chile are thus among the biggest casualties.“ – bto: Und die Frage ist, ob die Fed darauf Rücksicht nehmen wird.
  • „Mixed in with all this is a grinding change of carry trading gears. Through a long period of dollar weakness, investors borrowed in dollars to invest in higher yielding emerging market bonds — one of countless examples of the search for yield while central banks pursued ultra-loose monetary policies. The trade involved a currency mismatch that has come back to punish them severely as the dollar has strengthened over the course of this year. The risk now for emerging markets is that the liquidity squeeze becomes self-reinforcing.“ – bto: was in der Tat nicht ausgeschlossen werden kann.
  • „(…) tightening liquidity in the US prompts a capital exodus from emerging markets, whose central banks and treasuries then defend their currencies by selling dollar reserves and buying local currency assets. That creates a tightening of the domestic financial system as the central bank absorbs domestic liquidity, which in turn creates more domestic economic weakness and thus potentially more capital flight.“ – bto: eine einleuchtende Erklärung des Ablaufs. Ein Margin Call der besonderen Art.
  • There are vulnerabilities in the developed world, too. (…) corporate bond spreads are widening. And in the sovereign debt market Italy is in the line of fire. Once again there are country specific factors behind the vulnerability. (…) That said, an equally important reason why Italian government bond spreads widened last week was that the market is pricing in global liquidity shortages.“ – bto: was nichts anderes bedeutet, als die Rückkehr der Eurokrise mit „full speed“.
  • „(…) it will be much harder for Mr Powell to put policy on hold because President Donald Trump has thrown down the gauntlet by explicitly stating that he was not thrilled by the Fed raising interest rates. Given that he has embarked on an expansionary fiscal policy when the economy is growing faster than its underlying trend rate and the labour market is tightening, the Fed cannot bottle out without conveying the impression that it is betraying its independent central banking mandate.“ – bto: Das stimmt natürlich. Die Fed müsste quasi eine Krise in Kauf nehmen, um die Unabhängigkeit zu beweisen. Doch kommt die Krise, wird man ihr die Schuld geben und sie verliert dann die Unabhängigkeit.
  • „(…) the other big central banks are also set to retreat, in however measured a way, from ultra-loose policy. The odds are on a continuation of the global liquidity squeeze and no let up for emerging markets just yet.“ – bto: Stimmt das, so ist eine Finanzkrise nicht mehr weit.

ft.com (Anmeldung erforderlich): „Global liquidity squeeze looks set to continue“, 20. August 2018

20 Kommentare
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      Dietmar Tischer sagte:

      @ markus

      Die Notenbank fällt natürlich nicht vom Himmel und Notenbanker auch nicht.

      Die Notenbank ist dennoch unabhängig und zwar in ihrem HANDELN, d. h. der Geldpolitik im RAHMEN ihrer SATZUNGEN.

      Ihre Interessen, d. h. die ZIELE, die sie zu verfolgen hat, sind definiert in ihrer Satzung.

      Die Notenbank ist nicht DIREKT demokratisch legitimiert, weil die Bevölkerung nicht ihre Repräsentanten wählt.

      Es ist falsch, daraus zu schließen, dass sie nicht demokratisch legitimiert sei.

      Wenn eine demokratisch legitimierte Regierung Institutionen schafft und sie mit Menschen ihrer Wahl besetzt, sind diese Institutionen demokratisch legitimiert.

      So ist z. B. der Bundesrechnungshof demokratisch legitimiert, als UNABHÄNGIGES Organ der staatlichen Finanzkontrolle entsprechend dem Gesetz zu agieren.

      So agiert er auch.

      Er fragt nicht den Finanzminister, was er kontrollieren darf oder soll.

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        SB sagte:

        @Dietmar Tischer:

        „Wenn eine demokratisch legitimierte Regierung Institutionen schafft und sie mit Menschen ihrer Wahl besetzt, sind diese Institutionen demokratisch legitimiert.“

        Im nationalen Rahmen mag diese Aussage zutreffen. Im internationalen Rahmen, insbesondere, wenn es um die Abgabe von Souveränität, also Fremdbestimmung geht, kann man darüber trefflich streiten.

        „So ist z. B. der Bundesrechnungshof demokratisch legitimiert, als UNABHÄNGIGES Organ der staatlichen Finanzkontrolle entsprechend dem Gesetz zu agieren.“

        Das hört sich erst einmal gut an. Der Bundesrechnungshof darf zwar genau wie die Landesrechnungshöfe als unabhängiges Organ der staatlichen Finanzkontrolle entsprechend dem Gesetz agieren und muss niemanden fragen, was er kontrollieren darf oder soll. Das wars dann aber auch schon. Politik und Verwaltung müssen aus den Ergebnissen des Agierens nämlich keinerlei Konsequenzen für ihr Handeln ziehen. Dies gilt umso mehr je politischer der überprüfte Sachverhalt ist.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ SB

        >Politik und Verwaltung müssen aus den Ergebnissen des Agierens nämlich keinerlei Konsequenzen für ihr Handeln ziehen.>

        Richtig.

        Sie dürfen noch nicht einmal zur Rechenschaft gezogen werden, wenn ihr Agieren nicht kriminell ist.

        Das sind Defizite.

        Sie ändern aber nichts daran, dass der Bundesrechnungshof demokratisch legitimiert ist.

        Zur demokratischen Legitimation, wenn
        nationale Souveränität aufgegeben werden soll:

        Da wird es prinzipiell schwieriger.

        So hat das BVerfG anlässlich der Kreditgewährung durch den ESM geurteilt, dass die Verschuldung Deutschlands nur mit AUSDRÜCKLICHER Zustimmung des Deutschen Bundestags erfolgen darf.

        Die Bundesregierung, auch wenn sie demokratisch legitimiert ist durch Wahl des Volkes und Wahl durch Bundestagsabgeordnete, darf nicht dazu beitragen, dass ein supranationales Gremium von z. B. Finanzministern der Eurozone in Luxemburger Hinterzimmern die Verschuldung Deutschlands erhöht.

        Allerdings hat Voßkuhle, Präsident des BVerfG, gesagt, dass die Deutschen dieses Recht des Bundestags auch auf eine übergeordnete politische Einheit übertragen könnten. Seiner Meinung nach am besten durch eine Volksabstimmung, also „direktdemokratisch“.

        @ jobi

        An dem Sachverhalt, dass Entscheidungen der EZB nach Länderstimmen und nicht nach dem Verhältnis nationalstaatlicher Bevölkerungszahlen erfolgen, ist sein ZUSTANDEKOMMEN demokratisch.

        Die Vereinbarung demokratisch legitimierter Regierungen GENÜGT, damit es ein demokratisch zustande gekommener Sachverhalt ist.

        Ob er klug, vorteilhaft für uns oder andere ist, steht auf einem anderen Blatt Papier.

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    Johannes sagte:

    Die „Droge“ des „billigen Geldes“ fordert ihren Tribut -früher oder späer. Die Notenbanken gleichen Ärzten, die ihrem Patienten (den Staaten) die schmerzhaften Umstände der heilsamen Entziehungskur nicht verschweigen können. Jetzt steht der Patient vor der Wahl: will ich das oder nicht? In den USA ist der Patient unwillig und wettert gegen die FED. In China hat der Patient keine Wahl…

    In Europa zeichnet sich ab, dass der Patient weiterhin auf „Lieferungen“ seitens der EZB besteht und sich dafür unter Führung von Frau Dr. Merkel (!) gerade den passenden Arzt aussucht.

    https://www.nzz.ch/meinung/geschacher-um-ezb-nachfolge-deutschland-scheut-die-verantwortung-ld.1415367

    Es wird m.E. in absehbarer Zeit nicht zu einer veritablen Finanzkrise kommen (von „Unfällen“ abgesehen), weil die Politk letztlich am längeren Hebel sitzt und sich entweder der Therapie entzieht oder den Arzt wechselt. Das geht dann so lange „gut“, wie es der Körper (= die Wirtschaft) schafft. Erst wenn die ausgeschlagene Therapie zu massiven wirtschaftlichen Störungen führt und in der Folge die sozialen Systeme ernsthaft in ihrer Funktion in Mitleidenschaft gezogen werden (da nicht mehr finanzierbar), wird über den Einstieg in die Therapie politisch ernsthaft nachgedacht werden (müssen).

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Johannes

      Wenn massive wirtschaftliche Störungen vorliegen und die Sozialsysteme nicht mehr wie gehabt finanziert werden können, ist es vermutlich zu SPÄT zum Nachdenken.

      Dann wird, so ist anzunehmen, GEHANDELT.

      Und zwar, so muss man leider anhand aktueller Ereignisse annehmen, auf der STRASSE mit Vorkommnissen, die nichts Gutes versprechen.

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        Johannes sagte:

        @DT: ich meinte auch „handeln“. War etwas unscharf in der sprachlichen Präzision ;-)

        Die zeitliche Spanne zwischen „nachdenken“ und „handeln“ wird – wie sie treffenderweise sagen – infolgen von Aktivitäten auf der „STRASSE“ gegen null laufen. Aber vorher wird wohl eher wenig passieren…

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    jobi sagte:

    Vor einigen Wochen stellte man sich an dieser Stelle noch die Frage, aus welcher Ecke sich dieses Mal Unheil ankündigen würde.
    Nun scheint die Sache deutlichere Konturen anzunehmen.
    Die krasse Fehleinschätzung von 2007, es gäbe noch lokal begrenzte bzw. begrenzbare Probleme im globalen Finanzsystem, dürfte so nicht wiederholt werden.
    Vieles wird also darauf ankommen, wie zeitnah die FED reagiert und die Zügel wieder lockert.
    Eine Normalisierung ihrer Bilanz jedenfalls bleibt in diesem Umfeld reines Wunschdenken.
    Für den Anleger hat sich nichts geändert – er bleibt in Wartestellung.

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    Dietmar Tischer sagte:

    >…when the economy is growing faster than its underlying trend rate and the labour market is tightening, the Fed cannot bottle out without conveying the impression that it is betraying its independent central banking mandate.“ >

    Darauf habe ich schon anderntags verwiesen.

    Es wird wirklich spannend:

    BISHER haben die Notenbanken, in erster Linie die richtungsweisende Fed, mit der Geldpolitik dort weitergemacht, wo die Realpolitik der Regierungen am Ende war.

    Denn eine tiefgreifende globale Rezession, möglicherweise gar Depression, haben letztlich nicht die Staaten mit Fiskalpolitik, sondern die Notenbanken verhindert.

    Ab JETZT werden die Notenbanken tendenziell GEGEN die Politik agieren müssen, wenn sie ihrem Mandat gerecht werden und ihr EINZIGES Asset GLAUBWÜRDIGKEIT schützen wollen.

    Konflikte sind absehbar, vor allem in USA, aber auch in der EU.

    Die italienische Regierung übt jetzt schon Druck auf die EZB aus.

    Frankreich wird folgen, wenn Macron wie es scheint mit seinen Reformen nicht die erhofften Erfolge hat.

    Da ist es natürlich vorteilhaft, wenn man vorausschauend keinen Deutschen als Präsidenten der EZB in die Schusslinie stellt …

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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Das stimmt natürlich. Die Fed müsste quasi eine Krise in Kauf nehmen, um die Unabhängigkeit zu beweisen. Doch kommt die Krise, wird man ihr die Schuld geben und sie verliert dann die Unabhängigkeit.“

    Die Fed und auch die anderen wichtigen Notenbanken wie EZB oder BoJ verlieren ihre Unabhängigkeit so oder so, weil sie in der Vergangenheit schon den Fehler gemacht haben, gegenüber ihren Regierungen zu viel nachzugeben. Jetzt zu viele Schulden im System und was auch immer sie machen, jetzt sind sie die Sündenböcke. Entweder erzeugen oder dulden sie eine massive Rezession oder eine deutliche höhere Inflation. In beiden Fällen wird der Ruf nach mehr politischer Kontrolle lauter werden.In den 80ern hätten die Notenbanken bei der politischen Meinungsbildung noch gegensteuern können. Jetzt m.E. nicht mehr. Der Zorn der Bevölkerung wird populistischen Politikern die nötige Macht geben, die Unabhängigkeit aufzubrechen.

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      Dietmar Tischer sagte:

      >Die Fed und auch die anderen wichtigen Notenbanken wie EZB oder BoJ verlieren ihre Unabhängigkeit so oder so, weil sie in der Vergangenheit schon den Fehler gemacht haben, gegenüber ihren Regierungen zu viel nachzugeben.>

      Wie ich weiter unten geschrieben habe, sehe ich das anders:

      Die Notenbanken haben den Regierungen nicht nachgegeben, jedenfalls in USA und in der Eurozone nicht. Im Fall Zypern hat die EZB der dortigen Regierung das Messer an die Kehle gesetzt.

      Die Notenbanken haben AUTONOM gehandelt, freilich im Sinne der Regierungen.

      Man kann darüber streiten, ob sie Fehler gemacht haben.

      Wenn so, haben sie diese mit VERWEIS auf ihre UNABHÄNGIGKEIT begangen.

      Wie auch immer:

      Ihr zukünftiges Szenario besitzt hohe Plausibilität.

      Insbesondere zwei Aspekte sprechen dafür, dass es eintreten wird:

      a) keine Rezession jetzt; wenn es wirklich hohe oder zu hohe Inflationsraten geben wird, dann erst später, so dass wir erst einmal gerettet werden wollen.

      b) die demokratische Legitimation liegt bei den Regierungen und nicht bei den Notenbanken, die ja nicht vom Volk gewählt werden.

      Die Frage ist, ob mit der Aneignung der Geldpolitik durch die Regierungen wirtschaftliche Befriedung erreicht werden kann.

      Ich habe da große Zweifel, weil Geld und Nachfrage per se nicht die Megatrends mit für uns einer Anpassung nach unten drehen kann.

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        Wolfgang Selig sagte:

        @DT: Sie schreiben: „Die Notenbanken haben AUTONOM gehandelt, freilich im Sinne der Regierungen.“

        Jetzt diskutieren wir um des Kaisers Bart. Für mich macht es keinen Unterschied, ob eine Notenbank formal abhängig ist oder nicht, sobald sie in vorauseilendem Gehorsam die Wünsche der Regierung / der Medien / der Wutbürger erfüllen. In dem Moment, wo sie ihr Mandat übertritt, weil es politisch mehrheitsfähig ist, ist für mich die Unabhängigkeit weg. Ich sehe aber ein, dass man Ihre Meinung durchaus auch vertreten werden kann. Die undemokratischen Machtgelüste mancher Geldpolitiker sind ja nicht von der Hand zu weisen…

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        O.K., wir müssen das Thema nicht zu Tode diskutieren.

        Es ist fraglich, ob die EZB ihr Mandat überschritten hat.

        Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen und auch höchstrichterliche Urteile.

        Was m. A. n. richtig ist jenseits von Mandat, Ziel und Handlungsbegründung:

        Die Geldpolitik speziell der EZB war im ERGEBNIS schon Staatsfinanzierung.

        Im Fall Griechenlands 2015 war es – bis der politisch gewollte und finanzierte Rettungsschirm von der griechischen Regierung angenommen wurde – vermutlich sogar vorübergehend Staatsrettung.

        Wir sind in Grauzonen, was das Verhältnis EZB und Politik betrifft und damit wahrscheinlich auf dem Weg zur Monetisierung der Staatsfinanzen.

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